RN/213
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Abgeordneter Mario Lindner (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretärinnen! Hohes Haus! Dieser Monitoringbericht gibt mir die Möglichkeit, ein grundlegendes Thema anzusprechen – ein Problem, das in meinen Augen immer noch viel zu wenig und viel zu selten mediale Aufmerksamkeit bekommt: die Situation von Ärztinnen und allen, die in unserem Gesundheitssystem arbeiten. Gestern war es aber medial soweit.
Ich mache es an einem Beispiel fest: Bereits 2019 berichtete eine Chirurgin, dass sie in ihrem Job schon dreimal brutalst von Patienten attackiert wurde: einmal mit einer Eisenstange, einmal mit einer Glasflasche und einmal sogar mit Schlägen ins Gesicht. Das ist nur eines von vielen tragischen Beispielen. Eine Umfrage der Ärztekammer hat gezeigt, dass fast zwei Drittel aller Ärztinnen Benachteiligungen in ihrem Arbeitsalltag erleben. Dabei ist Benachteiligung ein viel zu schwaches Wort. Laut der Umfrage gaben 59 Prozent der Ärztinnen an, regelmäßig Abwertungen zu erleben – und zwar nicht nur von Patientenseite, sondern gleichermaßen auch von Kollegen und Vorgesetzten. Das ist absolut untragbar, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
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Jede zweite Ärztin berichtet zudem von unerwünschten Bemerkungen durch Vorgesetzte, mehr als ein Viertel von unerwünschten Berührungen, 4 Prozent erleben sogar sexuelle Übergriffe durch Vorgesetzte. Eines muss man also ganz klar sagen: Dieses Problem hat einen ganz eindeutigen Namen. (Der Redner stellt eine Tafel mit der Aufschrift „Das Problem hat einen Namen: Männer“ auf das Rednerinnen- und Rednerpult.) Das Problem heißt Männer – und genau so muss man es auch benennen. (Zwischenruf des Abg. Schnedlitz [FPÖ].) Es sind Männer. (Beifall bei der SPÖ.) Sexismus und Rassismus erleben leider in den letzten Jahren wieder einen (Abg. Kaniak [FPÖ]: Pauschaldiskriminierung von Männern ist auch Sexismus, auch wenn du es vielleicht selber nicht siehst, aber es ist so!) gesellschaftlichen Aufschwung. Auch von bestimmten Kräften in der Politik wird dieser Trend ganz bewusst vorangetrieben. Eines dürfen wir niemals vergessen – wir sehen es auch hier im Parlament –: Gewalt beginnt immer mit Sprache; und die Sprache der Trumps, Orbáns und Kickls dieser Welt hat wirklich auch immer was mit Gewalt zu tun (Zwischenrufe bei der FPÖ), meine sehr geehrten Damen und Herren.
Dass Menschen glauben, sie könnten eine Ärztin angreifen (Zwischenrufe bei der FPÖ) oder eine Kollegin im Krankenhaus runtermachen, das beginnt nicht von heute auf morgen. Das ist das Ergebnis einer Gesellschaft, die Männern vermittelt, dass sie das Recht zu einem grauslichen Verhalten haben – und es liegt an allen von uns, genau das zu beenden. Unsere Ärztinnen und alle Menschen im Gesundheitssystem geben tagtäglich ihr Bestes, um unser Leben für alle besser zu machen. Ein sicherer Arbeitsplatz ist das Mindeste, was wir ihnen schuldig sind. (Zwischenruf des Abg. Schnedlitz [FPÖ].)
Unsere Bundesregierung hat schon einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, indem der Nationale Aktionsplan (Zwischenruf des Abg. Leinfellner [FPÖ]) gegen Gewalt an Frauen nicht nur beschlossen wurde, sondern schon in der Umsetzung ist. Meine sehr geehrten Damen und Herren, einen herzlichen Dank an alle Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten. Ihr seid die wahren Held:innen unseres Alltags. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und Grünen.)
0.22
Präsident Peter Haubner: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.
Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.