RN/211

22.42

Abgeordneter Mag. Dr. Rudolf Taschner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Minister! Sie haben jetzt in Ihrem Redebeitrag das schon vorweggenommen, was ich auch sagen wollte: Privatschulen sind ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Schulsystems. Sie sind ja schon da gewesen, bevor es überhaupt die Unterrichtspflicht gegeben hat. Die erste Privatschule und die erste Schule in Österreich, glaube ich, ist so um 1160 in Melk gegründet worden. Sie existiert immer noch, und der berühmteste Schüler ist ein gewisser Adson von Melk, den es gar nicht gegeben hat, aber er kommt in „Der Name der Rose“ vor.

Die Privatschulen sind ein wesentlicher Teil der österreichischen Schullandschaft. Es ist schön, dass wir sie stärken. Sie machen diese Schullandschaft bunt und vielfältig, und es ist auch gut, dass die Eltern da eine gewisse Wahlfreiheit haben; wobei sich dann immer auch die Frage stellt: Welche dieser Schulformen ist denn die bessere? Ich finde diese Frage in ihrer Banalität, ehrlich gesagt, falsch gestellt, denn diese Frage der Qualität der Schulen ist jetzt nicht bei privat oder bei staatlich zu treffen, sondern das ist eine viel tiefere und ins Einzelne gehende Frage.

Das bringt mich eigentlich auf einen Kommentar der ehemaligen Bildungssprecherin der Grünen und Abgeordneten Sibylle Hamann, den ich diesen Montag gelesen habe und die geschrieben hat, dass jetzt endlich die Leistungsdaten der Schulen transparent werden und wir beginnen können, zu ranken. Also das war ihre Hoffnung: Jetzt können wir die Qualität der Schulen einzeln auflisten, und da können wir entscheiden und es wird sich herausstellen, dass die Schulen, die sich manchmal als besonders gut dargestellt haben, ja gar nicht so gut sind, und die anderen Schulen, die vielleicht irgendwie Mauerblümchenschulen gewesen sind, jetzt ganz großartig sein werden. Also diese Vorstellung, dass man Schulen ranken kann, ist gleichsam eine Wunschvorstellung von ihr, die sie da geäußert hat. Sie war ganz begeistert, und wenn die grüne Bildungssprecherin begeistert ist, dann bin ich immer sehr, sehr skeptisch, und ich glaube, das ist irgendwie ein Weg in die Irre. 

Ich glaube dieses Ranken, das geht nicht. (Zwischenruf des Abg. Scherak [NEOS].) Ich meine, Ranken ist sehr beliebt, Ranken tut man bei Restaurants, Ranken tut man bei Hotels, und ich als Wissenschaftssprecher weiß genau, man rankt unglaublich gern die Universitäten. Ich weiß genau, das Ranken der Universitäten ist immer amüsant zu lesen, aber ernst nehmen, wirklich ernst nehmen sollte man es nicht.

Ich weiß es selbst, als ich an der Universität Wien studiert habe, da war sie noch nicht unter den ersten 100, aber mein Mathematikprofessor war eine Koryphäe, eine Weltkoryphäe. Das war einfach ein beeindruckender Lehrer, Edmund Hlawka; und das ist für die Physik bei Thirring genauso und bei der Geografie bei Lichtenberger und in der Pflanzenphysiologie bei Burian und in der Dermatologie bei Wolff – also Namen und, und, und, und. Da ist noch ein Nachklang von dem gewesen, was ich erlebt habe, als Wien das geistige Zentrum der Welt war. Es kommt auf die Person an, und bei der Schule ist es noch viel stärker der Fall. Es kommt bei der Schule, bei der Qualitätsfrage nur auf die Persönlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer an. Auf die ist es sozusagen ausgerichtet. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Totter [ÖVP]: Bravo!)

Eine Schule hat dann gewonnen, wenn in ihr, in jeder einzelnen Klasse mindestens eine Lehrerpersönlichkeit ist, die prägend ist und die so unterrichtet, so erzieht, so wirkt, dass die Kinder davon einfach beeindruckt sind. Dann weiß ich, dass sie gut ist, und da helfen keine Leistungsdaten. Dann hilft das nichts. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Totter [ÖVP]: Bravo!)

Dann können wir mit den Leistungsdaten auch gar nichts anstellen. Ich meine, es ist alles recht gut und schön, aber was die wirkliche Qualität betrifft: Individuum est ineffabile, lehrt die Philosophie. Die Persönlichkeit lässt sich nicht einhegen, und insbesondere lässt sie sich nicht skalieren; aber Persönlichkeit ist das, was in der Schule wirkt.

Es werden Schulen ja gerankt, die werden gerankt in Großbritannien, die werden gerankt in Frankreich, das ist manchmal fürchterlich schrecklich. In Paris werden die Mietpreise in den einzelnen Departements hoch und tief sein, je nachdem wie die Schulen, die dort existieren, gerankt sind. Man stelle sich das vor, das ist ja verrückt! (Abg. Scherak [NEOS]: ... unfassbar! Die Welt geht unter!)

In Österreich sind die Schulen einfach dann gut, wenn gute Lehrerinnen und Lehrer dort unterrichten. Herr Bundesminister, Sie werden auch dafür sorgen, dass die Lehrerausbildung so gut wird, dass wir das erreichen werden, und dann können wir das ganze Ranking eigentlich vergessen. Frau Hamann hat den Artikel umsonst geschrieben, es tut mir leid. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Totter [ÖVP]: Bravo!)

22.46

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.