9.45
Abgeordnete Mag. Martina von Künsberg Sarre (NEOS): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Bildungspolitik in Österreich ist seit einem Jahr gekennzeichnet von der Reformkraft der NEOS. (Heiterkeit des Abg. Wurm [FPÖ]. – Zwischenruf des Abg. Taschner [ÖVP]. – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Der Fasching ist zu Ende! Wir sind schon in der Fastenzeit!) Nach Jahrzehnten des Stillstands haben wir Schritt für Schritt notwendige und längst überfällige strukturelle Veränderungen eingeleitet und umgesetzt. (Abg. Wurm [FPÖ]: Oh!) Denn egal, ob wir darüber sprechen, wie wir Pflege in einer alternden Gesellschaft sichern, wie wir unsere Energieversorgung unabhängiger machen (Abg. Kickl [FPÖ]: Spricht sich nur nicht bis zur Bevölkerung herum!) oder wie wir unsere Demokratie gegen Extremismus und Desinformation schützen und stärken, der Ausgangspunkt liegt immer in der Bildung.
Ob eine junge Frau ein Start-up gründet, das erneuerbare Technologien marktfähig macht, ob ein Student eine Idee entwickelt, die einen Produktionsprozess ressourcenschonender macht oder ob ein Jugendlicher Falschmeldungen im Netz erkennt, statt sie weiterzuverbreiten, all das entsteht und entscheidet sich nicht erst irgendwann später im Leben, sondern es entsteht dort und entscheidet sich dort, wo Neugier geweckt wird, wo kritisches Denken gelernt wird und wo junge Menschen erfahren: Ich kann verstehen, wie die Welt funktioniert und ich kann sie sogar mitgestalten: in der Schule.
Das Potenzial und die Talente unserer Jugendlichen sind enorm – jeder, der mit Jugendlichen zu tun hat, weiß das –, aber die Strukturen und die Lehrpläne hinken oft hinterher, und genau deswegen wollen wir sie modernisieren. Neue Inhalte sind früher vor allem immer on top gekommen, wie bei einem Glas, das permanent mit Wasser gefüllt wird und aus dem nie getrunken wird – irgendwann geht es über. Das ist in Österreich im Schulbereich bei den Lehrplänen der Fall.
Mit Christoph Wiederkehr haben wir nun endlich einen Bildungsminister, der das ändert. Wir schaffen kein Fach ab, wir schwächen auch kein Fach (Ruf bei der ÖVP: O ja!), wir reduzieren Latein, damit neue, ebenso wichtige Fächer hinzukommen können. Wir stärken Informatik, KI-Kompetenz, Medien- und Demokratiebildung (Beifall bei den NEOS) – nicht, weil das kurzfristige Trends sind, sondern weil sie Teil moderner Allgemeinbildung sind.
Lehrpläne wurden immer reformiert und immer weiterentwickelt und angepasst. Latein war früher ein Pflichtfach und Voraussetzung für das Studium. In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde der Lateinunterricht zugunsten anderer Sprachen und naturwissenschaftlicher Fächer reduziert. Heute würde niemand mehr hinterfragen (Abg. Kickl [FPÖ]: Na ja, das war bei der Wehrpflicht auch so: Die wurde auch reduziert und jetzt kommt sie wieder!), ob das eine richtige Entscheidung gewesen ist, ebenso wenig wie die Abschaffung des Pflichtfaches Altgriechisch heute noch hinterfragt wird. Die Welt hat sich im letzten Jahrhundert gedreht – und ich sage Ihnen etwas: Sie dreht sich auch immer weiter, und die Schule muss darauf reagieren. Sie kann sich nicht einfach wegducken und hoffen, dass das Neue, die Zukunft einfach vorüberzieht und sie nicht betrifft. Das wird nicht passieren!
Wir sind mit unseren Vorstellungen auch nicht allein. Es gibt viele, viele engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Schülerinnen und Schüler. Herr Brückl, weil Sie gesagt haben, wir beziehen niemanden ein und hören nicht auf andere: Über 40 000 Menschen haben bei der Umfrage des Bildungsministeriums mitgemacht, und ein ganz großer Teil davon möchte Veränderung in der Schule, möchte Reformen – ein ganz, ganz klares Ergebnis! (Beifall bei den NEOS. – Zwischenruf des Abg. Kickl [FPÖ].)
Was auch gut ist: Wir sind auch politisch nicht alleine mit unseren Forderungen. Der Wirtschaftsbund in der Wirtschaftskammer fordert seit einigen Jahren mehr informatische Bildung; die Schülerunion fordert schon länger ein Fach Demokratiebildung. Auch der ehemalige Wissenschaftsminister und Lateiner Karlheinz Töchterle hat, finde ich, ziemlich unaufgeregt gemeint, dass Latein das Abendland nicht retten wird. (Zwischenruf des Abg. Brückl [FPÖ].) Für einige wenige sind diese Reformen aber zu steil und zu schnell (Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]), und ich kann das ja gut nachvollziehen: Wenn man über Jahre hinweg immer mit angezogener Handbremse gefahren ist, dann kriegt man die PS nicht so schnell auf die Straße.
Einige wollen gar keine Veränderung, und ich zitiere von der Website des Campus Tivoli: „Damit alle unsere Schulen ihre Kernaufgaben unter teilweise erheblich gestiegenen Anforderungen auch weiterhin gut bewältigen können, wäre nach zahllosem, von oben in immer kürzeren Zeitabständen verordnetem pädagogischen Firlefanz und vielfach sinnbefreitem Bildungsexpertentum der letzten beiden Jahrzehnte für die nächste Zeit einmal ,keine Reform‘ die ,richtige‘ Reform!“
Wissen Sie, von wem dieses Zitat ist? – Vom Lehrergewerkschafter Paul Kimberger: „,keine‘ Reform“ ist „die ,richtige‘ Reform“. (Präsident Rosenkranz gibt das Glockenzeichen.) – Ich komme zum Schlusssatz.
Wer glaubt, dass wir nicht auf gesellschaftliche, technologische oder internationale Entwicklungen auch in der Schule reagieren müssen, der hat vieles nicht verstanden. Nichts zu tun, ist nicht unsere Devise, und ich freue mich darauf, dass wir ein Schulsystem machen und weiterentwickeln, in dem unsere Kinder und Jugendlichen gut auf das Leben vorbereitet werden, dass sie auf Lehrkräfte stoßen, die ihre Potenziale und Talente entdecken und fördern und sie zu kritischen und mündigen Bürgerinnen und Bürgern machen. Und ich freue mich, wenn viele von Ihnen, aber auch innerhalb der Bevölkerung dabei mitmachen. (Beifall bei den NEOS sowie der Abg. Bayr [SPÖ].)
9.50
Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Maurer. – Bitte, Frau Abgeordnete.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.