RN/120

18.34

Abgeordneter Mag. Antonio Della Rossa (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Bundesministerin! Liebes Hohes Haus! Zusehende und Zuhörende, wenn noch welche da sind! Ich möchte mit einem Zitat von Max Planck beginnen, der gesagt hat: „Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen.“ Also erst verstehen, dann entscheiden, dann handeln – ich glaube, das wäre auch in der Politik sinnvoll. Genau dafür brauchen wir die Geosphere Austria. Sie erforscht unseren geologischen Untergrund, unser Klima, unsere Atmosphäre. Sie liefert wissenschaftliche Grundlagen, damit wir Gefahren erkennen und vorsorgen können, bevor es zu spät ist. 

Wenn wir schon bei der Atmosphäre sind, nehme ich es mir jetzt heraus, auch ein bisschen die Atmosphäre, die politische Atmosphäre von heute noch einmal Revue passieren zu lassen. Als gelernter Politologe und Soziologe ist man ja auch ein bisschen Seismograf, wenn es um Erdbeben geht, die politischer Natur sind. Dieser Versuch kam ja heute aus dem rechten Eck dieses Hauses: Da wurde versucht, ein Erdbeben auszulösen. (Zwischenruf des Abg. Matznetter [SPÖ].) Aber: Herr Kickl, Sie wären gern ein Vollzeitkanzler, sind aber, wenn wir uns ehrlich sind (Abg. Nemeth [FPÖ]: Zur Sache!), ein Teilzeitabgeordneter, und das genügt halt nicht. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Shetty [NEOS]. – Zwischenruf des Abg. Hammerl [FPÖ].)

Herr Kickl, zwischen dem Anspruch auf das Kanzleramt und der Bereitschaft zur parlamentarischen Arbeit sollte schon ein erkennbarer Zusammenhang stehen, finde ich. Wandern ist gesund, da bin ich bei Ihnen, aber eine Wanderroute ist noch lange kein Regierungsprogramm, und wer politisch zum Gipfel will, der muss sich schon ein bisschen anstrengen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ah!) 

Dazu gehören natürlich konkrete Lösungen. Ich habe den Ansatz bei Ihnen einfach nicht verstanden. (Abg. Hammerl [FPÖ]: Herr Kollege, zur Sache! – Abg. Nemeth [FPÖ]: Zur Sache!) Es ist einfach politisch gesehen: immer dagegen! (Abg. Hammerl [FPÖ]: Herr Präsident ...!) Haft in der Heimat: Waren Sie dafür? – Nein, da waren Sie dagegen. Social-Media-Verbot: Waren Sie dafür? – Nein, da waren Sie dagegen. (Abg. Kickl [FPÖ]: Geht’s jetzt um die Geosphere, oder was?) Waffenverbot: Waren Sie da dafür? – Nein, da waren Sie dagegen. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].) Entlastung an der Zapfsäule: Waren Sie dafür? – Nein, Sie waren dagegen. Seismologisch: schlechtes Erdbeben, wenn Sie mich fragen. (Abg. Darmann [FPÖ]: Was ist mit dir?) Wissen Sie, den Zusammenhang kann ich Ihnen jetzt sagen: Wenn das Dagegensein schon den eigenen Antrag erwischt, wie zum Beispiel in der Steiermark, dann ist Opposition eine Orientierungskrise, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Darmann [FPÖ]: Herr Präsident, er redet überhaupt nicht mehr zur Sache!) Das erinnert mich ein bisschen daran: Da gab es ja so einen schönen Sänger - -

Präsident Peter Haubner: Sprechen wir wieder zum Thema, Herr Abgeordneter? (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].)

Abgeordneter Mag. Antonio Della Rossa (fortsetzend): Ich werde die Brücke gleich schlagen, ich bin beim Thema. (Heiterkeit des Abg. Hammerl [FPÖ].) Warum? – „Ich bin contra aus Prinzip und selbst gegen dieses Lied“, hat er gesungen, ich bin einfach gegen alles, bin einfach gegen jeden. – Das genügt nicht! Und genau da liegt der Unterschied zwischen wissenschaftlicher Arbeit und dem, was Sie tun. (Zwischenruf des Abg. Schnedlitz [FPÖ].) 

Wissenschaft beginnt mit einer Frage, dann kommt eine Beobachtung, Analyse, Überprüfung, und das Ergebnis muss sich dann an den Daten bewähren. So könnte man auch Politik machen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ.)

Wer seine Antwort aber davor schon kennt, der kann das halt nicht tun (Abg. Darmann [FPÖ]: Danke, Herr Professor! – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ]), der kann nicht wissenschaftlich herangehen. (Abg. Hammerl [FPÖ]: Herr Präsident! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sagt er als gelernter Politologe!) 

Damit bin ich wieder bei Geosphere: Wir sichern den dauerhaften Betrieb und die Weiterentwicklung der bestehenden Schaden- und Ereignisdatenbank (italienisch aussprechend:) Cesare, wie das heute so schön genannt wurde. Vorhandene Daten über Naturereignisse und ihre Folgen werden zusammengeführt und vergleichbar ausgewertet. Ich glaube, das ist sinnvoll, denn so können wir tatsächlich Prävention leisten – als Sozialarbeiter kann ich das auch sagen.

Nicht nur aus sozialwissenschaftlicher Sicht, sondern auch aus naturwissenschaftlicher Sicht macht es nur Sinn: erst verstehen, dann entscheiden, dann handeln. Ich glaube, das ist der richtige Weg: ein wissenschaftlicher Zugang, nicht nur zur Naturwissenschaft, sondern auch zur Politik. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

18.38

Präsident Peter Haubner: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.