9.28

Abgeordneter Hermann Brückl, MA (FPÖ): Guten Morgen! Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Herr Klubobmann Shetty, hätten Sie geschwiegen, wären Sie ein Philosoph geblieben. (Abg. Shetty [NEOS]: Auf Latein!) Wenn ich Ihnen und auch dem Herrn Minister hier zuhöre, so wird eines völlig klar: Das, was hier abgeht, ist eine einzige pinke PR-Show (Beifall bei der FPÖ), die in Wirklichkeit nur über diesen Trümmerhaufen hinwegtäuschen soll, den Sie in der Bildungspolitik produzieren. 

Sie reden von Fortschritt, Sie reden von Modernisierung und setzen gleichzeitig – Herr Bundesminister, Sie haben vom Fundament gesprochen – die ideologische Abrissbirne auf das Fundament unserer Bildung. Sie haben Pläne präsentiert, die in den vergangenen Wochen nicht in der Praxis gereift sind, sondern die tatsächlich einen frontalen Angriff auf die Bildungsqualität in unseren Schulen darstellen. Das ist kein Fortschritt, das ist ein Experiment auf dem Rücken unserer Kinder. (Beifall bei der FPÖ.)

Herr Bundesminister, Sie entscheiden bei den Lehrplänen mehr oder weniger im Alleingang, im stillen Kämmerchen, knallen diese neuen Lehrpläne dann auf den Tisch, ohne jene einzubinden, die mit den Konsequenzen dieser Lehrpläne arbeiten müssen: die Bildungseinrichtungen, die Universitäten, die Gymnasien, die Wirtschaft vor allem. Sie ignorieren permanent die Hilferufe von Lehrern. Sie ignorieren die Sorgen der Eltern, Sie ignorieren viele Expertenmeinungen. Wer Expertenmeinungen so konsequent ignoriert wie Sie, Herr Minister, entzieht unserem Bildungssystem die Lebensgrundlage und gefährdet den Standort Österreich. (Beifall bei der FPÖ.)

Besonders perfide wird es, Herr Bundesminister, wenn Sie anfangen, bewährte Fächer wie Latein zu opfern. Sie nennen das modern. Ich sage Ihnen: Wer Latein abwertet, handelt fahrlässig gegenüber unseren Kindern und auch gegenüber unseren kulturellen Wurzeln. Latein ist kein verstaubtes Relikt, Latein ist das Betriebssystem der europäischen Geistesgeschichte. Es ist die Basis für Logik, für Systemdenken und für das Verständnis von Strukturen. Sie wollen KI-Kompetenz, Herr Bundesminister. Wer künstliche Intelligenz verstehen will, wer künstliche Intelligenz hinterfragen will, braucht genau diese analytische Tiefe, wie sie durch Latein vermittelt wird. (Beifall bei der FPÖ.)

Offensichtlich ist Ihr Ziel nicht, Denker zu produzieren; Sie wollen keine Denker, sondern oberflächliche Konsumenten, die das nachplappern, was irgendein Algorithmus ihnen vorgibt. (Abg. Shetty [NEOS]: ... wäre ein bissl Lateinunterricht in Ihrer Fraktion auch nicht schlecht!) Das ist keine Bildung, Herr Bundesminister, das ist die intellektuelle Entwaffnung der nächsten Generation. (Beifall bei der FPÖ.)

Und jetzt, Herr Bundesminister, kommen Sie mit der sechsjährigen Volksschule ums Eck. Machen wir uns nichts vor! Was ist diese sechsjährige Volksschule? – Es ist das trojanische Pferd für die sozialistische Einheits- und Gesamtschule. Genau das ist es, was Sie wollen: Sie wollen die Differenzierung abschaffen und die Leistung nivellieren, sodass alle gleich wenig wissen. (Beifall bei der FPÖ.)

Herr Bundesminister, sollen unsere Kinder jetzt sechs Jahre für das brauchen, wofür sie früher nur vier Jahre gebraucht haben? Das ist ein Kniefall vor der Mittelmäßigkeit! Herr Bundesminister, das ist auch ein Schlag ins Gesicht eines jeden begabten, eines jeden talentierten, eines jeden fleißigen Kindes in diesem Land. 

Wenn Sie wirklich mutig wären, Herr Bundesminister, dann würden Sie das Problem dort anpacken, wo es tatsächlich zu Hause ist, wo es brennt, nämlich bei der Sprache. Unser Zugang ist klar: erst Deutsch, dann Schule. Solange Kinder in den Klassenzimmern sitzen, die kein Wort verstehen, ist jede Debatte über KI, über Demokratiebildung, über Tablets ein reiner Hohn. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Shetty [NEOS]: Aber über Latein nicht!)

Für mich haben sich NEOS als selbst ernannte Bildungspartei endgültig verabschiedet. Herr Bundesminister, Sie und NEOS waren fünf Jahre in Wien für die Bildungspolitik verantwortlich. Die einzige Frage ist: Wie sieht es dort aus? Wie sieht es in Wien aus? – Es ist ein einziger Trümmerhaufen, den Sie dort hinterlassen haben. (Beifall bei der FPÖ.) Ich möchte nicht – und dagegen setzen wir uns zu Wehr –, dass Sie dieses Modell, dieses Scheitern in ganz Österreich umsetzen. 

Kommen wir zum entscheidenden Punkt, Herr Minister! Während Sie sich in Symboldebatten über Stundenkürzungen verlieren, bleiben die Kernprobleme ungelöst: massive Sprachdefizite; ungelöste Integrationsprobleme; zunehmende Disziplinprobleme; alleingelassene Lehrer; der Lehrermangel, der noch immer nicht behoben ist; Jugendliche, die am Ende ihrer Schullaufbahn nicht ordentlich lesen, rechnen und schreiben können; eine Wirtschaft, die mangelnde Qualität bei Schulabgängern beklagt. 

Wir Freiheitliche, Herr Bundesminister, wollen ein Bildungssystem, das den Kindern Halt gibt. Wir müssen Schule als Ort begreifen, an dem Tugenden wie Leistung, Fleiß, Disziplin und auch das Streben nach Exzellenz möglich sind und auch als solche wertgeschätzt werden. (Beifall bei der FPÖ.)

Wer diese Werte aus den Lehrplänen streicht, Herr Bundesminister, nimmt der nächsten Generation die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft. 

Herr Bundesminister, stoppen Sie Ihren Irrweg, kehren Sie um! Wie heißt es so schön auf Lateinisch? – Errare humanum est: Irren ist menschlich, aber im Irrtum zu verharren, ist teuflisch. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Wurm [FPÖ] – in Richtung des sich zu seinem Sitzplatz begebenden Abg. Brückl [FPÖ] –: Grandiose Rede! Eine der besten!)

9.34

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Marchetti. – Bitte, Herr Abgeordneter.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.