RN/229

18. Punkt

Bericht des Sportausschusses über den Antrag 457/A(E) der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Aus- und Weiterbildung von Bewegungs- und Sportlehrer:innen für Kinder mit Behinderungen (242 d.B.)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wir gelangen nun zum 18. Punkt der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Als Erste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sunitsch. Eingemeldet: 3 Minuten Redezeit. – Es ist die gesamte Restredezeit Ihrer Fraktion. (Abg. Gödl [ÖVP]: Es sind nur mehr 2 Minuten Redezeit offen!) Pardon, 2 Minuten sind offen. 

RN/230

21.44

Abgeordnete Nicole Sunitsch (FPÖ): Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Frau Staatssekretär! Auch von meiner Seite herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! – Vielen Dank für die Wahlwerbung für die FPÖ. Ich komme wieder zur Sache, dass es wieder ein bisschen ruhiger wird.

Zu einem viel wichtigeren Thema, und zwar: Wer Kinder beim Sport beobachtet, sieht strahlende Gesichter, Teamgeist und jede Menge Energie. Sport verbindet, egal, ob am Fußballplatz im Freien oder in der Halle. Doch wer genauer hinschaut, sieht manchmal auch Kinder, die am Rand stehen – nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht können. Ein Rollstuhl passt nicht durch die Tür, ein Lehrer weiß nicht, wie er ein Kind mit Beeinträchtigung einbinden soll, Assistenz, Zeit, Geld und Mittel fehlen.

Ich erinnere mich an ein Mädchen, das beim Schulsport immer den Ball holen durfte, wenn er ins Aus ging. Das war ihre Aufgabe, weil sie selbst nicht mitspielen konnte. Sie hat sich gefreut, irgendwie dabei zu sein, aber man hat gespürt, sie wollte eigentlich mitten im Spiel sein. Dieses Bild bleibt mir heute noch in Erinnerung.

Sport ist Bewegung, Sport bedeutet Dazugehören und Selbstvertrauen, und gerade für Kinder mit Behinderungen ist es wichtiger denn je, nicht nur dabei zu sein, sondern mittendrin. Im Turnsaal lernen Kinder nicht nur, wie man läuft und springt, sondern sie lernen, gemeinsam zu wachsen. Doch Barrierefreiheit ist vielerorts nicht selbstverständlich, weder bei den Zugängen, den Umkleiden noch bei der pädagogischen Vorbereitung. So bleiben Kinder, die eigentlich mitmachen wollen, immer am Rand zurück. Das ist ein Verlust für die Kinder der Klasse und die Gemeinschaft.

Es geht uns, der FPÖ, uns Freiheitlichen, um Chancengleichheit, Zusammenhalt und um eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt. – Vielen Dank. (Beifall bei der FPÖ.)

21.46

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Sams. – Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

RN/231

21.47

Abgeordneter Mag. Manfred Sams (SPÖ): Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Alles Gute zum Geburtstag, liebe Michaela! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Manchmal braucht es keine Daten, manchmal reicht ein Blick, um zu verstehen, worum es geht: ein Turnsaal, Kinder laufen, lachen, spielen – und am Rand sitzt ein Kind, das zuschaut, aber es macht nicht mit, weil es im Rollstuhl sitzt und niemand so recht weiß, wie man es einbinden kann.

Genau da setzt dieser Antrag an: Wir wollen, dass jede Bewegungseinheit, jedes Spiel, jede Übung so gestaltet wird, dass alle Kinder mitmachen können – egal, ob sie eine körperliche, sensorische oder geistige Beeinträchtigung haben, denn Sport ist mehr als Bewegung, Sport bedeutet dazugehören. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir wollen, dass Bewegungs- und Sportlehrer:innen in ihrer Ausbildung künftig noch stärker lernen, wie sie Kinder und Jugendliche mit Behinderung fördern, begleiten und einbinden können, damit jene, die täglich mit Kindern arbeiten, auch wissen, wie man Vielfalt im Turnsaal lebt.

Inklusion darf kein Anhängsel im Lehrplan sein, sondern muss zum Selbstverständnis jeder Sportausbildung werden. Wer Teamgeist predigt, aber nicht alle mitmachen lässt, hat den Sinn von Sport nicht verstanden. (Beifall bei der SPÖ.) 

Die Bundessportakademien leisten da bereits viel mit Unterrichtseinheiten zu Inklusion, Gleichstellung und Behindertensport. Wir haben gemeinsam mit dem Bildungsministerium und Expert:innen einen Abänderungsantrag erarbeitet, der all diese wichtigen Ziele klar, verbindlich und nachhaltig festschreibt. Er trägt eine sozialdemokratische Handschrift, weil er Barrieren abbaut und Chancen eröffnet.

Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten steht fest: Chancengleichheit beginnt nicht im Wettkampf, sondern dort, wo alle mitmachen dürfen. Wenn wir wollen, dass sich jedes Kind entfalten kann – körperlich, seelisch und sozial –, dann müssen wir den Sportunterricht so gestalten, dass alle Platz haben.

Deshalb freut es mich, dass der Antrag in der Fassung des Abänderungsantrages im Sportausschuss einstimmig beschlossen wurde, und ich freue mich auch heute über eine breite Zustimmung. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

21.49

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Eder. – Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. 

RN/232

21.49

Abgeordnete Heike Eder, BSc MBA (ÖVP): Danke, Herr Präsident! Liebe Frau Staatssekretärin, alles Gute zum Geburtstag! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und liebe Zuseher! Wir sprechen heute bei diesem Tagesordnungspunkt über das Thema Inklusion im Sport, ein Thema, das oft etwas abstrakt wirkt, und zwar so lange, bis man es selbst erlebt hat. 

Während meiner Schulzeit am Schigymnasium Stams in Tirol hatte ich im Maturajahr einen schweren Unfall und war mehrere Monate auf Reha. Vier Monate später kam ich dann zurück ins Schigymnasium Stams in Tirol, denn meine Matura wartete auf mich. Ihr könnt euch das wahrscheinlich ganz gut vorstellen: Das ist eine Schule für Elitesportler, für Skisportler und deshalb überhaupt nicht barrierefrei. Meine Trainerinnen und Trainer bauten allerdings für mich mitten im Kraftraum einen – wir nannten es so – Catwalk auf: einen schmalen Steg mit Barren links und rechts, an dem ich gehen üben konnte, während meine Trainingskolleginnen gleichzeitig Krafttraining absolvierten. 

Meine Damen und Herren, das war für mich so der idealtypische Fall von gelebter Inklusion: wir alle Teil einer Trainingsmannschaft, aber mit unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen, ich gerade frisch verunfallt, frisch verletzt, am Beginn einer langen Rehaphase und gleichzeitig mitten im Kraftraum, zusammen mit meinen Kolleginnen, die Spitzensportler waren und durch das Krafttraining noch die letzten paar Prozent für ihre sportliche Leistungsfähigkeit herauskitzelten.

Ich hatte damals viel Glück, aber viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben nicht dieses Glück. Noch immer gibt es Schulen, in denen die Turnhallen nicht barrierefrei zugänglich sind, und noch immer sitzen Kinder mit einer Behinderung beim Turnunterricht in der Sporthalle am Rand und machen ihre Hausaufgaben, während ihre Schulkameradinnen und -kameraden am Turnunterricht teilnehmen. Oft passiert das auch deshalb, meine Kolleginnen und Kollegen, weil Lehrerinnen und Lehrer selbst sagen, sie wissen nicht, was sie mit dem Kind mit Behinderung tun sollen und wie sie das Kind adäquat in den Turnunterricht einbinden können.

Darum, meine Damen und Herren, ist dieser Abänderungsantrag, den wir heute beschließen, unglaublich wichtig, denn er lenkt den Blick auf die Aus- und Weiterbildung unserer Bewegungs- und Sportlehrer:innen, indem die Ausbildungen erweitert werden, damit Lehrerinnen und Lehrer mehr Handwerkszeug für einen inklusiven Sportunterricht bekommen, und das Förderangebot für Fortbildungen verstärkt wird. Inklusion und Sport beginnt nämlich nicht mit Spezialgeräten, sondern sie beginnt mit Wissen, mit Haltung und mit Kompetenz – denn am Ende sollte unser aller Ziel sein, dass kein Kind mehr auf Glück angewiesen ist, um dazuzugehören. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und Grünen.)

21.53

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

RN/233

21.53

Abgeordnete Fiona Fiedler, BEd (NEOS): Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin, alles Gute zum Geburtstag an dieser Stelle! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Inklusion ist für diese Bundesregierung auch ein sportpolitisches Hauptanliegen – denn Sport ist eines dieser Dinge im Leben, die Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenbringen können, um Brücken zu bauen und Gräben zu überwinden. Sport steht für Gleichberechtigung und die Chance eines jeden, Großartiges zu vollbringen. Gleichzeitig lehrt Sport uns Fairness – auch im Wettbewerb – und aufeinander zu schauen. Durch Sport treten wir mit unseren Mitmenschen in Austausch und lernen währenddessen uns selbst besser kennen.

Dieses gesellschaftliche Gut darf niemandem vorenthalten werden. Wir NEOS wissen das. Umso mehr freuen wir uns, heute einen von allen Parteien gestützten Antrag im Nationalrat präsentieren zu dürfen.

Kollegin Prammer wies in ihrem Antrag darauf hin, dass sich Lehrpersonal inklusivem Sport nicht gewachsen fühle. In der Folge meldeten Eltern von Kindern mit Behinderung diese oft vom Turnunterricht ab. Das ist eine ernste Angelegenheit, denn jeder und jede Lehramtsstudierende erhält bereits heute in der Primar- und Sekundarstufenausbildung eine Vorbereitung auf Inklusion im Sport- und Bewegungsunterricht. Daneben gibt es vielfältige Fortbildungsangebote der pädagogischen Hochschulen und auch curriculare Verankerungen in den österreichischen Trainerausbildungen an Bundessportakademien. All das scheint aber noch nicht zu genügen. Gleichzeitig gibt es für mich und für uns keine Alternative zur erfolgreichen Inklusion im Sport. 

Das heißt zum einen, dass Lehrer:innen sich hier mehr einbringen müssen, sich im Bewegungs- und Sportunterricht in Inklusionsklassen auch mehr zutrauen können und müssen. Oft wird der Sportunterricht auch aus Angst, dass den Kindern etwas passiert, nicht abgehalten. Als Reservelehrerin habe ich das sehr oft erfahren, weil ich in einem Schuljahr an 16 verschiedenen Schulen unterrichtet habe und jedes Mal den Sportunterricht übernehmen musste, weil es die anderen nicht wollten – nur damit den Kindern nichts passiert und nicht die Eltern dann im Hintergrund dastehen.

Zum anderen heißt es aber, dass wir NEOS, in deren Verantwortung die Lehrerausbildungen liegen, uns darum kümmern werden, die geeigneten Rahmenbedingungen für den inklusiven Unterricht zu schaffen. In diesem Sinne bedanke ich mich für die gemeinsame Initiative bei meinen Kolleg:innen und danke unserem Bildungsminister, dass er sich einer Erweiterung der Ausbildung von Bewegungs- und Sportlehrer:innen unter dem Aspekt inklusiver Pädagogik widmet. – Danke. (Beifall bei den NEOS, bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Silvan [SPÖ].)

21.56 

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Prammer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

RN/234

21.56

Abgeordnete Mag. Agnes Sirkka Prammer (Grüne): Vielen Dank, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sportunterricht in der Schule: Man verbindet Unterschiedliches damit. Für manche waren es die Stunden, die man am liebsten nicht gehabt hätte – aber ich glaube, für die allermeisten waren es die Stunden, die eine willkommene Auszeit vom Schulalltag waren, in denen man sich endlich einmal hat bewegen können und nicht immer steif und ruhig am Sessel sitzen musste.

Sport ist was, das man gemeinsam macht, woran man Spaß hat, bei dem man die eigenen Grenzen austesten kann und schauen kann, wie man jedes Mal etwas besser wird, als man beim vorherigen Mal gewesen ist. Sport ist etwas, das ganz, ganz viele positive Erlebnisse hinterlässt.

In so einer Schulsportstunde gibt es dann womöglich ein Kind, das den anderen dabei zuschauen muss, wie sie diese Erfahrungen machen, das auf einer Langbank, die dort abgestellt ist, am Rand sitzt und das die ganze Stunde nicht beachtet wird, weil alle anderen mit dem Sport beschäftigt sind. Dort sitzt das eine Kind, das auch so gerne mitmachen würde – und das auch mitmachen könnte, das auch Dinge machen könnte, das auch seine eigenen Grenzen ausloten könnte, das sich auch bewegen könnte und das auch jedes Mal wieder über sich selbst hinauswachsen könnte. Man lässt es aber nicht, und gar nicht aus bösem Willen, sondern einfach deshalb, weil es eine Lehrerin, weil es einen Lehrer hat, die oder der sich denkt: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig mache, ob ich da womöglich etwas falsch machen könnte, ob ich womöglich irgendetwas anrichten könnte. Ich lasse es lieber und lege den Eltern nahe, dieses Kind doch lieber vom Sportunterricht abzumelden. Es könnte sich ja wehtun. – Das ist etwas ganz, ganz Schreckliches für alle Beteiligten.

Gleichzeitig wissen wir: Es gibt 2026 Paralympische Spiele. Es könnte passieren, dass diese Spiele 2026 die letzten in einer Reihe sind, bei denen es ein großes Feld an Athletinnen und Athleten gibt, die teilnehmen und die da relativ gesetzte Medaillenkandidaten und -kandidatinnen sind – weil dem paralympischen Team, dem Parasport der Nachwuchs fehlt. Auch das hat seine Ursache darin, dass Kindern die Bewegung im Kindesalter nicht angewöhnt, sondern abgewöhnt wird, dass Kinder gesagt bekommen: Lass das mit dem Sport lieber, das könnte dir nicht guttun. Das ist ein riesengroßes Problem. 

Das zeigt diese Spannweite, die dieses Problem aufreißt: Es ist einerseits ein individuelles Problem. Es ist einerseits das Problem dieser Kinder, weil sie die Möglichkeit verwehrt bekommen, Sport zu machen, durch den Sport zu wachsen, sich durch den Sport zu stärken, durch den Sport ihre Gesundheit zu fördern. Auf der anderen Seite ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, weil uns diese Kinder, weil uns diese Talente dann später einmal fehlen, denn wer als Kind – und das wissen wir alle – dieses Fenster verpasst, in dem man wirklich in den Sport hineinwachsen muss, um als junger Erwachsener Höchstleistungen auf Spitzenniveau erreichen zu können, für den ist es vorbei, und nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für den Freizeitsport. 

Erwachsene fangen ganz selten mit Sport an, wenn sie nicht als Kinder positive Erfahrungen damit gemacht haben. Deshalb ist dieser Antrag so wichtig, und deshalb freue ich mich auch so sehr, dass dieser Antrag so breite Unterstützung findet und dass sich alle Parteien hier zusammenschließen und sagen: Ja, das ist uns allen ein wichtiges Anliegen, dass Sportlehrer und Sportlehrerinnen ermächtigt werden, ermutigt werden und strukturiert ausgebildet werden, um Sport mit Kindern mit Behinderungen zu machen, denn das ist die Grundlage für ein zukünftiges, gesundes, bewegtes und vor allem sportliches Leben. – Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS.) 

22.00

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. 

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Ich sehe, das ist nicht der Fall. 

RN/235

Abstimmung

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 242 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Aus- und Weiterbildung von Bewegungs- und Sportlehrer:innen für Kinder mit Behinderungen“. 

Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall. (41/E) 

Die Tagesordnung ist erschöpft.