RN/92
17.13
Abgeordnete Heike Eder, BSc MBA (ÖVP): Danke, Herr Präsident! Liebe Frau Staatssekretärin! Liebe Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier im Saal und daheim vor den Fernsehgeräten! Ja, meine Damen und Herren, ich habe mich gefragt: Wieso debattieren wir heute diesen Antrag der FPÖ hier im Nationalrat? Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Erstens, der Antragsteller, Kollege Leinfellner, hat keine Ahnung vom Sport. Das kann ich aber eigentlich ausschließen, wir kennen uns schon etwas länger, er ist dem Sport sehr verbunden. Also bleibt eigentlich nur noch die zweite Möglichkeit, nämlich: Es geht der FPÖ wieder einmal einfach um Schlagzeilen statt um Lösungen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ, NEOS und Grünen. – Zwischenruf des Abg. Michael Hammer [ÖVP].)
Anstatt euch mit den wahren Herausforderungen in unserem Land zu beschäftigen und an konstruktiven Lösungen mitzuarbeiten, geht es euch wieder einmal nur um Randthemen, um Scheindebatten oder um die Frage, ob der Koralmtunnel nicht vielleicht doch Dr.-Jörg-Haider-Tunnel heißen soll. Das wirkt vielleicht laut, aber es hilft einfach niemandem.
So, und jetzt zur Sache: Bei aller Kritik an diesem Antrag ist eines klar: Wir teilen das Ziel dieses Antrages ausdrücklich (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP), und ich sage es ganz deutlich (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aber? – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]): Es kann nicht sein, dass biologische Männer den Wettbewerb im Frauensport verzerren. Es kann nicht sein, dass körperliche Unterschiede zu unfairen Ergebnissen führen oder gar Sportlerinnen verletzt werden. Das will niemand. Fairness im Frauensport ist nicht verhandelbar, meine Damen und Herren. In diesem Punkt stimmen wir Ihnen vollumfänglich zu. (Beifall bei der ÖVP.)
Aber – und jetzt kommt der entscheidende Punkt –: Wir stimmen euch nicht beim Lösungsvorschlag zu, denn der Antrag fordert den Sportminister auf, die Teilnahme an Wettbewerben nach dem biologischen Geschlecht zu regeln. Genau da liegt das Problem (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Echt?!), meine Damen und Herren, denn der organisierte Sport funktioniert international. (Abg. Erasim [SPÖ]: Das wissen sie gar nicht! Das weiß die FPÖ gar nicht!) Die Teilnahme an Weltmeisterschaften, an Europameisterschaften oder an Olympischen Spielen regeln nicht wir hier im Nationalrat, sondern das regeln die internationalen Fachverbände. Genau diese Verbände legen sportartspezifische Regelungen fest, und die nationalen Verbände orientieren sich in der Regel an ihren Weltverbänden.
Dass das in der Praxis auch durchaus passiert, zeigen einige Beispiele: Beispielsweise hat World Athletics, der Weltathletikverband, festgelegt, dass Transfrauen, die bereits eine männliche Pubertät durchlaufen haben, nicht im Frauensport teilnehmen dürfen. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.) Der Österreichische Leichtathletik-Verband hat genau diese Regeln auch übernommen. Dasselbe beim Weltschwimmverband: Auch da übernimmt der Österreichische Schwimmverband die Regeln des internationalen Schwimmverbandes. Und auch das IOC, das Internationale Olympische Komitee, hat bereits Regeln geschaffen: Für die Teilnahme an den Olympischen Spielen ab 2028 wurde entschieden, dass die Frauenkategorie nach dem biologischen Geschlecht auszurichten ist. (Rufe und Gegenrufe zwischen den Abgeordneten Steiner [FPÖ] und Hörl [ÖVP].) Es ist auch davon auszugehen, dass noch viele weitere Sportarten – genauso wie der Bogensport, wie im Übrigen die FIS, wie internationales Rugby bereits Regeln geschaffen haben –, internationale Fachverbände ihre Regeln bezüglich dieser Frauenkategorie festsetzen.
Ich weiß jetzt schon: Die FPÖ hätte gerne eine Art Sportfestung und die Regeln nur hier in Österreich definiert, aber das funktioniert einfach im internationalen Sport nicht, meine Damen und Herren, denn wenn Österreich so, wie die FPÖ jetzt fordert, ein eigenes Regelwerk nur für Österreich schaffen würde, dann passiert nämlich genau das Gegenteil: Es entsteht Chaos. Das würde dazu führen, dass eine Athletin international startberechtigt ist, aber national nicht, oder national startberechtigt ist, aber international nicht. (Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].)
Deshalb möchte ich es noch einmal kurz zusammenfassen: Ja, meine Damen und Herren, wir teilen dieses Ziel ausdrücklich; ja, wir wollen nicht, dass biologische Männer den Wettbewerb im Frauensport verzerren, wir wollen einen fairen Frauensport. Aber: Ein falsches Instrument macht auch ein richtiges Ziel kaputt. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich glaube, das ist eine billige Ausrede! Sie wollen dem nicht zustimmen!)
Meine Damen und Herren! Fairness im Sport braucht Präzision, Populismus lebt von Vereinfachung – und genau daran scheitert dieser Antrag heute. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein!) – Danke. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS.)
17.17
Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Ricarda Berger. Die eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.