10.07
Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs, MSc BA (SPÖ): Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor allem: Liebe Zuseher:innen! Ich sehe auch ganz, ganz viele Schülerinnen und Schüler: Danke für euer Interesse und einen wunderschönen guten Morgen! (Beifall bei der SPÖ sowie der Abgeordneten Strasser [ÖVP] und Juvan [NEOS].)
Bildung und Beziehungen verändern das Leben eines Kindes. Eine Gesellschaft, in der Bildung einen hohen Stellenwert hat, ist chancenreicher, sicherer, sozialer, demokratischer, erfolgreicher, friedlicher und unabhängiger. Wenn wir Bildungspläne in Kindergärten und Lehrpläne in Schulen ins 21. Jahrhundert holen wollen, braucht es tatsächlich mutige Schritte und einen Weg des Dialogs, auf dem wir alle mitnehmen und niemanden zurücklassen.
Lernen, das wissen wir, auch aus der Forschung, geschieht über Beziehung auf allen Ebenen. Lernen braucht empathische Beziehungen zwischen Kind und Pädagogin, zwischen Gleichaltrigen, gute Beziehungen zwischen Pädagog:innen und Eltern, aber auch Zeit für gute Beziehungen in Teams der Pädagog:innen und Lehrer:innen, Zeit für Aus- und Weiterbildung. Neben Empathie und Beziehung stehen aber folgende Bildungsinhalte ganz oben: Kommunikationskompetenz, Resilienz, Bewegung und Gesundheit, Freude, Kreativität, Selbstbestimmung, Bildschirm-, Social-Media- und KI-Kompetenz und Demokratieverständnis – und das alles fächerübergreifend.
Zwei Punkte möchte ich herausgreifen: Die Sozialdemokratie steht dafür, dass alle Kinder den größtmöglichen Schutz im Netz erhalten, während wir es zeitgleich ermöglichen, dass sie sich Kompetenzen für die Nutzung aneignen. Ihr Alter spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ganz klar ist: null bis drei – bildschirmfrei. Babys und Kleinkinder brauchen Spielsachen und Lernmaterial zum Angreifen, nicht nur zum Wischen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Stichwort Resilienz: Es ist wichtiger denn je, widerstandsfähig gegen Radikalisierungsgefahren, Extremismus, Faschismus und antidemokratische und frauenfeindliche Tendenzen zu sein. Das alles begegnet uns und unseren Kindern ungefiltert auf Social Media. Wir brauchen aber eine Gesellschaft, die reflektiert und mutig dagegen aufstehen kann. Die Regierung hat den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und den Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus auf den Weg gebracht, und in beiden Aktionsplänen kommt dem Bildungsministerium eine wichtige Rolle zu. – Ein herzliches Dankeschön schon jetzt für dieses Engagement! (Beifall bei der SPÖ.)
Vor einer Woche wurde mir in einem Interview von der Initiative BID – dem Bildungsinnovationsdialog – die Frage gestellt, welche Visionen ich für das Bildungssystem in Österreich habe, und ich möchte einen Teil meiner Antworten hier im Plenum mit Ihnen teilen.
Das Wichtigste ist die Stärkung der Elementarpädagogik, dann eine gemeinsame Schule – ja, eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen –, denn die Pisa-Studie zeigt die Erfolge dieser Schulformen auf, multiprofessionelle Teams in Gruppenräumen und Klassenzimmern, eine moderne Lehre, Oberstufe und Hochschule und auch die Stärkung des niederschwelligen Zugangs zum zweiten Bildungsweg – und überall inklusive Bildungs- und Beziehungseinrichtungen, wo Pädagog:innen übergreifend arbeiten, wo Freizeitaktivitäten inklusive sind, wo Kinder sich wohlfühlen, Eltern Gehör finden, wo es gesundes Mittagessen gibt und wo Eltern auch entlastet sind, wo Sport- und Gesundheitszentren auch inklusive sind, einfach alles unter einem Dach. Die Sozialdemokratie war und wird in der Regierung immer verlässliche Partnerin für unsere Kinder, Pädagog:innen und für die Bildung sein, in der Reformpartnerschaft und darüber hinaus.
Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr wird kommen und eröffnet Chancen. Wir fördern Deutsch durch Ordnung statt Spaltung und wir arbeiten daran, Qualitätsstandards und einheitliche Qualifizierungen im Assistenzberuf in der elementaren Bildung vom Bodensee bis zum Neusiedler See auf den Weg zu bringen. Mit uns gibt es auch weniger Handy und mehr Gesundheit und Bewegung.
Wir stehen vor allem für eine soziale Gerechtigkeit und faire Vermögensverteilung, denn sie schaffen Chancen für alle Kinder. (Zwischenruf bei der FPÖ.) Wir wollen keine Abhängigkeit vom Geldbörserl der Eltern oder der Postleitzahl. Wir wollen Familien, vor allem Eltern, da entlasten, damit sie sich das Leben wieder leisten können – und deswegen bekämpften wir im ersten Jahr der Regierungsperiode die Teuerung beim Wohnen, bei der Energie und den Lebensmitteln.
Zum Abschluss: Wenn ich gefragt werde, was ich unserem Bildungssystem noch wünsche, dann sind das Mut, Dialoge und der Blick über den Tellerrand, und dass sich alle Bildungsreformverantwortlichen vier Wochen in eine Kindergartengruppe setzen, denn ich behaupte: Fast alles, was unser Bildungssystem und unser Land brauchen (Zwischenruf des Abg. Mölzer [FPÖ]), passiert dort bereits in der Elementarpädagogik. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abgeordneten Gödl [ÖVP] und Gasser [NEOS]. – Abg. Kumpan-Takacs [SPÖ] begibt sich zur Regierungsbank und reicht Bundesminister Wiederkehr die Hand.)
10.12
Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Juvan. – Bitte, Herr Abgeordneter.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.