RN/110
18.19
Abgeordneter Christoph Zarits (ÖVP): Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Frau Sportstaatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es ist eine sehr, sehr hitzige Debatte heute, und darum ist es wichtig, dass ich mich zum Schluss zu Wort melde (Heiterkeit bei der FPÖ), um ein bisschen Sachlichkeit in den Saal zu bringen.
Ich glaube, die Stoßrichtung, in die der FPÖ-Antrag geht, ist ja eine richtige, und ich denke, dass jeder möchte, dass Frauen im Sport geschützt werden. Es gibt aber biologische Realitäten, die sind nicht wegzudiskutieren und die sind für mich und für uns als Volkspartei sicherlich auch gegeben. Es gibt aber schon etwas, das zu betonen mir wichtig ist, weil die Diskussion heute schon sehr, sehr hart geführt wurde und manche Menschen nicht so beschrieben wurden, wie ich mir das vorstelle: Ich denke, dass jeder Mensch Respekt verdient. Jeder Mensch verdient Respekt, egal ob ein Mann mit einem Mann zusammenlebt, ob eine Frau eine Frau liebt (Zwischenrufe bei der FPÖ), ob Transgenderpersonen oder beispielsweise auch intergeschlechtliche Menschen, die es auch gibt. Es ist ja seit 2018 auch möglich, sich das dritte Geschlecht sozusagen eintragen zu lassen (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Es gibt sogar schon sechs!), geregelt durch einen Erlass vom BMI aus 2018, unter Bundesminister Herbert Kickl. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ja, aber ihr habt ja schon sechs eingeführt! Bei euch sind es sechs geworden!) Also man muss da schon schauen, dass man die Würde des Hauses beachtet (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Im Mutter-Kind-Pass habt ihr schon sechs Geschlechter ...!) und Menschen auch mit Respekt behandelt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)
Für mich ist eins klar – und das ist in der Debatte bei vielen Rednerinnen und Rednern auch herausgekommen –, dass wir, wenn man Frauen im Sport schützen möchte, die gleichen Voraussetzungen für alle schaffen müssen und es die gleichen Regeln für alle geben muss. Gerade deshalb müssen wir vor allem in diesem Bereich – und der Antrag geht ja in diese Richtung – für Fairness im Sport und vor allem im Frauensport sorgen. Wenn wir Frauenkategorien schaffen möchten und Frauenkategorien im Sport erhalten möchten, ist es wichtig, dass wir diese schützen und auch weiterentwickeln. Ich glaube, der Antrag geht in diese Richtung, dass man sich dieses wichtigen Themas annimmt. Ich denke, manche Abgeordneten sind sich auch der Realität nicht bewusst, dass es im Sport ein Thema ist und wir uns als Politik natürlich schon mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Die Debatte ist sehr komplex, sie wird von manchen Abgeordneten, vor allem von Abgeordneten auf der linken und auf der rechten Seite, irgendwie sehr, sehr einfach dargestellt. Ich glaube, dieses Thema ist komplex (Abg. Stefan [FPÖ]: Alles so kompliziert! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... so kompliziert!) und ist nicht mit einfachen Antworten zu lösen.
Was es braucht, ist, dass wir die Wissenschaft mitnehmen, dass wir die Gleichstellung mitnehmen, dass wir die Inklusion mitnehmen (Abg. Steiner [FPÖ]: Was sagt denn die Wissenschaft?) und dass wir vor allem eines mitnehmen – und das hat noch keiner angesprochen –, nämlich die Menschenrechte. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Es geht um Frauenrechte!) Darum verdient sich diese Debatte heute auch mehr Sachlichkeit, und das möchte ich mit meinem Redebeitrag leisten.
Für mich ist eines klar: Es gibt biologische Realitäten – das habe ich anfangs meiner Rede schon klargestellt –, und für mich ist auch klar, dass Menschen, die eine männliche Pubertät miterleben und durchleben, dann im Erwachsenenalter im Sport andere Voraussetzungen, körperliche Voraussetzungen, haben als Menschen, die eine weibliche Pubertät miterlebt haben. Da geht es um Körperbau, da geht es um Körpergröße, da geht es um Lungenvolumen (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Um Kraft! Muskelmasse!), da geht es um die Knochenstruktur, und da geht es auch um Muskelmasse.
Aber Sie werden es auch wissen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Sport ist nicht gleich Sport. Es gibt verschiedene Sportarten, diese Sportarten sind natürlich auch unterschiedlich zu bewerten, und es ist unterschiedlich damit umzugehen. (Abg. Kassegger [FPÖ]: Aber Boxen ist ...!) Ich nehme jetzt einmal das Beispiel Springreiten. Das ist nicht vergleichbar mit Boxen, Curling ist nicht vergleichbar mit Gewichtheben, und Kampfsport ist nicht Schach. Es gibt in vielen Bereichen – die Autonomie des Sportes wurde heute schon angesprochen – offene Bewerbe, sprich, da können Männer und Frauen teilnehmen, es gibt Mixbewerbe, und ich denke, dass es auch eine gute Entscheidung der Verbände ist, dass es diese offenen Bewerbe gibt. Wenn wir die Autonomie des Sports hochleben lassen – und in jeder Sitzung des Sportausschusses wird die Autonomie des Sports betont; Autonomie des Sports bedeutet, dass internationale Verbände über ihre eigenen Regeln und Zulassungen, über Dinge entscheiden, die in ihrem Aufgabenbereich sind –, dann müssen wir das auch bei diesem Thema zulassen. Ich glaube, das ist extrem wichtig.
Sie sprechen auch immer wieder das eine Thema an, nämlich das Thema Boxen, und viele von uns, die hier im Raum sind oder die mir heute zuhören, haben diesen Kampf bei den Olympischen Spielen natürlich gesehen. – Ja, natürlich ist das abzulehnen (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ja, neue Töne!), und 99,9 Prozent aller Menschen auf der ganzen Welt werden sagen, dass es hier Regelungen bedarf. Das IOC, eines der höchsten Gremien im Sportbereich, hat da auch schon nachgezogen, so wie viele andere Verbände, und Regeln geschaffen, die auch den Lebensrealitäten der heutigen Zeit entsprechen. Wenn ich beispielsweise jetzt auf die Olympischen Spiele in Los Angeles im Jahr 2028, sprich im übernächsten Jahr, schaue: Da wurden vom internationalen Komitee beispielsweise schon Beschlüsse gefasst, dass Frauenkategorien, sprich Frauenbewerbe, ausschließlich auf biologische Frauen beschränkt werden. Kontrolliert und eingehalten wird das Ganze durch Gentests, und ich denke, das ist der richtige Weg.
Die Autonomie des Sports ist für uns als Volkspartei extrem wichtig. Verbände, internationale Verbände müssen entscheiden, wie die Regelungen sind, müssen entscheiden, wer zu einem Bewerb zugelassen oder nicht zugelassen ist, und diese Frage muss man auch bei diesem Thema zulassen. Die Stoßrichtung Ihres Antrages ist für mich persönlich die richtige, und ich glaube, ich spreche hier für alle Kolleginnen und Kollegen von meiner Fraktion, nur leider Gottes ist Ihr Antrag in der Realität nicht umsetzbar. Autonomie des Sports bedeutet, Verbände entscheiden autonom, was in ihrem Sportbereich zulässig und nicht zulässig ist – das ist das Entscheidende. Wir können hier im Parlament keine nationale Regelung auf den Weg bringen, um über internationale Regelungen und internationale Verbände zu entscheiden. Das muss einmal klar sein.
Die Stoßrichtung ist die richtige. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, ich als Sportsprecher werde alles in meiner Macht Stehende tun, um da Regelungen zu schaffen, damit Dinge beziehungsweise Wettbewerbe wie jene, die Sie als Anlass nehmen, um Ihren Antrag zu stellen, in Zukunft nicht mehr vorkommen. Wir brauchen keine Symbolpolitik. Wir müssen uns intensiv und sachlich mit dieser Thematik auseinandersetzen, und wir brauchen praktikable Lösungen.
Unser Ziel ist klar: faire Wettbewerbe für Frauen, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen und Regelungen. Ich glaube, das ist das Entscheidende, dass wir da die Wissenschaft miteinbeziehen, dass wir auch die Medizin miteinbeziehen, die in der Praxis natürlich dann auch die Umsetzung für uns machen; denn am Ende geht es für mich im Bereich des Sportes nicht um Schlagzeilen, sondern es geht darum, dass wir gemeinsam das Beste für den Sport erreichen. Es geht um Fairness, es geht um Augenmaß, es geht um die Integrität des Sportes, und das ist für uns als Volkspartei und auch für mich als Sportsprecher das Wichtigste. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. von Künsberg Sarre [NEOS].)
18.27
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.