RN/265
18.43
Abgeordneter Mario Lindner (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich gebe Kollegen Schallmeiner, aber auch Kollegen Steiner (Beifall des Abg. Wurm [FPÖ]) im Zusammenhang mit den Reden zur Sanitäterausbildung vollkommen recht. Darum steht es ja im Regierungsprogramm drinnen, und wir sind dabei, dass wir das umsetzen, denn nicht nur wird die Saniausbildung besser, sondern – da wird sich auch der Herr Finanzminister freuen – da kann man doch auch einiges im Gesundheitsbereich einsparen.
Aber: Ich habe ein Interview gelesen und darin sagt eine FPÖ-Abgeordnete: „Ich bin keine Gesundheitsexpertin, aber Ökonomin. Als solche will ich das effizienteste Gesundheitssystem mit den bestmöglichen Leistungen. Aber bei uns bekommt jeder volle Leistung auch bei Teilzeit.“ – Was heißt das jetzt? – Die Ärztin entfernt mir den Blinddarm, aber zunähen kann ich mich selber. Das CT geht heute nur bis zur Körpermitte. (Heiterkeit des Abg. Della Rossa [SPÖ].) Eine schwangere Frau geht zur Vorsorgeuntersuchung, bekommt ihr Ergebnis aber erst, wenn sie Vollzeit arbeitet. Der Rettungswagen bringt Sie ins Krankenhaus, die letzten 500 Meter gehen Sie aber bitte zu Fuß! – Oder der Arzt sagt: Den halben Gips bekommen Sie heute, die zweite Hälfte gibt es, sobald Sie mehr arbeiten. – Meine Damen und Herren, natürlich ist das absurd, aber genau deshalb macht mich die Aussage der FPÖ-Abgeordneten so fassungslos, denn Krankheiten kennen keine Wochenstunden. Ein Herzinfarkt fragt nicht nach dem Arbeitsvertrag, eine Krebsdiagnose interessiert sich nicht dafür, ob jemand Vollzeit oder Teilzeit arbeitet, und deshalb darf das auch unser Gesundheitssystem nicht. (Beifall bei der SPÖ.)
Menschen arbeiten aus den unterschiedlichsten Gründen Teilzeit: Sie betreuen Kinder, sie pflegen Angehörige, sie machen eine Ausbildung oder sie kämpfen sich nach einer Krankheit Schritt für Schritt zurück ins Berufsleben. Sie alle leisten ihren Beitrag und sie alle haben den gleichen Anspruch auf medizinische Versorgung. Ja, wir brauchen ein effizientes Gesundheitssystem, aber Effizienz darf niemals bedeuten, Gesundheit nach Arbeitsstunden zu bewerten. Unser Gesundheitssystem funktioniert nach einem besseren Prinzip: nicht der Arbeitsvertrag entscheidet über die Behandlung, sondern der medizinische Bedarf. (Beifall bei der SPÖ.) Gesundheit ist kein Bonus von Vollzeit, Gesundheit ist ein Grundrecht, und Solidarität rechnet niemals in Wochenstunden. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Stögmüller [Grüne].)
18.46
Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch mit einer freiwilligen Redezeitbeschränkung von 2 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.