14.43
Abgeordnete Petra Bayr, MA MLS (SPÖ): Danke, Frau Präsidentin. Ich stelle nicht nur den Bezug zum Verhandlungsgegenstand her, ich stelle auch den Bezug zu den Österreicherinnen und Österreichern her, denn so zu tun, als wären wir als Binnenland auf irgendeiner Insel der Seligen und als ob uns der Ozean nichts anginge, ist ein ziemliches Leben mit Scheuklappen, mit sehr engen, offenbar sehr blauen Scheuklappen. (Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Die Festung ist das!)
Der Sauerstoff für jeden zweiten Atemzug, den wir tun, kommt aus den Ozeanen. Wenn es die Ozeane nicht gäbe und die nicht eine unpackbare Menge an Erwärmung, Erhitzung, die die Erde als solche erfährt, aufnehmen würden und regulieren würden, würden wir schon sehr viel mehr schwitzen, als wir momentan schon schwitzen.
Es geht auch darum, was wir essen, wie es um unsere Nahrungsmittelsicherheit bestellt ist, und auch darum, wie es um die Nahrungsmittelsicherheit jener vier Milliarden Menschen auf der Erde bestellt ist, die von maritimen Proteinen abhängig sind, die keine sonstigen Viehwirtschafts- oder sonstige Proteinquellen hätten, hätten sie nicht das Meer. Und das Meer geht ja mehr und mehr kaputt, nämlich schlicht und ergreifend, wie wir wissen, durch Überfischung, durch Überdüngung, durch Übernutzung. Ohne die Meere würden auch wir Österreicher ganz schön blöd aus der Wäsche schauen, und ich glaube, das wollen wir wirklich nicht.
Darum ist dieses Meeresschutzprojekt und dieses Meeresschutzprogramm der BBNJ für uns in Österreich genauso wichtig wie für jeden anderen Menschen auf dieser Erde – das einmal zum einen. (Beifall bei der SPÖ.)
Es ist auch ein ganz wichtiger Schritt hin zum SDG 14, zum 14. Ziel für nachhaltige Entwicklung, den Schutz des Lebens unter Wasser zu gewährleisten. Mit diesem Meeresschutzprogramm haben wir nämlich erstmals die Möglichkeit, auch hinter der nationalen Jurisdiktion Schutzflächen einzurichten und zu schauen, dass der Fischbestand sich erholen und quasi nachwachsen kann, sprich: dass maritime Eiweißquellen auch wirklich nachwachsen können.
Und das, was ich für ganz besonders wichtig halte, ist: Es ist auch eine erste Anbahnung eines weiteren Schrittes, der mir vielleicht sogar noch wichtiger erscheint, nämlich einer Regelung des Deep-Seabed-Minings, des Tiefseebergbaus. Es gibt momentan nämlich international Ambitionen – und Österreich hat zum Glück eine sehr richtige Haltung dazu –, zuzulassen, dass eine Art riesengroße Mähdrescher über die Meeresböden fahren, 3 000 oder 4 000 Meter tief, um dort Manganknollen und sonstige seltene Erden zu ernten, alles, was immer da in diese quasi Mähdrescher-Erntemaschine reinkommt. Dabei wird aber alles, alles zerstört, was da unten zum Teil über Jahrtausende gewachsen ist. – Da es da unten wenig Sauerstoff und kaum Licht gibt, wachsen Dinge dort sehr, sehr langsam.
Sie sind aber unendlich relevant für uns, und das Arge ist: Wir wissen gar nicht genau, in welcher Art und Weise sie relevant sind. Wir wissen nicht genau, wie die Produktion von schwarzem Sauerstoff konkret funktioniert, von dem wir aber auch abhängig sind.
Ich hoffe sehr, dass wir nach dem BBNJ-Abkommen – und ich freue mich, dass Österreich dieses Abkommen als eines der ersten Länder unterschrieben hat und jetzt auch ratifiziert – bald auch den weiteren Schritt zusammen mit der Seabed-Behörde gehen können und einen wirklich sinnvollen, guten und nachhaltigen Schutz auch für den Meeresboden zusammenbringen. – Vielen lieben Dank. (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
14.46
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Bernhard.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.