65/SVER
12. Juni 2026
XXVIII. Gesetzgebungsperiode
Nationalratssaal
Programm
Begrüßungsworte
Hannah Scheidl – Bundesschulsprecherin
Einleitende Worte
Walter Rosenkranz – Präsident des Nationalrates
Grußworte
Christoph Wiederkehr – Bundesminister für Bildung
Fragerunde mit den Bereichssprecherinnen und Bereichssprechern für Bildung
Hermann Brückl – Abgeordneter zum Nationalrat, FPÖ, Bereichssprecher für Bildung
Nico Marchetti – Abgeordneter zum Nationalrat, ÖVP – Bereichssprecher für Bildung
Heinrich Himmer – Abgeordneter zum Nationalrat, SPÖ, Bereichssprecher für Bildung, Wissenschaft
Martina von Künsberg Sarre – Abgeordnete zum Nationalrat, NEOS, Bereichssprecherin für Bildung, Forschung, Wissenschaft
vertreten durch:
Dominik Oberhofer – Abgeordneter zum Nationalrat, NEOS, Bereichssprecher für Tourismus, Verkehr
Sigrid Maurer – Abgeordnete zum Nationalrat, Grüne, Bereichssprecherin für Bildung, Wissenschaft, Integration und Medien
vertreten durch:
Barbara Neßler – Abgeordnete zum Nationalrat, Grüne, Bereichssprecherin für Kinder, Jugend, Familie, Elementarpädagogik und Tourismus
Plenum
Grußworte
Claudia Bauer – Bundesministerin für Europa, Integration und Familie
Abschlussworte
Hannah Scheidl – Bundesschulsprecherin
Begrüßungsworte
Hannah Scheidl (Bundesschulsprecherin): Vielen Dank, es ist schon richtig ruhig hier im Saal. Wir warten noch auf ein paar Delegierte und ein paar Gäste, die derzeit unten beim Check-in stehen, aber da wir mittlerweile doch schon 22 Minuten im Verzug sind, werden wir beginnen.
Somit zur Begrüßung: Herzlich begrüßen darf ich zunächst den Gastgeber, Nationalpräsidenten Walter Rosenkranz, der heute einleitende Worte sprechen wird. (Beifall.)
Weiters darf ich auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr herzlich willkommen heißen. (Beifall.)
Es freut uns wirklich sehr, dass wir auch Hermann Brückl, Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Bildung von der FPÖ, heute zu Gast haben. (Beifall.)
Weiters freut es uns, heute Nico Marchetti, Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Bildung von der ÖVP, zu Gast zu haben. (Beifall.)
Weiters begrüßen dürfen wir Heinrich Himmer, Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Bildung und Wissenschaft der SPÖ. (Beifall.)
Ein weiterer Gast ist Dominik Oberhofer, Abgeordneter zum Nationalrat, in Vertretung der Bereichssprecherin für Bildung, Forschung und Wissenschaft Martina von Künsberg Sarre von den NEOS. (Beifall.)
Außerdem haben wir heute zu Gast: Barbara Neßler, Abgeordnete zum Nationalrat, in Vertretung der Bereichssprecherin für Bildung, Wissenschaft, Integration und Medien Sigrid Maurer von den Grünen. (Beifall.)
Abschließend darf ich Sie, liebe Delegierte und Gäste, sehr herzlich begrüßen. Wir freuen uns, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und am Österreichischen Schülerinnen- und Schülerparlament 2026 teilnehmen! (Beifall.)
Als Erstes darf ich unseren Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz um die Grußworte bitten. (Beifall.)
Einleitende Worte
Walter Rosenkranz (Präsident des Nationalrates): Hohes Schülerinnen- und Schülerparlament! Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter des Schülerparlaments und Gäste dieses Hauses! (Einige Schülerinnen und Schüler wenden dem Redner ihren Rücken zu.) Ja, ein sehr voller Saal – Sie haben es bemerkt –, es gibt einen derartigen Zuschauerandrang, dass sogar die Kolleginnen und Kollegen an unserer Sicherheitsschleuse in der Früh schon das eine oder andere zu schwitzen gehabt haben.
Ich heiße Sie alle sehr herzlich willkommen im sogenannten Hohen Haus, in jenem Haus, das wie kein anderes für unsere gemeinsame Demokratie steht. Interessanterweise wird das Parlamentsgebäude im Fernsehen immer als Hintergrundkulisse genommen, ob Regierungsmitglieder oder andere Politiker abgebildet sind. Die Fassade dieses Hauses am Ring ist ein Symbol für unsere Demokratie.
Es ist mir eine besondere Ehre, Sie auch heute hier begrüßen zu dürfen, denn Sie sind nicht nur Gäste dieses Hauses, Sie sind letztlich auch die Zukunft, und wenn ich Haus sage, dann meine ich damit dieses Gebäude, diese denkmalgeschützte Räumlichkeit – hervorragend saniert, barrierefrei und geöffnet –, ich meine damit aber auch Sie als Zukunft der Demokratie insgesamt.
Sie alle – Ihre Stimmen, Ihr Denken und Ihr Engagement – geben unserer Demokratie Kraft und Richtung. Das Österreichische Schülerinnen- und Schülerparlament ist mehr als ein Projekt, es ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass demokratische Teilhabe gelernt, gelebt und weiterentwickelt werden kann. Wenn ich auf meinem Platz jetzt – ich konnte schon ein bisschen hineinschauen – diese Liste der Leitanträge, 24 an der Zahl, sehe: Herr Bildungsminister, da bekommen Sie einmal ein ordentliches Packerl mit. Meine Damen und meine Herren Bildungssprecher, da haben Sie auch ein schönes Packerl mit für Ihre tägliche Arbeit.
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie lebt vom Interesse an Anliegen anderer, vom respektvollen Austausch unterschiedlicher Meinungen – manchmal auch durchaus kontrovers und scharf – und von der Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Sie lebt davon, dass Menschen sich einbringen, Fragen stellen, Position beziehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
In diesem Zusammenhang eine kleine statistische Zahl: Eine Studie, die das Parlament alljährlich macht, eine Umfrage unter 16- bis 26-Jährigen hat ergeben, dass 89 Prozent dieser Altersgruppe die Demokratie für die beste Staatsform halten. – Luft nach oben!
Das Österreichische Schülerinnen- und Schülerparlament verdeutlicht, dass demokratische Mitwirkung auch schon vor dem Wahlalter beginnen kann: Wer Interessen vertritt und gemeinsam nach Lösungen sucht, gestaltet unsere Gesellschaft aktiv mit. Ihr Einsatz zeigt, dass auch und gerade junge Menschen bereit sind, diese Verantwortung zu tragen, trotz aller nicht verifizierbaren Unkenrufe, die von einer Politikverdrossenheit auch der Jugend sprechen.
Die Jugend unseres Landes wird von Ihnen mitgestaltet mit Ideen, Tatkraft und Engagement. Nutzen Sie daher heute die Gelegenheit: Bringen Sie Ihre Gedanken ein, auch Ihre Erfahrungen, diskutieren Sie engagiert, hören Sie einander zu, und haben Sie den Mut, Ihre Überzeugungen zu vertreten!
Mein Dank gilt auch den Abgeordneten aller Parlamentsklubs, die das Österreichische Schülerinnen- und Schülerparlament auch in diesem Jahr begleiten und mit ihrem Engagement unterstützen. Es ist ein wichtiges Zeichen gelebter Demokratie und auch des Selbstverständnisses, des Ethos der Abgeordneten, am heutigen Tag hier zu sein, ihre Erfahrungen zu teilen und den Dialog mit jungen Menschen zu suchen. Gerade diese gemeinsame Bereitschaft, über Parteigrenzen hinweg die politische Mitwirkung der nächsten Generation zu fördern, unterstreicht die Bedeutung dieses Formats, und so stärkt – so hoffe ich – das auch das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen.
Aus dieser Umfrage zwei andere Zahlen: Diese Umfrage hat ergeben, dass die 16- bis 26-Jährigen zu 89 Prozent für die Demokratie sind, aber dass in dieser Altersgruppe nur knapp über 40 Prozent der Institution Parlament und knapp unter 40 Prozent der Institution Bundesregierung vertrauen. Wenn ich zuerst gesagt habe, es ist Luft nach oben, so ist es in diesem Fall nicht nur Luft, denn im Verhältnis dazu sind die 10 Prozent ein Lüfterl. Vielleicht dient auch diese Veranstaltung dazu, dass Sie die Institution Parlament kennenlernen und wissen, wie diese Institution arbeitet, und das auch so in Ihre Altersgruppe hineintragen können, damit sich diese Luft nach oben deutlich verringert.
Unser Parlament ist ein fester Kern österreichischer Demokratie. Hier werden Bundesgesetze beschlossen, die das Zusammenleben in unserem Land gestalten. Doch die Qualität unserer Demokratie hängt nicht allein von Institutionen ab, sie hängt von den Menschen ab, die sie mit Leben erfüllen, von Bürgerinnen und Bürgern, die sich informieren, mitdenken und mitgestalten.
Dass Sie heute hier sind, zeigt, dass Ihnen die Zukunft unseres Landes nicht gleichgültig ist. Dieses Interesse und dieses Engagement verdienen Anerkennung und Respekt. Vielleicht wird die eine oder der andere von Ihnen auch später einmal in unterschiedlichen Bereichen Verantwortung übernehmen – sei es in der Politik, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, im Ehrenamt oder in der Zivilgesellschaft. Die Erfahrungen, die Sie hier im Schülerinnen- und Schülerparlament sammeln, können dabei wertvolle Wegbegleiter sein.
Ich wünsche Ihnen spannende Debatten und erfolgreiche Verhandlungen, vor allem aber wünsche ich Ihnen die Erfahrung, dass Demokratie etwas ist, das von Beteiligung lebt, und dass jeder und jede Einzelne dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann. – Vielen Dank. (Beifall. – Präsident Rosenkranz – in Richtung der ihm den Rücken zukehrenden Schülerinnen und Schüler –: Es geht schon wieder, Sie können sich wieder umdrehen! – Ruf: Danke schön! – Präsident Rosenkranz: Gerne! – Ruf: Statement!)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, Herr Nationalratspräsident.
Als Nächstes darf ich unseren Bildungsminister Christoph Wiederkehr um seine Worte bitten. (Beifall.)
Grußworte
Christoph Wiederkehr (Bundesminister für Bildung): Vielen Dank, Frau Bundesschulsprecherin als Vorsitzende! Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Vor allem: Liebe Schülerinnen und Schüler – heute in Abgeordnetenfunktion im Hohen Haus! Ich freue mich, dass Sie bereit sind, hier diese Funktion einzunehmen und miteinander zu diskutieren. Es freut mich auch, dass ich das erste Mal bei diesem Schüler:innenparlament im Hohen Haus mit dabei sein kann. Es ist für mich eine nette Erinnerung: Ich war nämlich selber Schulsprecher – ich bin in Salzburg groß geworden – und war damals einmal im Landesschüler:innenparlament. Ich kann mich bis heute sehr, sehr gut an die hitzigen Debatten damals erinnern, die mich auch motiviert haben, dranzubleiben und weiter Politik zu machen, um so die Schulen für die Zukunft zu verbessern, und ich freue mich, dass ich heute als Bildungsminister zu Ihnen sprechen darf, um auch Ihre Anliegen als Schülerinnen und Schüler in die politische Arbeit mit aufzunehmen.
Warum ist das so wichtig? – Damals im Salzburger Schüler:innenparlament hatte ich den Eindruck, dass die Schule nicht gut genug auf das Leben vorbereitet und dass die Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend in die Politik einbezogen werden. Beides möchte ich als Bildungsminister anders machen: Ich möchte die Schulen modernisieren, dass sie gut auf das Leben vorbereiten, und ich möchte euch als Schülerinnen und Schüler in die politische Arbeit mit hineinholen, euch zuhören, euch involvieren, denn das ist das Fundament für eine gute Schule. Denn: Für wen ist die Schule da? – Für euch Schülerinnen und Schüler, vor allem für die Schülerinnen und Schüler, die ihr vertretet, denn es geht um eure Zukunft, es geht darum, dass ihr eine gute Bildung für eure Zukunft bekommt und dass ihr in wichtigen Fragestellungen auf das Leben vorbereitet werdet.
Ich sehe in euren Anträgen viele Themen, an denen auch wir im Bildungsministerium gerade arbeiten oder auch schon in der Koalition einen Kompromiss, einen Konsens gefunden haben – beispielsweise betreffend eine stärkere Finanz- und Wirtschaftsbildung, dass man wirklich schon in der Schule Grundlagen der Wirtschaft, der Volkswirtschaft, aber auch der persönlichen Wirtschaftsführung lernt: Was ist zum Beispiel eine Investition, was ist ein Mietvertrag?, damit wirklich hautnahe Dinge, die man im Leben braucht, auch in der Schule vermittelt werden.
In einem weiteren Antrag, den ich gesehen habe, ging es um Demokratie. Da sehe ich wie der Herr Präsident: Da haben wir Ausbaumöglichkeiten und haben einen Bedarf, die Demokratie in Österreich zu stärken und auch die junge Generation für die Demokratie zu begeistern.
Es gibt da eine schlechte und eine gute Nachricht: Die schlechte wurde schon genannt, nämlich dass weniger junge Menschen an die Demokratie glauben. Es gibt aber auch eine positive Nachricht, nämlich dass sehr viele junge Menschen mehr gehört werden wollen, mitreden wollen, sich engagieren wollen, und dafür steht ihr als Schulsprecherinnen und als Schulsprecher – dass ihr Verantwortung in eurer Schule übernommen habt –, und dass es ganz viele andere Schülerinnen und Schüler gibt, die gehört werden wollen, die sich einbringen wollen, und dafür ist das Schüler:innenparlament da.
Deshalb möchte ich euch für eure Bereitschaft, Verantwortung in eurer Schulgemeinschaft zu übernehmen, sehr herzlich danken und euch auch für die Zukunft alles, alles Gute wünschen und – das Schuljahr ist ja nicht mehr so lang – dann auch schon schöne Sommerferien und für die, die noch wahlkämpfen, einen guten Wahlkampf.
Davor möchte ich noch einen Dank aussprechen, sowohl an mein Team im Bildungsministerium als auch an die Parlamentsdirektion gemeinsam mit der Bundesschüler:innenvertretung, dass es diesmal möglich war, dass auch Schülerinnen und Schüler zuschauen können, die vielleicht noch nicht Schulsprecherinnen und Schulsprecher sind. Hier der Aufruf: Sich zu engagieren zahlt sich aus! Bringt euch im Leben ein!
Viel Spaß, viel Freude bei der Diskussion heute im Schüler:innenparlament! (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank auch für Ihre Grußworte.
Fragerunde mit den Bereichssprecherinnen und Bereichssprechern für Bildung
Vorsitzende Hannah Scheidl: Für die Bildungssprecherinnen und Bildungssprecher haben wir ein Handmikro bereitgelegt – und zusätzlich für alle Delegierten –, denn die Bildungssprecherinnen und Bildungssprecher haben jeweils zwei Fragen bekommen, die sie uns jetzt ganz kurz beantworten dürfen.
Anfangen würde ich mit Herrn Brückl von der FPÖ.
Diese Fragen wären: Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken: Welche Dinge haben Sie als positiv in Erinnerung behalten und welche würden Sie ändern?
Die zweite Frage ist: Welcher bildungspolitische Schwerpunkt soll genau jetzt umgesetzt werden?
Hermann Brückl (Abgeordneter zum Nationalrat, FPÖ): Vorerst einmal vielen Dank für die herzliche Begrüßung und auch für die Einladung heute hierher! Ich freue mich, dass ich wie gesagt heute wieder hier sein kann, es ist ja nicht das erste Mal. Ich halte es auch für ganz wichtig, dass wir dieses Schülerparlament hier in Wien, sozusagen hier im Zentrum der Demokratie haben und dass das jährlich abgehalten wird, weil es Ihnen die Möglichkeit bietet, dass Sie Ihr Engagement, das Sie einerseits in der Schule an den Tag legen, und Ihren Einsatz hier wirklich auch vertiefen können und dass Sie hier diskutieren können.
Ich möchte euch für diesen Tag auch noch eines wünschen, nämlich: Ihr werdet unglaublich viele unterschiedliche Meinungen hören, ihr werdet vielleicht oder wahrscheinlich scharf und hart diskutieren, aber ich glaube, es ist auch eine Frage des Respekts, dem anderen zuzuhören, und es ist vor allem auch so – und das solltet ihr immer auch im Hinterkopf haben –, dass es der andere auch gut meint. Ich glaube, in diesem Sinne lässt sich viel leichter und viel offener gerne einmal diskutieren.
Zur Frage, wie es früher war: Ich glaube, das lässt sich gar nicht vergleichen mit heute, denn damals war eine völlig andere Zeit. Die technischen Mittel, wie sie heute zur Verfügung stehen, gab es nicht. Es gab also keine Handys, die irgendwie in der Schule Thema gewesen wären, der Computer war in den Kinderschuhen, daher war die Situation eine gänzlich andere. Das, was ich von damals mitgenommen habe, was mir gefallen hat, um es einfach zu formulieren, ist die Tatsache, dass wir damals im direkten, im persönlichen Kontakt viel intensiver, glaube ich, miteinander gesprochen haben, als das heute der Fall ist. Das zieht sich durchs ganze Leben: Die Kommunikation hat sich geändert. – Das aber habe ich mitgenommen, und ich glaube, dass man durchaus auch in den Schulen diesen sozialen Austausch wieder stärken muss, den Austausch untereinander – miteinander zu reden, Ideen gemeinsam auf die Welt zu bringen, und zwar ohne das Handy, ohne irgendwelche sozialen Medien, sondern wirklich im Austausch und im Gespräch.
Was ich ändern würde – wenn es ganz schnell gehen muss –: Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren gerade in der Bildungspolitik immer wieder sehr, sehr viel an neuen Ideen gehört, es wurde viel geändert, es hat viele Experimente und Versuche gegeben. Ich glaube, es ist dringend notwendig, dass wir hier in Bezug auf Bildungspolitik mehr Ruhe in die ganze Diskussion bringen, dieses Experimentieren sozusagen ein bisschen zurücknehmen und dass man einfach wieder darauf achtet, dass den essenziellen Dingen, die für das Leben notwendig sind, wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt und mehr Wert beigemessen wird, sprich dem, was wir alle können müssen, ob es um das Lesen, Rechnen und Schreiben geht oder ob es auch darum geht, miteinander ordentlich zu kommunizieren.
Das Zweite, das ich auf jeden Fall auch sofort hier festhalten würde, ist das klare Bekenntnis zur Matura, zu einer Differenzierung und zu einem Leistungsprinzip. Leistung halte ich für etwas ganz, ganz Wichtiges.
In diesem Sinne wünsche ich euch heute auch ein sehr leistungsstarkes Schülerparlament, dass ihr hier am Ende des Tages gute Ergebnisse präsentieren könnt und dass ihr so viel wie möglich an Anträgen heute abarbeiten könnt.
Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich für die Einladung und wünsche diesem Schülerparlament einen erfolgreichen Verlauf, so wie in den vergangenen Jahren auch. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, Herr Brückl.
Als Nächsten bitten wir Herrn Marchetti um die Begrüßungsworte – mit den zwei Fragen: Was war Ihr Auslöser, in der Bildungspolitik tätig zu werden, und wie definieren Sie Qualität in der Bildung? Die zweite Frage ist: Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf im österreichischen Bildungssystem?
Nico Marchetti (Abgeordneter zum Nationalrat, ÖVP): Ich darf gleich vorausschicken, ich war immer ein politisch interessierter Mensch, auch ein politisch interessierter Jugendlicher, und ich habe mir halt gedacht, als ich im Klassenzimmer gesessen bin, so wie ihr es jetzt tut: Wenn ich der Meinung bin, es ist in der Schule ungerecht, dann möchte ich das nicht flüstern müssen; wenn ich der Meinung bin, die Lehrpläne sind nicht aktuell oder die technische Ausrüstung in der Schule passt nicht, dann will ich das nicht flüstern müssen, sondern ich will es laut und deutlich sagen können, und am besten auch mit irgendeiner Idee, die mehrere teilen, sodass wir es schaffen, das auch umzusetzen. – Das war meine Motivation, warum ich gesagt habe, ich stelle mich auf bei einer Klassensprecherwahl, dann auch bei der Schulsprecherwahl und letztendlich dann auch bei der Wahl zur Bundesschülervertretung, weil ich einfach der Meinung bin, dass eine Selbstvertretung immer die authentischste und beste Vertretung ist, wenn man selbst sagt – wenn man betroffen ist –, wie man es gerne hätte, was man für Verbesserungsbedarf sieht, dafür auch Vorschläge machen kann und diese auch gehört werden.
Deswegen, glaube ich, ist es auch wichtig, dass man Schülervertreter weder einschüchtert noch nicht ernst nimmt oder überhört, sondern dass man Schülervertreter auf Augenhöhe behandelt, dass man sie ernst nimmt und in die politischen Prozesse einpflegt. Deswegen bin ich auch sehr, sehr stolz, dass ihr heute da seid, in unserem Nationalratssaal, an unserem Arbeitsplatz, denn wir haben damals, 2019 – 2018 sogar –, hier in diesem Haus, da, wo ihr gerade sitzt, etwas gemacht, was kein anderes Land auf der Welt in dieser Ausprägung hat, und zwar, wir haben das Schülerparlament gesetzlich verankert, und dies, worauf ich besonders stolz bin, in einem wirklich einstimmigen Beschluss aller Parlamentsparteien.
Das heißt, uns als Politik ist diese Institution etwas wert, deswegen seid ihr heute auch da und deswegen kann ich euch nur ermuntern: Nutzt diese Bühne, nutzt diese Chance, bringt eure Vorschläge ein, und vor allem nicht nur sachlich – und da muss ich Ihnen widersprechen, Herr Brückl, denn Ruhe wird im politischen Diskurs ein bisschen überschätzt. Ruhe, wenn sie auf Konsens beruht, ist ja in Ordnung – wenn man alles ausdiskutiert hat und hinter etwas steht –, wenn Ruhe aber heißt, dass man vielleicht andere Vorschläge hat und sie nicht sagt, finde ich es für den demokratischen Diskurs nicht so super; und wenn man Ruhe als Resignation definiert – im Sinne von: es zahlt sich eh nicht aus, etwas zu sagen –, halte ich Ruhe auch nicht für so super.
Also seid nicht ruhig, sondern seid laut! Steht zu dem, was ihr für richtig und gut für das Bildungssystem hält! Ich finde, wir reden in der Politik viel zu viel darüber, dass gestritten wird. Diese Institution, das Parlament, die Demokratie baut darauf auf, dass wir Pro- und Kontrarede haben. Ein Streit ist immer so negativ geframt; es ist eine Auseinandersetzung. Unsere Verfassungsväter haben sich nicht gedacht, wir brauchen ein Parlament, damit wir ruhig sind und damit wir nicht streiten, sondern sie haben gesagt: Wir brauchen ein Parlament, wo wir geordnet, strukturiert und repräsentativ über das diskutieren, was das Land bewegt, unterschiedliche Meinungen austauschen und dann abstimmen und einen Konsens finden, der eine Mehrheit findet.
Ich glaube, ein Grund, warum Politik so negativ gesehen wird, ist auch, weil alles immer gleich als Streit gesehen wird, deswegen wirklich mein Appell: Diskurs ist etwas Gutes, Debatte ist in der Demokratie notwendig. Deswegen: Fürchten wir uns nicht davor und lassen wir uns das nicht so als Streit framen und als etwas Negatives darstellen, sondern genießen wir die Debatte, sehen wir die Chance darin – vor allem, wenn sie produktiv und konstruktiv ist und am Ende etwas herausschaut: umso besser.
Das wünsche ich euch heute, und viel Spaß dabei. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank auch für diese Grußworte!
Als Nächsten bitte ich Dominik Oberhofer - - – Entschuldigung, Heinrich Himmer um seine Grußworte. Auch er hat von uns Fragen bekommen, und zwar: Was hat Sie persönlich dazu motiviert, Bildung zu Ihrem Schwerpunktbereich zu machen? Und welcher ist Ihr größter Wunsch in Bezug auf die Bildung der Zukunft?
Heinrich Himmer (Abgeordneter zum Nationalrat, SPÖ): Danke schön. – Guten Morgen! Die Reihenfolge wäre egal gewesen, ich hätte auch Dominik zuerst die Fragen stellen lassen. Ich glaube, es ist auch grundsätzlich wichtig, dass wir über Bildung mehr reden, denn sie bewegt uns alle.
Die Frage war ja, warum ich mich für Bildung engagiere. – Begonnen hat es eigentlich damit, dass ich in der Schule gesehen habe – so wie du es auch gesagt hast, Nico –, man trifft ja ständig irgendwie auf Ungerechtigkeiten. Es können einzelne Lehrerinnen, Lehrer sein, es können Klassenkolleg:innen sein, es kann einfach Schule allgemein sein. Das war schon der Auslöser, zu sagen: Da muss doch etwas anderes auch gehen.
Ja, also es ist schon ein bisschen was weitergegangen, aber wie man sieht – und ich habe mir eure Anträge durchgelesen –, sind wir noch durchaus ein Stück weit davon entfernt, dass es für alle gerecht zugeht, und ich finde da extrem viele coole Anträge drinnen, muss ich ehrlicherweise sagen, die ich hier sofort mit unterstützen würde, die ich aber auch in meine Arbeit im Parlament mitnehmen werde, wie zum Beispiel „Schule mit Herz und Hirn“ oder „Demokratie von Anfang an“ oder eine Stärkung von Inklusion oder, oder, oder. Also ich finde, da gibt es so viele tolle Sachen drinnen, die es wert sind, dass wir sie dann auch im Nationalrat diskutieren. Ich bin mir ganz sicher, dass das auch passieren wird, weil es ja tatsächlich so ist, dass wir auch einen, glaube ich, gemeinsamen Weg suchen müssen, wie wir junge Menschen für Politik begeistern.
Vor Kurzem, am Dienstag, war eine Gruppe der AKS da, da habe ich mich in Jugendwörtern erprobt und neben six-seven vieles andere gelernt, nämlich dass man einfach auch schauen muss: Wie kann man Themen ansprechen, die auch für junge Menschen konkrete Verbesserung bringen? – Das ist auch das Ziel, das, glaube ich, uns umtreibt, nämlich zum Beispiel – und das finde ich auch einen wunderschönen Antrag –: mehr gemeinsame Zeit in der Schule zu verbringen, keine frühe Trennung, mehr Förderung, mehr Unterstützung und unabhängig vom Geschlecht auch eine Stärkung jeder einzelnen Person.
Also ich finde das großartig, ich hoffe, dass heute auch viele Beschlüsse dazu von euch allen kommen, nämlich dass diese Anträge möglichst viel Unterstützung finden, und ich freue mich darauf, wenn wir darüber dann auch gemeinsam – vielleicht auch mit unterschiedlicher Meinung, aber jedenfalls ausreichend – im Plenum diskutieren können und dann hoffentlich auch die eine oder andere Weiterentwicklung bringen können, die ganz konkret im Klassenzimmer, in der Schule, im Kindergarten, an der Uni auch ankommt, denn Bildung beginnt ja nicht erst in der Schule und hört auch nicht dort auf, sondern beginnt ganz, ganz früh, eigentlich ab der Geburt, und dauert das ganze Leben lang. Also insofern ist da auch ein ganzes Leben lang Arbeit dran, Bildung gerechter zu machen und zu verbessern. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächsten bitte ich Dominik Oberhofer um seine Grußworte mit den Fragen: Wenn Sie Ihr Amt in diesem Moment zurücklegen müssten, was würden Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin mitgeben? Und gibt es im derzeitigen Schulsystem Bereiche, welche Sie als gelungen bezeichnen würden, und wenn ja, welche sind das?
Dominik Oberhofer (Abgeordneter zum Nationalrat, NEOS): Also zuerst herzlich willkommen hier bei uns! Ich bin total stolz, dass so viele Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich den Weg hierher gefunden haben. Besonders stolz bin ich, dass auch mein Sohn Louis mit seiner Klasse, mit den Wiener Sängerknaben, hier bei uns heute euch bei diesem Schüler:innenparlament zuschaut. Das ist die Partizipation, die wir tatsächlich brauchen.
Der Herr Präsident hat es angesprochen, es heißt immer, dass Jugendliche politikmüde, -verdrossen sind. Ihr seid genau das andere und oft sogar ein bisschen nerdig, so wie ich das bei meinem Sohn Louis mitbekomme: Der kennt zum Beispiel wirklich alle 183 Parlamentarier hier herinnen mit Namen, und sogar den Deutschen Bundestag haben wir besuchen müssen, das war sein Weihnachtsgeschenk. Am 22. Dezember sind wir dort aufgetaucht, knapp bevor sie zugesperrt haben. Er kennt die Geschäftsordnungen und so weiter – und das Ganze mit 14! –, ist also wirklich absolut nerdig. Genau das brauchen wir.
Wir brauchen junge Menschen, die sich so engagieren wie ihr. – Jetzt wird er ganz rot, er ist schon untergetaucht da oben. – Genau das brauchen wir, wir brauchen junge Menschen, die wirklich aktiv werden und die Politik gestalten. So wie es Christoph Wiederkehr gesagt hat: So beginnt es, und das ist dann auch, wie wir in Reformen kommen.
Ich bin für Europa, Infrastruktur und Verkehr zuständig. Also wenn ich heute mein Amt zurücklege, dann habe ich viel, viel, was ich mir vom ÖBB-Rahmenplan über Infrastrukturprojekte wünschen würde oder meinem Nachfolger mitgeben würde – leider nicht zur Bildung. Ich habe mir aber eure Anträge durchgelesen und ich habe da einen Antrag von Kilian Sommerbauer gesehen oder überflogen, und Kilian ist mein Mann: Er kommt aus der Steiermark, habe ich gelesen, und er hat einen Antrag hierher mitgebracht, und zwar: „Mehr als eine Note – Sehen, was“ wirklich „zählt“, und das ist wirklich in meine Biografie in Rot hineingeschrieben.
In der 3. Klasse Gymnasium, da kam Latein, sah und siegte. Ich habe einen Fünfer gehabt und mein Papa hat gesagt: Du, wenn es in der 3. Klasse Unterstufe so anfängt, dann schauen wir uns um Alternativen um, und ich bin in eine Waldorfschule gekommen. Ich habe dann auch hier in Wien an einer Waldorfschule maturiert und muss sagen, der große Unterschied für mich war: Ich war nicht mehr nur eine Note, sondern ich habe ein Zeugnis bekommen, das ungefähr doppelt so dick war wie das (ein mehrseitiges Schriftstück in die Höhe haltend), meistens dicker als das von meinen Kolleginnen und Kollegen, mit einer mündlichen Beurteilung.
Das ist total spannend. Ich bin heute 46 Jahre alt, und wenn ich daheim die Zeugnisse durchgehe – und das mache ich eigentlich jedes Jahr, dass ich mir das durchlese –, dann muss ich sagen: Das sind so tolle Feedbacks, die ich von meinen Lehrerinnen und Lehrern bekommen habe! – Ich weiß nicht, wie es meinen Kollegen geht. Schaut ihr euch eure Zeugnisse noch an? Das sind Noten, die jeder vergisst – aber das, das ist wirklich etwas, was bleibt, und auch heute noch, das hat meine Person und meine Persönlichkeit massiv geprägt. Deshalb, Kilian: Du bist mein Mann. Dieser Antrag ist richtig gut, und ich werde mich dafür einsetzen, vor allem beim Herrn Minister, dass wir das auch intern diskutieren. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Abschließend darf ich noch Barbara Neßler um ihre Grußworte bitten mit den Fragen: Wie würden Sie Ihren Alltag als Politikerin beschreiben? Und welches würden Sie als Ihr bildungspolitisches Herzensthema bezeichnen?
Barbara Neßler (Abgeordnete zum Nationalrat, Grüne): Zuerst einmal herzlich willkommen im Hohen Haus! Ich war selber auch Schulsprecherin, und die erste Aktion, die ich gemacht habe: Ich habe eine Partnerschule für meine Schule gesucht, und ich habe an irgend so etwas Cooles wie New York, London oder so etwas in diese Richtung gedacht. Geworden ist es Nebraska, eine superkonservative Schule. Es war also von mäßigem Erfolg geprägt.
Der Alltag als Politikerin: Im Grunde ist es ein bisschen wie so ein Überraschungsei: Du weißt eigentlich nie, was in der Woche alles passiert, denn in der Politik ist es so wie bei einer Achterbahnfahrt, es passiert alles Mögliche. Grundsätzlich ist es so: In der Politik sitzt man ganz viel in Sitzungen, ganz viel in internen Sitzungen, Nationalratssitzungen, Ausschüssen, wo extrem viel diskutiert wird. Mein Bild, als ich ungefähr in eurem Alter war – eures ist hoffentlich anders –, war so: Politik wird von alten weißen Männern, die sich irgendetwas im Hinterzimmer ausmachen, gemacht. Gott sei Dank ist es nicht so, sondern Politik lebt natürlich von dem, dass möglichst viele mitmachen. Das ist auch der Grund, warum wir natürlich möglichst viel unterwegs sind. Und genau das, was ihr heute macht – dass ihr so tolle Anträge einbringt –, ist die Grundlage, auf der wir natürlich arbeiten. Das sind die Sachen, die wir mitnehmen. Und wenn es darüber hinaus noch irgendetwas gibt: Wir als Politiker, Politikerinnen sind eigentlich wahnsinnig einfach zu erreichen. Das heißt – ich glaube, ich darf für uns alle sprechen –, ihr könnt uns immer E-Mails, Instagram-Nachrichten, was auch immer – wie ihr am liebsten kommuniziert – einfach schreiben, und wir schauen, dass wir natürlich so schnell wie möglich zurückschreiben.
Die zweite Frage, was mir bildungspolitisch ganz wichtig ist: Das ist vor allem die Bildungsgerechtigkeit, weil ich glaube, dass Kinder von Anfang an die gleichen Chancen verdienen, sprich, dass jeder die Chance haben muss, wurscht, wie viel Mama oder Papa verdient; und vor allem – das, was hier angesprochen worden ist – dass wir zu einer Schule hinkommen, wo vor allem die Stärken gefördert werden und nicht nur die Schwächen bewertet werden, und zu einer Schule, wo ihr euch selber empowern könnt, wo eure Stimme gehört wird – und da gebe ich Nico Marchetti recht: Ich glaube, es braucht nicht viel Ruhe, sondern es braucht ganz viele laute Stimmen, und vor allem ist es uns wichtig, dass ihr gehört werdet. Und das ist das, was ich euch wünsche: dass ihr immer wieder Wege findet, wo man eure Stimme hört.
Ich möchte mit einem Riesendank schließen, und zwar: Danke, dass ihr euch engagiert. Das ist alles andere als selbstverständlich. Ihr könntet alles andere in eurer Freizeit machen, und ihr habt euch entschieden, dass ihr euch für andere einsetzt. Das verdient Riesenrespekt, und darum ein Riesendankeschön von mir. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank für alle Grußworte, die wir heute schon gehört haben.
Es gibt tatsächlich noch zwei Personen, also eine Person und eine Personengruppe, die ich gerne begrüßen würde. Das ist einerseits unsere Sektionschefin Doris Wagner, die wir dort hinten finden, die uns heute auch zuhören wird. – Großer Applaus. (Beifall.)
Und – es ist bereits erwähnt worden – andererseits natürlich auch die Schulklassen, die uns vom Zuschauerbalkon heute lauschen werden. Vielen Dank, dass ihr den Weg auf euch genommen habt, um heute beim österreichischen Schüler:innenparlament dabei sein zu können.
Vielleicht für alle Delegierten im Saal: Heute sind anwesend: von 9 Uhr bis 10.30 Uhr die Polytechnische Schule Wien 15 (Beifall), die 4b und die 4d aus der Mittelschule Steinergasse (Beifall), die Mittelschule Florian-Hedorfer-Straße (Beifall), vom Campus Augarten der Wiener Sängerknaben die 3a (Beifall) und zu guter Letzt die Berufschule für Industrie, Finanzen und Transport (Beifall).
Bevor wir mit dem Plenum richtig starten können, gibt es natürlich noch ein paar organisatorische Sachen, die wir vor Sitzungsbeginn besprechen müssen. Da wäre einerseits die Geschäftsordnung. Es ist nämlich so: Ihr habt alle die Geschäftsordnung per Mail bekommen – und da der erste wichtige Punkt: Alle Personen, die die Geschäftsordnung nicht per Mail zugeschickt bekommen haben, würde ich bitten, sich bei meinem Beisitz zu melden, damit ihr die Geschäftsordnung digital bekommt.
Ich würde allerdings trotzdem gerne auf ein paar wichtige Punkte der Geschäftsordnung eingehen, und zwar:
§ 20 Abs. 2: Jeder ordentlich Delegierte hat Stimmrecht und Rederecht. – Das bedeutet, alle Delegierten hier unten im Saal dürfen hier vorne am Redner:innenpult reden und haben auch ein Stimmrecht. Wie genau das mit der Stimme funktioniert, wird euch Jan dann noch einmal erklären.
§ 20 Abs. 4 ist für dieses Ösip abgeändert. Da wir die Gäste normalerweise auf der Besuchergalerie sitzen haben, aber das heute nicht möglich ist, weil da die Schulklassen sitzen, dürfen die Gäste herunten im Saal sitzen. In den letzten Reihen befinden sich die Gästeplätze. Ich würde allerdings die Gäste so wie bei allen anderen österreichischen Schüler:innenparlamenten bitten, das Plenum bis auf die letzte Reihe nicht zu betreten. Das bedeutet, nicht nach vorne zum Redner:innenpult zu gehen et cetera, sondern sich natürlich hauptsächlich in der letzten Reihe und draußen am Gang aufzuhalten. – Danke schön.
Unter § 21 gibt es außerdem noch die Regeln bezüglich des Verhaltens im Saal. Da würde ich euch bitten, dass ihr euch die noch einmal durchlest. Außerdem dürfen während der gesamten Sitzung keine politischen Organisationen genannt werden, und unter den Begriff politische Organisationen fallen explizit auch schulpolitische Organisationen. Während der aktuellen Sitzung darf über bereits abgeschlossene Anträge keine erneute Diskussion begonnen werden. In und vor der Sitzung dürfen keine Materialien verteilt werden, die nicht von der Bundesschülervertretung stammen oder von uns genehmigt wurden. Bei Wortmeldungen dürfen keine Veranstaltungen beworben werden, die nicht von der Bundesschülervertretung organisiert oder zur Bewerbung freigegeben werden.
Und einer der wichtigsten Punkte ist: Im Sitzungssaal ist Essen und Trinken verboten. Viele kennen es vielleicht von österreichischen Schüler:innenparlamenten oder auch von den Schüler:innenparlamenten im Bundesland. Es wird so sein: Ihr seht alle die Türe da in der Mitte, direkt gegenüber dem Vorsitz. Da gibt es nämlich draußen eine Getränkestation. Ihr könnt euch jederzeit etwas zu trinken holen. Ich würde euch allerdings bitten, dann direkt wieder in den Saal hereinzukommen und das Getränk nicht mit in den Saal hereinzunehmen. Außerdem befinden sich bei der Getränkestation rechts und links auch die WCs.
Ich glaube, das wären die wichtigsten Punkte der Geschäftsordnung. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr jederzeit nach vorne zum Beisitz kommen. Falls ihr die Geschäftsordnung nicht bekommen habt, bitte auch zum Beisitz kommen.
Ein wichtiger Punkt, den wir noch haben, ist: Wenn ihr einmal geredet habt, also wenn ihr einmal am Redner:innenpult hier vorne wart, ist es wichtig, dass ihr euch dort drüben – Theresa wird ganz kurz die Listen nach oben halten – in diese Listen eintragt. Das müsst ihr nicht jedes Mal machen, wenn ihr geredet habt, sondern einfach nur nach dem ersten Mal hingehen und euch da ganz kurz eintragen. – Danke schön.
Somit darf ich gleich das Wort an den lieben Jan übergeben. Er wird nämlich jetzt ganz kurz erklären, wie das mit Openslides und dem Abstimmungstool funktioniert.
Entschuldigung: Es ist in unserer Geschäftsordnung zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber wir bitten euch alle, Sticker und auch politische Zeichen von eurem Gewand, von Laptops et cetera herunterzunehmen – das würde unter den Paragrafen des Erwähnens bei Wortmeldungen fallen.
Jetzt darf ich aber an den lieben Jan übergeben, der euch erzählen wird, wie das Openslides-Tool funktioniert. (Beifall.)
Jan Rauch (Bundesschülervertretung): Danke, Hannah. – Einen wunderschönen guten Morgen erst einmal! Ich darf euch jetzt unser Abstimmungsprogramm Openslides erklären. Ihr könnt bitte auf dem Bildschirm mitschauen und sehen, wie das nachher bei euch ausschauen wird.
Also wir verwenden Openslides den ganzen Tag für die Redner:innenliste, für Abänderungs- beziehungsweise Erweiterungsanträge, und auch die Hauptanträge werden da draufprojiziert werden. Auf diesem Monitor werdet ihr immer den Hauptantrag finden, und auf diesem Monitor werdet ihr immer den Abänderungs- beziehungsweise Erweiterungsantrag finden.
Ihr bleibt den ganzen Tag beim Autopiloten. Der Autopilot ist eigentlich das Einzige, was ihr wirklich brauchen werdet. Ich kann das jetzt gerne einmal kurz demonstrieren. Ich werde da jetzt einmal – das habe ich vorbereitet – einen Testantrag projizieren. – So schaut das nachher bei euch aus: Testantrag – unten ist die Begründung beziehungsweise sind die Forderungspunkte. Wenn nachher der Antragsteller beziehungsweise die Antragstellerin den Antrag vorgetragen hat, öffnet sich die Redeliste, und ihr könntet euch theoretisch hinzufügen. Das könnt ihr gerne einmal probieren.
Jetzt ist ganz wichtig: Vielleicht steht noch bei manchen, die nicht bei Julie beim Check-in waren, sie müssen anwesend sein, damit sie sich auf die Redner:innenliste setzen können. Wenn das der Fall ist, kommt nachher bitte kurz zu mir, dann schalten wir euch frei, dann sollte das auch kein Problem sein.
Kann sich jeder auf die Redeliste setzen? Seht ihr den Autopiloten? – Ja. Aber die Redner:innenliste ist bei euch nicht da? – Gut. Dann schauen wir gleich, was es da hat. Gebt mir nachher noch 5 Minuten.
Unter dem Punkt GO-Antrag könnt ihr „Schluss der Debatte“ beziehungsweise „Schluss der Redner:innenliste“ einreichen. Schluss der Debatte benötigt eine Zweidrittelmehrheit und Schluss der Redner:innenliste benötigt eine einfache Mehrheit. Wenn ihr nachher einen Erweiterungs- oder Abänderungsantrag einreichen möchtet, geht ihr einfach hier auf den Antrag und nachher, wenn der Antrag vorgestellt worden ist, erscheint rechts oben ein Plus. Nachher könnt ihr die Zeile auswählen – ich meine, in diesem Fall gibt es nur einen Forderungspunkt –, die ihr abändern möchtet.
Und wichtig: Ein Abänderungsantrag ändert ja die Forderungszeile ab, das heißt, ihr lasst diese Forderungszeile genau so stehen und fügt nachher die Änderung ein beziehungsweise streicht nachher diesen Textbaustein oder diesen Satz, den ihr gerne abändern möchtet, durch. Das heißt, ich würde da jetzt gerne diesen wunderbaren Testantrag abändern. Einfach erstellen, und dann seht ihr hier, ihr habt eine Änderung eingefügt.
Wenn ihr einen Erweiterungsantrag einreichen möchtet, seht ihr hier, wie das nachher ausschauen wird. In der letzten Zeile habe ich überall dazugeschrieben: Erweiterung. – Das heißt, für Erweiterungsanträge wählt ihr immer die letzte Zeile aus, lasst die Erweiterung stehen, schreibt dann einfach weiter und reicht das ganz normal wie einen Abänderungsantrag ein. – Genau.
Hier unter „Dateien“ findet ihr noch einmal die Antragsmappe und auch die Geschäftsordnung, falls ihr sie nicht per Mail bekommen habt. Und dann schaue ich mir gleich an, was da das Problem ist, warum ihr die Redner:innenliste nicht seht, und dann starten wir. – Danke schön.
Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir gerne schreiben, und sonst kommt einfach zu mir nach vor. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Danke schön, Jan. Ich hoffe, wir haben das Problem bald behoben – aber ich bin da guter Dinge, denn er ist HTLer, er schafft das schon.
Um vielleicht ganz kurz noch Folgendes zu erwähnen – das habe ich vorhin nicht gesagt –: Ihr seht alle vor euch so ein ausfahrbares, cooles Tablet. Auf dem findet ihr die Antragsmappe – das bedeutet, die könnt ihr euch auch durchschauen –, so habt ihr sie dann direkt bei der Hand. Und mir ist vorhin noch zugeflüstert worden, dass ich erwähnen darf, dass das Redner:innenpult höhenverstellbar ist. Das bedeutet, ihr könnt mit einem Knopf da auf der Seite das Redner:innenpult nach oben und nach unten fahren. – Genau.
So, hat jeder von euch die Geschäftsordnung bekommen? – Sehr gut.
Vielleicht noch einmal zur Geschäftsordnung: Bei allen Hauptanträgen habt ihr 5 Minuten Zeit, um sie vorzustellen, und bei allen Erweiterungs- und Abänderungsanträgen habt ihr 3 Minuten Zeit, um sie vorzustellen. Und für alle Rednerinnen und Redner hier vorne am Redner:innenpult: Ihr habt links eine Zeitangabe, wo die Zeit herunterläuft, und rechts so ein rotes Licht, das ziemlich zu flackern beginnt, sobald eure Redezeit sich dann schön langsam dem Ende zuneigt, und ganz rot leuchtet, wenn ihr am Ende angekommen seid. – Dies zu eurer Information.
Bis Jan fertig ist, habe ich eine Frage: Wie lange seid ihr heute angereist? Wer hat denn von gestern auf heute schon in Wien geschlafen? – Okay, doch der Großteil. Wer ist direkt von zu Hause angereist? Wer ist länger als 1 Stunde angereist? Wer ist länger als 2 Stunden angereist? Länger als drei? Länger als vier? Vielleicht sollte ich bei Vorarlberg gleich auf 9 Stunden springen? Das heißt, ich glaube, Vorarlberg hat wirklich die längste Anreise, aber ihr seid alle gestern gekommen, oder? – Ja, sehr praktisch.
An die Schulklassen: Wie lange seid ihr angereist? Länger als 1 Stunde? – Das ist praktisch.
Sehr gut, wie schaut es aus? (Die Vorsitzende berät sich mit Jan Rauch.) – Okay, sehr gut. Danke schön.
Plenum
Vorsitzende Hannah Scheidl: Dann, würde ich sagen, beginnen wir mit dem ersten Antrag, und der erste Antrag ist der Leitantrag der Bundesschüler:innenvertretung „ZENTRALmatura: Jetzt aber wirklich!“ und ich bitte für seine Vorstellung Katarina Schruiff ans Redner:innenpult. (Beifall.)
Katarina Schruiff: Liebe Schülerinnen und Schüler! Zwei Schüler:innen, dieselbe Leistung, dieselbe Klasse, dieselben Ziele – doch sobald die Matura beginnt, sitzen sie plötzlich nicht mehr mit denselben Bedingungen da: Die eine Person schreibt digital, die andere handschriftlich; die eine wurde im Unterricht auf Geo-Gebra vorbereitet, die andere nicht. Und genau hier beginnt das Problem: Gleiche Leistung braucht gleiche Chancen. Wie kann es sein, dass wir von einer Zentralmatura sprechen, wenn die Voraussetzungen einfach nicht einheitlich sind? Wie kann es sein, dass von uns dieselbe Leistung erwartet wird, obwohl wir nicht dieselben Möglichkeiten haben? Und wie kann es sein, dass Fairness unser Ziel ist, aber Ungerechtigkeit und Ungleichheit noch immer traurige Realität sind?
Die Matura soll zeigen, was wir können. Sie soll unsere Leistungen messbar machen – und nicht aufzeigen, in welche Schule wir gehen, welche technische Ausstattung wir hatten oder welche individuellen Rahmenbedingungen uns gegeben worden sind. Wer gleiche Leistungen verlangt, muss auch gleiche Chancen schaffen.
Genau deshalb fordert das österreichische Schüler:innenparlament eine österreichweit einheitliche Deutschmatura mit der Möglichkeit, diese am Laptop oder Computer inklusive Rechtschreibung zu absolvieren; eine verpflichtende Vorbereitung im Unterricht auf Geo-Gebra und CAS-Rechner, damit eben die Möglichkeit besteht, auch diese bei Prüfungen anzuwenden; die Beibehaltung der 30-Prozent-Regel, damit nicht eine einzige Prüfungswoche unsere Zukunft entscheidet; ausreichend Maturavorbereitungsstunden sowie mehr Transparenz bei Stoffgebieten und Prüfungsabläufen; eine übersichtlichere und praxisnähere Eduthek sowie eine bessere Qualitätssicherung durch das Vieraugenprinzip.
Denn: Eine zentrale Matura braucht zentrale Standards. Dabei geht es nicht um Bequemlichkeit, es geht nicht um Sonderwünsche, es geht um Chancengerechtigkeit. Es geht darum, dass jeder Schüler und jede Schülerin in Österreich dieselbe Möglichkeit erhält, das eigene Können unter Beweis zu stellen.
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die Zentralmatura endlich ihrem Namen gerecht wird! Ich bitte euch daher ausdrücklich, positiv für diesen Antrag zu stimmen. Ich freue mich schon auf das Ösip, auf konstruktive Diskussionen und auf eine gemeinsame Debatte über mehr Fairness im Bildungssystem. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, liebe Katarina. Ich würde euch bitten, kurz zu schauen, ob ihr mittlerweile die Redner:innenliste seht. – Sehr gut, ja, und ich glaube, das war ein gutes Stichwort für: Die Redner:innenliste ist geöffnet.
Ich darf nämlich als Ersten Maximilian Schlacher mit einem Redebeitrag ans Redner:innenpult bitten. (Beifall.)
Maximilian Schlacher: Sehr geehrtes Schülerparlament! Sehr geehrte Zuschauer! Sehr geehrte Politikerinnen und Politiker! Sehr geehrte BSV! Mir ist bei diesem Antrag vor allem Punkt 3 wichtig, die Einhaltung beziehungsweise Bewahrung der 30-Prozent-Regel. Ich selbst gehe in eine HTL, und in einer HTL gibt es Fächer, die auf mehreren Monaten basieren, Fächer wie Projektarbeit, Fächer wie Programmieren, Fächer wie Datenbankdesign. Das kann man nicht in einer zweieinhalbstündigen Matura abfragen, da kann man nicht überprüfen, ob alle Fachkompetenzen berechtigt sind. Deswegen finde ich Punkt 3 sehr gut, denn das ermöglicht nicht nur, dass man die Endjahresnote mit einbindet, wenn man vielleicht in dieser kurzen Zeit der Matura jetzt einen Totalausfall hat oder nicht alles beantworten kann, dass man trotzdem die Leistungen, die man über das Jahr erreicht hat – und gezeigt hat, dass man sie erreichen kann –, behält und sie auch in die Note eingerechnet werden. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächstes haben wir einen Erweiterungsantrag von Lukas Punz mit dem Wortlaut bekommen: Verpflichtende Fortbildung für alle Lehrkräfte, damit diese sich auch gescheit auskennen. (Beifall.)
Lukas Punz: Tja, also ich habe jetzt vor Kurzem Deutschmatura geschrieben, und wir – also die ganze Klasse – wollten eigentlich die Deutschmatura dann auch auf Word oder auf anderen Tools schreiben. Leider hat meine Deutschlehrerin nicht gewusst, wie das irgendwie geht, hat überhaupt keine Ahnung von diesen technischen Dingen gehabt und hat gesagt: Ja, das Bildungsministerium braucht noch, bis da ein gescheites Tool rauskommt.
Na ja, andere Schülerinnen und Schüler schreiben das auch schon auf technischen Hilfsmitteln. Das heißt, meine Lehrerin hat sich einfach nicht gescheit ausgekannt, und ich finde, da bräuchte es eine verpflichtende Ausbildung, damit jede Lehrkraft und somit auch jede Schülerin und jeder Schüler auch wirklich dann damit umgehen kann. – Genau, passt. Gut war’s. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächstes haben wir ebenfalls einen Erweiterungsantrag von Dominic Fabian Förg, mit dem Wortlaut: Ständige Evaluierung der Zentralmatura. (Beifall.)
Dominic Fabian Förg: Also guten Morgen auch meinerseits! Den Wortlaut habt ihr eh schon gehört, und zwar die ständige Evaluierung der Zentralmatura. Durch ein Gremium von entsandten Vertreter:innen der BSV, der Lehrerinnen und Lehrer, der Erziehungsberechtigten und Bildungsexperten und natürlich dem Bildungsministerium soll die standardisierte Reife- und Diplomprüfung anhand einer Evaluierungsstudie jährlich geprüft werden. Geprüft werden sollen dabei die Benotung, die Schwierigkeitsgrade, die Themenkörbe und die organisatorischen Umstände, also quasi Zeit, Datum und Hilfsmittel.
Das Gremium soll ein Jahr und ein halbes Jahr vor der Matura zusammenkommen; und bei unvorhersehbaren Ereignissen, die die Abhaltung der Vorbereitungsstunden und der Matura in Präsenz erschweren – zum Beispiel höhere Gewalt –, muss das oben genannte Gremium kurzfristig zusammenkommen und die Rahmenbedingungen adaptieren. Die teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter haben jeweils die Möglichkeit, eine Sitzung einzuberufen. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächsten ans Redner:innenpult bitte ich Luka Kolanović mit einem Erweiterungsantrag: Die wissenschaftliche Evaluierung der Matura jedes Jahr durch ein Expert:innengremium. (Beifall.)
Luka Kolanović: Guten Morgen erst mal, oder sollte ich eigentlich sagen: Grüß Gott in Vorarlberg! Ich bin froh, dass wir als Vorarlberger eben jetzt hier die längste Anreise hatten, denn das zeigt doch, wie sehr wir uns auch anstrengen, hier wirklich gute Anträge mit einzubringen.
Ich fand den Ansatz wirklich sehr gut. Ich würde ihn nur etwas genauer, detaillierter machen, dass es wirklich eine wissenschaftliche Evaluierung ist, durch ein genaues Expertengremium, dass das Ganze dann mehr spezifiziert ist. Und dieses Expertengremium sollte dann eben auch unsere Schulgemeinschaft oder alle Partnerinnen und Partner der Schulgemeinschaft, zum Beispiel die BSV, die Elternvertreterinnen und Elternvertreter, oder auch die jeweiligen Bereichssprecher:innen, Bildungssprecher:innen von den verschiedenen Parteien beinhalten.
Deswegen: Super Ansatz, aber ich würde ihn gerne etwas weiter spezifizieren. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Danke schön.
Als Nächstes bitte ich ebenfalls um einen Erweiterungsantrag: Franz Foßl. – Ich lese den Wortlaut nicht vor, denn ich glaube, es ist die Rede. (Beifall.)
Franz Foßl: Einen wunderschönen guten Morgen auch von mir! Ich war nur ein bisschen verwirrt bei Openslides, deswegen habe ich aus Versehen meine Rede reinkopiert und nicht den Antragstext – sorry dafür.
Ich möchte mich aber auf jeden Fall für den Antrag bedanken. Ich finde sehr sinnvoll und sehr positiv, dass darauf geachtet wird, die Zentralmatura so gerecht wie möglich zu gestalten. Ich finde aber, man sollte gerade bei diesem Antrag und gerade bei einer zentralen Matura auch auf die soziale Gerechtigkeit achten, denn Familien sind bei einer einheitlichen Abhaltung der Deutsch- beziehungsweise Mathematura gezwungen, Hunderte Euro für Endgeräte wie Laptops oder Taschenrechner auszugeben, und dadurch werden sozial schwächere Familien unter Druck gesetzt und benachteiligt.
Deswegen lautet mein Erweiterungsantrag: Die Sicherstellung, dass allen Maturant:innen die gleichen Ressourcen zur Abhaltung der Matura zur Verfügung stehen. Allen Schüler:innen sollen Endgeräte zum Schreiben der Deutschmatura, zum Beispiel ein Laptop, beziehungsweise zum Abhalten der Mathematikmatura, zum Beispiel ein Laptop mit Geo-Gebra oder ein CAS-Taschenrechner, bereitgestellt werden – denn für eine wirklich gerechte Zentralmatura müssen gleiche Bedingungen für alle gewährleistet werden. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächstes dürfen wir hier vorne Nick Klein begrüßen, ebenfalls mit einem Erweiterungsantrag. (Beifall.)
Nick Klein: Für mich als Vorarlberger ist es wichtig, an diesem Punkt zu erwähnen: Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich in unserem schönen Land teilweise extremst. Maßnahmen, die in Städten wie Wien oder anderen größeren Städten problemlos funktionieren, sind bei uns im sogenannten Ländle teilweise schwierig umzusetzen. Kleinere Schulstandorte oder eben lange Schulwege, wie für mich zum Beispiel – ich habe bei idealen Bedingungen circa 1 Stunde, bis ich zur Schule komme –, können zusätzliche Herausforderungen darstellen, mit denen man am Standort selber umgehen muss und die man nicht einfach generalisiert behandeln kann.
Gerade Bundesländer wie Vorarlberg, Tirol oder eben auch Kärnten zeigen, wie wichtig die Berücksichtigung von regionalen Gegebenheiten ist. Bildungspolitik muss daher österreichweit denken, gleichzeitig allerdings genügend Flexibilität bieten, um unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächste am Redner:innenpult: Carina Saringer, ebenfalls mit einem Erweiterungsantrag. (Beifall.)
Carina Saringer: Grüß Gott auch aus Kärnten! Danke für die Ansprache und dafür, auch Kärnten zu erwähnen, denn das kann ich nur unterschreiben, dass es vor allem auch mit den regionalen Gegebenheiten teilweise doch Unterschiede macht.
Zum Beispiel hatten wir das an unserer Schule. Wir haben jetzt viel darüber gehört, dass Geo-Gebra oder Taschenrechner für jeden zugänglich sein müssen. Bei uns waren diese Hilfsmittel zugänglich, und jeder hat Geo-Gebra verwenden können. Das Problem war: Wir haben drei Klassen, und eine von diesen Klassen hatte leider eine Lehrkraft, die selber keine Ahnung von Geo-Gebra hatte. Dann bringt es am Ende nicht viel, wenn man Geo-Gebra zwar hat, aber am Ende nicht einmal weiß, wie man eine Binomialverteilung damit darstellt.
Das macht also wenig Sinn, deswegen finde ich es sinnvoll, dass man fordert, dass auch die Lehrkräfte, die diese Fächer unterrichten, dementsprechend darauf vorbereitet sind, das den Schülern auch näherzubringen – und ihnen nicht einfach nur dieses Tool hinstellen und sagen: Ja, mach einmal, wird schon gut gehen! – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank für diesen Erweiterungsantrag.
Als Nächsten begrüßen wir hier vorne Aviel Kaikov mit einem Erweiterungsantrag. Ist es mit einem Abänderungsantrag? – Gut, dann müssen wir das nachher noch ändern. (Beifall.)
Aviel Kaikov: Hallo zusammen! Mein Name ist Aviel Kaikov, und ich bin Schulsprecher in Wien. Ich habe letztens maturiert, und ich bin persönlich ein Mensch - -, ich schreibe keine Deutschschularbeitsnoten. Also bei mir war es in der Schulzeit so ziemlich immer ein Fünfer – und dann immer am Ende des Jahres mit einer Prüfung ausgebessert.
Deswegen fordere ich mit meinem Erweiterungsantrag: Genau bei der Matura, wo es so wichtig ist - - – Denkt einmal ganz kurz so, bevor ich dazu komme: Wenn ein bestimmter Schüler oder eine bestimmte Schülerin immer nur Fünfer schreibt, hat ein Lehrer schon ein bestimmtes Bild von dir. Der Lehrer sieht nur einen Fünfer-Schüler, er sieht, du schreibst Fünfer. Bei meiner Schule vor allem – denn ich gehe auf eine Schule, die im gesamten Schulhaus nur 60 Schülerinnen und Schüler hat – ist es so, dass alle Lehrer alle Schüler kennen und die Lehrer die Lehrer kennen und dann automatisch auch dieses Bild teilen.
Deswegen fordere ich mit meinem Abänderungsantrag, dass nicht nur ein zweiter Lehrer durch das Vieraugenprinzip – was ich, by the way, absolut cool und sehr richtig finde –, sondern auch ein schulfremder Lehrer mit einer - - – I don’t know, bei der Matura gibt es eh eine Zahl –, dass genau so ein zweiter Lehrer drüberschaut und dann sagt: Das ist nicht seine Leistung, das ist nur das Bild, das der Lehrer normalerweise hat, sondern seine Leistung ist in Wirklichkeit ein Vierer, ein Dreier oder ein Zweier. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Danke schön auch dir.
Als Nächster hier vorne ist Fabian Strauss mit einem Erweiterungsantrag. – Ich bitte dich um eine kurze Vorstellung. (Beifall.)
Fabian Strauss: Einen wunderschönen guten Morgen von meiner Seite! Ich möchte mich zuerst einmal bei allen, bei der BSV ganz herzlich für diesen Antrag bedanken, denn das ist meiner Meinung nach wirklich ein essenzieller Antrag, den wir heute behandeln, denn die Matura ist schlussendlich der finale Schritt unserer Ausbildung.
Mein Erweiterungsantrag – dass ich ganz kurz darauf eingehe, worum es überhaupt geht –: Es geht nämlich darum: die Förderung von Peer-to-Peer-Programmen. Viele Inhalte werden nämlich von Gleichaltrigen besonders effektiv gelehrt. Ebenso ist ein zentrales Element hierbei gerade die Stärkung, eine Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Schülern und Schülerinnen.
Geehrte Delegierte, durch diese Förderung von Peer-to-Peer-Programmen für die Matura können nicht nur die Lehrenden sich effektiv perfekt vorbereiten, sondern auch die Belehrten werden vorbereitet. Ebenso kann dies durch das Geben von Tipps ein essenzieller Baustein für unsere Matura sein, denn schlussendlich ist diese der finale Schritt unserer Ausbildung, und auf diesen kann man sich, glaube ich, nicht genug vorbereiten.
Vielen Dank, und ich hoffe auf positive Abstimmung für diesen Erweiterungsantrag. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank für die Vorstellung.
Wir verabschieden uns von den ersten Schulklassen auf den Zuschauerplätzen, und wir werden dann in ein paar Minuten neue herzlich willkommen heißen.
Als Nächster am Redner:innenpult hier vorne ist Marc Oberauer mit einem Erweiterungsantrag mit dem Wortlaut: Zertifikat für Reifeprüfung in Sprachfächern nach europäischen Standards. – Ich bitte dich um eine kurze Vorstellung. (Beifall.)
Marc Oberauer: Auch von mir einen wunderschönen guten Morgen! Ich bin ein bisschen verschnupft, ich hoffe, das stört nicht allzu sehr. I have a dream about Zertifikate! – Das hört sich jetzt ultralangweilig an, aber – vertraut mir! – ist wirklich cool.
Worum es in meinem Erweiterungsantrag geht, ist einfach: Schule ist ja ein Ort, wo wir uns weiterbilden sollen und uns Dinge für unser späteres Leben mitnehmen sollen, und das gerade auch in der Maturaklasse. Wenn ich in Fremdsprachen richtig gut bin und auch maturiere oder da halt eine Prüfung absolviere: Warum kein Zertifikat? Warum nicht ein Zertifikat, das an europäischen Richtlinien ausgerichtet ist, sodass ich in jedem EU-Mitgliedstaat hingehen kann, das herzeigen kann und umso leichter einen Job oder weitere Bildungschancen in anderen EU-Mitgliedstaaten bekomme?
Schule, so wie ich sie sehe, soll wirklich der Ort sein, wo wir uns wohlfühlen, uns Kompetenzen aneignen können, die uns wirklich etwas für das spätere Leben mitgeben oder uns helfen können. Jetzt, so wie es jetzt ist, ist es leider nicht so, daher mein Erweiterungsantrag, und ich hoffe, der gefällt euch genauso, denn: Wenn wir uns etwas mitnehmen können, warum nicht?
Machen wir es heute, beschließen wir etwas Positives! Der BSV-Leitantrag ist sowieso geil, da kann ich sowieso nichts daran bezweifeln. – Vielen Dank, und ich hoffe, das wird noch ein richtig geiles Ösip! (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, Marc.
Als Nächsten am Redner:innenpult dürfen wir Anton Loss begrüßen; in Vorbereitung Maximilian Riedl. (Beifall.)
Anton Loss: Na ja, obwohl wir das kleinste Bundesland sind, sieht es aktuell danach aus, dass wir die meisten Anträge einbringen; aber auch gut.
Schülerinnen und Schüler sind die Hauptbetroffenen von bildungspolitischen Entscheidungen und erleben deren Auswirkungen täglich im Schulalltag. Gerade deshalb verfügen sie über wertvolle praktische Erfahrungen und Perspektiven in politischen Entscheidungsprozessen, die unbedingt auch berücksichtigt werden müssen.
Eine frühzeitige Einbildung von Schüler:innenvertretungen auf Bundes-, Landes- und Schulebene erhöht nicht nur die Akzeptanz neuer Maßnahmen, sondern trägt auch dazu bei, dass Regeln praxisnah, realistisch und tatsächlich umgesetzt werden können. Diese Maßnahmen müssen gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden, damit sie langfristig angenommen werden und eine stärkere Wirksamkeit erzielen können. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächsten begrüßen wir Maximilian Riedl hier vorne am Redner:innenpult mit seinem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung Lukas Maximilian Bachofner. (Beifall.)
Maximilian Riedl: Mein Erweiterungsantrag hat den Titel: Freiwillige Probematura. Ich glaube, das sagt eigentlich schon relativ viel über den Antrag aus.
Ich würde mir wünschen, dass das Bundesministerium für Bildung einen Monat vor der Matura eine Probereifeprüfung erstellt. Die Schüler:innen sollen dann die Wahlmöglichkeit bekommen, ob sie diese korrekt und korrigiert im Matura-Setting schreiben wollen oder mit den bereitgestellten Lösungen selbst erarbeiten wollen. Ich glaube, dass das nicht nur den Druck aus der Prüfung nehmen würde, da man das Matura-Setting schon einmal erlebt hat, sondern einen auch extrem gut darauf vorbereiten würde.
Eine Matura schreibt man ein Mal. Ich glaube, das ist ein unglaublich großer Druck für einen. Von dieser einen Prüfung hängt die komplette schulische Karriere ab, und ich finde nicht okay, dass es da keine Vorbereitung gibt. Daher würde ich mir diese Probematura wirklich wünschen und hoffe, ihr stimmt auch positiv für diesen Antrag ab, weil er wirklich sehr unterstützenswert ist. – Vielen Dank an die BSV. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, lieber Maximilian.
Als Nächster am Redner:innenpult stellt uns Lukas Maximilian Bachofner seinen Antrag vor; in Vorbereitung Boran Kemac. (Beifall.)
Lukas Maximilian Bachofner: Auch von meiner Seite einen wunderschönen guten Morgen. Mein Antrag schließt jetzt ein bisschen an das an, was wir schon vorhin beim Erweiterungsantrag von Aviel gehört haben.
Ich möchte am Anfang die Gelegenheit nutzen, mich auch bei der BSV für diesen Antrag zu bedanken – er ist enorm wichtig –, die Zentralmatura möglichst objektiv und fair für alle Schüler:innen zu gestalten. Die Matura ist wohl einer der fundamentalsten Eckpfeiler unserer Bildung und definiert das gemeinsame Ziel, auf das viele von uns gerade hinarbeiten oder es bereits abgeschlossen haben. Genau aus diesem Grund ist eine Reform umso bedeutender und ein wichtiger Schritt in Richtung Veränderung in unserem Bildungssystem. Vor allem die Qualitätssicherung ist mir ein besonders wichtiges Anliegen. Im internationalen Vergleich können wir unsere Matura deutlich aufwerten, wenn sie sich noch stärker an objektiveren Bewertungskriterien orientiert. Die Leistung von jedem und jeder Einzelnen kann nur wertgeschätzt werden, wenn die Rahmenbedingungen eine neutrale Korrektur zulassen. Dies soll selbstverständlich kein Angriff auf die Integrität unserer Lehrkräfte sein, nein, sondern vielmehr ein Schutz vor einem unbewussten Bias, der in uns allen veranlagt ist.
Die in diesem Antrag vorgeschlagene Lösung halte ich aus diesem Grund nicht für weitreichend genug, weil Vorstellungen, Kenntnis über bereits erbrachte Leistungen oder persönliche Bezüge meist nicht bei den Lehrkräften im eigenen Fach aufhören, sondern im gesamten Kollegium vertreten sind. Daher wäre eine Korrektur, die den Anspruch einer völlig objektiven Bewertung verfolgt, nur durch eine wirklich zentrale Auswertung durch Lehrkräfte aus anderen Schulen gewährleistet. Das BMB soll einen passenden Vorschlag ausarbeiten, wie die konkrete Ausgestaltung anonym und datenschutzkonform umgesetzt werden kann.
Die Matura ist wohl einer der wichtigsten Bildungsabschlüsse. Träume über und Wünsche für ein zukünftiges Leben werden zu einem großen Teil von dieser Prüfung geprägt. Eine komplett neutrale Bewertung, die Leistung und nicht Vorgeschichte bewertet, ist kein Nice-to-have, sondern Pflicht. Lasst uns hier gemeinsam diesen Abänderungsantrag beschließen und einen Schritt in Richtung Qualitätssicherung einer fairen Benotung setzen! – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, lieber Lukas.
Als Nächsten am Redner:innenpult dürfen wir Boran Kemac begrüßen; in Vorbereitung Magdalena Mayrhofer. (Beifall.)
Boran Kemac: Sehr geehrte Delegierte! Wenn wir von einer Zentralmatura sprechen, ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Bereiche gleich fair behandelt werden, denn aktuell ist es so, dass Schülerinnen und Schüler, welche im 2000er-Jahrgang sind und eine BMHS besuchen, eine schwierigere Matura vorgelegt bekommen, obwohl sie dieselben Lockdowns erlebt haben und genauso von der Pandemie betroffen waren wie ihre Kolleginnen und Kollegen im selben Jahr im AHS-Bereich.
Deswegen finde ich es äußerst wichtig, dass, wenn wir von einer Zentralmatura sprechen, die Fairness und Gleichheit zwischen den Bereichen vorhanden bleibt. Deshalb fordere ich für meine Mitschülerinnen und Mitschüler im BMHS-Bereich eine faire Zentralmatura und dass eine Anpassung der Zentralmatura für den 2000er-Jahrgang erfolgt. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächste begrüßen wir Magdalena Mayrhofer am Redner:innenpult; in Vorbereitung Lorina Schneeberger. (Beifall.)
Magdalena Mayrhofer: Erst einmal einen schönen guten Morgen meinerseits. Ich habe einen Änderungsantrag, und zwar stellt sich bei diesem Antrag für mich eine ganz grundlegende Frage: Wenn die Matura zentral ist, warum sollen die Themenkörbe dann schulspezifisch geregelt werden? Im Antrag steht: Bei Zeitmangel sollen Themenkörbe verschlankt werden können. Aber Zeitmangel ist nicht zentral geregelt, Zeitmangel ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Genau da liegt das Problem, denn sobald manche Schulen Themen streichen oder reduzieren können und andere nicht, schaffen wir unterschiedliche Voraussetzungen für die Schülerinnen und Schüler, obwohl am Ende alle dieselbe Zentralmatura schreiben sollten.
Die Zentralmatura lebt von einem einfachen Gedanken: Gleiche Standards, gleiche Chancen und möglichst gleiche Voraussetzungen. Wenn wir jetzt beginnen, Themenkörbe abhängig von den Umständen einzelner Schulen anzupassen, dann schaffen wir genau das, was wir gerade versuchen, zu bekämpfen: eine nicht zentrale, ungerechte Matura. Die Lösung für Zeitmangel kann nicht sein, die Anforderungen an jeder Schule unterschiedlich zu gestalten, denn entweder wir haben eine zentrale Matura oder wir haben schulspezifische Anforderungen – beides gleichzeitig funktioniert einfach nicht. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächste am Redner:innenpult ist Lorina Schneeberger mit einem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung Emma Battlogg.
Lorina Schneeberger: Ich bin jetzt in der 4. Klasse, nächstes Jahr steht meine Matura an, und wie so viele überlege ich, in welchem Wahlfach ich maturieren soll. Eigentlich würde ich echt gerne in Geschichte maturieren, aber ehrlicherweise: Wo die Unterlagen sind, die wir im letzten Jahr gemacht haben – keine Ahnung. Meine andere Lehrkraft, die ich in Wirtschaft und Recht habe, hat alle Unterlagen auf Teams hochgeladen; jetzt überlege ich, ob ich nicht doch lieber in Wirtschaft und Recht maturieren soll.
Die Wahl des Maturafachs darf nicht davon abhängen, ob Lehrkräfte die Unterrichtsmaterialien bereitstellen. Deswegen braucht es nicht nur die Eduthek, sondern auch eine schulinterne Cloud, wo Lehrkräfte verpflichtet sind, ihre Inhalte hochzuladen. Das gibt allen Schüler:innen die Chance, sich entsprechend auf die Matura vorzubereiten. Die meisten Schulen haben bereits solche schulinternen Netzwerke wie Teams oder Google Drive, wo das problemlos möglich ist. Also wir haben schon alle Tools, die wir brauchen, damit wir es möglich machen, es fehlt nur noch an der Verpflichtung der Lehrkräfte, denn wie schon gesagt: Die Wahl des Maturafachs darf nicht davon abhängen, ob eine Lehrkraft diese Materialien bereitstellt. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Bevor wir jetzt fortfahren, möchte ich noch einmal ganz kurz erwähnen – möglicherweise habt ihr es vergessen –: Dort drüben liegt die Liste zum Eintragen. Bitte alle Redner:innen, die bereits geredet haben, sich nach und nach in diese Liste einzutragen; und ab jetzt einfach direkt, wenn ihr geredet habt, rübergehen und bei dieser Liste unterschreiben.
Außerdem haben unsere Schulklassen auf den Zuschauerplätzen gewechselt, und ich würde sie gerne kurz begrüßen, denn auf den Zuschauerplätzen sitzen jetzt das BRG Kremszeile (Beifall), die Mittelschule Geblergasse (Beifall), das Wiedner Gymnasium (Beifall), das BG Franklinstraße (Beifall) und das BG Zehnergasse (Beifall).
Außerdem hat uns ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht. Über diesen werden wir direkt abstimmen.
Es sind derzeit 112 von 144 abgegebenen Stimmen. – Falls beim Openslides-Tool bei eurer Abstimmung auch irgendetwas nicht funktionieren sollte, einfach zu Jan nach vorne kommen.
Vorsitzende Hannah Scheidl: Der Antrag auf Schluss der Debatte wurde abgelehnt, und somit fahren wir mit – einen Moment – einem Erweiterungsantrag von Emma Battlogg fort, in Vorbereitung Philipp Köck. (Beifall.)
Emma Battlogg: Faire Chancen für alle! Aber wo bleiben Schüler:innen, die nicht sind wie alle – Schüler:innen mit ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Autismus, Schüler:innen wie ich? Mein Name ist Emma Battlogg, und ich gehöre zu den 15 bis 20 Prozent dieser Bevölkerung, die neurodivergent sind – in meinem Fall ADHS.
Dann trete ich zur Matura an. Habe ich gelernt? – Ja. Habe ich einen Taschenrechner und einen Laptop? – Ja. Darf ich, wenn dieser Antrag durchgeht, Geo-Gebra verwenden? – Ja. Habe ich die gleiche Chance? – Nein. Das ist das Problem, und deshalb stelle ich diesen Erweiterungsantrag, weil mir und dem Rest dieser 15 bis 20 Prozent die gleiche Chance wie allen anderen zusteht. Uns allen in diesem Raum steht die gleiche Chance auf eine Matura zu, und deshalb steht mir und vielen dieser Nachteilsausgleich zu, denn wir wollen nicht fair für manche, wir wollen nicht fair für viele, sondern wir wollen eine faire Matura für alle. Diese faire Matura und diese fairen Bedingungen wollen wir genau jetzt und genau heute. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, Emma.
Als Nächster am Redner:innenpult Philipp Köck, in Vorbereitung Vadym Volosheniuk. (Beifall.)
Philipp Köck: Wie wir jetzt gerade auch schon von meiner Vorrednerin gehört haben, ist es extrem wichtig, dass die Matura für uns alle chancengerecht ist. Dazu zählt auch, dass man sich mit den Hilfsmitteln auch wirklich auskennt und nicht nur kurz vor der Matura einmal Geo-Gebra ausprobiert – das reicht nicht. Genau deswegen müssen wir schauen, dass im Unterricht ab der Sekundarstufe II die Maturahilfsmittel verwendet werden und somit Schülerinnen und Schüler auch die Chance kriegen, bei der Matura gute Ergebnisse abzuliefern.
Was dazu aber auch noch nötig ist, ist die gläserne Note, weil Schülerinnen und Schüler vor allem im Maturajahrgang sehr viele Prüfungen in sehr eng getakteter Zeit haben. Was man dann nicht brauchen kann, ist, dass man nicht weiß, auf welcher Note man gerade wirklich steht und auch wie man diese Note dann verbessern kann. Wenn ich jetzt zu meiner Lehrkraft gehe, meine Lehrkraft aber zwei Wochen braucht, um mir den aktuellen Notenstand mitzuteilen, kann es mitunter auch schon zu spät sein, und deswegen sollte sich die BSV nicht nur dafür einsetzen, dass die Maturahilfsmittel ab der Sekundarstufe II verwendet werden, sondern auch dafür, dass die Note jederzeit digital via gläserner Note einsehbar ist. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht, über den wir jetzt gleich abstimmen werden.
Der Antrag auf Schluss der Redner:innenliste wurde abgelehnt, und somit fahren wir mit dem Erweiterungsantrag von Vadym Volosheniuk fort, in Vorbereitung Nina Meraner. (Beifall.)
Vadym Volosheniuk: Liebe Schülerinnen und Schüler, schaut euch diesen Antrag an: Ich glaube, er ist kein Wunschdenken – das ist der Hilferuf von fast 4 000 Schülerinnen und Schülern. Unser System ist kaputt.
Wir schreiben das Jahr 2026, doch unsere Matura ist wie ein Glücksspiel: Wer tippen darf, hat gewonnen, wer mit der Hand schreibt, verloren. Ist es eine Prüfung oder eine digitale Lotterie? Was ist mit Mathe? – Da stehen wir mit Geo-Gebra alleine da, obwohl uns der Lehrplan als Profis sehen will. Wir stehen hier für Fairness, deshalb verteidigen wir auch die 30-Prozent-Regel. Eine jahrelange harte Arbeit darf nicht als wertlose Momentaufnahme in einer einzigen Woche verpuffen.
Wir fordern Transparenz, wir fordern Vorbereitungsstunden, und wir fordern ein Vieraugenprinzip bei negativen Noten.
Liebe alle! Es ist Zeit für echte Chancengleichheit, lasst uns ein unüberhörbares Zeichen setzen! Ich stehe für eine Matura, die uns stärker macht, ich stehe für eine Matura, die uns Motivation gibt, und ich stehe für eine Matura, die uns den Weg in die Zukunft zeigt und ihn nicht absperrt. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächste am Redner:innenpult begrüßen wir Nina Meraner, in Vorbereitung Kamal Multani. (Beifall.)
Nina Meraner: Also hallo erst einmal! Ich finde den Antrag wirklich, wirklich wichtig, aber ich habe einen Erweiterungsantrag, denn ich benutze seit der 2. Klasse so einen Casio-Taschenrechner, dieses Class-Pad – ich weiß nicht, wer den aller kennt –, das ist so wie Geo-Gebra, nur eigentlich in Handformat.
Ich habe jetzt letztens, weil ich für eine Schularbeit gelernt habe, ein Maturabeispiel gerechnet, und da ging es eigentlich darum, eine Gleichung mit dem Integral nach x zu setzen. Das habe ich mit meinem Casio-Class-Pad nicht geschafft, dann habe ich halt in der Formelsammlung nachgeschaut, und da wird es beschrieben, aber diese Beschreibung hilft mir tatsächlich nicht, wenn wir nicht davor gelernt haben, wie man sie händisch benutzen kann.
Deswegen ist auch mein Erweiterungsantrag, dass wir Schüler vor dem verpflichtenden Einsatz digitaler Mathematiktools wirklich auch lernen müssen, wie man eigentlich mit der Hand rechnen kann, denn es braucht einfach einen gewissen Grundbaustein, damit der Taschenrechner auch wirklich sinnvoll verwendet werden kann. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächster am Redner:innenpult, ebenfalls mit einem Erweiterungsantrag, Kamal Multani, in Vorbereitung Aviel Kaikov. (Beifall.)
Kamal Multani: Erstens einmal einen wunderschönen Mittag oder guten Morgen! Ich finde es super, dass eingeführt wird, dass digitale Geräte bei einer Deutschmatura verwendet werden können, aber ein Problem gibt es immer noch: das Rechtsschreibprogramm. Wir in Steyr, also in meiner Stadt, haben ein System, eine App entwickelt, bei der das Rechtschreibprogramm alle paar Monate neu entwickelt wird. Wenn ich ehrlich bin: Ich bin mir sicher, dass in jedem anderen Bundesland eine andere App herrscht.
Das heißt, auch wenn jeder Maturant in jeder Schule digital mitschreiben darf, ist es dennoch ungerecht, dass jemand ein anderes Rechtschreibprogramm besitzt als ein anderer, deshalb fordere ich, dass wirklich jeder dasselbe Programm benutzt, dass bundesweit eine einheitliche App entwickelt wird und jeder dieselben Chancen hat und dasselbe Rechtsschreibprogramm verwenden kann.
Gleichzeitig wissen wir, dass man die Spanischmatura, wenn man sie schriftlich macht, auch digital schreiben muss. Ich tue mir da schwer. Die Schularbeiten schreibe ich zurzeit digital, und ich mache unglaubliche Satzbaufehler, unglaubliche Grammatikfehler, weil ich das digital nicht schaffen kann. Genauso geht es nicht nur mir, sondern einigen aus meiner Klasse und aus den Parallelklassen. Ich habe mit meiner Lehrerin geredet, und sie hat gesagt: Ja, wir müssen das digital schreiben, weil das bei der Matura auch digital geschrieben werden muss. – Ob das jetzt wirklich sinnvoll ist, weiß ich nicht, deshalb würde ich auch im Erweiterungsantrag hinzufügen, dass die digitale Benutzung optional sein soll. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht, über den wir jetzt direkt abstimmen werden.
Der Antrag auf Schluss der Redner:innenliste wurde angenommen, und somit fahren wir mit dem Erweiterungsantrag Beschränkung auf ein technisches Hilfsmittel von Aviel Kaikov fort, in Vorbereitung Bernd Kreidl. (Beifall.)
Aviel Kaikov: Mit Abstand mein Lieblingssatz, den ich in der Schule höre – also ich höre ihn nicht, denn ich gehe in eine Privatschule, aber man hört ihn normalerweise –, ist: Die Schule ist gratis.
Jetzt denken wir einmal nach: Stimmt das? Ist die Schule tatsächlich gratis, oder zahlen wir noch immer für jeden anderen Blödsinn wie Schulreisen und Laptops? Genau das ist der Punkt, auf den ich hinaus will: der Taschenrechner. Der CAS-Taschenrechner wird in den meisten Fällen privat bezahlt. Meiner Meinung nach ist das falsch. Ich glaube, dass alle Geo-Gebra verwenden sollen, weil das – Punkt 1 – fairer und – Punkt 2 – einfach einheitlich ist. Da haben wirklich alle dieselben Chancen. Es wird von Zentralmatura gesprochen: Die ist zentral und alle haben dieselben Chancen.
Deswegen bin ich der Meinung, dass alle Geo-Gebra verwenden sollen, aus mehreren Gründen: Punkt 1 – weil das wie gesagt dann zentral ist und – Punkt 2 – weil man uns einfach Geld spart. So viele Haushalte haben nicht genug Geld, um überhaupt ihre eigenen Kinder zu ernähren, und dann sagt man denen noch: Kauf einmal einen Taschenrechner für 200 Euro, und wenn der verloren geht, kauf ihn noch einmal! – Ich glaube, das ist einfach nicht fair. Das ist nicht Bildung, wie wir sie brauchen, deswegen fordere ich in meinem Erweiterungsantrag, dass es nur ein technisches Hilfsmittel gibt, und das ist dann Geo-Gebra mit Schullaptops. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächster am Redner:innenpult Bernd Kreidl, in Vorbereitung Markus Heinrich Obermair. (Beifall.)
Bernd Kreidl: Schönen guten Vormittag, alle lieben Mitvertreterinnen und -vertreter! Ich würde gerne auf einen Punkt eingehen, der die Fachklausuren betrifft, denn aus der Erfahrung dieses Jahres war es leider der Fall, dass bei uns in Tirol, was die ganzen Handelsakademien betrifft, die Fachklausur erst im November noch einmal verbessert worden ist, weil die Bildungsdirektion einen Fehler gemacht hat, weil sie ein Thema vergessen hat. Darum ist es mir wichtig, dass vor Antritt des letzten Schuljahres – also des Maturajahres – klipp und klar ist, welche Themen wirklich behandelt werden müssen, denn es geht auch um die Vorbereitung – was man schon in diesem Schuljahr mit den Lehrpersonen und auch mit Fördereinheiten et cetera macht. Wenn man weiß, was genau kommt, kann man sich damit auch Zusammenfassungen, Mitschriften machen und damit besser auf genau diese Themen aufpassen und darauf hin lernen. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächster am Redner:innenpult Markus Heinrich Obermair, in Vorbereitung Maximilian Schlacher. (Beifall.)
Markus Heinrich Obermair: Geschätzte Frau Vorsitzende! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf heute einen Abänderungsantrag zum Punkt „Optimierung der Eduthek“ vorstellen.
Der bestehende Forderungspunkt setzt bereits einen wichtigen Schwerpunkt, indem er Bereitstellung von Lernmaterialien und eine übersichtliche Strukturierung vom Themen vorsieht, ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir hier noch einen Schritt weiter gehen müssen. Die Digitalisierung bietet uns heute Möglichkeiten, die weit über eine reine Sammlung von Maturabeispielen hinausgehen. Die Eduthek soll sich zu einer zentralen Plattform entwickeln, die neben Lernunterlagen auch digitale Schulbücher und weitere Onlinelernmaterialien umfasst und damit allen Schülerinnen und Schülern einen einfachen, orts- und zeitunabhängigen Zugang zu Bildungsinhalten ermöglicht.
Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen persönlichen Aspekt einbringen. Ich bin 2,05 Meter groß, ich bin sehr schnell gewachsen. Meine Bandscheiben schaffen es nicht, so schnell mitzuwachsen. Für mich ist es eine körperliche Belastung, eine schwere Schultasche zu tragen, und ich habe an der HTL Anichstraße das Glück, dass wir mittlerweile sehr viele Bücher digital haben. So habe ich meinen Rücken massiv entlasten können, und man sieht auch eine Veränderung: Ich habe weniger Schmerzen im Rückenbereich, und ich habe auch ein besseres Gefühl, wenn ich in die Schule gehe.
Das Thema betrifft aber nicht nur Einzelne. Ein modernes Bildungssystem sollte die technischen Möglichkeiten unserer Zeit nützen, um Lernen flexibler, zugänglicher und auch gesundheitsschonender zu gestalten. Mein Abänderungsantrag baut daher auf dem bestimmten Forderungspunkt auf und entwickelt ihn weiter. Er verbindet die Optimierung der Eduthek mit dem Ausbau digitaler Lernmaterialien und trägt damit zu einem smarten und zukunftsfähigen Schulsystem bei. Ich bitte daher um Zustimmung. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, lieber Markus.
Als Nächster am Redner:innenpult: Maximilian Schlacher. (Beifall.)
Maximilian Schlacher: Wie ich vorhin schon in meinem Redebeitrag angemerkt habe: Wie schaut eine klassisches Matura aus? – Eine klassische Matura ist heutzutage: Man sitzt mehrere Stunden lang in einem Raum, und es wird theoretisches Wissen abgefragt. Macht es jedoch in einer berufsbildenden Schule wie einer HTL Sinn, theoretisches Wissen abzufragen, wenn man von Anfang an praxisnah lernt, wenn man monatelang Projekte erarbeitet und dann plötzlich in 5 Stunden theoretische Sachen abarbeiten soll, die in der Realität meistens gar keinen oder kaum Einfluss auf das wahre Projekt haben?
Deswegen fordere ich heute eine projektbasierte Matura. Es soll ermöglicht werden, das in technischen, fachspezifischen Fächern in einer Projektarbeit beziehungsweise einer Projektwoche – was zielführender wäre – zu prüfen und umzusetzen. Damit fördern wir nicht nur praxisnäheren Unterricht an der HTL, sondern auch dass die HTL-Matura mehr gewichtet wird, denn viele Arbeitgeber – vor allem was ich auch selber in meiner privaten Umgebung kennengelernt habe –, die einen HTL-Absolventen sehen, sind zwar sehr froh darüber, dass er die HTL absolviert hat, weil man sehr viel lernt, jedoch wenn man dann beginnt, darüber zu reden, ob die Matura Sinn ergibt – das macht sie nicht.
Was Unternehmen vielmehr wertschätzen, ist die Diplomarbeit in einer HTL. Man sollte dann mehr Wert auf Sachen wie eine Diplomarbeit oder eine Projektwoche legen. Damit können wir Schülerinnen und Schüler modern in die Praxiswelt gehen, damit wir einfach eine bessere HTL-Ausbildung und eine bessere HTL-Matura ermöglichen. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht, über den wir gleich abstimmen werden.
Der Antrag auf Schluss der Debatte wurde angenommen.
Somit kommen wir zur Abstimmung über alle Erweiterungs- und Abänderungsanträge.
Wir beginnen mit dem Abänderungsantrag 1 von Lukas Punz.
Wir gratulieren dem Antragsteller sehr herzlich. Der Antrag wurde angenommen. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Dominic Fabian Förg mit dem Wortlaut: Ständige Evaluierung der Zentralmatura.
Wir gratulieren auch diesem Antragsteller sehr herzlich. Der Antrag wurde mit 87 Prozent angenommen. (Beifall.)
Wir machen weiter mit dem Antrag 3 von Luka Kolanović mit dem Wortlaut: Die wissenschaftliche Evaluierung der Matura jedes Jahr durch ein Expert:innengremium.
Auch dieser Antrag wurde mit 89 Prozent angenommen. Wir gratulieren dir sehr herzlich. (Beifall.)
Als Nächstes stimmen wir über den Erweiterungsantrag von Franz Foßl ab.
Auch dieser Antrag wurde mit 64 Prozent angenommen. Wir gratulieren dir sehr herzlich. (Beifall.)
Als Nächstes stimmen wir über den Erweiterungsantrag von Nick Klein ab – mit dem Wortlaut: Die verpflichtende Berücksichtigung der Bedürfnisse ländlicher Regionen bei der Umsetzung der geforderten Maßnahmen.
Auch dieser Antrag wurde mit 89 Prozent angenommen. Wir gratulieren dem Antragsteller sehr herzlich. (Beifall.)
Kommen wir zu Antrag 7 von Aviel Kaikov mit dem Wortlaut: Qualitätssicherung – Jede negative Maturanote muss automatisch von einer schulfremden zweiten Lehrperson überprüft werden.
Auch dieser Antrag wurde mit 85 Prozent angenommen. Wir gratulieren dir sehr herzlich. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Änderungsantrag von Carina Saringer mit dem Wortlaut: Verpflichtende Geo-Gebra-Kurse für Lehrkräfte und Überprüfung der Kompetenzen, dieses Hilfsmittel Schüler:innen näherzubringen.
Wir gratulieren der Antragstellerin sehr herzlich! Der Erweiterungsantrag wurde mit 93 Prozent angenommen. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Fabian Strauss mit dem Wortlaut: Die Förderungen von Peer-to-Peer-Programmen, bei denen Schüler:innen Wissen und Erfahrungen an andere Schüler:innen weitergeben.
Lieber Fabian, wir gratulieren dir sehr herzlich! Der Antrag wurde mit 90 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Als Nächstes stimmen wir über den Erweiterungsantrag von Marc Oberauer ab – mit dem Wortlaut: Zertifikat für Reifeprüfung in Sprachfächern – Reifeprüfungen in Sprachfächern sollen mit einem Zertifikat nach europäischen Standards ausgezeichnet werden.
Lieber Marc, wir gratulieren dir sehr herzlich! Dein Antrag wurde mit 85 Prozent angenommen. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Anton Loss mit dem Wortlaut: Die verpflichtende Einbindung von Schüler:innen bei der Ausarbeitung konkreter Umsetzungsrichtlinien.
Dieser Antrag wurde mit 91 Prozent angenommen; somit gratulieren wir dir sehr herzlich. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Abänderungsantrag von Magdalena Mayrhofer mit dem Wortlaut: Mit der Streichung von „bei Zeitmangel Verschlankung der Maturakörbe“ ersetzen durch „bei Mangel Verschlankung der Maturakörbe“ – mit der Begründung: Zeitmangel ist nicht zentral geregelt. Er ist von Schule zu Schule unterschiedlich, somit kann dieser Aspekt bei den Themenkörben der Zentralmatura nicht miteinbezogen werden.
Jan Rauch: Noch eine kurze Durchsage: Ihr hinten bei der Getränkebar dürft nicht auf die Terrasse rausgehen. Bei dieser Tür ist ständig ein Alarm. Dieser Alarm wird jedes Mal ausgelöst, wenn die Türen auf- und zugehen. Das heißt, bitte innerhalb des Saales beziehungsweise der Getränkebar bleiben und – noch ganz wichtig – bitte raucht nicht! Dies ist ein rauchfreies Haus, was ich da gerade mitgekriegt habe, das heißt: Bitte wartet bis zur Mittagspause!
Ganz wichtig noch zu erwähnen ist: Dies ist eine One-Way-Veranstaltung. Das heißt, wenn ihr einmal draußen seid, kommt ihr nicht mehr zurück in den Saal. Bitte bedenkt das – und ja, danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Erst einmal: Danke, Jan!
Wir kommen zu den Ergebnissen betreffend den Abänderungsantrag von Magdalena Mayrhofer: Dieser Abänderungsantrag wurde abgelehnt.
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Maximilian Riedl zum Thema freiwillige Probematura.
Lieber Maximilian, wir gratulieren dir sehr herzlich! Dein Antrag wurde mit 84 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem nächsten Abänderungsantrag von ebenfalls einem Maximilian, aber diesmal ist es Lukas Maximilian Bachofner mit dem Wortlaut des Antrages: Qualitätssicherung – die Korrektur jeder schriftlichen Matura hat von einer Lehrkraft einer anderen Schulen vorgenommen zu werden, und das BMB soll hier einen passenden Vorschlag ausarbeiten, wie die konkrete Ausgestaltung anonym und datenschutzkonform umgesetzt werden kann.
Lieber Lukas, dein Abänderungsantrag wurde mit 72 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dir sehr herzlich! (Beifall.)
Wir kommen zum Erweiterungsantrag von Boran Kemac mit dem Wortlaut: Anpassung der Zentralmatura für den 2007er-Jahrgang im BMHS-Bereich.
Entschuldigung für die kurze Unterbrechung.
Wir fahren mit dem Ergebnis fort: Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Kommen wir zum Erweiterungsantrag von Lorina Schneeberger mit dem Wortlaut: Einführung eines schulinternen Netzwerks, wo Lehrkräfte verpflichtend ihre Unterrichtsmaterialien hochladen müssen.
Liebe Lorina, dein Antrag wurde mit 91 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dir sehr herzlich! (Beifall.)
Somit fahren wir fort mit dem Erweiterungsantrag von Emma Battlogg mit dem Wortlaut: Ein klarerer, einheitlicher Zugang zu Informationen zum Nachteilsausgleich bei der Matura für neurodivergente Schüler:innen, um allen eine faire Chance zu gewährleisten.
Liebe Emma, dein Antrag wurde mit 70 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dir sehr herzlich! (Beifall.)
Somit fahren wir mit dem Erweiterungsantrag von Philipp Köck fort, mit dem Wortlaut: Die Ausweitung einheitlicher Hilfsmittel im Unterricht für alle Schüler:innen; die Einführung der gläsernen Note zur Einsicht des Notenstands in digitaler Form.
Außerdem muss ich ein kurzes Lob in die Runde aussprechen, denn die Abstimmung funktioniert wirklich sehr rasch – also wir haben sehr, sehr schnell alle Abstimmungen herinnen. Ich kann mich an Ösips erinnern, wo mindestens zwei- bis dreimal daran hat erinnert werden müssen, abzustimmen – somit ein großes Danke, und ich hoffe, wir behalten uns das heute den ganzen Tag bei. (Beifall.)
Somit auch zur Abstimmung: Dein Antrag wurde mit 91 Prozent angenommen. Lieber Philipp, wir gratulieren dir sehr herzlich. (Beifall.)
Wir kommen zum Erweiterungsantrag von Vadym Volosheniuk mit dem Wortlaut: Für eine 30-Prozent-Regel, für ein Vieraugenprinzip und eine erfolgreiche Zukunft der Schüler:innen.
Lieber Vadym, auch dein Antrag wurde mit 75 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Wir fahren mit dem Erweiterungsantrag von Nina Meraner fort, mit dem Wortlaut: Sicherung der mathematischen Grundkompetenzen, um den Umgang mit Hilfsmitteln effektiver zu gestalten.
Liebe Nina, dein Antrag wurde positiv angenommen. (Beifall.)
Wir fahren mit dem Erweiterungsantrag von Kamal Multani fort, mit der Beschreibung: Eine einheitliche App, wo man sowohl die Matura als auch Schularbeiten schreiben kann, damit jeder dieselbe Chance auf dasselbe Rechtschreibprogramm hat, zusätzlich soll bei allen schriftlichen Reifeprüfungen von der Person selbst entschieden werden, ob schriftlich oder digital.
Lieber Kamal, auch dein Antrag wurde mit 70 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Somit kommen wir zum Erweiterungsantrag von Aviel Kaikov mit der Beschreibung: Beschränkung auf nur ein technisches Hilfsmittel.
Aviel, dein Antrag wurde abgelehnt.
Wir fahren mit dem Änderungsantrag von Markus Heinrich Obermair fort, mit dem Wortlaut: Ausbau und Optimierung der Eduthek – die Eduthek soll Lernmaterialien, insbesondere konkrete Beispiele für den Maturastoff sowie digitale Schulbücher und weitere Onlinelehrmaterialien, umfassen. Durch eine Clusterung in Themenpools soll eine übersichtliche Darstellung gewährleistet und ein niederschwelliger Zugang zu digitalen Bildungsangeboten ermöglicht werden, um schwere Schultaschen zu reduzieren und ein modernes sowie zukunftsfähiges Bildungssystem zu fördern.
Lieber Markus, dein Antrag wurde mit 86 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Kommen wir zum vorletzten Antrag, dem Erweiterungsantrag von Bernd Kreidl mit dem Wortlaut: Der Prüfungsstoff für Fachklausuren muss spätestens vor Antritt des letzten Schuljahres verbindlich bekannt gegeben werden, zudem muss klar veröffentlicht sein, wie die Matura abläuft und nach welchen Kriterien die Leistungen beurteilt werden.
Herzlichen Glückwunsch, auch dein Antrag wurde mit 96 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Nun kommen wir zum letzten Erweiterungsantrag von Maximilian Schlacher mit dem Wortlaut: Projektbasierte Matura, Einführung von praxisnahen Projekten oder Projektwochen als vollwertige Alternative zur klassischen Klausur in fachspezifischen Gegenständen vor allem an BMHS, um erlernte Fähigkeiten realitätsnäher und berufsorientierter zu überprüfen.
Lieber Maximilian, auch dein Antrag wurde positiv angenommen. (Beifall.)
Somit kommen wir zur Abstimmung über den Hauptantrag mit allen positiv abgestimmten Erweiterungs- und Abänderungsanträgen.
Der Hauptantrag wurde einstimmig positiv abgestimmt. (Beifall.)
Im Namen der BSV möchte ich ein großes Danke an alle aussprechen, die positiv abgestimmt haben. Es freut uns sehr, dass wir den Antrag weiterhin verfolgen können.
Somit kommen wir auch schon zu Antrag 2: „Fit für die Oberstufe – Fit fürs Leben“ von Irma Fejzic. – Du hast 5 Minuten, um deinen Antrag vorzustellen. (Beifall.)
Irma Fejzic: Sehr geehrte Vorsitzende! Geschätzte Delegierte! Wer eine weiterführende Schule besucht oder eine Lehre beginnt, sollte über grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen. Diese Fähigkeiten sind keine Zusatzqualifikationen – sie bilden die Basis für jeden weiteren Bildungsweg.
Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Nationale und internationale Bildungsstudien machen deutlich, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten bei genau diesen Grundkompetenzen haben. Die Folgen zeigen sich oft erst in der Oberstufe oder in der Ausbildung: Lernstoff kann nicht ausreichend verstanden werden, Aufgaben können nicht selbstständig ausgearbeitet werden, und schulische Leistungen verschlechtern sich.
Gleichzeitig wird von Schülerinnen und Schülern erwartet, immer komplexere Inhalte zu bewältigen. Das ist jedoch nur möglich, wenn die notwendigen Grundlagen vorhanden sind, denn wer Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, wird diese in der Oberstufe nicht plötzlich verlieren – vielmehr werden die Herausforderungen größer. Genau deshalb braucht es – bevor sie den nächsten Bildungsweg einschlagen – einen Mechanismus, der sicherstellt, dass grundlegende Kompetenzen vorhanden sind.
Bildungserfolg darf nicht vom Zufall abhängen. Das Bildungssystem muss sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Fähigkeiten, die sie für die Zukunft benötigen, erwerben. Daher fordert das Österreichische Schüler:innenparlament verpflichtende IKM-Testungen in der 6. oder 7. Schulstufe, die bei Defiziten zu individueller Förderung und Entwicklungsgesprächen zwischen Schüler:innen, Erziehungsberechtigten und Lehrer:innen führen, und eine Prüfung im ersten Semester der Abschlussstufe der Sekundarstufe I über Grundkompetenzen, die zentralisiert und seitens des BMB organisiert wird. Das Ergebnis wird nicht nach Leistung benotet, sondern entweder positiv oder negativ, bei negativen Ergebnissen sind eine verpflichtende Sommerschule und eine Prüfungswiederholung am Ende der Sommerschule nötig, und nur mit positiven Prüfungsergebnissen kann ein weiterführender Bildungsweg eingeschlagen werden. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank für die Vorstellung deines Antrages, Irma.
Somit ist die Redner:innenliste wieder geöffnet.
Wir beginnen mit einem Erweiterungsantrag von Lorina Schneeberger mit dem Wortlaut: Die Einführung von Lerncafés. – Ich bitte dich um die Vorstellung. (Beifall.)
Lorina Schneeberger: Es ist wichtig, dass Schüler:innen dort Unterstützung kriegen, wo sie sie brauchen. Dafür braucht es unter dem Jahr genug Möglichkeiten, dass sich Schüler:innen genau die Unterstützung holen können.
Bei mir an der Schule gibt es Lerncafés: Das sind Nachmittage, wo Schüler:innen gemeinsam mit Lehrkräften zusätzliche Unterstützung erhalten. Das heißt, sie können sich für Fächer eintragen, und dann sind die entsprechenden Lehrkräfte aus diesem Fachgebiet dort. Bei Schulen, wo das zum Beispiel nicht möglich ist, können Schulen untereinander Partnerschaften eingehen, und so kann das dann wirklich überall stattfinden. Das Ganze funktioniert gratis und niederschwellig. Das ist eine Möglichkeit, durch die sich Schüler:innen unter dem Jahr verbessern können. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, liebe Lorina.
Als Nächsten am Redner:innenpult begrüßen wir Luka Kolanović mit einem Erweiterungsantrag, in Vorbereitung Juliana Eckerstorfer. (Beifall.)
Luka Kolanović: Erst einmal danke, Irma, für diesen sehr, sehr wichtigen Antrag! Grundsätzlich habe ich diesen Erweiterungsantrag gestellt, weil ich sichergehen will, dass diese IKM-plus-Testungen wirklich vertraulich sind, denn diese Testungen sollen dann den Schülerinnen und Schülern wirklich dabei helfen, ihren Lernstand zu kennen, oder dass die Lehrpersonen oder die Erziehungsberechtigten wirklich wissen: He, wie steht mein Kind, wie steht mein Schüler, wie steht meine Schülerin, wie steht es eigentlich bei denen? – Durch diese Testungen kann das dann auch wirklich sichergestellt werden, deswegen danke für diesen Antrag.
Was man aber berücksichtigen muss, ist, dass diese ganzen IKM-Testungen vertraulich behandelt werden sollten. Ich meine, niemand hat Lust, dass am Ende irgendwie eine Statistik von verschiedenen Schulen veröffentlicht wird und es dann heißt: Geh nicht an diese Schule, die haben schlechte Ergebnisse, geh lieber dorthin, die haben gute Ergebnisse! – Da kommt dann auch eine Bloßstellung dazu: Wie fühlen sich denn Lehrpersonen, wie fühlen sich Schülerinnen, wie fühlen sich Schüler, wie fühlen sich eigentlich Eltern, wenn es dann heißt, diese Schule ist eigentlich schlecht? – Deswegen sollen diese IKM-Testungen auch vertraulich behandelt werden. – Danke schön. (Beifall.)
Jan Rauch: Dürfte ich kurz um eure Aufmerksamkeit bitten? Das gilt jetzt für die Gäste, die im Saal sitzen: Wenn ihr in das Restaurant essen gehen wollt, dann sammelt euch bitte um 12.05 Uhr da draußen beim Expeditpult. Meine Kolleg:innen und ich nehmen euch dann mit hinauf. Ihr sammelt euch dann bitte um 12.55 Uhr im Restaurant wieder, und wir nehmen euch dann wieder mit herunter. Für alle, die sich dort nicht pünktlich einfinden, kann ich kein Zurückkommen in die Veranstaltung garantieren – bitte seid dann pünktlich. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielleicht um es noch einmal ausdrücklich zu erwähnen: Das ist wirklich etwas, das nur für die Gäste gilt. Die Delegierten bekommen Essen und werden deswegen auch nicht hinauf ins Restaurant gehen, sondern herunten essen.
Somit begrüßen wir am Redner:innenpult Juliana Eckerstorfer mit einem Erweiterungsantrag, in Vorbereitung Christian Hipfinger. (Beifall.)
Juliana Eckersdorfer: Hallo und einen wunderschönen guten Morgen auch meinerseits. „Fit für die Oberstufe – Fit fürs Leben“: Wirklich fit fürs Leben zu werden, das bedeutet nicht nur die Grundkompetenzen zu beherrschen, was zweifellos essenziell ist, sondern genauso durch Begleitung und Unterstützung die Möglichkeit zu bekommen, herauszufinden, wo seine individuellen Stärken und Interessen liegen – auch in der Sekundarstufe II. Fit fürs Leben, das bedeutet vor allem auch: Wie will ich meine erlernten Kompetenzen im späteren Leben anwenden? Was habe ich für Möglichkeiten und wo liegen meine Stärken überhaupt?
Um Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten und in ihrer persönlichen Unterstützung zu unterstützen, fordere ich die Erweiterung der psychologischen Unterstützung in der Sekundarstufe I und II durch die Aufstockung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, aber auch durch den Ausbau des allgemeinen Schulsupportpersonals, sowie den Ausbau des Programms 18plus für eine bessere Berufsorientierung und die Einführung von flexiblen Schulsystemen, um Platz für das Entdecken und Fördern individueller Stärken zu finden. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Als Nächster am Redner:innenpult ist Christian Hipfinger und in Vorbereitung Sophia-Maria Thoma. (Beifall.)
Christian Hipfinger: Danke schön. Man tut Kindern keinen Gefallen, wenn sie nicht gut genug Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen und man sie da im Stich lässt. Ich bin der festen Überzeugung, alle Schüler:innen wollen dem Unterricht folgen und in weiterer Folge dann auch einen erweiterten Bildungsweg einschlagen. Das funktioniert aber nicht, wenn man nicht die Sprache beherrscht, auf dem das Ganze aufbaut. Genau deshalb darf man Schüler:innen nicht alleine lassen, sondern muss ihnen unter die Arme greifen, und zwar mit diesen Deutschförderklassen.
Leider passiert das gerade viel zu wenig, und deswegen setze ich mich dafür ein, dass wir das Ganze konsequent durchsetzen, denn nur, wenn man allen Schüler:innen den Grundbaustein gibt, um sich am Unterricht zu beteiligen, können sie dann auch in der Schule aufblühen und ihren eigenen Weg gehen. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht, über den wir jetzt abstimmen werden.
Der Schluss der Debatte wurde mit 80 Prozent abgelehnt, somit fahren wir fort mit dem Erweiterungsantrag von Sophia-Maria Thoma. – Bevor du ans Redner:innenpult kommst, möchte ich noch einmal kurz erwähnen, dass Erweiterungs- und Abänderungsanträge wirklich dazu da sind, dass man Anträge etwas abändert oder erweitert und nicht um Wortmeldungen hinzuzufügen. Dafür gibt es die Möglichkeit, Wortmeldungen zu machen. Weil wir einen Antrag bekommen haben mit einer Begründungswortmeldung: Das funktioniert nicht so, also bitte Erweiterungs- und Abänderungsanträge wirklich nur schreiben, wenn ihr eine Erweiterung oder eine Abänderung zu dem Antrag habt.
Bitte schön, jetzt bitte ich dich ans Redner:innenpult. Du hast 3 Minuten Zeit, um deinen Erweiterungsantrag vorzustellen und in Vorbereitung - - – Wir haben noch keinen in Vorbereitung, Entschuldigung. (Beifall.)
Sophia-Maria Thoma: In meinem Erweiterungsantrag geht es um das, dass wenn man die Wiederholungsprüfung im zweiten Semester nicht besteht, man in eine verpflichtende Sommerschule muss und danach die Wiederholungsprüfung erneut antreten darf, um eine faire Chance für alle Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg sollte nicht von einer einzigen Prüfung abhängen. Schülerinnen und Schüler entwickeln sich unterschiedlich schnell und können Leistungen nicht immer bei einer einzigen Prüfung vollständig abrufen.
Eine verpflichtende Sommerschule nach einer nicht bestandenen Wiederholungsprüfung bietet die Möglichkeit, bestehende Defizite gezielt aufzuarbeiten und sich intensiv auf einen weiteren Prüfungsantritt vorzubereiten. Dadurch wird sichergestellt, dass Schülerinnen und Schüler die notwendigen Grundkompetenzen erwerben, ohne ihnen durch ein einmaliges Scheitern dauerhaft Bildungswege zu verschließen. Dies verbindet Leistungsstandards mit einer fairen zweiten Chance. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Als Nächste am Redner:innenpult: Carina Saringer. (Beifall.)
Carina Saringer: Ich habe zuerst gedacht, es hat nicht funktioniert, aber anscheinend doch. Schüler sollen vom Bildungssystem beflügelt werden und ihnen soll nicht der Weg mit 14 Jahren schon von einer Prüfung verbaut werden. Ich glaube, über solche Sachen haben wir beim letzten Antrag schon ausführlich gesprochen, und ich kann mich meinen Vorrednern und Vorrednerinnen nur anschließen, wenn ich sage, ich verstehe den Punkt sehr wohl. Aber ich sage, wenn man sagt: mit 14 Jahren machst du eine Prüfung und wenn du die nicht bestehst, dann kannst du keinen weiteren Bildungsweg einschlagen!, senkt man die Leistungsfähigkeit in Österreich eher.
Um das jetzt auf ein Beispiel konkret zu beziehen: Ich war mit 14 Jahren in einem sehr unguten Umfeld und hätte man damals so eine Prüfung bei mir gemacht, wäre ich wahrscheinlich durchgefallen und hätte keinen weiteren Bildungsweg eingeschlagen. Ich sage einmal so, ich habe jetzt meine schriftliche Matura mit einer 1,0 abgeschlossen. Eine Oberstufe kann einen also verändern und sie verändert viele Leute. Ich sage, so etwas sollte nur als Orientierung dienen und nicht Wege dauerhaft verbauen können. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächster am Redner:innenpult ist Ian Hörburger und in Vorbereitung Hannah Reiter. (Beifall.)
Ian Hörburger: Sehr geehrte Delegierte! Sehr geehrte Gäste! Hohes Haus! Die IKM-Testungen liefern wichtige Informationen über die Stärken und die Schwächen von Schülerinnen und Schülern. Damit sind sie ein wertvolles Instrument zur Qualitätssicherung im Bildungssystem. Damit die Testungen ihren Zweck jedoch vollständig erfüllen können, reicht es nicht aus, die Ergebnisse lediglich zu erheben und zu dokumentieren.
Entscheidend ist vielmehr, dass die gewonnenen Daten richtig interpretiert werden und anschließend in korrekte Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Nur wenn Lehrkräfte die Ergebnisse gezielt nutzen können, lassen sich individuelle Lernrückstände erkennen und Schülerinnen und Schüler können dort unterstützt werden, wo Hilfe benötigt wird. Dafür braucht es entsprechende Schulungen und Fortbildungsangebote für unsere Lehrkräfte. Diese können dabei helfen, die Ergebnisse der Testungen besser zu verstehen, richtig einzuordnen und daraus passende Maßnahmen für den Unterricht abzuleiten.
So wird sichergestellt, dass die IKM nicht nur Zahlen und Statistiken liefert, sondern tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler hat. Denn das Ziel von den Testungen sollte nicht sein, Daten zu sammeln, sondern Bildung zu verbessern. Zusätzliche Schulungen für Lehrkräfte sind daher ein wichtiger Schritt, um das Potenzial der IKM auszuschöpfen und Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächste am Redner:innenpult begrüße ich Hannah Reiter mit einem Erweiterungsantrag und in Vorbereitung Marko Belic. (Beifall.)
Hannah Reiter: Viele Schüler und Schülerinnen haben im Unterricht oft Schwierigkeiten, dem Lernstoff dauerhaft zu folgen oder Wissenslücken bei zum Beispiel Fehltagen selbständig aufzuholen.
Oft fehlen außerdem auch ausreichend Zeit, Ressourcen oder niederschwellige Unterstützungsangebote innerhalb des Schulalltags. Deshalb sollten Schulen die Möglichkeit erhalten, individuelle Förderungen anzubieten. Dazu zählen zum Beispiel regelmäßige Förderstunden in den Hauptfächern, Lerncoaching-Angebote oder auch betreute Lernzeiten, sowie eine zusätzliche Unterstützung durch qualifiziertes, pädagogisches Fachpersonal.
Ziel ist es, die Lernprobleme frühzeitig aufzufangen, Schüler:innen nachhaltig zu unterstützen und sicherzustellen, dass niemand aufgrund fehlender Förderung den Anschluss verliert. Unterstützung soll nicht erst dann erfolgen, wenn bereits deutliche Defizite bestehen, sondern präventiv und begleitend während der gesamten Schulzeit zur Verfügung stehen. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächster am Redner:innenpult ist Marko Belic und in Vorbereitung Nick Klein. (Beifall.)
Marko Belic: Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin in einer AHS und selbst ich muss eingestehen, dass die Berufsbildung bei uns nicht wirklich gut läuft. Das Gute ist, dass dieser Antrag auch einiges anspricht, und dass das Bildungsministerium auch daran arbeitet, dass berufsbegleitende Unterrichtsfächer in unseren AHS landen.
Was jedoch aber meiner Meinung nach fehlt, ist, dass ich in einer AHS und vor allem in der Unterstufe viel zu wenige Informationen darüber bekomme, was ich danach machen kann: Welchen Bildungsweg habe ich zur Verfügung, den ich später einschlagen kann? Die wenigsten von uns, und ich glaube, meine Klasse wird sicherlich derselben Ansicht sein, wissen, dass es zum Beispiel forstwirtschaftliche Schulen gibt; die wenigsten wissen, dass es zum Beispiel Tourismusschulen gibt.
Da bin ich der Meinung, dass sich das ändern muss und deshalb ist gegen den Hauptantrag, glaube ich, nichts einzuwenden. Ich würde mich aber auch wirklich über jegliche Unterstützung freuen, die es für diesen Erweiterungsantrag gibt. – Danke vielmals. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, Marko. Noch einmal ein kurzer Reminder für alle, die bereits gesprochen haben, aber das erste Mal geredet haben: Da drüben haben wir eine Liste, da wo Marko jetzt steht, bitte eintragen und nicht vergessen zu unterschreiben. Wie gesagt, ihr müsst das, wenn ihr heute redet, nur einmal machen. Aber dieses eine Mal wäre sehr wichtig.
So, und somit begrüßen wir Nick Klein am Redner:innenpult mit einem Änderungsantrag und in Vorbereitung Maximilian Haindl. (Beifall.)
Nick Klein: Ja, ich würde mich sehr gerne auf Forderungspunkt 3 beziehen, denn meiner Meinung nach sollte das Ziel dieser Prüfung nicht sein, Schülerinnen und Schüler auszusortieren; nein, es sollte darin bestehen, Defizite frühzeitig zu erkennen und gezielt aufzuarbeiten.
Wird bereits unmittelbar nach einem negativen Ergebnis mit Förderungsmaßnahmen eingegriffen, erhalten betroffene Schülerinnen und Schüler mehr als genügend Zeit, ihre Kompetenzen zu verbessern. Eine Wiederholung am Ende des zweiten Semesters statt einer Sommerschule ermöglicht es, den Lernerfolg dieser Maßnahmen zu überprüfen, ohne den gesamten Bildungsweg von einer Prüfung oder einem einzelnen schlechten Tag abhängig zu machen. Dies verbindet Leistungsanforderungen mit gezielter Förderung und schafft faire Chancen für wirklich jeden Schüler. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Als Nächster am Redner:innenpult ist Maximilian Haindl und in Vorbereitung Kilian Sommerbauer. (Beifall.)
Maximilian Haindl: Liebe Schülervertreterinnen, liebe Schülervertreter! Geschätzte Gäste auf den Zuschauerplätzen! Es ist ein sehr wichtiger Punkt schon in dem Antrag drinnen, vor allem zu den IKM-Tests. Dass man, wenn die Leistungen da nicht so sein sollten, wie sie im Optimum sind, natürlich darauf schaut, diese Leistungen auszubessern, Gespräche mit Erziehungsberechtigten, mit Lehrern und Lehrerinnen und so weiter führt, wie man das auch wieder ausbadet.
Aber es ist ein Punkt nicht drinnen, der mindestens genauso wichtig ist, nämlich die Talenteförderung. Begabungen sind total wichtig, die können auch in so vielen verschiedenen Bereichen stattfinden. Das kann sein: künstlerisch, sprachlich, mathematisch, technisch – ganz, ganz viele Bereiche, die Österreich auch weit voranbringen, weil wir alle davon profitieren.
Genau diese unterschiedlichen Begabungen müssen wir wertschätzen und das Potenzial der einzelnen Schülerinnen und Schüler dadurch auch komplett ausschöpfen. Deswegen appelliere ich, dass wir natürlich bei Leuten, die die Unterstützung brauchen, unterstützen, aber auch bei Leuten, die übermäßig Leistungen erbringen, dass wir die auch optimal fördern, und wir somit für uns, für unser Land, aber auch natürlich für diese einzelnen Personen ihr Potenzial komplett ausschöpfen können.
Ein ganz großer Punkt ist da natürlich auch die Primarstufe und die Sekundarstufe I, denn da ist Talenteförderung eigentlich noch gar nicht vorhanden. Obwohl da Grundbausteine bei den jungen Schülerinnen und Schülern gelegt werden können, um ihre Talente dann komplett auszuschöpfen – denn Talente zu fördern heißt vor allem auch eines, nämlich Zukunft zu gestalten. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, lieber Maximilian.
Als Nächster am Redner:innenpult ist Kilian Sommerbauer und in Vorbereitung Philipp Köck. (Beifall.)
Kilian Sommerbauer: Sehr geehrte Vorsitzende! Geschätzte Delegierte! Ich spreche heute für einen Erweiterungsantrag der vorsieht, dass bei dieser Prüfung besondere Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern berücksichtigt werden müssen. Wenn wir von Leistung sprechen, müssen wir auch von Chancengerechtigkeit sprechen. Nicht alle jungen Menschen starten unter denselben Voraussetzungen, manche Schülerinnen und Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf, andere leben mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung. Wieder andere sind erst vor kurzer Zeit nach Österreich gekommen und befinden sich noch im Prozess des Deutschlernens.
Diese Unterschiede dürfen nicht ignoriert werden. Eine zentrale Prüfung kann nur dann fair sein, wenn sie die unterschiedlichen Ausgangslagen berücksichtigt, denn Gleichbehandlung bedeutet nicht immer Gerechtigkeit. Wenn wir allen dieselbe Prüfung unter exakt denselben Bedingungen geben, obwohl ihre Voraussetzungen unterschiedlich sind, messen wir oft nicht ihr tatsächliches Können, sondern ihre individuellen Hürden.
Besonders kritisch wird es, wenn, wie im vorliegenden Antrag vorgesehen, das Prüfungsergebnis über den weiteren Bildungsweg entscheiden kann. Dann tragen wir eine sehr, sehr große Verantwortung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Schülerinnen und Schüler aufgrund einer Beeinträchtigung, eines Förderbedarfs oder aufgrund von sprachlichen Hürden benachteiligt werden und dadurch schlechtere Zukunftschancen haben. Bildung sollte Brücken bauen und keine zusätzlichen Barrieren errichten.
Eine Schule, die Chancengerechtigkeit ernst nimmt, erkennt Unterschiede an und schafft Rahmenbedingungen, in denen alle Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zeigen können. Deshalb bitte ich, stimmen wir diesem Erweiterungsantrag zu und sorgen wir dafür, dass Leistung fair bewertet wird und niemand aufgrund seiner persönlichen Voraussetzungen benachteiligt wird. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Als Nächsten am Redner:innenpult begrüßen wir Philipp Köck und in Vorbereitung Alina Matharu, Entschuldigung.
Philipp Köck: Wie in diesem Antrag erwähnt wird, wir sollen fit für die Oberstufe und auch fit für das Leben sein. Aber was bedeutet es wirklich, fit für das Leben zu sein? – Das bedeutet, vor allem nach der Sekundarstufe I zu wissen, wie man sich weiter orientieren möchte. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler sich danach weiterbilden können, sei es eine Lehre, weiter in die AHS-Oberstufe oder auch berufsorientierende Schule.
Da ist extrem wichtig, vor allem in der AHS-Unterstufe – ich bin selber auch in eine AHS Unterstufe gegangen –, dass Schülerinnen und Schülern gezeigt wird, was alles möglich ist. Das heißt, welche Möglichkeiten sie nicht nur in der Oberstufe an ihrer eigenen Schule haben, sondern auch an anderen Schulen. Genau deswegen ist es extremst wichtig, wie eh schon meine BMHS-Kollegen erwähnt haben, dass wir die Berufsorientierung ausweiten, vor allem in den AHS-Unterstufen. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank, lieber Philipp.
Die Nächste mit einem Abänderungsantrag ist Alina Matharu und in Vorbereitung Boran Kemac. (Beifall.)
Alina Matharu: Ich kann mich gleich noch anschließen, wir haben nämlich fast dieselbe Forderung. Es ist wirklich wichtig, Schüler:innen bei Lernschwierigkeiten so früh wie möglich zu unterstützen. Da sind wir uns doch hoffentlich alle einig. Was ich nicht unterstützen kann, ist, dass eine einzige Prüfung entscheidet, ob jemand einen weiterführenden Bildungsweg haben kann oder nicht. Genau das steht in den Forderungspunkten 3 und 4.
Schauen wir einmal zum 3. Forderungspunkt. Bei negativem Ergebnis verpflichtende Sommerschule und Prüfungswiederholung am Ende der Sommerschule. Ist das Chancengleichheit?
Wenn wir bei einer Schülerin oder einem Schüler Defizite feststellen, dann sollte unsere erste Reaktion nicht sein, die Türen zu verschließen, sondern Unterstützung anzubieten. Deshalb fordere ich stattdessen, dass individuelle Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden, sobald eine Lernschwierigkeit bemerkt wird, denn unser Ziel sollte nicht Selektion, sondern Förderung sein. Das ist echte Chancengerechtigkeit. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Vielen Dank.
Boran, du musst dich noch ganz kurz gedulden, weil wir den Schluss der Redner:innenliste hereinbekommen haben und über den jetzt abstimmen werden.
Somit wurde der Schluss der Redner:innenliste mit 85 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Normalerweise würde ich jetzt mit einem Erweiterungs- oder einem Abänderungsantrag fortfahren, aber es ist Zeit für die Mittagspause, somit unterbreche ich für die Mittagspause um 12.03 Uhr und wünsche euch Mahlzeit. (Beifall.)
Vorsitzende Hannah Scheidl: Es dürfen auch alle Gäste auf das Bild. Also alle, die da sind, dürfen auf das Bild.
Es wird ein Foto gemacht.
Vorsitzende Hannah Scheidl: Okay, liebe Delegierte, ich würde euch bitten, euch wieder hinzusetzen, damit wir fortfahren können, damit wir wieder starten können, wir sind derzeit nämlich 14 Minuten im Verzug.
Liebe Delegierte, liebe Gäste, noch ein letztes Mal: Ich würde euch bitten, euch alle niederzusetzen, damit es ein bisschen ruhiger wird. – Sehr gut.
Somit darf ich die Sitzung nach dem Mittagessen, um 13.16 Uhr, wieder eröffnen.
Ich darf auch gleich meinen Vorsitz an Raphael Dionisio, den Berufsschulbereichssprecher, abgeben. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio (Berufsschulbereichssprecher): Ich übernehme den Vorsitz um 13.17 Uhr.
Wir fahren fort mit einem Abänderungsantrag von Alina Matharu. (Ruf: Den haben wir schon ...!) – Ach so, war der schon? – Schere. (Heiterkeit und Beifall.) – Zu deep dürfen wir es dann auch nicht machen. (Ruf: Du musst neu sortieren!) – Habe ich, schwöre!
So, jetzt haben wir es wirklich. Abänderungsantrag von Boran Kemac: Nicht nur mit positiven Prüfungsergebnissen kann ein weiterführender Bildungsweg eingeschlagen werden. – Ich bitte dich um die Präsentation. (Beifall.)
Boran Kemac: Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in einen enormen Leistungsdruck zu versetzen und ihnen diese Selektionsmatura vorzulegen, die dann entscheidet, ob sie den Weg zur eigentlichen Matura weiterführen können, hat nichts mit einem modernen Bildungssystem zu tun. Das ist ein System, das sehr früh selektiert und damit unnötig viel Druck auf junge Menschen legt, die sich eigentlich noch in einer Orientierungsphase befinden.
Wir sollten uns gerade in der heutigen Zeit darauf fokussieren, Schülerinnen und Schülern Druck und Stress abzunehmen und sie beim Lernen zu unterstützen, statt sie zusätzlich unter ständigen Bewertungsdruck zu stellen. Studien aus der Psychologie zeigen klar, dass früher Leistungsdruck nicht zu besseren Ergebnissen führt, sondern eher zu Angst, Lernblockaden und dem Gefühl, nicht genug zu sein. Genau das passiert, wenn Entscheidungen über Bildungswege schon früh an einzelne Prüfungen geknüpft werden. Wir brauchen ein Bildungssystem, das entwickelt, ermöglicht und nicht früh aussortiert. Deshalb fordere ich, dass nicht nur mit einem positiven Prüfungsergebnis ein weiterführender Bildungsweg eingeschlagen werden kann. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: So, ich will nur trotzdem noch einmal erwähnen, dass jeder, der zum ersten Mal redet, sich bitte in die Liste einträgt. Ich weiß, wir wiederholen uns, aber bitte darauf wirklich nicht vergessen. Das brauchen sie nämlich. Es gibt Infomaterial zur Entnahme vom Parlament, das liegt auch dort.
Dann fahren wir fort mit dem Abänderungsantrag von Levi Stuhlpfarrer. – Ich bitte um die Präsentation. (Beifall.)
Levi Stuhlpfarrer: Liebe Kolleg:innen, auch einen schönen Vormittag meinerseits! Stellt euch vor, ihr seid 13 Jahre alt, ihr sitzt in einem Klassenraum, vor euch liegt eine Prüfung und euch ist klar: Wenn ich heute scheitere, dann scheitere ich nicht nur bei dieser Prüfung, dann scheitert mein nächster Schritt in die Zukunft zum Studium – mit 13 Jahren! In einem Alter, in dem man wachsen, Fehler machen und sich entwickeln dürfen sollte, wollen wir Kindern das Gefühl geben, dass eine einzige Prüfung ihr Schicksal besiegelt.
Ja, wir brauchen Förderung, aber Förderung darf keine Drohung sein und schon gar nicht mit so einer Selektionsmatura. Schule sollte Kinder auffangen und nicht aussortieren, sie sollte Mut machen und nicht Angst. IKM-Testungen sind schon eine gute Möglichkeit, allgemein Leistungsfeststellungen zu vergleichen und können auch individuell genutzt werden, aber an dieser einen Testung ein komplettes Schicksal, die Zukunft von 13-jährigen Kindern festzumachen, ist absolut absurd.
Deswegen mein Änderungsantrag, den Punkt mit dieser Prüfung zu streichen. Ich bitte euch für diesen positiv abzustimmen. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Es haben uns soeben mehrere Anträge auf Schluss der Debatte erreicht, über die werden wir natürlich gleich abstimmen.
Bitte aufs Abstimmen nicht vergessen. Geht es bei irgendwem nicht? – Dann bitte einfach zu Jan kommen.
Dieser wurde abgelehnt.
Das heißt, wir fahren fort. Als Nächste bitte Emma Battlogg. – Ich bitte um deinen Abänderungsantrag. (Beifall.)
Emma Battlogg: Meine Schwester ist 14 Jahre alt und in der 4. Unterstufe an einer AHS in Vorarlberg. Fast jeden Abend sitze ich mit ihr zusammen am Küchentisch und lerne: Englisch, Mathe, Geografie, dann wieder Biologie – irgendwas gibt es immer zu lernen. Seit vier Jahren schreibt sie Tests und Schularbeiten, seit vier Jahren macht sie Präsentationen und bringt Leistungen. Seit vier Jahren sitzt sie in dieser Schule und zeigt: Ich kann das!
Warum sollten sie und ihre Mitschüler:innen jetzt auf einmal noch eine Prüfung machen müssen, wenn sie seit vier Jahren kontinuierlich nichts anderes machen als Leistung zu bringen? Ich spreche nicht von 18-Jährigen, uns ist allen bewusst, das sind 13- und 14-jährige Kinder.
Die Folgen von dieser Prüfung sehen wir in Forderungspunkt 3und 4: Sommerschule und vielleicht trotzdem keine Möglichkeit aufzusteigen.
Wenn ich an mich zurückdenke mit 14 Jahren, und an zwar meinen Lehrer, der mir wieder gesagt hat: Emma, du bist zu dumm! Du bist zu dumm, um aufzusteigen! Genau das dachte ich damals auch, weil ich Probleme mit schriftlichen Leistungen hatte. Mittlerweile stehe ich hier und weiß: Ich bin nicht zu dumm, sondern ich habe es einfach anders gemacht wie andere!
Deshalb müssen wir diesen Forderungspunkt streichen. Wir können nicht so einen extremen Leistungsdruck auf Schüler:innen ausüben, auf Kinder ausüben und dann erwarten, dass sie trotzdem perfekte Leistungen bringen, und dann erwarten, dass sie nur mit dieser Leistung aufsteigen können. Alle Kinder sollten die gleichen Bildungschancen haben.
Sommerschule: war ich auch. Hat es was gebracht? – Nein, Sommerschule funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Frontalunterricht. Wir können nicht ein grundlegendes Problem im Schulsystem nehmen und dann sagen: Ja, lass uns das noch einmal machen, vielleicht klappt es ja, wenn wir sie extra lang in die Schule stecken! Nein, das funktioniert nicht, weil wenn wir ein grundlegendes Problem haben, dann können wir es nicht lösen, indem wir zusätzlichen Unterricht einführen, der genau dieses Problem des Frontalunterrichts reproduziert. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Die Rednerliste ist wieder geöffnet, da ein Erweiterungsantrag gekommen ist.
Wir haben aber auch gleich wieder einen Antrag auf Schluss der Debatte, über den wir wieder gleich abstimmen werden.
Dieser wurde angenommen.
Das heißt, wir kommen gleich zur Abstimmung.
Dann stimmen wir als Erstes über den Erweiterungsantrag von Lorina Schneeberger betreffend die Einführung von Lerncafés ab.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Luka Kolanović: Die Ergebnisse der IKM-plus-Testungen sollen vertraulich behandelt und ausschließlich den betroffenen Schüler:innen, deren Erziehungsberechtigten sowie den zuständigen Lehrkräften zugänglich gemacht werden.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Juliana Eckerstorfer betreffend die Erweiterung der psychologischen Unterstützung in Sekundarstufe I und II durch die Aufstockung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, aber auch durch den Ausbau des allgemeinen Schulsupportpersonals, den Ausbau des 18-plus-Programmes für eine bessere Berufsorientierung und die Einführung von flexiblen Schulsystemen und Platz für das Entdecken und Fördern individueller Stärken zu schaffen.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Nächster: Erweiterungsantrag von Christian Hipfinger-Kraushofer: konsequente Umsetzung von Deutsch-Förderklassen.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster: Erweiterungsantrag von Sophia-Maria Thoma: Bei nicht bestandener Wiederholungsprüfung im zweiten Semester soll eine verpflichtende Sommerschule und eine erneute Wiederholung am Ende der Sommerschule stattfinden.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. (Beifall.)
Als Nächster: Streichungsantrag von Carina Saringer: Nur mit positiven Prüfungsergebnissen kann ein weiterführender Bildungsweg eingeschlagen werden.
Dieser wurde abgelehnt.
Nächster: Erweiterungsantrag von Ian Hörburger: die verpflichtende Schulung von Lehrpersonen im Umgang mit den Ergebnissen der IKM-Testungen und der Erstellung individueller Fördermaßnahmen.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster: Erweiterungsantrag von Hannah Reiter: Ausbau von Unterstützung und Förderangeboten im Schulalltag, um Schüler:innen bei Lernschwierigkeiten frühzeitig und gezielt zu begleiten.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Nächster – ich sehe leider nicht, ob es eine Erweiterung oder eine Abänderung ist, einen Moment –, von Nick Klein – ich gehe davon aus, dass es ein Erweiterungsantrag ist –: Bei negativem Ergebnis soll aktiv im zweiten Semester mit Förderprogrammen eingegriffen werden und die Prüfung soll am Ende des zweiten Semesters wiederholt werden.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Der Nächste: Erweiterungsantrag von Marko Belic – da steht bei mir in der Übersicht nur –: Bildung.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster: Erweiterungsantrag von Maximilian Haindl: Talenteförderung in Primarstufe und auch Sekundar I.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Nächster: Erweiterungsantrag von Kilian Sommerbauer: Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster: Erweiterungsantrag von Philipp Köck: Ausbau der Berufsorientierung in der Sekundarstufe I, insbesondere der AHS-Unterstufe.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster: Abänderungsantrag von Alina Matharu: Bei negativem Ergebnis individuelle Unterstützungsmaßnahmen anbieten.
Dieser wurde abgelehnt.
Nächster: Abänderungsantrag von Boran Kemac: Nicht nur mit positivem Prüfungsergebnis kann ein weiterführender Bildungsweg eingeschlagen werden.
Dieser wurde abgelehnt.
Als Nächstes: Abänderungsantrag von Levi Stuhlpfarrer: die zentralisiert und seitens BMB organisiert wird, aber nicht entscheidend für die schulische Laufbahn der einzelnen Schüler:innen ist.
Dieser wurde abgelehnt.
Als Nächstes: Streichungsantrag von Emma Battlogg; vom Forderungspunkt: „Eine Prüfung im 1. Semester der Abschlussstufe der Sek I“ – also Sekundarstufe I – „über Grundkompetenzen, die zentralisiert und seitens des BMB organisiert wird. Das Ergebnis wird nicht nach Leistungsstufe benotet, sondern ist entweder positiv oder negativ.“
Dieser wurde abgelehnt.
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Fabian Strauss, die Möglichkeit - -
Okay, damit kommen wir zur Abstimmung des Hauptantrages mit allen positiv abgestimmten Erweiterungs- und Abänderungsanträgen.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Dann kommen wir schon zum nächsten Hauptantrag, und zwar: „Schule mit Herz und Hirn“ von Semi Zeran. (Beifall.)
Semi Zeran: Wir lernen in der Schule vieles, aber lernen wir auch, gute Menschen zu sein? Denn was wir wissen, ist wichtig; wer wir sind, ist allerdings wichtiger. Sehr geehrte Vorsitzende! Geschätzte Delegierte! Liebe Gäste! Mein Name ist Semi Zeran, ich bin 16 Jahre alt, und ich darf euch heute meinen Antrag „Schule mit Herz und Hirn“ vorstellen.
Wir verbringen einen großen Teil unserer Kindheit in der Schule. Dort lernen wir lesen, schreiben und rechnen. Wir lernen Jahreszahlen, Formeln und Fremdsprachen – und das ist wichtig –, aber während wir all das lernen, stelle ich mir ein paar Fragen: Wer bringt Kindern bei, respektvoll miteinander umzugehen? Wer spricht mit ihnen darüber, was Gerechtigkeit bedeutet? Wer zeigt ihnen, wie man mit Konflikten umgeht, Verantwortung übernimmt oder andere Meinungen respektiert?
Natürlich passiert das manchmal im Unterricht und natürlich passiert das auch zu Hause, aber die Wahrheit ist, dass für solche Themen oft zu wenig Zeit bleibt. Dabei sind es genau diese Fähigkeiten, die unser Zusammenleben ausmachen, denn eine Gesellschaft funktioniert nicht nur durch Wissen. Sie funktioniert durch Menschen, die zuhören, Menschen, die verstehen, dass Respekt keine Schwäche ist, sondern eine Stärke.
Für viele Schüler:innen bietet der Religionsunterricht einen Raum für solche Gespräche – und so sollte es auch sein –, aber nicht alle Kinder besuchen den Religionsunterricht. Wenn wir sagen, dass Wertebildung wichtig ist, dann darf sie nicht vom Religionsbekenntnis abhängen. Jedes Kind verdient die Möglichkeit, über Fragen des Zusammenlebens nachzudenken, jedes Kind verdient die Möglichkeit, eine eigene Haltung zu entwickeln, und jedes Kind verdient die Möglichkeit, zu lernen, dass man anderer Meinung sein kann, ohne den Respekt voreinander zu verlieren.
Aus diesem Grund fordere ich die Einführung von verpflichtendem Ethikunterricht in der Primarstufe für Schüler:innen, die nicht den Religionsunterricht besuchen, da die Grundlagen für Wertebewusstsein und respektvolles Zusammenleben bereits in jungen Jahren gelernt werden – nicht als Ersatz und auch nicht als Konkurrenz, sondern als Chance. Denn wir werden nicht daran gemessen, was wir auswendig lernen konnten, sondern daran, wie wir mit Menschen umgehen.
Deshalb brauchen wir keine Schule, die sich zwischen Wissen und Werten entscheiden muss, wir brauchen eine Schule, die beides vermittelt. Deshalb bitte ich euch um Zustimmung für eine Schule mit Herz und Hirn. – Herzlichen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Damit ist die Redner:innenliste eröffnet.
Dann kommen wir gleich zur ersten Wortmeldung, und zwar von Benjamin Berchtold. Ich bitte um die Präsentation. (Beifall.)
Benjamin Berchtold: Sehr geehrte Damen und Herren! Werte beginnen nicht im Klassenzimmer, Werte beginnen daheim – bei den Eltern, in der Familie, durch Vorbild, durch Erziehung und Haltung – aber Schule darf dort nicht wegschauen. Nein, Schule darf dort nicht wegschauen, wo Kinder Fragen haben, die im normalen Unterricht keinen Platz finden!
Gerade in der Volksschule geht es nicht um Ideologie, es geht um Respekt, um Mitgefühl, um Fairness, um Schicksalsschläge, Konflikte, Ausgrenzungen und Miteinander. Und ja, Kinder ohne Religionsunterricht dürfen bei diesen wichtigen Fragen nicht einfach leer ausgehen. Ethik ersetzt nicht die Eltern, Ethik ersetzt nicht Religion, Ethik schafft einen Raum, in dem Kinder lernen sollen, miteinander respektvoll umzugehen und über ihr eigenes Verhalten nachzudenken.
Eine Schule soll Wissen vermitteln, aber sie soll auch Herz und Hirn bilden, darum bitte ich euch, dass ihr bei diesem Antrag positiv abstimmt. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Dann haben wir einen Erweiterungsantrag von Alisa Gradascevic, der Religionsunterricht soll an öffentlichen Schulen bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit durch einen verpflichtenden Ethikunterricht ersetzt werden. (Beifall. – Alisa Gradascevic – in Richtung Präsidium –: ... das sollte ein Änderungsantrag sein. Ich glaube, ich habe nur falsch ...!) – Passt, wird geändert.
Alisa Gradascevic: Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen! Ich möchte kurz den Änderungsantrag vorstellen, den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit durch einen verpflichtenden Ethikunterricht zu ersetzen.
Kinder und Jugendliche sollen nämlich die Möglichkeit erhalten, sich zunächst unabhängig von einer bestimmten Glaubensrichtung mit grundlegenden Fragen des Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Was bedeutet Verantwortung, wie gehen wir respektvoll miteinander um, welche Werte trägt eine demokratische Gesellschaft? – Ein verpflichtender Ethikunterricht schafft genau dafür eine gemeinsame Grundlage für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von ihren religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen. Er fördert das kritische Denken, Toleranz und den respektvollen Umgang miteinander und mit unterschiedlichen Überzeugungen klarzukommen.
Mit dem Erreichen der Religionsmündigkeit können junge Menschen dann selbstbestimmt entscheiden, ob und welcher Religionsgemeinschaft sie angehören möchten und ob sie den Religionsunterricht besuchen wollen. Diese Entscheidung sollte nämlich auf eigener Überzeugung beruhen und nicht bereits in jungen Jahren vorgegeben werden.
Diese Änderung stärkt damit sowohl die weltanschauliche Neutralität der öffentlichen Schulen als auch die persönliche Freiheit der Schülerinnen und Schüler. Ich bitte daher um eure Unterstützung bei diesem Änderungsantrag. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Gut.
Dann als Nächstes ein Abänderungsantrag von Franz Foßl. (Beifall.)
Franz Foßl: Religionen und Weltanschauungen prägen gesellschaftliche Ordnungen, Wertevorstellungen und individuelle Sinnbildungsprozesse in erheblichem Ausmaß. Diese sind teils positiv und teils negativ – und dabei ist es egal, um welche Religion es sich handelt. Eine entsprechende Behandlung im Ethikunterricht erfordert daher einen wissenschaftlich fundierten Zugang, der historische Entwicklungen, gesellschaftliche Funktionen sowie politische Einbettungen gleichermaßen berücksichtigt.
Eine antikolonial informierte Perspektive ist dabei wesentlich, um eurozentrische Deutungsmuster zu hinterfragen und religiöse sowie weltanschauliche Vielfalt in ihrer globalen Kontextdualität angemessen zu erfassen. Auf diese Weise werden Schüler:innen dazu befähigt, religiöse Deutungs- und Sinnessysteme kritisch, differenziert und reflektiert zu beurteilen und sich eigenständig ein begründetes Urteil zu bilden. Deswegen lautet mein Erweiterungsantrag, der fälschlicherweise als Abänderungsantrag eingereicht ist, folgendermaßen:
Im Ethikunterricht soll eine verbindliche, wissenschaftlich fundierte und antikolonial informierte Auseinandersetzung mit Religionen und Weltanschauungen verankert werden, die deren historische, gesellschaftliche und politische Einbettung reflektiert und zu einer kritischen, differenzierten Urteilungsbildung über religiöse Deutungs- und Sinnessysteme befähigt. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Als Nächstes ein Erweiterungsantrag von Markus Heinrich Obermair. (Beifall.)
Markus Heinrich Obermair: Alle in Österreich – neun Bundesländer, 94 Bezirke, 2 092 Gemeinden, rund 6 300 Schulen, mehr als 1,18 Millionen Schülerinnen und Schüler und wir alle, die hier heute im Plenum sitzen – haben den Auftrag, tragfähige und konstruktive Lösungen für genau diese Schülerinnen und Schüler zu erarbeiten, denn hinter jeder Zahl stehen junge Menschen mit Sorgen, Ängsten, Herausforderungen und Hoffnungen.
Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der persönlichen Entwicklung und Unterstützung. Themen wie Mobbing, familiäre Probleme, die eigene Identität oder psychische Belastungen machen vor keinem Bundesland und vor keiner Schulform halt. Gerade deshalb möchte ich den vorliegenden Antrag um einen wesentlichen Punkt erweitern. Es reicht nicht aus, schulpsychologisches Personal lediglich auszubauen, wir müssen auch dafür sorgen, dass diese Angebote sichtbar und niederschwellig erreichbar sind.
Deshalb schlage ich vor, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Schulpsychotherapeut:innen, Jugendcoaches, Schulsozialarbeiter:innen und Vertrauenslehrer:innen mindestens zweimal jährlich aktiv in den Unterricht einzubauen. Damit enttabuisieren wir psychische Gesundheit, wir schaffen Bewusstsein, bevor Krisen entstehen und wir zeigen Schülerinnen und Schülern, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.
Denn am Ende geht es nicht um Zahlen, Strukturen oder Zuständigkeiten, sondern es geht um mehr als 1,18 Millionen Schülerinnen und Schüler in Österreich. Ihnen sind wir verpflichtet, und deshalb bitte ich um eure Zustimmung. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Dann haben wir als Nächstes einen Erweiterungsantrag von Johanna Garstenauer. (Beifall.)
Johanna Garstenauer: Ich glaube, meine Vorrednerinnen und Vorredner haben schon sehr gut festgestellt, warum es so wichtig ist, dass alle Schüler:innen Ethikunterricht bekommen und was die Vorteile des Ethikunterrichts sind.
Mir ist noch einmal wichtig zu betonen, dass Ethikunterricht und Religionsunterricht sich nicht gegenseitig ausschließen. Im Religionsunterricht lernt man viel über Spiritualität und es ist oft schon eine festgelegte Ansicht auf die Dinge; während man im Ethikunterricht lernt, sich selbst eine Meinung zu bilden.
Deswegen ist es wichtig, dass alle Schüler den Zugang zu beiden haben. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Dann haben wir als Nächstes einen Erweiterungsantrag von Magdalena Mayrhofer; in Vorbereitung: Kamal Multani. (Beifall.)
Magdalena Mayrhofer: Ich bringe einen Abänderungsantrag zu diesem Antrag ein, und zwar: Die Möglichkeit, zwischen Ethik- und Religionsunterricht zu wählen, soll nicht nur in der Primarstufe da sein, sondern auch in der Unterstufe.
Denn worum geht es hier eigentlich? – Es geht um Wahlfreiheit, um die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welcher Unterricht besser zu einem passt. Ich finde, gerade in der Unterstufe ist man in einem Alter, in dem man beginnt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Man hinterfragt mehr, man beschäftigt sich mit Fragen über Werte, über die Gesellschaft und über das eigene Weltbild. Genau deshalb soll es auch die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, in welchem Rahmen man sich mit diesen Themen auseinandersetzen möchte.
Ich kenne das aus meiner eigenen Unterstufenzeit: Bei uns gab es diese Wahl nicht. Religion war der vorgegebene Weg, und genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir heute darüber sprechen. Denn niemandem wird etwas weggenommen: Der Religionsunterricht bleibt bestehen, aber Schülerinnen und Schüler bekommen zusätzlich die Möglichkeit, selbst eine Entscheidung zu treffen, und ich glaube, eine Schule mit Herz und Hirn zeichnet sich auch genau dadurch aus, dass sie nicht für junge Menschen entscheidet, wenn diese Entscheidung auch selbst getroffen werden kann.
Deshalb bitte ich euch um eine Zustimmung zu diesem Abänderungsantrag für mehr Wahlfreiheit, für mehr Selbstbestimmung und für eine Schule, die jungen Menschen nicht die eigene Entscheidung wegnimmt. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Mir wurde zugetragen, dass gewisse Personen mit einem Slime auf dem Tisch spielen. Ich bitte wirklich darum, die Würde des Hauses schon zu respektieren und das zumindest wegzutun.
Dann als Nächstes: Abänderungsantrag von Kamal Multani; in Vorbereitung: Corinna Huber. (Beifall.)
Kamal Multani: Der Ethikunterricht – meiner Meinung nach ist das ein richtig wichtiges Fach. Warum? – Es fördert kritisches Wissen und dementsprechend ist es auch mein Lieblingsfach.
Aber ein Problem gibt es immer noch in meiner Schule: meine Ethiklehrerin. Sie unterrichtet so viele Sachen, die nicht im Lehrplan verankert sind. Das heißt was? – Genauer gesagt, Themen von Ihrer politischen Einrichtung. Solche politischen Themen, die ganz eindeutig eine Partei darstellen, haben nichts – und absolut nichts – im Unterricht verloren, und schon gar nicht im Unterricht der Unterstufler, bei solchen jungen Kindern.
Meine Forderung: Der Unterricht soll politisch neutral gestaltet werden und der Fokus soll auf ethischen Grundwerten bleiben, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. – Vielen Dank fürs Zuhören. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Corinna Huber; in Vorbereitung Kian David. (Beifall.)
Corinna Huber: Zuerst einmal ein Danke an meinen Kollegen, der einen so wichtigen Antrag stellt, denn alle Schülerinnen und Schüler sollten die Möglichkeit haben, zwischen Ethikunterricht und Religionsunterricht zu wählen, ohne dafür einen Zusatzaufwand zu haben, wie zum Beispiel freie Nachmittage opfern zu müssen.
Ich will mit meinem Abänderungsantrag nicht nur die Primarstufen einschließen, sondern auch die Sekundarstufen I und II, denn in Österreich gibt es 22 Prozent der Schüler:innen, die kein Bekenntnis haben, und auf genau diese Schüler:innen wird im Moment keine Rücksicht genommen. Denn jede und jeder verdient einfach etwas, wo es nicht nur um Leistung geht, um Druck oder Noten, sondern wo man sich mit dem Sinn des Lebens befassen kann oder mit den Werten des Zusammenlebens und gemeinsam diskutieren kann. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Als Nächster, bitte, Kian David mit seinem Erweiterungsantrag; und in Vorbereitung: Alina Matharu. (Beifall.)
Kian David: Danke erst einmal - - Hört man mich? – Ja.
Danke erst einmal für diesen außerordentlich wichtigen Antrag – ich finde in der heutigen Zeit so ein Thema aktueller denn je: in Zeiten der Manosphere, in Zeiten von Hass und Hetze und in Zeiten von immer mehr Femiziden. Nahezu jede dritte Frau wird Opfer sexueller Gewalt in ihrem Leben; der Rassismus in Österreich nimmt von Wahlperiode zu Wahlperiode zu.
Wir müssten jetzt Präventionsarbeit leisten: junge Männer aufklären, Akzeptanz schaffen, sodass wir besser leben können. Deswegen fordere ich verpflichtende Antisexismus- und Antirassismusvorträge beziehungsweise -exkursionen und verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler:innen, unabhängig von Religionen, denn religiöse Werte unterscheiden sich und können je nach Auslegung variieren. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht.
Über den werden wir zuerst abstimmen.
Dieser wurde angenommen.
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Alina Matharu; in Vorbereitung: Ioana Iontcheva. (Beifall.)
Alina Matharu: Ich unterstütze den Antrag grundsätzlich; Ethik ist eines meiner Lieblingsfächer und ich kann mich meinen Vorredner:innen nur anschließen: Es ist wichtig für kritisches Denken und für Grundwissen.
Ich möchte aber betonen, dass guter Ethikunterreich nicht nur davon abhängt, dass er stattfindet, sondern auch, wie er stattfindet. Wenn wir im Ethikunterricht über Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Ableismus oder gesellschaftliche Vielfalt sprechen wollen, dann können wir nicht davon ausgehen, dass jede Lehrperson automatisch das nötige Wissen und die nötigen Werkzeuge dafür mitbringt. Gerade diese Themen wie Antidiskriminierung sind oft komplex, sensibel und betreffen extremst viele Schüler:innen im Alltag.
Dafür braucht es eine verpflichtende und bundesweit einheitliche Aus- und Fortbildung für Ethiklehrpersonen. Wenn wir wollen, dass Schule ein Ort für alle wird, ein Ort von Respekt, von Vielfalt und von Chancengleichheit, dann müssen wir auch sicherstellen, dass diejenigen, die diese Werte vermitteln, nämlich unsere Lehrpersonen, bestmöglich darauf vorbereitet sind. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Als Nächstes bitte der Erweiterungsantrag von Ioana Iontcheva; in Vorbereitung: Vanessa Meditsch. (Beifall.)
Ioana Iontcheva: Lieber Vorsitz! Liebe Delegierte! Wir kennen es alle: Menschen werden aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens tagtäglich mit Vorurteilen konfrontiert. Solche Erfahrungen passieren nicht nur in den Medien, in der Politik oder in der Schule, sondern es passiert halt auch im Alltag, im Freundeskreis. Deshalb ist es wichtig, dass junge Menschen früh lernen, Diskriminierung zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und ihr etwas entgegenzusetzen.
Antidiskriminierungsbildung stellt eine wesentliche Voraussetzung für ein respektvolles und von Vielfalt geprägtes gesellschaftliches Zusammenleben dar. Gerade in einer religiös und kulturell vielfältigen Gesellschaft ist es unerlässlich, Schülerinnen und Schüler für Diskriminierungsmechanismen zu sensibilisieren und ihre Fähigkeit zur kritischen Reflexion von Vorurteilen sowie gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu stärken. Der Ethikunterricht bietet hierfür einen besonders geeigneten Rahmen, weil er sich mit Fragen der Menschenwürde, Gerechtigkeit, Toleranz und des Zusammenlebens auseinandersetzt.
Die gezielte Thematisierung von Diskriminierung aufgrund religiöser Zugehörigkeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen, zur Förderung gegenseitigen Verständnisses sowie zur Stärkung demokratischer Werte. Dadurch kann ein Schulklima gefördert werden, das von Respekt, Offenheit und Gleichberechtigung geprägt ist und junge Menschen auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer vielfältigen Gesellschaft vorbereitet. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Uns haben soeben mehrere Anträge auf Schluss der Debatte erreicht.
Über diese werden wir zuerst abstimmen.
Dieser wurde abgelehnt.
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Vanessa Meditsch; in Vorbereitung: Luka Kolanović. (Beifall.)
Vanessa Meditsch: Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler! Warum sollten Kinder, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, den Religionsunterricht besuchen müssen? Was hat denn das für eine Logik? Also Ethikunterricht – ja, bitte, aber auch altersgerecht, und das nicht nur in der Theorie, sondern praxisnah, denn Kinder sollen schon früh den Umgang miteinander lernen, und das abgestimmt auf ihre Schulstufen. Aber abgestimmt nicht nur auf die Schulstufen, sondern auch auf die persönlichen Entwicklungsstufen, denn Kinder muss man dort abholen, wo sie sich gerade in ihrer persönlichen Entwicklung befinden.
Wir müssen endlich Kinder dazu anregen, selbst und kritisch zu denken, und das auch schon im jungen Alter fördern, denn unsere Demokratie lebt davon. Also fordere ich einen altersgerechten Lehrplan für Ethikunterricht, der das Ziel hat, Werte zu vermitteln und praxisnahe Übungen zu haben, denn Ethik soll Orientierung geben und die Persönlichkeitsentwicklung fördern. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Es hat uns wieder ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht.
Über diesen werden wir abstimmen.
Dieser wurde abgelehnt; das heißt, wir fahren fort.
Als Nächster folgt Luka Kolanović. – Ich bitte dich um deine Erweiterung; und in Vorbereitung: Nick Klein. (Beifall.)
Luka Kolanović: Fehlstunden: Ich glaube, bei diesem Wort, ja, müssen einige lachen, und ich glaube, ich muss euch nicht erklären, was Fehlstunden sind, denn wir alle sitzen im selben Boot.
Ich muss sagen, ich spreche aus Erfahrung: Vor allem in der Mittelschule gab es oftmals das Problem, dass ich auf die anderen Leute etwas neidisch war. Man hat mich vorhin draußen gefragt, ob ich eigentlich religiös bin – und daran kann ich eigentlich gleich anknüpfen: Ja, und ich war im Religionsunterricht, aber da gab es immer so eine gewisse Art von Hintergedanken: Soll ich jetzt in den Religionsunterricht, soll ich mich nicht lieber zum Ethikunterricht ummelden? Wieso? – Ja, weil die anderen freibekommen haben, genau deswegen.
Ich glaube, so ticken echt viele: Wenn man irgendwie eine Veranstaltung hat, dann geht man nicht extra noch für 1 Stunde in die Schule. – So denken leider sehr viele, und deswegen möchte ich, dass auch wirklich sichergestellt wird, dass dieser Ethikunterricht besucht wird, denn oftmals ist es der Fall, dass Leute sagen: Hey, ich melde mich für den Ethikunterricht an; ja, ich muss jetzt eigentlich gar nicht kommen. – So war es nämlich bei mir in der Mittelschule, und das möchte ich mit diesem Erweiterungsantrag dann auch wirklich sicherstellen – und nach dem ganzen Chaos bin ich doch froh, dass wir in Vorarlberg ein analoges SIP haben. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Raphael Dionisio: Es gibt wieder einen Antrag auf Schluss der Debatte, über den wir wieder abstimmen werden.
Dieser wurde angenommen.
Das heißt, wir kommen zur Abstimmung. (Beifall.)
Dann kommen wir zum ersten Erweiterungsantrag, jenem von Alisa Gradascevic: Der Religionsunterricht soll an öffentlichen Schulen bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit durch einen verpflichtenden Ethikunterricht ersetzt werden.
Dieser wurde abgelehnt.
Dann haben wir als Nächstes den Erweiterungsantrag von Franz Foßl: Im Ethikunterricht soll eine verbindliche, wissenschaftlich fundierte und antikolonial informierte Auseinandersetzung mit Religionen und Weltanschauungen verankert werden, die deren historische, gesellschaftliche und politische Einbettung reflektiert und zu einer kritischen, differenzierten Urteilsbildung über religiöse Deutungs- und Sinnsysteme befähigt.
Dieser wurde abgelehnt.
Durch die Enthaltungen hat er nicht die 50 Prozent erreicht; gerne sonst beim Beisitz- - (Allgemeine Heiterkeit. – Es erfolgen Beratungen am Präsidium.) – Gut, bitte alle wieder auf ihre Plätze! Wir haben es jetzt noch einmal mit der Geschäftsordnung abgeglichen.
Gut, dann wurde dieser angenommen. (Beifall.)
Dann haben wir als Nächstes den Erweiterungsantrag von Markus Heinrich Obermair.
Okay, kurz zur Erklärung: Wir haben es jetzt noch einmal in der Geschäftsordnung nachgeschlagen. Es steht drinnen: Wenn es eine Pro-Stimme mehr gibt als Gegenstimmen, ist er angenommen, deshalb ist er angenommen worden; da hat es nur vorher Unstimmigkeiten gegeben. (Zwischenruf.) – Gut, das klären wir, wir fahren aber nebenbei fort.
Und zwar haben wir als Nächstes den Erweiterungsantrag von Markus Heinrich Obermair: Ausbau von verpflichtendem Ethikunterricht in der Primarstufe - - ach so, Ausbau von schulpsychologischem Personal. – Entschuldigung! (Es erfolgen Beratungen am Präsidium.)
Gut, zum Antrag von vorhin, wo derselbe Fall war: Wir werden das im Protokoll noch einmal nachschlagen und die Stimmen abgleichen. Wenn es derselbe Fall ist wie dieser, ist das positiv angenommen.
Dann folgt jetzt bitte – Moment! –: Der Erweiterungsantrag von Markus Heinrich Obermair wurde angenommen. (Beifall.)
Dann kommen wir zum nächsten Erweiterungsantrag, dem von Johanna Garstenauer: Schüler:innen sollen die Möglichkeit haben, sowohl Religionsunterricht als auch Ethikunterricht zu besuchen.
Dieser wurde angenommen. Gratuliere! (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Magdalena Mayrhofer: Einführung von verpflichtendem Ethikunterricht in der Primarstufe und in der Unterstufe.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Kamal Multani: Der Ethikunterricht soll frei von politischer Beeinflussung sein und Schüler:innen dazu befähigen, unterschiedliche Standpunkte kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Corinna Huber: Einführung der verpflichtenden Wahl zwischen Ethikunterricht und regulärem Religionsunterricht in der Primarstufe, Sekundarstufe I und II, auch geltend für religiöse Privatschulen.
Dieser wurde abgelehnt.
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Kian David: Verpflichtende Antisexismus- und Antirassismusvorträge und verpflichtender Unterricht für alle Schüler:innen unabhängig der Religion.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Alina Matharu: Eine verpflichtende und bundesweit einheitlich geregelte Aus- und Fortbildung von Ethiklehrpersonen zu den Themen Diskriminierung, Diversität und gesellschaftliche Vielfalt.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Ioana Iontcheva: Die verpflichtende Verankerung von Antidiskrimminierungsbildung im Ethikunterricht mit besonderem Fokus auf Diskriminierung aufgrund religiöser Zugehörigkeit.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes: Erweiterungsantrag von Vanessa Meditsch: Altersgerechte Gestaltung des Ethikunterrichts.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere der Antragstellerin. (Beifall.)
Damit kommen wir zum letzten Erweiterungsantrag, dem von Luka Kolanović: Die Sicherstellung, dass Schüler:innen während des Ethikunterrichts keine Freistunden erhalten.
Dieser wurde ebenfalls angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Damit kommen wir jetzt auch schon zur Abstimmung des Hauptantrages mit allen positiv abgestimmten Erweiterungs- und Abänderungsanträgen.
Dieser wurde angenommen. Ich gratuliere dem Antragsteller. (Beifall.)
Ich übergebe nun – um 14.30 Uhr – den Vorsitz an Inhaltsbereichssprecher Marco Wehinger. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger (BMHS-Bereichssprecher): Ich übernehme um 14.31 Uhr den Vorsitz.
Wir fahren mit Antrag Nummer 4 „Der Stundenplan macht uns zum Uhrwerk“ von Alina Matharu fort. (Beifall.)
Alina Matharu: Jeden Morgen klingelt der Wecker – manchmal zu früh, manchmal mitten in einem Traum, den wir gerade noch hatten, und mit diesem Klingeln beginnt eine neue Runde durch einen festgefahrenen Tagesablauf.
Meistens sitze ich um Punkt 8 Uhr im Klassenraum, umgeben von vielen anderen, die genauso müde oder unkonzentriert sind, wie ich. Wir wissen genau, was jetzt kommt: Stille, während die Lehrer:innen vorne stehen und den Stoff durchdrücken, und der Stundenplan bestimmt, welches Fach wir haben: erst Mathe, dann Physik, danach Biologie – alles minutiös geplant, als wären wir keine Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten, sondern nur Zahnräder in einer Maschine.
Doch was bleibt uns von diesem starren Ablauf, diesem Teufelskreis, der nie endet? – Die Leute, die am Sonntagabend schon von einem Freitag träumen. Wo bleibt der Raum für uns Schüler:innen, die neugierig sind, die Fragen haben, die vielleicht gerade heute mehr Zeit für ein Gespräch gebraucht hätten oder an einem Projekt arbeiten möchten? Wo bleibt der Platz, um uns mit einem Thema auseinanderzusetzen oder generell Themen, die uns wirklich bewegen – sei es Politik, Umwelt, Kunst oder einfach das Leben selbst?
Für viele von uns fühlt sich der Stundenplan wie eine unsichtbare Kette an, die uns einsperrt und sagt: So läuft Schule, so läuft Lernen – nicht mehr, nicht weniger. Die Zeit ist in kleine, eng getaktete Blöcke eingeteilt, um Fächer abzuhaken, Noten zu erzielen und Prüfungen vorzubereiten. Wer vom vorgegebenen Takt abweicht, hat es schwer – sei es, weil er oder sie mehr Zeit braucht, um bestimmte Themen zu lernen, oder weil man sich für andere Themen interessiert. Anderssein wird schwierig; Anderssein wird zur Schwierigkeit, zum Hindernis.
Wir erleben Schule als eine Institution, die vor allem Anpassung fordert: Anpassung an einen starren Rhythmus, der wenig Raum für uns alle lässt, Selbstbestimmung und unsere Kreativität und vor allem unser kritisches Denken. Aber Schule muss mehr sein: Schule soll für alle sein, Schule soll ein Ort sein, an dem wir nicht nur passive Wissenskonsument:innen sind, sondern aktive Gestalter:innen unseres Lernens, ein Ort, an dem wir gemeinsam diskutieren, experimentieren, hinterfragen und unsere Welt verstehen lernen. Schule muss uns als Individuum ernst nehmen, mit unseren unterschiedlichen Fähigkeiten, Interessen und Lebensrealitäten klarkommen, denn hinter jedem Stundenplan stehen Schüler:innen, die mehr als nur Noten sind oder Anwesenheitspunkte, Schüler:innen, die unterschiedliche Talente und Träume haben, Schüler:innen, die auch einmal einen schlechten Tag haben, mit Sorgen kämpfen oder einfach Zeit brauchen, um zur Ruhe zu kommen.
Wir wollen eine Schule, die uns dabei hilft, nicht nur Wissen aufzunehmen, sondern kritisch zu denken und unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Wir wollen eine Schule für alle, deshalb fordert das österreichische Schüler:innenparlament,
dass Schüler:innen aktiv an der Gestaltung ihrer Lernzeiten beteiligt werden,
dass die bisherigen festen und starren Stundenpläne flexibilisiert werden, um individuelle und kollektive Lerninteressen zu berücksichtigen, und
Stundenpläne sollen Freiräume für eigenständige Projekte, gemeinsame Diskussionen, politische Bildung und kreative Tätigkeiten bieten.
Die zeitliche Struktur des Unterrichts darf nicht ausschließlich nach Fächern und Leistungsanforderungen bestimmt werden, stattdessen sollen Lernphasen auch der Reflexion, der Diskussion gesellschaftlicher Zusammenhänge und der persönlichen Entwicklung gewidmet sein. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Ab jetzt können wieder Erweiterungs- und Abänderungsanträge eingereicht werden.
Als erster Antrag ein Erweiterungsantrag von Boran Kemac. (Beifall.)
Boran Kemac: Flexible Lernzeiten bieten viele Vorteile, allerdings benötigen Schülerinnen und Schüler auch Orientierung und Unterstützung, um mit dieser Freiheit gut umgehen zu können. Deshalb fordere ich, dass Schulen bei der Einführung flexibler Stundenpläne Konzepte zur Lernbeteiligung entwickeln.
Lehrkräfte sollen die Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Aufgaben zu planen, Prioritäten zu setzen und ihre Lernzeit sinnvoll zu nutzen. So wird verhindert, dass manche Lernende durch die größere Freiheit überfordert werden. Außerdem sollte es weiterhin feste Zeiten für gemeinsame Aktivitäten geben: Klassensprecher:innensitzungen, Klassenarbeiten, Gruppenarbeiten.
Schule ist nicht nur ein Ort, um zu lernen, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen freier Lernzeit und gemeinsamen Unterrichtsphasen stärkt sowohl die Selbstständigkeit als auch den sozialen Zusammenhalt der Schülerinnen und Schüler.
Darüber hinaus sollte die Einführung flexibler Lernzeiten schrittweise erfolgen und regelmäßig überprüft werden. So können Erfahrungen gesammelt und mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Neugestaltung des Schulalltags tatsächlich zu mehr Motivation, besserem Lernen und weniger Stress führt.
Mit dieser Erweiterung schaffen wir nicht nur mehr Freiheit im Schulalltag, sondern sorgen auch dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler von dieser Freiheit profitieren können. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Maximilian Schlacher; in Vorbereitung: Corinna Huber. (Beifall.)
Maximilian Schlacher: Dieser Hauptantrag bringt ein riesiges Problem genau auf den Punkt: Unser aktuelles, starres Schulsystem verhindert uns, flexibel zu denken, und es macht uns – wie schon vorhin gesagt – starr wie ein Uhrwerk.
Aber was ist, wenn wir das jetzt fordern? Wie setzen wir es in der Realität am besten um? – Durch mehr Schulautonomie, denn wenn wir zum Ministerium gehen würden und ein neues System fordern würden, würden wir zwar ein neues System bekommen, das ist aber in wenigen Jahren wahrscheinlich gleich starr wie das alte.
Deswegen fordern wir ein System mit mehr Schulautonomie, denn nur die jeweiligen Schulen wissen, wann ihre Schüler Zeit haben und wann diese Zeit auch genutzt werden soll. Es muss möglich sein, dass die Schulgemeinschaft, also die Direktion, die Lehrkräfte und vor allem die Schülerinnen und Schüler vor Ort bestimmen, wann ihr Alltag beginnt und wann dieser endet.
Wir wollen nicht, dass die Schülerinnen und Schüler jetzt ihren Stundenplan machen können, wie sie wollen – das ist nicht der Sinn hinter dem Antrag, sondern der Sinn hinter dem Antrag ist, dass die, die am besten wissen, wann ihr Stundenplan sein sollte, dann auch genau diese Stimmen nutzen können. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Corinna Huber; in Vorbereitung: Lorina Schneeberger. (Beifall.)
Corinna Huber: Wie oft seid ihr schon in der Schule gesessen und habt die Minuten runtergezählt, bis die Glocke endlich zum Stundenschluss läutet? Wie oft habt ihr euch schon gefragt, wofür ihr den Satz des Pythagoras oder die Differenzialrechnung im Alltag eigentlich gebrauchen könnt? – Genau das ist das Problem, das mit diesem Antrag gelöst werden könnte.
Wir sitzen gelangweilt in der Schule und lernen häufig etwas, was uns nichts fürs Leben bringt oder uns nicht interessiert. Mit diesem Antrag lösen wir genau das Problem. Wir Schüler:innen dürfen nämlich selbst mitbestimmen, wie der Stundenplan oder der Schulalltag aussieht und müssen nicht starr einem veralteten System folgen – so sind wir motivierter, ambitionierter, weil wir nach unseren Interessen lernen und nicht dagegen ankämpfen. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht. Über den müssen jetzt gleich abstimmen.
Der Antrag auf Schluss der Redner:innenliste wurde mit 70 Prozent positiv abgestimmt. (Beifall.)
Als Nächste Lorina Schneeberger mit einem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung: Marius Gruber. (Beifall.)
Lorina Schneeberger: Schule muss individueller werden. Es gibt viele verschiedene Ansätze dafür, aber einen, der in vielen Schulen schon funktioniert – zum Beispiel bei der Flo, die sitzt da hinten –, ist das Flexzeitensystem. Einige von euch werden es wahrscheinlich schon kennen. Das funktioniert so: Zwei Unterrichtseinheiten werden zu einer zusammengefasst. Dadurch fallen zweimal zu spät kommen von der Lehrkraft, zweimal Anwesenheit kontrollieren oder zweimal Warten, bis die Technik endlich funktioniert, weg, und daraus entsteht dann Zeit. Die Zeit fließt direkt in Flexeinheiten, in denen können Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, worin sie sich noch vertiefen wollen oder wo sie noch konkret Förderung brauchen. Das bedeutet, es können verschiedene Kurse gewählt werden oder zum Beispiel auch Bearbeitungsstunden genutzt werden.
Mit diesem System kann Schule wirklich individueller werden und Schülerinnen und Schüler können sich stärker auf das fokussieren, was ihnen Spaß macht und wofür sie sich wirklich interessieren. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht. Über diesen werden wir jetzt gleich abstimmen.
Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Wir fahren mit dem Erweiterungsantrag von Marius Gruber fort; in Vorbereitung: Philipp Köck. (Beifall.)
Marius Gruber: Jede Schule ist anders. Eine Schule in Salzburg hat andere Schüler:innen, hat andere Voraussetzungen als eine Schule im Burgenland. Eine Berufsschule funktioniert anders als ein Gymnasium, eine kleine Landschule, irgendwo hinter einem See, funktioniert anders als eine Stadtschule. Deshalb kann keine zentrale Vorgabe wirklich funktionieren, sie ignoriert genau diese Unterschiede.
Mein Erweiterungsantrag gibt Schulen, einzelnen Schulen volle Autonomie über die Gestaltung ihres Stundenplanes, aber nur, wenn diese Autonomie richtig verwendet wird, richtig eingesetzt wird – nicht als Alibi, sondern als echte Grundlage. Wir sitzen jeden Tag in diesen Klassen, in diesen Schulen. Wir merken, wo wenig Zeit ist, wo Druck entsteht, wo Raum fehlt. Direktoren, Behörden, Lehrer haben dieses Wissen nicht, kennen dieses Gefühl nicht. Deshalb soll die Ausgestaltung des Stundenplanes verpflichtend auf dem Feedback der Schüler:innen basieren, und damit dieses Feedback nicht ins Leere verläuft, soll die Ausgestaltung jedes Jahr neu evaluiert werden, damit diese Verbesserungen auch wirklich ankommen. Unabhängig von einer Schulautonomie, die ich hier einfordere, ist dieser Antrag auch so sehr zu unterstützen. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein weiterer Schluss-der-Debatte-Antrag erreicht. Über den stimmen wir jetzt gleich ab.
Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Wir fahren fort.
Als Nächster am Redner:innenpult Philipp Köck mit einem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung: Carolin Huber. (Beifall.)
Philipp Köck: Die Individualisierung ist extremst wichtig für alle Schülerinnen und Schüler. Dabei kann man zum Beispiel durch das Flexzeitensystem – das Lorina Schneeberger vorhin schon erwähnt hat – Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, sie individuell zu entfalten. Das Ganze muss aber nicht durch ein Flexzeitensystem passieren. In den AHS-Oberstufen gibt es das schon durch die Wahlpflichtgegenstände, dass man Schülerinnen und Schülern die Wahl gibt, aber auch gleichzeitig durch Workshops den Schülerinnen und Schüler verschiedene Skills ermöglicht, die sie in ihrem weiteren Leben brauchen können – etwas, was insbesondere an den BMHSen leider noch gar nicht funktioniert. In den BMHSen hat man sehr starre Stundenpläne, die es Schülerinnen und Schülern nahezu gar nicht ermöglichen, wenn nicht ein Freifach gewählt wird, sich irgendwie individuell zu entfalten. Genau dort müssen wir ansetzen, um es auch den BMHSen zu ermöglichen, individuell über die Unterrichtsinhalte teilweise mitbestimmen zu können. Das Ganze muss aber auf schulautonomer Basis basieren, weil vor allem in den BMHSen sehr viel verschiedene Schultypen auch sehr viel verschiedene Anforderungen haben und dabei der Schulstandort am besten entscheiden kann, wie man es Schülerinnen und Schülern ermöglichen kann, sich zu entfalten. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein weiterer Schluss-der-Debatte-Antrag erreicht, über den müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Dieser Antrag wurde wieder abgelehnt.
Wir fahren mit dem nächsten Erweiterungsantrag fort, von Carolin Huber; in Vorbereitung: Lukas Maximilian Bachofner. (Beifall.)
Carolin Huber: Die Most, die modulare Oberstufe – ein Konzept, das wir wahrscheinlich alle bereits kennen, vielleicht manche sogar schon schätzen gelernt haben, denn das ist ein Konzept, das uns die Möglichkeit gibt, unseren eigenen Bildungsweg aktiver mitzugestalten, nicht nur passiv drinnen zu sitzen. Sie lehren uns, Verantwortung für unser Lernen zu übernehmen, und dabei geht es nicht nur darum, was wir lernen, sondern auch, wie wir es lernen; eigene Entscheidungen zu treffen, um herauszufinden, wo unsere Stärken und Interessen liegen. Gerade in einer Zeit, in der Eigenverantwortung, kritisches Denken immer wichtiger werden, schafft die modulare Oberstufe einen Raum, um Talente zu entdecken und Leidenschaften zu vertiefen und einen eigenen Weg zu finden. Sie fördert nicht nur Fachwissen, sondern eben auch die Fähigkeit, kritisch zu hinterfragen, und auch kritisches Denken, Selbstständigkeit und Eigenentscheidungsfähigkeit. Und das, während wir alle nicht nur als Zahnräder im Betrieb sind, sondern auch aufblühen können – mit Themen, die uns wirklich interessieren, die wir auch später einmal brauchen werden, in einem Unterricht, der uns nicht nur ausbrennt, sondern auch fördert.
Wenn 20 bis 30 Prozent der Schüler:innen angeben, unter lang andauernden beziehungsweise chronischen mentalen Belastungen zu leiden, am Abend davor schon mit einem Kopf voller Sorgen und Problemen schlafen gehen, weil sie an den nächsten Schultag denken müssen, unzählige Schüler:innen von Schlaf- und Konzentrationsproblemen, Angst sowie depressiven Stimmungen betroffen sind, weil sie bis zu einem burn-out-ähnlichen Zustand arbeiten, um das perfekte Einserzeugnis zu erhalten, dann ist es höchste Zeit, etwas zu verändern. Und genau dieser Antrag fordert das, und genau deshalb ist er auch so wichtig. Schule sollte kein Ort sein, der uns ausbrennt. Sie sollte ein Ort sein, der uns auf unser Leben vorbereitet und unsere Persönlichkeit stärkt, weil wir einen Unterricht genießen dürfen, der uns nicht nur starr Fakten und Zahlen in uns reinzwängt, sondern uns auch eigenständig Themen ausarbeiten lässt, uns etwas kritisch hinterfragen und reflektieren lässt. Das ist das Wichtige, das was wir später brauchen.
Deshalb ist die modulare Oberstufe mehr als nur ein Schulmodell. Es ist eine Chance, eine Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln und die Schule aktiv mitzugestalten, damit Schule kein Ort ist, der uns auslaugt, sondern fördert. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Es hat uns erneut ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht, über den werden wir jetzt gleich abstimmen.
Der Antrag wurde mit 79,091 Prozent angenommen. (Beifall.)
Wir fahren fort mit den Abstimmungen der Erweiterungs- und Abänderungsanträge.
Als Erster, von Boran Kemac: Schulen sollen bei der Einführung flexibler Stundenpläne, Konzepte zur Lernbegleitung entwickeln.
Dieser Antrag wurde mit 88,776 Prozent angenommen. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes der Erweiterungsantrag von Maximilian Schlacher: Schulautonomie bei der Stundenplangestaltung – volle Autonomie für die einzelnen Schulen bei der Ausgestaltung ihrer Stundenpläne, um gezielt auf lokale und individuelle Bedürfnisse der Schüler:innen eingehen zu können, ohne dabei die optimale Vorbereitung auf den Abschluss und das spätere Leben aus den Augen zu verlieren.
Der Antrag wurde mit 81,188 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes der Erweiterungsantrag von Corinna Huber: Schulen sollen über den SGA grundsätzlich mehr Mitbestimmung und Autonomie über schulinterne Stundenpläne und Unterrichtsstrukturen haben.
Dieser Antrag wurde mit 91,667 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Gerade noch einmal ein Aufruf für alle, die zuvor rausgegangen sind und einen Erweiterungs-, Abänderungs-, Streichungsantrag oder eine Wortmeldung gehabt haben: Es wäre sehr wichtig, dass ihr euch in die Liste eintragt, sonst gibt es ein Problem mit dem Datenschutz – dann könnt ihr später die Bilder, die von euch gemacht wurden, online auf der Website herunterladen –, was dann ganz, ganz blöd ist, dass dann niemand mehr die Möglichkeit hat, sich im Nachhinein den Livestream anzuschauen, weil zum Beispiel jetzt eine Person nicht unterschrieben hat. Deswegen noch einmal die Bitte: Unterschreibt, nachdem ihr draußen wart. – Danke. (Beifall.)
Dann fahren wir fort mit dem nächsten Erweiterungsantrag, von Lorina Schneeberger: Die Ausweitung des Flexzeitensystems, um so Individualisierung zu stärken.
Der Erweiterungsantrag wurde mit 93,75 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin.
Als Nächstes der Erweiterungsantrag von Marius Gruber: Den einzelnen Schulen soll volle Autonomie über die Ausgestaltung des Stundenplans gegeben werden. Wichtig ist, dass diese Ausgestaltungen auf Feedback von Schüler:innen basieren und jedes Jahr neu evaluiert werden. Bei diesen Evaluierungen müssen verpflichtend Schüler:innen eingebunden werden.
Der Antrag wurde mit 82,796 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächster der Erweiterungsantrag von Philipp Köck: Ausbau der Wahlmöglichkeiten in den BMHS.
Der Antrag wurde mir 96,7 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Letztes, ein Erweiterungsantrag von Carolin Huber: Die flächendeckende Einführung der modularen Oberstufe, Most, in Österreich.
Dieser Antrag wurde mit 86,458 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Wir fahren fort mit der Abstimmung des Hauptantrages.
Der Antrag wurde 95,745 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes ein Hauptantrag von Valerie Achleitner „Generation Zukunft – Zukunft für uns Schüler:innen“. – Wir bitten um Vorstellung. (Beifall.)
Valerie Achleitner: Schaut euch einmal um: Statistisch gesehen wissen zwei Drittel der Personen, die heute hier sitzen, nicht wohin ihr Leben eigentlich gehen soll. Zumindest ein Viertel kann nicht einmal ein einziges Talent benennen und trotzdem treffen wir Entscheidungen, die unsere Zukunft bestimmen. Ich bin Valerie Achleitner, ich bin 16 Jahre alt und Schulsprecherin am Bundesrealgymnasium Wörgl. Wenn wir an Schule denken, denken wir an Prüfungen, Schularbeiten und Noten. Wir lernen mathematische Formeln, historische Ereignisse und grammatikalische Regeln. Aber bei all dem vergessen wir oft auf die wichtigste Frage überhaupt: Was kommt danach? Denn die Realität ist, dass viele Schüler:innen genau darauf keine Antwort haben – nicht, weil sie faul waren, nicht, weil sie keine Ziele hätten, und schon gar nicht, weil sie keine Talente besitzen, sondern weil ihnen die Orientierung fehlt. Dabei leben wir in einer Zeit voller Möglichkeiten.
Noch nie gab es so viele unterschiedliche Bildungswege, Berufe und Karrierechancen wie heute. Österreich bietet eine enorme Vielfalt von handwerklichen Berufen, über kreative Tätigkeiten bis hin zu naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen. Das ist etwas Positives. Aber genau diese Vielfalt kann auch überfordern, denn wie sollen wir eine Entscheidung treffen, wenn wir gar nicht wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt? Wie sollen wir unsere Zukunft planen, wenn wir unsere eigenen Stärken nicht einmal kennen? Und wie sollen wir unsere Berufung finden, wenn wir nie die Gelegenheit bekommen, sie zu entdecken?
Laut Studien können 25 Prozent der Schüler:innen nicht einmal ein einziges Talent von sich benennen. Wenn jede vierte Person in diesem Raum nicht einmal ein einziges Talent von sich benennen kann, dann ist das kein individuelles Problem mehr, dann ist das ein Bildungsproblem. Denn Talente entstehen nicht erst dann, wenn wir sie entdecken, sie sind bereits da. Die Frage ist nur, ob wir ihnen die Chance geben, sie zu entdecken. Oft wird über unsere Generation gesagt, dass wir nur auf Work-Life-Balance achten und uns nicht festlegen wollen. Ich glaube, genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Generation wächst in einer Welt auf, die sich ständig verändert: neue Berufe entstehen, alte verschwinden, die Anforderungen werden komplexer, die Auswahl größer und die Entscheidungen schwieriger. Deshalb brauchen wir nicht weniger Orientierung, sondern mehr.
Ich fordere daher:
Schule hat die Aufgabe, uns auf die Zukunft vorzubereiten, doch dazu gehört nicht nur Wissen, sondern auch Orientierung, denn unser Ziel sollte es nicht sein, irgendeinen Beruf zu wählen, sondern die eigene Berufung zu finden. Lasst uns also gemeinsam eine Schule schaffen, die nicht nur Leistungen bewertet, sondern Potenziale erkennt und Perspektiven schafft! Ich bitte daher um Unterstützung für meinen Antrag. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Vielen Dank fürs Vorstellen. – Ihr könnt jetzt wieder Abänderungs-, Erweiterungsanträge und Streichungsanträge einreichen.
Wir fahren fort in der Redner:innenliste.
Als Erster kommt Marc Oberauer ans Redner:innenpult. (Beifall.)
Marc Oberauer: Ich hoffe, das Mittagessen hat geschmeckt, ja, obwohl es relativ schnell aus war. Mir hat es geschmeckt, das hat relativ gut gepasst und ich hoffe, für euch alle auch, damit wir wieder gestärkt weitermachen. Es ist eh nicht mehr so viel und dann können wir alle wieder nach Hause.
So: Ich finde den Antrag megaunterstützenswert – ja, ein bisschen eine Wortwiederholung –, aber warum eigentlich? – Wenn wir uns den Antrag genauer anschauen, beschäftigt er sich mit so einem wichtigen Thema: Chancengerechtigkeit – wenn wir nicht die Schüler fördern, in dem, was sie brauchen, was gerade benötigt wird, nämlich das Problem, dass sie nicht wissen, wo sie hinwollen –: Wie können wir ein Bildungssystem erlauben, wenn die eigenen Kinder, die zukünftigen Kinder von uns, dann nicht einmal wissen, was sie machen wollen. Eltern sind zu einem Teil in der Verantwortung, aber die Schule hat auch einen essenziellen Teil daran, denn: Was der Lehrer mir in der Volksschule und Mittelschule sagt, das nehme ich mir noch eher zu Herzen, weil in der Oberstufe sage ich: Herr Lehrer, kann mir wurscht sein, ich mache, was ich will! – In der Volksschule und Mittelschule ist das halt einfach noch nicht, weswegen ich bitte, dass dieser Antrag positiv abgestimmt wird.
Es muss sich da endlich etwas ändern, denn es kann nicht sein – wie bereits angesprochen wurde –, dass jeder Vierte nicht weiß: Worin bin ich gut? In welche Richtung will ich gehen? – Das kann nicht sein, schon überhaupt nicht im Jahr 2026. Ändern wir das heute und senden wir wirklich ein klares Signal, dass etwas geändert gehört, und zwar in ganz Österreich und nicht nur in einem Bundesland – für uns alle und für die, die nach uns kommen! – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht. Darüber müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Dieser Antrag wurde mit 76,923 Prozent abgelehnt.
Damit fahren wir mit den Erweiterungsanträgen fort.
Als Nächster: Gabor Hermann ans Redner:innenpult; in Vorbereitung: Noah Robineau. (Beifall.)
Gabor Hermann: Ein wunderschöner Nachmittag auch meinerseits aus dem wunderschönen Bundesland Tirol. Mein Erweiterungsantrag lautet: Die Einführung verpflichtender Berufsorientierungspraxistage ab der Sekundarstufe I, bei denen Schüler:innen unterschiedliche Berufsfelder, Lehrbetriebe, Hochschulen und soziale Einrichtungen praktisch kennenlernen können. Und ja, Berufsorientierung funktioniert oft besser durch echte Erfahrungen als nur durch Theorie oder Talenteprofile oder Frontalunterricht.
Viele Schülerinnen und Schüler wissen erst nach einem Praktikum oder nach einem Workshop, was ihnen wirklich liegt oder eben nicht, und genau das hilft spätere Bildungs- oder Berufsentscheidungen bewusster zu treffen und mögliche Fehlentscheidungen zu vermeiden. Ich spreche dabei auch aus eigener Erfahrung. Als AHS-Schüler hatte ich an meiner Schule die Möglichkeit, ein Praktikum bei einem Unternehmer meiner Wahl zu machen. Dieses war nur sechs, sieben Tage lang, aber erst dort habe ich wirklich gemerkt, wie ein Berufsalltag aussieht und welche Aufgaben mir Spaß machen, aber auch, was vielleicht nicht so viel Spaß macht. Diese praktische Erfahrung war viel aussagekräftiger, als nur darüber zu lesen oder Tests zu machen. Deshalb sollte Berufsorientierung jungen Menschen mehr Möglichkeiten geben, Berufe direkt kennenzulernen. So können sie Entscheidungen treffen, die besser zu ihren Interessen und Stärken passen. – Danke sehr. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes ein Erweiterungsantrag von Noah Robineau; in Vorbereitung: Lisa Prinz. (Beifall.)
Noah Robineau: Ja, lieber Marc, weil du vorhin über das Mittagessen gesprochen hast: Ich habe zwar noch Hunger, was ich letztendlich aber auch habe im Vergleich zu einigen anderen, ist eine Matura. (Rufe: Oh! – Beifall.) – Kein Ding. Was ich da erwähnen möchte ist: Ich habe eine BMHS-Matura gemacht. Ich bin jetzt 19, werde im September 20, gehe nachher noch zum Bundesheer, und wenn ich mich wirklich final entscheiden muss, was ich jetzt weiter machen werde oder ob ich studieren möchte, bin ich in Wahrheit über 20. Das geht aber nicht allen so. Ich habe eine gute Freundin, die hat eine AHS-Matura gemacht, ist zusätzlich noch relativ jung und muss diese Entscheidung in Wahrheit zwei Jahre vor mir treffen, und sie hat jetzt zusätzlich das Problem, dass sie für den einen Studiengang, für den sie sich angemeldet hat, nicht angenommen worden ist. Jetzt steht sie natürlich so ein bisschen mit dem Rücken zur Wand und weiß nicht ganz, was sie machen soll. Da denke ich mir schon, da gibt es vielleicht die Möglichkeit, dass man zu Beginn von einer AHS-Abschlussklasse – weil man da eben ja auch keine Berufsausbildung dabei hat – vielleicht vermehrt einen Fokus darauf setzen könnte: Okay, welche Alternativen gäbe es, wie kann ich auch mit einer AHS-Matura theoretisch sofort ins Berufsleben einsteigen, und wie schaut es mit Studiengängen aus? Vielleicht wäre es gescheit, wenn ich mir mehrere anschaue und mich für mehrere anmelde.
Zusätzlich möchte ich noch sagen: Ich möchte jetzt nicht nur ein Problem aufzeigen, ohne eine Lösung dazu zu nennen, denn natürlich wäre das dann wieder etwas vom Stoff, das fehlen würde, und da würde ich gerne noch mein anderes Thema kurz einbringen, das sich vorhin nicht ausgegangen ist. Ich hätte urgerne vorgezogen maturiert, verschiedene Fächer, aber bei uns hat es nur Informatik und Biologie gegeben, das hat mich beides nicht interessiert. Darum möchte ich vielleicht, dass ihr diesen Gedanken auch so ein bisschen hinaustragen könnt. Vielleicht geht es ja, dass wir in Zukunft in der 4. oder beziehungsweise in der AHS in der 7. Klasse mehr Fächer haben, die man vorgezogen maturieren kann, damit man quasi in der Abschlussklasse seinen Fokus darauf setzen kann, sich eben beruflich ein bisschen Alternativen zu suchen und/oder sich auf die Hauptfächer zu konzentrieren. So könnte man nämlich mehr Alternativen für eine vorgezogene Matura schaffen und man hätte vielleicht Ideen, was man wirklich machen kann, sollte man für das Studium eben eine Absage erhalten. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes einen Erweiterungsantrag von Lisa Prinz, in Vorbereitung: Luka Kolanović. (Beifall.)
Lisa Prinz: Woher sollen Schülerinnen und Schüler wissen, welchen Beruf sie einmal ausüben wollen, wenn sie überhaupt keine Ahnung haben, welche Möglichkeiten es gibt? Woher sollen sie wissen, wie der Arbeitsmarkt wirklich aussieht, wenn sie ihn nur aus dem Klassenzimmer kennen? Ja, es ist wichtig Schüler:innen theoretisch über ihre späteren Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten aufzuklären, aber das reicht nicht. Es braucht Praxis, es braucht praktische Erfahrung, um wirklich zu wissen, wie es ist, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten, denn das lernt man nicht von einem Infoblatt oder von einem Flyer. Deshalb braucht es fixe Kooperationen mit Unternehmen, Betrieben, Universitäten, Fachhochschulen und Lehrlingsausbildungsstätten. Nur so können wir es schaffen, dass es allen Schülerinnen und Schüler ermöglicht wird, durch regelmäßige Schnuppertage, Workshops einen echten Einblick in den Arbeitsmarkt zu bekommen, damit am Ende alle wissen, was ihnen liegt und was sie in ihrer Zukunft und mit ihrem Beruf einmal anfangen möchten. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes ein Erweiterungsantrag von Luka Kolanović; in Vorbereitung: Carolin Huber. (Beifall.)
Luka Kolanović: Zuallererst muss ich sagen: Danke, Valerie, für diesen sehr, sehr wichtigen Antrag! Ich weiß, das habe ich heute schon öfters gesagt, dass ich mich beim Antragsteller oder der Antragstellerin bedanke, aber eines möchte ich dazu genauer sagen: Talente zeigen sich nicht nur in Schulfächern oder in Noten. Viele Schülerinnen und Schüler leisten außerhalb der Schule enorm viel im Ehrenamt.
Valerie hat vorhin gesagt: Schaut euch einmal um, und egal ob vor euch, hinter euch oder an eurer Seite, ihr werdet jemanden sehen und ihr könnt von dieser Person sagen: Ja, diese Person hat ein Talent. – Wieso hat die Person ein Talent? – Weil sie sich hierherstellt, aus verschiedenen Bundesländern anreist, um die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu vertreten. Das ist auch ein Talent.
Oder: Alina – das hat mir extrem gefallen – hat vorhin gesagt: Ja, die Schule soll uns zu Gestalterinnen oder Gestaltern machen. – Das ist auch ein Talent. Es gibt unter uns kreative Köpfe.
Nicht nur das, es gibt auch andere Talente, wie zum Beispiel im Sport. Ich meine, wenn ich in die Vorarlberger Reihen schaue, dann sehe ich die liebe Sophia, sie ist nämlich dreifache ÖM-Leichtathletikmeisterin, oder beispielsweise, neben Emma, Corinna, die hat letztes Mal mit der Fußballmannschaft einen Pokal gewonnen – dazu gratuliere ich –, oder Luca Ebner – er ist leider nicht da, aber Felix kennt ihn natürlich –: Das sind alles sportliche Talente.
Diese Fähigkeiten zeigen uns Motivation, Teamgeist, Disziplin. Solche Talente sollten dann auch in einem Talente- und Stärkenprofil sichtbar gemacht werden, denn wir alle haben Talente, ob wir sie aufzählen können oder nicht. Ich glaube, wir alle können uns nach vorne stellen und sagen: Diese Person hat ein Talent, diese Person hat ein Talent!, denn in uns schlummern einfach Talente.
Am Ende des Tages – wir sind alle müde, das merke ich, das sieht man an den Gesichtern, und ich vermute einmal, das wird mein letzter Erweiterungsantrag heute sein; außer irgendjemand stellt irgendwelche Gießkannenanträge, dann, das verspreche ich euch, stehe ich wieder hier vorne (Beifall) – möchte ich zum Schluss einen Appell mitgeben:
Egal ob jetzt oder nach dem SIP, geht zu einer Person hin, sagt: Ich finde es echt super, dass du das machst! Ich finde es echt, echt cool, dass du das und das kannst! – Macht das! Das macht etwas mit einem. Dann freuen sich die Personen auch darüber, und dann wissen sie: Dieses Talent habe ich.
Deswegen ist für mich jetzt Feierabend! – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächste: Carolin Huber mit einem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung: André Wildberger. (Beifall.)
Carolin Huber: Ich stehe heute hier und fordere mit meinem Erweiterungsantrag die gemeinsame Schule von Zehn- bis 14-Jährigen, die Gesamtschule – ein umstrittenes Thema, ja, ich weiß. Bevor sich jetzt die ersten Menschen zu Wort melden und mir erklären wollen, dass die gescheiteren Kinder dann ja angeblich nichts mehr lernen würden, möchte ich euch bitten, einen Moment mit mir nachzudenken, an die Kinder zu denken, die nicht nur Einsen schreiben, an Kinder mit Legasthenie, an Kinder im Rollstuhl, an neurodiverse Kinder, an Kinder, die einfach nicht in unser starres Bildungssystem passen. Wer denkt an sie? Wer denkt daran, wie es sich anfühlen muss, wenn einem als Kind, als kleines Kind mit zehn Jahren schon signalisiert wird: Du bist nicht einer der Besten, dein Weg wird ein anderer sein!? Wer denkt daran, dass wir in Österreich Kinder bereits in einem Alter segregieren, in dem viele von ihnen noch nicht einmal die Chance hatten, ihr Potenzial zu beweisen?
Wir reden in diesen Debatten ständig über jene, die ohnehin schon die besten Voraussetzungen haben, über jene, die unterstützt werden, die Nachhilfe bekommen, weil sie das Privileg haben, im Geburtenlotto Glück gehabt zu haben, die von einem Bildungssystem profitieren, das für sie gemacht wurde.
Was aber ist mit den anderen? Was ist mit den Kindern, die heute noch immer aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Sprache, des Einkommens ihrer Eltern, einer Behinderung oder einer Lernschwierigkeit schlechtere Chancen haben?
Genau deshalb brauchen wir die Gesamtschule. Chancengerechtigkeit bedeutet, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommt, sein Potenzial zu entfalten, unabhängig davon, wie viel Geld die Eltern verdienen, welche Sprache zu Hause gesprochen wird oder ob man in ein bestehendes Schema passt.
Das ist nicht nur eine bloße Vision. Studien zeigen seit Jahren, dass längeres gemeinsames Lernen zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt und gleichzeitig die Leistung verbessert. Leistungsstarke Kinder verlieren nichts, aber viele andere Kinder gewinnen endlich die Chance, die sie verdienen.
In diesen Debatten finde ich es immer besonders irritierend, wenn Gegnerinnen und Gegner der Gesamtschule oft mit Individualisierung kommen. Ja, individuelle Förderung ist wichtig, und ich bin auch sehr froh, dass wir uns da einig sind, aber genau das ist die Idee einer modernen Gesamtschule: Kinder nicht frühzeitig auszusortieren, sondern ihre unterschiedlichen Talente, Interessen und Bedürfnisse gezielt zu fördern, nicht durch Trennung, sondern durch Unterstützung, nicht durch Selektion, sondern durch Chancen.
Die frühe Aufteilung nach der Volksschule verstärkt nachweislich die soziale Gerechtigkeit. Sie entscheidet nicht darüber, wie begabt ein Kind ist, sondern welche Voraussetzungen es von zu Hause mitbringt.
Deshalb möchte ich, bevor es zur Abstimmung über meinen Erweiterungsantrag kommt, noch etwas mitgeben: Ihr sitzt heute hier als Vertreter:innen eurer Schule, eurer Bundesländer, von Schülerinnen und Schülern, nicht nur von den lautesten, sondern von allen; nicht nur von den leistungsstärksten, von jenen, die ohnehin ihren Weg machen werden, nein, sondern von allen, von wirklich allen.
Deshalb fragt euch: Wollt ihr morgen wirklich sagen müssen, dass ihr gegen ein Konzept gestimmt habt, das mehr Chancengerechtigkeit schaffen würde, gegen ein Konzept, das Kindern ermöglicht, ohne sozialen Druck und ohne Segregation einen Bildungsweg einzuschlagen, der für sie auch geschaffen ist, ohne die Abhängigkeit vom Geldbörserl der Eltern? Oder wollt ihr ein Zeichen setzen - -
Vorsitzender Marco Wehinger: Ich würde dich bitten, dass du zum Ende kommst, deine Zeit ist vorbei.
Carolin Huber (fortsetzend): - - für ein Bildungssystem, das kein Kind zurücklässt?
Ich bitte euch um eure Zustimmung. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes ein Erweiterungsantrag von André Wildberger; in Vorbereitung: Philipp Köck.
Ah, da habe ich etwas übersehen, einen Moment! Wir haben einen Antrag auf Schluss der Debatte. Über den müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Dieser Antrag wurde mit 82,243 Prozent abgelehnt. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von André Wildberger; in Vorbereitung: Philipp Köck.
André Wildberger: Liebe Delegierte! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Liebe BSV! Ihr Antrag will Orientierung in den Stundenplan bringen und Talente fördern. Gut so! Ich möchte ihn aber um einen Punkt erweitern, ohne den das Ganze nicht funktionieren würde, denn Berufsorientierung gibt es längst als verbindliche Übung in den 3. und 4. Klassen, nur: Wie gut sie ist, hängt komplett von der Schule ab.
In den einen Schulen läuft sie als eigenes Fach mit ausgebildeten Lehrkräften, die engagiert sind, in anderen Schulen nur als Fach zwischendurch, zwischen Mathe und Deutsch. Doch so darf es nicht weitergehen. Vorgeschrieben ist nur, dass eine einzige Lehrkraft pro Schule dafür qualifiziert sein muss. Das heißt im Klartext: Ob eine echte Orientierung stattfindet oder nicht, ist Glücksspiel. Das dürfen wir uns bei der wichtigsten Entscheidung unseres Lebens oder bei einer der wichtigsten Entscheidungen unseres Lebens nicht leisten.
Deswegen fordere ich ergänzend zwei Sachen: Erstens, einen einheitlichen Mindeststandard für Berufsorientierung, an jeder Schule in ganz Österreich derselbe; und zweitens, an jeder Schule eine ausgebildete Koordinatorin oder einen ausgebildeten Koordinator mit echter Zeit dafür und nicht nur so nebenbei.
Talenteförderung ist nur so gut wie die Menschen, die sie umsetzen. Sorgen wir dafür, dass jede und jeder von uns dieselben Chancen hat! – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes: ein Erweiterungsantrag von Philipp Köck; in Vorbereitung: Johanna Eichern. (Beifall.)
Philipp Köck: Wenn ich mich zurückerinnere: Vor fünf Jahren bin ich vor der Entscheidung gestanden, was ich eigentlich später im Leben machen möchte. Diese Entscheidung ist natürlich nicht einfach, für keinen von uns war sie einfach. Dabei hat mir aber eine Berufsorientierungsmesse um einiges weitergeholfen, sonst wäre ich vermutlich nie auf die Schule gekommen, in die ich aktuell gehe beziehungsweise an der ich gerade maturiert habe, und zwar: auf die HTL für Lebensmitteltechnologie. Einige von euch wissen sicher nicht einmal, dass diese Schule existiert, weil sie nur rund 100 Schülerinnen und Schüler hat.
Es gibt aber noch ganz, ganz viele weitere Schulen, die auch so klein sind und einen sehr spezifischen Schwerpunkt haben. Es wäre doch schade, wenn uns die vorenthalten blieben, nur weil wir nie auf einer Berufsorientierungsmesse waren. Genau deswegen ist es wichtig, dass sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II auf Berufs- und Studieninformationsmessen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Klassenvorstand und den Mitschülerinnen und Mitschülern darüber entscheiden können, was sie in ihrem späteren Leben machen möchten. Genau dafür gibt es auch die Berufs- und Studieninformationsmessen. – Vielen Dank. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes ein Erweiterungsantrag von Johanna Eichern; in Vorbereitung: Valentin Raml. (Beifall.)
Johanna Eichern: Einen wunderschönen guten Tag auch meinerseits! Der vorliegende Antrag setzt wichtige Schritte zur Berufsorientierung und Talentförderung. Um Schülerinnen und Schüler noch besser auf ihre Zukunft vorzubereiten, braucht es zusätzlich regelmäßige Einblicke in die Arbeitswelt. Ein direkter Kontakt zu Betrieben, Hochschulen, Fachkräften hilft dabei, berufliche Möglichkeiten realistisch kennenzulernen und Entscheidungen zu treffen. Zudem können Vorurteile gegenüber Berufsfeldern abgebaut und neue Perspektiven aufgezeigt werden. So fällt es Schülerinnen und Schülern leichter, ihre Interessen und Talente mit möglichen Bildungs- und Berufswegen zu verbinden. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächster: Valentin Raml mit einem Erweiterungsantrag; in Vorbereitung: Aaron Achatz. (Beifall.)
Valentin Raml: Liebe Delegierte! Liebe Zuschauer und Besucher! Sehr geehrter Vorstand! Ich denke, das Problem ist nicht nur die Orientierungslosigkeit, sondern auch ein mangelndes Selbstvertrauen und eine soziale Distanz, die heutzutage durch Social Media leider geschaffen wird. Für das spätere Berufsleben ist es sehr wichtig, dass man sich selbst gut verkaufen kann und sich selbst gut präsentieren kann. Man hat in vielen Berufssparten oft mit vielen anderen Personen zu tun, weshalb es sehr wichtig ist, dass die Kommunikations-Skills der Schüler in nächster Zeit auf Vordermann gebracht werden. All das ist wichtig, dass die Schüler ein sehr konfidentes Auftreten haben können, was für die Zukunft essenziell ist.
Die BSV möge sich dafür einsetzen, dass in Schulen Kurse und Vorträge gehalten werden, in denen gelehrt wird, wie Schülerinnen und Schüler ihr Auftreten verbessern können und lernen, sich im späteren Berufsleben besser zu verkaufen. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht, darüber müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Über diesen Antrag wurde mit 77,273 Prozent negativ abgestimmt.
Wir fahren fort mit den Erweiterungsanträgen.
Als Nächstes: ein Erweiterungsantrag von Aaron Achatz; in Vorbereitung: Martin Knafl. (Beifall.)
Aaron Achatz: Wir sprechen hier gerade über verschiedene Themen, offensichtlich über das Beilegen von einem Stärken- und Schwächenprofil zu den Zeugnissen. Allerdings sollten wir uns fragen: Wenn unsere Stärken und Schwächen aktuell nicht in den Zeugnissen abgebildet werden, wie sinnvoll ist dann die Benotung, wie sinnvoll ist die Bewertung derzeit überhaupt?
In unserer Verfassung steht geschrieben, dass Bildung allen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder eben auch ihrer sozialen Herkunft, in bester Qualität zur Verfügung stehen soll. Und wenn unsere Stärken und Schwächen nicht in den Noten widergespiegelt werden, wenn sie in unseren Noten nicht sichtbar sind, dann haben großteils auch wieder die den Vorteil, die perfekt in dieses Bildungssystem, in dieses starre Noten-Bewertungssystem hineinpassen – und das sind eben oftmals nicht die Leute, die dann nach Hause kommen und sich erst einmal fragen müssen: Was mache ich jetzt überhaupt? Ich komme aus der Schule, ich komme aus dem Unterricht und habe eigentlich nicht wirklich etwas verstanden.
Die Leute, die sozial benachteiligt sind, die keine Eltern mit einem dicken Geldbörserl haben, stehen dann da und müssen sich das irgendwie selbst beibringen, denn ihre Eltern werden ihnen nicht helfen können, die haben wahrscheinlich in den allermeisten Fällen auch keine ausreichende Bildung dahin gehend, und Nachhilfe ist dann eben auch nicht das Thema, weil sich das finanziell nicht ausgeht.
Sollen also jene Kinder, die ohnehin schon ein schlechteres Leben führen müssen – wegen unfairen Systemen, wegen einer vielleicht unfair strukturierten Gesellschaft –, auch noch in den Noten im Bildungssystem benachteiligt werden, gerade da, wo sie die Möglichkeit hätten, über sich hinauszuwachsen, gerade da, wo wir die Möglichkeiten hätten, solche sozialen Unterschiede auszugleichen? Muss das sein? – Nein.
Wir müssen uns wirklich kritisch mit den derzeitig vorhandenen Bewertungs- und Übergangssystemen auseinandersetzen, wir müssen uns fragen: Wie sinnvoll ist es, wie wir bewerten? Wir müssen uns fragen, wie wir bewerten. Es ist essenziell und wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler – so, wie es auch in unserer Verfassung steht – die Möglichkeit haben, die bestmögliche Bildung, die Bildung in höchster Qualität zu erhalten, unabhängig davon, wie gut es ihnen finanziell geht, wie gut es ihren Eltern finanziell geht, denn darauf läuft diese Diskussion im Endeffekt hinaus.
Wozu führt das? – Es führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler, die ohnehin, wie schon gesagt, schlechter gestellt sind, die ohnehin schon nicht das Traumleben führen, nie aus diesem Teufelskreis ausbrechen können. Ja, es entwickelt sich eben daraus ein Teufelskreis, es entwickelt sich ein System, in dem die, die ohnehin schon schlechter gestellt sind, nie ein besseres Leben führen können. Es entwickeln sich Systeme, in denen die, die am wenigsten gehört werden, die leise sind, weil sie leise gemacht werden, weil sie stumm geschaltet werden von einer Gesellschaft, die sie nicht hören will, ohnehin weiterhin nicht laut werden können. Sie können ihre Stimme nicht erheben, sie haben nicht die Möglichkeit, aufzustehen; sie haben nicht die Möglichkeit, auszubrechen, um irgendwann eines Tages vielleicht ein besseres Leben führen zu können.
Genau das ist es, worüber wir uns heute hier Gedanken machen müssen, denn das Bildungssystem, wie ich schon erwähnt habe, ist eben eine Möglichkeit, dass man solche Ungleichheiten ausgleicht, dass man echte Chancengerechtigkeit schafft. Und das braucht es! Das braucht es in Österreich, das braucht es eigentlich überall, denn wenn wir als Menschheit, wenn wir meinetwegen als Österreicherinnen und Österreicher jemals weiterkommen wollen, dann braucht es jene Leute an der Spitze, dann braucht es jene Leute und jene Ideen, die am meisten positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben können – und nicht die Ideen von den Mächtigen, die Ideen von den Reichen, von denen, denen es ohnehin schon gut geht, von denen, die ein perfektes Leben führen können, weil unsere Welt genau auf sie ausgerichtet ist.
Diese Ideen dürfen nicht die einzigen sein, die gehört werden. Es müssen alle Ideen gehört werden, und es müssen gerade jene Ideen umgesetzt werden, jene Ideen weiterverfolgt werden, die die besten sind für uns alle und eben nicht nur für die, denen es ohnehin schon am besten geht. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes: ein Erweiterungsantrag von Martin Knafl; in Vorbereitung Franz Foßl. (Beifall.)
Martin Knafl: Hallihallo auch von meiner Seite! Nach so einer energischen Rede bin ich ganz fassungslos. Zum Anfang vielleicht: Wir haben ja früher vom Mittagessen gesprochen. Vielleicht – ich weiß es nicht – war irgendetwas im Mittagessen, denn wir sind jetzt von einem Antrag, der eigentlich zum Thema Berufsorientierung gegangen ist, irgendwie zur Gesamtschule abgeschweift. Soll jetzt aber auch nicht Thema sein. (Beifall.)
Prinzipiell erklärt sich mein Erweiterungsantrag eigentlich selbst. Ich möchte nur vielleicht kurz einen Kontext geben: Ich habe gestern maturiert und habe die Wochen davor eigentlich dauerhaft damit zugebracht, Chat-GPT zu fragen, was ich jetzt in der Zukunft machen könnte. Valerie hat da mit ihrem Antrag, glaube ich, relativ gut den Nagel auf den Kopf getroffen, denn ich habe Chat-GPT wirklich befragt, und dann hat es mich gefragt: Welche Talente hast du?, und ich habe gedacht: Ja, Lesen, Schreiben. – Und das ist, ich sage einmal, schwierig, denn dann hat Chat-GPT mir vom Lesetalent irgendwie eine Jobaussicht als Kernölbauer prognostiziert. (Heiterkeit.) Also da kommen ganz komische Sachen zustande, die ich nicht verstehe.
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, an die letzten fünf Jahre HTL, dann waren eigentlich die wertvollsten Erlebnisse und Erkenntnisse, die ich getroffen habe, jene aus Exkursionen, aus Besuchen von Universitäten, von FHs. Ich war an einer Bau-HTL, also ich habe einmal einen 3 Stunden langen Vortrag über Ziegel gehabt, was jetzt vielleicht nicht unbedingt interessant war, aber es hat mir, ich sage einmal, neue Blickwinkel auf Industrien, auf Berufsfelder gegeben, und das ist etwas, was Schnuppertage in Universitäten, in Betrieben, an FHs einfach machen können. Deswegen würde ich dafür plädieren, dass man das eben auch ausbaut. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht. Darüber stimmen wir jetzt gleich ab.
Dieser Antrag wurde mit 77,451 Prozent abgelehnt. (Beifall.)
Wir fahren fort mit einem Streichungsantrag von Franz Foßl; in Vorbereitung: Alina Matharu. (Beifall.)
Franz Foßl: Danke für den wichtigen Antrag. Wie meine Vorredner:innen schon gesagt haben, Berufs- und Talenteförderung ist extrem wichtig und unumgänglich. Aber es ist ein Abänderungsantrag, den ich gestellt habe, und ich würde gerne auf Forderungspunkt 4 eingehen. Und zwar möchte ich diesen einerseits auf Sekundarstufe I und II erweitern, denn ich sehe es an meiner eigenen Schule: Die wenigsten hatten ab der Sekundarstufe I einen Plan von ihrer Zukunft, obwohl wir ebenso einen Talentecheck gemacht haben. Gerade in AHSen ändern sich Interessen sowie Spezialisierungen und Vorlieben massivst, deswegen sollte auch in der Sekundarstufe II eine Exkursion zu Talentechecks oder Ähnlichem gemacht werden.
Außerdem möchte ich anregen, dass Talentechecks an Schulen nicht ausschließlich durch das Wifi angeboten werden, wie es im Antrag als Beispiel angeführt wird, sondern auch durch Institutionen wie zum Beispiel die Arbeiterkammer. Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit haben, unterschiedliche Perspektiven und Beratungsangebote kennenzulernen. Die Arbeiterkammer verfügt ebenfalls, genauso wie das Wifi, über umfassende Expertise in der Berufsorientierung und kann junge Menschen bei der Entdeckung ihrer Stärken und Interessen unterstützen.
Ein breites Angebot fördert die Chancengerechtigkeit, stärkt die Entscheidungsfähigkeit der Jugendlichen und ermöglicht eine ausgewogenere Berufs- und Bildungsberatung – genauso, wie es die Gesamtschule tut, die Chancengerechtigkeit fördert, die allen Schüler:innen gerechte Chancen gibt, die allen Schüler:innen die Chance gibt, ihren Interessen nachzugehen, nämlich individuell allen genau gleich und gerecht. Und ich weiß nicht, was im Mittagessen war, aber vielleicht war ja etwas im Mittagessen, was darauf abzielt, dass man andere Leute angreift, weil sie eine emotionale Rede für Chancengerechtigkeit gehalten haben. (Beifall.) Deswegen möchte ich euch bitten, für den Abänderungsantrag zur Gesamtschule und meinen Abänderungsantrag zu stimmen. (Beifall. – Rufe: Buh!)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes: ein Abänderungsantrag von Alina Matharu; in Vorbereitung: Marius Gruber. (Beifall.)
Alina Matharu: Vielleicht verstehe ich es falsch, aber der zweite Forderungspunkt lautet: Schaffung eines übersichtlichen Angebotes von Förderungen für besondere Leistungen. – Am Anfang hört es sich gut an, also: Förderungen, wenn man etwas Besonderes geleistet hat; aber Förderung darf nicht nur denjenigen zukommen, die ohnehin schon besonders gute Leistungen erbringen. Schule hat die Aufgabe, alle Schüler:innen in ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen Chancen zu eröffnen. Wenn Förderangebote ausschließlich an besondere Leistungen geknüpft werden, so wie ich das jetzt verstehe, entsteht genau da ein System von Konkurrenz und Vergleich. Dabei kommen diejenigen aus dem Blick, die die Unterstützung vielleicht am dringendsten benötigen.
Deshalb schlage ich stattdessen vor, den Fokus von der Förderung besonderer Leistungen auf die individuelle Förderung aller Schüler:innen zu legen, denn Bildung sollte nicht einige wenige hervorheben, sondern allen die Möglichkeit geben, ihre Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes: ein Erweiterungsantrag von Marius Gruber; in Vorbereitung: Boran Kemac. (Beifall.)
Marius Gruber: Mein Änderungsantrag bezieht sich ganz einfach auf den letzten Punkt. Und zwar bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur wissen, welche Möglichkeiten sie außerhalb der Schule in ihrem Leben haben, sondern dass sie auch wissen, welche Möglichkeiten sie innerhalb der Schule haben.
Daher füge ich nur ein paar wenige einfache Worte hinzu, und zwar, dass die Schülerinnen und Schüler auch Informationen für die zukünftige Schullaufbahn bekommen, denn viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es in unserem außergewöhnlichen Bildungssystem eigentlich gibt. Ob HAK, HTL, HLW, AHS, diese Entscheidung wird oft viel zu früh und vor allem viel zu uninformiert getroffen – von Eltern, die denselben Weg gegangen sind, oder einfach weil es halt so ist.
Das kann nicht die Grundlage für solche wichtigen Entscheidungen sein. Diese Informationen müssen für jeden einzelnen Schüler so bald wie möglich erreichbar sein.
Deswegen: Wer seine Talente kennt, soll auch wissen, welcher Schulweg dazu passt. Der Talentecheck ist die perfekte Möglichkeit dafür. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächstes: ein Erweiterungsantrag von Boran Kemac; in Vorbereitung Levi Stuhlpfarrer. (Beifall.)
Boran Kemac: Lisa hat es vorhin schon erwähnt: Schülerinnen und Schüler brauchen praktische Einblicke in die Arbeitswelt und dass ihre Schulen regelmäßige Berufserkundungstage mit Unternehmen, Universitäten, Fachhochschulen und Lehrbetrieben organisieren, denn viele Jugendliche wissen nicht, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen, weil sie bestimmte Berufe oder Ausbildungswege nie kennengelernt haben.
Außerdem fordere ich, dass ehemalige Schülerinnen und Schüler eingeladen werden sollten, um von ihren Erfahrungen in ihrer Karriere zu berichten. Junge Menschen können sich oft besser mit Personen identifizieren, die vor wenigen Jahren noch selbst in derselben Situation waren. Solche Gespräche machen Bildungs- und Berufswege greifbar und motivieren dazu, eigene Ziele zu entwickeln.
Mit dieser Erweiterung schaffen wir nicht nur mehr Orientierung, sondern geben jungen Menschen die Chance, ihre Zukunft aktiv und selbstbewusst zu gestalten. – Danke schön. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Als Nächster: Levi Stuhlpfarrer; in Vorbereitung: Senk Isabella. (Beifall.)
Levi Stuhlpfarrer: Nochmals ein Hallo meinerseits! Viele Schülerinnen und Schüler in Österreich stehen mit 14 vor einer großen, wegweisenden Entscheidung: Gymnasium, BMHS oder Lehre? Dennoch fehlt es oft massiv an Aufklärung. Als ich in der 4. Klasse war, wurde nie über andere Schultypen aufgeklärt, geschweige denn, dass sich irgendjemand bei uns vorgestellt hätte. Das hatte zur Folge, dass von etwa 20 Schülerinnen und Schülern in meiner Klasse nur magere zwei weggewechselt haben.
Die Wahrheit ist schlichtweg, dass die Schulwahl oft keine fundierte Entscheidung ist und Schülerinnen und Schüler schlecht informiert werden. Deswegen fordere ich eine verpflichtende Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler der 8. Schulstufe an regionalen Bildungsmessen, bei denen insbesondere Bildungswege von AHS, BMHS und Berufsschulen vorgestellt werden. Ich appelliere an euch, sowohl diesen Erweiterungsantrag als auch den Hauptantrag zu unterstützen, um die Schulwahl endlich gerechter und besser zu gestalten. – Danke. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht. Darüber stimmen wir jetzt gleich ab.
Mit 76,923 Prozent wurde dieser Antrag abgelehnt.
Wir fahren fort mit den Erweiterungsanträgen.
Als Nächste Isabella Senk ans Redner:innenpult und in Vorbereitung Anton Loss. (Beifall.)
Isabella Senk: Jede Schülerin und jeder Schüler hat unterschiedliche Stärken. Manche von uns tun sich leichter mit Zahlen, andere sind Profis im Sprachenlernen, und trotzdem sind wir nicht alle gleich. In einer Schule, in der wir alle in eine Einheit gepresst werden, wie in der Gesamtschule, funktioniert es kaum, dass wir individuell auf Schülerinnen und Schüler eingehen können. Unser Bildungssystem in Österreich ist genau deshalb so stark, weil wir diese Vielfalt haben, weil es verschiedene Sekundarstufen I gibt, egal ob AHS-Langformen oder naturwissenschaftliche Zweige, humanistische Zweige, Sprachenzweige oder Mittelschulen mit schulspezifischen Schwerpunkten. Es findet jede Schülerin und jeder Schüler seinen eigenen Weg und kann seine eigenen Entscheidungen treffen, was er oder sie gerne hat, wo er oder sie seine Talente oder ihre Talente sieht. Genau diese Vielfalt ist so ein wichtiger Wert, weil die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen für uns wesentlich ist.
Deswegen darf auch zukünftigen Generationen auf keinen Fall die Chance genommen werden, sich selbst für die geeignete Schulform zu entscheiden. Und man wird ja in diese Entscheidung nicht einfach hineingestoßen, man bekommt Unterstützung in der Schule, von Eltern, von Freunden und Freundinnen.
Ein Beispiel aus Deutschland: Bei der Pisa-Vergleichsstudie haben im innerdeutschen Ländervergleich die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen gewonnen. In diesen Bundesländern gibt es in Deutschland keine Gesamtschule.
Was zeigt uns das? – Es ist nicht fair, alle in einen Topf zu schmeißen, denn es sind nicht alle Kinder gleich. Deshalb muss es die Möglichkeit geben, zu differenzieren. (Beifall. – Rufe: Buh! – Pfiffe. – Zwischenrufe.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Das gibt einen Ordnungsruf für dich, Franz Foßl, und für dich auch, Markus Obermair.
Wir fahren fort mit einem Antrag auf Schluss der Debatte.
Mit 69,072 Prozent wurde dieser Antrag abgelehnt. (Beifall.)
Wir fahren fort mit einem Erweiterungsantrag von Anton Loss; in Vorbereitung Nick Klein. (Beifall.)
Anton Loss: Mein Erweiterungsantrag ist zur verpflichtenden Durchführung eines individuellen Beratungsgesprächs nach dem Talentecheck. Die Ergebnisse eines Talentechecks entfalten ihren größeren Nutzen erst dann, wenn sie gemeinsam reflektiert und eingeordnet werden.
Ein persönliches Beratungsgespräch hilft dabei, Stärken sichtbar zu machen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um konkrete Bildungs- oder Berufswege zu besprechen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ergebnisse nicht nur erhoben, sondern auch sinnvoll genutzt werden.
Eines möchte ich noch zu Carolins Erweiterungsantrag sagen, denn das kann und möchte ich nicht kommentarlos stehenlassen. Wie Isabella schon gesagt hat: Es gibt genau die Studien, die es so beweisen.
Kinder sind keine identischen Puzzleteile, die beliebig austauschbar sind. Jedes bringt eigene Eigenschaften und Bedürfnisse mit, und deshalb muss es möglich sein, individuell zu unterscheiden und darauf einzugehen. Es geht hier um Chancengerechtigkeit, nicht -gleichheit.
Und noch etwas zum Schluss, was ich generell anmerken möchte: Kompetenz wird nicht in Dezibel gemessen. – Danke. (Beifall. – Ruf: Wie viele Dezibel waren das jetzt? – Heiterkeit und Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Felix, das gibt einen Ordnungsruf für das Herausschreien.
Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht.
Über den werden wir jetzt gleich abstimmen.
Es gab einen Fehler. – Wir fahren fort mit den Erweiterungsanträgen.
Als Nächstes: Nick Klein; und in Vorbereitung: Emma Battlogg. (Beifall.)
Nick Klein: Talente, Interessen und persönliche Stärken: Genau diese entwickeln sich, wie jeder hier herinnen, hoffe ich zumindest, bereits am eigenen Leib erfahren durfte, im Laufe unserer Schulzeit kontinuierlich weiter. Ein einmal erstelltes Profil kann diese Entwicklung nur unzureichend abbilden. Eine Momentaufnahme wie diese kann solch eine jahrelange Entwicklung gar nicht richtig darstellen, deshalb würde durch regelmäßige Aktualisierungen sichergestellt werden, dass Profile aktuelle Stärken widerspiegeln und Trends sichtbar machen und für spätere Bildungs- und Berufsentscheidungen tatsächlich hilfreich bleiben.
Zu meinen Vorrednern Anton und Isi möchte ich natürlich auch etwas sagen, denn auch ich kann das Ganze nicht so stehen lassen, nein: Lieber Anton, liebe Isi, ich unterstütze eure Aussagen voll und ganz. Auch ich empfinde es als eine absolute Frechheit von dir, liebe Carolin, uns als große Befürworter und Advokaten von Individualität hier einfach als Unmenschen dastehen zu lassen. Ich erkläre dir gerne noch einmal mit genau zwei Wörtern, wie so eine Gesamtschule sinnbefreit ist. Ich sage nur die Stichwörter: Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit, denn diese scheint deine Organisation gerne einmal zu verwechseln. – Danke schön. (Beifall. – Ruf: Nick, ich will ein Kind von dir! – Heiterkeit.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Jeremy, auch für dich gibt es einen Ordnungsruf.
Wir fahren fort mit einem Antrag auf Schluss der Debatte.
Darüber stimmen wir jetzt gleich ab.
In der Zwischenzeit möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, dass wir hier eigentlich in einem sehr Hohen Haus sitzen, wo jeden Tag – oder nicht jeden Tag, aber sehr oft – sehr wichtige politische Entscheidungen gefällt werden und dass es sehr respektlos ist, da durchgehend Zwischenrufe herauszuhauen und hier auch persönliche Angriffe durchzuführen. Daher wieder der Appell an euch, dass ihr euch in diesem Hohen Haus mit Respekt behandelt. (Beifall.)
Der Antrag wurde mit 79,381 Prozent abgelehnt.
Wir fahren fort mit den Erweiterungsanträgen.
Als Nächste mit einem Erweiterungsantrag am Redner:innenpult: Emma Battlogg; und in Vorbereitung: Elias Mantler. (Beifall.)
Emma Battlogg: Wie schon gesagt wurde: Eigentlich bin ich hier mit einem – für uns alle ziemlich logischen – Erweiterungsantrag zum Thema Leistungsdruck. Ich wollte eigentlich sagen – eins, zwei – jeder und jede Zweite von uns sei von Leistungsdruck betroffen. So ist es: Das sagen Studien der WHO.
Was sagen Studien noch? – Nicht, dass eine Gesamtschule schlechtere Leistungen bringt. Ich weiß nicht, woher wir diese Studie haben, aber ich habe hier eine Masterarbeit vor mir liegen, ich habe mehrere Quellen, die wirklich wissenschaftlich fundiert sind, die ganz andere Dinge sagen. Und wenn wir sagen, dass wir mit der Gesamtschule von der Individualisierung komplett wegschauen, hat jemand das Konzept nicht verstanden. (Beifall.)
Das höchste Gut einer Gesamtschule ist Individualisierung, der individuelle Blick auf jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler. Und es tut mir wirklich leid, dass jetzt so sagen zu müssen, aber wer das nicht versteht, kennt sich einfach mit der Gesamtschule nicht aus – und das ist ein Fakt.
Das heißt nicht, dass man durch die Gesamtschule schlechter lernt oder weniger lernt oder alle Schüler:innen vergessen werden und dass wir die stärkeren Schüler:innen hängen lassen und nur auf die schwachen schauen – nein, so funktioniert das nicht! Die Gesamtschule ist die einzige Lösung, wie wir einen Schritt in Richtung einer Bildung machen, die für alle fair ist, wo es egal ist, woher man kommt, wer man ist oder wen man um sich hat.
Und ich weiß nicht – jetzt muss ich kurz noch einmal die BAfEP raushängen lassen –: Wollen wir jetzt auch noch Kindergärten trennen für die schlauen Kindergartenkindern und die dummen Kindergartenkinder? – So funktioniert Bildung nicht! Man lernt voneinander und miteinander, und nicht, indem man Ewigkeiten lang selektiert und selektiert und selektiert, bis schlussendlich drei Leute übrig bleiben, die sich noch irgendwie ein Unistudium leisten können, die an eine Uni gehen können. Vielleicht kommen dann solche Forschungen heraus. Vielleicht kommen dann solche Forschungen heraus, auf die wir schauen, und wir sehen: Hey, das stimmt! Da haben die Leute sich etwas überlegt.
Und ich will noch eine Sache sagen: Wie der gute Marco schon gesagt hat: Das hier ist wirklich ein Hohes Haus, und ich finde es eine Frechheit, dass wir uns gegenüber den Bildungspolitiker:innen, die vorhin anwesend waren, und auch Herrn Matzka hier so verhalten: anfangen herumzupfeifen, herumzuschreien. Wir sind hier, um zu verändern, und das funktioniert nicht, indem wir es so machen. – Danke schön. (Beifall.) Ja, Sie können mir einen Ordnungsruf geben, aber das muss gesagt werden.
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein weiterer Antrag auf Schluss der Redner:innenliste erreicht.
Darüber müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Dieser Antrag wurde mit 52,747 Prozent abgelehnt.
Wir fahren mit den Erweiterungsanträgen fort.
Als Nächster am Redner:innenpult mit einem Erweiterungsantrag: Elias Mantler; und in Vorbereitung: Hannah Reiter. (Beifall.)
Elias Mantler: Diesen Erweiterungsantrag habe ich wenige Sekunden nach Eröffnung der Redner:innenliste gestellt, und da ging es im Antrag noch um Berufs- und Talentförderung, doch ich höre immer wieder das Wort Gesamtschule. In meinen Augen sind diese zwei Themen widersprüchlich.
Aus gegebenem Anlass möchte ich darum bitten, auf den zuvor behandelten Antrag, auf die Gesamtschule einzugehen. Die dort geforderte Vereinheitlichung des Schulsystems wirkt auf den ersten Blick nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz, wenn es um die tatsächliche Vielfalt der Menschen geht.
So eine Maßnahme geht am Forderungspunkt 1 vorbei, der Berufs- und Talentförderung. Chancengerechtigkeit bedeutet nicht, alle in ein identisches System zu zwingen, sondern unterschiedliche Bildungswege zu ermöglichen. Ein differenziertes Schulsystem bietet genau diese Möglichkeit. Damit diese Förderung tatsächlich Wirkung entfalten kann, ist es entscheidend, dass beschlossene Maßnahmen nicht nur umgesetzt, sondern auch evaluiert werden: von Schülern, Lehrpersonen und Elternvertretern, da diese Ideen aus der Praxis haben.
Und liebe Emma: Wir beide sind aus Vorarlberg, und in Vorarlberg gibt es eine Gesamtschule. Die Gesamtschule heißt Schule am See in Hard, und selbst diese ist für die Abschaffung der Gesamtschule. (Heiterkeit und Beifall.)
Zum Schluss möchte ich noch Franz Foßl zitieren: In einer Gesamtschule individuell alle genau gleich. – Was genau du damit meinst, kannst du mir gerne nach dem SIP erzählen. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Uns hat ein Antrag auf Schluss der Debatte erreicht.
Über diesen müssen wir jetzt gleich abstimmen.
Mit genau 66,667 Prozent geht sich der Antrag genau aus. (Beifall.)
Wir fahren fort mit der Abstimmung der Erweiterungs- und Abänderungsanträge.
Wir würden auch bitten, dass ihr die Anträge zügig abstimmt, da wir noch einen Gast bekommen. (Zwei Schülerinnen treten an das Präsidium und beraten sich mit Jan Rauch.) – Ich würde auch bitten, dass ihr jetzt zurück an eure Plätze geht, oder ihr bekommt einen Ordnungsruf, weil ihr damit die Sitzung verzögert.
Die Dame neben der Emma, wie heißt du? Wie bitte? (Corinna Huber: Corinna Huber!) Ich gebe dir, Corinna Huber, einen Ordnungsruf. – Wir fahren fort. (Beifall.)
Der Antrag wurde mit 95,45 Prozent angenommen.
Als Nächster folgt der Antrag von Noah Robineau.
Dieser Antrag wurde 81,176 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem Erweiterungsantrag von Lisa Prinz.
Mit 93,407 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Wir fahren fort mit dem nächsten Erweiterungsantrag, nämlich dem von Luka Kolanović.
Dieser Antrag wurde mit 90,217 Prozent angenommen. Wir gratulieren dem Antragsteller.
Als Nächster folgt der Erweiterungsantrag von Carolin Huber.
Dieser Antrag wurde mit 79,381 Prozent negativ abgestimmt.
Wir fahren fort mit dem nächsten Erweiterungsantrag, nämlich dem von André Wildberger.
Mit 75,51 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Ich darf Frau Bundesministerin für Europa, Integration und Familie, Frau Claudia Bauer begrüßen. (Beifall.)
Ich unterbreche die Sitzung um 16.19 Uhr.
Grußworte
Claudia Bauer (Bundesministerin für Europa, Integration und Familie): (Bundesministerin Bauer gibt dem Vorsitzenden die Hand:) Die Zeit muss sein. – Danke schön, Herr Vorsitzender, für das Wort! Geschätzte Schülervertreterinnen und Schülervertreter! Danke auch für das Rederecht hier im Plenarsaal! Ich glaube, der Tag ist schon extrem lang bei euch; die Köpfe rauchen, wenn ich mich so in der Runde umschaue. Ihr habt 24 Tagesordnungspunkte hinter euch; ich werde mich auch kurz halten.
Ich möchte nur ein herzliches Dankeschön für euer Engagement als Schülervertreterinnen und Schülervertreter sagen, auch darüber hinaus in den Landesschülervertretungen und in der Bundesschülervertretung. Da ich selbst auch einige Jahre in der Schülervertretung aktiv war, bevor es mich in die Politik geführt hat, weiß ich, was da dahinter steckt: dass das viel, viel Vorbereitung, viel inhaltliches Verhandlungsgeschick, viel Finden von Mehrheiten und Stellen von Anträgen – einfach auch die Schülervertretung und gerade die Arbeit bei den Schülerparlamenten – bedeutet. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ihr euch dafür Zeit nehmt. Es ist gelebte politische Bildung, es ist auch gelebte Teilhabe von jungen Menschen.
Ich komme soeben gerade aus Sankt Pölten, wo die Bundesjugendvertretung die jährliche Jugendkonferenz auch mit den zuständigen Landesrätinnen und Landesräten abgehalten hat, und ich finde es immer extrem großartig, dass sich so junge Menschen in vielen, vielen politischen Bereichen engagieren – in eurem Fall in der Bildungspolitik. Es geht da genau um die Zukunftsentscheidungen, die getroffen werden, die hier im Saal getroffen werden.
Darum ist es, glaube ich, auch eine besondere Wertschätzung des Parlaments, dass das Ösip hier herinnen abgehalten werden kann. Zu meiner Zeit war das noch im Alten Wiener Rathaus – damals, als wir von der Bundesschülervertretung eingeladen worden sind, unsere Anträge zu stellen. Also das hat sich enorm weiterentwickelt, weil sich auch die Schülervertretung enorm weiterentwickelt hat.
Ich wünsche euch auch für die Zukunft viele dieser mutigen Entscheidungen, viel Diskutieren, viel Erheben der Stimme, weil genau darauf kommt es an, wenn wir auch weiterhin eine starke Jugendvertretung haben wollen – in eurem Fall in der Interessenvertretung für die Bildung.
Ich habe heute die Ohrringe bewusst nach der EU-Flagge gewählt, weil heute auch ein Tag dieser mutigen Entscheidungen ist: Heute ist der 12. Juni und wir feiern den 32. Geburtstag der damaligen Volksabstimmung zum EU-Beitritt. Das war selbst vor meiner Zeit, ich war da auch noch nicht auf der Welt – ihr schon gar nicht –, aber das ist auch ein Tag gewesen, an dem sich zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher in einer Volksabstimmung dafür ausgesprochen haben, der Europäischen Union beizutreten.
Das war eine mutige Entscheidung, vor allem eine Entscheidung, von der viele junge Menschen, von der wir alle profitieren – ihr vielleicht auch die nächsten Jahre von Erasmus plus, egal ob als Studierender oder auch als Lehrling – da kann man genauso auch diese wunderbaren Auslandsprogramme in Anspruch nehmen.
Es ist super, wenn auch ihr diese Dinge genau so, in diesem Sinne, demokratisch weiterentwickelt. Ich wünsche euch dafür alles, alles Gute, heute ein gutes Heimkommen, einen schönen restlichen Tag, an dem wahrscheinlich vor allem auch der Kopf ausrauchen muss, und ein erfolgreiches Abschließen des Schuljahres! Ich habe gehört, dass manche heute noch Maturafeier haben: Herzliche Gratulation auch dazu! Danke für die wunderbare Zusammenarbeit!
Wenn ich mir die Antragsmappe so durchschaue: Ich habe gesehen, es gibt 24 Anträge. Das ist durchaus mehr, als wir bei so manch einer Nationalratssitzung diskutieren, da steckt unglaublich viel dahinter. Auch die Plenarpräsenz ist sehr erfreulich, ich glaube, auch da kann man sich fürs Parlament eine Scheibe abschneiden. Es gibt sehr viele wichtige Entscheidungen, die gerade auch die Generationen nach euch betreffen, wenn ich auch an den Leitantrag zur Zentralmatura denke – da ist gerade auch Bildungspolitik eine Querschnittsmaterie.
Auch wenn ich nicht primär dafür zuständig bin, fühle ich mich als Jugendministerin doch auch für viele Bereiche – mentale Gesundheit, außerschulische Jugendarbeit und vieles mehr – sehr verantwortlich und werde da hoffentlich auch gemeinsam mit unserem Bildungsminister viele richtige Entscheidungen auch in eurem Sinne in der Bundesregierung anstoßen.
Alles Gute, herzlichen Dank und einen guten weiteren Verlauf! (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Vielen Dank, Frau Ministerin, dass Sie sich die Zeit genommen haben, das ist nicht selbstverständlich.
Als Nächstes folgen die Abschlussworte unserer Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl.
Abschlussworte
Hannah Scheidl (Bundesschulsprecherin): Danke. – Ihr fragt euch vielleicht: Okay, warum steht sie jetzt schon da vorne? Wir haben noch 20 Abstimmungen über Erweiterungs- und Abänderungsanträge. – Die Person, die heute Maturafeier hat, das bin tatsächlich ich, und ich habe gesagt, ich bin wahrscheinlich einen Kopf kürzer – sowohl vonseiten meiner Direktorin als auch vonseiten meiner Eltern –, wenn ich dort nicht pünktlich erscheine.
Es ist mir aber trotzdem wichtig, dass ich heute meine Abschlussworte beim Österreichischen Schüler:innenparlament halte, weil ich doch seit vier Jahren in der Schülervertretung, seit drei Jahren in der Landesschülervertretung, seit zwei Jahren in der Bundesschülervertretung bin und jetzt auch mein Jahr als Bundesschulsprecherin zu Ende geht. Es ist ein schon ein besonderer Tag, ein letztes Mal da herinnen zu stehen und wirklich mitentscheiden zu können.
Nicht nur der Tag heute neigt sich dem Ende zu, sondern auch das Ösip neigt sich dem Ende zu, und ich möchte mich heute noch bei vielen von euch bedanken.
Ich möchte mich vor allem dafür bedanken, dass ihr heute so viele Erweiterungs- und Abänderungsanträge geschrieben habt und so aktiv mitdiskutiert habt, mitbestimmt habt und mitentschieden habt. Es sind insgesamt unglaubliche 24 Anträge eingereicht worden, und wir haben bald – hoffentlich – fünf davon positiv abgestimmt, die dann auch in den Bildungsausschuss kommen, und das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum perfekten Bildungssystem.
Außerdem möchte ich auch noch ein riesiges Danke an Jan und Theresa aussprechen. Sie haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass dieses Österreichische Schüler:innenparlament heute hat stattfinden können. Jan habt ihr heute den ganzen Tag beim Beisitz gesehen und Theresa steht dort hinten. Ich finde, sie haben sich einmal einen Riesenapplaus verdient! (Allgemeiner Beifall.)
Aber nicht nur der Tag geht zu Ende, nicht nur das Ösip geht zu Ende, sondern auch unser BSV-Jahr neigt sich schön langsam dem Ende zu.
Ich bin nicht die Einzige, die in der BSV etwas macht, ich habe vor allem Personen, die mir sehr zur Seite stehen, nämlich mein Quartett – allen voran Raphael, der wirklich in jeder Lebenssituation für mich da ist, eine der wenigen Personen, die mir auch noch um halb drei Uhr auf meine Nachrichten antworten – halb drei Uhr nachts wohlgemerkt! – und der für einen Termin, der nur 1 Stunde dauert, trotzdem den Weg von Kärnten auf sich nehmen würde, um mir zur Seite zu stehen.
Außerdem möchte ich mich bei allen Landesschulsprecherinnen und Landesschulsprechern und somit auch BSV-Mitgliedern für die positive uns konstruktive Zusammenarbeit bedanken, aber natürlich auch den ganzen LSVen. Alle, die da herinnen sitzen: Ihr habt großartige Arbeit geleistet! Ich habe mir ein paar Stichwörter notiert: von SIPs über Social-Media-Wochen über Planspiele, Brüsselreisen, Starttage, Podiumsdiskussionen, Demokratiereisen, Klimawettbewerbe: Ihr habt in den Ländern eine Riesenarbeit geleistet, und ihr könnt sehr, sehr, sehr stolz darauf sein – großer Applaus noch für euch! (Beifall.)
Aber nicht nur die Bombenarbeit ist das, was ich an euch schätze, sondern vor allem auch eure Gastfreundschaft. Ihr habt mich teilweise bei euch zu Hause aufgenommen, als wäre es das Selbstverständlichste, wenn wieder einmal die Anreise aus Niederösterreich viel zu lang war.
Aber wir haben heute nicht nur Landesschülervertreter hier herinnen sitzen, sondern auch Schülervertreterinnen und Schülervertreter, und ihr leistet essenzielle Arbeit in euren Schulen, direkt vor Ort, in den Klassenzimmern, in Schulgemeinschaftsausschüssen. Ihr seid wirklich bombig, ohne euch würde so ein Vertretungssystem gar nicht funktionieren!
Eine Person sitzt da herinnen - - nein, noch zwei Personen sitzen da herinnen, nämlich Florian und Nina. Einen Riesen-, Riesenapplaus für euch: Ihr seid die Personen, an die wir uns immer wenden können, wenn wir kurz vor dem Verzweifeln stehen oder gerne unsere Spesen zurück hätten oder wenn wir irgendwelche Sachen aus dem Ministerium brauchen. Ein Riesen-, Riesen-, Riesendanke, dass ihr uns so gut begleitet habt! (Beifall.)
Außerdem würde ich gerne allen Politikerinnen, Politikern und Ministern danken, mit denen wir immer wieder einen extrem konstruktiven Austausch gehabt haben, die immer ein offenes Ohr gehabt haben und die da waren, wenn wir vonseiten der Schülerinnen und Schüler gekommen sind und gesagt haben: So funktioniert das nicht! In der Praxis wird das nicht so gelebt, wie man sich das in der Theorie oft vorstellt. – Somit auch ein Riesendankeschön für den Austausch – und nicht nur den Austausch mit Politiker:innen und Minister:innen et cetera, sondern vor allem auch den Austausch mit Mira und meinen Vorgängerinnen und Vorgängern, weil ich immer gewusst habe, dass ich auf die zählen kann, dass sie mich unterstützen, wenn ich etwas brauche.
Aber der wahrscheinlich mit Abstand größte Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden – meine Eltern haben mich bei jedem Schritt unterstützt, und auch wenn ich sie teilweise nur alle zwei Monate gesehen habe, haben sie mir den Rücken gestärkt –, aber vor allem auch meinen zwei Klassenkolleginnen und Mitbewohnerinnen Hannah und Sarah, die nicht nur schulisch extrem viel kompensiert und ausgeglichen haben, sondern auch in unserer WG.
Hin und wieder werde ich gefragt, wie es ist, Bundesschulsprecherin zu sein und wie ich auf dieses Jahr dann vielleicht zurückblicken werde, und meine Antwort ist eigentlich immer: Ziemlich sicher mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil eine BSV bedeutet so vieles, das man sich teilweise nicht vorstellen kann. BSV bedeutet extrem viel Verantwortung, Vertretungsarbeit auf höchster Ebene, Besuche im Parlament, in den Klubgebäuden, in Ministerien – und unglaublich viele Stunden im Zug –, Veranstaltungen mit Personen, die oft bis zu 60 Jahre älter sind als ich, und Freundschaften mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten aus allen Bundesländern, aber auch Onlinemeetings ohne Ende und Interviews, Interviews, Interviews.
Ein BSV-Jahr ist etwas, auf das man sich nicht vorbereiten kann; jedes BSV-Jahr läuft so unterschiedlich ab. Man sagt immer, jedes BSV-Jahr bringt Neues mit sich. Aber nicht nur jedes BSV-Jahr bringt Neues mit sich, sondern jeder Tag bringt eine neue Überraschung mit sich, wenn man in der Bundesschülervertretung ist.
Unser BSV-Jahr war auf vielen verschiedenen Ebenen extrem einzigartig: Allem voraus ist eine der wichtigsten und längstwährenden Forderungen der BSV in die Realität umgesetzt worden: zwei neue Unterrichtsfächer – Demokratie und Medienbildung und Informatik und künstliche Intelligenz in der AHS-Oberstufe. Es hat fast wöchentliche Sonntags-Updates gegeben, was sich in der Woche in der BSV getan hat. Es hat einen extrem steilen LSV-Gipfel gegeben und Quartett-Jour-fixes mit extrem vielen Inhalten, aber auch Spaß und Tränen. Außerdem haben wir seit diesem Jahr eine extrem starke Stimme im Bereich der Berufsschulen und wir haben auf der Berufs- und Studienmesse in Wien einen Informationsstand für kleine und auch große Besucher gehabt. Wir haben Diskussionen über Bildungsthemen und der inhaltlichen Positionierung der BSV durch Stellungnahmen diskutiert; wir haben regelmäßige Meetings mit unserer mittlerweile doch sehr liebgewonnenen Sektionschefin Doris Wagner gehabt, viele, viele Interviews zu den neuen Unterrichtsfächern und die Vorstellung sowie die ersten Umsetzungsschritte von Plan Z; eine Veranstaltung gemeinsam mit der LSV Oberösterreich und eine Veranstaltung mit dem Innovation Circle – und heute ein extrem erfolgreiches Ösip.
Das bedeutet: Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann denke ich an ganz viele Höhen und Tiefen, an schlaflose Nächte, an lange Diskussionen über Inhalte und manchmal auch an schwierige Entscheidungen. Es war nicht immer einfach und die Aufgabe war sicher keine leichte, aber wir haben Verantwortung übernommen, wir haben diskutiert und immer wieder versucht, das Beste für Österreichs Schülerinnen und Schüler herauszuholen. Und auch wenn nicht immer alles perfekt war, eines kann ich heute mit vollster Überzeugung sagen: Wir haben unser Bestes gegeben, und darauf können wir stolz sein.
Somit bleibt mir nur noch eines zu sagen: BSV 2025/2026 over and out. (Beifall.)
Somit ein großes, großes Danke, und ich wünsche euch noch ganz viel Spaß beim Abstimmen über die restlichen Anträge – baba! (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Vielen Dank, liebe Hannah, für die netten Worte, und natürlich: Viel Spaß auf der Maturafeier!
Vorsitzender Marco Wehinger: Dann setzen wir um 16.36 Uhr mit der Sitzung fort.
Als Nächster folgt der Erweiterungsantrag von Philipp Köck.
Mit 95,89 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Nächster Antrag: Der Erweiterungsantrag von Johanna Eichern.
Mit 92,771 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Weiter geht es mit dem Erweiterungsantrag von Valentin Raml.
Mit 71,875 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als nächster Antrag folgt der Erweiterungsantrag von Aaron Achatz.
Mit 61,538 Prozent wurde dieser Antrag negativ abgestimmt.
Wir fahren fort mit dem nächsten Erweiterungsantrag, das ist der von Martin Knafl.
Dieser Antrag wurde mit 95,699 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt der Abänderungsantrag von Franz Foßl.
79,121 Prozent; dieser Antrag wurde positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Alina Matharu.
Mit 77,011 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Marius Gruber.
Mit 86,667 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Boran Kemac.
Mit 89,888 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Levi Stuhlpfarrer.
Mit 88,764 Prozent wurde dieser Antrag positiv angenommen. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Isabella Senk.
Mit 92,045 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Als Nächstes folgt der Erweiterungsantrag von Anton Loss.
Mit 81,395 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt ein Erweiterungsantrag von Nick Klein.
Mit 90,361 Prozent ist dieser Antrag positiv abgestimmt worden. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Als Nächstes folgt der Erweiterungsantrag von Emma Battlogg.
Mit 71,084 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Zuletzt folgt Elias Mantler mit einem Erweiterungsantrag.
Der letzte Erweiterungsantrag wurde jetzt mit 92,5 Prozent positiv abgestimmt. Wir gratulieren dem Antragsteller. (Beifall.)
Nun kommen wir zur Abstimmung des Hauptantrages.
Mit fast 95 Prozent wurde dieser Antrag positiv abgestimmt. Wir gratulieren der Antragstellerin. (Beifall.)
Bevor wir jetzt noch die Sitzung beenden, wird Jan euch noch kurz etwas zu den Fahrtkosten sagen.
Jan Rauch: Ihr bekommt in den kommenden Tagen eine Mail von mir, in der ihr den Link für die Fahrtkostenabrechnung findet sowie die Fotos, die von uns heute gemacht worden sind, und eine Teilnahmebestätigung für die Schule. Das bekommt ihr entweder am Wochenende oder spätestens am Montag – das kommt ein bisschen darauf an, wie lange die Fotos brauchen.
Danke, dass ihr da wart und gute Heimreise von meiner Seite. (Beifall.)
Vorsitzender Marco Wehinger: Ich beende die Sitzung um 16.50 Uhr. (Beifall.)