Parlamentskorrespondenz Nr. 1184 vom 02.12.2011

Entwicklungszusammenarbeit muss barrierefrei werden

Wien (PK) – Am heutigen Welttag für Menschen mit Behinderungen lenkte eine Veranstaltung im Parlament heute das Augenmerk auf die Lage behinderter Menschen in der Dritten Welt. Unter dem Titel "Entwicklungszusammenarbeit – all inclusive ?" diskutierten auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und des Zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer Expertinnen und Experten über Schritte zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und unterstrichen dabei die Notwendigkeit der besonderen Berücksichtigung Behinderter in der EZA.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer rief in ihren Begrüßungsworten in Erinnerung, dass 15% der Weltbevölkerung eine Form von Behinderung aufweisen und 80% dieser Menschen in Entwicklungsländern leben. Diese Ausgangslage stelle uns alle in der Entwicklungszusammenarbeit vor eine enorme Herausforderung, zumal Behinderung höhere Gesundheitsgefährdung, schlechteren Zugang zu Bildung und geringere Chancen auf Arbeit und Einkommen nach sich ziehe, betonte Prammer und wies vor allem auf die besondere Betroffenheit von Frauen mit Behinderung hin. Programme der Entwicklungszusammenarbeit dürfen sich deshalb nicht automatisch auf junge und gesunde Männer konzentrieren, sie müssen von sich aus Menschen mit Behinderung berücksichtigen und dabei auch einen speziellen Fokus auf die Frauen legen, stand für Prammer fest.

Wer sich für die weltweite Durchsetzung der Rechte behinderter Menschen engagiert, der müsse aber auch im eigenen Land mit gutem Beispiel vorangehen, gab die Nationalratspräsidentin zu bedenken und sprach in diesem Zusammenhang die Situation im Parlament und das bisherige Wirken von Abgeordneten mit Behinderung an. Klar war für Prammer, dass bei der anstehenden Sanierung des Gebäudes die volle Herstellung der Barrierefreiheit eine große Herausforderung darstellen werde.

Ein schriftliches Statement der WHO-Koordinatorin für Behinderung und Rehabilitation, Alana Officer, das von der Schauspielerin und Regisseurin Chris Pichler verlesen wurde, präsentierte die Ergebnisse des Weltberichts Behinderung/aktuelle Situation in den Entwicklungsländern und unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit, im Zuge der Entwicklungsprogramme Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen. Die größten Hindernisse von Behinderten in der Dritten Welt seien Stigmatisierung und Diskriminierung, Mangel an Gesundheits- und Rehabilitationsleistungen, fehlende Barrierefreiheit sowie Unzulänglichkeit von Informations- und Kommunikationstechnologien, heißt es darin. Dies führe dazu, dass Menschen mit Behinderung schlechtere Chancen auf Arbeit haben und daher in höherem Maße armutsgefährdet sind, wobei behinderte Kinder und Frauen zu der am stärksten benachteiligten Gruppe zählen. Kritisch merkt der Bericht auch an, dass behinderte Menschen bisher aus den Entwicklungsprogrammen keinen angemessenen Nutzen ziehen konnten. Das Statement appellierte daher an die politischen EntscheidungsträgerInnen, Chancengleichheit für alle in der Entwicklungszusammenarbeit zu gewährleisten, und schloss, den Wissenschaftler Stephen Hawking zitierend, mit den Worten: Menschen mit Behinderung müssen die Chance auf volle Teilnahme am Leben der Gesellschaft haben, sie müssen die Chance haben zu strahlen.

Die Lage von Menschen mit Behinderungen in armen Ländern war im Anschluss daran dann auch Anknüpfungspunkt einer Gesprächsrunde, in der Yetnebersh Nugussie (Ethiopian Center for Disability and Development), Musikari Kombo (Abgeordneter des kenianischen Parlaments), die Nationalratsabgeordneten Ulrike Königsberger-Ludwig (S) und Franz Glaser (V), Richard Kühnel (Leiter der Vertretung der EU in Österreich) sowie Klaus Steiner (Sektion EZA im Außenministerium) vor allem die Bedeutung der Zusammenarbeit von reichen und armen Ländern in der Frage der Rechte behinderter Menschen hervorhoben und zu einer gerechteren und nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit aufriefen.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum. (Schluss)

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