Anfrage 86/M

Abgeordneter Mag. Heinrich Himmer (SPÖ): Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Für unsere Zukunft in unserem Land, aber auch für jeden Einzelnen ist das Thema lebensbegleitendes Lernen ganz zentral. Es gibt da unterschiedlichste Anbieterinnen und Anbieter, wie zum Beispiel die Volkshochschulen, die ja dazu beitragen, dass die Selbstverwirklichung der einzelnen Personen, aber auch die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes gesichert sind.

Welche strategischen Schritte setzt das Ministerium in der Erwachsenenbildung, um da weiter voranzugehen?

Die schriftlich eingebrachte Anfrage hat folgenden Wortlaut:

„Welche Schritte plant das BMFWF, um die Erwachsenenbildung strategisch weiterzuentwickeln?“

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Frau Bundesministerin.

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc: Lebensbegleitendes Lernen, wie Sie schon gesagt haben, ist natürlich zentral, und wir sehen ja auch, dass Handlungsbedarf besteht. Die Erwachsenenbildung ist definitiv – und das ist eine Leitlinie, die wir verfolgen – ein gleichwertiger Partner in unserem Bildungssystem und muss auch als solcher gesehen werden, weil ganz andere Zielgruppen in anderen Lebenslagen erreicht werden, erreicht werden müssen, erreicht werden können. Also das ist der erste Fokus, den wir auf jeden Fall setzen und sozusagen auch bearbeiten. Wir wollen aber auch die Erwachsenenbildung weiterentwickeln, damit sie eben in allen Lebensbereichen niederschwellig erreichbar, leistbar, barrierefrei, regional ausgewogen – es geht da natürlich auch um Mobilitätsfragen, insbesondere in den Regionen – und zeitlich flexibel ist. 

Es gibt auch zwei unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzungen, die notwendig sind: einerseits, aber nicht nur, berufliche Qualifikation, andererseits auch Erwerb von Grundkompetenzen, digitale Teilhabe, gesellschaftliche Mitwirkung. All das sind auch wesentliche Themen, die die gemeinnützige Erwachsenenbildung jetzt schon vorantreibt, aber in der Zukunft noch stärker vorantreiben muss. Wir setzen da auch auf die sehr gute Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Ressorts, von Arbeitsministerin Korinna Schumann angefangen über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sowie auch die Zusammenarbeit mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr, damit eben diese Gleichwertigkeit im Bildungssystem klar sichtbar wird.

Also das eine ist die Gleichwertigkeit, das andere ist eben die Verzahnung mit anderen Bildungsinstitutionen, und das Dritte ist wie gesagt die Erreichbarkeit sowie die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. (Abg. Himmer [SPÖ]: Danke!)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Zusatzfrage gewünscht? (Abg. Himmer [SPÖ] schüttelt den Kopf.) 

Dann gelangt die Zusatzfrage des Herrn Abgeordneten Klaus Mair zum Aufruf. – Bitte, Herr Abgeordneter.

Abgeordneter Klaus Mair (ÖVP): Sehr geehrte Frau Bundesminister! Die Lehre mit Matura ist zweifelsohne ein Erfolgsmodell in Österreich, sie verbindet eine praktische Ausbildung mit der Hochschulreife, dem vollwertigen Hochschulzugang. Darüber hinaus bietet diese Ausbildungsform natürlich auch eine Jobsicherheit für unsere Jugendlichen, eine exzellente Aufstiegschance, und sie haben den direkten Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen, sie verdienen außerdem ihr eigenes Geld und sind somit Leistungsträger ab der ersten Minute.

Meine Frage: Wie wird dieses Modell – auch in Zukunft – gefördert?

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Frau Bundesminister.

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, Bsc: Vielen herzlichen Dank für die Frage! Ich kann Ihnen nur beipflichten: Die Lehre mit Matura ist ein absolutes Erfolgsprojekt und wesentlich und bietet einfach so viele Zusatzmöglichkeiten für jene Menschen, die Lehre mit Matura in Anspruch nehmen; es ist einfach ein wesentlicher Baustein, der Unterschiedlichstes vereint. Also ich kann nur wirklich jeder Person gratulieren, die sich für Lehre mit Matura entscheidet und dann die Lehre sowie die Matura erfolgreich abschließt. Das ist wirklich großartig (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS), denn – Sie haben es schon angesprochen – es ist dann eben auch Durchlässigkeit möglich. Man hat verschiedene Optionen, sich dann weiterzuentwickeln, nicht nur von der Bildungskomponente her, sondern natürlich auch beruflich. 

Neben den Kosten für Vorbereitungskurse übernimmt unser Haus auch die Prüfungsgebühren einschließlich von Wiederholungsantritten – auch die werden übernommen –, und Kursmaterialien stehen entgeltfrei zur Verfügung. Das ist eben auch ein wichtiger Punkt, um die Durchlässigkeit zu erhöhen. 

Voraussetzung dafür ist ein gültiger Lehrvertrag. Darüber hinaus gibt es ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren; man soll eben ein Motivationsschreiben formulieren, es gibt eine verpflichtende Eingangsberatung und eine Potenzialanalyse. Das ist also wirklich ein begleitender Prozess für die Personen, die Lehre mit Matura anstreben. Es gibt Vorbereitungslehrgänge, vier Teilprüfungen – das ist, denke ich, eine sehr gute Aufteilung –, und der Abschluss ist nach der abgeschlossenen Lehrausbildung mit der Vollendung des 19. Lebensjahres möglich.

Zu den konkreten Zahlen: Pro Teilnehmer:in wird ein Betrag von genau 7,64 Euro für jede Unterrichtseinheit – maximal 6 876 Euro beziehungsweise 900 Unterrichtseinheiten – gefördert beziehungsweise übernommen. Die maximale kostenlose Teilnahmedauer am Programm beträgt fünf Jahre – das ist ein Zeitraum, in dem man eben auch wirklich beides gleichermaßen gut vorantreiben kann –, und das startet mit Beginn des ersten Vorbereitungslehrganges.

In allen neun Bundesländern kooperieren wir natürlich ganz stark, nicht nur mit den Ländern im Rahmen von Projektpartnerschaften, sondern mit Wifi, BFI, mit den VHS. Ich denke, auch das ist ganz, ganz zentral und wichtig, um eine enge Verzahnung hinzubekommen, wiewohl es in den Bundesländern teilweise dann nochmals spezifische Vereinsstrukturen gibt, die mit Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer et cetera gebündelt sind, damit wirklich der volle Effekt nicht nur für die jungen Personen, die Lehre mit Matura in Anspruch nehmen, herauskommt, sondern für uns als Gesamtgesellschaft, als Wirtschaft. 

Ich denke, das ist wirklich ein Erfolgsmodell; das müssen wir weiterhin fördern und einen Schwerpunkt darauf legen. (Abg. Mair [ÖVP]: Danke schön!)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wir gelangen nun zum Aufruf der 9. Anfrage, 89/M, jener der Frau Abgeordneten Katayun Pracher-Hilander. – Bitte, Frau Abgeordnete.