RN/48

15.47

Abgeordnete Sigrid Maurer, BA (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Die Kolleg:innen und meine Vorredner:innen haben es gerade gesagt: Kulturelle Bildung ist natürlich ein wichtiger Teil von Bildung. Deshalb finde ich zunächst einmal richtig, was in diesem Antrag als Ziel formuliert wird: Jedes Kind, unabhängig vom Wohnort und unabhängig davon, wie viel Geld eine Schule zur Verfügung hat oder wie viel Geld die Eltern zur Verfügung haben, soll die Möglichkeit haben, ein Museum, eine Oper, ein Theater zu besuchen. (Beifall bei den Grünen.)

Wenn wir uns aber anschauen, wo das Problem tatsächlich liegt, dann wird eines sehr schnell klar. Bei vielen kulturellen Einrichtungen sind die Eintrittspreise für Kinder und Jugendliche bereits sehr niedrig oder sie sind überhaupt kostenlos. Die Bundesmuseen etwa können von unter 19-Jährigen kostenlos besucht werden, auch Opernhäuser und Theater haben umfangreiche Angebote für Kinder und Jugendliche, von günstigen Schulvorstellungen bis hin zu kostenlosen oder sehr günstigen Probenbesuchen. Die große Hürde ist daher häufig nicht der Eintritt, sondern die große Hürde ist die Frage: Wie komme ich mit meiner Schulklasse dorthin? 

Genau deshalb möchte ich darauf jetzt den Fokus legen. Wir sollten nämlich über ein Fördermodell reden, das bei der Mobilität ansetzt, und ich glaube, wir sollten uns anschauen, ob wir die Schüler:innenfreifahrt nicht weiterentwickeln können. 

Die Schüler:innenfreifahrt deckt derzeit lediglich den Weg zwischen Wohnort und Schule ab. Ja, es gibt darüber hinaus verschiedene Modelle eines Top-Jugendtickets, das eine günstigere ganzjährige Nutzung des regionalen öffentlichen Verkehrs ermöglicht, aber ein solches Top-Jugendticket ist nicht für alle leistbar und noch dazu in jedem Bundesland unterschiedlich teuer, und das finden wir Grüne ungerecht. (Beifall bei den Grünen.)

Warum nicht den regionalen öffentlichen Verkehr für Schülerinnen und Schüler grundsätzlich kostenlos machen, sodass ein Museumsbesuch in Wien, ein Theaterbesuch in Graz oder ein Konzert in Salzburg nicht an den Fahrtkosten scheitert? Das wäre eine Maßnahme, die ein doppelter Gewinn wäre. Sie würde den Kindern und Jugendlichen ganz grundsätzlich mehr Möglichkeiten geben, Kultur, Bildung, aber potenziell auch Sport et cetera in ihrer eigenen Region zu erleben. 

Außerdem – ein viel kleinerer Punkt – ist die Organisation der Fahrten für die Lehrerinnen und Lehrer, die diese Besuche organisieren müssen, eine einzige Pein: Geld einsammeln, Beträge vorstrecken, Beträge wieder zurückgeben, wenn jemand krank ist, Tickets kaufen, Abrechnungen machen, und das alles sehr oft mit Einzeltickets. Das ist eine sehr bürokratische Angelegenheit, die mit viel Arbeit verbunden ist, und ja, wir wissen das aus den Rückmeldungen von Lehrerinnen und Lehrern: Auch das ist ein Faktor, warum Ausflüge oft gar nicht mehr organisiert werden, und das halte ich für ein Problem. 

Damit komme ich jetzt eben zu einem Punkt, bei dem ich mir von der FPÖ deutlich mehr erwarten würde, denn dieser Antrag klingt zunächst nach einem konstruktiven, bildungspolitischen Anliegen, aber wenn man sich anschaut, wofür die FPÖ sonst in der Bildungspolitik steht, dann sieht man: Da geht es sehr häufig um Verbote, um Abgrenzungen und um die Vorstellung, Bildung müsste vor allem vor bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen geschützt werden. Da geht es dann um Deutschpflicht am Pausenhof oder Verbote von Genderzeichen – sehr beliebt – oder um die Vorstellung, dass Kinder sehr lang von Aufklärung ferngehalten werden sollten; eine sehr schlechte Idee aus meiner Sicht. 

Wir Grüne haben da ein ganz anderes Verständnis von Bildung. Bildung soll Kindern die Welt nicht kleiner machen, sondern größer machen. Kinder sollen nicht nur das lernen, was sie schon kennen, sie sollen mit Neuem konfrontiert werden, mit anderen Perspektiven, mit Kunst und Wissenschaft, mit Geschichte, mit Musik, mit Literatur, mit Gedenken beispielsweise. 

Deshalb sage ich auch: Wenn die FPÖ tatsächlich möchte, dass jedes Kind Zugang zu kultureller Bildung bekommt, dann können wir darüber reden, dann sollten wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Fahrt ins Museum, ins Theater oder in die Oper oder in die Gedenkstätte für kein Kind am Geld scheitert. Machen wir den öffentlichen Verkehr für Schülerinnen und Schüler gratis und machen wir damit kulturelle Bildung zugänglicher für alle! – Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen.)

15.52

Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.