RN/91
13.53
Abgeordnete Ricarda Berger (FPÖ): Danke schön, Frau Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kollegen! Sehr geehrte Zuseher hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Ja, wir verhandeln heute einen Entschließungsantrag, der im Grundsatz so selbstverständlich ist, dass es eines zivilisierten und entwickelten Landes eigentlich unwürdig ist, dass man überhaupt darüber debattieren muss.
Wir fordern nämlich in diesem Antrag nichts anderes, als dass in unseren Schulen, in unseren Schulbüchern, in offiziellen Lehrmaterialien die gültigen Regeln der deutschen Rechtschreibung eingehalten werden. Das ist ganz einfach. Dass wir als politische Fraktion im Parlament einen eigenen Antrag dafür einbringen müssen, damit sich der Staat an die eigenen Regeln hält, ist eigentlich ein sehr absurder Befund, meine sehr geehrten Damen und Herren. Es zeigt wieder: Es ist einfach das Zeugnis einer – Kollege Brückl hat es schon angesprochen – bildungspolitischen Kapitulation jener Parteien, die seit Jahren und Jahrzehnten die Verantwortung in diesem Land tragen. (Beifall bei der FPÖ. – Ruf bei den Grünen: Gendern, gendern!)
Sprache ist viel mehr als nur ein Vehikel, um Informationen von einer Person zu einer anderen zu übertragen – da sind wir uns wahrscheinlich einig. Wo wir uns wahrscheinlich nicht einig sind, ist, dass Sprache, zumindest für uns Freiheitliche, das tiefste Fundament unserer Kultur ist. Meine sehr geehrten Damen und Herren, was wir in den letzten Jahren – massiv forciert durch Sie (in Richtung SPÖ und Grüne), durch die linke, sogenannte progressive Strömung – erleben, ist eine künstliche Veränderung und leider Gottes ein ideologischer Eingriff in unsere Sprache: das sogenannte Gendern. Ich nenne es unerträgliches Stottern in Wort und Schrift mittels Sternchen, Unterstrichen, Doppelpunkten, Binnen-I und weiß der Kuckuck, was es da alles noch gibt.
Das ist ein rein universitäres Elfenbeinprojekt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Es ist ein politisches Experiment, das der ganzen Bevölkerung einfach permanent mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger aufgezwungen werden soll. (Abg. Zorba [Grüne]: Wer macht das? Wer zeigt auf?) Und genau dieses Experiment macht vor jenem Ort nicht mehr halt, der eigentlich sehr schützenswert wäre, nämlich vor unseren Schulen. Was unsere Kinder heute an Schulbüchern, Arbeitsblättern mit Schrägstrichen (Abg. Voglauer [Grüne]: Doppelpunkt!), Sternchen, Binnenzeichen (die Abgeordneten Disoski [Grüne] und Schallmeiner [Grüne]: Doppelpunkt!) vorgesetzt bekommen: Das entstellt einfach jeden Text. Die Texte sind mehr als nur zerhackt, und leider Gottes gehen dadurch auch die grammatikalischen Bezüge verloren.
Ich frage Sie daher, die Vertreter der SPÖ, der ÖVP, der Grünen und der NEOS (Abg. Brandstötter [NEOS]: Ja!): Wissen Sie eigentlich, was Sie unseren Kindern damit antun? (Abg. Brandstötter [NEOS]: Weltoffenheit! Freiheit!) Nein? – Ich sage es Ihnen: Sie, die Sie das Wort Inklusion wie eine Monstranz permanent vor sich hertragen, Sie, die Sie behaupten, Hürden abzubauen und Barrierefreiheit schaffen zu wollen, machen in der Praxis genau das Gegenteil, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Wissen Sie was? – Ihre linksideologische Sprachpolitik ist der größte Exklusionsmotor der letzten Jahrzehnte. (Abg. Stögmüller [Grüne]: Schule darf ...! – Abg. Maurer [Grüne]: ... so viele Schulabmeldungen wegen Sternchen ...!) Kinder lesen nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern sie erfassen Wortbilder. Sie lernen eine Struktur auf einen Blick zu erkennen. Das alles wird damit einfach untergraben. Haben Sie sich eigentlich schon einmal Gedanken gemacht (Abg. Brandstötter [NEOS]: Ja!), welche Kinder damit vor besonderen Herausforderungen stehen? Wenn nicht, ich sage es Ihnen: Es gibt Kinder, und es werden immer mehr, die eine Lese-Rechtschreib-Schwäche haben, die an Legasthenie leiden. (Abg. Disoski [Grüne]: ... Leseförderung! – Zwischenruf der Abg. Voglauer [Grüne].) Mit diesen Kindern haben Sie wahrscheinlich kein Mitleid und kein Mitgefühl, aber vielleicht mit einer zweiten Gruppe, die ich erwähne, da geht Ihnen wahrscheinlich das Herz auf: Auch Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist, haben ein gewaltiges Problem damit, weil die deutsche Grammatik einfach nicht ganz so einfach ist. (Abg. Brandstötter [NEOS]: Unterstellungen werden nicht besser, wenn man sie wiederholt!)
Denken Sie einmal über die rechtliche, aber auch über die moralische Paradoxie nach, die Sie an unseren Schulen da installiert haben. Wir verlangen von unseren Schülern – zu Recht, meine ich –, dass sie bei Schularbeiten, aber auch bei der Matura die Regeln der Grammatik einhalten – das alles zu Recht. Wie wollen Sie einem zum Beispiel 14-Jährigen erklären, dass er, wenn er Rechtschreibfehler macht, bestraft wird, dass ihm bei der Schularbeit Punkte abgezogen werden, aber der Verfasser des Deutschbuchs einfach nach Belieben hergehen kann und ändern kann, wie er will? Das ist einfach: Das untergräbt einfach jede Autorität, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Werte Kollegen der Systemparteien (Abg. Voglauer [Grüne]: Ah!), kommen Sie endlich zurück zur Realität und lösen Sie sich aus der Blase der linken Sprachpolizisten! Die Menschen außerhalb dieses Hauses lehnen diesen Genderzwang mit überwältigender Mehrheit ab. Niemand auf der Straße spricht so, niemand im Supermarkt spricht so, außer – wir haben das letzte Woche gesehen – Herr Vizekanzler Babler, der sogar das Nationalteam der Männer gendert. Im Übrigen: Vielen Dank dafür, er hat bewiesen, wie absurd diese linken Sprachregeln sind. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Steiner [FPÖ]: Bravo!)
Und jetzt zu Ihnen, sehr geehrter Herr Minister: Es ist schon Ihre Verantwortung, für ordnungsgemäße Lehr- und Lernmaterialien zu sorgen. Und nein, damit meine ich definitiv nicht die Bücher zur Frühsexualisierung. (Abg. Disoski [Grüne]: Was?) Man muss ehrlicherweise sagen – ich habe noch gar nicht damit begonnen, aber Kollege Brückl und meine Vorredner haben es schon angesprochen – Wir haben dermaßen massive Probleme an unseren Schulen, die real sind. Wir kämpfen mit einem Lehrermangel (Abg. Schallmeiner [Grüne]: Was ist mit Lehrerinnen? Hauptsache nicht gendern!), wir haben nachweislich Defizite bei den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen.
Wir haben auch große Herausforderungen im Bereich der grundlegenden Disziplin an vielen Schulen. Dieses Problem haben wir vorwiegend in Brennpunktschulen. Mittlerweile gleicht zum Beispiel in Wien fast jede Schule einer Brennpunktschule. (Abg. Oxonitsch [SPÖ]: Absurder geht es nicht mehr!) Deshalb, Herr Minister: Kümmern Sie sich endlich um die echten Probleme (Abg. Zorba [Grüne]: Das ist das Gendern, oder was?) und nicht um künstlich geschaffene Sprachabsurditäten! Schaffen Sie das Gendern endlich ab und machen Sie Ihren Job, oder treten Sie zurück! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Zorba [Grüne]: Das größte Problem an den Schulen ist das Gendern, oder wie?)
13.59
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.