11.29
Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr, MA: Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Schule ist immer nur so gut, wie sie gelebt wird, sowohl im Klassenzimmer – direkt mit den Schülerinnen und Schülern – als auch in der Führung der Schule – nämlich der Direktion. Die Bedeutung von guter Schule ist enorm: Nur so gut, wie die Schule gemanagt ist, so gut, wie die Schulkultur auch gelebt wird, kann Unterricht stattfinden.
In Österreich haben wir – auch geschichtlich begründet – die Direktorinnen und Direktoren im Bereich der Pflichtschulen über lange Zeit mit all ihren Aufgabenstellungen – nämlich dem Führen des eigenen Teams, der Weiterentwicklung der Schule in der Schulentwicklung, aber auch Themen wie Elternarbeit oder Verwaltungsaufgaben; all das hatte im Pflichtschulbereich die einzelne Direktorin, der einzelne Direktor über – relativ alleine gelassen. So kam es dazu, dass manche Schulen mit 60 Lehrkräften von einer Direktion ohne Unterstützung geführt worden sind. Das könnte man sich in der Privatwirtschaft nicht vorstellen: dass man eine Führungsspanne von 1 zu 60 hat und daneben noch alle anderen Aufgaben übernehmen muss.
Zum Glück wurden in der Vergangenheit schon gewisse Schritte gesetzt, um Pflichtschuldirektorinnen und -direktoren zu unterstützen, beispielsweise über den Ausbau der Sekretariate. Was allerdings fehlt, ist eine Ebene des mittleren Managements. Die wird jetzt eingeführt, um die Pflichtschuldirektorinnen und -direktoren zu unterstützen. Sie übernimmt nicht die Aufgabe eines Sekretariats – da wird dieses Projekt missverstanden –, sondern soll die Schulentwicklung am Schulstandort voranbringen. Da geht es um pädagogische Konzepte, beispielsweise: Wie bringt man die Sprachförderung voran?, oder auch die Frage einer Unterrichtsentwicklung: Wie kann man Unterricht besser gestalten, sodass die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler besser sind?
Das ist keine Sekretariatstätigkeit, aber es ersetzt auch keine Sekretariatstätigkeit. Es braucht nämlich beides an der Schule: Unterstützung für reine Verwaltungsaufgaben und Unterstützung für Schulentwicklung. Das mittlere Management ist ganz eindeutig eine Unterstützung der Direktorinnen und Direktoren in der Schulentwicklung und wird damit natürlich auch den Lehrkräften zugutekommen. (Beifall bei den NEOS sowie des Abg. Oxonitsch [SPÖ].)
Wir investieren in Zeiten von klammen Budgets immerhin 20 Millionen Euro in dieses Projekt. Was bedeutet das konkret? – An einer Pflichtschule mit 15 Klassen werden 13 Wochenstunden für Lehrkräfte – das muss man verdoppeln, also 26 Stunden – zur Verfügung stehen, um die Schule am Standort zu unterstützen. Wie das aussieht, wird nicht zentral vorgegeben. Auch das ist ein Kulturwandel; das ist Schulautonomie. Eine Schulleitung in Führungsverantwortung wird die Möglichkeit haben, bis zu vier Lehrkräfte mit Aufgaben zu betrauen und sie dafür teilweise freizustellen.
Das führt nicht nur zu einer Stärkung der Schulleitung, sondern ist auch eine Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeit für engagiertes Lehrpersonal – nämlich für Aufgaben, die dringend notwendig sind, auch eine Freistellung zu bekommen. Damit ist es auch eine Anerkennung und Wertschätzung von Lehrkräften, und ich glaube auch, dass es zu einer Attraktivierung des Lehrer:innenberufs führen wird. Aktuell machen viele dieser Aufgaben nämlich Lehrkräfte – so ehrlich muss man sein – ohne Entgelt, ohne Freistellung. Damit attraktivieren wir den Lehrer:innenberuf – und das ist auch ein weiteres Puzzlestück in dem Ganzen. (Beifall bei den NEOS.)
Es kann nicht nur ausgewählt werden, wie viele – nämlich bis zu vier – Personen die Aufgaben übernehmen, sondern auch, wie die Aufgaben am Schulstandort aufgeteilt werden. Eine Schulleitung kann zum Beispiel entscheiden, ein mittleres Management nach Fächergruppen einzuführen – beispielsweise eine Person, die Naturwissenschaften koordiniert –, man kann es aber auch anhand von anderen Aufgaben gestalten – dass beispielsweise jemand eigens für Schulentwicklung und jemand für Deutschförderung und Deutschentwicklung zuständig sein wird. Auch da gilt wieder der Ansatz: Die Schulentwicklung soll schulautonom gestaltet werden; die Direktorinnen und Direktoren wissen am besten, wie sie Unterstützung bekommen.
Der Schwerpunkt dieses Projekts liegt auf mittleren und größeren Pflichtschulen. Es gab aber einen sinnvollen Kompromiss – auch in den Verhandlungen davor –, durch den auch Kleinschulen davon profitieren werden. Aber natürlich gilt: Je größer die Führungsspanne, desto mehr mittleres Management ist notwendig, so wie in der Privatwirtschaft.
Von dem Projekt werden nicht nur Pflichtschulen profitieren, sondern auch Gymnasialstandorte und berufsbildende Schulen, BMHS-Standorte – besonders große, denn da gab es bisher einen Deckel des Administrators, und besonders kleine. Auch diese Schulformen werden mit mehr Schulautonomie ausgestattet; bisher gab es da ein sehr enges System. Das Gleiche gilt für die Berufsschulen, die in weiterer Folge auch zusätzliche Unterstützung bekommen werden. Damit ergibt sich ein sehr breites Unterstützungsangebot, um Schulen in Österreich zu fördern und voranzubringen. Damit gehen wir in Österreich nicht erste Schritte, sondern sind eher hinten nach, auch im internationalen Vergleich. Alle guten Schulsysteme, die ich international kenne, haben selbstverständlich ein mittleres Management. Wir wissen: Diese zusätzliche Führungskompetenz am Schulstandort fördert Schulentwicklung.
Ich möchte mich abschließend bei allen bedanken, die mitverhandelt haben, beim Staatssekretär und bei deinem Team. Das waren intensive und längere Verhandlungen mit den Bildungssprechern und genauso mit der Gewerkschaft. So ist es ein wirklich sinnvolles und gutes Paket geworden, um Schulleitungen zu unterstützen, um Lehrkräfte zu unterstützen und damit Schulen in Österreich besser zu machen, um allen Kindern die besten Bildungsmöglichkeiten zu geben. Ich bitte um Zustimmung! (Beifall bei den NEOS sowie der Abg. Yildirim [SPÖ].)
11.35
Präsident Peter Haubner: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Staatssekretär Pröll. – Bitte, Herr Staatssekretär.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.