51/SVER
11. März 2026
XXVIII. Gesetzgebungsperiode
Lokal 2 | Elise Richter
Programm
Eröffnungsworte
Harald Dossi – Parlamentsdirektor
Videobotschaft
Doris Bures – Dritte Präsidentin des Nationalrates
Vorstellungsrunde der Frauensprecherinnen
Rosa Ecker – Abgeordnete zum Nationalrat, FPÖ
Juliane Bogner-Strauß – Abgeordnete zum Nationalrat, ÖVP
Sabine Schatz – Abgeordnete zum Nationalrat, SPÖ
Henrike Brandstötter – Abgeordnete zum Nationalrat, NEOS
vertreten durch:
Lisa Aldali – Abgeordnete zum Nationalrat, NEOS
Meri Disoski – Abgeordnete zum Nationalrat, Grüne
Blitzfragerunde zu frauenpolitischen Themen
Abstimmung durch die Frauensprecherinnen und das Publikum
Keynote „Neue Wege gehen - Frauen in der Arbeitswelt der Gegenwart“
Bianca Khalil – Abteilungsleiterin M11 - Produkt und Steuerung, Wiener Linien
Pause und Möglichkeit zur Einreichung von Fragen
Fragerunde
eingereichte Fragen werden beantwortet
Kurzführung zum Thema „Parlamentarismus und Frauen“ (optional)
Moderation
Valerie Watzek – Gleichbehandlungsbeauftragte der Parlamentsdirektion
Amra Duric-Müller – stv. Teamleiterin Newsroom, Abteilung 4.1 - Medienkommunikation, Parlamentsdirektion
Valerie Watzek (Gleichbehandlungsbeauftragte der Parlamentsdirektion): Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf Sie herzlich im Parlament zur Veranstaltung „Demokratie braucht Frauen. Internationaler Frauentag im Parlament“ begrüßen! Mein Name ist Valerie Watzek.
Amra Duric-Müller (stv. Teamleiterin Newsroom, Abteilung 4.1 - Medienkommunikation, Parlamentsdirektion): Mein Name ist Amra Duric-Müller.
Valerie Watzek: Und gemeinsam dürfen wir Sie heute durch den Nachmittag begleiten. Zu Beginn möchte ich den Gastgeber der heutigen Veranstaltung, Parlamentsdirektor Harald Dossi, begrüßen. (Beifall.)
Es freut uns sehr, dass die Frauensprecherinnen, die wir nachher auch noch auf dem Podium begrüßen dürfen, unserer Einladung gefolgt sind, namentlich beginnend bei Abgeordneter Rosa Ecker von der FPÖ (Beifall), Juliane Bogner-Strauß von der ÖVP (Beifall), Sabine Schatz von der SPÖ (Beifall), Lisa Aldali, die dankenswerterweise in Vertretung der Abgeordneten Brandstötter hier ist (Beifall), und Meri Disoski von den Grünen (Beifall).
Die Keynote der heutigen Veranstaltung wird von Bianca Khalil (Beifall), Abteilungsleiterin der Abteilung M11 – Produkt und Steuerung bei den Wiener Linien, gehalten. Auch sie möchte ich herzlich begrüßen.
Weiters darf ich alle anwesenden aktiven und ehemaligen Abgeordneten zum Nationalrat und Mitglieder des Bundesrates begrüßen.
Herzlich willkommen heißen möchten wir auch alle anwesenden Pädagoginnen und Pädagogen und Vertreterinnen von Fraueninstitutionen. (Beifall.) Schön, dass Sie da sind und diesen Nachmittag mit uns begehen!
Auch Sie, liebes Publikum, das ich jetzt nur zu „Publikum“ zusammenfassen kann: Es freut uns sehr, dass Sie uns an diesem Nachmittag begleiten, denn seit über 100 Jahren wird der Internationale Frauentag begangen, um ein Zeichen zu setzen: ein Zeichen, um Frauen sichtbar zu machen, um aus Ungleichgewicht Gleichgewicht zu machen. Und gerade bei den Themen Arbeit, Arbeitseinstieg und dem Verhältnis von unbezahlter und bezahlter Arbeit bleibt auch nach über 100 Jahren der Anspruch bestehen, sich sichtbar darüber auszutauschen und nicht zu verstummen.
In diesem Sinne starten wir mit den Eröffnungsworten des Herrn Parlamentsdirektors. (Beifall.)
Eröffnungsworte
Harald Dossi (Parlamentsdirektor): Vielen Dank. – Schönen guten Tag, meine sehr geehrten Damen und Herren! „Demokratie braucht Frauen“ – ein passender Titel für eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag hier im Parlament! Ich freue mich, dass wir das heuer zum ersten Mal in einer einigermaßen institutionalisierten Form begehen. Ich weiß, dass hier im Haus, weil natürlich das Thema Gleichberechtigung, Teilhabe, Selbstbestimmung von Frauen ein wichtiges politisches Thema und ein wichtiges politisches Anliegen ist, parlamentarische Klubs, auch Präsidenten, Präsidentinnen immer wieder rund um den Internationalen Frauentag Veranstaltungen ausrichten. Wir haben das als Parlamentsdirektion in der Vergangenheit nicht in einer systematischen Art und Weise gemacht. Wir haben vor, das heute ein erstes Mal, aber nicht ein letztes Mal zu machen, weil ich denke, dass es auch aus der Sicht der Parlamentsdirektion und des Parlaments wichtig ist, dieses Thema vor den Vorhang zu holen.
Wir haben heuer ein besonderes Augenmerk auf junge Frauen gerichtet. Das nicht ganz zufällig, sondern vor dem Hintergrund des gesamten Jahresschwerpunkts, den wir uns als Parlament heuer vorgenommen haben, unter dem Titel „teilhaben teilsein“ insbesondere Themen, die Jugend und junge Leute betreffen, Zukunftsthemen auf die Agenda zu setzen; sicherlich auch vor dem Hintergrund – Sie werden das als Besucherinnen und Besucher von parlamentarischen Veranstaltungen vielleicht auch mitbekommen haben –, dass wir im letzten Jahr wegen einiger wichtiger Jubiläen – Staatsvertrag von Wien, Ende des Zweiten Weltkriegs, 30 Jahre Mitgliedschaft in der Europäischen Union – sehr viel zurückgeblickt haben und wir uns gedacht haben, nach einem Jahr Rückblick ist es angezeigt, ein Jahr gewissermaßen in die Zukunft zu schauen – und dieses Thema kann man gut verbinden.
Wir machen das auch vor dem Hintergrund – und danke, dass viele junge Frauen heute hier sind – unter dem Thema Einstieg in die Arbeitswelt. Ich möchte jetzt gar nicht verhehlen: Auch die Parlamentsdirektion ist ein Arbeitgeber, der dauernd daran interessiert ist, gute Kandidat:innen, Bewerberinnen, Bewerber für Jobs bei uns zu bekommen. Wir wollen die Besten haben. Auch vor diesem Hintergrund: Vielleicht werden Sie hier und heute das eine oder andere Interessante über uns erfahren.
Und natürlich immer bei parlamentarischen Veranstaltungen: das zweite Standbein, nämlich das politische Standbein. Ich möchte mich auch sehr, sehr herzlich bei den Frauensprecherinnen der Klubs für ihre Bereitschaft, für ihre sehr spontane Bereitschaft, an dieser Veranstaltung mitzuwirken, bedanken, denn für uns ist klar: Hier im Parlament wird primär Politik gemacht. Wir glauben aber, dass zielgerichtete, gute Politik auch in Frauenangelegenheiten auf konstante Rückkoppelungen der Mandatarinnen und Mandatare mit Ihnen angewiesen ist. Wir sehen dieses Angebot an Veranstaltungen auch als Angebot an die parlamentarischen Klubs, für die eigene politische Arbeit Anregungen, Ideen zu bekommen, und ich freue mich sehr, dass es auch heute wieder mit der Anwesenheit aller parlamentarischen Klubs geklappt hat.
In dem Sinne: Danke für Ihr Interesse, danke fürs Kommen, und ich wünsche uns allen einen interessanten Nachmittag. (Beifall.)
Valerie Watzek: Vielen Dank, Herr Parlamentsdirektor.
Nun wollen wir uns gemeinsam eine Videobotschaft der Dritten Präsidentin des Nationalrates Doris Bures ansehen. Sie ist heute leider terminlich verhindert. – Film ab!
Videobotschaft
Es folgt die Einspielung einer Videobotschaft der Dritten Präsidentin des Nationalrates Doris Bures.
Doris Bures (Dritte Präsidentin des Nationalrates): Liebe Mädchen! Liebe junge Frauen! Der Internationale Frauentag steht seit über 100 Jahren für Mut, für Zusammenhalt und für den festen Glauben daran, dass Gleichberechtigung kein Geschenk ist, sondern ein Recht. Mädchen und Frauen wie Sie wachsen heute in Österreich in einer Zeit voller Möglichkeiten auf. Noch nie zuvor konnten so viele Frauen ihre eigenen Lebensentwürfe verwirklichen.
Und doch erleben wir weltweit, dass Frauenrechte wieder unter Druck geraten, Rechte, die von unseren Urgroßmüttern und Großmüttern hart erkämpft wurden, wie das Recht auf Gleichberechtigung, auf Bildung und auf politische Teilhabe. Und heute werden diese Rechte in manchen Ländern eingeschränkt und offen angegriffen. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Sie heute hier sind, dass Sie sich mit Ihren Möglichkeiten auseinandersetzen und dass Sie für Ihre Ziele und Träume einstehen. Ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben von Frauen ist kein Randthema, es ist ein Fundament unserer Demokratie. Wenn Frauen fehlen, fehlen Perspektiven, Erfahrungen, und ich kann Ihnen sagen, dann fehlen auch gute Lösungen für unser demokratisches Zusammenleben.
Es wird immer Menschen geben, die Ihnen keinen Erfolg gönnen und Frauen generell in bestimmten Positionen nicht gerne sehen. Deshalb rate ich Ihnen von Herzen: Hören Sie immer auf jene Menschen, die an Sie glauben, und niemals auf jene, die Sie kleinhalten wollen! Gehen Sie Ihren Weg, trauen Sie sich, Fragen zu stellen, trauen Sie sich, Verantwortung zu übernehmen, und glauben Sie an sich und Ihre Fähigkeiten! Demokratie braucht Frauen, und deshalb braucht Demokratie gerade Sie!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute eine inspirierende und erfolgreiche Frauentagsveranstaltung im österreichischen Parlament und einen guten Austausch mit den Frauensprecherinnen aller Fraktionen! Und ich wünsche jeder Einzelnen von Ihnen für ihre Zukunft alles erdenklich Liebe und Gute!
(Beifall.)
Vorstellungsrunde der Frauensprecherinnen
Valerie Watzek: Nach dieser ermutigenden Botschaft der Dritten Präsidentin dürfen wir nun die Frauensprecherinnen auf unser Podium bitten. (Beifall.) – Herzlichen Dank.
Wir dürfen mit Ihnen, Frau Abgeordnete Ecker, beginnen und Sie bitten, dass Sie sich in 2 Minuten – nach dem Schluck Wasser, den wir Ihnen natürlich zugestehen – vorstellen und uns im Zuge Ihrer Vorstellung dazusagen, wieso Sie denn Frauensprecherin geworden sind. Wie kam es dazu?
Rosa Ecker (Abgeordnete zum Nationalrat, FPÖ): Ich bin Frauensprecherin der Freiheitlichen Partei. Ich bin zu der Zeit, als ich in die Politik gegangen bin, auch für die freiheitlichen Frauen in Oberösterreich zuständig gewesen. Das heißt, es war mir immer ein Anliegen, Frauen zu unterstützen, zu helfen, wenn es Anliegen gibt. Und natürlich stellt man fest, dass manche Frauen – genauso wie manche Männer – vielleicht nicht so gut auf ihren Füßen stehen und Unterstützung brauchen und dass es oft Ungerechtigkeiten gibt, die man abstellen kann, wenn man weiß, dass es ungerecht ist und nicht ein Los ist, das einen als Frau ereilt hat.
Privat kann ich sagen: Ich bin verheiratet, ich habe drei Kinder und drei Enkelkinder. Das heißt, alleine dieser Bereich birgt viele Thematiken, bei denen es um Frauenthemen geht, wo man weiß, dass etwas geändert gehört. Dass man eben mitmischen muss, wenn man etwas ändern will, ist dann die logische Konsequenz, dass man sich auch in der Politik dazu bewegen lässt, dass man mitarbeitet.
Valerie Watzek: Herzlichen Dank.
Frau Abgeordnete Bogner-Strauß: Mitmischen, wenn man etwas bewegen will – Sie sind ja nicht nur Abgeordnete, in Ihrer Historie findet man auch eine Zeit als Ministerin. Bitte um Ihre Vorstellungsworte und um Schilderung, wie es dazu kam.
Juliane Bogner-Strauß (Abgeordnete zum Nationalrat, ÖVP): Sehr, sehr gerne. Also erstens einmal herzlichen Dank für die Einladung und danke, dass Sie das organisiert haben. Ich finde das großartig, und es ist ganz wichtig, dass wir zusammenkommen und einander zuhören und eben daraus wieder Ideen mit ins Parlament nehmen.
Nur ganz kurz: Juliane Bogner-Strauß. Ich komme aus der Südsteiermark, bin dort auf einem Bauernhof aufgewachsen, habe drei Kinder, bin verheiratet. Ich habe dann für damalige Zeiten einen etwas ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Ich habe Chemie studiert und habe mich auf der Technischen Universität in Graz als erste Frau auf der Elektrotechnik habilitiert. Ich muss dazusagen, heute sitzt eine Frau im Publikum – Barbara, schön, dass du da bist! –, die mich auf der Technischen Universität immer sehr unterstützt hat, weil ich schon gemerkt habe, dass es sehr, sehr schwierig war, als Frau diesen Weg zu gehen und auch Unterstützung zu bekommen.
Vor allem als dann die Kinder gekommen sind, war es noch ein Stück weit schwieriger, die Familie und den Beruf zu vereinbaren. Ich muss aber auch dazusagen, ich habe zu Hause einen tollen und starken Mann, der mich immer auf diesem Weg unterstützt hat, und ich habe Kinder, die inzwischen sehr eigenständig unterwegs sind – sie sind 26, 17 und 14. Oft war viel zu wenig Zeit für die Familie da, aber die Zeit, die wir miteinander hatten, war eine qualitativ hochwertige Zeit.
Ich möchte mich auch vor Ihnen allen bei meinen Eltern, bei der Familie bedanken, denn man braucht immer jemanden, der, wie es Frau Präsidentin Bures gesagt hat, an einen glaubt, der einen unterstützt, der einen auf dem Weg begleitet. Manchmal ist es schwieriger, manchmal ist es einfacher, aber ich glaube, sich jemanden zu suchen, der mit einem durch dick und dünn geht, das ist ganz schwierig. Und je mehr Frauen es sind, die mit einem durch dick und dünn gehen, umso einfacher wird es.
Das war auch meine Motivation – ganz ehrlich –, für Frauen in der Politik einzustehen und zu kämpfen. Gerade am Land gab es eben, wie gesagt, noch oft das sehr tradierte Rollenbild. Ich bin mit sehr vielen Klischees aufgewachsen. Die Klischees sind mir auch noch während meiner Ausbildung entgegengeflogen. Ich bin dann 2017 gefragt worden, da war ich eben Professorin auf der Technischen Uni, ob ich in die Politik gehen möchte, und ich habe laut und deutlich Ja gesagt. Also dieses Thema Ja sagen, den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen und sich für andere ins Zeug zu schmeißen, das ist, glaube ich, ganz wichtig, wenn man in die Politik geht, weil man natürlich oft vor den Vorhang geholt wird, im Rampenlicht steht und, wie Sie wissen, über Social Media leider auch oft dann wirklich das Fett abbekommt.
Meine Motivation, Frauensprecherin zu werden, war eben, für die Mädchen und Frauen zu kämpfen, für Gleichberechtigung, für die faktische Gleichberechtigung zu kämpfen, für Chancengleichheit zu kämpfen, für den gleichen Lohn, für die gleiche Pension zu kämpfen und in die Politik immer wieder neue Ideen – die Sie uns mitgeben, die Sie uns erzählen – einzubringen.
Ich war Frauenministerin, ich war Landesrätin, auch zuständig für Frauen – damals haben wir einen unglaublich tollen Gleichstellungsbericht mit vielen Maßnahmen und Zielen gemacht –, und ich bin auch Bundesleiterin der ÖVP-Frauen. Das heißt, das Thema Frauen begleitet mich von früh bis spät, und ich bin froh, dass so viele starke Frauen, aber auch starke Männer an meiner Seite sind, die mich jeden Tag dabei unterstützen, gute Politik zu machen, damit wir endlich gleichberechtigt sind und nicht noch 150 Jahre warten müssen.
In diesem Sinne: Arbeiten wir zusammen! – Danke schön. (Beifall.)
Valerie Watzek: Danke schön.
Frau Abgeordnete Schatz, jetzt haben wir es gerade gehört: Mut, Motivation, jemand, der mit einem den Weg bestreitet. Lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Weg!
Sabine Schatz (Abgeordnete zum Nationalrat, SPÖ): Ja, tatsächlich hat mein Weg als 16-Jährige begonnen. Da habe ich begonnen, mich politisch zu engagieren. Ich habe mich von da an auch frauenpolitisch engagiert, weil mich schon als Jugendliche diese Ungerechtigkeit, die Frauen erfahren haben, immer gewurmt hat: ob das jetzt bei Diskussionen war, wo einfach Männer viel mehr an Raum eingenommen haben, als Frauen überhaupt Möglichkeiten dazu gehabt haben, auch weil sie unterbrochen wurden. Es wurde dann auch sichtbar, dass es einen Gender-Pay-Gap gibt, das heißt, dass Frauen unterbezahlt werden, viel weniger Möglichkeiten haben – ich komme aus einer ländlichen Region –, oft gar nicht die Möglichkeit hatten, auch Vollzeit arbeiten zu gehen oder überhaupt arbeiten zu gehen, weil die Kinderbetreuungsplätze einfach überhaupt nicht vorhanden waren – und leider vielfach bis heute nicht sind; das heißt, die Möglichkeiten, auch Vollzeit arbeiten zu gehen, sind immer noch nicht gegeben.
Ein Thema, das mich auch seit meiner Jugend beschäftigt, ist der Gewaltschutz. Ich lebe in einer Region in Oberösterreich, wo wir sozusagen immer diesen weißen Fleck in der Abdeckung mit Frauenhausplätzen hatten. Das ist ein Thema, das mich sehr intensiv beschäftigt hat, und jetzt – und das zeigt sich sozusagen tatsächlich im jahrzehntelangen Kampf – sind wir in der Situation, dass wir gerade das Frauenhaus für die Region im Unteren Mühlviertel bauen. Ich darf da Vorsitzende des Vereins, der das vorantreibt, sein, und wenn alles gut läuft, werden wir Anfang nächsten Jahres auch diese Schutzeinrichtung für von Gewalt betroffene Frauen eröffnen können. Da geht es viel mehr auch darum, dass wir als Frauen zusammenhalten, dass wir jenen, die es im Leben nicht so leicht haben, auch die notwendigen Unterstützungsmöglichkeiten geben. In dem einen Fall ist das eben diese Schutzeinrichtung, hier im Parlament sehe ich diese Möglichkeiten in den gesetzlichen Regelungen, die wir schaffen können, wenn wir beispielsweise jetzt Maßnahmen ergreifen, die – und ich habe es vorhin gesagt – dieser Ungleichbezahlung, dieser Unterbezahlung von Frauen, die immer noch stattfindet und immer noch ungefähr ein Fünftel ausmacht, hoffentlich massiv entgegenwirken, indem wir die Lohntransparenzrichtlinie auf den Weg bringen, weil es einfach nicht sein kann, dass wir im Jahr 2026 immer noch diese große Lohnlücke haben.
Da haben wir also die Möglichkeit, auch mit gesetzlichen Rahmenbedingungen entgegenzuwirken, damit Ungerechtigkeiten auf vielen Ebenen ausgeschaltet werden – und das ist meine Motivation, mich auch hier im Parlament frauenpolitisch zu engagieren. Als Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses freue ich mich auch, dass wir hier über alle Fraktionen hinweg ein sehr gutes Einvernehmen haben. Wir haben zwar auch unterschiedliche Ansätze, wie wir Dinge angehen und lösen wollen, aber prinzipiell das Grundverständnis, dass wir für die Frauen in diesem Land die Situation verbessern wollen. (Beifall.)
Valerie Watzek: Herzlichen Dank.
Frau Abgeordnete Aldali, Sie sind – ich habe es eingangs gesagt – heute in Vertretung hier. Herzlichen Dank noch einmal dafür. Was können Sie uns aus Ihrem Werdegang – noch ist er im Parlament noch nicht so lang – erzählen? Was haben Sie am Weg schon mitgenommen?
Lisa Aldali (Abgeordnete zum Nationalrat, NEOS): Ein herzliches Willkommen auch von mir! Vielen Dank, dass ich Frau Brandstötter heute hier im Parlament vertreten darf, sie ist nämlich eigentlich unsere Frauensprecherin. Für mich ist es tatsächlich heute das erste Mal, dass ich im Parlament eine Podiumsdiskussion führen darf, also ich bin noch immer so ein bisschen – wow! – fasziniert von allem. Es ist für mich jeden Tag, wenn ich in das Hohe Haus hereinspaziere, auch noch ziemlich unrealistisch. Also bitte ein bisschen Nachsicht mit mir haben!
Was kann ich so ein bisschen über mich erzählen? – Also ich bin eigentlich erst seit 19. November Nationalratsabgeordnete, davor war ich an einer Mittelschule Lehrerin für Geschichte und politische Bildung, Hauptfach war Deutsch, und auch digitale Grundbildung habe ich unterrichtet. Mein Weg in die Politik hat relativ früh angefangen, also ich war immer ein politisch sehr interessierter Mensch und habe als kleines Kind mit meinen Eltern viel Nachrichten geschaut und mir auch viele Nationalratssitzungen angeschaut. Also es hat mich immer schon sehr fasziniert, muss ich sagen.
Bei mir gab es im Leben einen Punkt, an dem ich richtig aktiv geworden bin und gesagt habe: So, ich sitze jetzt nicht mehr zu Hause am Küchentisch und schimpfe darüber, was mich da nicht alles stört und sonst irgendwas, sondern ich packe es jetzt an und will einfach etwas bewegen. Mein Sohn – er ist jetzt fünf Jahre – war damals ein Jahr alt, und ich habe einen Anruf von meinem Ex-Chef, oder damals Chef, bekommen, der gesagt hat: Du, Lisa, Zeug zusammenpacken, ab in die Schule, wir brauchen dich! Wir haben keine Lehrer und wir finden keinen Deutschlehrer oder keine Deutschlehrerin! – Ich habe gesagt: Wie stellst du dir das vor? Wie soll ich denn da hinkommen? Soll ich jetzt meinem einjährigen Sohn sagen: Du, Noah, viel Spaß, die nächsten 6 Stunden kannst du ORF 1 einschalten, schaust irgendwelche Kinderserien, und Mama kommt dann wieder!?
Nein, dem ist nicht so, und ich habe gesehen, was es eigentlich für ein harter Kampf ist, wenn man als junge Mutter arbeiten gehen will, dass man auch wirklich arbeiten gehen kann. Meine Gemeinde ist eine 2 000-Einwohner-Gemeinde, das heißt relativ sehr, sehr klein – man hört es auch am Dialekt –, und ja, es ist einfach so – wir haben es eh vorhin schon gehört –, da ticken die Uhren einfach noch ein bisschen anders. Wenn es so ist, dass das Kind erst ab eineinhalb Jahren einen Platz bekommt, dann ist es so. Und wenn es keinen Platz gibt, weil man keine Krabbelgruppe hat, dann ist es einfach auch so.
Ich habe mir dann irgendwann gedacht: Nein, aber so ist es eigentlich nicht! – Und ja, deswegen, glaube ich, bin ich heute hier. Natürlich sind mir Frauen wichtig – ich bin selber eine Frau, ich sehe einfach, das gehört total unterstützt. Ich freue mich, in drei Wochen ist Girls’ Day, da kommen ein paar Mädels, Schülerinnen und Schüler – in dem Fall nur Schülerinnen – aus Salzburg zu mir. Die Mädels kommen zu mir, und ich darf sie den ganzen Tag durch dieses wunderschöne Haus begleiten und ihnen hoffentlich den Weg als meine Kollegin oder Sonstiges bereit machen. Ich freue mich darauf. – Vielen Dank. (Beifall.)
Valerie Watzek: Herzlichen Dank.
Dann mache ich jetzt eine kurze Werbeeinschaltung, denn: Ja, der Girls’ Day findet seit vielen, vielen Jahren im Parlament statt, und wir probieren seit vielen Jahren, jungen Mädchen und Frauen – oder vielleicht angehenden Mitarbeiterinnen – zu zeigen, welche Berufe es im Parlament gibt: den Beruf der Mandatarin, aber auch unterschiedlichste Berufe aus allen Ecken und Enden der Parlamentsverwaltung. Also wenn Sie das interessiert, schauen Sie auf unsere Website, dort finden Sie alle Informationen dazu! Vielleicht haben Sie eine Tochter oder Enkelin, die kommen mag.
Frau Abgeordnete Disoski, bitte lassen Sie uns an Ihrem Weg teilhaben. Sie sind nicht erst seit November Abgeordnete, schon ein, zwei Tage länger. Wie hat sich das gestaltet? Was können Sie uns erzählen?
Meri Disoski (Abgeordnete zum Nationalrat, Grüne): Danke auch meinerseits für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein, und ich freue mich auch immer über den Girls’ Day. Ich kann die Werbeeinschaltung verlängern: Das ist eine meiner absoluten Lieblingsveranstaltungen hier im Hohen Haus. Da wurlt es, es sind tolle, junge, engagierte Frauen mit wirklich tollen Fragen, mit ganz viel Wissensdurst. Wenn ihr, wenn Sie Kinder, Enkelinnen, Nichten et cetera haben, dann bitte, bitte unbedingt bewerben! Das ist wirklich meine absolut liebste Veranstaltung.
Mein eigener Weg: Ich komme aus einem Dreimäderlhaus, ich bin die jüngste von drei Schwestern und habe irgendwann relativ schnell mitbekommen, nur weil ich ein Mädel bin, darf ich bestimmte Dinge nicht machen: Fußballspielen geht nicht, Karatetraining geht nicht, Motorradfahren geht nicht, all das kannst du nicht machen, denn Frauen dürfen X, Y, Z nicht tun. Irgendwann habe ich überlegt: Das ist völlig vertrottelt, dass man mir einfach aufgrund meiner Biologie, aufgrund meines Geschlechts bestimmte Dinge zutraut oder auch nicht. Damals habe ich noch nicht verstanden oder wusste noch nicht, was strukturelle Diskriminierung ist, was Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts sind, aber ich habe während meiner Studienzeit irgendwie begonnen, mich damit zu beschäftigen, und habe dann entdeckt: Hoppala, es gibt nicht nur den schon genannten Gender-Pay-Gap, es gibt einen Gender-Health-Gap im Gesundheitssystem, es gibt einen Datengap, es gibt einfach so viele Gaps – und Gap bedeutet: Frauen werden ausgelassen, Frauen werden nicht gesehen, die Interessen von Frauen werden nicht gehört, nicht wahrgenommen, nicht vertreten.
Das war so für mich der Einstieg in die Frauenpolitik. Davor aber gab es quasi eine andere Form von Ungerechtigkeit, die ich sehr stark gespürt habe. Ich bin – Sie hören es an meinem Namen: Meri Disoski ist ein typisch österreichischer Name – in Niederösterreich groß geworden, dann nach Wien migriert, aber weil meine Eltern aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen, habe ich das, was man allgemein Migrationshintergrund nennt. Und da war damals so mein Initiationserlebnis, dass ich in der Volksschule Klassenbeste war und natürlich ins Gymnasium gehen wollte, und meine Eltern wurden von der Direktorin zu sich zitiert mit der Info: Na ja, euer Kind, das ist quasi – jetzt gibt es ein böses Wort, das ich nicht sage – ein Kind mit Migrationshintergrund; das geht in die Hauptschule, danach macht es eine Lehre – that’s it.
Das war so dieses Ungerechtigkeitsempfinden, das ich als junge Frau mit Migrationsbiografie hatte, und dieses Ungerechtigkeitsempfinden habe ich später sehr, sehr oft dann gespürt, wenn es darum ging, dass man mir einfach aufgrund der Tatsache, dass ich eine Frau bin, Dinge nicht zutraut.
Ich finde, es ist vieles besser geworden – ja, klar, wir stehen auf den Schultern von Riesinnen. Wir haben es auch von der Nationalratspräsidentin gehört: Unsere Mütter, Großmütter haben vieles erkämpft. Vieles ist jetzt wieder bedroht – schauen Sie in die Vereinigten Staaten, wo furchtbare Dinge passieren, schauen Sie nach Ungarn, wo Frauen Selbstbestimmungsrechte abmontiert worden sind. Das heißt, das, was auch in der Vergangenheit von Frauen und Verbündeten für Frauen erkämpft worden ist, ist einfach so stark unter Beschuss, dass es umso wichtiger ist – und da knüpfe ich gerne an das an, was Kollegin Schatz gesagt hat –, dass es überparteilich einen Konsens gibt, und den verorte ich hier im Haus, einen Konsens dafür, dass wir sagen: Gemeinsam müssen wir schauen, dass das, was der Status quo ist, nicht nur gehalten wird, sondern weiter ausgebaut wird.
Da ist in den vergangenen Jahren einiges passiert, aber – seien wir ehrlich – wir wissen, dass wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange sind. Es ist noch sehr, sehr viel zu tun. Und ich glaube, dessen sind wir, die wir hier als Frauensprecherinnen sitzen, und auch Kolleginnen, die heute im Publikum anwesend sind, uns sehr bewusst, dass wir noch einen langen, langen Weg zu gehen haben. Danke auch an alle Männer, die heute hier sind oder auch zuschauen, denn wir Frauen werden das alleine nicht stemmen, dafür brauchen wir solidarische Männer, wie wir sie zum Beispiel auch am Samstag vor dem Parlament bei der großen Demo gegen Männergewalt gesehen haben. Also mehr davon! – Und jetzt mache ich einmal einen Punkt, denn ich glaube, das waren mehr als 2 Minuten.
Valerie Watzek: Herzlichen Dank. (Beifall.)
Blitzfragerunde zu frauenpolitischen Themen
Amra Duric-Müller: Vielen lieben Dank für alle Ihre sehr spannenden Einblicke! Jetzt, liebes Publikum, sind Sie gefragt: Es geht nämlich in unsere Blitzfragerunde. Auf den Bildschirmen vor Ihnen und auch hinter Ihnen sollten Sie jetzt einen QR-Code sehen. Ich würde Sie bitten, Ihre Handys zu zücken und diesen zu scannen. Das wird jetzt wie folgt ablaufen: Es wird eine Mentimeter-Abfrage geben. Das bedeutet, Sie haben etwa 25 Sekunden Zeit, um eine Frage zu beantworten. Sie können sich gerne untereinander austauschen, überlegen, nachdenken, Telefonjoker anrufen.
Hier in der Runde würde ich auch die Frauensprecherinnen bitten, Ihre Kärtchen zu zücken – da gibt es eine Ja-Nein-Karte. Dann werden wir uns gemeinsam ansehen, wie Sie im Publikum abgestimmt haben und wie hier am Podium abgestimmt wurde, und wir werden uns dann ein bisschen darüber unterhalten. Jetzt, würde ich sagen, starten wir schon mit der ersten Frage – wenn alle gescannt haben, ich warte noch kurz. Gut, ich sehe, einige sind schon dabei – sehr gut.
Oh je – also wenn es nicht funktioniert oder wenn Sie kein Handy dabei haben, ist es auch kein Problem: Dann können wir es gern so machen: Wir warten sowieso zusammen, schauen uns das Ergebnis an, und wer kein Handy dabei hat, hält für Ja die Hand hoch. Hier am Podium machen wir es auch ohne Handy, das können Sie gerne auch im Publikum machen: Ja – Hand hoch; Nein – Hand hoch. Wenn wir dann auch hier abstimmen, sehr gerne, das beachten wir alles.
Gut, ich bekomme ein Zeichen, ich glaube, wir können jetzt mit der ersten Frage loslegen. Frage eins lautet: „Sollten Mädchen und junge Frauen gezielt im Unterricht für MINT-Berufe (Mathe, IT, Technik) gefördert werden?“
Sie haben jetzt 20, 25 Sekunden Zeit. – Sie können auch ein bisschen überlegen.
Jetzt haben schon fast alle in der Umfrage geantwortet. Oh, und wir haben im Publikum schon eine Antwort – eine sehr klare Antwort, eigentlich. Da haben wir 60 Stimmern für Ja, eine für Nein. Möchte sich noch jemand aus dem Publikum mit Handzeichen beteiligen? Wer ist für Ja? – Super, das sehen wir auch. Gibt es im Publikum noch Gegenstimmen, gegen eine gezielte Förderung von Mint-Berufen im Unterricht? – Okay, gut.
Ich muss so einmal hier in die Runde schauen – okay.
Gut, dann würde ich, Frau Abgeordnete Ecker, direkt bei Ihnen starten. Wir sehen jetzt hier das Ergebnis: großteils, mit 61 Prozent, Ja. Ich habe gesehen, Sie haben ein Nein in die Höhe gehalten. Wie kommt es zu Ihrer Antwort, und was ist Ihre Meinung dazu?
Rosa Ecker: Ich kann einige Punkte mitgeben, die man vielleicht in der ersten Intention nicht so überlegt. Denn natürlich: Warum soll man Mädchen nicht fördern? – Da würde ich im ersten Moment natürlich auch Ja sagen. Man darf aber nicht vergessen: Warum erstens nur die Mädchen fördern und nicht auch die Jungen? Zweitens wissen wir, dass Frauen, junge Mädchen besser ausgebildet sind denn je. Man macht damit auch andere Berufe – unter Anführungszeichen – „schlecht“ oder diskreditiert sie: Warum sollte man Mädchen nicht auch zum Beispiel besonders im Technischen fördern, was Handwerk betrifft, oder auch im Sozialen? Wir wissen, in der Pflege, in der Kinderbetreuung: Wir bräuchten überall sozial wertvolle Menschen, die das gerne machen.
Grundsätzlich denke ich: Ich komme aus einer Generation, in der Mädchen die Chance gehabt haben und von den Eltern die Erlaubnis gehabt haben, an Berufsausbildung zu machen, was man will, nämlich was die Interessen sind, wofür man sich begeistern kann, vielleicht wo man eine besondere Begabung hat. Das war ja vor meiner Kinderzeit absolut nicht üblich: Da hat man gemacht, was möglich war oder was nötig war. Ich denke, dass das auch so bleiben soll: dass sich Mädchen selbst dafür entscheiden können, was sie dann später machen, und nicht so diese politische Richtung – was denn politisch gewünscht wäre. Das denke ich: dass die Politik nicht Lebenswege von Menschen vorzeichnen sollte.
Ein sehr schlagkräftiger Grund ist auch: Es gibt die Lehrstudie, bei der eigentlich herausgekommen ist, dass sehr, sehr viel Geld in die Förderung dieses Mint-Bereichs fließt – das wissen wir als Politik, es wird ja im Budget immer mitbeschlossen –, dass aber am Ende des Tages 30 Prozent oder nicht einmal 30 Prozent der Frauen, die sich dafür entschieden haben, weil man sie so dafür begeistert hat, in diesem Beruf geblieben sind. Das heißt, die Ausbildungskosten – ich möchte jetzt nicht sagen, dass sie verloren sind, denn jede Kompetenz, die man erwirbt, ist für eine Frau super, aber man hätte das vielleicht auch in einem anderen Bereich machen können, wo wir genauso große Personalprobleme haben.
Da denke ich eben: Die erste Prämisse ist, dass das Mädchen sich selbst dafür entscheidet, was es machen möchte. Die zweite: Warum sollte man nur Mädchen fördern und nicht auch Jungen? Das Dritte, das ich sage: Wenn der Output dieser ganzen Fördermaßnahmen nicht stimmt, ist das für mich ein Grund, dass ich sage, dass das sehr zu hinterfragen ist.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank, Frau Ecker.
Der Rest des Podiums hat, glaube ich, eigentlich mit Ja gestimmt. Gibt es da noch Ergänzungen? – Bitte, Frau Disoski.
Meri Disoski: Ich hätte eine andere Perspektive einzubringen, denn wenn wir uns in Erinnerung rufen, woher denn diese ganze Diskussion zur Frage, ob Mädchen und Frauen gezielt in Mint-Berufen gefördert werden sollen, kommt: Das hängt ja mit dem Lohn in dieser Branche zusammen. Die Idee dahinter ist ja, zu sagen: Je mehr Frauen in diese Mint-Bereiche kommen, desto besser schneiden sie quasi ab, was die Gehälter angeht.
Mein Vorschlag wäre ein anderer: Schauen wir uns bitte an, wieso beispielsweise Sozialberufe schlechter bezahlt sind als Mint-Berufe, und gleichen wir doch die Lohnniveaus in Sozialberufen an die Mint-Branche an! Es kann mir keiner erklären, wieso die Elementarpädagogin, die jeden Tag von 7 Uhr in der Früh bis 16 Uhr auf Kinder nicht nur aufpasst, sondern auch als erste Ausbildnerin im wahrsten Wortsinn fungiert, weniger Gehalt bekommen sollte als ein IT-Techniker oder eine IT-Technikerin. Das sind doch absolut gleichwertige Berufe. Ich glaube aber, die Diskussion über die Mint-Berufe und darüber, wieso man Frauen dafür begeistern sollte, hängt natürlich damit zusammen, dass dort im Moment die Gehälter noch höher sind, aber wir kennen auch den Effekt, dass immer dann, wenn Frauen in bestimmte Bereiche und Domänen vordringen, dort automatisch auch die Gehälter zurückgefahren werden. Darum, glaube ich, sollten wir generell, wenn wir diese Diskussion aufmachen, über die Wertigkeit von Arbeit in unterschiedlichen Bereichen sprechen. Das sähe ich anders als Kollegin Ecker.
Sabine Schatz: Ich würde da auch noch ergänzen: Ich sehe das auch so. Ich glaube schon, dass wir unsere Kinder – Mädchen und Burschen – nach ihren Stärken und Interessen fördern und auch Mädchen die Wege aufmachen sollten, sich für Mint-Bereiche – also für technische Berufe – entsprechend zu interessieren und da auch gefördert zu werden. Das darf aber nicht – Kollegin Disoski hat es schon angesprochen – dazu führen, dass damit sozusagen Sozialberufe, Dienstleistungsberufe, in denen Frauen überdurchschnittlich vertreten sind, abgewertet werden, sondern dass wir eben genau dort bessere Arbeitsbedingungen brauchen, sprich auch einen höheren Lohn, denn das ist auch mit ausschlaggebend, dass Frauen um ein Vielfaches weniger verdienen als eben Männer.
Aber wir sehen auch: Alleine Frauen in Mint-Berufe, also in technische Berufe, zu bringen, ist nicht aller Tage Abend, denn selbst in diesem Bereich gibt es Gehaltslücken. Das heißt, Frauen und Mädchen verdienen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auch in den Mint-Berufen weniger. Das ist irgendwie diese Lücke, die sich da fortsetzt. Das heißt, wir haben auch da notwendigerweise Maßnahmen zu setzen, die beispielsweise die Lohntransparenzrichtlinie entsprechend zeigen könnte.
Ich möchte da ein konkretes Beispiel aus der Praxis bringen. Eine Gemeinderätin aus meinem Bezirk hat mir letzte Woche erzählt, ihre Tochter hat vor einem Jahr HTL-Matura gemacht, hat dann in einem großen Softwareunternehmen in Oberösterreich angefangen, gleichzeitig mit einem Schulkameraden, der zur gleichen Zeit wie sie in der HTL maturiert hat. Sie haben sich auf Arbeitsplätze mit der gleichen Dienststellenbeschreibung beworben, und im persönlichen Gespräch sind sie dann draufgekommen, dass der Bursche, der zum gleichen Zeitpunkt wie sie angefangen hat, mehr verdient hat als das Mädchen. Diese Ungerechtigkeit müssen wir ausschalten. Ich glaube, dass die Lohntransparenzrichtlinie dahin gehend eine wirksame Maßnahme ist.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank. – Ja, bitte.
Lisa Aldali: Ich würde da auch noch gerne etwas dazu sagen, weil ich es einfach auch noch aus meinem Alltag als Lehrerin kenne. Für mich hat das schon auch etwas mit Gleichstellung zu tun. Natürlich kann ein Mann genauso Lehrer werden. Bitte, wir brauchen viel mehr männliche Kollegen – man weiß ja das von den Zahlen, vor allem in der Volksschule –: Die Kinder sehnen sich ja danach, dass sie nicht immer nur von Frauen „bemuttert“ – unter Anführungszeichen –, von Frauen unterrichtet werden; es macht ihnen auch total Spaß, wenn Männer drinnen sind.
Gleichzeitig ist es aber schon so – das ist dann schon bemerkenswert, finde ich; wenn ich das dann in der Schule mitbekomme –: Wir haben ja auch Berufsförderung et cetera ab der 3. Klasse, also wir fahren zu verschiedenen Veranstaltungen und sonst irgendwas, und dann kommen die Schülerinnen und Schüler zu mir in die Klasse zurück, ich sage: Hey, und wie war es, wie hat es euch gefallen?, und dann sagt ein Mädel zu mir, ja, sie wird hundertprozentig Elektrotechnikerin, und dann fangen alle Burschen da drinnen zu lachen an und sagen: Pfff, was willst denn du als Mädel als Elektrotechnikerin? – Da, muss ich schon sagen, stellt es mir dann ein bisschen die Haare auf, weil ich mir denke: 2026 – warum ist das immer noch so? Wie kommt das?
Da müssen wir uns schon an der eigenen Nase nehmen. Wenn es das braucht, dann bitte unbedingt, damit man den Mädels einfach die Chance gibt und sagt: Hey, du kannst alles werden, glaub an dich, und dann machen wir das! – Deswegen ist es eigentlich nötig, finde ich – dringend.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank. – Frau Bogner-Strauß.
Juliane Bogner-Strauß: Ich darf ganz kurz noch, da ich selber Chemie gemacht habe: Ich habe Chemie studiert, weil ich im Gymi wirklich eine Professorin gehabt habe, die mich einfach dazu motiviert hat. Das war eine großartige Lehrerin. Ich muss dazusagen, ich bin in eine reine Mädchenschule gegangen. Fünf von uns haben sich nach der Matura für die Naturwissenschaften entschieden. Deswegen glaube ich: Förderung – also ich sage immer, Fordern und Fördern führen ja dazu, dass man etwas besser kennenlernt und vielleicht dann auch Gefallen und Spaß daran entwickelt, sage ich jetzt einmal.
Aber der zweite Punkt – Rosa, danke, dass du den angesprochen hast –: Ich fand diese Lehrstudie ja gut, weil wir eben auch gesehen haben, dass viele Frauen, die sich für die Mint-Fächer entscheiden, dann nicht in den Berufen bleiben. Das heißt, auch dort müssen wir etwas ändern, um die Frauen dann in diesem Beruf zu halten.
Der dritte Punkt von meiner Seite ist: Wenn es weniger Frauen gibt, die in der IT arbeiten, die an der Eingabe von Daten für die künstliche Intelligenz arbeiten, dann wird unsere Welt weiterhin männlich geprägt sein. Dann schauen Sie sich KI-Daten an, die Sie im Internet finden, und sie werden von Männern und nicht von Frauen generiert sein. Sie machen Chat-GPT, und die Daten, die da hineinfließen, sind von Männern generiert. Das heißt, das ist wirklich ein Backlash, und die künstliche Welt, in die wir hineinschauen, um eben Daten abzurufen, wird immer männlicher, wenn es nicht die Frauen sind, die da auch Daten mit einspeisen. Wir sehen das ja schon bei Wikipedia und dergleichen: Es sind viel weniger Frauen, die Daten einspeisen, und deswegen, glaube ich, ist es schon auch wichtig, dass mehr Frauen in diesen Berufen unterwegs sind, ja.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank. – Ich glaube, wir sind jetzt bei unserer nächsten Frage.
Valerie Watzek: So ist es – die zweite Frage sollten sie hoffentlich schon auf Ihren Handys sehen. Ich lese sie auch noch einmal laut vor: „Sollen Frauen einen Wehrdienst oder Wehrersatzdienst sowie Sozialdienst im selben Umfang leisten müssen?“
Bitte auch hier wieder um Ihre Meinungen! Hier gibt es auch noch Gespräche am Podium. (Abg. Bogner-Strauß: Ich sag nur, wenn wir es zu früh aufheben, beeinflussen wir das Publikum!) – Das stimmt natürlich.
Es geht da schon fleißig dahin. Ich sehe, der Zähler ist schon bei 40, 42 Stimmen angelangt. Die Abstimmungsergebnisse trudeln ein.
Amra Duric-Müller: Wir können dann auch noch per Handzeichen - -
Valerie Watzek: Genau, bitte auch jene innerhalb des Saales, die sich nicht digital beteiligen, gerne die Hand heben, wenn Sie dafür sind, dass Frauen einen Wehrdienst oder Wehrersatzdienst sowie Sozialdienst im selben Ausmaß leisten müssen.
Die Gegenfrage, um es auch offiziell zu machen: Sollten Sie das nicht so sehen, bitte auch da um ein Handzeichen.
Okay, da sind wir jetzt nur digital unterwegs, so wie es aussieht.
Es steht 22 zu 38 Stimmen. Also die Mehrheit hat gegen diesen Wehrdienst beziehungsweise Wehrersatzdienst gestimmt. Wie sieht es hier aus? – Auch unisono Nein.
Frau Abgeordnete Bogner-Strauß, lassen Sie uns an Ihrer Stimme teilhaben!
Juliane Bogner-Strauß: An meinem Nein teilhaben: Ja, sehr gerne, das ist mit zwei Sätzen gesagt. Wir Frauen sind zwar am Papier gleichberechtigt, aber in der realen und faktischen Welt sind wir noch nicht gleichberechtigt und gleichgestellt und auch nicht gleichwertig. Solange das nicht erreicht ist, bin ich der Meinung, dass wir weder einen verpflichtenden Wehrdienst noch einen verpflichtenden Wehrersatzdienst machen sollten.
Valerie Watzek: Bitte, Frau Abgeordnete Ecker.
Rosa Ecker: Da schließe ich mich an. Es ist auch noch nicht ausgegoren, denn stellen Sie sich vor, die junge Frau hätte dann schon ein Kind: Bauen wir dann am Truppenübungsplatz Kinderbetreuungseinrichtungen – so überspitzt formuliert?
Es kann auch nicht sein, dass Frauen noch mehr Pflichten und Verantwortung übernehmen, als sowieso schon auf vielen Schultern lasten. Es ist auch eine Frage der Pensionslücke, die sich dadurch noch verschärft. Es ist ja jetzt auch bei den Männern so, dass diese Zeit nicht entsprechend für die Pension angerechnet wird. Frauen haben im Laufe ihres Erwerbslebens sowieso schon manche Pensionslücken aufgrund von Betreuungszeiten. Dann würden nochmals mehrere Monate dazukommen. Das heißt, dass sich die Situation in der Pension für ältere Frauen in der Zukunft quasi noch einmal verschärfen würde. Ich denke, da gibt es noch sehr viel zu tun, um das alles zu ändern.
Freiwillig kann jede Frau – das ist ja die Möglichkeit, die geschaffen wurde – das auch machen. Wie es in Österreich möglich ist: dass eigentlich die jungen Mädels sich selbst entscheiden können, was sie denn tun wollen, und dass das eigentlich wirklich von allen Richtungen unterstützt wird – auch vonseiten des Bundesheeres wird es unterstützt. Sie sind sehr gerne gesehen und können dort toll mitarbeiten. Das heißt, jede junge Frau, die das möchte, kann das heute schon machen, aber bitte nicht als Verpflichtung für alle.
Valerie Watzek: Ergänzende Frage in die Runde, bitte, wer möchte: Wie erklären Sie sich die 22?
Meri Disoski: Das ist eine gute Frage. Ich will es erklären, aber ich kann sie nicht beantworten. Ich hätte aber eine Gegenfrage – könnten wir probieren –: Wer ist denn dafür, dass Männer verpflichtend in Karenz gehen – dass es nicht die Möglichkeit gibt, sondern tatsächlich die Verpflichtung?
Spannend – ich frage, weil es ja, glaube ich, letzte Woche eine große Umfrage in der „Krone“ gegeben hat, in der diese Frage gestellt wurde, nämlich: Sollen Frauen verpflichtet werden, Wehrdienst zu absolvieren? – Dann war wieder so ein Gendergap da, wo es geheißen hat, die Männer hätten gerne, dass die Frauen in den Wehrdienst gehen. Ich glaube, wenn man jetzt die Frauen fragen würde, hätten die gerne, dass die Männer verpflichtend in Karenz gehen. Da sind wir in einer gewissen Uneinigkeit.
Aber ich will es nicht verblödeln, weil es ja ein sehr ernstes Thema ist. Kollegin Bogner-Strauß hat es schon gesagt: Solange Frauen in so vielen Bereichen – wir haben schon ein bisschen etwas gehört – nicht gleichgestellt sind, finde ich diese Diskussion völlig absurd. Bitte reden wir darüber, wenn wir im Gleichstellungsbalken 100 Prozent haben! Dann, aber erst dann, können wir überhaupt über diese Frage reden. Alles vorher finde ich absurd.
Amra Duric-Müller: Dann, würde ich sagen, kommen wir gleich zur dritten Frage. Ich lese sie gleich vor: „Soll es eine verpflichtende Lohntransparenz in Betrieben geben?“ – Bitte abstimmen, gerne auch per Handzeichen, wer digital nicht dabei ist, das können wir auch gleich machen.
Wer ist für eine verpflichtende Lohntransparenz? – Das machen wir gleich transparent.
Wer ist dagegen?
(Abg. Bogner-Strauß hält eine Tafel mit der Aufschrift „JA, abhängig von der MA-Anzahl vor sich“.) – Das ist nicht im Mentimeter, die Auswahl gibt es nicht. (Heiterkeit der Moderatorin.) Okay, super, wir haben schon ein Ergebnis: 52 zu 4 Stimmen.
Frau Schatz, ich darf bei Ihnen anfangen. Sie haben mit Ja gestimmt.
Sabine Schatz: Ja, ich finde, dass mit der Geheimniskrämerei um die Gehälter endlich Schluss sein muss. Wir sehen es im öffentlichen Dienst: Da gibt es die Einkommenstransparenz seit Jahren. Da zeigt sich auch, dass der Gender-Pay-Gap natürlich geringer ist. Im Privatbereich ist tatsächlich Unterbezahlung nicht sichtbar. Die Lohntransparenz ist der Hebel, dass eben sichtbar wird, wenn Frauen für gleiche Arbeit am gleichen Ort im gleichen Unternehmen entsprechend unterbezahlt sind.
Ich habe vorhin dieses Beispiel von dem Mädel, das in dieser Softwarefirma begonnen hat, erwähnt. Wenn sie diesen Burschen nicht gekannt hätte und die sich nicht über ihre Einstiegsgehälter ausgetauscht hätten, wäre sie nie draufgekommen, dass sie eigentlich weniger verdient. Ich finde, da geht es ja nicht darum, dass man dann irgendwie feststellt, Person A verdient weniger als Person B, sondern dass man vergleichen kann, in welcher Stufe man ist, in welcher Abteilung man eingestuft ist und wie das Durchschnittsgehalt dann sozusagen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens ausschaut.
Ich finde, es gibt ein Recht darauf, dass diese Unterbezahlung sichtbar wird. Deswegen glaube ich auch wirklich, dass es, wenn wir das jetzt umsetzen, ein Hebel sein kann, tatsächlich Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen, und wenn sie sichtbar sind, kann man auch dagegen vorgehen.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank. – Frau Bogner-Strauß, Sie haben ein eigenes Schild dabei. Möchten Sie uns kurz Ihre Meinung dazu sagen?
Juliane Bogner-Strauß: Sehr, sehr gerne. Nur um es noch einmal hochzuhalten (erneut die vorhin beschriebene Tafel vor sich haltend): Auch mein Schild beginnt mit der Antwort Ja. Ich habe es nur ein wenig eingeschränkt, nämlich es von der Größe des Unternehmens und von der Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen abhängig gemacht, um diese Lohntransparenz eben schrittweise anzupassen. Da gibt es ganz viele Länder, die das schon gemacht haben. In den hohen Norden hinaufgeschaut: Die haben bei einer größeren Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angefangen und sich dann langsam zu einer geringeren Anzahl vorgearbeitet. Man hat auch gesehen, dass es gewirkt hat.
Was mir halt sehr wichtig ist – aber Sabine, du hast das eh auch angesprochen –, ist, dass man bei den Unternehmensgrößen schon darauf schaut, dass man trotzdem nicht weiß, wer die Person ist, die wie viel verdient, sondern dass das doch ein bisschen in der Anonymität - - Ich weiß, weil jetzt ein paar mit dem Kopf schütteln: Wir haben ja die gute alte österreichische Tradition, dass wir nicht einmal wissen - - Na, ich weiß, was mein Mann verdient, aber was der Nachbar verdient. Ich glaube, wenn wir das jetzt schrittweise anpassen, ist das ganz, ganz wichtig. Ich glaube, jeder, der hier rechts und links von mir sitzt, weiß ganz klar, dass ich für die Umsetzung der Richtlinie Lohntransparenz bin.
Amra Duric-Müller: Bitte, Frau Abgeordnete Ecker.
Rosa Ecker: Das ist der Grund, warum ich schon zwischen Ja und Nein überlegt habe – ich kann es ja nicht irgendwie teilen –: Das ist genau das Problem, weil die Lohntransparenzrichtlinie, die von der EU kommend ja umgesetzt werden muss, einfach schon viele Dokumentationspflichten, Berichtspflichten, Prüfpflichten beinhaltet, was einfach besonders Klein- und Mittelbetriebe belastet, Ressourcen bindet, Geld kostet, und das fließt nicht zu den Frauen. Ich möchte auch Betriebe in Schutz nehmen: Es gibt ja auch Betriebe, die das ganz ordentlich machen und wo es eigentlich nichts zu bekritteln gibt. Die müssen das dann aber auch machen. Das heißt, dort gibt es höhere Kosten.
Ich möchte schon auch eine Lanze – darum gibt es ja auch Soll- und Ist-Löhne – für Menschen, Frauen natürlich auch, brechen, die irgendwie in ihrer Arbeitsweise eine besondere Leistung bringen. Die kann man dann aber auch nicht mehr besonders auszeichnen. Leistung ist schon etwas, das auch honoriert gehört. Jetzt ist es im öffentlichen Bereich so, dass man sagt, da ist das alles geregelt, da kann das nicht passieren, aber ich kenne das auch aus dem öffentlichen Bereich: Reden Sie mit Ihrem Bürgermeister, mit Ihrer Gemeinde, wo es eben nicht mehr möglich ist, etwas besonders zu honorieren, weil das eben alles ganz transparent und einheitlich ist, wo es dann eben Probleme gibt, dass man für manche Bereiche Mitarbeiter bekommt, weil es da kein Gehaltsverhandeln gibt.
Ich finde es halt immer schade – wir hören, die Mädels haben wir jetzt quasi seit 25 Jahren empowert –, dass dann eben dieses Lohnverhandeln und Gehaltsverhandeln mit einer Energie, mit Nachdruck und mit Vehemenz von Frauen noch immer – leider noch immer – nicht so gemacht wird, denn meistens ist es so, dass man beim Einstellungsgespräch gefragt wird: Und, was stellen Sie sich vor, was möchten Sie gerne verdienen? – Da – unter Anführungszeichen – haut halt der junge Mann auf den Tisch und sagt: Das bin ich wert und das möchte ich haben! – Die Mädels sind vielleicht einfach ein bisschen bescheidener, und das ist eben auch ein großer Fehler.
Es gibt viele Komponenten, die da zusammenkommen. Davon, dass wir damit den Gender-Pay-Gap wirklich in einer ausreichenden Form und Weise zurückdrängen können, bin ich nicht überzeugt, denn wir alle hier in der Runde wissen, dass Löhne und Gehalt auch davon abhängig sind, in welchem Beruf ich arbeite, in welcher Branche ich arbeite, und sich das alles in einem Gehalt abbildet. Eines ist natürlich schon klar: dass Frauen fair und ihrer Leistung entsprechend bezahlt werden sollen. Das würde ich damit jetzt nicht infrage stellen.
Amra Duric-Müller: Frau Abgeordnete Disoski möchte, glaube ich, etwas ergänzen. – Bitte.
Meri Disoski: Wir sind ja hier ein bisschen in einem politischen Speeddating, oder? Wenn ich jetzt sagen müsste, was eine meiner schlechtesten Eigenschaften ist, dann würde ich Ungeduld sagen. Ich bin so unglaublich ungeduldig. Jetzt höre ich seit Jahren: Wir müssen diese Lohntransparenz umsetzen, machen wir es bitte und tun wir, aber vielleicht tun wir es erst ab 50 oder ab 40! – Bitte machen wir es einfach! Es gibt so viele Länder, die das schon umgesetzt haben. Wir wissen einfach, dass der Gender-Pay-Gap schmilzt. Es ist einfach so: Wenn du weißt, was die Personen verdienen – das muss auch überhaupt nicht anonymisiert sein, auch da habe ich eine andere Meinung –, dann ist einfach klar, dass Gehaltsdiskriminierung der Riegel vorgeschoben wird.
Ja, es kostet – aber es kostet die Frauen Geld. Es kostet über eine Erwerbsbiografie Hunderttausende Euro, die Frauen verlieren, einfach, weil sie lohndiskriminiert werden. Hören wir doch bitte endlich damit auf, so zu tun, als wäre das irgendeine arge Papierwut, die da auf die Unternehmen zukommen würde! Auch das Argument, wenn es jemand eh richtig macht: Dann hat er ja auch nichts zu verbergen. Also wenn ich nichts zu verbergen habe und wenn ich Lohndiskriminierung in meinem Unternehmen nicht habe – Klammer auf: sehr viele haben das nicht, Klammer zu –, dann kann ich doch überhaupt nicht dagegen sein, dass da Transparenz hergestellt wird.
Wir haben gerade das Amtsgeheimnis abgeschafft, und jetzt diskutieren wir darüber, ob man die Gehälter weiterhin tabuisiert. Ich finde diese Diskussion wirklich ermüdend – ich persönlich finde diese Diskussion ermüdend; sie kostet die Frauen Geld. Ganz ehrlich: Wir sind im Jahr 2026. Skandinavien ist uns da zum Teil 20, 25 Jahre voraus. Wir sehen einfach: Es wirkt. Bitte machen wir es! Und bitte machen wir es nicht mit: Aber vielleicht erst ab 40, aber vielleicht erst ab 25! – Es gibt einfach ein Recht darauf, zu wissen: Wie viel bekomme ich? – Und nein, es hängt nicht vom individuellen Verhandlungsgeschick ab, ob ich jetzt 200 oder 400 Euro mehr als der Kollege bekomme. Wenn ich genau denselben Job habe, habe ich einfach das Recht, genau dieselbe Kohle zu kriegen. (Beifall.)
Valerie Watzek: Herzlichen Dank. – Wir starten mit der vierten Frage, die ich natürlich auch gerne wieder kundtue, solange Sie Ihre Handys zücken, damit auch die Abgeordneten wissen, worum es geht: „Brauchen wir verpflichtende Quoten für Frauen in Führungspositionen?“
Jetzt kam gerade schon: Die Skandinavier:innen und was schon alles geschafft wurde und so weiter. Sie dürfen natürlich abstimmen, bitte gerne wieder über Ihr Handy. Diejenigen, die es nicht digital machen, rufe ich auch hier wieder dazu auf: Braucht es eine Quote für Frauen in Führungspositionen?
Wenn Sie dafür sind, bitte Ihre Hände nach oben. – Genau, herzlichen Dank.
Wenn Sie gegen diese Quote sind, bitte auch jetzt um ein Handzeichen, damit wir Sie mitwerten. – Danke schön, herzlichen Dank.
Gut, da wird noch fleißig abgestimmt – ein bisschen brauchen wir noch.
Dann schaue ich einmal langsam zu meiner Rechten, wie sich das da abzeichnet – okay, okay.
Dann haben wir da auch ein Ergebnis: 42 Stimmen für Ja, es braucht eine Quote für Frauen in Führungspositionen, und 13 Stimmen dagegen.
Frau Abgeordnete Aldali, wie kam Ihr Ja zustande?
Lisa Aldali: Ich hätte ja jetzt auch gerne ein selbstgebasteltes Schild dabeigehabt, weil ich so gerne noch leider davorgesetzt hätte – leider Ja. Warum das? – Es ist einfach so: Man sieht in Führungspositionen erstens einmal – das haben wir jetzt eh schon mehrfach gehört –, auch wenn die Frau die Führungsposition bekommt, ist das dann wahrscheinlich eine Gehaltsfrage, weil man sich denkt: Ah, da kann man ja wieder sparen, gell?
Das andere ist: Warum ist es leider? – Weil es bis 2026 anscheinend nicht anders geht.
Also wenn wir uns jetzt mal ein bisschen die Zahlen anschauen: Ich habe es mir jetzt zum Beispiel bei der Regierung angeschaut. Bis vor Kurzem war es noch so: Wenn eine Frau in der Regierung drinnen war, dann sind vier männliche Personen nachgefolgt. Das heißt also, eins zu vier, das heißt, fünf Personen insgesamt.
Dann habe ich das weiterverfolgt, weil es mich auch für die Landtage interessiert hat. Da ist es zum Beispiel so, dass wir bis jetzt in keinem einzigen Landtag die 50-Prozent-Quote geknackt haben – also das spricht schon auch für sich.
Dann bin ich noch weiter gegangen und habe mir gedacht: Jetzt schaue ich mir einmal das Land an, wo die wenigsten Frauen in einem Landtag drinnen sitzen. Das ist Kärnten. Kärnten hat aktuell 16,7 Prozent. Dann denke ich mir: Okay, wow, also 2026.
Deswegen noch einmal: Leider Ja, denn es ist anscheinend immer noch nicht normal - - Also normal – es ist noch immer nicht angekommen, und deswegen sitzen wir ja heute alle gemeinsam hier und ihr nehmt euch die Zeit, weil wir einfach darauf aufmerksam machen und sagen möchten: Ja, jetzt packen wir es an.
Valerie Watzek: Herzlichen Dank.
Jetzt gab es da einige Jas, es gab auch ein Nein. – Frau Ecker, wollen Sie uns Ihr Nein erklären?
Rosa Ecker: Das ist eine bekannte Position unserer Partei, aber ich unterstreiche es als Frau noch einmal doppelt: Keine Frau will eine Quotenfrau sein. (Rufe aus dem Publikum: Ich schon!) – Nein, also das sagt man leicht, wenn man schon in so einer Funktion ist. Wenn ich mich aber dafür rechtfertigen muss, dass ich diese Funktion nur bekommen habe, weil ich eine Frau bin, dann, glaube ich, schaut es schon ein bisschen anders aus.
Vor allem ist mir immer wichtig – darum bin ich in die Politik gegangen, und das war mir bei der Frauenpolitik auch wichtig –, dass man Maßnahmen, Rahmenbedingungen schafft, die das Gros der Frauen betreffen, und das Gros der Frauen findet sich nicht in Führungspositionen, weil ganz viele davon einfach in ihrem Leben etwas anderes anstreben.
Und wir haben, ich habe es vorhin auch schon gesagt, so viele gut ausgebildete Frauen. Wenn die etwas erreichen wollen, dann ist da auch sehr, sehr viel möglich. Ich finde es auf der anderen Seite auch diskriminierend: Wenn wir für einen Topjob zwei Bewerber haben und der Mann ist genauso gut geeignet wie die Frau, dann wird nicht das Los entscheiden oder irgendein noch höherer CEO oder so, sondern dann entscheidet das Geschlecht. Das ist für mich der total verkehrte Zugang.
Juliane Bogner-Strauß: Also ich bin gerne eine Quotenfrau und ich bin stolz darauf, dass ich auf der Technischen Universität in Graz eine Quotenfrau war. Wir hatten Gott sei Dank eine Quote für Qualifizierungsvereinbarungen, um zu einer assoziierten Professur zu kommen, weil es einfach so ist – und das habe ich in meinem ganzen Leben so gesehen –: Wenn Hans das Unternehmen leitet, dann wird er auch das Hänschen nachholen, weil ihm einfach die Person ähnlicher ist, das Argumentieren ähnlicher ist, das Führen ähnlicher ist.
Deswegen ist es, glaube ich, extrem wichtig, dass es Quoten gibt, und wir haben gesehen, überall wo wir diese Quoten eingezogen haben, haben sie, Gott sei Dank, gegriffen – also im Parlament bis jetzt nicht, da hat das Geld auch nicht viel geholfen, aber sonst schon. In Aufsichtsräten von staatsnahen Betrieben, in Aufsichtsräten von großen börsennotierten Betrieben machen wir das jetzt; wir haben das auf der TU gemacht, die TU in Graz zum Beispiel hat schon früh erkannt, dass es wichtig ist – also sagen wir es so: ein paar starke Frauen auf der TU haben erkannt, dass es wichtig ist, Quoten einzuführen –, und dann braucht man noch immer den Chef – denn es war bislang immer ein Chef auf der TU Graz –, der auch dafür einsteht und das umsetzt. Ich war damals in einer Landesregierung in der Steiermark, wo wir auch einen Chef hatten, der für 50 : 50 war, wir waren eine paritätische Landesregierung damals.
Ich glaube, man muss die Menschen davon überzeugen, dass es wichtig ist, und dann braucht es noch die Quote dazu, und ohne Quote, haben wir gesehen, bewegt sich in Österreich leider einfach viel zu wenig.
Sabine Schatz: Frauen machen 50 Prozent der Bevölkerung aus und sie sollten auch paritätisch dort sitzen, wo es um Macht geht, wo darüber entschieden wird, welche Gesetze für alle Menschen in Österreich gelten.
Da muss ich dir widersprechen, Rosa: Bestimmte Themen werden nicht verhandelt werden, wenn Frauen nicht auch stark genug vertreten sind. Ich sage nur, Themenbereiche wie Frauengesundheit, Endometriose, die Wechseljahre, sind viel zu lange nicht im Fokus der politischen Aufmerksamkeit gewesen. Na warum wohl? – Weil es keine Männerthemen sind.
Also wenn wir Dinge auch entsprechend diskutieren wollen, die die Hälfte der Bevölkerung betreffen, dann muss die Hälfte der Bevölkerung auch entsprechend vertreten sein, an politischen Verhandlungstischen, aber genauso in den großen Unternehmen.
Und dass Männer diskriminiert werden, wenn es zwei Bewerbungen gibt: Tatsächlich spiegelt sich das nirgendwo wider. Wenn wir uns jetzt auch Vorstände, beispielsweise, von börsennotierten Unternehmen in Österreich anschauen: Wissen Sie, wie viele weibliche CEOs es in Österreich gibt? – Null! Keine einzige! Und ich glaube, ungefähr 16 Prozent machen die weiblichen Vorstandsmitglieder in den börsennotierten Unternehmen aus. Das ist tatsächlich so im Jahr 2026, dass man sich ehrlich gesagt dafür schämen muss, dass das nicht selbstverständlich ist.
Dass wir in Wahrheit eigentlich auch auf die Kraft, auf das, was die Frauen sozusagen mitbringen, verzichten im Jahr 2026, das schadet, glaube ich, im Wesentlichen dann der gesamten Bevölkerung. Ich glaube, dass es eben leider, leider, leider immer noch Fördermaßnahmen braucht, um Frauen auch entsprechend paritätisch an die unterschiedlichen Verhandlungstische zu bringen, ob das jetzt in der Politik ist, ob das in der Wirtschaft ist, ob das im Kunst- und Kulturbetrieb ist. Wenn wir Frauen auch entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung repräsentiert haben wollen und mitentscheiden haben wollen, dann müssen wir leider auch diese Fördermaßnahmen wie Quotenregelungen entsprechend umsetzen, damit wir auch gleichberechtigt mit am Verhandlungstisch sitzen.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank! (Beifall.)
Gut, wir kommen jetzt zur fünften und letzten Frage in unserer Blitzfragerunde. Ich lese vor: „Sollten Berufe in Pflege und Erziehung deutlich besser bezahlt werden?“
Bitte Stimmen Sie jetzt ab, und dann machen wir noch unsere analoge Abstimmung: Bitte Hände hoch, wer der Meinung ist, dass Berufe in Pflege und Erziehung deutlich besser bezahlt werden sollten – vielen Dank! Und die Gegenstimmen dazu? – Gut, dann haben wir, glaube ich, gleich ein Ergebnis. Es ist auch sehr eindeutig: 51 Prozent Ja, und hier haben wir quer durch die Bank ein Ja.
Frau Abgeordnete Disoski, erklären Sie uns, warum Sie ein Ja in die Höhe gehalten haben.
Meri Disoski: Ich glaube ehrlicherweise, dass es da gar nicht so viel zu erklären gibt. Das sind superwichtige Berufe, die uns durch die Coronakrise getragen haben, deshalb, glaube ich, ist auch wirklich einer breiteren Öffentlichkeit erst bewusst geworden ist, unter welchen Bedingungen, unter welchen Löhnen, unter welchen Arbeitsbedingungen da gearbeitet wird. Da ist in den vergangenen Jahren einiges passiert, um das zu verbessern, aber wir sind noch nicht dort, wo wir gerne wären.
Ich möchte auch mit einem Plädoyer anknüpfen und sagen, nicht „nur“ – unter Anführungszeichen – die Berufe in Pflege und Erziehung sollen deutlich besser bewertet und bezahlt sein, sondern wir haben, glaube ich, generell ein Thema mit der Bezahlung in Österreich. Da gibt es jetzt wahrscheinlich hier am Podium keine Einigkeit darüber, was die Gründe dafür sind. Die einen sagen, es sind die Lohnnebenkosten, die anderen sagen, bitte schauen wir uns an, wie wir mit Gewinnen umgehen und wer quasi in unterschiedlichen Situationen, krisenhaften Situationen, Profit schlägt.
Ich glaube, da haben wir eine Umverteilungsfrage, die wir ganz generell auch aus einer geschlechterpolitischen Perspektive diskutieren müssten, weil wir wissen, dass wir große Vermögen in Österreich auch geschlechterungerecht verteilt haben. Es ist da ein riesengroßer Gendergap. Wir sehen, Vermögen sind in der Hand von Männern, während hingegen Armut vor allem weiblich dominiert ist. Das hängt natürlich mit all den Dingen, die wir hier schon ein bisschen besprochen haben, zusammen, einerseits mit dem Gender-Pay-Gap, andererseits mit der Tatsache, dass Frauen nach wie vor den großen Teil der unbezahlten Arbeit leisten. Das führt in Kombination oft dazu, dass wir im Zusammenhang mit Altersarmut von Frauen sprechen, von Männern seltener, aber natürlich, wenn es Männer betrifft, ist es auch nicht in Ordnung.
Nur ich denke mir wirklich, dass wir diese Frage eher auch als eine Verteilungsfrage diskutieren sollten und uns fragen sollten: Was ist uns als Gesellschaft etwas wert? Die Wertigkeit von Arbeit, wie wird die bemessen, und wie kommen wir dort hin, dass Dinge, die uns als Gesellschaft tragen, auch tatsächlich in der Wertigkeit entsprechend abgebildet sind? Da sehe ich persönlich und auch meine Partei durchaus noch Luft nach oben.
Amra Duric-Müller: Vielen Dank. Gibt es noch Ergänzungen in der Runde? – Es gibt Einigkeit. Damit schließe ich unsere Blitzfragerunde. Vielen Dank für die anregende Diskussion. Vielen Dank für Ihr Abstimmen.
Wir werden diese Fragen und diese Gespräche nach unserer Keynote wieder aufnehmen. Wie eingangs von meiner Kollegin schon angekündigt, gibt es heute eine Keynote, und zwar von Bianca Khalil. – Ich bitte Sie auf die Bühne, Frau Khalil! (Beifall.)
Keynote
Bianca Khalil (Abteilungsleiterin M11 - Produkt und Steuerung, Wiener Linien): Hallo! Schönen Nachmittag! Ich freue mich wirklich sehr, dass ich heute hier sein darf. Was ich heute mitgebracht habe, richtet sich vor allem an die jungen Frauen, die ihren beruflichen Weg noch vor sich haben, an Frauen, die gerade am Beginn ihrer Karriere in ihrem Berufsalltag stehen.
Die Vorbereitung für heute war eine gute Reflexionsmöglichkeit für mich, zu überlegen: Was waren denn so meine Wege? Was hat bei mir funktioniert? Wo hätte ich vielleicht eine Abkürzung nehmen können? Aber auch: Was beobachte ich so bei jungen Kolleginnen? Was erzählen mir junge Frauen, wenn ich ihre Mentorin, ihre Sparringpartnerin sein darf?
Letztlich habe ich mich mit der KI unterhalten und der erste Punkt, den ich heute mitgebracht habe, kommt tatsächlich von der KI. Ich fand das sehr spannend, weil ich das scheinbar immer schon intuitiv gemacht habe, und es ist ein ganz wichtiger Punkt. Ihr werdet dann am Ende – wie gesagt, ich richte mich vor allem an die sehr jungen Frauen, die heute zuhören – sehen, warum dieser Punkt so wichtig ist. Er ist: Denkt möglichst früh nach, was euer persönliches Profil ist! Wofür steht ihr? Wer seid ihr? – Die Kreative, das Organisationstalent, seid ihr die, die Teams zusammenhält, die eine Gruppe zusammenhält, eine Teambuilderin ist?
Karrieren entwickeln sich schneller, wenn euch andere klar einordnen können. Fragt euch früh, fragt euch heute: Wofür steht ihr? Und keine Sorge, das Profil darf sich verändern. Was ihr heute für euch festlegt, muss nicht in zehn oder sogar in fünf Jahren noch gelten.
Ich habe Rechtswissenschaften studiert, ich habe dann in einer Rechtsabteilung gearbeitet, und mein Profil zu Beginn meiner Karriere war das der Verhandlerin. Da war ich richtig gut, das hat mir Spaß gemacht, da war ich erfolgreich. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt: Ich möchte gerne langfristiger arbeiten, ich möchte mehr gestalten, ich möchte gerne neues ausprobieren. Also habe ich mich als Innovationstreiberin, als Strategin positioniert und habe auch mit meinem Team neue Sachen auf die Straßen von Wien gestellt.
Jetzt feile ich gerade am Profil der Leaderin.
Wie kommt ihr zu eurem Profil? – Probiert euch aus! Welche Tätigkeiten, welche Aufgaben machen euch Spaß? Was gibt euch mehr Energie als es euch nimmt? Wo bekommt ihr besonders viel positives Feedback? In der Ausbildung, im Hobby, in der Freizeit, beim Sport? Eure Familie, eure Freunde, was geben die euch zurück? Wie sehen sie euch? Schaut euch das an! Ihr habt jetzt schon alle Zuschreibungen. Gefallen sie euch? Könnt ihr sie zu einer Stärke, zu einem Profil ausbauen? Wenn nicht, sucht weiter, ich bin überzeugt davon, ihr findet euer Profil. Karrieren funktionieren schneller, wenn euch andere klar einordnen können.
Leistung ist gut, Leistung ist wichtig, aber Leistung alleine ist zu wenig. Und keine Sorge, ich sage euch jetzt nicht, dass ihr mehr leisten müsst als die Männer. Das hat man mir vor 20, 25 Jahren gesagt: Wenn ich erfolgreich sein will in meinem Beruf, dann muss ich doppelt so viel leisten wie die Männer. Ich muss mich doppelt so sehr anstrengen und ich muss doppelt so sehr performen – glaube ich nicht, habe ich auch nicht gemacht. Ich glaube nicht, dass ich die letzten Jahre doppelt so viel gearbeitet habe, doppelt so viel geleistet habe. Ich glaube auch nicht, dass ihr es tun müsst. Was ich aber sehr wohl glaube, ist, dass ihr sicherstellen müsst, dass ihr sichtbar seid. Eure Leistung muss auch als eure Leistung gesehen werden können. Eure Ideen, eure Beiträge: Lasst nicht zu, dass andere eure Leistung für sich beanspruchen, nur weil sie lauter sind, weil sie präsenter sind. Gerade junge Männer haben da einen ziemlichen Zug zum Tor.
Dass ich heute hier stehen darf, habe ich dem zu verdanken, dass ich vor einem Jahr an einer Podiumsdiskussion teilgenommen habe, dort gehört und gesehen wurde. Ich war sichtbar! Und die Einladung zu dieser Podiumsdiskussion kam aus meinem Netzwerk. Ein Netzwerk ist eine Investition. Je früher ihr damit beginnt, umso besser: Baut euch strategische Netzwerke auf, nicht nur reine Sympathiekontakte. Sucht bewusst den Kontakt zu Entscheidungstäger:innen, zu potenziellen Mentor:innen, Männern wie Frauen. Wenn ich heute zu einer Veranstaltung gehe, dann überlege ich immer noch im Vorhinein: Wer wird dort sein? Mit wem möchte ich ins Gespräch kommen und worüber? Wem möchte ich mich zumindest vorgestellt haben und die Hand geschüttelt haben? Ich habe eine To-do-Liste, ich habe eine Agenda.
Die habe ich heute auch: Ich möchte mit zumindest drei jungen Frauen heute hier nachher in der Pause ins Gespräch kommen, und ich will wissen: Warum seid ihr heute hier? Und: Mit welchem Punkt von dem, was ich euch heute erzählt habe, fangt ihr was an? Und wo sagt ihr, das seht ihr gar nicht? Ich hoffe sehr, dass ihr mir dann nachher helft, meine To-do-Liste für heute abzuarbeiten.
Ihr habt an eurem Profil gefeilt, ihr habt an eurer Sichtbarkeit gearbeitet, ihr habt euch ein Netzwerk aufgebaut. Dann kommt zwangsläufig die erste Chance, die erste Gelegenheit für einen beruflichen Schritt, einen Karriereschritt. Die nächste Möglichkeit, die erste Möglichkeit – und bei dieser ersten Möglichkeit greift ihr zu. Übernehmt Verantwortung!
Ich war etwas mehr als zwei Jahre im Unternehmen tätig, als sich meine Teamleiterin weiterentwickelt hat – die hat gekündigt, hat das Unternehmen verlassen – und kurze Zeit später stand ich im Büro vor meinem Abteilungsleiter und habe gesagt: Ich will die Position haben! – Ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich schon alles mitbringe, was ich dafür brauche, ob ich schon bereit dazu bin. Ich habe auch nicht darüber nachgedacht, was er sich denkt, ob er mich für zu jung, zu weiblich, zu unqualifiziert hält. Mein Bauch hat gesagt: Tolle Gelegenheit! Und ich habe meinem Gehirn keine Zeit gegeben, es mir wieder auszureden. Was ich wahrnehme, ist, dass immer noch viel zu viele Frauen viel zu lange warten, bis sie sich am liebsten 120 Prozent sicher sind, dass das jetzt der richtige Schritt ist, zum richtigen Zeitpunkt. Meiner Wahrnehmung nach ist man nie zu 100 Prozent bereit.
Wenn ihr Verantwortung übernehmt und zu Chancen Ja sagt, müsst ihr auch lernen, Nein zu sagen. Gerade junge Frauen übernehmen in Teams oft Aufgaben, die sie eigentlich nicht weiterbringen. Auch im beruflichen Kontext schanzt man uns Frauen gerne aufgaben zu, Care-Aufgaben, die dann auch meistens noch in so einem seltsamen Kompliment verpackt sind, wie: Besorg doch du das Geschenk für den Kollegen, du hast den besseren Geschmack! Überlegt euch: Bringen euch diese Aufgaben weiter, fachlich, strategisch? Erhöht es vielleicht eure Sichtbarkeit oder könnt ihr damit zeigen, dass ihr Verantwortung übernehmt? Wenn nicht, dann freundlich, aber bestimmt Nein sagen!
Ich war dann junge Führungskraft. Ich komme aus einem sehr männerdominierten Konzern. Als ich jung war, das ist lange her, war es ganz schlimm, jetzt ist es besser. Aber damit ihr so eine Vorstellung habt: Wir waren dann so in diesen Führungskräfteseminaren immer in Gruppen zusammengefasst, und wenn wir da acht Teilnehmer pro Gruppe waren, waren da sieben Männer und eine Frau. Wie das so ist in diesen Workshops, da wird dann etwas erarbeitet, und irgendwann geht es darum: Wer schreibt das denn jetzt auf ein Flipchart? Und ihr könnt euch sicher sein, in der Sekunde, wo es darum geht, wer schreibt das Flipchart, haben mich sieben Männer angeschaut und mir erklärt: Du bist die Frau, du schreibst das Flipchart, weil du die schönere Handschrift hast!
Als es dann darum ging, wer geht denn nachher vor mit diesem Flipchart, wer geht denn vorne auf die Bühne, wer präsentiert denn dann die Ergebnisse, wer repräsentiert denn dann die Gruppe, da hieß es nie, die Frau geht, weil sie, keine Ahnung, die angenehmere Stimme hat. Da haben sie sich darum gestritten, wer geht nach vor – oft sind sie zu zweit gegangen –, denn da ging es ja wieder um Sichtbarkeit.
Ich schreibe keine Flipcharts, aber ich präsentiere gerne.
Wenn ihr Verantwortung übernehmt, dann geht ihr Risiken ein, und wenn ihr Risiken eingeht, geht zwangsläufig einmal was schief. Ihr werdet Fehler machen, und das mögen wir nicht, oder? Hand hoch, wer macht gerne Fehler? – Ja, das mögen wir Frauen nicht, oder? Bevor wir was falsch machen, machen wir es lieber gar nicht.
Nicht mein Weg, ich mache gerne Fehler! Noch lange bevor dieses ganze Thema Fehlerkultur auch in unserer Gesellschaft angekommen ist, habe ich mich gerne hingestellt und provokant gesagt: Mein Team und ich, wir machen keine Fehler. Wir machen keine Fehler! Entweder es gelingt uns und wir sind erfolgreich, oder wir haben etwas gelernt. Ihr könnt euch nicht weiterentwickeln, wenn ihr keine Risiken eingeht, und ihr könnt euch nicht weiterentwickeln, wenn ihr keine Fehler macht. Habe ich Fehler gemacht? – Ganz sicher. Werde ich weitere Fehler machen? – Hoffentlich. Das bringt mich weiter. Übernehmt Verantwortung, und zwar das Gesamtpaket!
Der letzte Punkt, den ich heute mitgebracht habe, betrifft die Finanzen. Meiner Wahrnehmung nach verhandeln immer noch viel weniger Frauen Budgets, viel weniger Frauen Ressourcen, Frauen verhandeln ihr Gehalt nicht. Wir haben es vorhin in einigen Fragestellungen immer wieder gehört.
Ich war dann Führungskraft, mein Team ist gewachsen, meine Aufgaben sind gewachsen, ich habe mehr Verantwortung übernommen, und lustigerweise ging es einem Kollegen von mir ähnlich. Der hat zeitgleich mit mir gestartet in seiner Führungsrolle und netzwerkmäßig – wir haben uns ausgetauscht –, und wir waren dann der Meinung, wir sollten eigentlich jetzt einen Gehaltssprung machen, wir sollten jetzt eigentlich mehr verdienen. Wohlweislich Mann und Frau, wir haben uns zusammengeschlossen und haben gesagt: Das machen wir jetzt! Und ihr erinnert euch, zu Beginn meiner Rede, mein Profil damals war das der Verhandlerin. Folglich ist es geglückt, wir haben das erfolgreich verhandelt.
Jetzt ist es aber so, in einem großen Unternehmen geht das nicht von heute auf morgen, das dauert, mitunter wartet man ein Jahr, bis halt die nächste Gehaltsrunde stattgefunden hat. So war es auch bei mir. Ich bin in der Zwischenzeit schwanger geworden und in Karenz gegangen und bin in Kontakt geblieben und habe von meinem Kollegen dann erfahren, er hat diese Gehaltserhöhung bekommen. Ich habe mich gefreut zu Hause und habe mir gedacht: Super, wenn ich dann wieder zu arbeiten beginne, dann verdiene ich auch mehr. – Ja. Zurück an den Start!
Ihr könnt euch nicht darauf verlassen, leider, dass Gesetze, Rahmenbedingungen, Vorgaben dafür sorgen, dass ihr gerecht entlohnt werdet. Ihr müsst das einfordern, laut und selbstbestimmt!
In diesem Sinne: Alle, die ihren Weg noch vor sich haben: Geht ihn mutig, selbstbestimmt! Ich wünsche ganz, ganz, ganz viel Erfolg dabei und bedanke mich für die Aufmerksamkeit! (Beifall.)
Valerie Watzek: Herzlichen Dank, Frau Khalil, für Ihre Keynote, sehr inspirierend und sehr weise. Ich glaube, Sie werden jetzt dann in der Pause, die ich jetzt ankündigen darf, gleich mit neuen Netzwerkkontakten gestürmt.
Ich sagte schon Pause: Wir machen jetzt 10 Minuten, 15 Minuten Pause. Währenddessen würden wir Sie um drei Sachen bitten. Einerseits: Netzwerk erweitern, nicht nur mit unserer Keynotespeakerin, auch sonst, sprechen Sie miteinander.
Machen Sie sich Gedanken: Machen Sie sich Gedanken und bringen Sie es auf die QR-Codes, die Sie eingeblendet sehen. Sie können uns gerne noch Fragen stellen – uns repräsentativ für das Podium hier –, bitte auch gerne unserer Keynotespeakerin eine Frage stellen, auch mehrere, schreiben Sie es bitte dazu, dass wir es zuordnen können, oder es ist an alle, dann sehen wir es eh auch so.
Wenn Sie das fertig haben: Da drüben gibt es auch eine Fotobox, die Sie natürlich gerne jetzt auch schon ausprobieren können. Die steht aber auch nach der Veranstaltung noch zur Verfügung, also keine Sorge, wenn es sich jetzt nicht ausgeht, nachher auch gerne noch.
Und ja, wir geben rechtzeitig wieder Bescheid, wenn es weitergeht. Herzlichen Dank. (Beifall.)
Fragerunde
Valerie Watzek: Herzlichen Dank, dass Sie wieder bei uns Platz genommen haben, dass auch Sie wieder da sind. Ich hoffe, Sie haben sich ein bisschen gestärkt oder auch schon Fotos gemacht. Sie sind offensichtlich in den Austausch gegangen, das freut uns sehr, bitte tun Sie das nachher auch noch!
Dazwischen darf ich jetzt allerdings noch den vorletzten Programmpunkt ankündigen. Herzlichen Dank für die eingereichten Fragen, das waren eine Menge. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit haben wir beschlossen, dass wir das jetzt ein bisschen runterkürzen werden, ein Wrap-up machen. Wir würden Sie aber aufrufen: Bitte machen Sie alles, was jetzt nicht beantwortet wird, im Nachgang. Das kann jetzt direkt nachher sein, das kann im Zuge der Frauenführung, die nachher stattfindet, sein, das kann über unsere Social-Media-Kanäle sein, über einen direkten Kontakt zu den Abgeordneten – bitte auch gerne auf die Website schauen, wir haben da alle Kontaktdaten. Also bleiben Sie mit uns verbunden, bleiben Sie mit den Abgeordneten verbunden. Bleiben Sie auch gerne mit Frau Khalil verbunden, an die ich jetzt gleich die erste Frage stelle.
Nach Ihrer inspirierenden Keynote habe ich eine Vermutung, in welche Richtung das geht, aber trotzdem: Bitte geben Sie uns einen Tipp, den Sie für die Runde, für die jungen Damen haben – nicht nur für die jungen Damen, aber überhaupt –, für den Einstieg in den Beruf. Was ist Ihr Tipp?
Bianca Khalil: Das ist eine gute, aber sehr schwer zu beantwortende Frage. Ich habe es vorhin auch schon gesagt, als ich gefragt wurde: Ich habe es mit dem Ausschlussverfahren gemacht. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man sich ganz viel anschaut. Dieses: Ich studiere jetzt etwas oder ich mache jetzt die Ausbildung und dann bleibe ich dabei und dann mache ich das – ich glaube, dass es ganz, ganz wichtig ist, dass sich junge Frauen ausprobieren und dass sie sich möglichst viel anschauen, schon während der Ausbildung Praktika machen, im Sommer einmal arbeiten, um einfach rauszufinden: Wo fühle ich mich zu Hause? Denn dann geht es einfach schneller: ausprobieren, möglichst viel anschauen!
Valerie Watzek: Viel sehen, ausprobieren. Ich sehe da ein Kopfnicken neben mir. – Frau Abgeordnete Disoski, Ihr Tipp?
Meri Disoski: Dem kann ich mich nur anschließen: tatsächlich offen bleiben, sich nicht auf etwas versteifen und Möglichkeiten, die da sind, ergreifen. Wir haben es vorhin auch in der Keynote gehört, das hat mir sehr gut gefallen, ich mag das noch einmal betonen: einfach einmal Ja sagen und dich nicht 15 000-mal fragen: Boah, bin ich schon so weit und kann ich das wirklich und fehlt mir nicht irgendetwas und könnte es nicht der Dings doch besser als ich? – Blödsinn! Einfach Ja sagen, machen und auch darauf vertrauen, dass man sich selber ein unterstützendes Netzwerk aufbauen kann und auch unterstützende Strukturen um sich herum hat. Dinge, die man vielleicht noch nicht zu 70 Prozent intus hat und noch nicht drauf hat: Das kann man alles lernen, das ist eine Frage des Lernens – immer Ja sagen, Ja sagen, Ja sagen! Und es ist so wichtig, etwas zu machen, das dir taugt, wo du Spaß hast, wo du aufgehst, wo du weißt, da bin ich mit vollem Herzblut dabei, weil wir die Energie in dem, was wir in unserem Alltag tun, brauchen; ich glaube, das treibt uns an. Wenn wir etwas gerne machen, dann sind wir im Normalfall auch gut darin. Und wenn es einmal nicht hinhaut: Ja meine Güte, soll dir nichts Schlimmeres im Leben passieren!
Valerie Watzek: Frau Abgeordnete Schatz.
Sabine Schatz: Ich glaube, den Mut zu haben, Ja zu sagen und Dinge anzunehmen, das ist das eine, aber wir wissen auch, das alleine reicht nicht aus. Ich habe es sehr spannend gefunden: Sie haben ja auch von diesem Netzwerken gesprochen, und wir wissen ja, Männer netzwerken sehr gut. Ich glaube, wir Frauen müssen das auch machen. Wir müssen uns gegenseitig stärken. Wir müssen schauen, dass wir eben auch Frauen in Positionen bringen. Viele Frauen, die erstmals in Positionen waren, waren ja sozusagen auch Vorbilder dann für die, die nachgekommen sind – auch hier im Parlament die ersten Frauen: die erste Parlamentspräsidentin Barbara Prammer, die für viele auch noch eine Ikone ist, oder Johanna Dohnal, die sich als erste Frauenministerin auch tatsächlich für Frauenagenden zuständig erklärt hat. Eine Metapher, die wir letzte Woche gehört haben, gefällt mir wirklich sehr: In vielen Bereichen sind wir die Schneefräsen, die vorangehen müssen, damit die hinter uns nicht ausrutschen. Damit wir nicht ausrutschen, ist es gut, wenn wir uns an der Hand nehmen und uns gegenseitig stärken und auch gemeinsam wirklich schauen, dass wir Netzwerke bilden – Netzwerke, die Männer auf jeden Fall haben, während wir uns oft noch als Alleinkämpferinnen sehen. Ich glaube aber, wir können alle davon profitieren, wenn wir uns gemeinsam stärken.
Valerie Watzek: Herzlichen Dank.
Amra Duric-Müller: Gut. Dann gehen wir zur nächsten Frage, außer es gibt hier noch Tipps, die abgegeben werden möchten.
Eine Frage, die auch für die Runde eingereicht wurde: Wollen Sie gendergerechte Sprache in allen öffentlichen Institutionen verpflichtend gesetzlich verankert wissen? Fangen wir vielleicht bei Frau Abgeordneter Ecker an.
Rosa Ecker: Nein. Diese Diskussion hat noch keiner einzigen Frau mehr gebracht. Ich muss auch immer schmunzeln, wenn es dann mit der Sichtbarkeit begründet wird, weil ich mich als Frau nicht durch Doppelpunkt, Bindestrich, Sternderl oder irgendetwas gesehen fühle. Wenn alle gemeint sind, dann ist das schön und nett, aber inwiefern ist dann die Frau mehr sichtbar? So ist das, so interpretiere ich das für mich und so fühle ich das. Noch einmal, ich habe es vorhin, glaube ich, gesagt, warum mir Frauenpolitik wichtig ist: weil es so, so viele Frauen da draußen gibt, die Probleme in vielen Bereichen haben, sei es der Unterhalt, sei es die Pension, sei es die Wohnung, sei es Gewalt, wo es so viel zu tun gäbe – und wir beschäftigen uns in der Politik mit Doppelstrich, Binnen-I, Unterstrich, Sternchen, und das kann es nicht sein.
Amra Duric-Müller: Frau Bogner-Strauß?
Juliane Bogner-Strauß: Rosa, auch wenn du gesagt hast, du möchtest es nicht mehr hören: Ich bin schon der Meinung, dass Sprache Sichtbarkeit macht und dass, wenn wir als Frauen nicht erwähnt werden, wir dann auch nicht sichtbar sind. Also ist es schon wichtig, beide Formen zu benutzen, so wie Sie es auch eingangs gesagt haben: Sehr geehrte Damen und Herren!, oder wenn man betreffend die Berufsgruppe der Pflege – die haben wir heute angesprochen – nur: Sehr geehrte Pfleger!, sagen würde – ich meine, 90 Prozent in dieser Berufsgruppe sind Pflegerinnen. Also deshalb bin ich schon der Meinung, dass Sprache Sichtbarkeit macht, und deswegen versuche immer, auch in Texten, dass ich die weibliche und die männliche Form zumindest abbilde.
Amra Duric-Müller: Gibt es noch Ergänzungen?
Sabine Schatz: Also ich finde, es sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, dass Frauen und Männer in der Sprache gleich sichtbar sind, gesprochen, aber auch geschrieben. Ich will nicht darüber diskutieren, ich will auch keine Zeit damit verschwenden, ob und wie sozusagen gendergerechte Sprache umgesetzt werden soll. Ich finde einfach – und du hast es gesagt, Juliane –, es geht um die Sichtbarkeit.
Wenn Frauen in der gesprochenen Sprache und auch in der geschriebenen Sprache nicht sichtbar sind, dann sind auch die Themen, die Frauen betreffen, nicht sichtbar. Ich muss schon auch dazusagen, Rosa, weil du gesagt hast, du willst als Frau sichtbar sein und nicht irgendwie mit anderen Zeichen: Ich finde es dann halt schon seltsam, wenn ihr eine Landesparteiobfrau habt und dann auf der Verkündigung des Wahlergebnisses ganz groß Landesparteiobmann draufsteht. Dann ist die Frau eigentlich auch nicht sichtbar, obwohl es nur eine Frau gibt, die sich für diesen Posten beworben hat. Ich finde, man soll Frauen als Frauen ansprechen – also eine Doktorin ist eine Doktorin, eine Magistra ist eine Magistra –, und wenn wir Frauen und Männer meinen, dann müssen wir auch Frauen und Männer erwähnen. (Beifall.)
Amra Duric-Müller: Ich sehe bei Frau Aldali auch ein Kopfnicken, also Zustimmung.
Lisa Aldali: Ja, zu meinen zwei Vorrednerinnen auf jeden Fall, für das Anfangsstatement. Ich bin das ja aus Salzburg gewohnt, dass da immer wieder kommt: Nein, man ist die stellvertretende Landeshauptmann und Sonstiges. Also wie gesagt, ich persönlich finde es befremdlich, muss ich ehrlich sagen. Meine Vorrednerinnen haben das eh schon so schön gesagt: Sichtbar macht man viel durch Sprache. Das kann ich als ehemalige Deutschlehrerin nur unterstützen und unterstreichen. Wenn man das einfach weglässt, dann lässt man halt ein ganzes Geschlecht weg. Ob man das jetzt will oder nicht, weiß ich nicht. Wir sind bei 50 Prozent, die einen 50 Prozent werden erwähnt und die anderen weiblichen 50 Prozent sind wurscht. – Na ja, ich sehe es nicht so, aber wie gesagt.
Amra Duric-Müller: Noch ein Abschlusswort?
Meri Disoski: Zwei kurze Sätze: Ich sitze auch hier als studierte Sprach- und Literaturwissenschafterin. Als solche ist es natürlich logisch: Natürlich schafft Sprache Bewusstsein, deshalb ist es wichtig, dass alle abgebildet sind. Die Diskussion darüber, ob das jetzt sinnvoll verwendete Zeit ist oder nicht, können wir sehr schnell abkürzen, indem wir es einfach machen und dann einfach auch Zeit haben, um über andere Dinge zu diskutieren, ob das jetzt die Unterhaltssicherung ist oder die Lohntransparenz ist oder der Gewaltschutz ist. Einfach machen, nicht so viel darüber reden – es tut keinem weh. Meine jüngste Nichte ist vier Jahre alt und gendert mit einer Selbstverständlichkeit, die unglaublich ist. Manchmal frage ich mich schon: Worüber reden wir hier eigentlich? Das ist doch etwas: Wo der gute Wille ist, ist ein Weg da, und das muss man nicht zerreden.
Valerie Watzek: Herzlichen Dank dafür.
Ich nehme das jetzt insofern auf, als dass ich genau dazu aufrufe: Reden Sie miteinander – über diese Frage, über andere Fragen, die eingereicht wurden, die vielleicht jetzt noch nicht erwähnt wurden oder noch nicht gestellt werden konnten, über Fragen, die Sie sich vorher nicht gestellt haben, aber bei denen Sie jetzt draufgekommen sind, dass es an der Zeit ist. Machen Sie das bitte!
Wir bedanken uns herzlich für Ihr Interesse an dieser Veranstaltung. Wir bedanken uns herzlich für Ihre Teilnahme an diesem sehr interessanten und aufschlussreichen Podium und bei unserer Keynotespeakerin. Wir freuen uns, wenn Sie uns erstens bald wieder beehren, zweitens noch zu unserer Fotobox gehen oder sich drittens dann auf dieser Seite – auf Ihrer rechten, meiner linken – einfinden, wenn dort die Führungen starten. Das sind Führungen durchs Parlament zum Thema Parlamentarismus und Frauen, spezielle Frauenführungen. Rund um den Weltfrauentag war uns das ein Anliegen, dass Sie auch diese Möglichkeit haben. Alles Liebe von meiner Seite.
Amra Duric-Müller: Auch von meiner Seite vielen, vielen Dank. Danke für Ihr Interesse. Danke für die interessante Diskussion, für den Austausch. Danke für Ihre Fragen – wir haben es schon erwähnt, es sind echt einige gekommen. Also bitte stellen Sie sie untereinander, auch hier den Abgeordneten. Bleiben Sie in Kontakt, meine Kollegin hat es schon gesagt, über die Parlamentswebsite, gerne auch über die Social-Media-Kanäle, Sie finden uns dort unter @oeparl. Schreiben Sie uns. Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Nachmittag. Wir sehen uns hoffentlich ganz bald wieder im Parlament. – Danke schön. (Beifall.)