18.15

Abgeordnete Dr. Alma Zadić, LL.M. (Grüne): Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Geschätzter Herr Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Jedes Mal, wenn wir darüber reden, dass es zu wenig Frauen in Vorstandspositionen gibt, höre ich immer wieder die gleiche Ausrede: Es gibt zu wenig qualifizierte Frauen. Jedes Mal, wenn wir darüber sprechen, dass Frauen in den Vorstandsetagen massiv unterrepräsentiert sind, hören wir immer wieder die alte Leier: Es gibt ja zu wenig qualifizierte Frauen, Unternehmen wollen, können aber nicht. Wir hören es auch bei den All-Male-Panels, da hat es auch jahrelang geheißen: Wir haben leider keine qualifizierte Expertin gefunden, deswegen ist das Panel nur männlich besetzt. Wir hören es bei den Aufsichtsräten: Um Gottes willen, ja keine Quote! Wo finden wir denn die qualifizierten Frauen? – Ach, und siehe da, oh Wunder: Kaum war die Quote da, fand man sie, denn es gibt sie. (Beifall bei den Grünen, bei Abgeordneten der SPÖ sowie der Abgeordneten Bogner-Strauß [ÖVP] und Brandstötter [NEOS].)

Es gibt in Österreich höchst qualifizierte, topqualifizierte Frauen, die ihren männlichen Kollegen fachlich um nichts nachstehen. Und ab dem Moment, ab dem es gesetzlich fixierte Quoten für den Aufsichtsrat gegeben hat, hat man sie auch gefunden, die höchst qualifizierten Frauen in unserem Land. Werte Abgeordnete, ja, es gibt sie, und man muss endlich aufhören, Ausreden zu suchen, und anfangen, die Männernetzwerke zu beseitigen (Ruf bei der FPÖ: Schlagen! Schlagen, die Männernetzwerke!) oder zumindest abseits von den Männernetzwerken zu schauen und Frauen einzustellen. Das wäre einmal eine Idee. (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Yildirim [SPÖ]. – Ruf bei der FPÖ: Kann man sich ins Freie trauen?)

Aber wissen Sie, was in Österreich das größte Hindernis für die Karriere einer Frau ist? – Es ist nicht die mangelnde Erfahrung oder Ausbildung. Das größte Hindernis ist: Sie heißt nicht Peter. Es ist ein trauriger Fakt in Österreich: Es gibt in österreichischen Vorständen mehr Männer namens Peter als Frauen insgesamt. Ist ja auch nicht so schwer, in börsennotierten Unternehmen gibt es schlicht keine Frau. Wer Mitte 50 ist und Peter heißt, hat statistisch gesehen sehr gute Chancen auf einen Vorstandsjob (Heiterkeit der Rednerin sowie bei Grünen, ÖVP und SPÖ), sogar bessere Chancen als die topqualifizierte Spitzenökonomin oder die Topmanagerin des Landes. Schön, dass ein Minister namens Peter in unseren Reihen sitzt. (Ruf bei der SPÖ: Welch Zufall!) Also watch out, wer einen Kollegen Mitte 50 hat, der Peter heißt (Ruf bei der FPÖ: Der auch bei einem Männernetzwerk ist!): Der könnte bald CEO werden. (Zwischenruf des Abg. Zorba [Grüne].) – Ein Nationalratspräsident: auch Peter. (Allgemeine Heiterkeit.)

Und warum erzähle ich das alles? – Weil sich über Jahre nichts ändert. Wir brauchen dringend mehr Frauen in Vorstandspositionen und solange Frauen nicht die echte Teilhabe an Macht, Arbeit und Geld haben und ihnen diese Positionen strukturell verwehrt bleiben, solange braucht es Vorstandsquoten. (Beifall bei den Grünen.) Es braucht diese Vorstandsquoten, weil wir dringend Vorbilder für junge Frauen und für Mädchen in unserem Land brauchen. Und ja, man hätte jetzt mit der Umsetzung der Women-on-Boards-Richtlinie ein Window of Opportunity gehabt, das Fenster war offen. Es war eine historische Chance für Geschlechtergleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen. (Abg. Stefan [FPÖ]: Für zwei Geschlechter!)

Man hätte strukturelle Veränderung einleiten können. Aber was macht – und das bedauere ich zutiefst – die SPÖ? – Sie beugt sich dem Druck der ÖVP. Sie lässt diese Chance verstreichen, und das Fenster ist jetzt geschlossen. Dabei wäre es so einfach gewesen: Es gab ein fix und fertiges Gesetz mit Vorstandsquoten in der Begutachtung – und ich habe wirklich Hoffnung gehabt. Ich habe die Frauenministerin und die Justizministerin bejubelt, als es hier im Parlament geheißen hat, wir holen uns die Quote zurück. Ich habe es bejubelt. Man hat diesem Gesetz aber die historische Chance genommen. Die Regierung hat die Quoten für Vorstände aus diesem Gesetz gestrichen – und ich verstehe nicht, warum man da so schnell aufgegeben und nachgegeben hat. (Beifall bei den Grünen.)

Es gibt jetzt aber noch eine Möglichkeit, denn wir stellen einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić, LL.M., Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Justizausschusses. Es geht um verpflichtende Frauenquoten auch für Vorstände von börsennotierten Unternehmen und keine weitere Aufschiebung dieser Regelung.


Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen.)

18.21

Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar:

Gesellschaftsrechtliches Leitungspositionengesetz – GesLeiPoG (AA-62)

Präsident Peter Haubner: Der von der Frau Abgeordneten eingebrachte Abänderungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams mit einer freiwilligen Redezeitbeschränkung von 3 Minuten. (Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Er hat eine ganze Mappe mit!)

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.