18.06

Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen! – So viele sind ja nicht da. Man sollte schon über eine Quote – über eine Anwesenheitsquote! – reden, wenn es hier im Hohen Haus um Frauenthemen geht, denn dann lichten sich die Reihen wie immer. Herr Tschank ist aber da; ein Wort zu Ihnen. Sie fragten am Beginn Ihrer Rede, ob wir keine gravierenderen Probleme hätten. Wir haben jede Menge extrem gravierender Probleme, aber was Sie sich vielleicht nicht vorstellen können: Wir Frauen können mehrere Probleme zugleich lösen. (Beifall bei den NEOS sowie der Abgeordneten Zadić [Grüne] und Kumpan-Takacs [SPÖ]. – Abg. Tschank [FPÖ]: Das glaub ich auch!)

Worum geht es? – Es geht um etwas, was im Volksmund die Women-on-Boards-Richtlinie genannt wird: um eine Quote in börsennotierten Aufsichtsratsgremien in Österreich. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir mehr Frauen in den Aufsichtsräten, mehr Frauen in den Vorständen brauchen. Wir sind eine evidenzbasiert arbeitende Partei und die Evidenz ist glasklar: Unternehmen, die mehr Frauen in Leitungspositionen haben, treffen bessere Entscheidungen, sind innovativer, sind auch langfristig erfolgreicher. (Abg. Stefan [FPÖ]: Wer sagt das? Welche Evidenz ist das?) Wer kann da schon Nein sagen?

Die Quote selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Ich persönlich finde sie wichtig, gerade am Anfang, um Ungerechtigkeiten auszumerzen, aber sie ist keine Allzweckwaffe, die gegen alles hilft, denn auch die Quote für Aufsichtsräte, über die wir heute sprechen, greift ja dann, wenn Frauen schon sehr erfolgreich sind und eine erfolgreiche berufliche Karriere hinter sich haben. Sie greift nicht dort, wo man eigentlich hinschauen sollte, nämlich am Beginn von Karrieren. Da brauchen wir ganz andere Instrumente, um Frauen auch am Beginn ihrer Karriere in die Verantwortung zu bringen. 

Wir brauchen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, verlässliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle, aber vor allem auch das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen. Das ist etwas, das so relevant ist, und nicht nur den Frauen hilft, sondern auch den Männern. Es gibt so viele tolle Männer, die aktive Väter sein wollen und gleichzeitig auch Opfer der Geschlechterstereotype ihrer oft männlichen Vorgesetzten sind, die sagen: Nein, ich will nicht, dass du in Elternzeit gehst, ich will nicht, dass du Zeit mit deiner Familie verbringst!, weil sich diese Männer das selbst auch nicht vorstellen können. Das ist schade. 

Wir NEOS beweisen übrigens ganz ohne offizielle Quote, dass wir sehr erfolgreich sind. In Vorarlberg sind drei von drei Landtagsabgeordneten Frauen, in Tirol zwei von zwei Landtagsabgeordneten, in Oberösterreich herrscht 50:50 (Abg. Pracher-Hilander [FPÖ]: Da weiß man, warum’s bergab geht!), im EU-Parlament ebenfalls, in Niederösterreich sind zwei von drei Landtagsabgeordneten Frauen, in Wien sechs von zehn Landtagsabgeordneten weiblich (Abg. Stefan [FPÖ]: Würden Sie uns als unerfolgreich bezeichnen?), davon auch eine Vizebürgermeisterin dazu, auch eine Bundesrätin, die sich übrigens selbst abschaffen möchte. (Abg. Stefan [FPÖ]: Wo sind da die Männer? Es fehlen euch die Männer in Vorarlberg! Da muss ein Mann hinein! Das gibt’s ja nicht!)

Das heißt, es geht dann auch ohne Quote, wenn man den Willen dazu hat, wenn man sagt: Das ist etwas Wertvolles, das ist relevant, wir wollen weibliche Positionen haben, wir wollen Möglichkeiten geben, wir wollen Chancen geben und wir können auf gar keinen Fall auf Frauen verzichten! (Beifall bei den NEOS.)

18.09

Präsident Peter Haubner: Als Nächste ist die Frau Bundesministerin zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Bundesministerin.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.