RN/147
Bericht des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft über den Antrag 174/A(E) der Abgeordneten Peter Schmiedlechner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Förderung der Rehkitzrettung (160 d.B.)
Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zu Tagesordnungspunkt 21, und ich begrüße den Herrn Bundesminister in unserer Mitte.
Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.
Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Irene Eisenhut. – Bitte.
RN/148
19.57
Abgeordnete Irene Eisenhut (FPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es ist schön, über etwas Erfreuliches hier berichten zu dürfen, und zwar gab es im Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft einen Entschließungsantrag, der den Ursprung in einer Initiative der Freiheitlichen Partei hatte und von allen Fraktionen Unterstützung gefunden hat.
Jährlich fallen unglaubliche 23 000 bis 25 000 Rehkitze dem Mähtod zum Opfer. Häufig werden die Tiere schwer verletzt und gehen elendig zugrunde. Das Thema der Rehkitzrettung mag für viele nur eine politische Nebenfront darstellen, aber mich als Tierschutzsprecherin der freiheitlichen Fraktion macht es stolz, dass gerade meine Fraktion dieses Thema hier im Parlament angestoßen hat.
In vielen ländlichen Regionen stehen besonders in den Frühjahrsmonaten unsere Rehkitze vor einer unvorstellbaren Gefahr: den Mähmaschinen auf den Feldern. Bei der Mahd sind sie oft nicht in der Lage, rechtzeitig vor den Maschinen zu fliehen, da die Jungtiere in den ersten zehn Lebenstagen keinen Fluchtinstinkt besitzen. Die gute Nachricht ist: Wir können etwas tun, wir können diese Tiere retten. Mithilfe von modernen Technologien wie Drohnen und Wärmebildkameras können Rehkitze, aber auch anderes Niederwild auf den Feldern frühzeitig erkannt und in Sicherheit gebracht werden.
Natürlich ist die Rehkitzrettung eine gemeinsame Aufgabe. Land- und Forstwirte, Jägerinnen und Jäger sowie freiwillige Helfer arbeiten bereits jetzt sehr gut zusammen, um die beste Lösung zu finden und umzusetzen.
Derzeit ist es so, dass es in den Bundesländern unterschiedliche Förderbeiträge gibt. Da die Rehkitzrettung aber in jedem Bundesland denselben Stellenwert haben sollte, fordern wir ein einheitliches Förderprogramm und Unterstützung all jener, die bereits jetzt ehrenamtlich in diesem Bereich großartige Arbeit leisten.
Hier darf man sich ausnahmsweise auch vom Nachbarland Deutschland etwas abschauen, wo zum Beispiel der Drohnenankauf zur Rehkitzrettung einheitlich gefördert wird, wofür auf kurzem Wege ein Antrag im zuständigen Ministerium gestellt werden kann.
Abschließend möchte ich sagen, dass die Rehkitzrettung mehr ist als nur eine Initiative zum Schutz von Tieren. Es ist eine Frage der Verantwortung und des Respekts gegenüber unserer Umwelt. Lassen Sie uns also gemeinsam dafür sorgen, dass die Rehe auch in Zukunft sicher und gesund aufwachsen können! Die Zustimmung aller Fraktionen zu diesem Antrag ist ein erster Schritt, und es folgt hoffentlich auch eine rasche Umsetzung. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
19.59
Präsidentin Doris Bures: Nun gelangt Abgeordneter Josef Hechenberger zu Wort.
RN/149
20.00
Abgeordneter Ing. Josef Hechenberger (ÖVP): Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause! Ich denke, das Thema Rehkitzrettung – auch Bambis genannt – ist ein Thema, mit dem jetzt nicht jeder sofort etwas anfangen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein bisschen genauer zu erläutern, worum es geht.
Es ist ja so, dass dieser Antrag, der von den Regierungsparteien entwickelt und weiterentwickelt wurde, mehr oder weniger zwei große Themenfelder beinhaltet. Ich darf zum Ersten auf das aus meiner Sicht sehr Wesentliche eingehen: Es gibt in Österreich jährlich über 100 000 Unfälle im Straßenverkehr mit getöteten Wildtieren. Hunderttausendmal Tierleid, hunderttausendmal Sachschaden, hunderttausendmal auch unter Umständen menschliches Leid, Verletzungen bis hin zu Todesfällen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, Präventionsmaßnahmen zu setzen, um die Zahl der Unfälle, der Wildunfälle zu reduzieren – ob das jetzt Reflektoren, Blinklichter et cetera sind. (Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Geschwindigkeitsreduktion!) Es gibt da einfach verschiedenste Initiativen in den Bundesländern.
Zweitens: Rehkitzrettung, denke ich, ist ein Thema, das schon durchaus weit verbreitet ist. Wir wissen ja, wie das Ganze funktioniert. Wenn man mit älteren Bauern spricht, ist es so, dass die so Figuren im Feld aufgestellt haben. Die kleinen Rehe werden dann aus dem Feld transportiert. Inzwischen gibt es aber neue Entwicklungen, neue Techniken. Drohnen mit Wärmebildkameras suchen in den Morgenstunden nach Rehkitzen beziehungsweise entdecken diese. Diese werden gesund und munter aus den Flächen verbracht, bevor diese Flächen gemäht werden.
Da darf ich jetzt schon auf einen Punkt relativ stolz hinweisen. In Tirol sind wir in vielen Punkten voran, das wissen wir, aber in diesem Punkt speziell. Wir haben gemeinsam – Jägerverband, Landwirtschaftskammer, Landarbeiterkammer und Land Tirol – ein Projekt gestartet, das wir finanziell mit 20 000 Euro jährlich unterstützen, wo freiwillige Drohnenpilotinnen und -piloten ehrenamtlich versuchen, auf vielen Flächen die Rehkitze zu finden. Immerhin 5 900 Hektar wurden alleine im letzten Jahr beflogen. Von gesamt geretteten 1 000 Rehkitzen in Österreich waren es alleine 900 in Tirol. (Beifall bei der ÖVP.)
Weil es, glaube ich, dazu passt und weil Kollegin Eisenhut von der FPÖ dieses Thema auch bereits angesprochen hat, erwähne ich es. Ich bin bei meiner Recherche fündig geworden. Es hat mich einigermaßen geschockt: Letztes Jahr haben am 14. Juli die „Oberösterreichischen Nachrichten“ getitelt, dass sechs Rehkitze getötet wurden. Ich habe mir den Artikel durchgelesen. Ein freiheitlicher Gemeinderat hat, obwohl die Jägerschaft mit Drohnen die Flächen durchsuchen wollte, das abgelehnt. Am Ende sind sechs Rehkitze getötet worden. (Abg. Kühberger [ÖVP]: Frechheit!) Das heißt: Diesen Antrag im Parlament einzubringen, ist das eine, viel wichtiger wäre jedoch, mit den wenigen örtlichen Gemeinderäten, die die FPÖ hat, auch in Kontakt zu treten und so vor Ort entsprechende Maßnahmen zu setzen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS.)
Somit, geschätzte Damen und Herren, ist das ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir entwickeln es weiter, wir unterstützen die Länder weiter, um Präventionsmaßnahmen weiterzuentwickeln und damit mehr Rehkitze zu retten. Denn es geht am Ende darum, dass wir einfach entsprechend Verantwortung für mehr Tierschutz, für mehr gesunde Tiere tragen. Wenn wir Unfälle mit Tieren verhindern können, dann, glaube ich, ist das ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft und für das Leben der Tiere. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
20.04
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Schmiedlechner.
RN/150
20.04
Abgeordneter Peter Schmiedlechner (FPÖ): Danke, Frau Präsident! Herr Minister! Sehr geehrte Zuseher! Natürlich, Herr Hechenberger, Herr Kollege, Sie sind die Besten, Sie haben da natürlich immer die Lösung parat und Sie haben natürlich immer alles schon gemacht. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Leider haben Sie auf Bundesebene bisher zu diesem Thema noch nichts weitergebracht. (Beifall bei der FPÖ.) Deswegen freut es mich sehr, dass Sie jetzt auf unsere Initiative hin unserem Antrag – natürlich noch verbessert – Ihre Zustimmung geben und dass wir da jetzt endlich etwas weiterbringen.
Für diejenigen, die sich vielleicht bei der Rehkitzrettung nicht so auskennen: In den Monaten Mai, Juni setzen die Rehe ihre Kitze, das heißt, sie bekommen ihre Jungen. Und die Kitze haben es so in ihrer Natur, dass sie eigentlich in den ersten Tagen kein Fluchtverhalten zeigen und sich in das hohe Gras hineinducken. Gerade in diese Zeit fällt dann oft die Mahd hinein, also die Bauern schneiden ihre Wiesen und ernten ihre Felder ab. Das ist dann oft ein riesengroßes Problem, nicht nur für die Rehe, sondern es ist auch ein Problem für die Landwirte. Für die Rehe endet das Ganze leider oft tödlich.
Zusätzlich muss man aber auch sagen: Es ist ein riesengroßes Problem für die Landwirtschaft, für die Bauern, da dann auch Verunreinigungen im Futter drinnen sind. Durch diese Verunreinigungen kommt es in weiterer Folge auch für die Nutztiere, die das Heu oder die Silage dann fressen, zu riesengroßen Problemen. Deswegen ist es, glaube ich, einfach auch wichtig, dass man die vielen Maßnahmen, die durch die Jägerschaft, die durch die Bauern, die durch Freiwillige schon gesetzt wurden, jetzt endlich auch unterstützt, dass man diese auch von Bundesseite unterstützt und fördert. Ich bedanke mich sehr, dass wir da einen einstimmigen Beschluss zusammengebracht haben und dass wir in dieser Sache etwas weiterbringen.
Es gibt ja schon viele Maßnahmen: das Abgehen der Flächen durch die Jägerschaft, Vergrämung durch akustische Wildretter oder Aufstellen von Vergrämungsmitteln. Natürlich gibt es jetzt schon moderne technische Mittel wie Drohnen, auch Drohnen mit Wärmebildkameras, aber es gibt auch auf den Erntemaschinen gewisse Warner, die genau anzeigen, wenn wo ein Rehkitz liegt. Das ist einfach eine Unterstützung. Technik kostet Geld. Ich denke, da gehört die Jägerschaft, aber auch die Landwirtschaft unterstützt. Deswegen ein Danke für die breite Zustimmung. Das ist ein gemeinsamer wichtiger Schritt für den Tierschutz, für die Landwirtschaft und für die Kulturlandschaft. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
20.07
Präsidentin Doris Bures: Frau Abgeordnete Elisabeth Feichtinger, Sie haben das Wort.
RN/151
20.07
Abgeordnete Elisabeth Feichtinger, BEd BEd (SPÖ): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Minister! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute möchte ich über etwas sprechen, das sehr klein ist und oft auch nicht gesehen wird, aber von großer Bedeutung ist, und zwar über die Rehkitze, die bei uns auf den Wiesen und den Feldern sind. Jedes Jahr im Frühling starten die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Mäharbeiten und zur selben Zeit starten auch die Rehgeißen, ihre Kitze in die Felder zu setzen.
Das Problem, das wir haben, ist: Rund 25 000 dieser Rehkitze werden jährlich von Mähmaschinen getötet, leider oft leise, unbemerkt und lautlos. Das soll kein Vorwurf gegenüber den landwirtschaftlichen Betrieben sein. Im Gegenteil! Es soll nur das Augenmerk darauf hingelenkt werden, dass man auch Verantwortung übernehmen soll.
Dank moderner Techniken ist das heutzutage auch schon möglich. Es gibt ganz tolle Lösungen: ob das Drohnen oder Wärmebildkameras sind, ob das die akustischen Wildretter oder viele freiwillige Helferinnen und Helfer sind, die vor der Mahd noch durch die Felder gehen und schauen, ob dort irgendwo Rehkitze sind. Ein herzliches Dankeschön an die Tierschützerinnen und Tierschützer, an die Jägerschaft, die da auch sehr engagiert ist, an die Bäuerinnen und Bauern, die schon so innovativ und offen sind und sagen: Schaut mir bitte meine Felder durch, denn alleine schaffen wir das nicht! Ich gratuliere und sage, super, dass sie diesen Weg schon gehen. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten von ÖVP und Grünen sowie des Abg. Shetty [NEOS].)
Warum ist das wichtig? – Weil unsere Kulturlandschaft nur mit der Landwirtschaft und mit dem Naturschutz einhergehend funktionieren kann und weil wir Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe tragen müssen. Es ist nicht nur wichtig, dass im Stall alles funktioniert, sondern auch auf den Wiesen. Wir brauchen eine gute Zusammenarbeit. Das funktioniert auf vielen Ebenen schon zwischen den Bäuerinnen und Bauern, den Jägern, den Gemeinden und natürlich auch den Freiwilligen.
Mit diesem gemeinsamen Antrag zeigen wir, dass wir Verantwortung übernehmen. Das ist auch ein besonderes Zeichen für die Natur und für die Rehkitze, denn jedes gerettete Rehkitz ist nicht nur ein Stück Natur, das bewahrt wurde, sondern es ist auch ein Symbol dafür, dass wir als Gesellschaft hinsehen und nicht wegschauen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
20.10
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Albert Royer.
RN/152
20.10
Abgeordneter Albert Royer (FPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Zuerst möchte ich einmal sagen, dass ich das vom Tiroler Kammerpräsidenten Hechenberger jetzt schon als grobes Foul empfunden habe. Solche Aussagen zu tätigen, nur weil es einen Einzelfall von einem freiheitlichen Funktionär gibt, das finde ich sehr unredlich, weil ich glaube, dass dieses Thema, die Rehkitzrettung, wirklich nicht für Parteipolitik geeignet ist. (Beifall bei der FPÖ.)
Ich glaube, wir sind uns da wirklich alle einig, und ich möchte ein bisschen aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz erzählen: Wir haben heuer im Frühjahr erfahren, dass unsere Gemeinde dem Gemeindebauernausschuss eine Drohne zur Verfügung gestellt hat; die Mitglieder des Gemeindebauernausschusses sind damit geflogen. Ich habe mich darüber riesig gefreut und habe das persönlich auch in Anspruch genommen. Ich mache Mähtätigkeiten mit Traktor und Mähwerk mittlerweile seit gut 35 Jahren, und ja, ich habe über die vielen Jahre das eine oder andere Rehkitz erwischt, ganz klar. Das sind immer herzzerreißende Szenen, das wünsche ich weder Freund noch Feind, das macht überhaupt keinen Spaß. Also wenn es eine technische Möglichkeit gibt: her damit!; wenn wir sie finanzieren können: gute Sache! Wenn wir uns hier im Hohen Haus über alle Parteigrenzen hinweg darüber einig sind, dann ist das eine sehr gute Sache, dass das so passiert, das ist eine ideale Weiterentwicklung. (Beifall bei der FPÖ.)
Fachlich möchte ich nur auf eines eingehen: Im Ausschuss hat irgendjemand gesagt, die Blühstreifen seien eine gute Maßnahme gegen den Rehkitztod. – Mitnichten! Das kommt halt sehr auf den Mähzeitpunkt an: Wenn jemand sehr früh mäht und die Rehe noch nicht gesetzt haben, dann setzen sie eventuell vor dem zweiten Aufwuchs, dann geht sich das zwischendurch aus. Wenn man etwas extensiver ist und nach dem 20. Mai den ersten Schnitt macht, dann wird es kritisch, weil das genau die Zeit ist, in der sie dann eventuell schon setzen oder auch noch nicht. Es kommt sehr auf den Mähzeitpunkt an, der Blühstreifen ist beim ersten Aufwuchs nicht sichtbar. Da hat man eine Vegetation, da hat man eine Wiese, ein Feld, das schaut alles gleich aus, und das Reh weiß natürlich auch nicht, dass da ein Blühstreifen ist. (Zwischenruf der Abg. Voglauer [Grüne].) Wir mähen 93 Prozent weg, lassen die 7 Prozent stehen; ein paar Wochen später wird das Zeug dann braun, dann kennt man, dass es ein Blühstreifen ist.
Aber wie gesagt: Dieses Thema bitte nicht für Parteipolitik hernehmen. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
20.12
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer.
RN/153
20.12
Abgeordneter Mag. Christoph Pramhofer (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher, vor allem Lola und Alma, die mir ihr Rehkitz geborgt haben! (Der Redner stellt ein Stoffrehkitz auf das Redner:innenpult.)
Die Natur ist in vielerlei Hinsicht ein perfektes System, sie reguliert sich meistens auch selbst. Leider geraten die Abläufe dann aber oft auch mit unserem modernen Leben in Konflikt, zum Beispiel genau dann, wenn die Setzzeit der Rehe – wir haben es heute schon gehört – mit der Mähsaison unserer Wiesen zusammenfällt. Viele Landwirte durchstreifen heute schon vor dem Mähen die Felder, trotzdem bedeutet die Mähzeit immer auch den Tod für 25 000 Rehkitze. Wir haben es jetzt schon ein paar Mal gehört: Das ist wirklich eine sehr, sehr unschöne Situation, das ist wahnsinnig traurig, und es muss heutzutage einfach nicht mehr sein. Das macht auch niemand mit böser Absicht, das hier zu erwähnen, ist ganz wichtig. Die Landwirte leisten da wirklich einen sehr, sehr wertvollen Beitrag. Die modernen Mähmaschinen sind aber einfach so schnell, dass der Mensch dann gar nicht mehr rechtzeitig eingreifen und reagieren kann, deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir diesen Antrag heute beschließen, und ich möchte mich ausdrücklich bei Herrn Kollegen Schmiedlechner bedanken, der dieses Thema hier ins Hohe Haus gebracht hat.
Die Lösung liegt aber nicht im Zurückdrängen von technischen Entwicklungen – ganz im Gegenteil –, sondern wir können diese modernen Technologien nutzen. Wir haben es heute schon gehört: Drohnen mit Wärmebildkameras waren in letzter Zeit, in den letzten Jahren dort, wo sie eingesetzt worden sind, wirklich ein wahrer Gamechanger. Sie ermöglichen es, in der Früh ganze Felder systematisch abzufliegen, das geht teilweise sogar schon vollautomatisiert, und man kann mittlerweile sogar moderne KI einsetzen, um die Rehkitze zu lokalisieren, noch bevor der erste Traktor überhaupt ausrückt.
Technik allein ist aber nicht ausreichend. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Zusammenarbeit von Jägerschaft, Landwirtinnen und Landwirten, Freiwilligen, Gemeinden und Behörden. Dort, wo diese Zusammenarbeit gut funktioniert, sehen wir eindrucksvolle Erfolge, und es ist unsere Aufgabe, diese positiven Beispiele sichtbar zu machen, zu unterstützen und zu verstärken. (Das rote Lämpchen auf dem Redner:innenpult blinkt und färbt das Stoffrehkitz rot. – Heiterkeit des Redners sowie Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Kogler [Grüne]: Dein Reh blinkt!) Genau deswegen haben wir eine parlamentarische Initiative gestartet, wir werden zur Rehkitzrettung aufrufen; auch das wurde bereits erwähnt. Die Tiroler sind mit rehkitzrettung.at Vorreiter, und auch das werden wir selbstverständlich unterstützen. (Beifall bei NEOS und ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)
Es gehört aber auch dazu, bürokratische Hürden abzubauen, etwa betreffend die Genehmigung von Drohneneinsätzen durch die Austro-Control. Es darf nämlich nicht sein, dass der Einsatz zum Schutz von Wildtieren an Formalitäten scheitert.
Wildtierrettung ist Naturschutz, ist praktischer Tierschutz, ist ein Beitrag zur Bewahrung der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft – und es ist eine Gelegenheit, die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft wieder zu stärken. Lassen Sie uns daher gemeinsam an diesem Strang ziehen, parteiübergreifend, pragmatisch und mit dem Ziel, Tierleid zu vermeiden und Biodiversität zu sichern. – Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und ÖVP sowie der Abg. Feichtinger [SPÖ].)
20.16
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Olga Voglauer.
RN/154
20.16
Abgeordnete Dipl.-Ing. Olga Voglauer (Grüne): Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Draga Visoka Hiša! Es geht um die Rehkitzrettung. Ich habe jetzt meinen Vorredner:innen gut zugehört, und vielleicht, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ist der Eindruck entstanden, wir würden wirklich auf Bundesebene im Wege des Ministeriums die Rehkitzrettung gewährleisten. Das wäre so gewesen, wenn wir im Agrarausschuss dem Antrag zugestimmt hätten, den Kollegin Eisenhut eingebracht hat, um das auch zu korrigieren, Herr Pramhofer, aber leider sind wir dazu nicht gekommen. Wir Grüne hätten das gerne unterstützt, denn ja, wenn wir Tierleid und auch das Leid von so kleinen Rehbabys verhindern können, dann sollten wir alles daran setzen.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle – es wurde heute schon gesagt –, die dafür Sorge tragen, bei ihrer Mahd auch wirklich kein Tier zu verletzen, und an die vielen Freiwilligen, die zu Hilfe eilen.
Man hat aber – beim Agrarausschuss war ich schon – nicht diesem ursprünglichen Antrag zugestimmt. Es wäre ganz klar gewesen: Das, was wir hier besprochen haben, hätten wir heute auch gerne gemeinsam beschlossen. – Nein. Was wurde denn beschlossen und was soll denn heute beschlossen werden? – Es läuft ganz nach dem Motto: Wenn du nicht mehr weiterweißt, bilde einen Arbeitskreis! (Abg. Schmuckenschlager [ÖVP]: Da kennen sich die Grünen ja aus!) Im Sinne dieses 27er-Antrages werden wir heute einem Erfahrungsaustausch unter den Bundesländern zustimmen; wir werden dem zustimmen, dass wir Initiativen evaluieren; wir werden zustimmen, dass wir Kooperationen stärken. Wir werden aber auch dem zustimmen, dass Fallwild, sprich Unfälle, Autounfälle, Verkehrsunfälle mit Rehen, vermieden werden sollen.
Herr Minister, ich finde das super! Wenn wir jetzt diesen Arbeitskreis bilden, dann bitte ich Sie gleich, dass wir in diesem Arbeitskreis auch darüber sprechen, dass wir vielleicht die Raserei auf den Landesstraßen, das Zu-schnell-Fahren reduzieren. Das wird betreffend Fallwild nämlich wahrscheinlich ganz wesentlich sein, dass wir nicht zu schnell unterwegs sind – und wir könnten da auch fürs Klima einen wesentlichen Beitrag leisten. (Beifall bei den Grünen.) Ganz nach dem Motto: Wir retten die Rehe mit runter vom Gas – so könnte man heute auch sagen.
Wir finden es aber schade, dass wir im Agrarausschuss einen Antrag betreffend Rehkitze brauchen, damit wir hier über Agrarpolitik diskutieren. Vielleicht schaffen wir es über die Parteigrenzen hinweg, ohne Parteipolitik, sinnhafte, vorausschauende, visionäre Politik – wie jetzt betreffend Rehkitze – zu anderen Themen zu machen. Zum Beispiel: Wie schaut es mit der Verunreinigung unseres Trinkwassers mit PFAS-Pestiziden aus? Wie schaut es mit gebührender Förderung von biologischer Landwirtschaft aus? Wie schaut es mit gebührender Förderung und Unterstützung hinsichtlich Tierwohl und Tierschutz bei Schweinen aus?
Es hätte mich sehr gefreut, wenn wir auch darüber hätten reden können. Jetzt bleiben wir beim Arbeitskreis, aber Sie wissen: Auch so etwas unterstützen wir Grüne gerne. (Beifall bei den Grünen.)
20.19
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Bettina Zopf.
RN/155
20.19
Abgeordnete Bettina Zopf (ÖVP): Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zuseherinnen und Zuseher! Heute rede ich nicht als Abgeordnete, sondern als Jägerin und Ehefrau eines Jägers. Folgende Geschichte hat sich bei uns daheim vor zwei Jahren ereignet – und das ist nichts für schwache Nerven –: Mein Mann ist Jäger und ist natürlich bei der Rehkitzrettung selbst und persönlich aktiv dabei. Im Mai, im Juni rufen die Bauern an: Morgen wird gemäht. Er rückt aus um 4 Uhr in der Früh, geht die Felder ab. Dann kommt der Bauer, sagt, es ist ihm etwas passiert. Obwohl er durchgegangen ist – sie haben geschaut, sie haben gesucht –, hat er eines erwischt und es ist davongesprungen.
Mein Mann sagt: Bitt di goa sche, fahr mit! Wenn das Kitz davongesprungen ist, müssen wir schauen, was es hat, und müssen es fangen. Ich werde das mein Leben lang nicht vergessen, das Klagen dieses Rehkitzes habe ich immer noch in den Ohren. Wir haben es dann von seinem Leid erlöst. Die Hinterläufe waren weg.
Dass man so etwas vermeiden soll, das, glaube ich, ist uns allen bewusst. Das war auch der Anlass, dass ich die Jägerschaft und die Ortsbauernschaft dabei unterstützt habe, dass sie eine Drohne angeschafft haben. Ich war heuer selber aktiv beim Drohnenflug dabei. Die Jägerschaft hat sich eine Drohe angeschafft. Der Jagdleiter, Robert Hufnagl, hat mich angerufen: Du, Bettina, du hast einmal gesagt, du würdest das unterstützen. Das habe ich natürlich unterstützt. Die Ortsbauernschaft hat auch einen Beitrag geleistet.
Jetzt machen sie es jedes Jahr im Frühjahr so: Sie fliegen die Felder ab und retten die Rehkitze. Ich war heuer selber dabei. Das ist absolut förderungs- und unterstützungswürdig.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Der größte Dank gilt all jenen, die sich die Arbeit draußen antun, die um 4 Uhr in der Früh aufstehen, mit der Drohne fliegen, dann durchgehen und die Rehkitze aus der Wiese holen und in einer Kiste so lange versorgen, bis die Gefahr vorüber ist. (Beifall bei ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen.)
Ein Rehkitz versteckt sich aus Instinkt, macht sich niedrig und bleibt im Gras sitzen, es flieht nicht. Daher vielleicht noch eine Bitte und einen Appell: Wenn jemand zu einem Rehkitz kommt, bitte schön, nicht angreifen und wegtragen! Das sollte bitte nur von Leuten gemacht werden, die sich auch auskennen. Wenn das Rehkitz nämlich angegriffen und weggetragen wird, kann es sein, dass es die Mutter nicht mehr annimmt oder dass es die Mutter vielleicht gar nicht mehr findet. Also bitte schön, wenn ihr eines findet, dann lasst es liegen! (Beifall bei ÖVP, SPÖ und NEOS.)
20.22
Präsidentin Doris Bures: Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen.
Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.
RN/156
Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir nun zu den Abstimmungen.
RN/156.1
Zunächst lasse ich über den Antrag des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft, seinen Bericht 160 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 174/A(E) zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen.
Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen.
RN/156.2
Wir kommen weiters zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 160 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Förderung der Wildrettung zur Vermeidung von Tierleid, Schutz der Artenvielfalt und Stärkung der Zusammenarbeit in der Agrarlandschaft“.
Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. (25/E)