RN/43

12.02

Abgeordnete Mag. Carmen Jeitler-Cincelli, BA (ÖVP): Danke sehr, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es schade, dass wir uns in dieser Diskussion – es ist eigentlich eine Bildungsdiskussion und eine der zentralen Fragestellungen der Zukunft – so polarisieren lassen, vor allem auch die Damen.

Ich habe auch drei Kinder, habe auch immer schauen müssen, wie ich meine Kinderbetreuung so weit aufstellen kann, dass es funktioniert. Es ist eine riesengroße Verantwortung und Herausforderung und auch sehr, sehr teuer, wie wir wissen.

Eigentlich ist es eine totale Themenverfehlung gewesen, was Kollegin Gubik beziehungsweise Kollegin Pracher-Hilander vorhin gesagt hat, weil es nicht darum geht, dass Kinder im Vergleich mit Kindern mit Migrationshintergrund quasi zurückgereiht sind. Das hat in dieser Sachdebatte überhaupt nichts zu suchen. Ich bitte darum, dass wir alle uns nicht auseinanderdividieren lassen, vor allem die Frauen, die halt vielerorts noch diese Verantwortung tragen, und die Eltern insgesamt!

Es geht nicht darum, dass die, die frisch kochen kann und die Möglichkeit hat, zu Hause zu sein, besser oder schlechter ist als diejenigen, die sich vielleicht bewusst entscheiden, Karriere zu machen, oder arbeiten müssen, weil es sich sonst einfach nicht ausgeht. Das hat hier überhaupt nichts zu suchen. Das Wichtige ist, dass es ein Angebot gibt, damit jede und jeder die Möglichkeit hat, so zu leben, wie er oder sie es gerne für sich entscheiden würde. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. von Künsberg Sarre [NEOS].)

Wenn wir darüber reden, was berufstätige Eltern brauchen, hat natürlich so ein verschränkter Ganztagsunterricht massive Vorteile. Da kommen wir jetzt eigentlich konkret rein, weil wir ja nur das sichern, was es jetzt bereits gibt. Also es ist nicht so, dass wir, wie das manchmal dargestellt wird, jetzt die Schulen verändern und in einem ostblockähnlichen System landen, wo dann alle von der Früh bis zum Abend eingesperrt sind. Um das geht es gar nicht. Wir sichern den Weiterbestand der Modelle, die wir jetzt bereits haben. Das ist eine Übergangsregelung. Es wird sogar noch viel, viel mehr brauchen. Das hat einfach massive Vorteile, nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder.

Es gibt einmal eine Verlässlichkeit für den Nachmittag. Man hat eine echte Planbarkeit. Man weiß, man holt die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt ab und muss danach nicht noch bis zum Abend lernen und versuchen, Dinge aufzuholen, die vielleicht nicht erledigt wurden. Diese Verschränktheit hat – meiner Meinung nach – einen hohen pädagogischen Wert, weil Freizeitpädagogen oft auch ein anderes Programm bieten können.

Ein Beispiel – ich habe vorhin telefoniert –: Bei uns gab es einen Ausflug auf die Ruine Rauhenstein. So etwas kann man mit dem Sportlehrer machen, und man kann die Geschichtsvermittlung, das Mittelalter, einbauen. Das sind Möglichkeiten, die sich so im Regelunterricht nicht bieten. Vielleicht gibt es zwischendurch eine Sporteinheit, danach wiederum ein Fach, in dem man, sage ich jetzt einmal, sein Gehirn mehr anstrengen muss. Das ist für das Kind eigentlich ganz gut. 

Es reduziert natürlich die Kosten. Wir haben massiven Zulauf. Wir haben in Baden ein Modell: An der pädagogischen Hochschule gibt es eine Praxisvolksschule. Da gibt es viele Eltern, die ihr Kind unbedingt dort haben wollen. Warum? – Weil es natürlich auch wesentlich günstiger ist. Genau darum geht es ja heute in diesem Gesetz. Wir müssen gewährleisten, dass wir die Einrichtungen, die wir jetzt haben, auch ausfinanzieren können. Für die Eltern ist es massiv günstiger, es ist aber auch – mein Kollege Hofinger hat das vorhin gesagt – ein Problem für die Gemeinden, die Bürgermeister. Ich habe ein Riesenthema damit, weil ich es mir leisten möchte, aber schauen muss, wie das überhaupt vonstattengehen kann, weil es einfach finanziell eine unglaubliche Herausforderung darstellt.

Den Lernrhythmus der Kinder haben wir schon angesprochen. Für mich ist auch wichtig, dass wir das Programm inhaltlich anschauen – was wird dort geboten? –, und eben die Wahlfreiheit. Wer die Möglichkeit braucht, braucht eine Betreuung, und die soll gut sein. Ich glaube, Kollege Himmer hat es vorhin gesagt – das wusste ich gar nicht –: 800 Euro pro Kind für Nachhilfe. – Das ist ein Wahnsinn, wenn das der Durchschnitt ist! Das sollte es gar nicht geben. Die Kinder sollten nach Hause kommen – und wenn die Schule halt erst am Nachmittag aus ist, am Nachmittag –, sollten gut gegessen haben, gut versorgt sein, Sport gemacht haben, und – für mich das Allerwichtigste –: Ich finde, die eigenen Talente zu finden, das ist ein Kinderrecht, das ist ein Menschenrecht. Dafür gibt es dort die Möglichkeit. Dort erleben sie Dinge, die sie zu Hause vielleicht nicht geboten kriegen, gerade in unterprivilegierten Schichten. In der Ganztagsschule können sie einmal etwas ausprobieren, vielleicht kulturell gefördert werden, ein Musikinstrument ausprobieren; Dinge, die man ihnen daheim nicht bieten kann. Das ist doch schön.

Deswegen eine Bitte, gerade auch an die Damen, die sich vorhin dagegen ausgesprochen haben: Ich finde es schön, wenn man das zu Hause machen kann, aber das kann nicht jeder. Das Gute, wenn wir Gerechtigkeit schaffen, ist, dass alle entsprechend gefördert werden. Wir werden sicher noch vieles im Bildungsbereich machen müssen. – Vielen, vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP, bei Abgeordneten der SPÖ sowie der Abg. von Künsberg Sarre [NEOS].)

12.06

Präsident Peter Haubner: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Wendelin Mölzer. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.