Transkript

Tirolempfang anlässlich des Vorsitzes des Landes Tirol im Bundesrat

 

52/SVER

10. März 2026

XXVIII. Gesetzgebungsperiode

Vorplatz, anschließend Säulenhalle

Abteilung 1.4/2.4
Stenographische Protokolle
 

Tirolempfang anlässlich des Vorsitzes des Landes Tirol im Bundesrat

 

Programm

Landesüblicher Empfang und Fahnenhissung am Vorplatz des Parlaments

Eröffnungsworte in der Säulenhalle

Markus Stotter – Präsident des Bundesrates

Grußworte

Anton Mattle – Landeshauptmann von Tirol

Empfang

Kurzführungen durch das Parlament

Moderation

Thomas Saurer – Protokollchef und Vorstand der Abteilung Repräsentationswesen Land Tirol

Musik

Landesüblicher Empfang: Musikkapelle Oberlienz

Säulenhalle: Bläsergruppe der Musikkapelle und Plattlergruppe Oberlienz

 

 

Nach den Auftritten der Musikkapelle und der Schützenkompanie aus Oberlienz am Vorplatz des Hohen Hauses beginnt der offizielle Teil des Tirolabends in der Säulenhalle mit dem Erklingen der Fanfare und der Einspielung eines Videos.


(Beifall.)

Thomas Saurer (Protokollchef und Vorstand der Abteilung Repräsentationswesen Land Tirol): Tirol ist da, Tirol ist angekommen! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bundesratspräsident! Geschätzter Herr Landeshauptmann! Verehrter Herr Bundesminister! Verehrter Herr Staatssekretär! Geschätzte Abgeordnete zum Nationalrat und Mitglieder des Bundesrates! Hohe Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft! Geschätzte Fest- und Ehrengäste! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf um Ihre Aufmerksamkeit bitten, damit wir mit dem offiziellen Teil beginnen können.

Vor dem Hohen Haus hat uns die Statue der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit, als symbolische Hüterin von Klugheit, Gerechtigkeit und verantwortungsvoller Politik empfangen, und genau dort haben wir auch Sie empfangen, mit dem feierlichen landesüblichen Empfang ganz auf Tirolerisch willkommen geheißen. Was für ein Empfang! Ein herzliches Vergeltsgott den Ehrenformationen für diesen wunderbaren landesüblichen Empfang! (Beifall.)

Nun begrüße ich Sie ganz herzlich in der Säulenhalle des österreichischen Parlaments zum Tirolabend anlässlich der Vorsitzübernahme des Bundeslandes Tirol im Bundesrat. Mit der soeben erklungenen Fanfare der Bläsergruppe der Musikkapelle Oberlienz und stimmungsvollen Bildern aus dem Land Tirol eröffnen wir also diesen offiziellen Festakt dieses besonderen Abends. Tirol übernimmt mit dieser Präsidentschaft Verantwortung im Bundesrat – als starke Region im Herzen Europas, als verlässlicher Partner im föderalen Gefüge unserer Republik und als Impulsgeber für Innovation, Zusammenhalt und Zukunftsorientierung.

Bevor wir loslegen, sei es mir erlaubt, einige Ehrengäste namentlich zu begrüßen: Zu Beginn darf ich die Gastgeber des heutigen Abends ganz herzlich willkommen heißen – den Präsidenten des Bundesrates und Bürgermeister von Oberlienz, Herrn Markus Stotter. (Beifall.) – Eine große Fangemeinde unseres Bundesratspräsidenten!

Diesen Tirolempfang richtet das österreichische Parlament gemeinsam mit dem Land Tirol aus. Herzlich willkommen heiße ich den Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz, den amtierenden Präsidenten der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, unseren Landeshauptmann von Tirol, Herrn Anton Mattle! (Beifall.)

Es ist uns eine besondere Freude und Ehre, auch Mitglieder der österreichischen Bundesregierung hier in der Säulenhalle begrüßen zu dürfen: Einen kräftigen Applaus für unseren Bundesminister Norbert Totschnig und für Staatssekretär Jörg Leichtfried! (Beifall.)

Ein Willkommensgruß gilt der Präsidentin des Tiroler Landtages, Frau Sonja Ledl-Rossmann, gemeinsam mit den Mitgliedern der Tiroler Landesregierung Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, Frau Landesrätin Eva Pawlata und Herrn Landesrat Mario Gerber! (Beifall.)

Sehr herzlich begrüße ich im Hohen Haus außerdem die anwesenden Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat und Mitglieder des Bundesrates. Stellvertretend heiße ich namentlich den Vizepräsidenten des Bundesrates, Herrn Daniel Schmid, und die Vizepräsidentin des Bundesrates, Frau Christine Schwarz-Fuchs, sowie die Mitglieder des Tiroler Landtages, an der Spitze Herrn Klubobmann Jakob Wolf, herzlich willkommen! (Beifall.)

Ein besonderer Gruß gilt nun abschließend unserem Ringträger des Landes Arthur Thöni, allen geistlichen Würdenträgern, den Bundesratspräsidentinnen und -präsidenten außer Dienst sowie den Vertreterinnen und Vertretern aus den Kabinetten der Bundesregierung und den Ministerien, aus den Bundesländern, der Wirtschaft, des Tourismus, der Gemeinden, der Kultur und der Medien sowie der Interessenvertretungen und Institutionen! Sehr herzlich willkommen heiße ich die zahlreichen Abordnungen aus Osttirol, die Musikkapelle, die Schützenkompanie, die Plattlergruppe und die örtlichen Vereine aus Oberlienz, gemeinsam mit dem Tirolerbund in Wien! (Beifall.)

Schön, dass Sie heute mit uns diesen Abend hier in der Säulenhalle feiern, die Bundesratspräsidentschaft Tirols!

Ich darf nun jenen Herrn an das Rednerpult bitten, der als Präsident des Bundesrates die Vorsitzführung innehat und diesen Tirolabend nun offiziell eröffnen wird. – Bitte begrüßen Sie den Präsidenten des Bundesrates Markus Stotter. (Beifall.)

Eröffnungsworte in der Säulenhalle

Markus Stotter (Präsident des Bundesrates): Jetzt warte ich ein bisschen, bis es leiser wird. Leider haben wir hier eine sehr schlechte Akustik, aber – dem Denkmalschutz sei Dank – wir dürfen das auch nicht ändern. Deshalb bitte ich auch, in den seitlichen Bereichen außerhalb der Säulen für 10 Minuten, eine Viertelstunde – ich verspreche, länger dauert es nicht – die Gespräche ein wenig einzustellen. Wir haben danach viel Zeit, weiterzufeiern – ich garantiere es euch.

Geschätzter Bundesminister, lieber Norbert! Ich mache heute einmal eine ganz andere Begrüßung, denn ich muss schon einen ganz besonders hervorheben, und zwar unseren Landeshauptmann, der keine Mühe gescheut hat, an seinem eigenen Geburtstag heute hierher zu uns zu kommen und mit uns zu feiern. (Beifall.)

Ich hoffe, wir haben einen würdigen Rahmen für dich bereitet, und darf deswegen gleich am Anfang die Party quasi crashen und dich zu einem Schnapsl herausbitten, und wir haben natürlich auch ein kleines Geburtstagsgeschenk für dich dabei. Und am Rande erwähne ich gleich: Wir haben noch ein Geburtstagskind – sollte es ein drittes geben, bitte danach bei mir melden, da gibt es natürlich auch etwas –, nämlich Brigitta Kashofer, die Frau von Charly; sie hat heute auch Geburtstag! (Beifall.)

Bitte beide herauskommen! Es gibt ein kleines Präsent, von unseren Bundesräten überreicht, und ein Schnapserl – und jetzt singen wir einmal alle gemeinsam „Happy Birthday“!


Es folgt ein Musikstück.


(Beifall.)

Markus Stotter: Charly übernimmt derweil stellvertretend, bis die Frau da ist, und wir holen danach das Schnapsl zumindest nach.

Jetzt lassen wir das Schnapsl noch kurz wirken, aber wir genießen die Ruhe in diesen Hallen, und ich traue mich derweil vielleicht schon ein bisschen anzufangen.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Ehrengäste! – Ich warte wieder, bis es ein bisschen ruhiger ist. Das müssen wir vielleicht ein bisschen durchziehen, sonst dauert es wirklich lange. – Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute Sie alle gemeinsam mit unserem Landeshauptmann zu diesem Festakt begrüßen zu dürfen. Lieber Landeshauptmann, mein aufrichtiger Dank gilt natürlich dir, dass du gemeinsam mit dem Land Tirol, mit dem Bundesrat uns diese Wertschätzung erweist, da zu sein, in dieser Säulenhalle so ein schönes Fest zu feiern. (Beifall.)

Ganz besonders freut es mich natürlich, so viele Tiroler und Tirolerinnen hier in Wien zu sehen, so viele Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger. Ganz besonders begrüßen möchte ich aber all meine zahlreich erschienenen Bürgermeisterkollegen – das bedeutet mir sehr viel, dass ihr alle da seid, denn das ist nicht selbstverständlich – und natürlich last, but not least meine ganze Familie! Schön, dass alle den Weg nach Wien geschafft haben und dass wir hier heute gemeinsam ein bisschen feiern können. (Beifall.)

In diesem Atemzug erwähne ich sehr gerne meine ganzen Vereine aus der Gemeinde – jetzt trifft es stellvertretend die Abordnung von der Musikkapelle, die Bläsergruppe. Danke, dass ihr heute so einen würdigen Rahmen geschaffen habt, vom Flaggehissen über den landesüblichen Empfang bis hin zur Zelebrierung der Messe, also diese Sternenhimmelmesse. Beim Einproben hat es schon ein paar Schwierigkeiten gegeben, aber jetzt im Nachhinein muss man einfach sagen, sie ist unter die Haut gegangen, es gab Gänsehautmomente. Danke, dass ihr alle da seid, von den Schützen über die Plattler bis hin zu den Feuerwehrabordnungen und den Kaiserschützen! Ein herzliches Dankeschön dafür, dass ihr so einen würdigen Rahmen gestaltet habt! (Beifall.)

Diese Aufgabe, dem Bundesrat vorzustehen, sehe ich nicht als repräsentative Funktion, sondern vielmehr als Verpflichtung gegenüber dem Staat, gegenüber den Bundesländern, gegenüber den Menschen in unseren Regionen und in unseren Gemeinden.

Der Bundesrat ist die Stimme der Länder, die einzige institutionelle Stimme der Länder in Wien und in der Bundespolitik, und deshalb steht meine Präsidentschaft unter dem Leitgedanken, der weit über eine Amtsperiode hinausgeht: „Starke Regionen: digital. engagiert. zukunftsorientiert.“

Dieser Leitgedanke ist mehr als nur ein Motto, er ist ein politischer Auftrag. Österreich verdankt seine Stabilität, seine wirtschaftliche Stärke und seine gesellschaftliche Vielfalt maßgeblich unserem föderalen Aufbau. Unser Land lebt davon, dass Verantwortung nicht zentral in Wien, sondern draußen in den Regionen, in den Bundesländern, in den Städten und in den Gemeinden stattfindet. Die Regionen sind nicht der Rand des politischen Systems, sondern vielmehr das Fundament. Demokratie entsteht halt dort, wo sie nah am Menschen ist. Sie wächst aus Nähe, aus Verantwortung vor Ort und aus der Möglichkeit, sich einzubringen. Und ein funktionierender Föderalismus sorgt dafür, dass Verantwortung dort wahrgenommen wird, wo die Auswirkungen politischer Entscheidungen am stärksten spürbar sind.

Vor diesem Hintergrund verdient eine Initiative besondere Aufmerksamkeit: Die Landeshauptleute von Tirol und Vorarlberg haben gemeinsam ein Konzept zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit unserer Länder mit dem Bund vorgelegt. Diese Initiative ist ein klares Signal. Sie zeigt, Föderalismus bedeutet nicht Stillstand, Föderalismus bedeutet vielmehr Reformbereitschaft. Ziel ist es, staatliche Strukturen effizienter zu gestalten, Zuständigkeiten klarer zu ordnen und Doppelgleisigkeiten abzubauen. Es geht dabei nicht um Machtverschiebung, sondern es geht um eine bessere Zukunft, um eine bessere Zusammenarbeit – oder, anders gesagt: Die Zukunft unseres Staates liegt nicht in der Zentralisierung, sie liegt in kluger Kooperation. Gerade Tirol ist da mit wichtigen Impulsen schon vorausgegangen. Unser Bundesland verbindet wirtschaftliche Stärke, regionale Identität und Innovationskraft. Tirol zeigt, dass regionale Verantwortung und nationale Perspektive kein Widerspruch sind.

In diesem Zusammenhang gilt mein besonderer Dank unserem Landeshauptmann Anton Mattle. (Beifall.) Sein politisches Wirken ist geprägt von Partnerschaft, von Verlässlichkeit und von einer klaren Zukunftsorientierung. Unter seiner Führung hat Tirol wichtige Initiativen auf den Weg gebracht, die weit über die Grenzen des Bundeslandes hinausreichen, Initiativen, die einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des österreichischen Föderalismus leisten.

Wenn wir über die Zukunft Österreichs sprechen, dann wissen wir auch, die Zukunft beginnt nicht in abstrakten Konzepten, sondern sie beginnt vor Ort, bei uns in den Gemeinden, wenn so viele Gemeindebürger da sind, in unseren Regionen, aber vor allem auch in unseren Bundesländern. Dort werden Lebensräume gestaltet, dort entstehen wirtschaftliche Perspektiven, und dort entscheidet sich auch, ob junge Menschen in Österreich eine Zukunft sehen. Darum ist die Einbindung der Jugend ein zentraler Schwerpunkt meiner Präsidentschaft. (Beifall.)

Eine lebendige Demokratie braucht junge Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und mitgestalten wollen. Dazu gehört vor allem, Regionen so zu gestalten, dass sie attraktive Lebensräume sind.

Ein weiterer unverzichtbarer Pfeiler unserer Zusammenarbeit, wir haben es heute schon gehört, ist das Ehrenamt. Das Land Tirol hat das Jahr des Ehrenamtes ausgerufen. Hunderttausende Menschen in Österreich engagieren sich – in Einsatzorganisationen, im Sozialbereich, im Gesundheitsbereich, im Sport –, und das sieht man vor allem in den vielen Vereinen in unserem Land. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre unser Land nicht das, was es heute ist. Gerade die Vereine sind das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie verbinden Generationen, sie stärken den Zusammenhalt und sie schaffen Gemeinschaft. (Beifall.)

Stellvertretend dafür – der Applaus war eine Sekunde zu früh – heute ein herzliches Danke an alle Vereine, vor allem aus meiner Gemeinde, die sich zwei Tage freigenommen haben und hierher nach Wien gefahren sind. (Beifall.)

Als Bürgermeister mit einer funktionierenden Dorfgemeinschaft weiß ich es sehr zu schätzen, dass so viele gekommen sind – wirklich danke schön!

Der dritte Aspekt meiner Präsidentschaft ist die Digitalisierung. Wir haben unseren Digitalisierungslandesrat – jetzt wollte ich schon -staatssekretär sagen – hier. Digitale Infrastrukturen sind mittlerweile Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, für moderne Verwaltung und gleichwertige Lebensbedingungen. Doch Digitalisierung ist kein Selbstzweck: Es geht um Handlungsfähigkeit, es geht um Chancen, es geht um Resilienz, und es geht darum, dass Regionen ihre Zukunft selber gestalten können. Und wenn wir unsere Bürgermeister hier haben, sehen wir, Osttirol ist schon ein Musterbeispiel dafür, wie wir digital unsere Region selbst in die Hand genommen haben, wie wir unsere Digitalisierung ausgebaut haben, wie wir sie mittlerweile in Wert setzen können.

Gerade für diese ländlichen Räume eröffnet Digitalisierung eine enorme Möglichkeit. Sie kann Entfernungen überwinden, neue Perspektiven schaffen und die Lebensqualität verbessern. Klar ist jedenfalls: Die digitale Gemeinde ist kein fernes Zukunftsbild, sie ist ein konkreter Gestaltungsauftrag für die kommenden Jahre. (Beifall.)

Meine Damen und Herren, Österreich steht zweifellos vor großen Herausforderungen, doch unser Land verfügt über sehr große, noch viel größere Stärken: Wir haben engagierte Bürgerinnen und Bürger, wir haben leistungsfähige Gemeinden, wir haben innovative Regionen, und wir haben ein starkes föderales System. Diese Stärken gilt es zu nutzen, und die Landeshauptleutekonferenz hat ihren Vorsitz unter das Motto „Bergauf für Österreich“ – jetzt hätte ich fast „Osttirol“ gesagt, aber in diesem Fall: „Bergauf für Österreich“ – gestellt. Dieses Motto beschreibt die Realität sehr treffend: Fortschritt ist selten einfach, er verlangt Orientierung, Zusammenhalt und Ausdauer. Der Weg nach oben gelingt nicht von alleine, es braucht Anstrengung. Er gelingt nur dann, wenn Bund, Länder, Gemeinden und Regionen gemeinsam Verantwortung übernehmen, wenn Kooperation wichtiger ist als Zentralisierung und wenn wir gemeinsam an einer starken und zukunftsfähigen Republik arbeiten. (Beifall.)

Wenn uns das gelingt, wird Österreich auch in Zukunft ein starkes, ein erfolgreiches und vor allem ein lebenswertes Land bleiben! – Herzlichen Dank. (Beifall.)


Es folgt ein Musikstück.


(Beifall.)

Thomas Saurer: Sehr geehrte Damen und Herren! Wir dürfen nun im Festakt fortfahren. Ein herzliches Dankeschön der Bläsergruppe der Musikkapelle Oberlienz! Wir haben bereits vom Herrn Bundesratspräsidenten gehört, das Motto in der Landeshauptleutekonferenz lautet: „Bergauf für Österreich“. „Bergauf“ bedeutet, dass der Weg noch anspruchsvoller wird, mehr Kraft und Ausdauer erfordert. Gleichzeitig steht dieses Motto für Entwicklung und Fortschritt, die nur durch Einsatz und Durchhaltevermögen möglich sind. Kurz gesagt: „Bergauf“ heißt, es wird anstrengend, aber es führt nach oben.

Ich darf nun unseren Landeshauptmann von Tirol, Herrn Anton Mattle, für seine Grußworte an das Rednerpult bitten. (Beifall.)

Grußworte

Anton Mattle (Landeshauptmann von Tirol): Wir haben es bereits bei den Worten des Bundesratspräsidenten Markus Stotter gehört: Es ist unwahrscheinlich schwierig, von hier vorne aus Aufmerksamkeit zu erreichen, noch dazu, weil nur noch meine Rede dem Buffet im Wege ist. Ich weiß schon, das macht definitiv unsympathisch, aber jetzt probiere ich es mit diesem Handmikrofon, zum einen unwahrscheinlich laut – das braucht es vielleicht auch gelegentlich –, aber ich möchte ganz einfach auch die Gelegenheit nutzen, um Wertschätzung und Dank zum Ausdruck zu bringen.

Geschätzter Herr Bundesratspräsident, lieber Markus! Geschätzter stellvertretender Bundesratspräsident, lieber Daniel! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Regierungsmitglieder aus Tirol! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Freunde der liberalen Demokratie! Eine liberale Demokratie braucht auch Schutzmechanismen, und ich bin davon überzeugt – weil im Moment ja nicht nur die liberale Demokratie unter Druck steht, sondern ein Stück weit auch der Bundesrat unter Druck steht, ist dies unbedingt auch zu erwähnen –, zwei Kammern gewährleisten ganz einfach auch, dass liberale Demokratien von Bestand sind. (Beifall.)

Da der Herr Bundesratspräsident ja das große Geheimnis gelüftet hat, dass ich heute Geburtstag habe, habe ich mir ein Zahlenspiel überlegt: Ich werde also tatsächlich 63 Jahre alt, aber wenn man sechs und drei zusammenzählt, dann kommt neun heraus – und Österreich hat neun Bundesländer! (Beifall.)

Ich sage das aus dem Grund, weil ich davon überzeugt bin, dass Föderalismus, wenn er richtig angewandt wird, wenn man im Zusammenspiel mit der Republik auch Strukturen bereinigt, durchaus einen großen Mehrwert auch für die Gesellschaft hat. Es war mir wichtig, dies eingangs zu erwähnen. 

Das Zweite: Der Gottesdienst im Stephansdom, dann der gemeinsame Marsch, der gemeinsame Weg hierher zum Parlament, dann der landesübliche Empfang, und besonders berührend für mich war das Hissen der Fahne. Es mag ein Zufall gewesen sein, dass gerade beim Hissen der Fahne ein Windhauch die Fahne bewegt hat und der Tiroler Adler gut sichtbar war. Dieses Sichtbarmachen des Tiroler Adlers bedeutet für mich ja immer auch Freiheit. Der Adler ist ein Symbol der Freiheit, und wenn wir Freiheit erleben wollen, dann brauchen wir diese Freiheit auf politischer Ebene, wir brauchen aber auch Freiheit im Sinne von Unabhängigkeiten.

Deshalb ist diese Reformpartnerschaft Österreichs etwas ganz, ganz Wichtiges, denn wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann müssen wir Prozesse optimieren, dann müssen wir Doppelgleisigkeiten aus dem Weg räumen und dann gemeinsam mit dem Bund einen Weg entwickeln, damit Österreich nach wie vor auch jene Nation, jener Staat ist, in dem die Lebensqualität am höchsten ist. Sie, geschätzte Damen und Herren, tragen alle dafür eine große Verantwortung! (Beifall.)

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern: Markus Stotter war ein Stück weit auf der Suche nach einem Motto. Was für ein Motto könnte er seiner Präsidentschaft hinterlegen? Man denkt zuerst: Wir brauchen etwas im Bereich des Sozialen, wir brauchen etwas im Bereich des Ehrenamtes. Das habe ich dann schon besetzt gehabt, und er hat ein Motto ausgewählt, das zu Österreich, zu Tirol, aber vor allem auch zu seinem Heimatbezirk nicht besser passen könnte. Er hat es schon erwähnt: „Starke Regionen: digital [...]“. Der Bezirk Lienz war die erste Smart Region, die erste digitale, vernetzte Region Österreichs – Digitalisierung im höchsten Ausmaß, aber mit dem Wissen, dass Digitalisierung nicht der Heilsbringer auf allen Ebenen ist, sondern dass in Digitalisierung und auch in künstlicher Intelligenz entsprechende Gefahren ruhen. Da muss daher die Demokratie funktionieren, wir müssen Gefahrenmomente mit gesetzlichen Regelungen entsprechend ausgleichen.

Das zweite Thema in seinem Ansatz ist das Engagement. Geschätzte Damen und Herren, und ich stelle das an die erste Stelle: Engagement in der Familie. Jetzt könntet ihr alle sagen: Was redet der von der Familie, wenn er an seinem Geburtstag nicht einmal zu Hause ist? – Ich habe mir gestern am Abend freigenommen. Ich war mit meiner Familie zum Abendessen, und meine Familie hat eine Bandbreite: Der Jüngste ist eineinhalb Jahre, das ist Hugo, und die Ältesten sind die Schwiegermama und meine Mama, die sind 92. In Summe waren wir zwölf Leute. Das ist Familie! Der Verbund der Familie ist etwas Großartiges, deshalb sage ich: Engagement in der Familie.

Das Zweite: Engagement am Arbeitsplatz. Arbeiten ist etwas Besonderes, Arbeiten ist nicht selbstverständlich, Arbeit zu haben auch nicht – und vor allem nicht: Arbeit zu haben, die sinnstiftend und lebenserfüllend ist. Österreich bietet dies. Darauf können wir durchaus stolz sein. (Beifall.)

Das Dritte beim Engagement ist dann tatsächlich auch das Ehrenamt. Jetzt wissen wir wohl, dass sich ungefähr jeder Zweite und jede Zweite in Österreich freiwillig engagiert, in Tirol sind es sogar 54 Prozent. Das ist eine Leistung, die nicht bezahlbar ist; aber noch viel mehr, abseits vom Finanziellen, sind die freiwillig Arbeitenden, sind unsere Vereine auch der Kitt in unserer Gesellschaft – und diesen Kitt brauchen wir. Wir sind ein Stück weit verunsichert, wir sind ein Stück weit zerrüttelt. Liebe Ehrenamtliche, herzlichen Dank und ein Vergeltsgott für euren Einsatz! (Beifall.)

Das Letzte noch: die Zukunftsorientiertheit. Man fragt dann oft bei den Tirolern, wenn sie mit ihren Trachten und mit den Schützen aufmarschieren: Ja was ist denn das? – Ich kann euch sagen: Tirol hat ein dermaßen starkes traditionelles Fundament, das auf den Traditionsvereinen ruht, das auf den Kulturvereinen ruht, das im Sozialen ruht, ein wesentlich starkes Fundament, und auf diesem Fundament kann man auch die Zukunft aufbauen. Und nur wer ein starkes Fundament hat, der schafft es auch, im Unbill der Zukunft Bestand zu haben und die Zukunft zu gestalten. Denn eines ist schon klar: Wir müssen die Zukunft selbst gestalten, sonst gestalten sie andere für uns. Und es liegt in der Natur der Tirolerinnen und Tiroler, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. (Beifall.)

Abschließend, geschätzte Damen und Herren: Erstens bin ich beeindruckt, wie viele Leute auch aus Tirol heute anwesend sind, die auch dem Bundesrat und dem Bundesratspräsidenten Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Ich bin auch beeindruckt, dass mehr oder weniger alle im Parlament und im Bundesrat vertretenen Parteien heute bei diesem Empfang sind. Das spricht dafür, dass es abseits der starken politischen Diskussion auch Momente gibt, an denen man zusammensteht, an denen man gemeinsam schaut, dass man diese Republik entsprechend weiter gestaltet und weiterentwickelt. Alles Gute und einen schönen Abend! (Beifall.)

Thomas Saurer: Vielen Dank, Herr Landeshauptmann. 

Sehr geehrte Damen und Herren, bevor wir zum geselligen Teil dieses Abends übergehen, hören wir nun gleich die Bundeshymne und die Tiroler Landeshymne. Im Anschluss daran dürfen wir Ihnen noch einen filmischen Gruß der Osttirolwerbung präsentieren, gefolgt von einem Auftritt der Plattlergruppe Oberlienz, also ein Stück gelebte Tiroler Tradition hier im Herzen Wiens, hier im österreichischen Parlament. Ich darf auch darauf aufmerksam machen, dass hier an dieser Stelle die Führungen – Kurzführungen durch das österreichische Parlament – starten: um 19 Uhr, 19.15 Uhr und 19.30 Uhr. Nutzen Sie also die Möglichkeit, durch dieses Haus zu gehen und sich ein eigenes Bild vom österreichischen Parlament zu machen!

Bei kulinarischen Tirolspezialitäten, interessanten Gesprächen und gelebter Tiroler Gastfreundschaft setzen wir diesen Abend fort. Genießen Sie die Atmosphäre in dieser besonderen Räumlichkeit, nutzen Sie die Gelegenheit des Austausches, und lassen Sie uns heute gemeinsam die Präsidentschaft Tirols im österreichischen Bundesrat feiern! Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, und auf ein baldiges Wiedersehen in Tirol, dem Herz der Alpen! – Vielen Dank. (Beifall.)