10.11
Abgeordneter Mag. Dr. Rudolf Taschner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Wir haben ungefähr 5,15, 5,2 Milliarden Euro in den beiden kommenden Jahren für die Universitäten vorgesehen, und das ist kein geringer Betrag. Wir gehen von einem relativ hohen Niveau aus. Es ist nicht gesteigert worden.
Die Universitäten haben sich mit einer Aktion, die ich zum Teil für nicht besonders geschickt empfunden habe, dagegen gewehrt. Die Gesprächsbasis zum Ministerium abzubrechen, war nicht geschickt, denn wir wollen ja in diesen Gesprächen über die Hochschulstrategie 2040 schauen, wie die Hochschulen im Jahre 2040 aussehen werden. Da sollten die Universitäten natürlich mitmachen, abgesehen davon, wie dieses an sich ansehnliche Budget für die Universitäten aussieht.
Ich glaube auch, dass bei den Universitäten wiederum die Einsicht eingekehrt ist, diese Gespräche weiterzuführen, und ich finde, das ist gut so. Es sind ja Strategiefragen. Herr Kollege Graf ist ungeduldig, das verstehe ich vollkommen, aber wir müssen uns diese Fragen stellen.
Die Frage nach den Zugängen: Welche Zugänge gibt es denn? – Es heißt ja immer Bildung für alle, aber Hochschulausbildung sollte für diejenigen sein, die diese Hochschulausbildung auch meistern können. Da müssen wir nach den Zugangsbedingungen fragen, damit wir auch einen richtigen Output haben, damit nicht so ein starker Drop-out vorhanden ist. Das sind Probleme.
Weitere Probleme: Welche Studienrichtungen bieten wir denn an? Bieten wir vielleicht zu viele Studienrichtungen an, viel zu viele an verschiedenen Orten? Wie sieht es mit den vielen tertiären Ausbildungsstätten aus, die wir haben? Gibt es da Zusammenführungsmöglichkeiten? All diese Probleme gehören erörtert, und diese werden wir auch miteinander erörtern, ich hoffe in einem guten Dialog, damit dann – jedenfalls am Ende dieser Legislaturperiode – ein Meilenstein in der Wissenschaftspolitik und in der Universitätspolitik geschaffen wird. Ich bin dabei guter Hoffnung.
Es ist auch die Frage, was wir in der Forschung finanzieren? Ich möchte noch immer auf einen „Presse“-Artikel verweisen, den ich geschrieben habe: Welche Forschungsbereiche gehören finanziert und bei welchen wird der Steuerzahler sagen, ich möchte nicht haben, dass da mein Geld hineingesteckt wird?
Ich habe davon gesprochen, wir sind sehr gut in der angewandten Forschung. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Österreich ist in der Quantentechnologie – die Quantentheorie ist ja jetzt eine Ingenieurtechnologie geworden – wie in der medizinischen Forschung wirklich voranschreitend. Rektor Müller hat mir gezeigt, wie das AKH in Zukunft ausschauen wird. Da wird es einen Turm mit Robotik geben, wo früher die Chirurgie war, und einen Turm mit Prävention, wo früher die innere Medizin war. All das sind Zukunftsprojekte, in die wir hineinarbeiten müssen.
Diese angewandte Forschung braucht natürlich auch die Grundlagenforschung, und auch die gehört natürlich finanziert. Zur Grundlagenforschung gehören natürlich auch geisteswissenschaftliche Fragestellungen, denn wie sich die Conditio humana mit der herankommenden künstlichen Intelligenz verträgt, muss erforscht werden können.
Aber es gibt natürlich auch Forschungsbereiche, die ich die ornamentalen genannt habe, bei denen jemand, sagen wir einmal, über unerreichbare Kardinalzahlen nachdenkt. 100 000 Rosen, wenn er das machen möchte. Wenn er aber sagt, ich möchte haben, dass die Steuerzahler dafür Geld zahlen, würde ich ihm sagen: Nein, du bekommst es nicht, obwohl es natürlich eine Art Forschung ist. Für die Freiheit der Forschung bin ich vollkommen, aber zur Freiheit des Geldes, dass ich es dafür hergebe, sage ich: Passen wir auf!
Dann gibt es natürlich auch – das hat sich in diesen guten Jahren ergeben –, dass die Universitäten gesagt haben, nehmen wir auch Scheinwissenschaften auf, wobei ich sage, die gehören nicht einmal auf die Universität. Wenn Sie mich fragen, welche das zum Beispiel sind, sage ich Ihnen als Beispiel postkoloniale Studien, die in Wirklichkeit nichts anderes als Kaschierungen von einem verdeckten Antizionismus sind, der in Wirklichkeit Judenhass ist. Das gehört nicht auf eine Universität und das schmeißen wir raus. (Abg. Maurer [Grüne]: Zum Glück sind die Universitäten autonom und frei!) Da können wir tatsächlich einiges einsparen. Das ist durchaus möglich.
Follow the Science, wird gesagt. Das ist ein Spruch der Unterwerfung. Follow the Science ist ein Spruch von Greta Thunberg: Unterwerft euch der Wissenschaft. Nein, es heißt Sapere aude: Bediene dich deines eigenen Verstandes. Wir müssen immer kritisch und auch skeptisch bleiben. Das ist ganz wichtig! Die Skepsis muss man lernen, aber das muss man auch können.
Insofern glaube ich, dass wir bei der Wissenschaftspolitik mit Wissen und auch mit Gewissen dem Steuerzahler gegenüber vorangehen werden. Ich setze große Hoffnungen auf Sie, Frau Bundesministerin, dass Sie dieses Wissen und dieses Gewissen mit großer Bemühung einbringen werden. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Oberhofer [NEOS].)
10.16
Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Ricarda Berger. Ich darf 4 Minuten einstellen. – Bitte schön.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.