RN/84

13.32

Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr, MA: Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Schule muss auf das Leben vorbereiten, damit wir als Menschen ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen können. Deshalb ist es auch notwendig, dass sich die Lehrinhalte mit der Zeit wandeln, um so auf das Leben vorzubereiten. 

Ich sehe das als Stärkung der humanistischen Bildung auch im Gymnasium, wenn Themen, die für das Leben wichtiger geworden sind, auch Platz in der Schule bekommen. Das sind Themen wie die künstliche Intelligenz, die unser Leben schon jetzt radikal verändert und noch viel radikaler verändern wird, es sind Themen wie Social Media, die eine zusätzliche Herausforderung geworden sind, um die Welt verstehen und auch gestalten zu können. 

Wenn es solche großen technologischen Disruptionen gibt, ist es auch notwendig, dass wir in Bildung investieren und damit diese Themen in die Schule bringen, damit die jungen Menschen gewappnet sind, um sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Deshalb ist heute auf der Agenda, dass in der AHS-Oberstufe zwei neue Schulfächer eingeführt werden: Informatik und künstliche Intelligenz sowie Demokratie und Medien. 

Warum Informatik und künstliche Intelligenz? – Das gibt es in der AHS-Oberstufe schon jetzt mit zwei Wochenstunden, aber nicht zwei Wochenstunden in jedem Jahr, sondern über die gesamte Oberstufe. Wir erhöhen da die Anzahl der Stunden um 50 Prozent, um für die Beschäftigung mit Algorithmen, mit der künstlichen Intelligenz (Abg. Mölzer [FPÖ]: ... Mathematik!), mit Themen wie Datensicherheit, aber auch mit Themen wie Datensouveränität, beispielsweise auch mit den Gefahren von Cyberwar Platz zu machen, die eine große Herausforderung sind, damit man das auch in der Schule behandelt und sieht, wo die Gefahren der heutigen Zeit herkommen. Das ist eine Stärkung der humanistischen Bildung, denn digitale Kompetenzen sind Teil einer humanistischen Bildung, davon bin ich fest überzeugt. (Beifall bei den NEOS sowie der Abg. Jeitler-Cincelli [ÖVP].) Humanismus bedeutet nicht, dass immer alles so bleibt, wie es immer war, sondern dass man Bildung für den Menschen, die Humanitas, anpasst und damit ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. 

Der zweite Themenbereich: Medien und Demokratie. Da wird an vielen Schulen schon vieles geleistet – auch hier in der Werkstatt, wo viele Schülerinnen und Schüler auch mit Ihnen als Abgeordneten in den Austausch kommen –, aber nicht alle Schulen haben diesen Schwerpunkt und haben den Platz. Ja, es ist eine Querschnittsmaterie, das bedeutet aber auch, alle müssen es machen, und wenn niemand hingreift, macht es niemand. Ich finde, demokratische Bildung und Medienbildung sind zu wertvoll, um sie dem Zufall zu überlassen. Deshalb braucht es auch eine fixe Verankerung in der Stundentafel, um Platz zu haben, um sich mit Medienbildung auseinanderzusetzen. Da geht es nicht darum, zu sagen, welche Medien besser sind oder falsch sind, sondern Kritikfähigkeit zu schulen sowie das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass alle Medien kritisch zu hinterfragen sind, genauso wie alle Politikerinnen und Politiker, die hier heute reden, kritisch zu hinterfragen sind, um so die Kritikfähigkeit zu stärken. (Beifall bei den NEOS, bei Abgeordneten der SPÖ sowie der Abg. Jeitler-Cincelli [ÖVP].)

Es gibt hier einen guten gemeinsamen Kompromiss, der in der Koalition ausgehandelt worden ist, nämlich: Dort, wo die Schulen nicht selber autonome Schwerpunkte wählen, wird Latein und/oder die zweite lebende Fremdsprache reduziert, und ansonsten gilt die Schulautonomie. Das heißt, mit der anstehenden Reform wird die Schulautonomie gestärkt, und das ist gut, weil sich die Standorte ja auch damit auseinandersetzen sollen, wie sie die Lehrinhalte integrieren und wie sie Schwerpunkte setzen. Das heißt, ja, man kann in Zukunft auch Altgriechisch verstärkt machen oder Latein verstärkt machen, aber auch Sport verstärkt machen oder Musik verstärkt machen. Das ist alles gut, wenn am Standort Schwerpunkte gesetzt werden, und am besten, wenn dabei die Schulgemeinschaft eingebunden wird – nur so kann es einen gemeinsamen Beschluss im Schulgemeinschaftsausschuss geben – und wenn es auch Wahlmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern gibt. 

Warum wird das heute noch ohne Inhalte beschlossen? – Weil es technisch so notwendig ist. Wir müssen vorher das Gesetz verändern, bevor ich als Minister eine Verordnung erlassen kann. Hier wird das Gesetz geändert, damit der Rahmen für zwei neue Unterrichtsfächer geschaffen wird. Darauf folgend gibt es eine Verordnung, in der genau festgelegt wird, in welchen Jahren, in welchem Stundenausmaß und welche Lehrinhalte. Ich darf verkünden und ankündigen, dass es diesbezüglich bald eine Begutachtung geben wird, denn dazu ist ja die Begutachtung wichtig, nämlich zu den Lehrinhalten und den Schwerpunkten – nicht alleinig zur Benennung von Fächern. Es geht ja um die Substanz, und dazu wird es noch den Austausch geben. 

Der Fokus dieser Gesetzesänderung liegt neben diesen zwei neuen Fächern beim Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz. Es ist extrem wichtig, dass auch ein Pflichtschulabschluss im zweiten Bildungsweg erreicht werden kann. Auch da braucht es Novellierungen und Adaptierungen, weil es eben neue Themen gibt, die in der Schule angekommen sind, wie digitale Kompetenzen, die auch so in das Gesetz über den Pflichtschulabschluss im zweiten Bildungsweg hineingebracht werden. 

Darüber hinaus gibt es einige Veränderungen bei den Modalitäten bei der Prüfung sowie bei der Zusammensetzung der Kommissionen. Warum? – Weil es da auch Rückmeldungen aus der Praxis gibt, bei denen es mir besonders wichtig ist, dass wir sie integrieren und so auch gemeinsam umsetzen. 

Deshalb bitte ich um Zustimmung zu diesen Themen, denn sie stärken das Schulsystem, machen es gerechter und zeitgemäßer. (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ.)

13.37

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Carmen Jeitler-Cincelli.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.