RN/72
13.55
Abgeordnete Martina Diesner-Wais (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren im Plenum! Sehr geehrte Besucher auf der Galerie und natürlich zu Hause vor den Fernsehgeräten! In wenigen Tagen jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. 40 Jahre und trotzdem gehört die Angst vor der Gefahr der Atomkraft nicht der Vergangenheit an, sondern sie ist hochaktuelle Realität. Tschernobyl hat uns eines gezeigt: Atomkraft kann einfach unbeherrschbar werden und die Folgen eines einzigen Unfalls treffen die Menschen generationenübergreifend, treffen die Umwelt und betreffen dort eine ganze Region. Hunderttausende mussten ihre Heimat verlassen und bis heute gibt es noch immer Sperrzonen. Genau deshalb hat sich Österreich betreffend Atomkraft aus Erfahrung und aus Verantwortung vor Jahrzehnten klar positioniert: gegen Atomkraft.
Ich komme aus dem nördlichen Waldviertel, aus einer Region, die direkt an Tschechien angrenzt, und wir wissen konkret, was es heißt, wenn Atomkraftwerke nicht irgendwo stehen, sondern direkt vor der Haustür. Herr Kollege Schuh, wenn Sie einige Kilometer von einem Atomkraftwerk entfernt wohnen würden, dann würden Sie in vielen Dingen wahrscheinlich anders denken. (Abg. Schuh [FPÖ]: Das habe ich ja gesagt! – Zwischenruf des Abg. Lausch [FPÖ].) Dort ist die Ablehnung nicht nur eine abstrakte politische Haltung, sondern sie ist tief in der Bevölkerung verankert, denn die Menschen wissen, dass bei einem Unfall die radioaktive Strahlung nicht beim Grenzbalken haltmacht. Deshalb ist es hier im Nationalrat unsere Pflicht, klar dagegen aufzutreten.
Der vorliegende Entschließungsantrag ist ein wichtiges Signal: Österreich soll weiterhin eine starke Stimme gegen Atomenergie sein, innerhalb Europas und auch gegenüber unseren Nachbarn, denn während wir hier diskutieren, erleben wir eine gefährliche Entwicklung. Atomkraft wird wieder als Lösung verkauft, als angeblich klimafreundlich und modern, Stichwort Small Modular Reactor. Auch kleine Reaktoren lösen das Grundsatzproblem nicht und sie befördern Ängste – insbesondere wenn man hört, dass sie ganz nahe der Grenze errichtet werden sollen, wie in Temelín –, sie produzieren weiterhin radioaktiven Müll, sie bergen weiterhin Risken und sie sind wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig.
Atomkraft birgt nicht nur Gefahren, sondern sie ist auch sehr teuer, deutlich teurer als die erneuerbare Energie. Wer auf Atomkraft setzt, macht uns einfach abhängig – von der Technologie, von den Uranlieferungen und von geopolitischen Interessen. Gerade im ländlichen Raum wird schon seit längerer Zeit auf erneuerbare Energie gesetzt, wie Fotovoltaik, Biomasse oder auch Wasserkraft. Sie wird regional erzeugt und sie bringt regionale Wertschöpfung, zudem ist es eine sichere und unabhängige Energiequelle, ohne Risiko und ohne Altlasten. Unsere Bauern und Bäuerinnen sind ein Teil dieser Lösung, denn sie produzieren nicht nur gesunde Lebensmittel, sondern sie produzieren auch Energie – Energie, die nachhaltig und verlässlich ist. Das ist der Weg, den wir konsequent weitergehen wollen, und zwar im Sinne der Menschen in unserem Land. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
13.59
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Julia Herr.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.