11.43

Abgeordnete Lisa Aldali (NEOS): Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bildungsminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Hohes Haus und liebe Zuseher:innen! Ich möchte heute mit einem Schüler von mir beginnen. Geben wir ihm vielleicht einen österreichischen Namen. Nennen wir ihn – wie nennen wir ihn? – Herbert. 

Herbert ist in meiner Klasse gesessen, eher ruhig, oft in sich gekehrt. Wie man auf Pinzgauerisch gerne sagt, ist er eigentlich a liaba Bua. An diesem Morgen kommt er aber zu spät. Er fetzt seine Tasche hin und plötzlich eskaliert er. Er schreit. Ein Mädchen in der Klasse beginnt zu weinen. 

Ja, und du stehst als Lehrerin da und denkst dir: Eigentlich ist Herbert gar kein schwieriges Kind. Das ist eigentlich ein Kind, das gerade komplett überfordert ist. (Abg. Nemeth [FPÖ]: Hochbegabt!) Ich beruhige die Klasse, gehe mit ihm Richtung Direktion. Ich sehe die Direktorin und frage sie, ob sie ihn beaufsichtigen kann. Aber die sitzt da: Telefon am Ohr, drei Lehrerinnen krank, der nächste Termin wartet. Sie hat also ganz, ganz viele Baustellen gleichzeitig. Sie schaut mich an, und ich merke sofort, sie würde mir extrem gerne helfen, aber sie kann nicht mehr.

Das, was wir derzeit an unseren Schulen vorfinden, ist kein gut funktionierendes System. (Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Sicher Helikoptereltern, oder?) Für mich persönlich ist das organisierte Überforderung. Deshalb setzen wir heute um, was schon längst überfällig ist, nämlich das mittlere Management (Beifall bei den NEOS), damit in solchen Situationen jemand da ist, damit die Verantwortung in Zukunft geteilt wird, damit Schule nicht nur reagiert, sondern endlich handeln kann. Wer das nicht versteht, sehr geehrte Damen und Herren, kann hier noch so laut reden, er wird keine Lösungen liefern. (Beifall bei den NEOS.)

Damit sind wir bei der FPÖ, sehr geehrte Damen und Herren. Sie stellen sich ja hier immer gerne als die Partei der kleinen Leute, als die Partei der echten Österreicher hin. (Ruf bei der FPÖ: Jawohl!) Aber wenn es konkret wird, sehr geehrte Damen und Herren, wenn ein Kind wie Herbert Ihre Unterstützung braucht, wenn Schulen bessere Strukturen brauchen, dann sagen Sie: Brauchen wir nicht, das ist uns einfach wurscht! (Zwischenrufe bei der FPÖ.)

An dieser Stelle: Fällt Ihnen auf, dass die FPÖ die Menschen immer wieder einmal ein bisschen für dumm verkauft? Na ja, es ist eben ein Faktum, dass rechte Parteien kein Interesse daran haben, die Bildung besser zu machen, denn schlechter gebildete Menschen lassen sich halt einfach dementsprechend leichter verführen. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].) Deshalb sagen Sie heute, liebe FPÖ, den Lehrer:innen, den Direktor:innen: Schaut, wo ihr bleibt, uns ist das wurscht! (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Ich finde diese Haltung verantwortungslos (Abg. Darmann [FPÖ]: Das ist ein geistiger Tiefflug!), denn wer heute gegen das mittlere Management stimmt, entscheidet sich bewusst dafür, dass es so bleibt, wie es ist (Beifall bei den NEOS – Zwischenrufe bei der FPÖ), dass meine Kolleg:innen weiter am Limit arbeiten und dass die Kinder wie Herbert durch ein System müssen, für das sie einfach nicht gebaut sind. 

Wissen Sie, ich habe das jeden Tag in der Schule erlebt – jeden Tag! Wir NEOS entscheiden uns heute für die Kinder, Sie offenbar gegen Herbert. – Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ. – Ruf bei der FPÖ: Peinlich!)

11.46

Präsident Peter Haubner: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.