RN/85
16.06
Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Konversionstherapien dürfen in einer freien, liberalen Gesellschaft einfach keinen Platz haben, denn es geht ja dabei nicht um eine Therapie, es geht darum, den Menschen einzureden, dass sie falsch sind, dass ihre sexuelle Orientierung falsch ist. Das ist Druck, das ist Beschämung, das verletzt die Würde und die psychische Gesundheit von Menschen.
Für uns NEOS ist deshalb schon seit Jahren klar, sogenannte Homoheilungen müssen endlich verboten werden. Homosexualität ist keine Krankheit! (Beifall bei den NEOS sowie der Abg. Baumgartner [ÖVP].) Es war auch nie eine Krankheit und darf deshalb auch nicht so behandelt werden.
Wer jetzt jungen Menschen einredet, dass sie heterosexuell werden können, der hilft ihnen nicht, der schadet ihnen selbstverständlich. Das ist das eine Ding.
Gleichzeitig müssen wir aber auch beim Thema Geschlechtsidentität sehr sorgfältig sein. Wir müssen auch fachlich sauber vorgehen. Jugendliche befinden sich gerade dann, wenn sie in der Pubertät sind, in einer ganz schwierigen Phase ihrer Entwicklung. Identität, Körperbild, Selbstwahrnehmung, das alles ist in einem sehr fluiden Zustand und noch nicht gefestigt. Deshalb ist es wichtig, dass Jugendliche geschützt werden, von allen Seiten irgendwie in Bedrängnis zu geraten. Wir müssen sie schützen vor Druck aus jeder Richtung. Es darf einfach keine Therapie geben, die sagt: Du darfst nicht homosexuell sein!, Du darfst nicht trans sein!, Du musst so werden, wie andere dich haben wollen!, das darf es einfach nicht geben.
Gleichzeitig darf es aber auch keine vorschnellen Festlegungen geben, bevor ein junger Mensch genügend Raum und Zeit bekommen hat, um sich selbst zu finden und sich selbst zu verstehen. Das ist einfach sehr, sehr wichtig.
Deshalb ist meiner Meinung nach der richtige Weg eine ergebnisoffene therapeutische Begleitung, eine Therapie, die nicht umerzieht – die müssen wir abschaffen –, aber gleichzeitig auch eine Therapie, die nicht drängt. Wir brauchen Therapien, die junge Menschen stärken, bei der man ihnen zuhört, Fragen zulässt und die Jugendlichen einfach auch ernst nimmt.
Diese sogenannten explorativen Therapien müssen ganz klar von den Konversionstherapien unterschieden werden, und da wird auch sehr viel vermischt. Die Konversionstherapie sagt: Du bist falsch, wir müssen dich verändern!, und die ergebnisoffene Begleitung wiederum sagt: Du bist nicht falsch, wir schauen gemeinsam, was du fühlst, was du brauchst und was gut für dich ist, um mit dir selbst zu leben! Diese Unterscheidung ist einfach entscheidend, sie wird aber in der Debatte die ganze Zeit auch miteinander vermischt.
Wir haben uns vorgenommen, diesen Knoten zu lösen. Das ist nicht ganz einfach, weil es auch unterschiedliche durchaus ideologische Perspektiven darauf gibt. Leider ist das Ergebnis im Augenblick ein Stillstand. Dieser Stillstand schützt – ehrlicherweise – niemanden. Deshalb plädieren wir NEOS für eine pragmatische Lösung.
Wir wollen endlich das machen, wozu es auch eine ganz breite Einigkeit gibt: Wir wollen die Umerziehung von jungen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ein für allemal verbieten. Wir wollen da eine ganz klare rote Linie ziehen – das kann nicht sehr schwer sein – und gleichzeitig natürlich auch beim Thema Geschlechtsidentität eine Regelung schaffen, die Jugendliche schützt, die ergebnisoffene Begleitungen absichert und die verhindert, dass tiefgreifende Eingriffe zu früh und vielleicht auch zu leichtfertig vorgenommen werden.
Uns geht es darum, dass junge Menschen nicht mehr diesem Druck ausgesetzt werden, sich in vorschnelle Entscheidungen zu stürzen. Das wollen wir nicht, und ich glaube, da sind wir uns alle einig. Deshalb ist es umso wichtiger, hier einfach einmal eine ordentliche Lösung zu finden, denn Freiheit bedeutet eben nicht, Menschen allein zu lassen, Freiheit bedeutet auch, Verantwortung füreinander zu tragen. Niemand darf in so eine Therapie gedrängt werden, deren Ziel einfach nur Beschämung und Umerziehung sind. Dafür stehen wir, und ich bitte darum, dass wir wieder an den Verhandlungstisch zurückfinden, um wirklich eine gute, pragmatische und schnelle Lösung zu finden. – Danke schön. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.)
16.10
Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.