29. April 2025
Es gilt das gesprochene Wort.
III. Nationalratspräsidentin Doris Bures:
Vielen Dank, liebe Daniela Kraus,
sehr geehrte Jury-Vorsitzende Heide Schmidt,
liebe Frau Vizepräsidentin Petra Stuiber,
liebe Frau Ministerin Anna Sporrer!
Vor allem aber sehr verehrte Preisträgerin und Preisträger!
Es ist mittlerweile gute Tradition, dass die Verleihung der Concordia Preise für besondere publizistische Leistungen hier im österreichischen Parlament, im Herzen der Demokratie stattfindet. Es ist mir eine große Freude, Sie hier im „Hohen Haus“ begrüßen zu dürfen.
Demokratie, Freiheit und unabhängiger Journalismus –
das ist eine existenziell notwendige, eine symbiotische Kombination.
Das Eine geht ohne das Andere nicht!
Doch: Sowohl die parlamentarische Demokratie
wie auch Journalismus, der sich und seine Aufgabenstellung ernst nimmt,
haben schon bessere Zeiten gesehen.
Demokratischer Diskurs funktioniert nur, wenn es ein
gemeinsames Verständnis über faktische und empirische Grundlagen gibt.
Auf deren Basis kann dann ein fairer demokratischer Wettbewerb,
begleitet von kritischer journalistischer Berichterstattung stattfinden.
Nach zivilisierten, konsensualen demokratischen Regeln.
Mit ausgewogenen Checks and Balances.
Dieses Rahmenregelwerk der demokratischen Willensbildung ist heute
nicht mehr unumstritten. Ja! Es wird sogar heftigst attackiert.
Plumpe Autokratien verhehlen heute gar nicht mehr ihre Verachtung
für die liberale Demokratie, die Meinungsfreiheit und die Menschenwürde.
Sie inszenieren sich sogar stolz und eitel als
überlegenes Modell der effizienten Machtausübung.
Von Putin über Erdogan,
von Trump bis zu seinen Tech-Milliardären mit ihren Allmachtsfantasien.
Demokratie, Humanismus und die Meinungsfreiheit durch unabhängigen Journalismus – wir alle kämpfen im Moment gegen zunehmende Widerstände. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte.
Umso wichtiger ist es, Gelegenheiten wie heute wahrzunehmen,
um Ethik und Verantwortungsgefühl im Journalismus den Rücken zu stärken.
Denn ökonomischer, politischer und sozialer Druck wirken heute stärker denn je auf seriösen Journalismus. Die verzerrende Konkurrenz durch US-Online-Giganten lässt
fairen Wettbewerb fast zur Illusion werden.
Dazu kommen politische Verirrungen von Message Control und
simplifizierte Freund-Feind-Schemen.
Beides ließ kritischen Journalismus zum Feindbild werden –
Stichwort „Fake News“ und „Lügenpresse“.
Und was eben auch neu ist, das ist die Glaubwürdigkeitskrise der Medien und des Journalismus. Bislang war zwar die Politik immer wieder im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik, daran hat man sich gewöhnt. Neu jedoch ist, dass auch die Medienlandschaft großem Rechtfertigungs- und Legitimationsdruck ausgesetzt ist. Diesem kann wohl – im Übrigen wie auch in der Politik – nur durch Integrität, Professionalität und Transparenz begegnet werden. Und ich denke, auch eine gesunde Distanz des Journalismus zur Politik und zur Wirtschaft kann da hilfreich sein.
Der heutige Preisträger Armin Thurnher, der für sein Lebenswerk geehrt wird, die Preisträgerin Barbara Toth, Johannes Greß und Christof Mackinger stehen mit ihrem Wirken jedenfalls in der Tradition eines ethisch verantwortungsvollen, seriösen und faktenverpflichteten Journalismus. Der sich nicht dem Mainstream-Opportunismus anbiedert.
Diese selten gewordenen journalistischen Leistungen
werden heute noch gebührend gewürdigt.
Ich darf Ihnen jetzt schon herzlich gratulieren und
ich wünsche uns einen interessanten Abend im österreichischen Parlament!