Stenographisches Protokoll

45. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

 

XXII. Gesetzgebungsperiode

 

Mittwoch, 28. Jänner 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


Stenographisches Protokoll

45. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXII. Gesetzgebungsperiode               Mittwoch, 28. Jänner 2004

Dauer der Sitzung

Mittwoch, 28. Jänner 2004: 9.03 – 21.35 Uhr

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Tagesordnung

1. Punkt: Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 19 Ab­satz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“

2. Punkt: Bericht über den Bericht des Ständigen Unterausschusses des Rechnungs­hofausschusses gemäß § 32e Abs. 4 GOG betreffend Prüfung der Gebarung des Bun­desministeriums für Finanzen hinsichtlich Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnah­men seit 1.1.2002, insbesondere Verkaufsvorbereitungen für Unternehmen der ÖIAG sowie Vergaben an externe Berater im Zusammenhang mit legistischen Vorhaben (Verwaltungsreform, Organisationsstruktur des Ressorts, Bundesstaatsreform, Privati­sierungsgesetzgebung) und Öffentlichkeitsarbeit

3. Punkt: Protokoll zur Änderung des Übereinkommens über die Errichtung eines Europäischen Polizeiamts (EUROPOL-Übereinkommen) und des Protokolls über die Vorrechte und Immunitäten für EUROPOL, die Mitglieder der Organe, die stellvertre­tenden Direktoren und die Bediensteten von EUROPOL

4. Punkt: Bericht über den Entschließungsantrag 287/A (E) der Abgeordneten Dr. Ale­xander Van der Bellen, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagung des Ver­trauens gegenüber dem Bundesminister für Inneres wegen tagtäglichen Rechtsbruchs durch Verweigerung der Unterbringung und Versorgung von AsylwerberInnen

5. Punkt: Bundesverfassungsgesetz über den Verlauf der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland im Grenzabschnitt „Salzach“, in den Sektionen I und II des Grenzabschnitts „Scheibelberg-Bodensee“ sowie in Tei­len des Grenzabschnitts „Innwinkel“

6. Punkt: Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechischen Republik, mit dem der Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik über die gemeinsame Staatsgrenze vom 21. Dezember 1973 geändert und ergänzt wird samt Anlagen

7. Punkt: Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechischen Republik über Änderungen des Verlaufes der gemeinsamen Staatsgrenze samt Anlagen

8. Punkt: Bundesverfassungsgesetz über Änderungen des Verlaufes der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Tschechischen Republik


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45. Sitzung / Seite 2

9. Punkt: Bundesverfassungsgesetz über Änderungen des Verlaufes der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Republik Ungarn in den Unterabschnitten C II und C IV (regulierte Pinka und regulierte Strem)

10. Punkt: Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Republik Ungarn über Änderungen und Ergänzungen des Vertrages zwischen der Republik Österreich und der Ungarischen Volksrepublik zur Sichtbarerhaltung der gemeinsamen Staatsgrenze und Regelung der damit im Zusammenhang stehenden Fragen vom 31. Oktober 1964 in der Fassung des Vertrages über Änderungen und Ergänzungen vom 29. April 1987 samt Anlagen

11. Punkt: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland über die gegenseitige Anerkennung von Dokumenten für die Mitnahme von Schusswaffen und Munition durch Angehörige traditioneller Schützenvereinigun­gen und Sportschützen

12. Punkt: Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, vertreten durch das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Taubenstrasse 16, CH-3003 Bern, und der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium für Inneres, Sektion III, Herrengasse 7, A-1010 Wien, betreffend die Gründung und den Betrieb des „Internatio­nal Center for Migration Policy Development (ICMPD)“ in Wien

13. Punkt: Vertrag über die Dritte Änderung des Vertrags über die Gründung und den Betrieb des International Centre for Migration Policy Development (ICMPD)

14. Punkt: Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Österreich und der Republik Ungarn über die Änderung und Verlängerung des am 1. Juni 1993 in Wien unterzeichneten Vertrags über die Gründung und den Betrieb des International Centre for Migration Policy Development in Wien

15. Punkt: Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Österreich und der Republik Ungarn über die Änderung des am 1. Juni 1993 in Wien unterzeichneten Vertrags über die Gründung und den Betrieb des „International Centre for Migration Policy Development“ in Wien

16. Punkt: Bericht über den Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2002

17. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Dr. Alfred Gusenbauer, Kollegin­nen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Verfassungs­gesetz, die Nationalrats-Wahlordnung 1992, das Bundespräsidentenwahlgesetz 1971 und die Europawahlordnung geändert werden (288/A)

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Inhalt

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 18

Ordnungsruf ................................................................................................................. 120

Geschäftsbehandlung

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwor­tung 1006/AB gemäß § 92 Abs. 1 der Geschäftsordnung ........................................................................................ 39

Durchführung einer kurzen Debatte gemäß § 57a Abs. 1 der Geschäftsordnung         120


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45. Sitzung / Seite 3

Redner:

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 121

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser .............................................................. 124

Wolfgang Großruck ................................................................................................... 127

Doris Bures ................................................................................................................. 128

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 130

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 131

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 39

Unterbrechung der Sitzung ........................................................................................ 120

Aktuelle Stunde (11.)

Thema: „Kommt die Umwelt unter die Räder?“ ...................................................... 18

Redner:

Dr. Evelin Lichtenberger ............................................................................................. 18

Vizekanzler Hubert Gorbach ................................................................................  21, 31

Werner Miedl ................................................................................................................. 23

Stefan Prähauser .......................................................................................................... 25

Mag. Eduard Mainoni ................................................................................................... 26

Dr. Eva Glawischnig .................................................................................................... 28

Mag. Karin Hakl ............................................................................................................ 30

Mag. Ulrike Sima .......................................................................................................... 32

Klaus Wittauer .............................................................................................................. 34

Heidemarie Rest-Hinterseer ....................................................................................... 36

Rechnungshof

Verlangen gemäß § 32e Abs. 2 der Geschäftsordnung betreffend Prüfung der Förderungsvergaben im Agrarwesen hinsichtlich ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Wirkung seit 1.1.2000, insbesondere unter Berücksichtigung der Nichtinanspruchnahme der Möglichkeit der Einführung der Modulation durch den österreichischen Landwirtschaftsminister sowie der Entscheidung hinsichtlich der Verteilung der Milchkontingente im Jahr 2003 durch den Ständigen Unteraus­schuss des Rechnungshofausschusses              ............................................................................................................................... 39

Ausschüsse

Zuweisungen .........................................................................................................  38, 229

Verhandlungen

1. Punkt: Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates zum Thema „Die Steuerentlas­tung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“ ............................................................................................................................. 40

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel ..................................................................... 40

Vizekanzler Hubert Gorbach ....................................................................................... 44

Verlangen auf Durchführung einer Debatte gemäß § 81 Abs. 1 der Geschäftsord­nung                   18

Redner:

Dr. Alfred Gusenbauer ................................................................................................ 48

Mag. Wilhelm Molterer ................................................................................................ 51


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45. Sitzung / Seite 4

Dr. Alexander Van der Bellen ..................................................................................... 54

Herbert Scheibner ........................................................................................................ 57

Dr. Josef Cap .......................................................................................................  60, 107

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ...................................................................................... 63

Mag. Werner Kogler ............................................................................................  65, 106

Mag. Dr. Magda Bleckmann ........................................................................................ 68

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel ..................................................................... 70

Vizekanzler Hubert Gorbach ....................................................................................... 72

Doris Bures ................................................................................................................... 73

Fritz Grillitsch ............................................................................................................... 75

Dr. Peter Pilz ................................................................................................................. 76

Josef Bucher ................................................................................................................. 77

Dr. Christoph Matznetter ............................................................................................. 78

Ridi Steibl ...................................................................................................................... 80

Mag. Brigid Weinzinger ............................................................................................... 81

Sigisbert Dolinschek .................................................................................................... 82

Ing. Kurt Gartlehner ..................................................................................................... 83

Carina Felzmann .......................................................................................................... 85

Michaela Sburny ........................................................................................................... 92

Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann ................................................................................... 93

Mag. Melitta Trunk ....................................................................................................... 94

Franz Eßl ....................................................................................................................... 96

Mag. Dietmar Hoscher ................................................................................................. 97

Klaus Wittauer .............................................................................................................. 99

Gabriele Tamandl ....................................................................................................... 100

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 101

Herta Mikesch ............................................................................................................. 102

Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer ..................................................................................... 103

August Wöginger ....................................................................................................... 105

Franz Xaver Böhm ..................................................................................................... 106

Dr. Peter Sonnberger ................................................................................................. 109

Werner Amon, MBA ................................................................................................... 111

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ............................................................................................. 112

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber ........................................................................... 112

Entschließungsantrag (Misstrauensantrag) der Abgeordneten Dr. Alfred Gu­senbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagen des Vertrauens ge­genüber dem Bundesminister für Finanzen gemäß Artikel 74 Abs. 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes – Ablehnung ......................................  61, 113

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Wilhelm Molterer, Herbert Scheibner, Kolleginnen und Kollegen betreffend die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik – Annahme (E 35)              86, 113

2. Punkt: Bericht des Rechnungshofausschusses über den Bericht des Ständi­gen Unterausschusses des Rechnungshofausschusses gemäß § 32e Abs. 4 GOG betreffend Prüfung der Gebarung des Bundesministeriums für Finanzen hinsichtlich Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnahmen seit 1.1.2002, insbe­sondere Verkaufsvorbereitungen für Unternehmen der ÖIAG sowie Vergaben an externe Berater im Zusammenhang mit legistischen Vorhaben (Verwaltungsre­form, Organisationsstruktur des Ressorts, Bundesstaatsreform, Privatisierungs­gesetzgebung) und Öffentlichkeitsarbeit (356 d.B.)                             113

Redner:

Dr. Günther Kräuter ................................................................................................... 113

Erwin Hornek .............................................................................................................. 115

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 117


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45. Sitzung / Seite 5

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 133

Doris Bures ................................................................................................................. 134

Dipl.-Ing. Mag. Roderich Regler ............................................................................... 136

Dr. Peter Pilz ............................................................................................................... 137

Mag. Dr. Magda Bleckmann ...................................................................................... 139

Dr. Christoph Matznetter ........................................................................................... 141

Dr. Peter Pilz (tatsächliche Berichtigung) ................................................................... 143

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser .............................................................. 143

Dr. Christoph Matznetter (tatsächliche Berichtigung) .............................................. 146

Nikolaus Prinz ............................................................................................................. 147

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 148

Karl Öllinger (tatsächliche Berichtigung) ................................................................... 150

Edeltraud Lentsch ...................................................................................................... 150

Dietmar Keck .............................................................................................................. 152

Staatssekretär Dr. Alfred Finz .................................................................................. 153

Mag. Heribert Donnerbauer ...................................................................................... 154

Mag. Ruth Becher ...................................................................................................... 156

Gerhard Reheis .......................................................................................................... 156

Dkfm. Dr. Hannes Bauer ........................................................................................... 157

Mag. Hans Moser ....................................................................................................... 159

Rainer Wimmer .......................................................................................................... 160

Rosemarie Schönpass .............................................................................................. 161

Mag. Kurt Gaßner ....................................................................................................... 162

Karl Öllinger ................................................................................................................ 163

Annahme des Ausschussantrages .............................................................................. 165

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes ................................................................... 165

3. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (194 d.B.): Protokoll zur Änderung des Übereinkommens über die Errichtung eines Europäischen Polizeiamts (EUROPOL-Übereinkommen) und des Protokolls über die Vorrechte und Immunitäten für EUROPOL, die Mitglieder der Organe, die stellvertretenden Direktoren und die Bediensteten von EUROPOL (354 d.B.)             ............................................................................................................................. 165

Redner:

Ing. Norbert Kapeller .................................................................................................. 165

Rudolf Parnigoni ........................................................................................................ 166

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................. 167

Dr. Peter Pilz ............................................................................................................... 168

Werner Miedl ............................................................................................................... 169

Mag. Gisela Wurm ...................................................................................................... 170

Alfred Schöls .............................................................................................................. 171

Walter Murauer ........................................................................................................... 171

Genehmigung des Staatsvertrages ............................................................................. 172

Beschlussfassung im Sinne des Artikels 49 Abs. 2 B-VG ........................................... 172

4. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über den Ent­schließungsantrag 287/A (E) der Abgeordneten Dr. Alexander Van der Bellen, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagung des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Inneres wegen tagtäglichen Rechtsbruchs durch Verweige­rung der Unterbringung und Versorgung von AsylwerberInnen (357 d.B.) ................................. 172

Redner:

Mag. Walter Posch ..................................................................................................... 172

Günter Kößl ................................................................................................................ 173


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45. Sitzung / Seite 6

Mag. Terezija Stoisits ................................................................................................. 175

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................. 180

Mag. Johann Maier ..................................................................................................... 182

Mag. Dr. Josef Trinkl .................................................................................................. 183

Mag. Brigid Weinzinger ............................................................................................. 184

Mag. Eduard Mainoni ................................................................................................. 187

Rudolf Parnigoni ........................................................................................................ 188

Matthias Ellmauer ...................................................................................................... 189

Anton Gaál .................................................................................................................. 190

Ing. Norbert Kapeller .................................................................................................. 191

Erika Scharer .............................................................................................................. 191

Ulrike Königsberger-Ludwig .................................................................................... 192

Kai Jan Krainer ........................................................................................................... 193

Mag. Christine Muttonen ........................................................................................... 194

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alexander Van der Bellen, Kolle­ginnen und Kollegen betreffend unverzügliche Wiederherstellung des Rechts auf Schutz vor Verfolgung und die Sicherstellung der umfassenden Betreuung von AsylwerberInnen – Ablehnung .............................  177, 195

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Walter Posch, Kolleginnen
und Kollegen betreffend Sicherung der Unterbringung von Asylwerbern – Ableh­nung  192, 195

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes ................................................................... 195

Gemeinsame Beratung über

5. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (5 d.B.): Bundesverfassungsgesetz über den Verlauf der Staats­grenze zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland im Grenzabschnitt „Salzach“, in den Sektionen I und II des Grenzabschnitts „Scheibelberg-Bodensee“ sowie in Teilen des Grenzabschnitts „Innwinkel“ (358 d.B.)                   195

6. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (91 d.B.): Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tsche­chischen Republik, mit dem der Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik über die gemeinsame Staatsgrenze vom 21. Dezember 1973 geändert und ergänzt wird samt Anlagen (359 d.B.)                     195

7. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (118 d.B.): Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechischen Republik über Änderungen des Verlaufes der gemeinsamen Staatsgrenze samt Anlagen (360 d.B.) ......................................... 195

8. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (6 d.B.): Bundesverfassungsgesetz über Änderungen des Verlaufes der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Tschechischen Re­publik (361 d.B.) ............................................. 196

9. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (7 d.B.): Bundesverfassungsgesetz über Änderungen des Verlaufes der Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Republik Ungarn in den Unterabschnitten C II und C IV (regulierte Pinka und regulierte Strem) (362 d.B.) .......................................................................................................... 196


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45. Sitzung / Seite 7

10. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (44 d.B.): Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Re­publik Ungarn über Änderungen und Ergänzungen des Vertrages zwischen der Republik Österreich und der Ungarischen Volksrepublik zur Sichtbarerhaltung der gemeinsamen Staatsgrenze und Regelung der damit im Zusammenhang stehen­den Fragen vom 31. Oktober 1964 in der Fassung des Vertrages über Änderun­gen und Ergänzungen vom 29. April 1987 samt Anlagen (363 d.B.) ...................................................................................................................... 196

11. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (9 d.B.): Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland über die gegenseitige Anerkennung von Dokumen­ten für die Mitnahme von Schusswaffen und Munition durch Angehörige traditio­neller Schützenvereinigungen und Sportschützen (364 d.B.) ..................................... 196

12. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (219 d.B.): Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossen­schaft, vertreten durch das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Taubenstrasse 16, CH-3003 Bern, und der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministe­rium für Inneres, Sektion III, Herrengasse 7, A-1010 Wien, betreffend die Grün­dung und den Betrieb des „International Center for Migration Policy Development (ICMPD)“ in Wien (365 d.B.)                        196

13. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (220 d.B.): Vertrag über die Dritte Änderung des Vertrags über die Gründung und den Betrieb des International Centre for Migration Policy Develop­ment (ICMPD) (366 d.B.) ...................................................... 196

14. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (221 d.B.): Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossen­schaft, der Republik Österreich und der Republik Ungarn über die Änderung und Verlängerung des am 1. Juni 1993 in Wien unterzeichneten Vertrags über die Gründung und den Betrieb des International Centre for Migration Policy Develop­ment in Wien (367 d.B.)           ............................................................................................................................. 197

15. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regie­rungsvorlage (222 d.B.): Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossen­schaft, der Republik Österreich und der Republik Ungarn über die Änderung des am 1. Juni 1993 in Wien unterzeichneten Vertrags über die Gründung und den Betrieb des „International Centre for Migration Policy Development“ in Wien (368 d.B.) ......... 197

Redner:

Karl Freund ................................................................................................................. 197

Katharina Pfeffer ........................................................................................................ 198

Klaus Wittauer ............................................................................................................ 199

Mag. Brigid Weinzinger ............................................................................................. 200

Jochen Pack ................................................................................................................ 201

Otto Pendl ................................................................................................................... 201

Hermann Gahr ............................................................................................................ 202

Karl Dobnigg ............................................................................................................... 203

Astrid Stadler .............................................................................................................. 203

Anna Franz .................................................................................................................. 204

Annahme der drei Gesetzentwürfe in 358, 361 und 362 d.B. ...................................... 205

Genehmigung der acht Staatsverträge in 359, 360, 363, 364, 365, 366, 367 und 368 d.B.                            205


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45. Sitzung / Seite 8

Beschlussfassung im Sinne des Artikels 49 Abs. 2 B-VG hinsichtlich 360 und 363 d.B.                206

16. Punkt: Bericht des Budgetausschusses über den Bundesrechnungsab­schluss (III-44 d.B.) für das Jahr 2002 (332 d.B.) ..................................................................................................... 208

Redner:

Mag. Hans Moser ....................................................................................................... 208

Jakob Auer .................................................................................................................. 209

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 210

Josef Bucher ............................................................................................................... 212

Rainer Wimmer .......................................................................................................... 213

Johann Kurzbauer ...................................................................................................... 214

Ing. Kurt Gartlehner ................................................................................................... 215

Staatssekretär Dr. Alfred Finz .................................................................................. 216

Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann ................................................................................. 217

Mag. Melitta Trunk ..................................................................................................... 218

Edeltraud Lentsch ...................................................................................................... 220

Heinz Gradwohl .......................................................................................................... 221

Rechnungshofpräsident Dr. Franz Fiedler .............................................................. 222

Astrid Stadler .............................................................................................................. 225

Georg Keuschnigg ..................................................................................................... 225

Michaela Sburny ......................................................................................................... 226

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 227

17. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Dr. Alfred Gusenbauer, Kol­leginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundes-Ver­fassungsgesetz, die Nationalrats-Wahlordnung 1992, das Bundespräsidenten­wahlgesetz 1971 und die Europawahlordnung geändert werden (288/A)             ............................................................................................................................. 227

Redner:

Kai Jan Krainer ........................................................................................................... 227

Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer ............................................................................. 228

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 228

Sabine Mandak ........................................................................................................... 229

Zuweisung des Antrages 288/A an den Verfassungsausschuss ................................ 229

Eingebracht wurden

Regierungsvorlagen ................................................................................................... 38

352: Abkommen zwischen der Republik Österreich und den Vereinigten Ara­bischen Emiraten auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen samt Protokoll

369: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz, mit dem ein Fonds zur Finanzie­rung der In-vitro-Fertilisation eingerichtet wird, geändert wird (IVF-Fonds-Gesetz-Novelle 2004)

370: Bundesgesetz über die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-JZG)

371: Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und dem Ministerkabinett der Ukraine über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik


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45. Sitzung / Seite 9

381: Bundesgesetz, mit dem ein Gesetz über die Errichtung der Buchhaltungs­agentur des Bundes (Buchhaltungsagenturgesetz – BHAG-G) erlassen sowie das Bundeshaushaltsgesetz und das Bundesfinanzgesetz 2004 (BFG 2004) ge­ändert werden

384: Bundesgesetz, mit dem das Arzneimittelgesetz, das Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten, das Arzneiwareneinfuhrgesetz 2002 und das Bundesgesetz über die Errichtung eines Fonds „Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen“ geändert werden

385: Bundesgesetz über die Universität für Weiterbildung Krems (DUK-Ge­setz 2004)

386: Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und dem Land Niederösterreich über den Ausbau des Universitätszentrums für Weiterbildung (Donau-Universität Krems) samt Anlage

Bericht ........................................................................................................................... 38

III-69: Bericht betreffend Fortschreibung des Dreijahresprogramms der Österrei­chischen Entwicklungspolitik 2004 bis 2006; BM f. auswärtige Angelegenheiten

Anträge der Abgeordneten

Mag. Dietmar Hoscher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Maßnahmenpaket zur Rettung tausender Tourismusbetriebe in Wintersportzentren (318/A) (E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sanierung alter Bleiwasser­rohre in Wohnhäusern (319/A) (E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Strahlungskennzeichnung von Mobiltelefonen (320/A) (E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Pfandsystem für Handys (321/A) (E)

Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abwendung der ab 2005 vorgesehenen Kürzung der Nahverkehrsförderung des Bundes (322/A) (E)

Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserungen des Kinderbetreuungsgeldes (323/A) (E)

Mag. Andrea Kuntzl, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserungen des Kin­derbetreuungsgeldes (324/A) (E)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einsatz der frei werden­den GrenztierärztInnen für die Kontrolle von Tiertransporten (325/A) (E)

Anfragen der Abgeordneten

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend „grünes Licht“ für das Kärntner Gentechnik-Vorsorgegesetz durch die EU-Kommission und fehlende österreichweite Koexistenz-Regelungen (1317/J)


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45. Sitzung / Seite 10

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Reak­torUNsicherheit deutscher Atomkraftwerke und Reaktion der österreichischen Bundes­regierung auf das enorme Bedrohungspotential für die österreichische Bevölkerung (1318/J)

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Aus­fallshaftung für EURATOM-Kredite und den Anteil der österreichischen SteuerzahlerIn­nen daran (1319/J)

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend „grünes Licht“ für das Kärnt­ner Gentechnik-Vorsorgegesetz durch die EU-Kommission und fehlende österreich­weite Koexistenz-Regelungen (1320/J)

Anton Gaál, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Eurofighter-Probleme und endende Einsatzbereitschaft der Draken-Flug­zeuge (1321/J)

Anton Gaál, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend den Nicht-Einsatz der Herkules-Transportflugzeuge des österreichischen Bundesheeres beim Erdbebeneinsatz im Iran (1322/J)

Anton Gaál, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Verschwendung von Steuergeldern für eine „Eurofighter-Werbeveranstal­tung“ (1323/J)

Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend „Das neue Jahr beginnt mit hohen Kosten für Regierungswerbung“ (1324/J)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend finanzielle Krise der Privatbahnen durch fehlende Kontinuität bei der Privat­bahnförderung des Bundes (1325/J)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, In­novation und Technologie betreffend finanzielle Krise der Privatbahnen durch fehlende Kontinuität bei der Privatbahnförderung des Bundes (1326/J)

Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend Tschirganttunnel im Zuge der alpen­querenden Transitstrecke Ulm–Mailand (1327/J)

Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend zweckentfremdete Verwendung von Schieneninfrastrukturgeldern für Straßenbau in Kärnten (1328/J)

Dieter Brosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswärtige Ange­legenheiten betreffend (zufällige) außenministerliche Auftritte bei Weltcupschirennen (1329/J)

Heidrun Silhavy, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Rück­zahlung des Kinderbetreuungsgeldes (1330/J)

Heidrun Silhavy, Kolleginnen und Kollegen an den Vizekanzler betreffend Rückzah­lung des Kinderbetreuungsgeldes (1331/J)

Heidrun Silhavy, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit und Frauen betreffend Rückzahlung des Kinderbetreuungsgeldes (1332/J)

Heidrun Silhavy, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicher­heit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Rückzahlung des Kinderbe­treuungsgeldes (1333/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
45. Sitzung / Seite 11

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend „Gefängnisbau in Rumänien“ (1334/J)

Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inne­res betreffend öffentliche Sicherheit in Kärnten und Villacher Exekutive (1335/J)

Mag. Hans Langreiter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit betreffend Missstände in der Arbeiterkammer Salzburg (1336/J)

Dr. Caspar Einem, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten betreffend Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (1337/J)

Dr. Peter Wittmann, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend heikle Vergaben öffentlicher Aufträge (1338/J)

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministe­rin für auswärtige Angelegenheiten betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leistungen des Ressorts für das Bundesland Kärnten (1339/J)

Peter Haubner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten betreffend Förderungen, Aufwendungen, Projekte und sonstige Leis­tungen des Ressorts für das Bundesland Salzburg (1340/J)

Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forst­wirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Verkehrslärm (1341/J)

Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innova­tion und Technologie betreffend Verkehrslärm (1342/J)

Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Auftritte der Militärmusik des Militärkommandos NÖ für „private – par­teipolitische Zwecke“ (1343/J)

Bettina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend „Galerienförderung in Oberösterreich“ (1344/J)

Anton Wattaul, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betref­fend „Führerscheinausstellungen und Führerscheinentzüge 2003“ (1345/J)

Marianne Hagenhofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Ausbau der Ost-West-Schienenverbindung (1346/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Konkurs des Safariparks Gänserndorf (1347/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Konkurs des Safariparks Gänserndorf (1348/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Konkurs des Safariparks Gänserndorf (1349/J)

Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit betreffend Konkurs des Safariparks Gänserndorf (1350/J)


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
45. Sitzung / Seite 12

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Einführung der LKW Maut (1351/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinder­teneinstellungspflicht 2003 (1352/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung des Behinder­teneinstellungsgesetzes 2003 (1353/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung des Behinder­teneinstellungsgesetzes 2003 (1354/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinder­teneinstellungspflicht 2003 (1355/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinder­teneinstellungspflicht 2003 (1356/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinder­teneinstellungspflicht 2003 (1357/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinder­teneinstellungspflicht 2003 (1358/J)

Theresia Haidlmayr, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Streichung der erhöhten Familienbeihilfe (1359/J)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Bausicherheit in öffentlichen Gebäuden (1360/J)

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Trainerverträge an der Verwaltungsakademie des Bundes (1361/J)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Aufschlüsselung der Mittelzuteilung an diverse Pro­gramme und Initiativen im Rahmen des Offensivprogramms II im Jahr 2004 (1362/J)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Aufschlüsselung der Mittelzuteilung an diverse Pro­gramme und Initiativen im Rahmen des Offensivprogramms II im Jahr 2004 (1363/J)

Michaela Sburny, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Aufschlüsselung der Mittelzuteilung an diverse Programme und Initia­tiven im Rahmen des Offensivprogramms II im Jahre 2004 (1364/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „Strafrechtliches Entschädigungsgesetz (StEG)“ (1365/J)

Mag. Kurt Gaßner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend finanzielle Auswirkungen der Steuerreform auf die Gemeinden (1366/J)


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45. Sitzung / Seite 13

Dr. Peter Wittmann, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend die BPD-Wiener Neustadt, Wachzimmer Flugfeld (1367/J)

Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bil­dung, Wissenschaft und Kultur betreffend Albertina-Archiv (1368/J)

Walter Schopf, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend geplante Standortänderungen der Kaserne Freistadt (1369/J)

Dr. Christian Puswald, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend den Staatsbesuch von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil im Iran (1370/J)

Dr. Christian Puswald, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend den Staatsbesuch von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil im Iran (1371/J)

Dr. Christian Puswald, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit betreffend den Staatsbesuch von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil im Iran (1372/J)

Dr. Gertrude Brinek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Eskalation der Gewalt und der Sprache im Zuge von Studentenprotesten der Linken (1373/J)

Franz Riepl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend die Arbeitgeberschulden bei den Gebietskrankenkassen (1374/J)

Anfragebeantwortungen

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abgeordne­ten Dr. Reinhold Lopatka, Kolleginnen und Kollegen (1088/AB zu 1093/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Johannes Jaro­lim, Kolleginnen und Kollegen (1089/AB zu 1104/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen (1090/AB zu 1106/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Brigid Wein­zinger, Kolleginnen und Kollegen (1091/AB zu 1148/J)

des Präsidenten des Rechnungshofes auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1092/AB zu 1121/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1093/AB zu 1119/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen (1094/AB zu 1098/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen (1095/AB zu 1127/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1096/AB zu 1115/J)


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45. Sitzung / Seite 14

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1097/AB zu 1099/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Theresia Haidl­mayr, Kolleginnen und Kollegen (1098/AB zu 1100/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Evelin Lich­tenberger, Kolleginnen und Kollegen (1099/AB zu 1126/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Erika Scharer, Kolleginnen und Kollegen (1100/AB zu 1194/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1101/AB zu 1116/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Dipl.-Ing. Hannes Missethon, Kolleginnen und Kolle­gen (1102/AB zu 1075/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1103/AB zu 1096/J)

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abgeordne­ten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1104/AB zu 1110/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Robert Rada, Kolleginnen und Kollegen (1105/AB zu 1144/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen (1106/AB zu 1146/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Josef Broukal, Kolleginnen und Kollegen (1107/AB zu 1202/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Ab­geordneten Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen (1108/AB zu 1101/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1109/AB zu 1113/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1110/AB zu 1114/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen (1111/AB zu 1097/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1112/AB zu 1120/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen (1113/AB zu 1107/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen (1114/AB zu 1108/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1115/AB zu 1111/J)


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45. Sitzung / Seite 15

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Mag. Melitta Trunk, Kolleginnen und Kollegen (1116/AB zu 1143/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1117/AB zu 1112/J)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen (1118/AB zu 1105/J)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kollegin­nen und Kollegen (1119/AB zu 1109/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Gabriele Binder, Kolleginnen und Kollegen (1120/AB zu 1151/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1121/AB zu 1118/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1122/AB zu 1117/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen (1123/AB zu 1200/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen (1124/AB zu 1157/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen (1125/AB zu 1188/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen (1126/AB zu 1122/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen (1127/AB zu 1125/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Evelin Lich­tenberger, Kolleginnen und Kollegen (1128/AB zu 1123/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen (1129/AB zu 1130/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen (1130/AB zu 1187/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Abgeordneten Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen (1131/AB zu 1224/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Ab­geordneten Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen (1132/AB zu 1284/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1133/AB zu 1134/J)


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45. Sitzung / Seite 16

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen (1134/AB zu 1180/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Mag. Christine Muttonen, Kolleginnen und Kollegen (1135/AB zu 1276/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1136/AB zu 1136/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen (1137/AB zu 1124/J)

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abgeordne­ten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1138/AB zu 1133/J)

der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten auf die Anfrage der Abgeordne­ten Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen (1139/AB zu 1129/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1140/AB zu 1128/J)

des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1141/AB zu 1141/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräu­ter, Kolleginnen und Kollegen (1142/AB zu 1138/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolle­ginnen und Kollegen (1143/AB zu 1183/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolle­ginnen und Kollegen (1144/AB zu 1207/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Johannes Jaro­lim, Kolleginnen und Kollegen (1145/AB zu 1221/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen (1146/AB zu 1229/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen (1147/AB zu 1235/J)

des Bundesministers für Justiz auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ulrike Luna­cek, Kolleginnen und Kollegen (1148/AB zu 1241/J)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kollegin­nen und Kollegen (1149/AB zu 1132/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1150/AB zu 1139/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen (1151/AB zu 1150/J)

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen (1152/AB zu 1159/J)


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45. Sitzung / Seite 17

des Bundesministers für Landesverteidigung auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Pe­ter Wittmann, Kolleginnen und Kollegen (1153/AB zu 1215/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1154/AB zu 1140/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1155/AB zu 1131/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1156/AB zu 1135/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1157/AB zu 1137/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Theresia Haidl­mayr, Kolleginnen und Kollegen (1158/AB zu 1239/J)

des Bundesministers für Inneres auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen (1159/AB zu 1260/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen (1160/AB zu 1142/J)

der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Anfrage der Abge­ordneten Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen (1161/AB zu 1154/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Renate Csörgits, Kolleginnen und Kollegen (1162/AB zu 1228/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen (1163/AB zu 1185/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen (1164/AB zu 1223/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen (1165/AB zu 1267/J)



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45. Sitzung / Seite 18

Beginn der Sitzung: 9.03 Uhr

Vorsitzende: Präsident Dr. Andreas Khol, Zweiter Präsident Dr. Heinz Fischer, Dritter Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die Sitzung ist eröffnet. Ich begrüße die Damen und Herren und bitte, die Plätze einzunehmen.

Die Amtlichen Protokolle der 43. und 44. Sitzung vom 13. Jänner 2004 sind in der Par­lamentsdirektion aufgelegen und unbeanstandet geblieben.

Als verhindert gemeldet sind die Abgeordneten Fuhrmann, Dr. Spindelegger, Schieder und Oberhaidinger.

Der Herr Bundeskanzler und der Herr Vizekanzler haben ihre Absicht bekannt gege­ben, zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“ Erklärungen abzugeben. Diese stehen als Punkt 1 auf der Tagesordnung.

Weiters liegt ein Verlangen von fünf Abgeordneten vor, über diese Erklärungen gemäß § 81 Abs. 1 der Geschäftsordnung sogleich eine gemeinsame Debatte durchzuführen.

Die Erklärungen sowie die anschließende Debatte werden nach der Aktuellen Stunde stattfinden.

Aktuelle Stunde

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nunmehr zur Aktuellen Stunde mit dem Thema:

„Kommt die Umwelt unter die Räder?“

Als Erste zu Wort gemeldet hat sich hiezu Frau Abgeordnete Dr. Lichtenberger. Sie ist am Wort und hat geschäftsordnungsgemäß eine Redezeit von 10 Minuten. – Bitte.

 


9.04

Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (Grüne): Sehr geehrte Damen und Herren! Im Tiroler Inntal sind die Gesundheits- und die Umweltsituation dramatisch. Über tausend Ärzte weisen darauf hin. Entlang der Tauern Autobahn besteht der Verdacht, dass die höhere Rate von Krebserkrankungen mit der steigenden Verkehrsbelastung zusam­menhängt. Gleichzeitig finde ich einen Artikel der „Gesellschaft zur Pflege der Straßen­bautechnik mit Asphalt“, in dem strahlend und triumphierend verkündet wird, dass es nun endlich gelungen ist, dass über eine Tonne Asphalt pro Kopf und Jahr in Öster­reich verbaut wurde. Das heißt, man arbeitet kräftig daran, dass diese Belastungen auch noch zunehmen.

Dazu ein paar Daten, meine Damen und Herren, die diesen Titel „Kommt die Umwelt unter die Räder?“ noch einmal verdeutlichen sollen: Seit 1990 – auch wenn viele von Ihnen viel mehr Freude mit der Straßenbautechnik haben ... (Unruhe im Saal.) – Ich werde jetzt einmal schauen, ob sich vielleicht doch irgendjemand für dieses Thema interessiert. (Abg. Mag. Molterer: Alle!) Ich werde Sie nämlich mit diesem Thema nicht in Ruhe lassen (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ) und im Interes­se der Bevölkerung die Maßnahmen einfordern, die die Umwelt sichern und die Ge­sundheit der Menschen entlang unseren Straßen schützen (Zwischenruf des Abg.


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45. Sitzung / Seite 19

Wittauer), auch wenn Sie, Herr Kollege Wittauer, damit nicht einverstanden sind. (Bei­fall bei den Grünen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie, den Geräusch­pegel etwas zu senken und der Rednerin zuzuhören!

 


Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (fortsetzend): Vielleicht bringen Sie einige Daten, die ich Ihnen nun nenne, zum Nachdenken. Seit 1990, wie gesagt, ist der Ver­kehr in Österreich um 54 Prozent gestiegen. Der Schwerverkehr hat sich in dieser Zeit nahezu verdoppelt.

Das hochrangige Straßennetz ist um 14 Prozent gewachsen, und gleichzeitig, meine Damen und Herren, schrumpft das Schienennetz. Diese Regierung legt eine Neben­bahn nach der anderen still, die Verlagerung auf die Schiene ist zwar gut für Sonntags­reden, aber in der Praxis besitzt das für Sie leider keinen echten Stellenwert. (Beifall bei den Grünen.)

Weiters – darüber muss ich nicht mehr lange referieren – gab es das Transitdesaster, mit dem die allerletzte Beschränkung, die es für den Schwerverkehr durch Österreich noch gab, gefallen ist, und zudem fehlen völlig innerstaatliche Maßnahmen zur Be­schränkung des Verkehrs.

Das bundesweite Kontrollstellennetz, zu dem sich alle Parteien hier im Haus be­kennen, wird erst in vielen Jahren kommen und nur 1 Prozent der LKW kontrollmäßig erfassen, meine Damen und Herren! Das ist viel zu wenig. Dafür ist eine Offensive notwendig – und nicht für das Ausbreiten neuer Asphaltteppiche. (Beifall bei den Grü­nen.) Wir müssen nicht nur dem Ausland drohen, dass wir jetzt die LKW kontrollieren, sondern wir müssen auch im Interesse der Sicherheit inländische und ausländische Schwerfahrzeuge auf ihre Fahrtüchtigkeit hin kontrollieren. Aber das muss auch ge­schehen und darf nicht nur angekündigt werden!

Meine Damen und Herren! Da braucht es eine Offensive in Investitionen, da braucht es auch eine Offensive hinsichtlich des politischen Willens. 1 Prozent Kontrolle in einigen Jahren – das ist angesichts der dramatischen Situation, vor der wir stehen, viel zu wenig! (Beifall bei den Grünen.)

Es fehlt nach wie vor ein Nachtfahrverbot. Wir haben keine Pflicht zum Einbau von Par­tikelfiltern, meine Damen und Herren, obwohl die Anzahl der Studien, die die Schäd­lichkeit der Partikel belegen, die die Gesundheitsbedrohung, die von diesen Partikeln ausgeht, dokumentieren, zunimmt.

Stattdessen, meine Damen und Herren, ist diese Regierung angetreten, bis 2011 – und diese Daten sind dem Generalverkehrsplan entnommen – sieben Mal so viel Geld in den Straßenbau zu stecken als in den Ausbau der Schiene. Das Geld, von dem der Herr Minister immer wieder spricht, nämlich dass zwei Drittel in die Schiene und ein Drittel in die Straße investiert werden sollen, ist weit jenseits der Jahre 2010, 2020 angesiedelt. Dafür gibt es keine Finanzierung. Das sind leere Versprechungen, Herr Minister! (Beifall bei den Grünen.)

Diese Politik hat Folgen, und zwar schwere Folgen an den Transitrouten. Diese Tran­sitrouten werden aber schonungslos ausgebaut. Und das betrifft nicht nur die hochran­gigen Straßen, sondern auch solche Strecken wie etwa die B 100 in Kärnten, wo man die Umweltverträglichkeitsprüfung dadurch umgeht, dass jedes Projekt ganz zufällig gerade so lang ist, dass es nicht der UVP-Pflicht unterliegt. Diese Stückelung ist verbo­ten, aber sie findet in Kärnten statt. Das ist eine Vorgangsweise, die man nur mehr mit dem Satz: „Die Umwelt kommt unter die Räder!“ beschreiben kann. (Beifall bei den Grünen.)


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Recht und Gesetz, geltendes UVP-Recht, meine Damen und Herren, sind Ihnen in dieser Sache offensichtlich gleichgültig.

An der Tauern Autobahn gibt es das gleiche Problem. Es werden Lärmschutzmaßnah­men für die Bevölkerung versprochen, aber nur dann, wenn der Landeshauptmann darauf verzichtet, dass die Gesetze eingehalten werden, nämlich dass die UVP ord­nungsgemäß durchgeführt wird. Man setzt Millionen gegen die Umwelt, man ignoriert die Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung, um schneller bauen zu können. (Zwi­schenruf des Abg. Wittauer.) Hauptsache Asphalt – alles, was später kommt, ist Ihnen gleichgültig.

Die Tatsache, dass Sie zum Beispiel mit einem zweiröhrigen Ausbau der Tauern­strecke die Kapazitäten noch erhöhen werden, die Belastung für die Anrainerinnen und Anrainer also verdoppeln werden, müssen Sie verantworten. Ich werde nicht ruhen, Sie darauf aufmerksam zu machen, welche Folgen für Gesundheit und Umwelt Sie billigend in Kauf nehmen, nur um dem internationalen und nationalen Schwerverkehr den roten Teppich auszurollen. (Beifall bei den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Das ist eine veraltete Politik, veraltet auch deswegen, weil wir wissen, dass die gesamte Klimaschutzoffensive der Regierung, dass die Verpflich­tung zum Schutz des Weltklimas, die auch Österreich eingegangen ist, durch den Verkehr in Frage gestellt wird. Industrie, Hausbrand und Private haben ihre Emissionen reduziert, und Sie, meine Damen und Herren, machen mit Ihrer Verkehrspolitik diese Reduktion zunichte, weil das Wachstum der Emissionen im Verkehr jede positive Veränderung „wegfrisst“. Das heißt, Private, Industrie können sparen, soviel sie wollen. Wir leisten unseren Beitrag zur Verbesserung des Weltklimas nicht, weil Sie gleich­zeitig Ihre Freunde des Asphalts begünstigen wollen. – Meine Damen und Herren! Das ist eine Uraltpolitik (Zwischenruf der Abg. Mag. Hakl), die nicht auf die Herausforde­rungen der Zukunft, gerade zum Beispiel in Sachen Klimaschutz, reagiert. (Beifall bei den Grünen.)

Sie bauen ohne Rücksicht auf Verluste, Sie planen mitten durch einen Nationalpark eine Lobau-Autobahn, die den Naturschutz schwer in Frage stellt, ihn gefährdet, ja sogar vernichtet. Sie nehmen beim Straßenbau auf die Folgen für Natur und Umwelt keinerlei Rücksicht mehr. Meine Damen und Herren! Es stellt sich heraus, dass überall Gesetze gelten, aber dann, wenn es darum geht, Straßen zu bauen, sollen diese Gesetze keine Gültigkeit mehr haben.

Herr Minister, Herr Umweltminister, der leider bei diesem Thema offensichtlich nicht zuhört! Es ist Ihre Verantwortung, auf diese Frage einzugehen und auf den Schutz der Natur auch beim Straßenbau und beim Bahnbau zu achten und zu schauen. (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen) Es ist die Verantwortung dieser Regierung, darauf Rücksicht zu nehmen.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin, den Schlusssatz bitte!

 


Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (fortsetzend): Auch wenn der Herr Minister nicht verpflichtend anwesend sein muss, so hätte ich mir doch erwartet, dass ihn die­ses Thema, nämlich der Klimaschutz, so interessiert, dass er trotzdem anwesend ist. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

9.15

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Für eine einleitende Stellungnahme zu Wort gemeldet hat sich der Herr Vizekanzler. Seine Redezeit soll 10 Minuten nicht überschreiten. – Bitte.

 



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9.15

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach: Geschätzter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Ge­schätzte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Wenn Frau Abgeordnete Dr. Lichten­berger gemeint hat, sie bedauere, dass der Herr Umweltminister bei diesem zweifels­ohne spektakulären Thema „Kommt die Umwelt unter die Räder?“ nicht anwesend ist, dann darf ich Ihnen sagen – Sie können sich in Brüssel dazu erkundigen, Frau Abge­ordnete –, dass ich eine würdige Vertretung des Herrn Umweltministers bin, auch wenn ich Verkehrsminister bin. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

So wie ich mich in den letzten Monaten in Brüssel verhalten und für die Interessen der österreichischen Bürgerinnen und Bürger, für mehr Lebensqualität und für die Umwelt eingesetzt habe, hatte man dort schon das Gefühl, dass ich nicht der Verkehrs-, son­dern der Umweltminister bin. (Bravo-Rufe bei den Freiheitlichen. – Beifall bei den Frei­heitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Sie wissen, dass ich es mir nicht nehmen habe lassen, bei der letzten Sitzung der Um­weltminister der EU am 22. Dezember, bei der es um die bekannte Nachfolgeregelung des Ökopunktesystems gegangen ist, persönlich dabei zu sein. Ich war sozusagen ein Exote unter den Umweltministern und habe dort klargemacht, dass das, was jetzt gerade im Umweltministerrat beschlossen wird, ein ökologischer Mumpitz ist, außer Kosten überhaupt nichts bringt und deshalb abzulehnen ist. Sie haben es leider ange­nommen. Ich bin also offensichtlich ein besserer Umweltminister als viele andere auf europäischer Ebene. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Rest-Hinterseer: Offen­sichtlich nicht, sonst wären Sie nicht gescheitert!)

Frau Dr. Lichtenberger, Sie haben reklamiert, dass der Kontrollmasterplan zu wenig greife, zu wenig wirkungsvoll sei und zu wenig restriktiv angewendet werde. Ich darf Ihnen sagen, der Masterplan liegt erweiterungsfähig auf dem Tisch des Ministers und seiner Beamten, aber wir müssen auch bedenken, dass Verkehr – das sage ich offen, weil ich die Augen nicht vor der Realität verschließe – Wohlstand bedeutet, dass Ver­kehr Wirtschaft bedeutet und dass Verkehr auch Arbeitsplätze bedeutet. Nehmen Sie das bitte einmal zur Kenntnis, und hören Sie auf, den LKW zu verteufeln und den hauseigenen mit dem internationalen, also dem Transitverkehr, zu vermischen! Hören Sie auf, so zu tun, als wäre jeder LKW ein zu verteufelnder böser Bube auf Österreichs Straßen, der uns unter die Räder bringt. So ist das nicht!

Man muss bei diesen Kontrollen auch auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Rücksicht nehmen. Wir haben auch in den internen Besprechungen immer gesagt, dass wir aufpassen müssen, dass wir gegenüber der heimischen Wirtschaft nicht nega­tiv wettbewerbsverzerrend eingreifen, weil das Auswirkungen hat, die Sie dann in der nächsten oder übernächsten Sitzung wieder reklamieren. Dann haben wir wieder Transparente, weil die Arbeitslosigkeit so hoch ist und wir zu wenig Arbeitsplätze in Österreich haben. Das hängt zusammen, nehmen Sie das bitte auch zur Kenntnis! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Es gibt auch den hausgemachten LKW-Verkehr. Sie werden jetzt überrascht sein – Sie zielen ja immer ein bisschen auf den Transit ab, natürlich sind in Ihrer Region Tirol, am Brenner 90 Prozent Transitverkehr und 10 Prozent hausgemachter oder kleiner Grenz­verkehr –, wenn ich Ihnen sage, dass insgesamt die Verkehrsbewegungen in Öster­reich 1 Prozent Transit und der Rest hausgemacht sind. Da haben wir also Nachholbe­darf, insbesondere was den Ausbau der Schiene betrifft – aber machen Sie mich nicht dafür verantwortlich! Es wird nicht dem LKW-Verkehr der rote Teppich ausgerollt – der blaue übrigens auch nicht –, sondern man hat in den letzten Jahrzehnten den roten Teppich eingerollt, was eine Verkehrspolitik im Sinne einer Verlagerung des Verkehrs


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auf die Schiene betrifft. Da wurde in den letzten Jahrzehnten einiges versäumt, da gebe ich Ihnen Recht.

Stichwort: Generalverkehrsplan – keine Finanzierung. Wissen Sie, ich bin ein Mensch, der insbesondere in der Verkehrspolitik nicht nur an die nächsten fünf, sechs Jahre denkt, sondern den Horizont ein bisschen weiter ansetzt. Da ist die Zeit bis zum Jahr 2020, 2021 – das sind 15 Jahre in der Verkehrspolitik – ein nicht allzu großer Zeitraum. Und ich sage Ihnen einmal, wie das Verhältnis tatsächlich ist. Setzen wir uns einmal zusammen und rechnen wir das ganz langsam durch! (Abg. Rest-Hinterseer: Für Sie langsam!) 45 Milliarden sind für Investitionen vorgesehen, davon fließen unge­fähr 30 Milliarden in die Schiene, zirka 15 Milliarden in die Straße und 0,5 Milliarden in die Wasserstraße. Das ist ein Verhältnis von zwei Anteilen zu Gunsten der Schiene zu einem Anteil zu Gunsten der Straße – zum besseren Verständnis: zwei Drittel Schiene, ein Drittel Straßenausbau –, und das ist gut so! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Frau Abgeordnete! Seien Sie versichert: Ich möchte nicht haben, dass die Umwelt unter die Räder kommt, aber ich möchte haben, dass die Wirtschaft, die Güter und die Personen ihre Mobilität beibehalten können, dass die Wirtschaft floriert, und dafür brauchen wir Räder, denn das spielt sich auch auf Rädern ab.

Es ist mir schon am liebsten, wenn unter diesen Rädern eine Schiene ist. Und deshalb habe ich auch so gekämpft und sichergestellt, dass bis 2010 jedenfalls 1 Milliarde bis 1,2 Milliarden € in den Schienenausbau, -neubau investiert werden können, und zwar im Zuge der ÖBB-Reform – die Sie kritisiert haben, aber das ist Ihr gutes Recht –, weil ich die Schiene endlich forcieren möchte (Abg. Rest-Hinterseer: Woran merkt man das?), insbesondere die grenzüberschreitenden Schienennetze, denn das wurde ver­absäumt.

Noch ein Thema – Sie nehmen das alles als so selbstverständlich –: Transeuropäische Netze. Sie wissen, dass es hinsichtlich der wichtigsten Projekte gelungen ist, 5 Pro­jekte und 6 Vorhaben von den nächsten 19 auf europäischer Ebene in die Transeuro­päischen Netze als wichtige Bauvorhaben hineinzubringen. Vier davon sind Schienen­projekte. – Früher war nur ein Projekt drinnen, nämlich der Brenner-Basistunnel. Unter – ich sage das nicht gerne, weil Verkehrspolitik in Österreich eigentlich rot-weiß-rot sein sollte – sozialdemokratischer Verantwortung ein Projekt, durch gutes Verhan­deln und Verhandlungsgeschick ist es jedoch gelungen, ein Volumen von 12,27 Milliar­den €, fünf Projekte in nächster Zeit zu realisieren mit einem Kofinanzierungsbeitrag von 20 Prozent durch die EU. Das ist ein Erfolg, das ist offensive Politik im Verkehrs­bereich! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Was kann man noch tun? Ich könnte jetzt von Nachtfahrverboten, sektoralen Fahrver­boten und all dem, was Sie gerne hören, reden; ich spreche aber von etwas anderem, das wichtig ist, denn der unvermeidbare Verkehr ist vorhanden, er nimmt auch zu. Wir sollten alles tun, um ihn auf die Schiene zu verlagern, aber wir sollten auch alles tun, um die Bevölkerung vor den negativen Auswirkungen wie Emissionen oder Lärm zu schützen.

In diesem Zusammenhang nenne ich Ihnen jetzt auch Zahlen: Ich habe das Jahr 2004 zum Jahr des aktiven Lärmschutzes ausgerufen, sowohl was die Straße als auch was die Schiene betrifft. Und da haben wir bei den Ausgaben eine Steigerung von rund 34 Millionen € im Jahre 2003 auf immerhin etwa 42 Millionen € im Jahr 2004, und im Jahr 2005 – weil ich ein bisschen weiter denke und hoffe, dass der Finanzminister bei den Budgetverhandlungen Einsehen hat – auf 52 Millionen €.


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Im Bahnbereich ist es ähnlich: Wir haben wesentlich mehr in den Lärmschutz investiert als je zuvor. Nehmen Sie bitte diese Aussage: „mehr in den Lärmschutz investiert als je zuvor“, ernst. Ich gehe sie mit Ihnen gerne einmal durch.

Ich darf Ihnen noch etwas sagen, das in diesem Bereich interessant ist: dass wir 25 bis 50 Prozent der Gesamtinvestitionskosten im Ausbau, sowohl was die Bahn als auch was die Straße betrifft, bereits in Lärmschutzmaßnahmen beziehungsweise umweltent­lastende Maßnahmen investieren.

Ich kann Ihnen gerne auch konkrete Beispiele dafür nennen, wo enorme finanzielle Mittel beim Ausbau einer Strecke in den Lärmschutz beziehungsweise in umweltent­lastende Maßnahmen fließen: etwa bei der A 8 in Wels, Voralpenkreuz, 146 Millionen € Investitionssumme, 73 Millionen € davon für Lärm- und Umweltschutzmaßnahmen; A 1 Liefering, 31,9 Millionen € Investition, 20 Millionen € davon Lärmschutzmaßnahmen – diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Das werde ich auch im Bahnbereich tun.

Abschließend aber Folgendes: Wir müssen aufhören, das zu ideologisieren. (Abg. Rest-Hinterseer: Genau! Super!) Wir müssen wissen, dass eine der vier Grundfreihei­ten in der EU der freie Personen- und Warenverkehr ist. Wir sind in einem Binnen­markt, nehmen Sie das zur Kenntnis! Wir müssen uns national helfen – wir haben gesehen, die EU tut es nicht; in der EU habe ich nicht immer die optimale Unter­stützung, auch nicht von den Grünen, das ist schade, aber ich werde weiterkämpfen. (Zwischenrufe bei den Grünen.)

Wir müssen nationale Maßnahmen setzen, wir müssen in den Ausbau des Schienen­netzes investieren – das tun wir, wir geben so viel aus wie noch nie in diesem Be­reich –, wir müssen den Lärmschutz forcieren, wir müssen die Bevölkerung einbinden, wir müssen aber auch die Akzeptanz für den nicht verhinderbaren oder nicht vermeid­baren und nicht reduzierbaren Verkehr steigern. Wir sind in einem wachsenden Europa, das sollte Sie auch erfreuen.

Abschließend darf ich Ihnen sagen: Man wird die gesamtheitliche Verkehrspolitik an den Taten messen können. Und da scheue ich keinen Vergleich mit den letzten dreißig Jahren, sage ich sogar. Schauen Sie sich das in den nächsten zehn Jahren an (Abg. Rest-Hinterseer: Bitte nicht!): Wir werden die Schiene forcieren, wir werden den Lärm­schutz forcieren, wir werden investieren wie nie zuvor, und wir werden die ganze Situa­tion für die österreichische Bevölkerung erträglich machen – glauben Sie mir das! (Bei­fall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.25

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir treten nunmehr in die Debatte ein.

Ich mache darauf aufmerksam, dass die Redezeit aller weiteren Teilnehmer an der Aktuellen Stunde 5 Minuten nicht überschreiten darf.

Zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Miedl. Ich erteile ihm das Wort.

 


9.26

Abgeordneter Werner Miedl (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Kollegin Lichtenberger, es ist wirklich abenteuerlich (Abg. Mag. Mainoni: Nicht ernst zu nehmen!): Sie schrei­ben dem Präsidenten einen Brief, worin Sie die Abhaltung einer Aktuellen Stunde ver­langen, gehen davon aus, dass der zuständige Minister Gorbach anwesend ist, und reklamieren dann, dass der Umweltminister nicht hier ist. (Abg. Dr. Lichtenberger: Ja!) Jetzt sind der Staatssekretär und der Minister hier, der Minister steht Rede und Ant­wort, erklärt die Position Österreichs – ich frage Sie, was Sie wollen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Das war die erste Frage, Frau Kollegin. Die zweite Frage: Wir wissen ganz genau – der Herr Minister hat es zum Schluss sehr deutlich gesagt –, der Transit, die Mobilität der Menschen in Europa ist ein grenzüberschreitendes Problem. Sie definieren ein Pro­blem, tun so, als hätten Sie Lösungsansätze, und mokieren sich darüber, dass Öster­reich, die österreichische Regierung, das österreichische Parlament, nichts weiter­brächte.

Wenn es so wäre, Frau Kollegin, müsste ich fragen: Wie ist die Situation in Deutsch­land mit einem grünen Umweltminister, mit einem grünen Außenminister? Jeder vor dem Fernsehgerät zu Hause, jeder, meine Damen und Herren, hier im Saal kennt die Verkehrssituation auf Autobahnen in Deutschland und in Österreich – und das ist kein Vergleich, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wenn die Lösung so einfach wäre, dann hätten es die Grünen in Deutschland schon längst geschafft – sie schaffen es nicht.

Meine Damen und Herren! Ich sage Ihnen, Bundeskanzler Schüssel hat gemeinsam mit Gorbach und Kukacka Österreichs Position mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Sie wissen ganz genau, Frau Kollegin, dass wir uns eine neue Wegekostenrichtlinie erwarten, die Österreich etwas Flexibilität ermöglicht. Wir wollen genau diese Wege­kostenrichtlinie als Lenkungsinstrument einsetzen.

Sie wissen, dass es uns zurzeit auf Grund der Wegekostenrichtlinie – in Wirklichkeit beginnt es ja immer mit dem Geld – nur erlaubt ist, Baukosten und Erhaltungskosten mit einzurechnen, dass wir die von Ihnen zu Recht angeführten Umweltkosten zurzeit jedoch nicht einrechnen können und dürfen.

Jetzt geht es um sensible Gebiete in Österreich – Tirol, Frau Kollegin Hakl wird dazu sprechen; ja, meine Damen und Herren, wir haben in Österreich sensible Gebiete; es sind die Städte, was die Belastung durch den Verkehr anlangt, auch als sehr sensibel zu betrachten. Da geht es um die Schadstoffe in der Luft, da haben wir eine Feinstaub­problematik – na selbstverständlich haben wir die! –, da gibt es eine Verkehrsunfall­entwicklung, die uns europaweit Sorge bereiten müsste. (Abg. Dr. Lichtenberger: Wir stehen sehr weit vorn!)

Und jetzt sagen wir – das ist die Position der Regierung –: Liebes Europa, wir möchten 25 Prozent Zuschläge zu diesen Gebühren einheben dürfen, um sie zweckgebunden genau für diese Problematik einzusetzen! – Das wollen wir, meine Damen und Herren, und da brauchen wir Lobbyismus. Wir sollten uns in Österreich diesbezüglich einig sein, wir sollten diese Position gemeinsam vertreten, Frau Kollegin Lichtenberger! Tun Sie nicht jeden Augenblick und bei jeder passenden Gelegenheit so, als hätten Sie die Weisheit mit dem Löffel gefressen, Frau Kollegin! Das ist nicht okay! Wir brauchen eine einheitliche Position, die wir innerhalb Europas vertreten – dann sind wir erfolgreicher. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Frau Kollegin! Konkret: Brenner. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie bei der Reform der Österreichischen Bundesbahnen mittun. (Zwischenrufe bei den Grünen.) Erstmals setzen wir uns dafür ein, dass 1,2 Milliarden € jährlich für den Ausbau der Schiene ver­wendet werden.

Ich erinnere mich noch daran: Verkehrsminister Einem – hier sitzt er als Abgeord­neter –: „Schiene statt Verkehrslawine“. Das war ein Slogan, ein Schlagwort. Was ist dem gefolgt? Nichts! – Wir stellen 1,2 Milliarden € jährlich zur Verfügung, um genau den Ausbau der Schiene zu forcieren, meine Damen und Herren! Das ist ernsthafte Politik im Sinne der Umwelt, die ich bei Ihnen längst vermisse. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)


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Frau Kollegin! Ich habe mir Ihre Presseaussendungen sehr genau angesehen. Sie mokieren unter anderem, dass wir, die ÖVP, und der Herr Bundeskanzler angeblich zu wenig Lobby-Arbeit gemacht hätten. (Abg. Dr. Lichtenberger: Monieren!) – Wir waren unterwegs in Sachen Lobbying.

Wenn Sie erkennen, dass die Deutschen nicht unserem Weg folgen – die Deutschen folgen unserem Weg nicht, die wollen etwas anderes –, wieso reden Sie dann nicht mit ihrem Außenminister Fischer, mit ihrem Umweltminister Trittin? Wieso tun Sie das nicht und setzen sich nicht für eine österreichische Lösung ein? Warum erzählen Sie uns hier nicht, was Sie als Antwort bekommen? Und warum sagen Sie nicht dazu, Frau Kollegin Lichtenberger, dass Wahlkampf ist, dass Sie sich mitten im Wahlkampf befin­den und die doch eher erfolglose Kollegin Mercedes Echerer beerben wollen (Abg. Dr. Glawischnig: Bleiben Sie ein bisschen beim Thema! Das ist eine Frechheit! Was soll das? – weitere Zwischenrufe bei den Grünen – Präsident Dr. Khol gibt das Glo­ckenzeichen), dass das einer der Gründe dafür ist, dass Sie heute hier auftreten und so tun, als gingen Sie allein den Weg eines umweltgerechten Verkehrs in Europa?

Meine Damen und Herren! Ich bin froh, dass der österreichische Weg ein klarer ist. (Abg. Öllinger: Wir sind auch froh, dass jetzt Schluss ist! Das ist ja peinlich!) Ich würde mir wünschen, dass uns die Grünen und die SPÖ dabei unterstützen, denn es geht immerhin um die Gesundheit der Menschen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordne­ten der Freiheitlichen.)

9.31

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr gelangt Herr Abgeordneter Prähauser für 5 Minuten ans Rednerpult. – Herr Kollege, bitte.

 


9.31

Abgeordneter Stefan Prähauser (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Ich attestiere Einvernehmen: Verkehr und Umwelt sind nicht zu trennen.

Bei der Belastung durch den Verkehr muss man natürlich zwei Komponenten sehen: auf der einen Seite die Emissionen, den Schadstoffausstoß, auf der anderen Seite die Lärmbelastung. Die Lärmbelastung – das besagen Studien – betrifft 14 Prozent der Gesamtbevölkerung in unerträglichem Maße.

Beim Schadstoffausstoß muss man sich die Dinge noch genauer anschauen. Eine Studie, bei der auf der Tauern Autobahn, Messstelle Zederhaus, gemessen wurde, be­sagt zum Beispiel, dass dort 20 Prozent des Verkehrs LKW, 80 Prozent andere Fahr­zeuge sind; beim Schadstoffausstoß allerdings haben die 20 Prozent LKW 80 Prozent Anteil an den schädlichen Emissionen. Das ist natürlich ein Satz, der uns zum Nach­denken anregen muss.

Diese Zahlen stammen aus einer Studie, die der Salzburger Umweltlandesrat Othmar Raus erstellt hat – für alle, die ihn nicht kennen: Das ist jener sozialdemokratische Um­weltlandesrat, der es zu Wege gebracht hat, dass die Salzburger Seen wieder Trink­wasserqualität haben (Beifall bei der SPÖ – Abg. Mag. Molterer: Sind Landtagswahlen in Salzburg?), der gemeinsam mit der Wirtschaft erreicht hat – er ist in der Lage, mit der Wirtschaft zu sprechen –, Hallein Papier so weit zu beeinflussen, dass die Salzach wieder grün ist, der es geschafft hat, die Spanplattenfabrik Kaindl mit gemeinsamer Arbeit dazu zu bewegen, Filteranlagen einzubauen, sodass es erträglich ist, im Umfeld zu wohnen; angenehm ist es natürlich keineswegs.

Sie sehen, meine Damen und Herren, Salzburg hat Regierungsmitglieder wie Othmar Raus und Gabi Burgstaller, die mit Sachpolitik arbeiten. (Zwischenrufe bei ÖVP und


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SPÖ.) Die ÖVP hat ein Zweigestirn anzubieten: Wähle mich heute, kriegst du morgen einen anderen! (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Da kann ich der Koalition ja nur empfehlen, mit Schüssel in den nächsten Wahlkampf zu gehen und zu sagen: Wählt mich, dann bekommt ihr Haider! – Möglicherweise haben Sie damit Erfolg, ich bezweifle es.

Wie kommt der Bund in diesem Bereich der Umweltpolitik voran? – Kurt Steyrer hat ein Markenzeichen gesetzt, Kurt Steyrer war jener, der den Katalysator ins Leben gerufen hat, damals sehr zur Unfreude mancher Lobbyisten des LKW-Verkehrs, die ja gefürch­tet hatten, dass auch gleich etwas für die Dieselkraftfahrzeuge kommt, was aber bis heute nicht eingetreten ist. Ich frage: Warum? Warum denken wir nicht darüber nach, Partikelfilter zu entwerfen? Warum sind wir nicht ähnlich richtungweisend, wie es vor nahezu 20 Jahren Kurt Steyrer war?

Meine Damen und Herren! Ich kann Ihnen auch sagen, warum wir nicht dazu in der Lage sind: weil diese Regierung andere Sorgen hat. Diese Regierung hat in erster Linie dafür zu sorgen, einem Finanzminister die Mauer zu machen, der eine eigen­willige Vorstellung hinsichtlich der Versteuerung der eigenen Einnahmen hat. Natürlich hat man da keine Zeit, für Österreich nachzudenken. (Beifall bei der SPÖ.)

Es ist ja nicht so, dass die Regierung total untätig gewesen wäre – es gab immerhin vier Minister im Transitbereich. Der erste, das wissen wir, hatte leere Batterien, war ehrlich und ist gegangen. Die zweite, Ministerin Forstinger, hat zeit ihres Amtes Lobby­isten in Unternehmungen gehievt, die ihr jetzt mit Notgroschen zur Seite stehen. Der dritte, Minister Reichhold – jeder weiß, seine harte Verhandlungstaktik in Brüssel hat dazu geführt, dass wir nicht einmal das bekommen haben, was möglich gewesen wäre. Was war der Erfolg? Weinerliches Jammern, um es doch im Nachhinein bewerkstelli­gen zu können. – Geblieben ist die Blamage, die Blamage vor Europa. (Abg. Scheib­ner: Die Zustimmung ist nicht sehr groß!)

Meine Damen und Herren! Ich glaube, dass gute Umwelt- und Verkehrspolitik nur von einer Regierung gemacht werden können, die sich ihrer Verantwortung bewusst und auch bereit ist, diese im Interesse der Bevölkerung zu tragen. Das wären die Sozial­demokraten auf jeden Fall – diese Koalition jedoch nicht. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

9.36

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Mainoni. Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Kollege. (Abg. Öllinger – in Richtung des sich zum Rednerpult begebenden Abg. Mag. Mainoni –: Bitte ein paar lobende Worte zum Schnell! – Abg. Mag. Mainoni: Ja, genau, Herr Öllinger, zu Ihnen komme ich auch noch!)

 


9.36

Abgeordneter Mag. Eduard Mainoni (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Grünen starten heute diesen Plenartag mit einem für sie wahrlich exoti­schen Thema. Das Thema Umwelt ist ja wirklich ein reines Orchideenthema für die Grünen. Sie haben sich doch längst abgemeldet vom Thema Umwelt. (Zwischenrufe bei den Grünen.) Wo sind denn Ihre Exponenten, die früher für Umwelt, für Umwelt­schutz gestanden sind, eine Freda Meissner-Blau, ein Herbert Fux? – Die haben Sie längst aus Ihrer Partei eliminiert! Das ist die Realität. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Der linke Flügel der Grünen – Herr Pilz, Herr Öllinger, Herr Kogler – hatte ja mit Um­weltschutz noch nie etwas am Hut, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Kern-


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kompetenz der Grünen – das ist demoskopisch erhoben (Abg. Dr. Glawischnig: Was ist die Kernkompetenz?) – liegt in der Unterstützung von Scheinasylanten. Das ist Ihre Arbeit, Ihre Tätigkeit, da profilieren Sie sich!

Frau Glawischnig, da habe ich gleich etwas Aktuelles für Sie. Sie kandidieren doch in Kärnten, habe ich gehört. In der heutigen Zeitung ist zu lesen – da gibt es für Sie wieder etwas zu tun –, dass ein Tschetschenen-Clan, 19 Mann hoch, so genannte Asylwerber, randaliert hat – in Kärnten geschehen. Wissen Sie, was der Grund dafür war? – Weil sie in einem Quartier untergebracht werden sollten, wo es keinen Fern­seher und keine Satellitenanlage gibt. Da gibt es für Sie wieder etwas zu tun. (Zwi­schenruf des Abg. Öllinger.) Ich höre schon Ihre Forderung: Für jeden Asylwerber einen Fernseher! – Das sind Ihre Kompetenzen, meine sehr geehrten Damen und Herren von den Grünen. Das ist die Wirklichkeit!

Aber nun zum Thema der Aktuellen Stunde, das ein wirklich wichtiges Thema für Österreich ist: die Transitfrage. Da haben uns die Herrschaften in Brüssel – darüber müssen wir uns schon im Klaren sein – kläglich im Stich gelassen. Was diesbezüglich in Brüssel gegen Österreich beschlossen wurde, ist zynisch, ist überheblich, ist vor allem aber für die österreichische Bevölkerung gesundheitsschädigend. Das ist die Realität! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Frau Abgeordnete Lichtenberger, es ist doch einfach unsinnig, eine derartige Rege­lung, die bürokratisch und teuer ist, die uns Österreicherinnen und Österreicher schä­digt, zu vollziehen. Ich verstehe nicht, dass Sie eine derart ungeschickte, für Österreich schädliche und teure Lösung unbedingt vollziehen wollen.

Wir Freiheitlichen und unser Koalitionspartner sagen: Das kommt überhaupt nicht in Frage. Das, was uns von Brüssel hier diktiert, vorgegeben wird, das umweltschädi­gend, bürokratisch und teuer ist, das werden wir sicher so nicht vollziehen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Es stimmt einfach nicht, wie Sie hier mit Zahlen jonglieren und spielen. Faktum ist: 1,1 Milliarden € für die Schiene 2003, derselbe Betrag für die Schiene im Jahr 2004. Natürlich investieren wir in die Straße, wir bekennen uns dazu – ja, das ist ja wohl not­wendig, meine Damen und Herren –, und wir bekennen uns auch zum Lärmschutz.

Weil ich ein Abgeordneter aus Salzburg bin, bringe ich ein Beispiel aus Salzburg: die Umweltschutzmaßnahmen entlang der Tauern Autobahn. Wir sind in Verhandlung, dass – eine langjährige Forderung von uns Freiheitlichen in Salzburg (Abg. Öllinger: Sehr gut! Ja! Schnell – FPÖ!) – entsprechende Schutzmaßnahmen für Zederhaus, aber natürlich auch für Flachau und die ganze Strecke dort gesetzt werden. Wir sind sehr froh, dass wir einen freiheitlichen Verkehrsminister haben. (Beifall bei den Frei­heitlichen.)

Wir sind in diesem Zusammenhang natürlich auch sehr zuversichtlich, dass, wenn schon die zweite Röhre kommt, auch die entsprechenden Umweltmaßnahmen, die bereits zwei Drittel der Gesamtkosten ausmachen, verwirklicht werden.

Und, Frau Lichtenberger, diese Straßeninvestitionsgelder werden doch nicht dafür aus­gegeben, dass hier ein Betonband in die grüne Wiese gesetzt wird. Da sind Sanie­rungsmaßnahmen genauso dabei: Salzburg: Ofenauer-, Hiefler-Tunnel, in diesem Jahr. 25 Millionen € kostet es, die ältesten Autobahnstraßentunnels zu sanieren. Das sind notwendige Maßnahmen, die wir hier setzen, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ein Aspekt, den Sie natürlich auch, weil Sie da keine Kompetenz besitzen, nicht ins Treffen führen: Arbeitsplätze und Konjunkturbelebung. Tausende Menschen bekom­men durch diese Investitionsmaßnahmen für Schiene und Straße Arbeitsplätze! Das ist


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unsere Verantwortung, die wir auch wahrnehmen! Und das Bruttoinlandsprodukt steigt um zirka ein halbes Prozent, und das ist erwiesen. Meine Damen und Herren, wir tragen Verantwortung. Darum sind uns diese Investitionsmaßnahmen auch so wichtig.

Last but not least, meine sehr geehrten Damen und Herren – der Herr Verkehrsminis­ter hat es ohnehin gesagt –: das Jahr des Lärmschutzes. Es ist wichtig, diese Investi­tionsmaßnahmen mit dem Lärmschutz zu verknüpfen: heuer 35 Millionen, nächstes Jahr 50 Millionen.

Sehr geehrte Damen und Herren, vor allem von den Grünen: Sie haben sich vom Thema Umweltschutz längst verabschiedet – wir betreiben den Umweltschutz. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.41

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Dr. Glawischnig für 5 Minuten ans Rednerpult. – Bitte, Sie sind am Wort.

 


9.42

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine Herren Vorredner! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Es waren ja Vorrednerinnen auch, oder?) Die meine ich jetzt nicht! Ich wende mich jetzt aus­schließlich an die Redner, an die Männer, die jetzt geredet haben.

Ich sage Ihnen ehrlich, wenn ich mir vorstelle, ich sitze jetzt zu Hause vor dem Fern­seher und schaue mir diese Debatte an, dieses gegenseitige Herumhacken, dann frage ich mich wirklich, was das bringen soll. Was soll dieser Stil bringen, dass Sie auf uns herumhacken, auf Mercedes Echerer herumhacken? Was soll das? – Ich finde das eigentlich nur peinlich. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Zwi­schenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Warum können wir nicht einmal wirklich ernsthaft über dieses Thema reden, ohne dass diese Mechanismen zum Einsatz kommen, dass alles, was wir sagen, automatisch schlecht ist und alles, was Sie machen, automatisch gut ist? Kann man da nicht einmal einen Schritt zurücktreten und sich einmal anschauen, ob wir da ein Problem haben oder ob wir da kein Problem haben? Und wir haben wirklich ein Problem für die nächs­ten zehn Jahre im Transitbereich, und es wird nicht besser, wenn Sie, Herr Minister, sich hinstellen und sagen: Es ist eh alles ursuper. Wir haben eben die Grundfreiheiten im europäischen Raum! Machen wir halt ein bisschen Lärmschutz, alles andere dient der Wirtschaftsstandortsicherung! – So kommen wir keinen Schritt weiter!

Schauen Sie sich die Situation für die nächsten zehn Jahre an: Wir haben Wachstums­raten. Wir werden mit den mittel- und osteuropäischen Beitrittswerbern wahrscheinlich ein Plus von 200, 300 Prozent in den nächsten zehn Jahren haben. Wir brauchen dar­auf eine andere Antwort, als einfach zu sagen: Es gibt halt die Grundfreiheiten in der EU. Wir können das Joghurt von Palermo nach Helsinki transportieren, und das muss man akzeptieren. – Das muss man nicht akzeptieren! Es muss etwas anderes möglich sein!

Irgendwann einmal werden Sie draufkommen – und das ist ein altes Indianersprich­wort –, dass man Wirtschaftswachstum nicht essen kann! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Was haben die Indianer mit dem Wirtschaftswachstum zu tun?) Und das sind die Lebensgrundlagen, um die es hier geht! Vielleicht können wir über das einmal ganz ernsthaft diskutieren, ohne dieses blöde Hickhack. (Beifall bei den Grünen.)

Apropos Wirtschaftswachstum: Wir haben heute dieses Thema „Kommt die Umwelt unter die Räder?“ auch unter einem anderen Aspekt gewählt, bei dem es genau um diese Verknüpfung von moderner Wirtschaftspolitik, von Standortsicherung, von Arbeitsplätzen mit Umweltschutz und Klimaschutz geht, und da haben wir ein aktuelles


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Problem. (Heiterkeit des Abg. Dipl.-Ing. Scheuch.) – Sie brauchen jetzt gar nicht so zu lachen, Sie können gleich etwas dazu sagen. Es betrifft nämlich Ihren Landeshaupt­mann. (Beifall bei den Grünen.)

Im Moment sind im Bereich Ökostrom Arbeitsplätze gefährdet. Ein Investitionsvolumen von über 500 Millionen € ist im Moment nicht gesichert, sondern alles hängt in der Luft. Das ist wegen einer einzigen Person so, die sich erdreistet hat, den Ausbau von Ökostrom, der für Klimaschutz wichtig ist, der in Österreich über 8 000 Arbeitsplätze sichert, einfach zu blockieren, und zwar mit einem ganz ausgesucht dummen Argu­ment, indem gesagt wird: 2 € zusätzliche Belastung für einen Haushalt über ein Jahr gerechnet sind zu viel! Ich als Strompreisheld – ich spreche jetzt von Landeshaupt­mann Jörg Haider – werde das verhindern und blockiere auf der anderen Seite den gesamten Ökostromausbau Österreichs durch ein Nein bei einer Verordnung! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Das ist ein kompletter Blödsinn, was Sie da sagen!)

Ich finde das wirklich unglaublich, dass man mit so einer billigen Propaganda ein ganz wichtiges Projekt, nämlich diesen Anlagenausbau in Österreich, verhindert. Hunderte Investoren haben bereits in diese Richtung geplant, ihre Anlagen darauf vorbereitet. Das sind Bauern in Oberösterreich mit ihren Biogasanlagen, das sind Windkraft­anlagenbetreiber im Burgenland, das sind Anlagenbetreiber in Salzburg, in Vorarlberg, das sind Photovoltaikfirmen, die da dranhängen. Alle diese werden jetzt mit einem einzigen Nein an ihrer Zukunft im nächsten Jahr gehindert. Ich finde das unglaublich! (Beifall bei den Grünen.)

Ich würde Sie bitten, wenn Sie von Umweltschutz, Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätzen reden, einmal einen moderneren Ansatz zu wählen und zu überlegen, ob nicht das der Schlüsselbereich für moderne zukunftssichere Arbeitsplätze ist, ob nicht das der Bereich ist, wo Österreich investieren sollte, ob nicht das der Bereich ist, wo man eine feine Industrie aufbauen kann, mit guten Exportchancen, mit extrem großem Know-how, wo man tatsächlich schon eine gute Basis in Österreich hat.

Man muss sich einmal vor Augen führen, was Sie für die Unternehmen sonst machen. Rechnen Sie sich einmal durch, wie viel an Steuerentlastung die Senkung der Körper­schaftsteuer für einzelne Unternehmen bringt! – Und dann argumentieren Sie, dass Klimaschutz eine Gefährdung des Wirtschaftsstandortes sei?! Ich nenne Ihnen nur eine einzige Zahl: Der gesamte Klimaschutzbereich für die Industrie kostet bis zum Jahr 2010 50 Millionen €. Allein was die OMV an Steuerentlastung durch die Senkung der Körperschaftsteuer jährlich bekommt, sind 20 Millionen € – ein einziges Unterneh­men!

50 Millionen € für Klimaschutz bis zum Jahr 2010 sind Ihnen zu viel. Ich würde Sie bitten: Reden wir einmal über das ernsthaft! Ich glaube, das ist ein falscher Weg. Diese Blockade ist reine Wahlpropaganda, und das ist sehr schade, denn viele Anlagenbe­treiber haben für die nächsten Wochen keine Sicherheit. Ich hätte mir gewünscht, dass man das nicht so vom Tisch wischt, sondern dass man das zumindest in der Problem­analyse eingesteht, dass das ein Problem ist.

Herr Verkehrsminister, was ich Ihnen noch mitgeben wollte: Sie müssen sich schon den Vorwurf gefallen lassen, dass wir mit Schönreden, das heißt, alles immer blendend darzustellen, diese Probleme nicht lösen werden. In zehn Jahren werden wir in Österreich wieder vor diesen ungelösten Problemen stehen, und wir werden sagen: Wir haben davor gewarnt, wir haben eingefordert, wir haben gebeten, dass ihr darüber nachdenkt, aber ihr habt es nicht getan und tut es nicht! – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

 


9.47


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45. Sitzung / Seite 30

Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr spricht Frau Abgeordnete Mag. Hakl 5 Minu­ten zu uns. – Frau Kollegin, Sie sind am Wort.

 


9.47

Abgeordnete Mag. Karin Hakl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Es macht mich schon betroffen zu sehen, dass bei einem solchen Thema sowohl die Grünen als auch die SPÖ Parteipolitik machen, in einer Frage, wo es um die Menschen geht, um die Zu­kunft unserer Kinder. Und wenn dann auch noch Kollegin Glawischnig wegen des Kärntner Wahlkampfes gar nicht zum Thema spricht, das heute „Transit“lautet, wofür ich sehr dankbar bin, dann verblüfft mich das. (Zwischenrufe bei den Grünen.)

Wir haben in Österreich eine große Herausforderung, die eng mit dem Klimaschutz zu­sammenhängt, und das ist die Lösung unserer Transitfrage. Da geht es im Speziellen allerdings nicht um Ökostrom. Diese Frage, die die Menschen, die die Mütter, die die Kinder in diesem Land – als Tirolerin kann ich das sagen – unmittelbar betrifft, bedarf ganz dringend einer Lösung, und wir müssen uns langsam bewusst werden, dass wir in diesem Hohen Haus die verdammte Pflicht haben, uns endlich zu einigen und auch geschlossen im Europäischen Parlament aufzutreten und unsere Positionen gemein­sam zu vertreten. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich hoffe, dass bei derart wichtigen Fragen ein Konsens, der auf der Hand liegt, endlich gefunden wird.

Worum geht es? – Es bringt uns überhaupt nichts, zum tausendsten Mal aufzuzählen, wie schlimm und wie schwierig die Dinge sind. Es nützt uns auch nichts, zu bejam­mern, dass uns die EU in einer Frage, die in Teilen dieses Landes eine Überlebens­frage ist, im Stich gelassen hat, sondern wir müssen versuchen, unsere Partner in der Europäischen Union von einem Weg zu überzeugen, der aufzeigt, wie es jetzt weiter­geht. Darauf wollen und werden wir uns konzentrieren.

Wie kann es denn weitergehen? – Eine neue Wegekostenrichtlinie ist in Ausarbeitung, und ich glaube, dass wir die Verlagerung von der Straße auf die Schiene letztlich nur über das Geld werden schaffen können. Die Kostenwahrheit im Verkehr steht im Zent­rum dieser Problematik, und wir sind in Österreich diesbezüglich Vorreiter. In Öster­reich – nicht in Deutschland unter grünen Verkehrs- und Umweltministern! – ist die LKW-Maut ohne irgendwelche Probleme rasch umgesetzt worden. Ein erster Schritt für die Kostenwahrheit im Verkehr! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

Dabei können wir nicht stehen bleiben. Wir müssen auch Unfallfolgekosten und Um­weltschäden in die Mautpreise einrechnen können, und das vor allem in sensiblen Korridoren. Dazu sind zwei Dinge notwendig: zum einen die Definition der sensiblen Korridore. Hier bietet die Alpenkonvention eine Grundlage – diese ist aber noch nicht ausreichend. Deswegen fordere ich die Stadt Wien dazu auf, auch einmal „Hausübun­gen“ zu machen. Tirol, Salzburg, Vorarlberg, diese Länder haben ihre „Hausübungen“ gemacht und dargelegt, warum sie auf Grund ihrer Landschaft, auf Grund von Umwelt­gegebenheiten ein sensiblerer Raum sind als andere Räume in Europa.

Für die Stadt Wien, die ja auch vom Transitverkehr entlastet werden müsste, wäre es höchst an der Zeit, darzulegen, warum auch Wien eine sensible Zone darstellen soll oder darstellen kann. Dazu rufe ich die SPÖ in ihrem Verantwortungsbereich dringend auf. Das ist wichtig, das brauchen wir.

Es genügt nicht, nur die Unfallfolgekosten einzurechnen, wir müssen auch diese Mehr­mauten für Umweltschutzprojekte – und dazu rechne ich auch Investitionen in die Bahn – ausgeben und investieren können. Hiefür brauchen wir Partner in der Europäi-


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schen Union, und da darf es uns nie wieder passieren, dass irgendeine Partei aus Ös­terreich wie beispielsweise die Grünen mit der eigenen europäischen Fraktion stimmt. Hier müssen wir zusammenarbeiten, mit einer einheitlichen österreichischen Position im Europäischen Parlament auftreten. Darum bitte ich! Und ich hoffe, dass wir hier mit dem Herrn Bundesminister, mit unserem Bundeskanzler und unserer Außenministerin, die sich in der Vergangenheit auch in dieser Frage eingesetzt hat wie keine Außen­ministerin vor ihr, auch Erfolge verzeichnen können. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

9.52

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet hat sich Herr Vizekanzler Gorbach. Redezeit: 5 Minuten. – Bitte.

 


9.52

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach: Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Geschätzte Damen und Herren zu Hause! Weil ich vorher das langfristige Programm bis 2021 in Schiene und Straße aufgesplittet habe – zwei Drittel Schiene, ein Drittel Straße –, habe ich mir jetzt auch noch das mittel- und kurzfristige Investitionspaket im Generalver­kehrsplan angeschaut, und da schaut es so aus, dass vom Gesamtausmaß von etwa 17 Milliarden € 72,5 Prozent für Investitionen in die Schiene vorgesehen sind. Frau Dr. Lichtenberger, ich rechne das dann, wie schon vorher angeboten, gerne mit Ihnen durch.

Da relativ abfällig von den Lärmschutzmaßnahmen gesprochen wurde, möchte ich schon noch einmal betonen, dass davon sehr viele Menschen betroffen sind und ich es für sehr gut und sehr richtig halte, wenn man Rücksicht auf die Lebensqualität der An­rainer von Schiene und von Straße nimmt. Ich halte es für sehr positiv, dass sich der­zeit im ASFINAG-Netz mit einer Länge von 800 Kilometern Lärmschutzeinrichtungen mit einer Gesamtfläche von 2 Millionen Quadratmetern – das ist eine Fläche so groß wie die Innere Stadt von Wien oder etwa 350 Fußballfelder – befinden.

Ich sollte Ihnen vielleicht auch sagen, geschätzte Damen und Herren, dass in Öster­reich 312 000 Einwohner in 493 Gemeinden von Schienenverkehrslärm betroffen sind. Ich halte es für sehr wichtig, dass ich einen Aktionsplan eingesetzt habe, der Investi­tionen zwischen 700 und 1,1 Milliarden € diesbezüglich zum Schutz der Bevölkerung vorsieht. Ich halte es für gut, dass bereits 139 400 betroffene Einwohner in 122 Ge­meinden berücksichtigt wurden, und möchte diese Zahl natürlich noch erhöhen.

Aber was ich Ihnen auch noch sagen möchte, weil man sagt, es passiere zu wenig: Auch dem kombinierten Verkehr wird natürlich großes Augenmerk geschenkt. Das ist hoffentlich auch etwas, was Ihre Zustimmung findet. In diesem Zusammenhang darf ich Ihnen sagen, dass es den Aktionsplan „Brenner 2005“ gibt, demzufolge vier Ver­kehrsminister, nämlich neben mir auch jene aus Deutschland, Italien und Griechen­land, vereinbart haben, das Ziel zu unterstützen, bis zum Jahr 2005 den kombinierten Verkehr um 50 Prozent gegenüber 2003 zu erhöhen.

All das sind Maßnahmen, die Sie doch positiv anerkennen sollten. Ich glaube, es ist schlecht, wenn wir die Bevölkerung nur mit kritischen Bemerkungen zum Verkehr bedienen und nicht auch aufzeigen, dass wir bemüht sind, sie zu schützen und das zu tun, was möglich ist. Aber man kann eben die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, auch Wirtschaftswachstum, wenn Sie so wollen, Wohlstand, Tourismus, Fremdenver­kehr in Tirol, Salzburg und Verkehr auf der Schiene und auf der Straße nicht einfach wegdiskutieren. Nicht schön reden, sondern vielmehr schön bauen ist gefragt, so glaube ich, und zwar Schienennetz ausbauen, und genau das tue ich. Ich hätte mir Ihre Unterstützung gewünscht, denn das Schienennetz auszubauen ist eine Sache, aber


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eine attraktive Betreiberfirma, nämlich ÖBB, zu haben, die so attraktiv ist, dass diese ausgebaute Schiene auch verwendet wird, das ist ein ganz, ganz großes Ziel der Ver­kehrspolitik in Österreich. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Meine Damen und Herren von den Grünen, die Sie heute diese Aktuelle Stunde ver­langt haben! Seien Sie versichert – und ich meine das sehr ernst –: Der derzeitige Ver­kehrsminister von Österreich ist ein sehr umweltfreundlicher Mensch. Frau Dr. Lichten­berger, wir waren ja einmal gemeinsam im Umweltbereich tätig: Sie als Abfallwirt­schaftsreferentin in Tirol, ich als Abfallwirtschaftsreferent und auch als Gewässer­schutzreferent in Vorarlberg, und das sehr gerne. Nicht nur deshalb, sondern auch von Grund auf bin ich ein sehr umweltfreundlicher Mensch und genieße die Umwelt auch sehr gerne, und zwar nicht nur die grünen Wälder, auch die blauen Seen, keine Frage. Und ich sage Ihnen, dass ich diese Einstellung auch als Verkehrsminister beibehalten werde.

Wir werden mit Augenmaß versuchen, den guten Mittelweg zwischen Bedürfnis der Wirtschaft einerseits, Mobilitätsbedürfnis andererseits und Bedürfnis der Umwelt und der in ihr lebenden Menschen, aber auch Tiere und Pflanzen zu finden. Dieser Mittel­weg ist entscheidend. Ich darf am Schluss noch Goethe zitieren, der gemeint hat: „Der Ausgang gibt den Taten ihre Titel.“ – Der Titel wird dann heißen: Integrierte nachhaltige und ökologisch verträgliche Verkehrspolitik im Sinne aller Betroffenen. Das war die Arbeit der Verkehrspolitik dieser schwarz-blauen Regierung. Sie können uns dann dar­an messen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.57

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mag. Sima. 5 Minuten Redezeit. – Sie sind am Wort, Frau Kollegin.

 


9.57

Abgeordnete Mag. Ulrike Sima (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Herr Bundesminister, wenn wir Sie wirklich an Ihren Taten beziehungsweise den Taten der schwarz-blauen Regierung messen sollen, dann schaut das Ergebnis nicht besonders gut aus für Sie, das muss ich Ihnen schon sagen, denn in den letzten vier Jahren ist im Verkehrsbereich leider überhaupt nichts weiter­gegangen. Ganz im Gegenteil: In Brüssel haben wir eine Schlappe nach der anderen erlitten, beziehungsweise haben Sie eine Schlappe nach der anderen erlitten. Von Erfolgen kann ich da weit und breit nichts sehen, und das ist wirklich bitter. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Da Sie den Bereich Lärmschutz angesprochen haben: Wenn Sie es ernst meinen mit dem Lärmschutz – und wir haben es auch im letzten Umweltausschuss besprochen –, warum wird dann nicht die EU-Lärmschutzrichtlinie umgesetzt, warum gibt es keine verpflichtenden abgesenkten Grenzwerte, wo die Leute dann einen Grenzwert haben, den sie auch einklagen können? Ich meine jetzt nicht nur Richtwerte, sondern ver­pflichtende Grenzwerte, wo es Messstellen gibt, die die Einhaltung überprüfen, wo man wirklich eine rechtliche Grundlage hat, vor Lärm geschützt zu werden, wo Lärmschutz nicht mehr oder weniger eine Großzügigkeit ist, sondern Lärmschutz wirklich eine rechtliche Basis hat. Das wäre wichtig, das brauchen die Menschen in Österreich!

Frau Kollegin Hakl, das Thema der heutigen Aktuellen Stunde lautet nicht „Transit“, sondern „Kommt die Umwelt unter die Räder?“, und deswegen ist es auch sehr legitim, zu einem Umweltproblem zu sprechen. Auch ich möchte zum Thema „Ökostrom“ etwas sagen, und zwar aus dem Grund, dass ich täglich Briefe, Mails, Anrufe von ver­zweifelten Unternehmern bekomme, die Millionen in Ökostrom investiert haben und jetzt auf Grund einer politischen Laune des Kärntner Landeshauptmannes Haider


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wahrscheinlich den Konkurs anmelden müssen, die in den Ruin getrieben werden, und das halte ich für absolut fahrlässig. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: An den Haaren herbeigezogen ist das!) – Das ist leider nicht an den Haaren herbeigezogen, leider nicht!

Hier geht es um Arbeitsplätze, hier geht es um viele Investitionen. Ich kann das nicht ganz verstehen, warum der Landeshauptmann von Kärnten Jörg Haider sagt, er will diese Ökostromverträge nicht mehr verlängern, er will diese Verordnung verhindern. Er sagt, eine angebliche Belastungswelle rolle auf die Stromkunden zu. – Das ist bitte lächerlich, es geht um 2 € pro Haushalt im Jahr! Und ich frage die FPÖ und speziell die Kärntner FPÖ-Abgeordneten: Wo waren Sie denn, als die wirkliche Belastungswelle der schwarz-blauen Bundesregierung über die Menschen hinweggerollt ist? – Da waren Sie auf Tauchstation! Da waren Sie nicht vorhanden! Das haben Sie nicht ver­hindert! Aber was Sie jetzt verhindern, ist die Schaffung von innovativen, zukunftsträch­tigen Arbeitsplätzen in diesem Land, und das halte ich für wirklich fahrlässig. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Es ärgert mich auch deshalb maßlos, weil das Beispiel Ökostrom – also die Investitio­nen in Windenergie-, in Biomasse-, in Biogas-Anlagen – eines der guten Beispiele ist, an denen man sehen kann, dass Umweltschutz und Arbeitsplätze sich nicht ausschlie­ßen, sondern dass das eine eigentlich das andere bedingt. Und ich finde es schade, wenn hier Investoren um ihr Geld gebracht werden. Ich kann es absolut nicht nachvoll­ziehen, warum man diejenigen, die da in eine Zukunftstechnologie investiert haben, einfach im Regen stehen lassen will.

Abschließend möchte ich, weil mir das auch ein Anliegen ist, noch ein Wort zum letzten EU-Fortschrittsbericht zum Bereich Klimaschutz sagen. Das Zeugnis für Österreich ist da ja absolut vernichtend ausgefallen. Die EU hat gesagt, das sei eine schwache Leistung. Die Emissionen in diesem Bereich steigen und steigen – nicht zuletzt auch wegen solcher Aktionen. Wer nämlich weniger Ökostrom ins Land lässt, der bewirkt damit automatisch mehr Atomstrom. Also Jörg Haider hat sich da in Kärnten zu einem wahren Atomlobbyisten gemacht! (Ironische Heiterkeit des Abg. Mag. Mainoni. – Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Sie sind selber eine gebürtige Kärntnerin!)

Herr Kollege Scheuch, ja, ich bin eine gebürtige Kärntnerin (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Dann reden Sie bitte nicht so einen Blödsinn!), und deswegen ärgert es mich, ehrlich gesagt, doppelt, dass der Kärntner Landeshauptmann mit dieser politischen Aktion den Ausbau von Ökostrom verhindern kann. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Der Herr Stadtrat Rieder von Wien hat es auch nicht unterschrieben – seines Zeichens SPÖ!)

Sie wissen ganz genau (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Das weiß ich ganz genau!), es geht einfach darum: Wer Ökostrom nicht ausbaut, ermöglicht automatisch, dass mehr Atom­strom ins Land kommt. Das ist ärgerlich, und das halte ich auch nicht für eine beson­ders zukunftsweisende Strategie. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: So ein Unsinn!)

Nun aber noch kurz zurück zum Thema Klimaschutz: Österreich ist hier eines der Schlusslichter in der Europäischen Union. Wenn wir in diesem Bereich nicht bald tätig werden – wir haben noch bis zum Jahr 2008 Zeit, um endlich Maßnahmen zu setzen –, dann werden wir auch finanzielle Konsequenzen zu spüren bekommen. Ich glaube nicht, dass das wirklich gut ist.

Außerdem: Klimaschutz ist wichtig! Wir spüren die Auswirkungen der Klimaentwicklung jedes Jahr: Wir haben Hochwasserkatastrophen, wir haben Dürreperioden – also wir spüren es ja schon am eigenen Leib. Deswegen ist es umso wichtiger, in diesem Bereich endlich aktiv zu werden.


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An den Kärntner Landeshauptmann kann ich nur von diesem Pult aus den Appell richten (Abg. Mag. Mainoni: Es ist ja schön, dass er so präsent ist! – Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Der Dr. Haider ist allgegenwärtig, habe ich das Gefühl!): Hören Sie auf mit dieser Blockadepolitik in Bezug auf die wichtigen Ökostrom-Investitionen! Jagen Sie da nicht mutige Investoren in den Ruin! Hören Sie endlich auf, wegen billiger Wahl­kampfpropaganda diese wichtigen Projekte zu verhindern! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

10.02

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Klaus Wittauer. Redezeit: 5 Minuten. – Sie sind am Wort, Herr Abgeordneter.

 


10.02

Abgeordneter Klaus Wittauer (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Herr Staatssekretär! Frau Abgeordnete Sima! Die Wahrheit ist, dass die Ökostrom-Rege­lung 2003 am 30. Dezember mit den Unterschriften der Landeshauptleute für 2004 fortgeschrieben wurde. Es geht um eine Erhöhung. Diesbezüglich ist eine Diskussion im Gange, und das wird sicher positiv geregelt werden.

Gerade der Kärntner Landeshauptmann – das sei hier angemerkt, weil Sie hier gerade Wahlkampf betrieben haben – hat eine Initiative gestartet, die sehr erfolgreich ist. Jeder kleine Häuselbauer ist froh über die Solaranlage auf seinem Dach! Ich glaube, das sollte man einmal hier ansprechen: dass er wirklich einer ist, der die Umwelt nicht nur im Kopf hat, sondern die im Zusammenhang damit erforderlichen Maßnahmen auch umsetzt! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Frau Abgeordnete Lichtenberger, ich hoffe, dass Sie, wenn Sie zur Abgeordneten des Europäischen Parlaments gewählt werden, sich dann auch für uns einsetzen. Wir werden Sie daran messen, wir werden ganz genau schauen, was Sie dort machen und was Sie in Brüssel für die Tiroler und Tirolerinnen, für ganz Österreich erreichen. Bis­her nämlich – und ich spreche da auch Frau Glawischnig an – haben Sie nur ge­schimpft, Sie haben nie etwas Gutes am Verkehrsminister gelassen. – Er ist derjenige, der die Verantwortung trägt und der diese Verantwortung positiv umgesetzt hat! Wir werden schauen, welche Verantwortung Sie in Brüssel tragen werden und was Sie dort umsetzen werden! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Wir kennen die Vergangenheit – und diese war nicht rosig: 30 Jahre unsinnige Ver­kehrspolitik, bei der nichts Positives herausgekommen ist, die uns einen Transitvertrag eingebracht hat, den Hubert Gorbach zu erneuern, zu verbessern versucht hat. – Es ist nicht gelungen. Brüssel hat uns da mit einem Diktat in die Knie gezwungen.

Wenn Abgeordnete Sima hier aufzählt, was diese Regierung alles schlecht gemacht habe, dann muss ich sagen: Was hat die sozialdemokratische Regierung gerade im Zusammenhang mit der Verkehrsproblematik alles schlecht gemacht!

Wenn ich mir die Daten vor Augen halte und überlege, welche Maßnahmen diese Regierung allein im Infrastrukturbereich – man denke an die Schienenoffensive – setzt, dann muss ich sagen: Die Österreicher werden sich bei uns bedanken – und nicht bei den Sozialdemokraten für die von ihnen in der Vergangenheit betriebene Politik! (Bei­fall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Die Fehler der Vergangenheit sind innerhalb kurzer Zeit nicht zu reparieren – das wissen wir. Wir bemühen uns und haben es auf die Schiene gebracht, dass in Zukunft ein Infrastrukturpaket mit großem Inhalt – wobei zwei zu eins für die Schiene votiert wurde – umgesetzt wird.

Wir sollten nicht nur auf Österreich schauen, sondern müssen auch immer bedenken, dass die europäische Verkehrspolitik einen negativen Weg geht – wir wissen es. Mit


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der Zustimmung zur Osterweiterung – und diesbezüglich muss ich Sie auch beim Wort nehmen; die Tiroler und Tirolerinnen werden sich bei Ihnen bedanken! –, mit der Ost­erweiterung kommt es für uns zu diesem Zuwachs. Dieser ist nicht allein dadurch zu bekämpfen, dass man schimpft und kritisiert, sondern er ist nur durch einen nationalen Konsens, durch einen nationalen Kraftakt gegenüber Brüssel zu bekämpfen. Das muss man den Österreicherinnen und Österreichern einmal sagen.

Und nicht immer nur alles schlecht machen und nicht immer nur auf Österreich schauen! Wir sind ja ein Land, in dem der Tourismus gepflegt wird und wo wir daraus eine Wertschöpfung erzielen, und ich weiß nicht, was ein Deutscher oder ein Italiener denkt, wenn immer gesagt wird, bei uns in Österreich sei alles schlecht und die Ge­sundheit werde gefährdet. Ob er da noch zu uns auf Urlaub fahren wird? – Auch da ist also eine entsprechende Haltung Ihrerseits gefragt, nämlich dahin gehend, dass nicht immer alles nur negativ beurteilt wird. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeord­neten der ÖVP.)

Etwas, was diese Regierung auch geschafft hat, ist die Novellierung des IG-Luft. Zu­sammen mit Hubert Gorbach und mit dem Umweltminister haben wir da eine Novellie­rung umgesetzt, durch die die Landeshauptleute nicht nur in die Pflicht genommen, sondern auch mit Kompetenz ausgestattet werden. Man schaue sich nur an, was sie alleine mit dem IG-Luft, das für den dauerhaften Schutz der Menschen, der Gesund­heit, der Pflanzen, der Umwelt gemacht worden ist, alles machen können! Es ist so, dass es sehr wohl möglich ist, im Verkehr Maßnahmen zu setzen, seien es zeitliche oder räumliche Beschränkungen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen; auch Fahr­verbote oder Verwendungsverbote für bestimmte Brennstoffe könnten verordnet wer­den. – Da sind die Landeshauptleute gefragt, ihre Hausaufgaben zu machen und das auch in ihrem Bundesland zu vertreten.

Die Rahmenbedingungen für den Schutz unserer Menschen hat der Bund geschaffen. Jetzt sind die Länder gefragt, auch dort helfend zu wirken. Verkehrsminister Hubert Gorbach hat seine Hausaufgaben gemacht. Nun liegt es wirklich in der Verantwortung aller, das umzusetzen. Ich glaube, da sind wir auf dem besten Weg. (Beifall bei den Freiheitlichen sowie des Abg. Prinz.)

Natürlich ist es so, dass die Kosten des Verkehrs beziehungsweise die Kostenwahrheit Fragen sind, die in der Zukunft einen hohen Stellenwert haben werden. An dieser Stelle möchte ich gerade den für das Road-Pricing, das wir umgesetzt haben, Verant­wortlichen ein besonderes Lob aussprechen.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Den Schlusssatz, Herr Kollege!

 


Abgeordneter Klaus Wittauer (fortsetzend): Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb zum Problem der Maut in Österreich – und das sollten sich die Österreicher und all jene, die hier zuhören, anhören –: 

„Beschämt und neidisch blickt Deutschland auf Österreich. Hätte doch nur auch dies­mal Franz Grillparzers Sinnspruch zugetroffen, Österreich sei ,eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält’ ...“ – Das ist die Antwort dieser Regierung auf die Verkehrs­problematik.

Andere Länder schauen auf uns, auf das, was wir machen! Wir brauchen daher nicht nach Deutschland zu schauen, wo eine rot-grüne Regierung dabei ist, einen Fehler nach dem anderen zu begehen – sei es in steuerlicher Hinsicht, sei es in der Verkehrs­politik oder sei es betreffend die Position, die sie in Brüssel für die Menschen einnimmt.

10.08

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Kollege, Ihre Redezeit ist schon lange abgelaufen. Sie sind nicht mehr am Wort.


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(Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP für den das Rednerpult verlassenden Abg. Wittauer.)

Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Rest-Hinterseer. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


10.09

Abgeordnete Heidemarie Rest-Hinterseer (Grüne): Herr Präsident! Herr Staatssek­retär! Geschätzte Mitglieder des Hohen Hauses! Herr Kollege Wittauer, mit Sprüchen aus dem Poesiealbum werden wir leider die Zukunft nicht meistern können – aber Sie werden vermutlich ohnedies nicht dabei sein. (Beifall bei den Grünen.)

„Kommt die Umwelt unter die Räder?“, so heißt unser Thema, weil diese Regierung Umwelt und Gesundheit nicht besonders fördert. Die Verkehrspolitik ist dafür ein be­sonders krasses Beispiel.

Nehmen wir das Beispiel der Tauern Autobahn, die Vorgangsweise im Zusammenhang mit der Errichtung der zweiten Röhren von Katschberg- und Tauern-Tunnel (Abg. Wattaul: Die Sozialdemokratie hat versagt!): Schon vor zehn Jahren sollten sie gebaut werden, aber die Anrainer haben massive Verkehrsbelastungen befürchtet und haben sich dagegen zur Wehr gesetzt. Sie haben dann einen Arbeitskreis in Zederhaus ge­gründet, damit sie auch in die Verhandlungen mit der ÖSAG eingebunden werden. Es stimmt nämlich nicht, dass die ÖSAG von sich aus den Kontakt zur Bevölkerung gesucht hat.

Später ist es dann sogar zur Gründung eines Transitforums von ÖVP-Bürgermeistern der Anrainergemeinden gekommen, weil auch diese gemerkt haben, dass sie offen­sichtlich nicht vertreten werden. (Abg. Wattaul: Sagen Sie das eh dem Herrn Einem, denn der war da verantwortlich!)

Die ÖVP hat gemeinsam mit den anderen Fraktionen in Salzburg eine verbindliche UVP-Prüfung gefordert, und die ÖSAG hat sich interessanterweise auch schon darauf vorbereitet, da sie selbst nach ihren Prognosen nach der vollzogenen EU-Erweiterung davon ausgegangen ist, dass sich die Verkehrsbelastung von 15 000 auf 40 000 Fahr­zeuge, PKW pro 24 Stunden erhöhen wird, bei Urlauber-Wochenendverkehr sogar von 40 000 auf 80 000 Fahrzeuge. Das ist das, was die Menschen im Zederhaustal zu er­warten haben, und deswegen sind sie auch so zornig. Das kann man verstehen. (Bei­fall bei den Grünen.)

Im Mai 2003 hat sich der Arbeitskreis in Zederhaus aufgelöst, weil die Ergebnisse so unbefriedigend waren. Es gibt noch ein Forderungspapier des Zederhauser Arbeits­kreises, das bis heute nicht erfüllt ist. Schausberger sagte dazu am 26. März letzten Jahres im Salzburger Landtag: 

„... wir bemühen uns weiter am Verhandlungstisch ... Das kann nur der Generationen­vertrag sein, von dem wir reden, wo ganz klar festgelegt wird, in welcher Zeit welche Maßnahmen wie finanziert werden. Das ist ein Vertrag, der zwischen“ allen Beteiligten „unterschrieben werden muss ...“

Allein: Es gibt ihn nicht, diesen Vertrag, von dem schon viele Bürgermeister und An­rainerInnen annehmen, er sei unterschrieben!

Herr Minister Gorbach – Sie sind zwar nicht mehr da, aber vielleicht lesen Sie dann im Protokoll nach –, Sie streuen den Leuten Sand in die Augen – oder soll ich lieber sagen: Frostkoffer? –, wenn Sie behaupten, dass das Jahr des Schienenausbaues ge­kommen ist! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Frostkoffer ... sieben Zentimeter groß!) – Ja, eben, das ist ganz schlimm für die Augen, Herr Kollege Scheuch. Das glaube ich auch!

Im Zusammenhang mit dem Wachstumspaket, das vor kurzem von der Bundesregie­rung verkündet worden ist, wurde nämlich das Jahr 2004 zum „Jahr des Straßenbaues“


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erkoren. Das Jahr 2004 soll das Jahr des Straßenbaues werden, also: weniger Mittel für Schienenausbau (ironische Heiterkeit des Abg. Dipl.-Ing. Scheuch), mehr Mittel für Straßenbau! (Abg. Miedl: Das stimmt ganz einfach nicht, Frau Kollegin! Mehr als je zuvor ...!) Wie werden Sie das den leidgeprüften Anrainern im Zederhaustal erklären, Herr Kollege Miedl? Wie werden Sie das denen erklären? (Abg. Miedl: Das ist doch falsch! – 1,2 Milliarden jährlich für ...!)

Nach Berechnungen ist zu befürchten, dass sich der Neubau der zweiten Tunnelröhren auch wirtschaftlich nicht rechnet. Da gibt es Berechnungen, die die Wirtschaftspartei ÖVP aber nicht berücksichtigt – sie weiß es offensichtlich besser –, wonach die Mehr­kosten für die zweiten Tunnelröhren erst in 100 Jahren getilgt werden, es sei denn, man will mehr LKWs in die Täler bringen und damit höhere Erlöse einfahren. (Abg. Miedl: Wer hat da Interesse daran? Das stimmt doch nicht!)

Es ist ein unwürdiges Schauspiel, meine Damen und Herren, das wir hier erleben. Der Ausbau der Tauern Autobahn mit neuen Tunnels sei, so die Meinung des Ministers Gorbach, nach dem neuen UVP-Gesetz nicht UVP-pflichtig. Der ÖVP-Landeshaupt­mann will sich seine Beschwerde gegen diese Rechtsansicht allerdings gegen eine Handvoll Silberlinge abkaufen lassen. (Abg. Wattaul: „Silberlinge“?) – Ja, was ist jetzt? Ist das jetzt UVP-pflichtig oder nicht? Millionen gegen geltende Gesetze? Unverbind­liche Zusagen gegen verbrieftes Recht?

Österreich verfügt bereits jetzt über das zweitdichteste Autobahnnetz in der EU. (Abg. Wattaul: Geh, hör auf!) Gleichzeitig geht der Schienenausbau zurück. – Das wird für Sie ganz neu sein, Herr Wattaul, aber es ist so! (Abg. Wattaul: Nur weil man ein paar Lastwagen gesehen hat, hat man noch keine Ahnung von der Verkehrspolitik!) – Be­reits ausverhandelte Trassenführungen der Bahn, für die es einen begleitenden Media­tionsprozess gegeben hat, wie im Gasteinertal, sind mit Ihrem FPÖ-Minister in der Ver­senkung verschwunden, und so ist das jetzt schon öfter gegangen. Die Leute haben einfach das Vertrauen in die Zusagen von Landeshauptleuten und Ministern verloren.

Der Bürgermeister von St. Michael weiß zum Beispiel nichts von ausverhandelten Lärmschutzmaßnahmen, ist in den „Salzburger Nachrichten“ zu lesen. (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.) Wir fahren in eine Sackgasse (ironische Heiterkeit und Zwischenruf des Abg. Wattaul), und die derzeitige Regierung gibt ordentlich Gas. Sie bewegt sich dabei außerhalb bestehender Vorschriften.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Den Schlusssatz, Frau Kollegin!

 


Abgeordnete Heidemarie Rest-Hinterseer (fortsetzend): Was ich jetzt Herrn Mainoni noch gerne mit auf den Weg geben möchte, weil er sich so „qualifiziert“ über Probleme von Asylwerbern äußert, ist ein weiteres indianisches Sprichwort für den heutigen Tag, welches lautet:

Drei Monde in den Mokassins von jemand anderem gewandert zu sein ermöglicht erst, über die Situation von Asylwerbern zu sprechen.

Also wandeln Sie einmal in den Mokassins eines Asylwerbers! – Danke. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Wattaul: Ich glaube, ihr tut zu viel ...!)

10.14

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zum Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.


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Einlauf und Zuweisungen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

1. Schriftliche Anfragen: 1317/J bis 1338/J.

2. Anfragebeantwortungen: 1088/AB bis 1165/AB.

3. Regierungsvorlagen:

Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz, mit dem ein Fonds zur Finanzierung der In-vitro-Fertilisation eingerichtet wird, geändert wird (IVF-Fonds-Gesetz-Novelle 2004) (369 d.B.),

Bundesgesetz über die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit den Mitgliedstaa­ten der Europäischen Union (EU-JZG) (370 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem ein Gesetz über die Errichtung der Buchhaltungsagentur des Bundes (Buchhaltungsagenturgesetz – BHAG-G) erlassen sowie das Bundeshaus­haltsgesetz und das Bundesfinanzgesetz 2004 (BFG 2004) geändert werden (381 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Arzneimittelgesetz, das Bundesgesetz über Krankenan­stalten und Kuranstalten, das Arzneiwareneinfuhrgesetz 2002 und das Bundesgesetz über die Errichtung eines Fonds „Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheits­wesen“ geändert werden (384 d.B.),

Bundesgesetz über die Universität für Weiterbildung Krems (DUK-Gesetz 2004) (385 d.B.).

B. Zuweisungen in dieser Sitzung:

a) zur Vorberatung:

Finanzausschuss:

Abkommen zwischen der Republik Österreich und den Vereinigten Arabischen Emira­ten auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen samt Protokoll (352 d.B.);

Ausschuss für Wissenschaft und Forschung:

Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und dem Ministerkabinett der Ukraine über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik (371 d.B.),

Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und dem Land Niederöster­reich über den Ausbau des Universitätszentrums für Weiterbildung (Donau-Universität Krems) samt Anlage (386 d.B.);

b) zur Enderledigung im Sinne des § 28b GOG (vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Ausschusses):

Außenpolitischer Ausschuss:

Bericht der Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten betreffend Fortschrei­bung des Dreijahresprogramms der Österreichischen Entwicklungspolitik 2004 bis 2006 (III-69 d.B.).


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C. Verlangen gemäß § 32e Abs. 2 GOG:

Verlangen der Abgeordneten Dr. Günther Kräuter, Kolleginnen und Kollegen auf Prü­fung der Förderungsvergaben im Agrarwesen hinsichtlich ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Wirkung seit 01.01.2000, insbesonders unter Berücksichtigung der Nichtinanspruchnahme der Möglichkeit der Einführung der Modulation durch den öster­reichischen Landwirtschaftsminister sowie der Entscheidung hinsichtlich der Verteilung der Milchkontingente im Jahr 2003 (Eingelangt am 14. Jänner 2004).

*****

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwortung 1006/AB

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich mit, dass das gemäß § 92 der Geschäftsordnung gestellte Verlangen vorliegt, eine kurze Debatte über die Beantwortung 1006/AB der Anfrage 971/J der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Aspekte des Ausschreibungsverfahrens und der Verwertungsentscheidung über die bundeseigenen Wohnbaugesellschaften durch den Herrn Bundesminister für Finanzen abzuhalten.

Diese kurze Debatte findet nach Erledigung der Tagesordnung, jedoch spätestens um 15 Uhr statt.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Es ist vorgeschlagen, die Debatte über die Punkte 5 bis 15 der Tagesordnung zusammenzufassen.

Wird dagegen eine Einwendung erhoben? – Dies ist nicht der Fall.

Wir gehen in die Tagesordnung ein.

Redezeitbeschränkung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über die Dauer und Gestaltung der Debatten der Tagesordnung erzielt. Demgemäß wurde eine Tagesblockzeit von 9 „Wiener Stunden“ vereinbart, aus der sich folgende Redezeiten ergeben: ÖVP und SPÖ je 158 Minuten, Freiheitliche 108 Minuten, Grüne 117 Minuten.

Weiters wurde folgende Redezeitvereinbarung für die Debatte bis 13 Uhr, die vom Ös­terreichischen Rundfunk übertragen wird, getroffen: Es erfolgt zunächst die Erklärung des Bundeskanzlers mit 20 Minuten, gefolgt von der Erklärung des Vizekanzlers mit 15 Minuten. Anschließend in der gemeinsamen Debatte kommen die ersten beiden Redner jeder Fraktion gemeinsam mit nicht mehr als 20 Minuten, jedoch einzeln mit nicht mehr als 15 Minuten zu Wort. Es folgen allfällige Repliken des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers zu je 5 Minuten, sodann je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 5 Minuten und schließlich wiederum je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 5 Minuten.

Die restliche Redezeit bis 13 Uhr wird vom vorsitzführenden Präsidenten vor Beginn der letzten Runde auf die vier Fraktionen in der Weise verteilt, dass alle Fraktionen gleichmäßig zu Wort kommen.

Weiters besteht Einvernehmen darüber, dass tatsächliche Berichtigungen erst nach 13 Uhr aufgerufen werden.


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Über diese Vereinbarung entscheidet das Hohe Haus. Wir kommen daher sogleich zur Abstimmung.

Wer damit einverstanden ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig beschlossen. Wir gehen daher so vor.

1. Punkt

Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers gemäß § 19 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Nationalrates zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen zum 1. Punkt der Tagesordnung.

Ich erteile dem Herrn Bundeskanzler zur Abgabe seiner Erklärung das Wort.

 


10.18

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel: Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Herr Präsident! Ich danke sehr, dass Sie mir zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“ das Wort erteilt haben.

Meine Damen und Herren! Als wir im Jahr 2000 die Regierungsverantwortung über­nommen haben, haben wir den Österreicherinnen und Österreichern versprochen, das Budget zu sanieren und in Österreich die Reformen durchzuführen, die notwendig sind, um Österreich zukunftssicher zu machen. Und wir haben im Regierungspro­gramm 2003 versprochen, dass wir die Steuer- und Abgabenlast senken und die Steuerzahler entlasten werden. – Beides haben wir versprochen und beides haben wir gehalten. Unsere Politik hat uns sprichwörtlich nach vorne gebracht! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir liegen heute, im Jahr 2004, bereits ein Prozent unter der Abgabenbelastung des Jahres 1999, und wir werden mit der Steuerreform 2005, mit der zweiten Etappe, zwei Prozent unter der Belastung des Jahres 1999 liegen, also jener Zeit, in der ein sozial­demokratischer Bundeskanzler und ein sozialdemokratischer Finanzminister das Sagen hatten. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Lagen wir im Jahr 2000 beim Budgetdefizit auf Platz 14 von 15 EU-Mitgliedsländern – vor Portugal waren wir das zweitschlechteste Land –, so haben wir heute mehr als die Hälfte der EU-Mitglieder überholt, acht Plätze gutgemacht und liegen heute auf Platz 6. – Wir haben in kurzer Zeit viel erreicht! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen.)

Ich möchte daher heute an dieser Stelle – weil es sich gehört und weil es auch wirklich sein Erfolg ist – Karl-Heinz Grasser und seinem Staatssekretär Alfred Finz ein herz­liches Dankeschön für diese großartige Leistung, Budgetdefizit und Abgabenlast zu senken, aussprechen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abgeordnete der Grünen halten eine Tafel in die Höhe, auf der untereinander die Wörter „Korruption“, „Hinterziehung“ und „Geschenkannahme“ – mit einem gemeinsamen Fragezeichen versehen – zu lesen sind.)

Meine Damen und Herren! Lieber Abgeordneter Pilz, hören Sie sich ruhig die Erfolgs­bilanz von Karl-Heinz Grasser an; sie ist besser als Ihr Transparent, das Sie hier hoch gehalten haben! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Mit einem gesunden und stabilen Budget haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dass wir investieren können, dass das Wachstum angekurbelt wird. Das war sehr wich­tig. Drei Jahre lang gab es eine weltweit schlechte Konjunkturlage, wir haben diese eigentlich ganz gut überstanden. Wir haben den Spielraum, den ein kleines, internatio-


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nal sehr verwobenes und verflochtenes Land wie Österreich hat, ausgenützt, und wir haben rechtzeitig und vorausschauend gehandelt.

Ende 2000 haben die Wirtschaftsforscher die Prognosen für die kommenden Jahre deutlich nach unten revidiert, und wir haben sofort reagiert. Nach dem 11. September 2001 kam das erste Wachstumspaket. Zu einem Zeitpunkt, als in jenem Quartal das Wirtschaftswachstum zum ersten Mal auf null gesunken ist, kam das erste Wachstums­paket dieser Bundesregierung. Immerhin beachtlich war folgender Umstand: In den nächsten zwei Quartalen ist das Wachstum auf 0,7 und 0,9 Prozent angestiegen. Die Prognose der Notenbank für 2002 war 0,9 Prozent, tatsächlich haben wir durch das erste Wachstumspaket ein halbes Prozent mehr Wirtschaftswachstum erreicht. Ich glaube, das war eine ganz beeindruckende Leistung in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Dann kam im Jahr 2002, in dem wir eigentlich vorgehabt hätten, eine Steuerentlastung vorzunehmen, die Hochwasserkatastrophe – sie ist heute schon vergessen, aber ich möchte sie in Erinnerung rufen –, die uns enorme Schäden in Milliardenhöhe gebracht hat. Wir haben damals die Steuersenkung für alle zurückgestellt zu Gunsten einer wirk­lichen Hilfe für jene Hunderttausenden Österreicher, die von dieser Hochwasserkata­strophe betroffen waren. Und es hat gewirkt! Das Wachstumspaket II wurde im Sep­tember 2002 dem Ministerrat vorgelegt. Es hat nachhaltig geholfen, das Wirtschafts­wachstum zu stabilisieren und uns für das Jahr 2003 immerhin ein halbes bis ein dreiviertel Prozent an zusätzlichem Wachstum zu bringen. Das wurde immerhin vom unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut bestätigt.

Wir haben daher rechtzeitig, vorausschauend und richtig gehandelt, meine Damen und Herren! Unsere Wirtschaftspolitik hat sich bewährt. Sie hat Österreich in schwierigen Zeiten Wachstum gebracht, was in anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich und der Schweiz nicht gelungen ist.

Mit den Ergebnissen des Wachstumspakets III wird sich insbesondere der Herr Vize­kanzler auseinander setzen, weil es vor allem seine Handschrift hinsichtlich Forschung und Infrastruktur trägt. Mein Thema ist ein anderes.

Wir sind mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen in einer guten Situation. Österreich hat ein doppelt so hohes Wachstum wie alle anderen Länder in der Europäischen Union zusammen. Die österreichische Arbeitslosenrate ist halb so hoch wie jene der EU, und unser Budgetdefizit beträgt in etwa ein Drittel des Europadurchschnittes. Ich glaube, mit dieser Bilanz kann sich Österreich weltweit sehen lassen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Das, was mir wichtig ist, ist Folgendes: Wir haben gezeigt, dass man gute Wirtschafts­politik auch mit einer guten Sozialpolitik kombinieren kann. Denken Sie nur an die spektakulären Beschlüsse rund um die neue Mitarbeitervorsorge, wobei die alte unge­rechte Abfertigung so umgebaut wurde, dass nun alle Arbeitnehmer davon profitieren! Heute können wir den Erfolg sehen: 850 000 Arbeitnehmer sind in diesem neuen System. Ich sage auch ganz offen und ausdrücklich meinen Dank an die Sozialpartner, dass sie bei diesem wichtigen Schritt mit uns mitgegangen sind. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Genauso wichtig war aber der zweite sozialpolitische Schritt, nämlich die Zukunftsvor­sorge für jeden. In diesem Fall sind die SPÖ und die Sozialpartner leider nicht mitge­gangen. Aber auch dieses Modell war und ist ein ganz großer Erfolg. Immerhin haben bisher 250 000 Österreicherinnen und Österreicher dieses Angebot angenommen. Diese Vorsorgemodelle und natürlich auch die erfolgreiche Privatisierungspolitik haben den Kapitalmarkt in Österreich und den Börsenplatz in Wien deutlich gestärkt.


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Nehmen Sie die Fakten, ein weltweiter Vergleich: Seit dem Jahr 2000, als ich die Regierungsverantwortung übernommen habe, ist der österreichische Börsenindex, der ATX, um 62 Prozent gestiegen. Vier Jahre: 62 Prozent plus! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex ist im gleichen Zeitraum um 45 Prozent ge­sunken (Abg. Mag. Mainoni: Rot-Grün!), der Dow Jones hat sich seit dem Jahr 2000 nur um 2,4 Prozent erholt.

Meine Damen und Herren! Diese Fakten machen uns sicher! (Abg. Heinzl: Die Arbeits­losen sind ...!) Die Politik der Budgetsanierung, die finanzielle Stabilität, die Absiche­rung der Finanzen für unser Sozial- und Gesundheitssystem, die Pensionssicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Stärkung der privaten Vorsorge und die Wachstums­politik mit unseren Konjunkturprogrammen haben den Spielraum dafür geschaffen, dass wir Ihnen heute eine Steuersenkung vorstellen können, für die Vizekanzler Gorbach, Finanzminister Grasser und ich verantwortlich sind – eine Steuerreform, die finanzierbar und nachhaltig ist.

Es ist dies die größte Entlastung für die Steuerzahler in der Geschichte der Zweiten Republik, und sie wird nicht durch Belastungen auf der anderen Seite gegenfinanziert. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Hohes Haus! Unsere Steuerreform hilft den Familien, besonders den Alleinverdienern und den Alleinerziehern. Wir unterstützen damit 2,3 Millionen Familien, 900 000 Allein­verdiener – darunter sind immerhin 100 000 Alleinerzieherinnen, die besonders davon profitieren werden. Unsere Steuerreform führt zu einem modernen, maßvollen Einkom­mensteuertarif, sie sichert den Wirtschaftsstandort Österreich und damit Tausende Arbeitsplätze. Sie unterstützt 690 000 Pendler, hilft vor allem den Beziehern kleiner Einkommen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Bauern.

Machen wir es gleich konkret, denn die Zuschauer vor den Fernsehschirmen wollen wissen, was das für sie bedeutet!

Erstes Beispiel: Eine allein erziehende Mutter mit zwei Kindern verdient brutto 800 € im Monat. Sie hat bisher schon keine Lohnsteuer bezahlt und 474 € Negativsteuer als Zuschuss erhalten. Mit unserer Reform wird diese Alleinerzieherin durch den Kinderzu­schlag konkret 779 € zusätzlich ausbezahlt bekommen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Mag. Trunk: 800 € sind existenzsichernd?!)

Zweites Beispiel: Ein Pensionist mit einer durchschnittlichen Alterspension von etwa 900 € im Monat bezahlt jetzt 40 € Einkommensteuer im Jahr, in Zukunft beträgt die Ersparnis 481,76 €. Das ist im Jahr ganz konkret ein Vorteil für diesen Pensionisten mit einer durchschnittlichen Pension. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Drittes Beispiel – weil immer behauptet wird, die kleinen, die mittelständischen Unter­nehmer profitierten nicht –, ich nehme ganz bewusst ein mittelständisches Beispiel: Ein typischer kleiner Unternehmer hat seinen Betrieb in Form einer Kapitalgesellschaft, einer GesmbH, organisiert, zum Beispiel ein Elektrohändler mit sieben Arbeitnehmern und einem Lehrling. Er hat einen Gewinn von rund 20 000 € im Jahr. Er wird im Jahr 2005 (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter) – Herr Steuerberater – eine KöSt-Senkung von 1 800 € erfahren. Das ist eine wirkliche Hilfe für diesen Mittelständler. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Viertes Beispiel – weil gesagt wird, es gebe einen Unterschied von Kapitalgesellschaft zu Personengesellschaft –: Ein Unternehmer, ein Installateur mit acht Arbeitnehmern, also kein großer, sondern ein typischer Mittelständler an der Ecke, mit einem Meister, einem Lehrling und einem Techniker, hat einen Gewinn von 45 000 € im Jahr. Kluger­weise lässt er ein Drittel seines Gewinnes im Betrieb und stärkt damit das Eigenkapital


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und den Betrieb. Seine Entlastung wird im Jahr 5 773 € ausmachen. Das ist eine wirk­liche Hilfe für die Stärkung dieses Betriebes und die Arbeitsplätze! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Lieber Fritz Grillitsch! Wir wollen die Bauern nicht vergessen. Ein Landwirt mit einer Ackerfläche von 20 Hektar, mit fünf Hektar Wiese und 18 Hektar Wald hat einen Dieselverbrauch – er muss viel unterwegs sein – von 2 500 Litern im Jahr; das ist nicht so wahnsinnig viel. Er wird durch die Einführung des Agrardiesels um immerhin 500 € im Jahr entlastet. Das ist nicht schlecht, das ist eine wirkliche Hilfe. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Mit einem Volumen von 3 Milliarden € ist das für die Jahre 2004 und 2005 die größte Steuerreform der Geschichte, auch wenn Sie von der Opposition das nicht so gerne hören!

Die Fakten – darüber braucht man nicht zu streiten – sind Folgende: Die berühmte und gute Lacina/Ditz-Reform hat im Jahr 1994 pro Kopf der Steuerzahler eine Tarifent­lastung von 250 € gebracht. (Abg. Brosz: Ein Supervergleich in absoluten Zahlen! „Großartig“!) Die Edlinger-Reform im Jahr 1999, fünf Jahre später, hat 350 € pro Kopf gebracht. Die Grasser/Finz-Reform 2004 und 2005 bringt 500 € pro Kopf. Der Ver­gleich macht uns sicher, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

Lassen Sie mich hier auch ganz offen sagen: Diese Steuerreform hat nicht nur einen Entlastungseffekt, denn klarerweise bezahlt jeder lieber weniger Steuern als mehr, sondern es geht letztlich wirtschafts- und standortpolitisch immer um die Arbeitsplätze. Jetzt sage ich Ihnen etwas, was mir sehr wichtig ist: Wir wollen mit dieser Steuerreform den Aufschwung und die Arbeitsplätze sichern! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeord­neten der Freiheitlichen.)

Ich war gestern in der Steiermark, in Schladming bei diesem gigantischen Nachtslalom, den noch dazu Benni Raich, ein Österreicher, gewonnen hat. Ich habe dort den Chef von Magna, Sigi Wolf, getroffen. Und Sigi Wolf hat mir gestern etwas sehr Wichtiges gesagt: Durch diese Steuerreform, durch diese Steuersenkung wird allein Magna in der Steiermark noch heuer 1 000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Nähe von Gleisdorf schaffen. Das ist die Wirkung dieser Reform! (Lebhafter Beifall bei der ÖVP und Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Einem.) – Herr Abgeordneter Einem! Entschuldigen Sie, das sind doch die Botschaften, die benötigt werden: Hoff­nung für die Menschen!

Ich habe heute in der Früh mit einem nicht ganz unbekannten Wirtschaftsführer telefo­niert, nämlich mit Wolfgang Eder, dem Generaldirektor der Voest. Ich habe ihn gefragt, wie sich diese Reform etwa auf den Standort Linz auswirken wird. (Ruf bei der SPÖ: Gar nicht!) Seine konkrete Antwort – ich darf das hier mit seiner Erlaubnis sagen – war: Die voestalpine, ein Schlüssel-, ein Leitbetrieb für Österreich, wird in der nächsten Zeit am Standort Linz 550 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. – Danke, Wolfgang Eder! Danke, Voest! (Lebhafter Beifall und Bravorufe bei der ÖVP sowie Beifall bei den Frei­heitlichen.)

Das zeigt natürlich, dass diese Steuersenkung nicht nur jedem Einzelnen etwas bringt, sie bringt auch volkswirtschaftlich etwas. Und das unabhängige Wirtschaftsforschungs­institut hat gestern eine Studie über die Auswirkungen dieser Steuersenkung vorgelegt. Dabei ist herausgekommen ... (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.) – Sie hören das nicht gerne, ich weiß, aber die Zuseher hören es und damit die Öffentlichkeit, und das ist wichtig, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)


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Durch diese Steuersenkung wird im nächsten Jahr ein zusätzliches Wirtschaftswachs­tum von 0,4 Prozent (Abg. Dr. Matznetter: Warum erst nächstes Jahr?) und 2006 ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von einem halben Prozent erwartet. Das heißt ganz konkret 4 000 bis 5 000 zusätzliche Jobs, langfristig sogar 12 000 Jobs! Das ist wichtig! Das ist die Botschaft für Sie zu Hause an den TV-Schirmen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Die Arbeit für Österreich, die von dieser Bundesregierung geleistet wurde, war ganz konkret Folgende: Wir haben Österreich hinsichtlich des Budgetdefizits vom vorletzten Platz weggebracht und sind weit nach vorne gekommen. Wir liegen in der Abgaben­belastung unter jener zur Zeit, als die Sozialdemokraten das Sagen hatten. Wir machen die Steuerbelastung für jeden Österreicher konkret niedriger. Und auch bei der bürgernahen und modernen Verwaltung, beim E-Government hat sich Österreich deutlich nach vorne katapultiert. Wir haben innerhalb eines Jahres sieben Plätze gut gemacht. Wir sind bereits auf Platz 4 vorgerückt. Bei den Wettbewerbsdaten lagen wir im Vergleich mit den anderen EU-Ländern im Jahr 2000 auf Platz 9. Heute liegen wir nach dem Bericht der Kommission auf Platz 3, haben also einen Stockerlplatz. Ich freue mich sehr, dass Österreich diesen Sprung gemacht hat. (Beifall bei der ÖVP.)

Diesen Erfolgsweg gehen wir mit der Steuerreform weiter. (Abg. Mag. Kogler: Das ist unwahr!) Meine Damen und Herren! Österreich ist ein guter Platz zum Investieren. Ös­terreich ist ein guter Platz zum Arbeiten. Österreich ist ein guter Platz zum Leben. Wir arbeiten dafür, dass es so bleibt. (Lang anhaltender Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

10.35

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich danke dem Herrn Bundeskanzler für seine Ausfüh­rungen und erteile nunmehr dem Herrn Vizekanzler das Wort. 15 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


10.36

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach: Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Geschätzte Zuse­herinnen und Zuseher zu Hause! Das Jahr 2004 hat mit dem 1. Jänner gut begonnen, weil damit die erste Etappe der Steuerreform 2004/2005 in Kraft gesetzt wurde. Das Jahr 2004 hat auch deshalb gut begonnen und ist gut weitergegangen, weil sich schon wenige Tage danach diese dynamische Bundesregierung geeinigt hat, was die zweite große Etappe dieser Steuerreform betrifft, nämlich zum Wohle der Bevölkerung, vor allem zum Wohle der Familien und, wie wir schon gehört haben, auch zum Wohle der Standortsicherung und damit zum Wohle der Arbeitsplatzschaffung und Arbeitsplatzsi­cherung. Das war uns ganz, ganz wichtig! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich zu Beginn auch ein Zitat bringen, aber nicht eines berühmten Mannes, sondern eines guten, erfolgreichen österreichischen Unternehmers! Es stammt vom Vorsitzenden des ÖIAG-Aufsichtsrates und bekannten Unternehmer Alfred Heinzel, der mir kurz nach dieser Einigung, was die Eckpunkte der Steuerreform 2005 betrifft, einen Brief geschrieben hat. Ich habe seine Erlaubnis, daraus einen Satz zu zitieren, der sehr viel über die Treffsicherheit dieser Steuerreform aussagt: Als Unternehmer und Bürger darf ich zur Steuerreform gratulieren. Sie können davon ausgehen, dass ich motiviert bin, weiterhin in Österreich zu investie­ren. – Zitatende. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine geschätzten Damen und Herren! Was mich gefreut hat, als ich ihn heute gefragt habe – weil sich das gehört –, ob ich das auch zitieren darf (Abg. Heinzl: Haben Sie von Arbeitnehmern auch schon etwas gehört?), war, dass er mir noch zusätzlich ge­sagt hat, in der Auswirkung heiße das, dass er auf Grund dieser Reform der Bundes-


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regierung bereits den Beschluss gefasst hat, im Werk in Pöls in der Steiermark die Kapazität zu verdoppeln. 150 bis 200 Millionen € an Investitionen sind damit beschlos­sen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Scheibner: Bravo!)

Meine Damen und Herren! Mit der heuer zu beschließenden Steuerreform setzen wir die zweite Etappe der größten Steuerreform der Zweiten Republik und gestalten somit den österreichischen Wirtschaftsstandort attraktiver denn je zuvor. Lassen Sie mich die Ziele, die hinter dieser Reform stehen, wie folgt zusammenfassen: Das sind die Stär­kung des Wachstumspotentials, die Verbesserung der Standortattraktivität und die Ent­lastung des Faktors Arbeit. Auch das lässt sich mit den Maßnahmen von zuvor 650 Mil­lionen € erzielen. Dann kommen die Verbesserung der Eigenkapitalbasis insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, die Erhöhung der Kaufkraft, die Erhöhung der Steuergerechtigkeit und die Vereinfachung des Steuersystems. Das ist kein leichtes Unterfangen. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber sie ist uns gelungen, und zwar ohne Gegenfinanzierung. Und das ist auch etwas Besonderes, das einmal erwähnt gehört! (Neuerlicher Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Lassen Sie mich auch erwähnen, dass uns die Einkommensstärkung für Familien ein besonderes Anliegen war! Eine Vielzahl an Studien beweist und hat es ans Tageslicht gebracht, dass die armutsgefährdete Gruppe in Österreich besonders die 900 000 Al­leinverdiener und Alleinverdienerinnen sind, wovon wiederum 100 000 Alleinerzieher und -erzieherinnen sind. Wir haben deshalb auf diese Gruppe, um sie eben zu entlas­ten, besonderes Augenmerk gelegt.

In diesem Sinne haben wir die Kinderzuschläge zum Alleinverdiener- und Alleinerzie­herabsetzbetrag eingeführt. Da der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag zu einer Negativsteuer führen kann, erhöht sich für diese Zielgruppe auch die Negativ­steuer. Mit der Kinderzuschlagsstaffel – 130 € für das erste Kind, 175 € für das zweite Kind, 220 € für das dritte oder für jedes weitere Kind – und der Anhebung der Zuver­dienstgrenze von 4 400 € auf immerhin 6 000 € hat diese Regierung bewiesen, dass sie nicht nur eine Reformregierung ist, sondern auch eine Familienregierung, und das ist wichtig. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich brauche wohl kaum besonders zu betonen, dass gerade diese Maßnahme, nämlich die Anhebung der Zuverdienstgrenze, vor allem den Frauen zugute kommt, die be­kanntlich im Durchschnitt weniger verdienen und die insbesondere in die Gruppe der Alleinerzieher und Alleinerzieherinnen fallen.

Was das Tolle an dem Ganzen ist – es ist noch nicht genug –: Diese familienpoli­tischen Maßnahmen, die besonders den Frauen und den Familien zugute kommen, gelten bereits für das gesamte Jahr 2004. Ein gutes Jahr! (Beifall und Bravorufe bei den Freiheitlichen sowie Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Der Herr Bundeskanzler, dem ich bei dieser Gelegenheit auch einmal danken möchte für die wirklich zügige, jederzeit konstruktive und zielorien­tierte Verhandlungsweise in den letzten Wochen, hat schon darauf hingewiesen, dass unser Weg der richtige ist. Auch ich glaube, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen und gut daran getan haben, nicht via Medien zu diskutieren und uns gegenseitig auszurichten, was man will und was man vielleicht erreichen kann oder vielleicht auch nicht, sondern zielorientiert darauf zugesteuert zu haben, dass der Wirtschaftsstandort Österreich gestärkt wird, dass die Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden und dass vor allem auch eine Entlastung der unteren und mittleren Einkommens­schichten in etwa gleicher Größenordnung stattfindet – all das, wie gesagt, ohne Ge­genfinanzierung. Wir haben das rasch und zügig abgewickelt und am Beginn des neuen Jahres beschlossen, und ich bin eigentlich stolz darauf. (Beifall bei den Freiheit­lichen und der ÖVP.)


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Welche Auswirkungen das auf das Wirtschaftswachstum bezogen auf das BIP hat, das haben wir schon gehört; das wird auch vom Wifo bestätigt. Aber es ist trotzdem gut, wenn man sich diese Zahlen noch einmal vergegenwärtigt, weil sie zeigen, dass diese Regierung auch Weitblick hat, dass sie auch in schwierigen Lagen imstande ist, ohne Gegenfinanzierung und ohne Überschreitung bestimmter Defizitgrenzen solche Maß­nahmen zu setzen, dass sie handelt.

Österreich hatte im Jahre 2002 ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent aufzuweisen, die Euro-Zone eines von 0,9 Prozent, Frankreich eines von 1,2 Prozent, Italien eines von 0,4 Prozent, Deutschland eines von 0,2 Prozent. (Abg. Mag. Hans Moser: ... OECD!) Im Jahr 2003 waren es, wie wir gehört haben, in Österreich 0,9 Prozent, in der Euro-Zone 0,4 Prozent, in Frankreich 0,1 Prozent, in Italien 0,3 Prozent, in Deutschland 0,0 Prozent. (Abg. Mag. Hans Moser: ... in Dänemark und in Schweden!) Für das Jahr 2004 lautet die Prognose für Österreich 1,9 Prozent, für Frankreich 1,7 Prozent, für Italien 1,3 Prozent, für Deutschland 1,6 Prozent, für die Euro-Zone 1,9 Prozent. (Abg. Mag. Hans Moser: ... OECD!) Wir liegen also überall darüber, meine Damen und Herren, und auch ich sage angesichts dessen sehr gerne: Der Ver­gleich macht uns sicher! Wir machen so weiter!

Weil man die Details der zweiten, aber auch der ersten Etappe der Steuerreform schon diskutiert hat und kennt, darf ich auch darüber hinausschauen und die begleitenden Maßnahmen, die vorausschauend schon beschlossen und gesetzt wurden, erwähnen.

Es macht mich als Forschungsminister stolz, dass es uns in Österreich gerade jetzt, bei meinem Antreten, gelungen ist, den Forschungs- und Entwicklungsbeitrag, was die Forschungsquote zum BIP betrifft, so zu steigern, dass wir in Europa nun unter die Top 5 aller Innovationsländer kommen. Wir sind auf dem besten Wege dazu, indem wir folgende zwei Schwerpunkte setzen:

Erstens führen wir einen Strukturwandel durch, indem wir der Forschungs- und Förde­rungslandschaft in Österreich eine neue Struktur geben, das heißt, örtlich alles unter ein Dach bringen und damit Bürokratie und Verwaltung abbauen, mehr Transparenz schaffen und noch enger mit der Wirtschaft, die im Forschungsbereich tätig ist, und mit der Industrie, aber auch mit den Bundesländern zusammenarbeiten; das ist etwas, was mir sehr wichtig erscheint.

Der zweite Schwerpunkt ist vielleicht noch wichtiger, noch gravierender, nämlich der, auch die finanziellen Mittel in entsprechender Weise zur Verfügung zu stellen, und da kann ich meinem Regierungskollegen, Finanzminister Grasser, nur danken, der dafür großes Verständnis hatte. Er lässt sich gerne von Zahlen überzeugen, und er hat da auch zugestimmt beziehungsweise mitgemacht und zeichnet damit auch mitverant­wortlich. Damit hat er aber auch mit dazu beigetragen, dass Österreich – meine Damen und Herren, hören Sie zu! – in der mitteleuropäischen Zone mit Spanien und Portugal hinsichtlich der Rahmenbedingungen der Forschungsförderung an der Spitze liegt, also mit Nummer eins ist. Auch das macht mich stolz! (Beifall und Bravorufe bei den Frei­heitlichen sowie Beifall bei der ÖVP.)

Österreich hat insbesondere durch die Aktion 25/8, nämlich 25 Prozent Investitionsfrei­betrag – das ist eine enorme Erhöhung – und 8 Prozent Investitionsprämie, ein wirklich attraktives Anreizsystem für Forscher geschaffen. Es tat gut zu hören, und zwar aus dem Munde eines der bekannten Forscher, die aus der großen Welt, aus den USA, zurückgekommen sind, dass Österreich ein gutes Forschungsland ist, wie es gestern Dr. Penninger in einem Interview im Fernsehen gesagt hat. Er meinte aber, dass man dafür allerdings auch die entsprechende Infrastruktur – auch die Straße hat er er­wähnt – schaffen müsse. Amerika hat schon viel früher erkannt, dass für ein gutes For­schungsland auch eine gute Infrastruktur vonnöten ist, und die Straße gehört mit dazu.


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Ich habe mich gefreut, dass das eine Forschungskapazität wie Dr. Penninger gesagt hat.

Aber zurück zur Forschungslandschaft und zu den Rahmenbedingungen in Österreich: Wir haben dem attraktiven Anreizsystem noch eines draufgesetzt, indem wir die Aus­gaben für Forschung in den Jahren bis 2006 um nicht weniger als 1,2 Milliarden € zusätzlich erhöhen werden, und zwar im Rahmen der F&E-Offensive 600 Millionen €, dreimal 125 Millionen € im Rahmen der Nationalstiftung, davon 100 Millionen € fresh money, also neues Geld. Das sind 300 Millionen €. Dazu kommen dreimal 100 Millio­nen € für den Forschungsfreibetrag, 300 Millionen im Rahmen der Aktion 25/8.

Das sind 1,2 Milliarden €, und wenn man dieses Geld im wirtschaftsnahen Bereich rich­tig einsetzt und damit die Hebelwirkung erzielt, dann werden wir das von mir gesteckte beziehungsweise von uns mit betriebene Ziel hoffentlich erreichen, im Jahr 2006 eine Forschungsquote von 2,5 Prozent des BIP zu haben. Im Jahr 2010 sollen dies 3,0 Pro­zent sein. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

So ganz nebenbei gehört zu diesem Förderungsprogramm und zur Steuerreform natür­lich auch die Tatsache, dass wir neben dem angebotsseitigen Anreiz bezüglich Breit­bandzugänge auch eine nachfrageseitige Förderung schon beschlossen haben. Jetzt wird angebotsseitig auch noch eine Investition in der Höhe von 10 Millionen € getätigt, die durch die 10 Millionen € aus dem EU-Strukturförderungsprogramm und die 10 Mil­lionen € von Seiten der Länder 30 Millionen € ausmachen soll. Diese soll insbesondere in ländlichen Gebieten das schnelle Internet, die Breitbandinitiative unterstützen. Damit beweisen wir, dass wir nicht nur die Ballungsräume, sondern auch die ländlichen Ge­biete, wo viele Kleinunternehmer das brauchen – Ein-Mann-, Zwei-Mann-Betriebe –, im Auge haben, diese ebenfalls fördern wollen, also nicht vergessen.

Meine Damen und Herren! Die Bauinvestitionen haben wir im Zuge der interessanten Debatte in der Aktuellen Stunde heute schon behandelt. Es bleibt mir daher nur noch zu sagen, dass im Jahre 2003 in den Ausbau der Schiene 850 Millionen € investiert wurden – das ist so viel wie nie zuvor! –, in den Ausbau der Straße 1 Milliarde € – auch das ist so viel wie nie zuvor! –, und das Schönste an dem Ganzen ist, dass wir heuer, im Jahre 2004, mit insgesamt 2,1 Milliarden € eine Steigerung von 23 Prozent errei­chen werden, und zwar neben der Steuerreform und all den Maßnahmen wie der Sanierung des Budgets. – Das soll uns zuerst einmal jemand in Europa nachmachen! Österreich braucht den Vergleich nicht zu scheuen, sondern vielmehr macht er uns wirklich stolz, auch was den Investitionsbereich betrifft. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Geschätzte Damen und Herren! Ich habe in der Debatte im Rahmen der Aktuellen Stunde, die heute in der Früh stattgefunden hat, schon erwähnt, dass wir auch bemüht sind, internationale Zuschüsse zu bekommen, Kofinanzierungen für wichtige Infrastruk­turprojekte zu erreichen. Ich habe in diesem Zusammenhang die 12,27 Milliarden € er­wähnt, die für fünf Programme im Rahmen der so genannten Transeuropäischen Netze bewilligt worden sind. Das sind Investitionen, die sich auch auf den Wirtschaftsstandort Österreich und auf die Arbeitsplatzsituation in Österreich positiv auswirken werden.

Wir haben in letzter Zeit auch hier im Hohen Haus über die internationale Problematik, die natürlich auch an uns nicht vorbeigeht, diskutiert. Lassen Sie mich heute sagen, dass es Studien gibt, laut welchen jede Milliarde, die in einem Land in die Infrastruktur investiert wird, etwa 14 000 bis 18 000 neue Arbeitsplätze bringt. (Abg. Gradwohl: Warum investiert ihr dann nicht mehr?) Auch das ist zu berücksichtigen! So gesehen ist das eine weit blickende, gute Maßnahme, wenn man diese Investitionen erhöht und damit auch den Wirtschaftsstandort Österreich stärkt. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)


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Ich bin überzeugt davon, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und wenn Ihnen das der Verkehrsminister sagt, dann hat das besondere Bedeutung. (Heiterkeit und Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Seien Sie mir nicht böse, wenn ich abschließend wieder zitiere, und zwar einen amerikanischen Politiker, der zum Thema „Steuern“ einmal sehr trefflich sagte: Wir können die Besteuerung niemals populär, aber wir können sie fair machen! – Diese Bundesregierung ist dabei! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

10.51

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich danke dem Herrn Vizekanzler für seine Ausführun­gen.

Wir gehen nun in die Debatte über beide Erklärungen ein. Die Redezeit ist beschlossen und bekannt.

Zu Wort gemeldet ist als Erster Herr Abgeordneter Dr. Gusenbauer. Wunschredezeit: 12 Minuten. – Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

 


10.51

Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (SPÖ): Herr Präsident! Mitglieder der Bundes­regierung! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die lang versprochene Steuerre­form, zweimal verschoben, soll nun im Jahr 2005 Wirklichkeit werden, und man kann nach all dem, was hier präsentiert wurde, resümierend feststellen: Diese Steuerreform kommt zu spät (Abg. Steibl: Die SPÖ kommt zu spät! – weitere Zwischenrufe sowie ironische Heiterkeit bei der ÖVP), bringt zu wenig und ist eine vertane Chance für die österreichische Bevölkerung! (Beifall bei der SPÖ.)

In Zeiten des größten Wirtschaftseinbruches, wo es dringend notwendig gewesen wäre, die Einkommen zu stärken, wo es dringend notwendig gewesen wäre, die Inves­titionen zu erhöhen, hat die Bundesregierung immer gesagt: Wir können die Steuer­reform nicht machen, weil wir sie uns nicht leisten können! (Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.) Jetzt legt diese Bundesregierung eine Steuerreform vor und sagt: Der Vorteil dabei ist, dass es keine Gegenfinanzierung gibt!

Dazu möchte ich sagen: Dieser Vorteil wird nur von sehr kurzer Dauer sein, denn der Effekt einer Steuerreform ohne Gegenfinanzierung liegt auf der Hand, nämlich: Sie werden das Budgetdefizit ganz bewusst erhöhen! Daher gibt es keine wirtschaftliche Begründung für diese Steuerreform, sondern nur eine wahlpolitische Begründung. Doch das ist der falsche Weg, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

Nach den „wunderbaren“ Lobeshymnen, die wir uns vorhin von Ihnen haben anhören dürfen, sollten wir nun zu den Fakten kommen.

Der Herr Bundeskanzler hat uns erzählt, welche Unternehmungen jetzt großartig inves­tieren werden. (Bravoruf bei der ÖVP.) Nur ein Beispiel, damit man den Wahr­heitsgehalt seiner Aussage überprüfen kann: Die voestalpine hat vor vier Jahren ihr Investitionsprogramm „Voest 2010“ gestartet und hat Millionen und Abermillionen Euro investiert. Sie ist bereits bei der dritten Ausbaustufe ihrer Investitionen angelangt, und sie setzt die Investitionen, die sie vor vier Jahren begonnen hat, ganz konsequent fort. Auf Grund Ihrer Körperschaftsteuersenkung wird in Linz kein einziger Euro mehr inves­tiert werden. – Lügen Sie die Leute nicht dauernd an, Herr Bundeskanzler! (Lebhafter Beifall bei der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter Gusenbauer, der Vorwurf der Lüge wäre ein Grund für die Erteilung eines Ordnungsrufes. Ich nehme an, Sie wollen diesen Vorwurf zurücknehmen.

 



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Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (fortsetzend): Herr Präsident! Ich bin des­wegen über solch falsche Tatsachen so empört, weil der Vergleich sicher macht: Wenn all diese großartigen Investitionen stattfinden, wenn diese segensreiche Auswirkung auf den Arbeitsmarkt vorhanden ist, wie gibt es denn dann, dass wir im heurigen Jahr in Österreich den Höchststand an Arbeitslosen mit 330 000 Personen haben!? (Rufe bei der ÖVP: In Wien!) – Das ist der Skandal, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Andauernd über das Schicksal der Menschen hinwegzureden, andauernd die Fakten zu leugnen, mit falschen Zahlen die Realität zu verheimlichen, das ist keine ehrliche Auseinandersetzung und keine ehrliche Politik!

Weil Sie sich angesichts der Erfolge der vergangenen Jahre so preisen, muss ich Ihnen schon sagen: Die Wahrheit ist die, dass Österreich, was die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrifft, in der Europäischen Union von Platz vier auf Platz acht zurückgefallen ist. (Abg. Dr. Stummvoll: Machen Sie Österreich nicht schlecht!) Da gibt es keinen Grund für Selbstlob, sondern das wäre Anlass genug, endlich eine Trendumkehr in der Politik einzuleiten! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Die Wahrheit ist die, dass die Pensionserhöhungen zu Jahresbeginn dazu geführt haben, dass heute die Pensionisten weniger in der Tasche haben als im vergangenen Jahr, weil die 10 € von Ihnen nicht einmal ausgereicht haben, die erhöhten Kranken­versicherungsbeiträge abzudecken – ganz zu schweigen von einer Abgeltung der Infla­tionsrate. Doch Sie preisen das als eine großartige sozialpolitische Leistung!

Sie stellen sich heute her und sagen: Die Pensionskürzungen, die wir im vergangenen Jahr beschlossen haben, waren eine großartige sozialpolitische Leistung! Ich sage Ihnen: Sie stellen Millionen Österreicherinnen und Österreicher vor viele materielle und für viele Menschen unlösbare Probleme! Das ist das Ergebnis Ihrer Politik! (Beifall bei der SPÖ.)

Eine Steuerreform in dieser Zeit hätte den Faktor Arbeit entlasten müssen. (Abg. Murauer: Jetzt kommt das Programm!) Das wäre eine Steuerreform gewesen, die wirklich dazu geführt hätte, dass Beschäftigung gestärkt wird. (Abg. Dr. Rasinger: Leere Worte!) Aber bei dieser Ihrer Steuerreform wird der Faktor Arbeit mit keinem einzigen Euro entlastet, meine Damen und Herren, und 80 Prozent aller österreichi­schen Unternehmungen werden von dieser Steuerreform nichts haben!

Die Gewinner dieser Steuerreform wie der Herr Bartenstein oder wie der Herr Prinz­horn werden viel bei dieser Steuerreform gewinnen, aber den von Ihnen zitierten Instal­lateuren, Schneidern, Schustern und Handwerkern wird wenig bleiben. Daher ist diese Steuerreform ein Schritt in die falsche Richtung, sie ist zu teuer und bringt vielen viel zu wenig! (Beifall bei der SPÖ und bei den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Auch was die Familienförderung betrifft, rühmen Sie sich, weil jetzt der Alleinverdienerabsetzbetrag erhöht wird. Ich frage Sie: Gibt Ihnen der Umstand, dass trotz eines der großzügigsten Familienförderungssysteme der Welt die Geburtenrate in Österreich leider nicht nach oben geht, nicht einmal Anlass zur Über­legung? (Abg. Dr. Trinkl: Wie viel Kinder haben Sie?) Gibt Ihnen nicht zu denken, dass es trotz zusätzlicher finanzieller Anreize so ist? Weil es an einem ganz zentral fehlt: an genügend Kinderbetreuungseinrichtungen, damit Beruf und Familie miteinander zu ver­einbaren sind?

Sie hätten bei dieser Steuerreform, statt 250 Millionen € für den Alleinverdienerabsetz­betrag zu verwenden, 60 000 Kinderbetreuungsplätze in Österreich schaffen und nach­haltig finanzieren können. Das wäre ein bedeutend besserer Weg gewesen, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)


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Aber der schönste Satz des Herrn Vizekanzlers war, als er gesagt hat, der Herr Finanzminister Grasser ließe sich von Zahlen beeindrucken. Ich habe den Eindruck, dass er sich nur ganz leicht in seiner Formulierung geirrt hat, denn dieser Finanzminis­ter lässt sich nämlich wenig von Zahlen, sondern vielmehr von Zahlungen, und zwar von solchen an ihn selbst, beeindrucken. Auch das spiegelt sich in dieser Steuerreform wider! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen. – Abg. Dr. Fasslabend: Das war unter der Gürtellinie!)

Dass diejenigen, die die Sponsoren und Financiers seiner privaten Homepage sind, gleichzeitig die Hauptprofiteure dieser Steuerreform sind und dass der Herr General­sekretär der Industriellenvereinigung in der Öffentlichkeit sogar sagt: Na die Investition in die Homepage des Herrn Grasser hat sich wirklich rentiert!, zeigt deutlich, welche Gesinnung da dahinter steht. Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren: Diese Steuer­reform bringt vielen nichts, manchen wenig und wenigen sehr viel! – Das ist der falsche Weg einer Steuerreform! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grü­nen. – Abg. Dr. Trinkl: Sie haben das falsche Papier gelesen!)

Herr Abgeordneter Stummvoll hat in einem Interview auf einen wichtigen Punkt hinge­wiesen, als er gemeint hat, diese Steuerreform bringe den Leistungsträgern zu wenig. Ich habe mich gefragt: Was meint er damit? – Man braucht sich die Steuerreform nur anzusehen und wird feststellen, dass Herr Stummvoll gar nicht so Unrecht gehabt hat. Wenn nämlich durch diese Steuerreform die Progression in Österreich erhöht wird und daher jeder Arbeitnehmer, der eine zusätzliche Überstunde macht, in Zukunft bereits mehr als 50 Prozent an den Finanzminister abliefern muss, dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, muss man sagen, es ist nicht sehr motivierend für die Menschen, wenn sie für zusätzliches Einkommen immer mehr an den Finanzminister abliefern müssen. Es wäre besser gewesen, diese Progression zu mildern und nicht zu ver­schärfen. Das wäre der bessere Weg gewesen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

Man stellt sich überhaupt die Frage: Werden die Österreicherinnen und Österreicher in Zukunft die Rechnung für diese Steuerreform bezahlen – oder haben sie sie bereits bezahlt? Die Wahrheit ist, dass zumindest die Arbeitnehmer und Pensionisten in den letzten Jahren bedeutend mehr belastet wurden, als sie nun durch diese Steuerreform entlastet werden. Ich vermute, dass, nachdem die Rechnung offen bleibt und das Bud­getdefizit ansteigen wird, die Belastungen erst noch kommen werden. Wahrscheinlich wird diese Bundesregierung nach dem 13. Juni als Ausgleich für die Steuerreform Selbstbehalte im Gesundheitssystem verlangen, wird diese Bundesregierung weitere Einschnitte im Bildungsbereich vornehmen, wird diese Bundesregierung nach den Wahlen der Bevölkerung die Rechnung für diese Steuerreform präsentieren. (Abg. Rossmann: Sie verwechseln Österreich mit Deutschland, glaube ich!)

Meine Damen und Herren! Sie haben eine ganz große Chance versäumt, denn wenn man für eine Steuerreform so viel Geld in die Hand nimmt, dann sollten mehr Men­schen in unserem Land etwas davon haben (Abg. Dr. Fasslabend: Alle profitieren!), dann sollte der Faktor Arbeit entlastet werden, dann sollten wirklich wirtschaftliche Investitionen angereizt werden. Das, was Sie hier vorgelegt haben, ist nicht mehr und nicht weniger als eine plumpe Propagandaaktion vor den Landtagswahlen am 7. März. Die Bevölkerung merkt das und ist daher verstimmt. Eine Reihe von Untersuchungen hat gezeigt, dass der Bürger, die Bürgerin meint: Ich werde von dieser Steuerreform nichts haben, und höchstwahrscheinlich werden die Belastungen, die nachkommen, bedeutend höher sein als das, was die Steuerreform bringt. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)

Meine Damen und Herren! Der Wahltag wird der Zahltag sein, und die österreichische Bevölkerung wird Ihnen für diesen falschen Weg die Rechnung präsentieren. – Und


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das ist richtig so. (Lang anhaltender Beifall und Bravorufe bei der SPÖ sowie Beifall bei Abgeordneten der Grünen.)

11.03

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Molterer. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 12 Minuten; die ersten beiden Redner einer Fraktion haben zusammen bekanntlich 20 Minuten Redezeit. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Mag. Molterer begibt sich zum Rednerpult und platziert dort eine Tafel mit der Auf­schrift: „Weniger Steuern – Mehr Geld zum Leben – ÖVP“.)

 


11.04

Abgeordneter Mag. Wilhelm Molterer (ÖVP): Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Mitglieder der Bundesregierung! Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich habe relativ häufig – ich sage das ganz offen – Probleme mit dem, was ich in einer Wochenzeitschrift, in einem Wochenmagazin lese. Diese Woche hatte ich kein Problem, als ich in diesem Wochenmagazin als Überschrift zur Person von Dr. Alfred Gusenbauer gelesen habe: „Genosse Zick-Zack“.

Jawohl: Genosse Zick-Zack, Dr. Alfred Gusenbauer! – Die heutige Rede ist der Be­weis dafür – mit einer einzigen offenen Frage: ob Genosse Gusenbauer heute bei Zick oder bei Zack gewesen ist. (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Es ist jedenfalls ein Beweis dafür, Herr Gusenbauer, dass Sie Ihrem Ruf als Zick-Zack-Politiker der SPÖ tatsächlich gerecht werden.

Meine Damen und Herren! Diese Fakten, die die österreichische Wirtschaftspolitik be­stimmen, sind nicht wegzureden. (Abg. Silhavy: ... peinlich!) Faktum ist, dass diese Steuerentlastung mit einem Volumen von 3 Milliarden € die größte Steuerentlastung in der Zweiten Republik ist, eine Entlastung, die Arbeit und Wirtschaftsstandort Österreich sichert, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, eine angesehene deutsche Zeitung mit hohem Renommee vor allem in der Wirtschaftskompetenz (Abg. Gradwohl: ... des Kapitalis­mus!), schreibt am 12. Jänner: „Österreichs konservativer Regierung ist mit ihrem Ent­wurf zur Steuerreform ein großer Wurf gelungen.“ ÖVP und FPÖ setzen „mit ihren Ent­lastungsplänen die größte Entlastung seit“ 1945 „durch.“ – Zitat aus der „FAZ“; Aner­kennung von einer großen, renommierten deutschen Zeitung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Mit dem Wachstumspaket und dem Konjunkturpaket – das ist ebenfalls Faktum; die Zahlen sprechen für sich – werden insgesamt 4 Milliarden € bewegt: 3 Milliarden in der Steuerentlastung und 1 Milliarde für die Ankurbelung der Wirtschaft, für konjunktur- und forschungspolitische Maßnahmen.

Herr Dr. Gusenbauer, Sie haben hier heraußen behauptet, es geschehe nichts für die Entlastung des Faktors Arbeit. Das ist falsch! Am 1. Jänner dieses Jahres werden die Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmer um 140 Millionen € gesenkt, meine Damen und Herren. Das ist die Wahrheit! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Und das wird selbstverständlich den Arbeitsmarkt gerade im Hinblick auf eine schwierige Gruppe, die älteren Arbeitnehmer, positiv beeinflussen.

Apropos Arbeitsmarkt. – Herr Kollege Gusenbauer, Sie haben die Arbeitsmarktsituation angesprochen. Jawohl, hier kann nicht zur Tagesordnung übergegangen werden, aber ich habe Ihnen letztes Mal schon gesagt: Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür! Im Monat Dezember wurden über 70 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosenrate in Österreich in Wien verursacht, meine Damen und Herren. (Rufe bei der ÖVP: Unglaublich!) Aber jetzt hören und staunen Sie: Diese Zahl, die mir bekannt ist, dieser Zuwachs von


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70 Prozent, von Wien zu verantworten, ist noch nicht die Spitze. Ich höre, dass der Zuwachs des Monats Jänner zu fast 100 Prozent in Wien und von Wien verursacht ist, einem sozialdemokratisch regierten Land! (Rufe bei der SPÖ: Was ist mit der Bundes­regierung?) Auch dies ist ein Faktum, meine Damen und Herren! (Weitere Zwischen­rufe bei der SPÖ.)

Es wird auch heute von der Opposition der Zeitpunkt kritisiert, zu dem wir die Steuer­entlastung umsetzen. Ich frage Sie: Wie hätten Sie es denn gerne? – Wir machen die Entlastung zum absolut richtigen Zeitpunkt, meine Damen und Herren (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen), und wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass der sich abzeichnende Aufschwung der Wirtschaft gestärkt wird. – Das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt!

Meine Damen und Herren! Es sind auch die Folgen und die entsprechenden Frage­stellungen aus der Erweiterung der Europäischen Union für den Wirtschaftsstandort Österreich diskutiert worden. Am 1. Mai wird die Europäische Union erweitert. Gerade jetzt ist es richtig, solch ein Signal zu setzen, Standort- und Arbeitsplatzsicherung auch durch eine Steuerreform zum Zeitpunkt der EU-Erweiterung zu betreiben. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Das heißt: Wann, wenn nicht jetzt?, ist das Motto dieser Steuerreform.

Meine Damen und Herren! Es wird gesagt, es würden nicht alle von dieser Steuerre­form profitieren. Das Gegenteil ist wahr: Alle, die Steuer zahlen, werden entlastet. Das ist das Ergebnis unserer fairen und sozial gerechten Steuerreform!

Warum? – Erstens werden noch mehr Menschen aus der Lohn- und Einkommen­steuerpflicht entlastet. Zusätzlich 350 000 Österreicherinnen und Österreicher werden mit der ersten und zweiten Etappe keine Lohn- und Einkommensteuer mehr bezahlen. (Abg. Mag. Wurm: Weil sie zu wenig verdienen!) Das sind dann in Summe 2,55 Millio­nen oder 45 Prozent aller Steuerpflichtigen, die keine Lohn- und Einkommensteuer mehr bezahlen werden. – Das ist Faktum, meine Damen und Herren!

Zweitens: Selbstverständlich wird dieser faire und sozial gerechte Tarif dazu führen, dass die gesamte Bandbreite der Steuerpflichtigen im Lohn- und Einkommensteuerbe­reich auch entlastet wird, mit dem Schwerpunkt bei den kleinen und mittleren Einkom­men und selbstverständlich auch bei den Leistungsträgern.

Und drittens, meine Damen und Herren – und das irritiert mich, sage ich Ihnen sehr offen, weil Sie hier Ihre ideologischen Scheuklappen einfach nicht ablegen können; das ist die Wahrheit! –: Wir helfen bei den Familien dort, wo wir mit AlleinerzieherInnen oder AlleinverdienerInnen in Familien mit mehreren Kindern immer mit einer besonde­ren Armutssituation konfrontiert waren. Dort helfen wir, weil dort Hilfe notwendig ist. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Legen Sie Ihre linke Ideologie ab! Helfen Sie, wo Hilfe notwendig ist! – Wir tun es.

Meine Damen und Herren! Das ist also eine faire Steuerreform, die sozial ausgewogen und gerecht ist. Einige Beispiele dazu.

Ich habe mir das Beispiel einer Alleinerzieherin mit zwei Kindern angeschaut, die ein monatliches Bruttoeinkommen von 1 300 € hat. Die Effekte der Steuerreform würden für diese Alleinerzieherin bedeuten, dass sie – mit den erhöhten Kinderzuschlägen bei Alleinerziehern und Alleinverdienern – im Jahr 2005 in Summe mit 876 € entlastet ist. Also: 876 € Entlastung! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Damit Sie sich vorstellen können, was das auch praktisch bedeutet, haben wir von der Österreichischen Volkspartei heute diese 876 € in zwölf volle Einkaufswagen umge­setzt, damit die Menschen auch sehen können, was man für 876 € monatlich zum täg-


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lichen Leben mehr hat. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Wir haben das gemacht und wer­den den Inhalt dieser Einkaufswagen einem Kinderdorf der SOS zur Verfügung stellen, damit auch dieser praktische Beweis erbracht wird. Wir helfen, wo Hilfe tatsächlich notwendig ist, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Oder, nächstes Beispiel: eine allein stehende Pensionistin mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1 000 €. Sie hat bisher pro Jahr 788 € an Steuer gezahlt. In Zu­kunft wird sie 144 € bezahlen. – Eine Entlastung von 644 € durch unsere Steuerreform, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ein weiteres Beispiel: ein Arbeiter-Ehepaar ohne Kinder; monatliches Einkommen des Mannes 2 300 €, der Frau 1 200 €. Bisher haben beide gemeinsam 5 481 € Steuer bezahlt. In Zukunft werden sie um 807 € entlastet. (Unruhe im Saal. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) – Das ist die Realität, und das ist sozial, fair und gerecht, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Sie sagen, es würden die kleinen und mittleren Unternehmen nicht entlastet. Die Wahrheit sieht anders aus: Durch die erste Etappe profitieren gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, die Personengesellschaften sind, und durch die zweite Etappe selbstverständlich auch die Kapitalgesellschaften.

Meine Damen und Herren! Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt diese Woche – und das ist hochinteressant –, ausgehend vom Kursanstieg von 34 Prozent im Leitindex ATX, der den Wiener Markt ganz massiv hervorhebt, einerseits, dass die Vollprivatisie­rung von Böhler-Uddeholm und Voest richtig war, trotz der Gegenschüsse der Oppo­sitionspolitiker – zwischen Klammern steht: Sozialdemokraten und Grüne –, und ande­rerseits, dass die über Erwarten stark gestiegene Performance an der Börse durch diese Steuerreform der Bundesregierung begründet ist. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Das ist offensive Wirtschaftspolitik, wie sie auch das Wifo in der Studie zur Steuerreform bestätigt: Das Wachstum wird durch die Steuerreform positiv beeinflusst, und die Arbeitsplätze werden in Österreich durch die Steuerreform mehr. – Das ist die Realität, das sind die Fakten, meine Damen und Herren. Keine Ge­genfinanzierung – im Gegensatz zur SPÖ, die die Grundsteuer, die Erbschaftssteuer, die Schenkungssteuer und alles Mögliche anheben wollte. (Widerspruch bei der SPÖ.)

Diese Steuerreform bedeutet eine Vereinfachung und selbstverständlich auch einen massiven Kampf gegen den Steuerbetrug. Diese Steuerreform trägt die Handschrift einer erfolgreichen Bundesregierung, unter Führung von Bundeskanzler Schüssel und Vizekanzler Gorbach. Diese Steuerreform trägt die Handschrift eines erfolgreichen Finanzministers, Karl-Heinz Grasser, und seines Staatssekretärs Alfred Finz. Diese Steuerreform wird die offensive Wirtschaftspolitik dieser Bundesregierung massiv stärken. Das Budget wird weiterhin in Ordnung bleiben. Diese Bundesregierung setzt die entsprechenden Wachstumsimpulse, und die BürgerInnen und die Wirtschaft wer­den im Interesse von Wirtschaft und Arbeit entlastet. – Das ist eine erfolgreiche und gute Politik für die Menschen in diesem Lande, und ich bin stolz darauf, meine Damen und Herren! (Lang anhaltender Beifall und Bravorufe bei der ÖVP sowie Beifall bei den Freiheitlichen.)

11.16

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Die Restredezeit der ÖVP auf 20 Minuten beträgt 7,5 Minuten.

 


Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Van der Bellen mit einer freiwilligen Redezeit­beschränkung von 12 Minuten. – Bitte.


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11.17

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Molterer, kommen wir wieder ein bisschen herunter! Wissen Sie, was mir an dem schönen Schild, das Sie hier hatten (Abg. Mag. Molterer: Wollen Sie es wieder haben?), wo es, wenn ich mich richtig erinnere, hieß: weniger Steuern (Ruf bei der ÖVP: Mehr Geld zum Leben!) – danke für die Gedächtnishilfe: weniger Steuern, mehr Geld zum Leben –, nicht gefällt? – Sie suggerieren, dass Steuern etwas Lebensfeindliches sind. Natürlich: Ich zahle auch nicht gern Steuern, Sie zahlen nicht gern Steuern, niemand zahlt gern Steuern, aber ich bekenne mich dazu: Steuern sind notwendig, um bestimmte wichtige, essentielle, zukunftsträchtige öffentliche Aufgaben zu finanzieren. Das muss auch sein. (Beifall bei den Grünen und der ÖVP sowie bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich sage Ihnen ganz offen: Im Bereich der Universitäten, im Bereich von Forschung und Entwicklung, im Bereich des Umbaus des gesamten Bildungswesens, von den Kindergärten bis zur Erwachsenenbildung, haben wir enormen Aufholbedarf – und das wird auch den Staat etwas kosten, nicht nur die Privaten. Und ich finde, Herr Kollege Molterer, es gehört schon auch ein bisschen zur „political leadership“, auch das den Leuten hin und wieder zu sagen (Beifall bei den Grünen): Diese Steuern verschwinden nicht alle in einem schwarzen Loch, sondern werden für Folgendes verwendet.

Und deswegen sind wir, die Grünen, der Meinung, Ihre 2,5 Milliarden sind zu viel. Wir hätten uns ungefähr auf die Hälfte verständigen können bei der Lohn- und Einkommen­steuer und dort die Priorität gesetzt für die unteren und untersten Einkommen, bis etwa zum Medianeinkommen. (Abg. Wittauer: Da werden sich aber die Frauen, die Alleiner­zieherinnen sind, freuen ...!) Das wollen Sie jetzt nicht hören, aber das ist ein ehrliches Programm, das kein Loch im Budget aufreißt, ein Programm, das es möglich macht, dass wir dann, spätestens nach den nächsten Wahlen, nicht wieder die Probleme haben: im Bildungswesen, bei den Kindergärten, bei den Voraussetzungen der Frauen­erwerbstätigkeit. Wenn Sie die Frauenerwerbstätigkeit ernst nehmen, wie Sie heute behauptet haben, dann erhöhen Sie doch bitte nicht den Alleinverdienerabsetzbetrag für Männer. Das ist doch absurd! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Molterer: Der ist für beide gleich! Der ist geschlechtsneutral!)

Noch etwas geht mir auf den „Keks“, Herr Kollege Molterer: dieser Begriff von den „Leistungsträgern“. Mit diesen „Leistungsträgern“ meinen Sie immer nur Leute jenseits von 50 000-€-Jahreseinkommen, mit dem höchsten Grenzsteuersatz. Na, wen denn sonst?

Ich kenne genug einfache Leute, ohne akademische Ausbildung, ohne Matura, die sich echt schwer tun, trotzdem aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Leistung er­bringen. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Ich hätte mir gewünscht, dass Sie Prioritäten setzen – klare Prioritäten und nicht ein­fach ein Steuersenkungsprogramm quer über die Wiese.

Wenn Sie eine beschäftigungspolitische Priorität gesetzt hätten, dann hätten Sie sich dem Preis der Arbeit widmen müssen, dann hätten Sie bei den Lohnsummenabgaben absenken müssen, dann hätten Sie sich um die Frauenerwerbsquote kümmern müssen beziehungsweise um die Voraussetzungen dafür, dass Frauen Beruf und Familie, insbesondere Kindererziehung, vereinbaren können, und nicht allein beim Alleinverdienerabsetzbetrag ansetzen dürfen.

Wenn Sie wachstumspolitische Prioritäten gesetzt hätten – nachhaltige, nicht kurz­fristige –, dann hätten Sie nicht übersehen dürfen, dass wir im Bereich der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Wirtschaft, der Industrie nach wie vor großen Nach­holbedarf haben. (Abg. Mag. Molterer: Wachstumspaket!) – Wachstumspaket. (Abg.


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Mag. Molterer: Das haben Sie sehr gelobt! Das haben Sie begrüßt!) Wenn das alles ist, was Sie bisher paketiert haben, wenn Sie davon erwarten, dass das auf dem Post­weg höheres Wachstum bringt, dann gute Nacht! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Im Bereich Forschung und Entwicklung – das wissen Sie ebenso gut wie ich – ist ge­meinsames Ziel aller vier Parlamentsparteien: 2,5 Prozent bis zum Jahr 2006. Das sind noch zwei Jahre, und es fehlt ein halber Prozentpunkt des BIP. Das hört sich so wenig an, aber – nur für die Zuhörer – das ist 1 Milliarde € pro Jahr! Und Sie schenken den Kapitalgesellschaften einfach so 1 Milliarde durch Senkung der KöSt!? (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Wissen Sie, was ich gemacht hätte? Ich hätte gesagt: Okay, Leute, reden wir über die Senkung der Körperschaftssteuer. Aber was ist mit eurem Beitrag für die Forschungs- und Entwicklungsausgaben? Was ist zweitens mit dieser Kampagne der Industriellen­vereinigung gegen die Kyoto-Ziele? Stellt ihr das endlich ein oder nicht? – Darüber hätte ich eine Vereinbarung mit der Industriellenvereinigung getroffen. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Die Verwirklichung der Kyoto-Ziele, das heißt das Klimaschutzabkommen, kostet die Industrie vielleicht 10 Millionen € im Jahr, und sie bekommt 1 Milliarde € im Jahr durch die Senkung der Körperschaftssteuer. Gibt es da irgendeine Vereinbarung, dass das eine vielleicht auch berücksichtigt werden wird? – Nein, die gibt es nicht. (Abg. Mag. Molterer: Das stimmt ja nicht!)

Man fragt sich schon, wie die Industriellenvereinigung jetzt mit einem gewissen Recht sagen kann, diese 280 000 € – soweit wir heute wissen, vielleicht wird es ja noch mehr – für die Homepage des Finanzministers waren die best rentierende Investition in der Geschichte der Industriellenvereinigung. Das steht fest, das kann ich nicht einmal bestreiten. Solche Renditen gibt es sonst nirgends. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Sie, Herr Kollege Molterer, haben heute so nebenbei angedeutet – gestern stand es auch in der APA –, dass die Steuerbetrugsbekämpfung auch Teil dieses Steuerreform­programms sein wird. – Gut, schön, ich bin gespannt darauf und unterstütze das natür­lich zunächst einmal a priori. In Deutschland wird der Steuerausfall allein bei der Um­satzsteuer durch systematischen Steuerbetrug auf 20 Milliarden € geschätzt. Bei der üblichen Umrechnung bedeutet das 2 Milliarden € in Österreich. Selbst nur die Hälfte davon ist immer noch 1 Milliarde €.

Hinter mir sitzt aber auch jemand, der seit sieben Monaten jede Aufklärung darüber schuldig bleibt, wie er es mit seinen steuerpolitischen Erklärungen hält, mit seinen eigenen Steuererklärungen und mit den Steuererklärungen des „Vereins der Freunde des Weihrauchs für Karl-Heinz Grasser“. (Beifall bei den Grünen.) Seit sieben Monaten warten wir auf eine Aufklärung dieser Affäre. Herr Kollege Scheibner von der FPÖ! Karl-Heinz Grasser war einmal einer von Ihnen, aber das kümmert Sie null.

Karl-Heinz Grasser steht im Verdacht, persönlich Abgaben verkürzt zu haben, im Wege der Vorträge bei Banken und anderen Institutionen, und dieser Verein, dessen Chef bekanntlich sein Kabinettschef ist und dessen Rechnungsprüfer der höchste Steuerbeamte des Finanzministeriums ist, ist schenkungssteuerpflichtig. (Abg. Watt­aul: Sind Sie Richter?) Das sagt die Mehrheit der Richter des Verwaltungsgerichtshofs, der Steuerrechtler und so weiter, nur Herr Finz sagt, alles sei in Ordnung; Herr Finz, der uns neuerdings als Kandidat für das Amt des Rechnungshofpräsidenten serviert wird. (Abg. Dr. Puswald: Um Gottes willen!)


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Ich will Ihnen aber sagen, was ich fast noch schlimmer finde als diese Steuergeschich­te, Herr Kollege Molterer und Herr Kollege Scheibner! (Abg. Scheibner: Ich habe noch gar nichts gesagt!) Dass hier der dringende Verdacht der Steuerhinterziehung vorliegt, ist sonnenklar, aber was fast noch schlimmer ist: Stellen wir uns einmal vor, dieses Verhalten reißt ein!

Nehmen wir zum Beispiel – wer ist gerade anwesend? – den Herrn Verteidigungs­minister, der unter anderem Rüstungsgüter zu beschaffen hat. Es könnte zum Beispiel Daimler-Benz einen „Verein der Freunde der Förderung des Rüstungswesens“ grün­den und der Herr Verteidigungsminister auf die Idee kommen, eine Homepage einzu­richten. Käme Herr Verteidigungsminister Platter auf diese Idee? – Ich hoffe nicht! Und warum nicht? – Weil ihn das einem offensichtlichen Korruptionsverdacht aussetzen würde. Er ist so gescheit und macht das nicht.

Oder Herr Bartenstein – vorhin noch anwesend –, der Herr Wirtschaftsminister. Käme er auf die Idee, sich eine Homepage vielleicht von der OMV oder von der Gaswirtschaft oder von wem auch immer sponsern zu lassen? Ich hoffe nicht. Und warum nicht? – Weil er dann in jeder einzelnen Handlung als befangen gelten muss. Würde er dann eine Maßnahme etwa im Bereich der Liberalisierung der Gaswirtschaft treffen, setzte er sich einem direkten oder indirekten Korruptionsverdacht aus.

Oder in der Landwirtschaft. Herr Kollege Molterer, wären Sie als Landwirtschaftsminis­ter auf die Idee gekommen, sich von Raiffeisen direkt sponsern zu lassen? Angenom­men es gibt beim Agrar-Diesel eine Senkung der Mineralölsteuer, so müssten Sie sich dem Verdacht der Korruption aussetzen. – Natürlich haben Sie das nicht gemacht.

Und, und, und, man könnte jetzt jedes einzelne Ministerium als Beispiel anführen.

Die Bestimmung über die verbotene Geschenkannahme hat ja ihren Grund. Sie soll gemeinsam mit den ja nicht niedrigen Einkommen der Minister – ich finde das in Ord­nung; ich finde, die Bundesminister sollen ordentlich bezahlt werden – gewährleisten, dass diese gegen Bestechungsversuche nicht immun, aber unbeeinflussbarer werden. Das Verbot der Geschenkannahme hat außerdem natürlich den Sinn und Zweck, Minister dem Korruptionsverdacht erst gar nicht auszusetzen.

Aber ausgerechnet beim Herrn Finanzminister ist das in Ordnung. Es ist in Ordnung, wenn er direkt oder indirekt Vortragshonorare nimmt. Mir ist es egal, auf welchem Konto diese landen, aber Banken – das sind die vom Finanzministerium Beaufsichtig­ten und nicht irgendjemand; Banken unterliegen ja der Aufsichtspflicht durch das Finanzministerium – zahlen etwas an irgendjemanden, wenn der Finanzminister einen Vortrag hält?!

Zu ebensolchen Vorfällen beim Verteidigungsminister, beim Wirtschaftsminister, beim Landwirtschaftsminister würden Sie sagen: Bitte, Kollege, das ist unmöglich, lass das sein! Und ausgerechnet beim Herrn Finanzminister dulden Sie das?

Ich sage Ihnen: Dieser Korruptionsverdacht, in den er sich begibt durch diese Hand­lungsweise und durch die Nichtaufklärung seit nun mehr als sieben Monaten, das ist für mich ein Standortrisiko. Das kann sich Österreich nicht bieten lassen. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

11.28

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Die restliche Redezeit für den nächsten Redner der Grünen ist demnach 9 Minuten.

 


Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Scheibner. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 12 Minuten. – Bitte, Herr Kollege.


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11.28

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche): Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Meine Damen und Herren! Es war durchaus ehrlich, was wir von den beiden Vertretern der Oppositionsparteien hier gehört haben. Kollege Van der Bellen, der sich leider nicht in seiner gesamten Rede mit dem Wachstumspaket und der Steu­erreform beschäftigt hat, hat gemeint, diese Steuerentlastung sei zu hoch, und Kollege Gusenbauer hat gemeint, ihm fehlten die Gegenfinanzierungen.

Ja, meine Damen und Herren von der Opposition, wir haben bewusst eine höhere Steuerentlastung ausgearbeitet, als Ihnen von den Grünen vielleicht lieb ist. Ja, meine Damen und Herren von der Opposition, wir haben bewusst auf Gegenfinanzierungen, auf Steuererhöhungen verzichtet. Das Programm der österreichischen Bundesregie­rung der letzten vier Jahre war es: zuerst den Rekordschuldenberg, den uns die SPÖ-geführte Regierung hinterlassen hat, zu sanieren und dann darauf zu achten, dass bei sinkender Konjunktur auch entsprechende wirtschaftsbelebende Maßnahmen gesetzt werden. Und jetzt, wo wir diese Aufgaben erfüllt haben, wo wir uns auch den Spielraum im Budget dafür geschaffen haben, können wir die zugegebenermaßen hohe Steuer- und Abgabenquote massiv absenken. – Das ist die Politik der Bundesregierung der letzten vier Jahre, und dem haben Sie halt wenig entgegenzusetzen, meine Damen und Herren von der Opposition! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Herr Kollege Gusenbauer! Wir wollen eben nicht – wie Sie das vorgeschlagen haben – die Erbschaftssteuer erhöhen. (Abg. Dr. Gusenbauer: Ich habe das nicht vorgeschla­gen!) Aber Ihre Partei! Was heißt, nicht Sie? Muss man jetzt schon unterscheiden zwi­schen dem, was der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei sagt, und dem, was die Partei meint? Ist die Kluft zwischen Ihnen und der Partei schon so groß geworden, dass man diese Unterscheidung treffen muss, Herr Kollege Gusenbauer?

Ich weiß, dass Sie die Gegenfinanzierung wollten: Steuererhöhungen bei der Erb­schaftssteuer, bei der Vermögensteuer und bei der Grundsteuer. Aber, meine Damen und Herren, was bedeutet denn eine Erhöhung der Grundsteuer? Das heißt ja nicht – so wie Sie es in Ihrem ideologischen Weltbild vielleicht vorgeben wollen –, dass irgend­welche Großgrundbesitzer mehr für ihre Besitzungen zahlen müssen. Nein! Sie wissen ganz genau, dass eine Erhöhung der Grundsteuer auch jeden Mieter, jeden Woh­nungsmieter trifft, weil das über die Betriebskosten übergewälzt wird. Und das wollen wir nicht, meine Damen und Herren! Das will die Sozialdemokratie – vielleicht nicht der Vorsitzende, aber die Sozialdemokratische Partei mit ihren Steuerkonzepten. (Abg. Mag. Hans Moser: Schwachsinn!) Wir haben gesagt, nein. Jetzt ist die Zeit für die größte Steuerentlastung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Mehr als 3 Milliarden € für die Steuerzahler!

Meine Damen und Herren! Herr Gusenbauer, Sie haben gesagt: vielen nichts, man­chen wenig und wenigen sehr viel. (Abg. Mag. Hans Moser: Genau so ist es!) Fast zweieinhalb Millionen Österreicher, die in Zukunft keine Steuern zahlen werden (Abg. Dr. Gusenbauer: Die zahlen ja schon bisher nichts!), 350 000 mehr als früher, sind das wenige, ist das nichts, meine Damen und Herren? Ist das nichts oder ist das wenig, wenn durch diese Steuerreform alle Steuerzahler entlastet werden, ausnahms­los alle Steuerzahler, Herr Kollege Gusenbauer? (Abg. Mag. Kogler: Das ist falsch!) Und ist das nichts, wenn wir wieder einen besonderen Schwerpunkt auf die Familien setzen? (Abg. Dr. Gusenbauer: Falscher Weg!) Sie sagen: falscher Weg. Genau darin unterscheiden wir uns – Gott sei Dank! – von Ihnen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.) Wir wollen den Frauen und den Familien die Wahlfreiheit geben, ob sie möglichst rasch ins Berufsleben zurückkehren oder ob sie sich mit Hilfe staatlicher Beihilfen stärker der Erziehung ihrer Kinder widmen wollen.


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Kinderbetreuungseinrichtungen – das ist richtig und wichtig, keine Frage (Abg. Dr. Gu­senbauer: Wieso machen Sie dann nichts?), aber Sie wollen die Frauen in den Arbeitsprozess zwingen, weil die es sich nach Ihren Modellen nämlich nicht leisten können, bei den Kindern zu Hause zu bleiben.

Wir haben mit dem Kinderbetreuungsgeld den Familien mehr als 1 Milliarde € pro Jahr gegeben. Wir setzen jetzt mit der Erhöhung der Alleinverdienerabsetzbeträge wieder 200 Millionen € pro Jahr für die Familien frei. Das gibt den Familien die Wahlfreiheit, meine Damen und Herren! Das ist freiheitliches Konzept, das ist Konzept dieser Bun­desregierung – das ist nicht sozialdemokratisches Konzept in der Familienpolitik –, und darauf sind wir stolz. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Gu­senbauer: Stolz auf den falschen Weg!)

Herr Abgeordneter Gusenbauer, Sie sagen, das, was der Bundeskanzler und der Vize­kanzler hier in Bezug auf die Wirtschaftsförderung vorgebracht haben, sei alles nicht richtig und die Voest arbeite schon seit vier Jahren an einem großen Investitionspro­gramm. Ja, natürlich tut sie das, und damit bestätigen Sie auch den Kurs dieser Bun­desregierung, denn – vielleicht haben Sie es schon vergessen, aber dieser Tag jährt sich jetzt schon bald das vierte Mal – vor vier Jahren hat diese schwarz-blaue Bun­desregierung ihre Arbeit begonnen und hat auch wieder Hoffnung geschaffen für den Wirtschaftsstandort Österreich, auch für so große und gute Betriebe wie die Voest. (Abg. Dr. Gusenbauer: Das merkt aber niemand!)

Sie ziehen diese guten Betriebe immer wieder für Ihre Wahlpropaganda heran und ver­unsichern die Menschen, das ist Ihre Politik. – Wir schaffen Ruhe, wir schaffen Kon­sequenz, wir schaffen Vertrauen, auch in der Wirtschaft, und deshalb ist auch die von Ihnen abgelehnte Senkung der Körperschaftssteuer wichtig, um wieder Vertrauen für den Wirtschaftsstandort Österreich aufzubauen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das war wichtig, gerade jetzt – Sie wissen es, meine Damen und Herren –, kurz vor der Umsetzung der Erweiterung der Europäischen Union, wo in den Konzern-Zentralen die strategischen Entscheidungen getroffen werden: Bleibt man in Österreich oder geht man in umliegende Länder, wo der Körperschaftssteuersatz bisher wesentlich niedriger war als in Österreich? – Die Senkung der Körperschaftssteuer ist neben all den ande­ren wirtschaftsbelebenden Maßnahmen wichtig und geschieht zum richtigen Zeitpunkt.

Herr Kollege Van der Bellen, Sie glauben anscheinend, dass die Öffentlichkeit ein kur­zes Gedächtnis hat. Sie verlangen jetzt Investitionsmaßnahmen, Sie verlangen jetzt Konjunktur belebende Maßnahmen. Sie selbst haben das Wachstumspaket, das wir hier vor wenigen Wochen diskutiert haben, in weiten Teilen begrüßt. (Abg. Dr. Van der Bellen: Das ist ja kein Schlusspunkt!) Man sollte nicht vergessen, dass das ein Paket ist, das Steuerentlastung, Wirtschaftsförderung und Investitionsförderung beinhaltet. Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung (Abg. Dr. Van der Bellen: Sagen Sie das den jungen Wissenschaftlern!), Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur! All das wollen Sie nicht wahrhaben, meine Damen und Herren!

Wir schaffen damit die Rahmenbedingungen, dass die Betriebe in Österreich wieder gut wirtschaften können und damit auch stabile Arbeitsplätze schaffen. Das ist Politik dieser Bundesregierung. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren von der Sozialdemokratie! Ihre Konzepte kennen wir ja, die Konzepte der neunziger Jahre, wir wissen, wohin sie geführt haben. Wenn Sie jetzt sagen: Diese Steuerreform ist zu hoch, sie erhöht das Defizit!, dann ist das wirklich in­teressant, denn: ein derart hohes Defizit, wie Sie in den neunziger Jahren ohne Steuer­entlastung geschafft haben, 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, werden wir auch


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mit fünf Steuerreformen wahrscheinlich nicht erreichen. Das war Ihre Politik, meine Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das sagen nicht nur wir. Man braucht sich ja nur die Rechnungshofberichte der damali­gen Zeit anzusehen, in denen auch Ihre Strukturanpassungsgesetze 1996 beurteilt wurden, meine Damen und Herren! (Abg. Mag. Hans Moser: Lesen Sie die heutigen!) Das hören Sie nicht gerne, aber das muss man Ihnen immer wieder vorhalten und der Bevölkerung auch sagen, wohin derartige Konzepte führen, denn das kennen wir ja alles. (Abg. Mag. Hans Moser: Schnee von gestern!) – Schnee von gestern, aber wir mussten diesen Schnee, den Sie, meine Damen und Herren, auf die Straßen Öster­reichs gestreut haben, wegräumen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordne­ten der ÖVP.)

Der Rechnungshof meint zu Ihren Maßnahmen in den neunziger Jahren, dass diese das Wachstum in Österreich gedämpft haben, dass sie die verfügbaren persönlichen Einkommen geschmälert haben und die Arbeitslosenquote haben ansteigen lassen, dass auch sozial Schwächere betroffen gewesen sind. – Das war Ihre Politik, meine Damen und Herren! Wir vertreten eine Politik, dass alle entlastet werden, dass alle Vorteile haben und dass auch die Wirtschaft die notwendigen Rahmenbedingungen für eine entsprechende Entfaltung verdient. (Abg. Dr. Gusenbauer: Völlig falsch! – Abg. Mag. Hans Moser: 330 000 Arbeitslose!)

Völliger Unsinn war Ihre Politik damals: Schulden machen, Wahlzuckerl vergeben, die überhaupt nichts bewirkt haben, auch keine Wahlerfolge Ihrerseits, die aber wir dann, wie etwa die Steuerreform 2000, finanzieren mussten. Das war Ihre Politik – Gott sei Dank ist das jetzt anders! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Ich verstehe eines auch nicht ... (Abg. Dr. Jarolim: Sie sollten bei der Wahrheit bleiben, glaube ich!) Ja, für die Wahrheit in diesen Fragen sind Sie ja der beste Anwalt.

Sie sagen: Wahltag ist Zahltag. Ich muss sagen, bei Ihrer Politik erfolgte der Zahltag immer erst nach den Wahlen, denn erst dann hat sich die bittere Wahrheit, Herr Kol­lege Jarolim, herausgestellt, nämlich: Die Wahlversprechungen vor den Wahlen haben nur dazu geführt, dass nach den Wahlen die Steuern, die Abgaben erhöht worden sind. So machen Sie das ja auch in jenen Bundesländern, in denen Sie das Sagen haben.

Diese Steuerreform, von Haider und Grasser ausgearbeitet, meine Damen und Herren, ist ein wirklich epochales Paket, und dem haben Sie leider nichts hinzuzufügen und nichts entgegenzusetzen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.) Das ist Ihr Pro­blem. (Zwischenruf des Abg. Dr. Puswald.) – Endlich, Herr Kollege Puswald, ich habe schon auf Ihre Zwischenrufe gewartet. Sie sind nur leider nicht verständlicher gewor­den, weil Sie noch immer in der letzten Reihe sitzen. Vielleicht ändert sich das ja in der Zukunft irgendwann einmal.

Etwas verstehe ich ebenfalls nicht, meine Damen und Herren von der Opposition: Weshalb muss man in Österreich alles mies machen? Weshalb ist alles schlecht, was hier passiert? Weshalb ist alles so furchtbar? – Den internationalen Vergleich wollen Sie nicht hören.

Österreich ist ein herrliches Land, meine Damen und Herren, ein herrliches Land mit tollen Bürgern, mit tollen Menschen, die etwas leisten, ein herrliches Land mit einer tollen Wirtschaft, die jetzt auch die Rahmenbedingungen findet, ein herrliches Land mit einer aktiven und handlungsfähigen Regierung, von ÖVP und FPÖ gebildet, und so soll es auch bleiben. Wir brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Ihr Vorbildland Deutsch­land zeigt das ganz genau: Alle Experten sagen, dass die Maßnahmen, die vom Staat dort gesetzt werden, nur dazu führen werden, dass das Wirtschaftswachstum noch ge-


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ringer werden wird, dass man möglicherweise sogar in eine Rezession hineingeht. Man diskutiert nicht mehr, ob Steuerentlastungen vorgezogen werden oder nicht, wobei die Entlastung, die Deutschland gegeben hat, relativ mickrig ausfällt im Vergleich zu dem, was hier in Österreich gelungen ist.

Deshalb, meine Damen und Herren: Kommen Sie endlich zur Einsicht, dass wir in Ös­terreich handlungsfähige Politiker brauchen, die konstruktive Vorschläge machen und nicht epochale Entlastungspakete, Wirtschaftsförderungspakete mies machen! Sie sind eingeladen, die Anträge – darunter auch ein Entschließungsantrag, den wir heute ein­bringen werden – zu unterstützen und damit eindeutig ein Signal in Richtung Entlas­tung der Bürger zu geben. Seien Sie nicht dagegen, meine Damen und Herren, dass gerade Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen Hunderte an Euro mehr in der Geldbörse behalten können, denn das müssen Sie dann ihnen und Ihren Wählern ge­genüber verantworten! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Jarolim: Ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, danke zu sagen!)

11.40

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerrunde: Restredezeit auf 20 Minuten, wie vereinbart: Kollege Cap: 8.30 Minuten, Kollege Stummvoll: 7.30 Minuten, Kollege Kog­ler: 9 Minuten, Kollegin Bleckmann: 8.30 Minuten.

Bitte, Herr Abgeordneter Dr. Cap.

 


11.41

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Herr Klubobmann Scheibner! Weder ist das Steuerpaket, die Steuerreform epochal, noch war Ihre Rede jetzt epochal. (Abg. Watt­aul: Eine tolle Rede war das!) Sie wissen ganz genau, dass der Vorwurf, wir würden für Steuererhöhungen eintreten, Unsinn ist. Diejenigen, die für Steuererhöhungen und Abgabenerhöhungen verantwortlich sind und dafür eintreten, sitzen allesamt auf der Regierungsbank. Und Sie machen ihnen die Mauer – das ist das Problem dabei. (Bei­fall bei der SPÖ.)

Der zweite Punkt, den man dann noch im Vorhinein klären muss, ist das ewige Hin­hacken auf Wien. Herr Klubobmann Molterer! Diese Regierung sitzt nicht in Gigritz­potschen, sondern in der Bundeshauptstadt Wien. Wien ist Teil von Österreich. Und Sie wissen ganz genau, dass man daher Wien nicht loskoppeln kann. (Abg. Scheib­ner: Und Österreich ist nicht Teil von Europa?)

Wenn Sie die öffentlichen Investitionen halbieren und der Personalabbau vor allem Wien trifft, dann sind Sie für die Arbeitsmarktentwicklung im Raum Wien verantwortlich! Und Sie wissen, dass außerdem noch 200 000 Menschen aus den umliegenden Bun­desländern auf dem Wiener Arbeitsmarkt Arbeit suchen und Arbeit finden. Hören Sie auf, Wien schlecht zu machen! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Aber die eigentliche Frage ist: Warum haben der Herr Bundeskanzler und der Herr Vizekanzler überhaupt die Notwendigkeit gesehen, heute eine Erklärung abzugeben? Was ist der Grund dafür? – Der Grund ist ein ganz einfacher: Nachdem Sie das Steu­erreform-Paket präsentiert haben, hat es einen Sturm der Kritik und Entrüstung in den Medien und in der Öffentlichkeit gegeben, weil davon faktisch – außer ganz wenigen – niemand wirklich etwas hat. Daher gibt es Erklärungsbedarf. Daher hat man sich heute herstellen und diese Erklärung abgeben müssen. Denn es profitieren die kleinen und mittleren Unternehmen nicht, die kleinen und mittleren Einkommen nicht, es wird die Wirtschaft davon nichts haben, und es wird der Wirtschaftsstandort damit auch nicht gesichert.

Aber als ich mir die Rede des Herrn Bundeskanzlers angehört habe, bin ich dann draufgekommen, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, warum dieser


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heutige Auftritt: Lob für den wackelnden Finanzminister! Das war der Sinn der heutigen Erklärung. Das ist die wirkliche Zielsetzung, die Sie hier gehabt haben. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Mag. Molterer: Dürftiger Applaus bei der SPÖ!)

Der Herr Bundeskanzler sagt: Jeder zahlt gerne weniger Steuer. Da gibt es in seiner Regierung einen, der zahlt am liebsten gar keine Steuer! Nur ist er derjenige, der die Steuern in diesem Land eintreibt. Also diese Vorbildwirkung ist ja verheerend. Er sagt: Komm her, lieber Österreicher, gib mir schön die Steuer, aber ich bin ein Tricksler, ich weiß, wie man am besten keine Steuer zahlt. Du weißt das nicht? – So ein Pech! Dann bemüh dich eben ein bisschen! Vielleicht schaffst du es das nächste Mal, wenn ich wieder komme und deine Steuerschilling haben will. – Das ist eine Moral, die wir nicht akzeptieren und daher verurteilen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Das ist eben eine Extrawurst-Gesinnung, die da zum Tragen kommt und die wir wirk­lich nicht unterstützen können. Den Misstrauensantrag, den wir heute stellen werden, bringen wir aus folgendem Grund ein: Wir haben mehrere Fragen in der Öffentlichkeit gestellt, unter anderem, warum die Mehrleistung von 174 000 € auf 283 000 € ver­schwiegen wurde. Ich möchte noch hinzufügen: Gibt es noch etwas? Ist es noch mehr? Gibt es noch etwas einzugestehen? Dann machen Sie es lieber gleich jetzt. – Das haben Sie nicht beantwortet.

Was geschah überhaupt mit dem Geld? – Das haben Sie nicht beantwortet. Warum sind die Vereinsunterlagen hier im Haus nicht veröffentlicht und auch allgemein nicht veröffentlicht worden? Einnahmen-Ausgaben-Rechnung? – Das haben Sie nicht ge­macht.

Was ist die Gegenleistung, Herr Finanzminister? Denn wie hat Herr Lorenz Fritz von der Industriellenvereinigung so schön am 18. Juni im „Kurier“ gesagt: Natürlich geben wir Geld nicht für nichts aus. Es geht nicht um den unmittelbaren Nutzen. – Was ist dann der Nutzen? Was ist der mittelbare Nutzen? Er wird ja wohl nicht Windeln ein­gefordert haben, nachdem für seine Fördergelder Ihre Baby- und Teeny-Fotos auf der Homepage waren. (Beifall bei der SPÖ.)

Was ist der unmittelbare Nutzen, den er gehabt hat? – Es muss ja doch die Senkung der KöSt gewesen sein, die die Industriellenvereinigung haben wollte. Also muss es eine Gegenleistung gegeben haben. Sie haben das nicht gesagt.

Was ist mit den 9 900 €, die auf ein Konto geflossen sind, über das Sie verfügungs­berechtigt waren und sind? – Keine Antwort!

Dagegen nur Kriminalisierungsvorwürfe gegen Abgeordnete, die ihre Aufgabe ernst genommen haben, und Druck auf die Staatsanwaltschaft, damit diese quasi möglichst rasch das Verfahren einstellt. Dabei bräuchten Sie doch eigentlich – würde ich fast keck hier im Rahmen des Parlamentes sagen – ohnedies keine Angst zu haben nach Ihrer Versöhnung mit Jörg Haider, wenn sein Freund, Justizminister Böhmdorfer, hier sitzt und Herr Matousek der FPÖ ohnehin nicht fern steht. Was ist das für ein Druck, den Sie hier ausüben, Herr Finanzminister? Was wollen Sie damit bezwecken?

Daher werden wir heute – und das tue ich hiermit – folgenden Antrag einbringen (Abg. Mag. Mainoni: Ganz etwas Neues!):

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dr. Gusenbauer, Dr. Cap, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ver­sagen des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen, Mag. Karl-Heinz Grasser, eingebracht im Zuge der Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanz-


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lers gem. § 19 Abs. 2 der GO des Nationalrates zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“ samt Debatte

Der Nationalrat wolle beschließen:

Entschließung

Der Nationalrat hat beschlossen:

„Dem Bundesminister für Finanzen wird durch ausdrückliche Entschließung gemäß Artikel 74 Abs. 1 B-VG das Vertrauen versagt.“

*****

(Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Sie haben die Möglichkeit, endlich einmal Ihr freies Mandat zu nutzen und mitzustim­men! Aber anscheinend sind Sie dazu ohnedies nicht bereit. Sie bekommen heute außerdem noch einen Vergatterungs-Entschließungsantrag, damit Sie sich zu 100 Pro­zent hinter jede Maßnahme dieser Regierung zu stellen haben. Das werden Sie am Ende der Debatte ohnehin noch abstimmen können. Und Sie sind gezwungen, so wie ich das sehe, auf Grund des Klubzwangs bei diesem Misstrauensantrag, den wir hier eingebracht haben, nicht mitzustimmen. Dabei wären Sie gut beraten, das zu tun, denn das stinkt nach Steuerhinterziehung, was Sie hier sehen. Zumindest ist hier eine Schenkungssteuerpflicht gegeben, die Sie im Endeffekt hier leugnen.

Das hat Herr Professor Van der Bellen sehr richtig dargestellt: Wenn das Mode wird, dass sich jedes einzelne Regierungsmitglied eine Homepage einrichtet und sich diese dann jeweils aus dem Fachbereich, den es als Regierungsmitglied zu bedienen hat, auch noch finanzieren lässt, dann entsteht dadurch natürlich ein Korruptionsgeruch, den man nicht einfach ignorieren kann, schon gar nicht, wenn man nicht bereit ist, hier im Parlament auch wirklich alles offen zu legen, was offen zu legen ist, damit hier endlich einmal Licht ins Dunkel kommt.

Wenn das nicht gemacht wird, dann bettelt man förmlich um einen Misstrauensantrag. Ich glaube, dass es einfach eine politische Notwendigkeit ist, auch gegenüber der Be­völkerung zu signalisieren: Es kann hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Der Bürger ist ernst zu nehmen. Es ist nicht so, dass man von ihm Steuern einzufor­dern hat und zugleich einige wenige es sich richten können oder sich im Endeffekt mit irgendwelchen Tricks der Pflicht entziehen können.

Ich habe die heutige Rede des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers sehr genau ver­folgt. (Abg. Mag. Molterer: Ausgezeichnet!) Wissen Sie, was mir aufgefallen ist? – Mir ist aufgefallen, dass Sie bei dem Ganzen leicht sektenähnliche Elemente eingebaut haben. Der Bundes- und der Vize-Guru erklären hier so quasi gerade mal die Welt, und Sie applaudieren sich dann mit glücklich strahlenden Gesichtern die Hände wund. Sie haben ein Bild abgegeben, muss ich Ihnen sagen, das der Ausübung des freien Man­dates wahrlich nicht würdig ist. Sie sitzen hier, nur damit man im Fernsehen sieht, wie begeistert Sie von dieser Nichtsteuerreform und von diesem Lob für den Finanzminis­ter sind, wie solidarisch Sie hinter diesen Maßnahmen der Regierung stehen. Sie sitzen hier glücklich strahlend wie bei einer Sektenversammlung und zeigen, dass Sie froh darüber sind, dass Sie hier sitzen, jubeln und den Weihrauch austeilen dürfen.

Das ist das, was Sie hier – den Klubobleuten kann man ja fast gratulieren – erreicht haben. Wahrscheinlich haben Sie vorher in einem Turnsaal trainiert, ein Applaus-


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training gehabt – eine neue Sportdisziplin, die Sie hier eingeführt haben. Das ist das, was Ihnen hier gelungen ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Das zeigt aber Ihre Schwäche! Das zeigt Ihr schlechtes Gewissen! Das zeigt, dass Sie in Wahrheit in den letzten Wochen erkannt haben, dass Ihre Steuerreform daneben­gegangen ist. Die Wirtschaft hat das kritisiert. (Widerspruch bei der ÖVP.) Die Medien haben das kritisiert, und in der Bevölkerung sind alle der Meinung, dass sie von dieser Steuerreform nichts haben. Und der Wirtschaftsstandort ist ebenfalls nicht gesichert. Das haben Sie heute mit dieser Übertreibung sehr sichtbar dargestellt. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

11.50

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Der soeben eingebrachte und verlesene Entschlie­ßungsantrag betreffend Versagen des Vertrauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen nach Artikel 74 der Bundesverfassung ist ordnungsgemäß unterstützt, steht zur Verhandlung und in weiterer Folge zur Abstimmung.

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Dr. Stummvoll. – Bitte.

 


11.50

Abgeordneter Dkfm. Dr. Günter Stummvoll (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundes­kanzler! Herr Vizekanzler! Meine Herren auf der Regierungsbank! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Kollege Cap, eines unterscheidet uns: Wir können stolz sein auf unsere Regierungsspitze! Bei Ihnen ist es ein bisschen etwas anderes, wenn ich mir Ihre Spitze anschaue. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Bundeskanzler und Vizekanzler haben heute gesagt, der Vergleich macht uns sicher. Wie wahr ist das! Seit der politischen Wende im Früh­jahr 2000 hat die Bundesregierung einen erfolgreichen Kurs im Hinblick auf Arbeits­plätze, Einkommenschancen und soziale Sicherheit gefahren. Wir sehen das an den Daten und Fakten. Und wir leben auf keiner Insel. Wir haben es gehört: Doppelt so hohes Wirtschaftswachstum wie in der Eurozone, halb so hohe Arbeitslosigkeit wie in der Eurozone, halb so hohe Preissteigerung wie in der Eurozone und beim Budget­defizit ein Drittel dessen, was der Durchschnitt der EU ist, ganz zu schweigen von Rot-Grün in Deutschland oder vom Defizit in Frankreich. Das ist erfolgreiche Wirtschafts­politik, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Das, lieber Kollege Cap, ist auch der wahre Grund für Ihren Misstrauensantrag. Sie wollen damit ablenken von einer unglaublich erfolgreichen Politik, Sie wollen ablenken von einem sehr erfolgreichen Finanzminister. Sie hoffen, mit einer Schmutzkübel-Kam­pagne, mit Kriminalisierung und Skandalisierung diese Leistungsbilanz zu beeinträchti­gen. Unterschätzen Sie nicht die Intelligenz der Bürgerinnen und Bürger, die solch ein Manöver sehr leicht durchschauen, Herr Kollege Cap! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Diese Steuerreform, diese größte Steuersenkung in der Geschichte der Zweiten Republik steht nicht eratisch allein in der Landschaft. Sie ist die konsequente Fortsetzung einer Politik, die sich mit Stichworten umschreiben lässt: Konjunkturpaket I, Konjunkturpaket II, Wachstums- und Standortpaket, Steuerreform Etappe I und Etappe II. Das ist eine konsequente Politik für die Zukunft des Landes, für Arbeit, Wirtschaft und Familie. Herr Kollege Cap! Nehmen Sie sich ein Beispiel daran.

Ich sage jetzt noch etwas, es gibt nämlich einen zweiten Vergleich – ich habe es früher auch meinem Klubobmann gesagt –: Ich bin dankbar für jede Plenarsitzung, die vom Fernsehen live übertragen wird. (Abg. Scheibner: Ich auch!) Denn auch ein anderer Vergleich macht uns sicher, Herr Kollege Cap: Die TV-Konsumenten sehen, da gibt es zwei Parteien, die für das Land, für die Zukunft des Landes arbeiten, und da gibt es


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zwei andere Parteien, die eine Schmutzkübelkampagne machen und Skandalisierung betreiben. Auch dieser Vergleich macht uns sicher, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Mich freut auch eine andere Wende, ich würde fast sagen eine europäische Wende. Sie haben heute die Zitate gehört: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Neue Zürcher Zeitung“, andere angesehene Zeitungen des Auslandes. Was ist das für eine Wen­de? – Jene europäischen Länder, die noch vor knapp vier Jahren Sanktionen gegen Österreich verhängt haben, bewundern heute die Leistung dieser Bundesregierung. Das ist auch eine europäische Wende, auf die wir stolz sein können, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir sehen auch hier wieder: Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. Und diese Bundes­regierung ist erfolgreich im Bereich Arbeit, Wirtschaft und Familie. (Zwischenruf bei der SPÖ.)

Frau Kollegin, lassen Sie mich noch etwas sagen: Diese Leistungskennzahlen bestäti­gen auch die Richtigkeit jenes Weges, den diese Bundesregierung von Haus aus mit drei wichtigen strategischen Zielen umschrieben hat. Erstens: Stabilität im Staatshaus­halt – daran führt kein Weg vorbei. Zweitens: Investitionen in die Zukunft – es ist noch nie so viel in die Zukunft des Landes, in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur in­vestiert worden wie unter dieser Bundesregierung. Und drittens: Entlastung der Bürger und der Betriebe, größte Steuerentlastung in der Geschichte der Zweiten Republik. Das ist konzertierte Wirtschaftspolitik, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Lassen Sie mich eines auch sagen: Ich bin der Vertreter einer Grenzregion, wo ich viele auch kleine und mittlere Betriebe kenne, die ständig rechnen und sich fragen: Soll ich meine Produktion vielleicht nach Tschechien verlagern? Ist es nicht billiger, dort zu produzieren?

Ich war vorgestern bei einem großen Empfang der Gmünder Wirtschaft, also an der Grenze Österreich–Tschechien. Dort waren vielleicht 3 Prozent Industrielle, aber 97 Prozent Vertreter von Klein- und Mittelbetrieben. Ich darf Ihnen von dort berichten: Das Vertrauen in diese Bundesregierung, diese Aufbruchsstimmung, ist ein Ergebnis dieser Politik der Bundesregierung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Kollege Gusenbauer hat am Beispiel der Voest gemeint, die Erklärung des Bundes­kanzlers herabspielend, ja die Voest hätte doch sowieso investiert, da gibt es ein Pro­gramm 2010. – Das ist völlig richtig. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Die Frage ist nur, wo investiert wird, Frau Kollegin. Generaldirektor Eder hat sehr richtig vor dieser Steuer­reform gesagt, es werde ernsthaft überlegt, ob diese 1 Milliarde € im Ausland oder in Österreich investiert werden soll. Und der gleiche Generaldirektor Eder hat nach der Steuerreform gesagt: Jetzt ist alles klar, wir investieren diese 1 Milliarde € in Öster­reich. – Das ist der Unterschied! Auch dieser Vergleich macht uns sicher, Herr Kollege Gusenbauer. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich weiß nicht, wer es von der Opposition war, der gemeint hat, die Senkung der KöSt sei ein Geschenk an die großen Kapitalgesellschaften. (Abg. Mag. Molterer: Der Herr Wirtschaftsprofessor!) Welch Unsinn! – Zwei Zahlen: 83 Prozent aller GesmbHs in Österreich beschäftigen weniger als 20 Mitarbeiter. 70 Prozent jener Steuerentlastung, die durch die Senkung der KöSt, also der Körperschaftssteuer, erfolgt, geht in Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten. Ein klassisches Arbeitssicherungsprogramm für Klein- und Mittelbetriebe, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.) Da geht es um Arbeitsplätze, Einkommenschancen und soziale Sicherheit


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in Österreich. Wir sind stolz auf diese Bundesregierung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

11.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. – Bitte.

 


11.57

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Meine Herren auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mir wurde gerade auf den Weg mit­gegeben: Immer schön bei der Wahrheit bleiben! Das möchte ich übernehmen.

Es ist tatsächlich so, dass allen voran der Herr Bundeskanzler immer genau in anderen Grenzregionen, als Sie meinen, unterwegs ist, nämlich immer dabei ist, haarscharf an der Wahrheit vorbeizuschrammen. Und so ist es auch mit dieser so genannten Erklä­rung zur Steuerreform. Darauf möchte ich einfach kurz eingehen.

Es tut mir Leid, Herr Kollege Stummvoll, so gut wir uns auch in manch anderen Fragen verstehen mögen, das war jetzt keine Leistungsträgerrede (Abg. Dr. Stummvoll: War­ten wir Ihre einmal ab!), das war eigentlich die Verstärkung einer Kampagne, für die Sie noch die Verantwortung übernehmen werden. Ich komme gleich darauf zu spre­chen.

Dieses Taferl der ÖVP (der Redner zeigt es) wird auch auf Kosten der Steuerzahler – das ist nämlich das Interessante – in ganz Österreich durchgeschaltet: „Weniger Steuern. Mehr fürs Leben.“ Ich sage Ihnen, das wird uns noch beschäftigen, weil schon wieder, so wie der Herr Finanzminister das immer gemacht hat, bei Kampagnen und Vergabeverträgen mit den Mitteln des Steuerzahlers Schindluder getrieben wird. (Bei­fall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Dr. Fekter: Information an die Bevölkerung!) – Ja, eine Information der Bundesregierung steht hier drauf: Mehr fürs Leben. – Passen Sie auf!

Es ist eine Verhöhnung der Bevölkerung, wenn sie sich mit ihrem eigenen Geld noch so beschwindeln lassen muss, nämlich jener 2,3 Millionen, die seit dem segensreichen Wirken von Schwarz-Blau selbstverständlich benachteiligt sind. (Abg. Mag. Molterer hält eine Tafel in die Höhe, auf der sich der Satz findet: „Weniger Steuern. Mehr Geld zum Leben“.) Selbstverständlich müssen wir Steuern und Abgaben gemeinsam be­trachten, selbstverständlich macht es für den Betreffenden keinen Unterschied, ob er mehr Abgaben zahlt oder mehr Steuern oder jeweils weniger. Und es ist nun einmal die Wahrheit, die Sie immer ausblenden, dass die meisten von jenen, die es wirklich brauchen würden, bei Ihnen nicht nur völlig leer ausgehen, sondern seit Jahr und Tag mehr belastet werden, sodass am Schluss das Problem entsteht, dass Sie sehr wohl eine gigantische Steuersenkung veranstalten, aber für jene, die es nicht brauchen. Jene, die es brauchen würden, gehen aber leer aus. Schämen Sie sich! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ. – Abg. Dr. Fasslabend: Das war nicht gut!)

Es ist auch völlig falsch, zu sagen, diejenigen würden keine Steuer zahlen, nur weil ihr Einkommen unter der Grenze für die Lohnbesteuerung liegt. Natürlich zahlen die Um­satzsteuer, natürlich zahlen die Sozialabgaben, gemessen an ihrem Einkommen mehr als alle anderen. Das können sogar Sie nachrechnen. Das ist die Verteilungsfrage, die hier immer wieder zugedeckt wird.

Es gibt aber auch noch etwas anderes, das uns mindestens so wichtig ist, nämlich die beschäftigungspolitische Frage. Es geht genau darum, dass im unteren Einkommens­bereich die Anreize für Beschäftigung relativ gering sind. Das hat verschiedene Ur­sachen, unbestritten ist jedoch, dass mit diesem ... (Zwischenbemerkung des auf der Regierungsbank sitzenden Bundeskanzlers Dr. Schüssel.) – Herr Bundeskanzler,


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nuscheln Sie nicht ständig dazwischen! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordne­ten der SPÖ. – Abg. Mag. Molterer: Ungeheuerlich, was Sie da ...!) – Es ist richtig, dass es da eine Kluft gibt. Im Übrigen kann die Bundesregierung nichts dafür, sondern das ist auch ein europa- und USA-weites Problem, nur: In anderen Ländern ist man so schlau und nimmt sich der Lösung dieses Problems mit einem Mix an Instrumenten an.

Eine Möglichkeit in diesem Zusammenhang wäre, dass die Lohn- und Einkommen­steuer im unteren Einkommensbereich so gestaltet wird, dass Absetzbeträge, die Sie von den Koalitionsparteien so loben, auch für jene zur Auszahlung kommen, die eben so eine geringe Steuer zahlen, dass sie sonst nichts mehr davon hätten. Ein weiterer Effekt wäre dann: mehr Verteilungsaspekte berücksichtigt und auch beschäftigungs­politische Anreize in diesem Segment.

Ihr Beispiel, Herr Bundeskanzler, und Ihres, Herr Kollege Molterer, führt doch dazu, dass jene Haushalte, von denen es sehr viele gibt, wo eben beide arbeiten gehen müssen und beide ein relativ geringes Einkommen haben, von Ihrer Steuersenkung exakt nichts haben. Und das kritisieren wir! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abge­ordneten der SPÖ.)

Sie von den Regierungsparteien haben eine Klientelpolitik veranstaltet, die Sie sogar noch, und zwar in geradezu herzlich rührender Weise, offen zur Schau tragen. In die­sem Zusammenhang verweise ich nur auf Folgendes: Agrardiesel, Kirchenbeitrag und so weiter. Es geht also um die mittelmäßig Verdienenden beziehungsweise die Besser­verdienenden, einen Bereich, in der Sie eben Ihre Klientel – und das wahrscheinlich zu Recht – vermuten, für die Sie von ÖVP und FPÖ etwas tun. Aber das ist doch bitte als Wirtschaftsprogramm zu wenig – und das ist nicht nur zu wenig, sondern sogar falsch.

Falsch ist auch, was Sie beispielsweise im Rahmen der Unternehmensentlastung machen. Nicht, dass dort nichts geschehen sollte, aber: Es gibt dort enorme Struktur­probleme. Was Sie mit Ihrer Reform machen, ist jedoch, diese Strukturprobleme sogar noch zu verstärken.

Ich fasse nur kurz zusammen: Die lohnsummenabhängigen Abgaben sind in Öster­reich an tragischer „weltmeisterlicher“ Spitze. – Und da geschieht nichts, kein Cent weniger!

Die unternehmensbezogenen Steuern im Gewinnsektor sind ganz unten – und das trotz des hohen Satzes von 34 Prozent! Realiter wird in Österreich ganz wenig KöSt bezahlt. (Abg. Dr. Stummvoll schüttelt verneinend den Kopf.) – Das sagen alle inter­nationalen Vergleichsstudien! Natürlich ist das so! Und deshalb haben Sie ja auch eine weitere Studie in Auftrag gegeben, weil Sie das nicht glauben wollten. Rücken Sie endlich mit den Ergebnissen heraus – und reden nicht Sie (in Richtung des Abg. Dr. Stummvoll) auch noch dazwischen! Klären Sie das endlich auf! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ. – Ironische Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP und Freiheitlichen.)

Dieses Problem, wie gesagt, lösen Sie nicht, sondern verstärken es noch! Deshalb auch hier: ein glattes Nicht genügend! (Abg. Dr. Stummvoll: Oberlehrer!) Würden Sie nämlich die lohnsummenbezogenen Abgaben senken, würden alle Betriebe gewinn­entlastet werden – und es gäbe beschäftigungspolitische Anreize. Jene Unternehmen zeigen Sie mir, die allesamt so viel Gewinne machen, dass sie jetzt entlastet werden! Das ist doch bitte die Minderheit der Betriebe in Österreich. Die große Mehrheit der Betriebe würde davon profitieren, wenn wir endlich im Abgabenbereich in Bezug auf die Lohnsummen etwas machen würden – und dazu bekennen wir uns auch. – Das war zwar einmal Ihr Programm, davon haben Sie sich jedoch verabschiedet. Erklären Sie von den Regierungsparteien das jedenfalls woanders, anstatt sündteure Inserate, in denen etwas Falsches behauptet wird, zu schalten!


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Das wirkliche Problem – das ist ja hier auch schon angesprochen worden – ver­längert sich auch dadurch, dass dieses, und zwar sowohl was die Standortfrage als auch die Steuerfrage betrifft, der Herr Finanzminister selbst ist. Ganz offensichtlich ist ja, dass die „Kleinklientel KHG“ nicht in die Reform eingearbeitet wurde, denn KHG braucht sich, so scheint es, sowieso nicht an die Gesetze zu halten.

Wenn Sie ein Nachziehverfahren gemacht hätten, hätte diese Reform so ausgeschaut: Alle bezahlen Steuern, nur KHG nicht! Und das ist die Wahrheit! (Abg. Dr. Fekter: KHG zahlt 50 Prozent! Herr Kollege, bleiben Sie bei der Wahrheit!) Um jetzt auf seinen Verein zurückzukommen: Der Vereinszweck ist ja mit Karl-Heinz Grasser definiert, und dort finden wir eigentlich klipp und klar eine Schenkungssteuerpflicht. (Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Dr. Fekter.) Mir ist niemand in Österreich bekannt – niemand! –, der diese Schenkungssteuerpflicht leugnen würde – außer einer (Rufe bei den Grünen: Finz), und das ist „zufällig“ Herr Staatssekretär Finz, der ja dem Finanzminister wei­sungsgebunden ist. So schaut das aus! Und das, meine Damen und Herren, kann und darf nicht länger durchgehen! (Beifall bei den Grünern sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich darf Sie davon informieren, meine Damen und Herren, dass der Herr Finanz­minister im Zusammenhang mit dem „kleinen Untersuchungsausschuss“ immer wieder wahrheitswidrige Angaben gemacht hat. (Die Abgeordneten Mag. Molterer und Dr. Stummvoll: Das stimmt doch nicht!) Oft falsche und immer unvollständige An­gaben!

Holen Sie, Herr Finanzminister, Antworten auf unsere Fragen endlich nach! Was sind die Zahlungsströme? Was sind die Spenden auf Ihrem Vereinskonto, und was sind die Zahlungsströme zu Ihrem so genannten Sozialverein? Alle, die einen Sozialverein gegründet haben, müssen Steuern zahlen – nur Sie, Herr Finanzminister, womöglich wieder nicht! Klären Sie das auf, bevor „NEWS“ morgen wieder die nächste Enthüllung veröffentlicht! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Da das Kürzel KHG mit Korruption, mit Hinterziehung und so weiter beschrieben wurde ... (Rufe bei der ÖVP: Ordnungsruf, Herr Präsident! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Das ist nicht zu hart. Ich darf zitieren aus einer Broschüre zur Korruptionsbekämpfung, in der es heißt: Schon kleine Geschenke, mit einem Hintergedanken gemacht, sind eine entsprechende Gegenleistung in Erwartung.

Das schreiben Sie selber in Ihre Broschüre zur Korruptionsbekämpfung, Herr Finanz­minister! „Schon kleine Geschenke“ schreiben Sie! (Ruf bei der SPÖ: ... gilt offensicht­lich nur für kleine Beamte!)

Und weiters steht hier: Auch wegschauen kann strafbar sein. – Das ist für Sie, Herr Finz; Sie sind nämlich der Zweite, der das unterzeichnet hat! (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Also was ist das jetzt: Gilt das für alle Beamten (Ruf bei der SPÖ: .. offensichtlich nur für die kleinen Beamten!) – oder ist das nur etwas von den lustigen beiden aus der Himmelpfortgasse? Ist das Ihre persönliche Muppet-Show – oder wird das ernst ge­nommen?! (Abg. Steibl: Was ist denn das für eine Wortwahl?! Ordnungsruf, Herr Präsident!) Zwei Unterzeichner: Grasser und Finz. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Herr Bundeskanzler, Sie haben selbst Handlungsbedarf! Wir müssen uns hier ja nur deshalb ständig mit Misstrauensanträgen auseinander setzen, weil Sie Ihren Laden ganz offensichtlich nicht mehr im Griff haben. Der Finanzminister ist ...

12.06

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Ihre Redezeit ist zu Ende, Herr Abgeordneter!


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(Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ für den das Rednerpult ver­lassenden Abg. Mag. Kogler.)

Außerdem würde ich empfehlen, nicht gegenüber der Regierungsbank „persönliche Muppet-Show“ zu sagen, denn wir müssen ja umgekehrt auch den Nationalrat gegen Kritik von der Regierungsbank verteidigen können. (Abg. Großruck: Der „Gutmensch“ Kogler war das! – Ruf bei der ÖVP: Die unterste Schublade war seine Rede!)

Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Bleckmann. – Bitte.

 


12.07

Abgeordnete Mag. Dr. Magda Bleckmann (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werte Minister! Geschätzte Damen und Herren! Herr Klubobmann Gusenbauer hat gesagt, diese Reform komme zu spät. – Das Gegenteil ist der Fall: Diese Reform kommt zum richtigen Zeitpunkt – jene aber, die zu spät kommen, sind die Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, denn Sie hätten wirklich lange genug Zeit gehabt, zu zeigen, wie Ihrer Ansicht nach eine gute Steuerreform, eine Steuerentlastung gemacht werden kann. Das haben Sie jedoch während Ihrer Regierungszeit verabsäumt – und haben es eben nicht geschafft, rechtzeitig eine gute Reform zu machen. Die jetzige Regierung zeigt Ihnen da den richtigen Weg. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wenn ich mir die Ausführungen des Kollegen Cap hier anhöre, muss ich sagen, dass diese Steuerreform eine wirklich gute ist, hat doch Kollege Cap – außer seinen drei Stehsätzen zur Steuerreform – kein Wort darüber verloren, sondern hier nur über den Herrn Finanzminister gesprochen, noch dazu zu einem Tagesordnungspunkt, den wir anschließend haben werden, wo wir dann über den Bericht des Rechnungshofes dis­kutieren werden. Zur Steuerreform habe ich von Ihnen, Herr Kollege Cap, nichts ge­hört. Diese dürfte wirklich so gut sein, dass Sie von der SPÖ ihr nichts entgegenhalten können. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Mag. Mainoni: Da kommt auch nichts mehr von der SPÖ!)

Bezüglich Steuerentlastung haben wir uns drei Prämissen gegeben: dass es zu einer Entlastung kommt, dass es keine Gegenfinanzierung gibt und dass ein Familienpaket gemacht wird. Wir haben es geschafft, eine Entlastung in der Höhe von 3 Milliarden € zustande zu bringen. Wenn ich mir die Steuerreformen der letzten Jahre, auch die unter einer SPÖ/ÖVP-Regierung anschaue, muss ich feststellen: Sie haben da nicht sehr viel zustande gebracht: lediglich eine Entlastung von 1,2 Milliarden € bei den beiden letzten Steuerreformen vor dieser unserer Regierung. – Jetzt also gibt es eine Entlastung in Höhe von 3 Milliarden €. – Erster Punkt.

Zweiter Punkt: Es gibt keine Gegenfinanzierung. Wenn dann der SPÖ-Schelm denkt, das Geld muss doch irgendwo herkommen, so ist der Schelm eben so, wie er denkt, wenn er nämlich meint, da würden zusätzliche Gelder den Bürgern aus der Tasche gezogen werden. – Genau das ist aber nicht der Fall! Wir haben uns zuerst bemüht, den Schuldenberg, den die SPÖ aufgebaut hat, zu beseitigen, um jetzt Raum und Platz zu haben für die Steuerentlastung, die wir umsetzen werden.

Der dritte Bereich ist das Familienpaket, ein echtes Signal an die österreichischen Familien. Uns Freiheitliche freut ganz besonders, dass es gelungen ist – obwohl es im vergangenen Jahr immer Aussagen, auch solche des Finanzministers, gegeben hat, dass es nicht zu einer Vorziehung dieser Maßnahmen kommen werde –, diese Maß­nahmen für die Familien vorzuziehen auf das Jahr 2004, damit wir in diesem Jahr 250 Millionen € zusätzlich für die Familien zur Verfügung stellen können, so beispiels­weise mit dem Kinderzuschlag zum Alleinverdienerabsetzbetrag. (Beifall bei den Frei­heitlichen.)


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Für das erste Kind gibt es zusätzlich 130 €, für das zweite Kind 175 € und für das dritte Kind 220 €. Ich meine, das ist ein deutliches Signal, dass uns die Kinder in Österreich sehr viel wert sind.

Die Pendlerpauschale wurde um 15 Prozent angehoben, sodass wir also insgesamt ein Paket von 250 Millionen € zusätzlich für die Familien schnüren konnten.

Da jetzt von SPÖ-Seite, so auch von Kollegin Prammer, gesagt wurde, dass das alles nicht für die berufstätigen Frauen sei, dass diesen das nicht zugute kommen würde, dass berufstätige Frauen nichts davon hätten, muss ich Ihnen entgegenhalten: Offen­sichtlich dürfte Ihnen entgangen sein, dass eine Steuerreform für die gilt, die Steuern zahlen, also auch für berufstätige, Steuern zahlende Frauen, sodass hier ganz klar von einer echten Entlastung für berufstätige Frauen und vor allem auch für Alleinerziehe­rinnen gesprochen werden kann. Gerade Alleinerzieherinnen bewegen sich in Öster­reich ja oft an der Armutsgrenze.

Daher: Eine Alleinerzieherin mit zwei Kindern mit einem jährlichen Jahresbruttoeinkom­men von 18 300 € wird im Jahre 2004 356 € mehr erhalten, und im Jahre 2005 be­kommt sie eben mit der Steuerentlastung und dem Zuschlag für die Kinder 794 € mehr als bisher. Das ist doch wirklich viel, was wir für berufstätige Frauen machen, Kollegin Prammer! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Mag. Mainoni: Das ist doch wirklich etwas! – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Das heißt, dass wir für zwei Kinder bereits eine Verdoppelung beim Alleinverdiener­absetzbetrag herbeigeführt haben – und das ist wirklich gut und wichtig für die Familien und somit auch für die Frauen.

Wenn Kollege Van der Bellen sagt, dass ihm hier einiges „auf den Keks“ gehe, so ist das seine Sprachregelung, die er verwendet. Es ist schon klar, dass es Ihnen nicht passt, wenn die Regierung gute Maßnahmen setzt. Aber Sie, Herr Kollege, verwech­seln das eine oder andere Mal die Steuerreform offensichtlich mit Sozialtransfermaß­nahmen. Eine Steuerreform ist dazu da, jene zu entlasten, die Steuern zahlen – und soziale Maßnahmen, ebenso Sozialtransfermaßnahmen, werden über die Sozialpolitik gemacht. Wir aber sprechen heute über Steuerentlastungen und über eine Steuer­reform, also von jenen, die Steuern zahlen.

Von 5,9 Millionen Österreicherinnen und Österreichern, die steuerpflichtig sind, haben wir inzwischen 2,4 Millionen steuerfrei gestellt. Nochmals: Von 5,9 Millionen Steuer­pflichtigen zahlen 2,4 Millionen keine Steuern mehr (Abg. Reheis: Weil sie so wenig Einkommen haben!), und ich glaube, das ist schon eine ganz erkleckliche Zahl, für die wir eine echte Verbesserung herbeiführen konnten, indem eben immer mehr Men­schen in Österreich keine Steuern bezahlen müssen. Das ist ja das Wichtige, dass Menschen, die es brauchen, steuerfrei gestellt werden. Und dafür setzen wir uns ein! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe des Abg. Dr. Matznetter.)

Da Sie hier dazwischen rufen, muss ich schon das Verhalten der SPÖ hinterfragen. Am 20. Oktober 2003, als Sie noch nicht wussten, wie die Steuerreform der Regierung aussehen wird, gab es eine großartige Aussendung, wie das SPÖ-Programm dazu aussieht. Und ich lese Ihnen von der SPÖ Ihre Originaltexte hiezu vor. „Die große Steuerreform soll 2005 kommen“, steht hier. – Vorhin haben Sie noch gesagt, es sei zu spät, aber Sie selbst von der SPÖ haben gesagt, diese solle 2005 kommen. (Ironische Heiterkeit bei Abgeordneten von Freiheitlichen und ÖVP.)

Weiter heißt es in einer Ihrer Aussendungen: Dabei sollen auch die Wettbewerbsnach­teile bei der Körperschaftssteuer beseitigt werden. So spricht sich die SPÖ für die Ab­senkung des Steuersatzes auf 25 Prozent aus. (Ironische Heiterkeit bei Abgeordneten von Freiheitlichen und ÖVP. – Rufe bei der ÖVP, in Richtung SPÖ: Zickzack-Kurs!) Am


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20. Oktober des Jahres 2003 haben Sie sich für eine Absenkung des Steuersatzes auf 25 Prozent ausgesprochen. – Wir tun es. Und was lesen wir jetzt in Ihren Aussendun­gen? – Das sei ein „Steuergeschenk“. – Der Kurs der SPÖ: zickzack und hühott! Sie wissen nicht, was Sie wollen, und versuchen nur, alles schlecht zu machen, was die Regierung in die Wege leitet. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Dass die KöSt-Senkung eine Maßnahme ist, die vor allem einen Wettbewerbsvorteil für Österreich zur Folge hat und zur Standortsicherung beiträgt, wissen doch inzwischen alle! 61 Prozent der unselbstständig Beschäftigten sind bei solchen Unternehmen an­gestellt, die jetzt um vieles weniger an KöSt zahlen werden. Dabei handelt es sich also um eine wichtige Maßnahme, die wir hier treffen – und um wahrlich keinen kleinen Teil der Wirtschaft, sondern um einen wichtigen, großen Teil, der maßgeblich zu einer Wettbewerbssicherung und zu einem Standortvorteil für Österreich beitragen wird.

Wie die SPÖ-Steuerideen aussehen, wissen wir ja: Grunderwerbssteuer anheben, Ver­mögenssteuer anheben, das sind die Dinge, die Sie vorgeschlagen und wozu Sie von der SPÖ Presseaussendungen gemacht haben. – So etwas wird es unter einer freiheit­lichen Regierungsbeteiligung nicht geben!

Damit Sie in Zukunft etwas besser rechnen können, vielleicht auch einmal spielerisch lernen, wie man ordentlich wirtschaftet, werde ich dem Kollegen Gusenbauer und auch dem Kollegen Van der Bellen für ihre Fraktion ein „DKT“-Spiel schenken, damit Sie lernen, wie man in Österreich besser wirtschaften kann, ein „DKT“ für Österreich, damit wir eine bessere Zukunft haben. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Bleckmann überreicht den Abgeordneten Dr. Gusenbauer und Dr. Van der Bellen das genannte Spiel.)

12.15

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt der Herr Bundeskanzler. Vereinbarte Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

 


12.15

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel: Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Wenn Sie die Debatte verfolgt haben, war eigentlich recht interessant, Folgendes zu sehen: Die SPÖ hat gesagt, die Steuersenkung komme zu spät, sei zu gering; die Grünen hingegen haben gesagt, eigentlich sei sie zu üppig ausgefallen. – Ich glaube daher, wir liegen da in etwa in der Mitte, wir haben es richtig gemacht. Das können, glaube ich, alle auf Grund dieser Debatte sehen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen.)

Herr Professor Van der Bellen, Sie sind ja jemand, der Fakten liebt – und ich schätze auch Ihre an sich stets unpolemische Argumentationsweise. Ich glaube, dass man schon auch einige Punkte korrigieren kann. Sie haben gemeint, die Frauenbeschäfti­gungsquote sei nicht ausreichend von uns beachtet worden. – Ich darf Ihnen eine Zahl nachreichen. (Der Redner hält eine Graphik in die Höhe.) Im „magischen“ Jahr 1999, mit dem ich uns gerne vergleiche (Ruf bei der SPÖ: Waren Sie da nicht auch Minis­ter?), lag die Frauenbeschäftigungsquote bei 59,6 Prozent – und sie ist im Jahre 2002, das ist das letzte Jahr, das uns statistisch vorliegt, auf 63,1 Prozent gestiegen, also plus 3,5 Prozent. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Österreich liegt hinsichtlich der Beschäftigungsquote, was die EU betrifft, sehr gut. Blau (auf die Graphik weisend) ist Österreich, rot ist die Eurozone. Wir legen da zu; der Abstand im EU-Vergleich ist enorm. Wir sind da also wirklich gut unterwegs.


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Magda Bleckmann bin ich sehr dankbar, hat sie nämlich auf eine interessante Pressekonferenz hingewiesen, die am 20. Oktober 2003 stattgefunden hat. Damals hat Dr. Gusenbauer – heute hat er ja jede konkrete Aussage vermieden – sehr konkret gesagt, was sich die SPÖ vorstellt. Und das waren einige spannende Themen. Erstens: Dr. Gusenbauer hat vorgeschlagen, es sollen Einkommen bis 15 000 € pro Jahr steuerfrei gestellt werden. – Was machen wir? Steuerfrei bis 15 770 €! Das ist doch, meine ich, nicht schlecht; sogar besser als das SPÖ-Konzept! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Sie, Herr Dr. Gusenbauer, haben damals vorgeschlagen, die Negativsteuer zu verdop­peln; ein Volumen von etwa 60 Millionen €. – Wir machen das, allerdings zweckge­bunden für die Kinder, denn damit treffen wir nämlich genau jene 100 000 Alleinerzie­herinnen, die die größten Probleme gehabt haben. – Gefordert, und wir machen es, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.)

Ein weiterer SP-Vorschlag war, 1 Milliarde € soll in die investierende Wirtschaft fließen. Und Sie haben gesagt, einer Absenkung des nominellen Körperschaftssteuersatzes auf 25 Prozent könnte die SPÖ durchaus zustimmen. (Heiterkeit bei der ÖVP und Zwi­schenrufe in Richtung SPÖ.) Meine Damen und Herren, das ist unser Vorschlag – und wir werden sehr darauf achten, ob Sie zustimmen werden, Herr Abgeordneter Gusen­bauer! (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Weiters haben Sie, Herr Abgeordneter Gusenbauer, gesagt, in dem Jahr, in dem das beschlossen wird, dürfen ein paar Zehntelprozent auf oder ab beim Defizit keine Rolle spielen. – Das meinen wir auch: ohne dabei allerdings die langfristige Finanzierbarkeit in irgendeiner Weise zu gefährden. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Matz­netter.) – Ich bin sehr gespannt, wie die konkrete Diskussion dann hier im Parlament laufen wird.

Noch ein Punkt. Viele Redner, auch der Opposition, haben gesagt, eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt und viel wichtiger eine Senkung der Lohnnebenkosten. – Ja, dieser Meinung sind wir auch. Und seit ich im Amt bin – Herbert Haupt hat das mit mir durchgefochten –, haben wir die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Höhe von 650 Millionen €, das sind 9 Milliarden Schilling, entlastet! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Das Interessante allerdings – und jetzt kommt die Pointe; Applaus kostet mich Rede­zeit (Heiterkeit bei der ÖVP) –: Im Zusammenhang mit Lohnnebenkostensenkung, Dienstgeberbeitragssenkung für die Krankenversicherung hat die Opposition am 7. Juni 2000 wie gestimmt? – Sie war dagegen, Rot und Grün haben gegen diese Senkung gestimmt! (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Wie haben Sie von SPÖ und Grünen am 11. Juni 2003 in Bezug auf die Lohnneben­kostensenkung der älteren Arbeitnehmer gestimmt? – Sie waren dagegen, meine Damen und Herren!

Daher: Die wirklichen Lohnnebenkostensenker sind wir von ÖVP/FPÖ, ist diese Regie­rung – und darauf sind wir stolz! Und dieser Vergleich soll auch überall bekannt wer­den, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Enthüllen wir doch auch das Geheimnis, was hinter den Gegenfinanzierungen der Opposition steht! Sprechen Sie es hier offen aus, kommen Sie ans Rednerpult, und sagen Sie es! SPÖ und Grüne haben immer die Anpassung der Vermögenssteuern an das Niveau anderer EU-Staaten gefordert: das heißt eine Vervierfachung der Grund­steuer und eine Verdreifachung der Erbschafts- und Schenkungssteuer. (Oh-Rufe bei der ÖVP.) Sagen Sie diese Wahrheit den Menschen!


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Wir machen das nicht. Wir sind hier ehrlicher und stehen zu dem Programm, das wir uns gesetzt haben. (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.)

Letzter Punkt: Herr Abgeordneter Kogler, was mich sehr betroffen gemacht hat, ist Ihre Polemik gegen den Kirchenbeitrag. (Abg. Mag. Kogler: Die steuerliche Behandlung!) Jetzt sage ich Ihnen etwas sehr offen. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzei­chen.) Der absetzbare Kirchenbeitrag ist seit 15 Jahren nicht mehr verändert worden, er wird jetzt von 70 € auf 100 € pro Jahr angehoben (Zwischenruf des Abg. Dr. Matz­netter), und dieses Geld geht in die Betreuung der Ärmsten der Armen, wird für Sozialprojekte, für Bildungsprojekte, für Flüchtlingsbetreuung und für Denkmalschutz verwendet. Schämen Sie sich dafür, dass Sie das in einer so kritischen Art und Weise thematisieren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.21

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt der Herr Vizekanzler. Ich erteile es ihm. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


12.21

Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach: Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundeskanzler! Geschätzte Regierungs­kolleginnen und -kollegen! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Wenn Sie sich be­ruhigt haben, würde ich gerne auch auf eine Meldung der Opposition eingehen. (Zwi­schenruf des Abg. Dr. Matznetter.) Herr Dr. Cap hat gemeint, dass wir, der Herr Bun­deskanzler und ich, „sektenähnliche Elemente“ in unseren Vorträgen gehabt hätten, und hat uns als „Bundes-Guru“ und „Vize-Guru“ bezeichnet.

Ich möchte mich heute „outen“: Ich bin nicht Mitglied einer Sekte, sondern Mitglied einer Bundesregierung, die fähig ist, trotz Übernahme von 150 Milliarden € an Schul­den im Jahr 2000 in relativ kurzer Zeit das Budget zu konsolidieren und in dieser Zeit eine Steuerentlastung von 4 Milliarden € – 1 Milliarde ist nämlich schon vorher in Pake­ten abgewickelt worden – durchzuführen ohne wesentliche Gegenfinanzierung durch Belastung anderer Bevölkerungsgruppen. Darauf bin ich stolz, Mitglied dieser Regie­rung zu sein! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich bin übrigens auch geneigt, Herrn Dr. Gusenbauer zu sagen: Nein, nicht diese Steu­erreform ist es, die zu spät kommt. Es ist ein Wunder, dass es durch konsequentes ausgabenseitiges Sparen und restriktive Budgetpolitik möglich ist, eine Steuerreform insbesondere zugunsten von 2 550 000 Österreichern, die steuerfrei gestellt sind, aber auch der übrigen Österreicherinnen und Österreicher abwickeln zu können, ohne dass wir in ein größeres Budgetloch hineinrutschen, wie unsere Freunde in Deutschland Ge­fahr laufen, es zu tun. Ich meine, Herr Dr. Gusenbauer: Nicht die Steuerreform kommt zu spät, sondern der Regierungswechsel im Jahr 2000 ist zu spät gekommen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Man müsste natürlich auf viele Argumente – die angeblichen Argumente – eingehen, aber das würde den Zeitrahmen sprengen. Der Herr Bundeskanzler ist schon auf einige Punkte eingegangen, ebenso wie Frau Dr. Bleckmann in ihrer Aussendung vom 20. Oktober 2003. Sie scheinen damals gut drauf gewesen zu sein, Herr Oppositions­chef, Sie haben da nämlich noch zwei Dinge zusätzlich gefordert, bei denen mich wie­derum interessiert, wie Sie in dieser Diskussion dazu stehen werden. (Abg. Dr. Gusen­bauer: Aber richtig zitieren!) Sie haben nämlich gesagt: Zur Konjunkturbelebung sollten Infrastrukturinvestitionen im Ausmaß von 1,5 Milliarden € erfolgen. – Wir haben jetzt 2,1 Milliarden € im Budget 2004 stehen. Sorry, dass wir ein bisschen besser sind, als Sie angenommen haben! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)


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Sie haben übrigens auch gesagt: Für Alleinverdiener und Alleinerzieher mit Kind soll es zusätzliche Entlastungen geben. – Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass wir auch diesen Punkt exakt erfüllt haben.

Meine Damen und Herren! Nachdem ich heute diese Debatte mitverfolgt habe und bei allem zumindest teilweisen Verständnis für das Schlechtmacher- und Krankjammerer-Syndrom, das Sie offensichtlich befallen hat, frage ich Sie: Können Sie sich nicht einmal freuen, dass dieser Regierung hier offensichtlich wirklich das gelungen ist, was andere im Ausland auch bejubeln? – Die „Frankfurter Zeitung“ schreibt ja nicht zu Un­recht: Der österreichischen konservativen Regierung ist mit ihrem Entwurf zur Steuer­reform ein großer Wurf gelungen. Die vorgelegten Eckpunkte bringen dem Mittelstand eine deutliche Entlastung.

Meine Damen und Herren! Helmut Kramer vom WIFO sagt: Beachtlicher Erfolg; die Reform ist den Anliegen der Bevölkerung nachgekommen, in überraschend klarem Ausmaß. Er sieht keine Verlierer bei der Reform. – „Mittagsjournal“, 10. Jänner.

Und Bernhard Felderer sagt: Die Deutschen haben gemessen am BIP gerade die Hälfte des Volumens zustande gebracht und klopfen einander begeistert auf die Schul­tern.

Jetzt müssen Sie uns ja nicht auf die Schultern klopfen. Aber wenn sich im Inland und im Ausland Experten freuen, freuen Sie sich doch ein bisschen mit, dass uns das wirklich gelungen ist in diesem Österreich! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich habe mich ein bisschen darüber gewundert und auch geärgert, Herr Professor Van der Bellen, dass Sie gesagt haben: Diese österreichische Regierung macht Geschenke an Unternehmen. – Es wurde heute schon gesagt, ich möchte nur noch eine Zahl da­zusagen ... (Abg. Dr. Cap: Kapitalgesellschaften, hat er gesagt!) Ja, natürlich: Mit der KöSt-Senkung – das müssten Sie eben wissen – bedienen wir auch 80 bis 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, weil sie in genau diesen Unternehmen tätig sind, die davon profitieren!

 


Präsident Dr. Heinz Fischer (das Glockenzeichen gebend): Bitte, die Redezeit zu be­achten, Herr Vizekanzler!

 


Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Vizekanzler Hubert Gorbach (fortsetzend): Sie werden auch wissen, dass 61 Prozent der unselbständig Beschäftigten bei Kapitalgesellschaften zu finden sind. Daher ist dies Arbeitsplatz­sicherung! Aber wir werden noch Gelegenheit haben, darüber intensiver zu diskutie­ren. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

12.26

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine Damen und Herren! Wir haben noch acht Redner vereinbart und haben 34 Minuten, das kann nicht anders sein als acht mal vier. Das funktioniert aber nur, wenn es genau eingehalten wird und der Applaus nicht zu viel Zeit kostet. Sonst müssten wir die letzte Runde auf 3,5 Minuten kürzen. Ein anderer Vorschlag liegt nicht vor.

Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Bures. Redezeit: 4 Minuten. – Bitte.

 


12.27

Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wissen Sie, Herr Bundeskanzler und Herr Vizekanzler, ich bin sehr froh darüber, dass Ihren wilden Propagandareden hier eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung keinen Glauben schenkt. Die Menschen sind klüger, als Sie glauben, und das ist gut so. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)


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Es zeigen dies alle Umfragen: Alle wissen, dass es nur wenige gibt, die davon profitie­ren, und dass die Mehrheit der Bevölkerung leider leer ausgeht. (Abg. Steibl: Sie lesen die falsche Zeitung!) Diese Ankündigungen für 2005, die Sie jetzt gestartet haben, sind eine große Enttäuschung. 80 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe gehen leer aus und bekommen keinen Cent. (Abg. Dr. Stummvoll: Falsch!) 2,3 Millionen Menschen, Arbeiterinnen und Arbeiter und Pensionisten, gehen leer aus, die bekommen keinen Cent. (Ruf bei der ÖVP: Falsch!)

Wissen Sie, was das Enttäuschendste an Ihren Steuerreform-Ankündigungen ist? – Das Enttäuschendste ist, dass wir eine Situation haben, in der 340 000 Menschen ohne Arbeit dastehen, und Sie eine Steuerreform machen, die überhaupt nicht greift, die nicht gegensteuert und die keine Impulse für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt darstellt. (Abg. Großruck: ... und das glauben Sie selber nicht, was Sie da verzapfen!) Diese 340 000 arbeitslosen Menschen hat diese Regierung zu verantworten. Dafür sind Sie verantwortlich, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

Sie von ÖVP und FPÖ reagieren auf 340 000 arbeitslose Menschen mit einer Steuer­reform, die einigen wenigen zugute kommt, und Sie reagieren auch damit, dass es wei­tere Vorschläge gibt, wie Sie das Geld für diese Geschenke wieder hereinbekommen, nämlich mit einer Streichung der Wohnbauförderung. Da haben Sie kein Problem, dass das bedeuten wird, dass die Arbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft massiv steigt und dass die Mieten steigen. Daher ist Ihre Politik schuld an der Arbeitslosigkeit in Öster­reich! (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Stummvoll, es gibt Menschen, die nicht wie Sie vier Pensionen haben, wenn sie alt sind, sondern die Sorge um Armut im Alter haben. Das haben Sie nicht, Sie haben sich abgesichert, Sie werden in Zukunft vier Pensionen beziehen. (Abg. Großruck: ... auch die Regierung verantwortlich!)

Ich kenne einen Pensionisten – Herr Bundeskanzler, das wären einmal Beispiele für Sie –, der mich angerufen und mir gesagt hat: Ich habe im Jahre 2000 1 498 € Pension gehabt, und ich habe im Jahre 2004 1 474 € Pension, Monat für Monat um 24 € weni­ger. – Sie haben gesagt, es wird zu keinen Pensionskürzungen kommen. Dieser Pen­sionist sagt mir: Es wurde immer gesagt, es wird in die Pensionen nicht eingegriffen, das ist alles eine Lüge, er sieht es bei der Überweisung seiner Pension – Monat für Monat weniger! (Beifall bei der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Dieser Pensionist hat von einer Lüge gesprochen, nehme ich an, nicht Sie, denn wir verwenden dieses Wort nicht.

 


Abgeordnete Doris Bures (fortsetzend): Herr Präsident! Ich habe den besorgten Pensionisten zitiert, der sich an mich gewandt hat. (Abg. Mag. Molterer: Haben Sie ein Glück, dass der Präsident hilft mit der objektiven Amtsführung!)

Um zu einigen wenigen Gewinnern zu kommen: Die wenigen Gewinner sitzen auf der Regierungsbank. Es ist Herr Bartenstein, er bekommt in Zukunft Jahr für Jahr um 17,2 Millionen Schilling mehr durch diese Reform. Herr Prinzhorn bekommt in Zukunft Jahr für Jahr um 33 Millionen Schilling mehr. (Bundesminister Mag. Grasser: Woher haben Sie dies, Frau Abgeordnete?) Daher hat die Bevölkerung natürlich zu Recht den Eindruck, Sie richten es sich, und die Menschen gehen leer aus. (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Finanzminister! Es gibt ein Sprichwort, und jetzt zitiere ich auch ein Sprichwort: Lügen haben kurze Beine. Es gibt eine „NEWS“-Vorausmeldung, ganz aktuell: Sie haben immer davon gesprochen, dass Sie 175 000 € von der Industriellenvereinigung bekommen haben. Es wurde aufgedeckt, dass es 283 000 € sind, und seit heute, seit wenigen Minuten, wissen wir: es sind 352 000 €, die Sie sich offensichtlich haben finanzieren lassen. (Oh-Rufe bei der SPÖ. – Abg. Dr. Fasslabend: Das ist nicht fair,


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was da geschieht! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Herr Finanzminister, Sie verwechseln dieses Land und dieses schöne Österreich offensicht­lich mit einem Selbstbedienungsladen! (Beifall bei der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte die Redezeit zu beachten!

 


Abgeordnete Doris Bures (fortsetzend): Ich komme zum Schlusssatz: Herr Bundes­kanzler, ich denke, dass Ihr Ziehsohn, Ihr Finanzminister Nimmersatt, längst rücktritts­reif ist. (Beifall bei der SPÖ.)

12.31

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Grillitsch.

Wir haben viele Tage Sitzung gehabt, ohne das Wort „Lüge“ zu verwenden. Ich bitte dringend, dass wir bei dieser Praxis bleiben, selbst wenn es in Sprichworte gekleidet ist. Mir gefällt das nicht!

Bitte, Herr Abgeordneter Grillitsch.

 


12.31

Abgeordneter Fritz Grillitsch (ÖVP): Herr Präsident! Keine Sorge, diese Gefahr be­steht bei mir nicht. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Herr Bundeskanzler! Meine Herren Regierungsmitglieder! Da unterscheiden wir uns, auch im Stil, miteinander umzugehen, den Menschen zu helfen und ihnen einen Rah­men zu geben, dass sich die Menschen orientieren können. Das beweist diese Regie­rung mit Kompetenz, mit Verantwortungsbewusstsein und mit Stabilität, und dafür danke ich. Denn nur so können wir die Zukunft sichern, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Diese Steuerreform ist ein großer Wurf, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht! Die Überraschung ist Ihnen sichtlich ins Gesicht geschrieben. (Heiterkeit bei der SPÖ.) Denn Sie wirken konzeptlos und orientierungslos, meine Damen und Herren von der Opposition! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Frau Kollegin aus Kärnten, ausgestattet mit Uralt-Konzepten, die Sie heute hier auf den Tisch gelegt haben und ständig auf den Tisch legen! (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Diese Regierung kennt die Bedürfnisse der Menschen. Diese Regierung weiß, was die Wirtschaft braucht. Diese Regierung weiß, wie man Arbeitsplätze sichern kann. Diese Regierung weiß, wie man die Wettbewerbsfähigkeit der Österreicherinnen und Öster­reicher stärkt. Dafür bedanke ich mich recht herzlich! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Denn das ist eine Entlastung und in Wirklichkeit, wenn Sie so wollen, ein Sicherungs­programm, meine Damen und Herren! Es ist ein Sicherungsprogramm für sichere Arbeitsplätze in Österreich, eine Entlastung für die Familien in Österreich und eine Sicherung für den Wirtschaftsstandort Österreich. Wenn Sie sagen, das sei eine Steu­erentlastung oder eine Steuerreform für Industrielle und für Traktorfahrer, dann haben Sie nicht erkannt, wie man den Wirtschaftsstandort Österreich sichern kann. (Abg. Öllinger: Ja, ja! – Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.)

Denn Faktum ist – und das sage ich 90 Tage vor der Erweiterung –, in 90 Tagen ste­hen zehn neue Länder in Europa mit uns im Wettbewerb, meine Damen und Herren! Die Senkung der KöSt – und Sie werden sich wundern, wenn ich das als Bauernver­treter jetzt sage – sichert den Wirtschaftsstandort Österreich! Das Beispiel Pöls zeigt die Auswirkungen davon: 300 Arbeitsplätze in meiner Heimatregion, wenn Heinzel die Kapazität, die Produktion verdoppelt; Absatz für die Forstwirtschaft in dieser Region; dies sichert Einkommen der Menschen in dieser Region (Abg. Dr. Matznetter: Aber nur für die Kapitalgesellschaften!), damit die Menschen dort Investitionen tätigen


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können und damit die Wertschöpfung in der Region bleibt, meine Damen und Herren! Und dafür bedanke ich mich. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Die Entlastung für Pendler ist gerade im ländlichen Raum eine wesentliche Frage. Die Entlastung für die Familien ist, wie schon mehrfach angesprochen, ein wesentlicher Faktor, auch für meine bäuerlichen Familien. Wenn Sie sagen: für ein paar Traktor­fahrer – wollen Sie haben, dass die Bauern in Österreich ewig einen um 40 Prozent höheren Dieselpreis als im EU-Schnitt bezahlen? Wenn Sie das wollen, dann sagen Sie es laut! Das sichert nämlich – ebenso das Aussetzen der Schaumweinsteuer – den Wirtschaftsstandort Landwirtschaft. Das sichert Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, das sichert den bäuerlichen Familien Einkommen. Das ermöglicht es den bäuerlichen Familien auch, dass wir weiterhin das Anforderungsprofil, das Sie, nämlich die Gesell­schaft, an uns stellen, erfüllen können, nämlich sichere Lebensmittel zu produzieren, die Landschaft offen zu halten und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Das ist wiederum nur möglich, weil es zum richtigen Zeitpunkt die entsprechenden Steuerent­lastungen gibt. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Ich komme schon zum Schluss. Ihr Konzept hätte gelautet: Verdreifachung der Grundsteuer, Verdreifachung der Erbschaftssteuer, Verdreifachung der Schenkungssteuer. Das wäre ein Arbeitsplatzvernichtungsprogramm gewesen!

Heute haben wir ein Programm vor uns (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzei­chen), das alle entlastet, das in Wirklichkeit ein Sicherungsprogramm ist und das auch in Zukunft den Wirtschaftsstandort Österreich entsprechend absichert. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.35

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Pilz. Er hat das Wort.

 


12.36

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die österreichischen Kirchen sind wichtige Bündnispartner, gerade für uns Grüne, um die sozialen und menschlichen Folgen der Regierungspolitik nach Möglichkeit zu lindern. Sie sind da sehr verlässlich. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Mag. Molterer: Weiß das auch Herr Kogler? Herr Kogler weiß das nicht!)

Der Kirchenbeitrag ist eine private Vereinbarung zwischen den Mitgliedern der Kirche und der Kirche selbst. Das geht uns als Politiker nichts an – vielleicht Sie, Herr Bun­deskanzler, aber das ist ein etwas anderes Kirchenverständnis als das der Zweiten Republik. (Abg. Großruck: Konkordat gibt es auch keines! – Zwischenruf der Abg. Dr. Fekter.) Was uns interessiert, ist die steuerliche Behandlung des Kirchenbeitrages und der Einkommen der Kirche, und da sagen wir: Bevor die Kirche, die nicht zu den Allerärmsten dieser Republik gehört, steuerlich entlastet wird, wäre es doch etwas fairer (Abg. Dr. Fekter: Nicht die Kirche, die Bürger werden entlastet!), die wirklich sozial Schwachen und Benachteiligten zu entlasten und nicht darauf hinzuweisen, dass sie sich bei einer sozial und steuerlich entlasteten Kirche ja wieder einmal um eine Klostersuppe anstellen können. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Das ist nicht das Ziel einer fairen Steuerpolitik! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ. – Abg. Dr. Fekter: Die Kirche zahlt keine Kirchensteuer ...! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Deshalb, Herr Bundeskanzler, bleibt es bei unserer Feststellung: Es ist bedauerlich, dass wir konfrontiert sind mit einer Steuerreform für Reiche, für Fromme und für Trak­torfahrer. Andere hätten sich mehr verdient. Wir wünschen uns: gescheite Energiepoli­tik steuerlich unterstützen, Arbeit entlasten und steuerlich unterstützen, Forschung und Entwicklung, Bildung und Ausbildung unterstützen. Da kann man Steuerpolitik machen.


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Das haben Sie verabsäumt, und das ist auch der Kern unserer Kritik. (Abg. Mag. Mol­terer: Herr Pilz! Wie funktioniert ein Absetzbetrag?)

Jetzt ist klar, warum das so kam, wenn man sich die Statuten einer der wichtigsten steuerpolitischen Einrichtungen, eines Think Tanks dieser Republik, vor Augen führt, nämlich die Statuten des Vereins zur Förderung der New Economy. (Abg. Dr. Fekter: Lernen Sie Steuerrecht!) Denn dort wird wirklich Steuerpolitik gemacht, und im § 2 der Statuten dieses Vereins heißt es: „Mag. Karl-Heinz Grasser“ – der bekanntlich mit dem Verein nichts zu tun hat, aber Vereinszweck ist – „hat dem Gedanken der New Eco­nomy entscheidende Impulse versetzt. Der Verein bezweckt ... f) die Zusammenarbeit mit Interessensvertretungen und anderen Institutionen zur Unterstützung der Zweck­verwirklichung.“ (Abg. Dr. Fekter: Das ist nichts Unanständiges!)

Genau das ist mit dieser Steuerreform passiert: Spenden privat nehmen, um aus öffentlichen Geldern hundertfach zurückzahlen zu können! Das ist das, was im Verein unter „Mag. Karl-Heinz Grasser“ als Zweckverwirklichung angegeben wird.

Wenn – und da ist in den letzten Tagen einiges an Verwirrung entstanden – die Indust­riellenvereinigung spendet, dann braucht man sich nur – wenn Herr Mag. Winkler und Herr Mag. Grasser das noch immer nicht wissen – die Erlagscheine, die Überwei­sungsscheine der Industriellenvereinigung anzuschauen. Da haben Sie schwarz auf weiß die Überweisungen, da haben Sie die erste Überweisung vom 20. April 2001 auf das Konto der Creditanstalt „Verein zur Förderung der New Economy“, da haben Sie die zweite Überweisung am 7. November 2001, und da haben Sie nach wie vor die offene Frage an den Finanzminister: Warum? Wofür? Welches Interesse wurde mit diesem Aufwand, mit den Geldern der Mitglieder der Industriellenvereinigung vertre­ten?

Herr Finanzminister, dann wird es noch spannender. „NEWS“ veröffentlicht neue Zahlen. Ich kann hier vom Pult aus nicht überprüfen, ob sie stimmen oder nicht, aber bis jetzt – und das möchte ich festhalten – hat leider alles gestimmt. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Aber da gibt es einen Fonds ...

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte, den Schlusssatz!

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (fortsetzend): Gern, Herr Präsident. – Da gibt es einen Fonds, der Ihnen persönlich gehört, und auf den sind zweimal Gelder geflossen. Des­halb fordere ich Sie auf, Herr Finanzminister: Legen Sie Ihren Fonds offen! Legen Sie die Gelder, die Sie genommen haben, offen! Und legen Sie vor diesem Parlament ein erstes Mal in Ihrer politischen Karriere eine offene und faire Rechnung! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

12.40

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Bucher. 4 Minu­ten. – Bitte.

 


12.40

Abgeordneter Josef Bucher (Freiheitliche): Herr Präsident! Verehrte Regierungsmit­glieder! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist schon abenteuerlich. Wir dis­kutieren heute über die Steuerreform, die größte Steuerreform in der Zweiten Republik, und Ihnen fällt nichts anderes ein, als ständig auf dem Finanzminister herumzuhacken und eine Homepage auseinander zu klauben.

Es gibt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, ein Verfahren ist im Laufen. Dabei wird doch wohl etwas herauskommen oder eben auch nicht. Aber Sie sollten an diesem bedeutenden Tag diesen sehr wichtigen Diskussionspunkt, wo es um einen Meilenstein in der Steuergeschichte Österreichs geht, nicht dazu benutzen, dem Herrn


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Finanzminister ständig seine Homepage anzukreiden. Das ist sicherlich kein geeigne­ter Weg! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Von Ihnen, Herr Wirtschaftsprofessor Van der Bellen, hätte ich mir ehrlich gesagt schon erwartet, dass Sie auch einmal zur Steuerreform und zu ihren einzelnen wirklich epochalen Maßnahmen ganz klar Position beziehen, dass Sie Stellung nehmen zu dem, was diese Bundesregierung, diese Reformregierung hier auf den Weg gebracht hat. Doch auch Sie haben wieder nur auf dem Finanzminister herumgehackt. Ich glaube, dass die Österreicherinnen und Österreicher dringendere Bedürfnisse und drin­gendere Interessen haben als die ständige Herumhackerei wegen einer Homepage, nämlich beispielsweise an einer Steuersenkung. (Abg. Dr. Fekter: Sie finden eben sonst nichts zu kritisieren!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie von Seiten der Opposition haben auch kritisiert, dass die Steuerermittlung zu kompliziert ist. Das ist jetzt eine klare, trans­parente und einfache Steuerberechnung, die hier vom Finanzminister auf die Reise geschickt wurde, die es jedem Österreicher ermöglicht, seine Steuer selbst und einfach zu berechnen.

Sie von der SPÖ kritisieren, dass die Steuerersparnis zu gering ausgefallen ist: Sie hätten in den letzten 30 Jahren genug Zeit gehabt, eine Steuerreform zu machen, die der vorliegenden in diesem Ausmaß entspricht. Sie haben es nicht geschafft! Nicht ein­mal drei Steuerreformen unter sozialdemokratischen Finanzministern haben es ge­schafft, auch nur die halbe Entlastung, die wir jetzt auf die Reise schicken – 4 Milliar­den € –-, in die Wege zu leiten. Meine Damen und Herren! Das ist zu wenig, das ist nicht genug, um hier Kritik zu üben!

Sie haben gesagt, dass diese Steuerreform auf Pump gemacht wird. (Abg. Dr. Matz­netter: Das war doch immer Ihr Argument!) Wenn Ihnen als Alternative dazu nur einfällt, Steuererhöhungen vorzunehmen, um diese Steuerentlastung zu finanzieren, indem Sie etwa die Vermögenssteuer wieder einführen wollen, dann frage ich Sie: Ist Ihnen eigentlich bewusst, welche Auswirkungen das auf die Börse, die Börsenentwick­lung hätte, Herr Matznetter? Gerade jetzt, wo wir doch alle glücklich sein können, dass es mit der Börse, mit dem Kapitalmarkt wieder aufwärts geht in Österreich, just genau dann wollen Sie die Vermögenssteuer wieder einführen! (Abg. Öllinger: Ja, da können wirklich alle glücklich sein!)

Oder die Erbschafts- und Schenkungssteuer, die nur 120 Millionen einbringt, aber einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursacht. 80 Prozent der Überprüfungsfälle führen zu keinem Ergebnis. Nehmen Sie das auch einmal mit in Ihre Überlegungen auf!

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn Sie von den Grünen kritisieren, dass die KöSt-Senkung zu großzügig ausgefallen ist, dann darf ich Ihnen sagen, dass die österreichische Wirtschaft in Anbetracht der Vorbereitung auf die Osterweiterung dringend eine Entlastung braucht. Das bedeutet nämlich auch eine Entlastung für die Arbeitnehmer, weil die Wirtschaft letztendlich Arbeitsplätze und Einkommen schafft und das daher richtig und wichtig für den Wirtschaftsstandort Österreich ist. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

12.44

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Matznetter. Er hat das Wort.

 


12.44

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Meine


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Damen und Herren an den Fernsehern! (Abg. Scheibner: Das geht sich nicht mehr aus!) Wenn Meinungsumfragen ergeben, dass die Mehrheit von Ihnen annimmt, dass Sie wenig oder fast nichts bekommen werden: Sie haben Recht! (Beifall bei der SPÖ.)

Ich darf das Wort mit dem „L“ vorne für das Nichtsagen von Wahrheiten hier nicht ver­wenden, und ich halte mich an die Empfehlung des Präsidenten. Ich bleibe daher bei der Rentnerin mit den 1 000 €. Wenn sie heute – Jänner 2004 – auf ihre Pensions­abrechnung schaut und erwartet, dass stimmt, was der Herr Bundeskanzler sagt, nämlich im Jahr 2005 um mehr als 600 € mehr, so wird sie sich getäuscht fühlen. Es sind nämlich nur 109,60 €! Das ist die nackte Wahrheit, die traurige Wahrheit.

Nun gleich auch zu den anderen Unsinnigkeiten, die gesprochen worden sind: Die Kör­perschaftssteuersenkung komme 80 Prozent der Unternehmen zugute. Bitte, alleine nach der letzten Körperschaftssteuerstatistik zahlen von 88 418 Körperschaften fast 60 000 – 59 073 – nur die Mindest-KöSt. Wenn man dann noch die 14 000 Fälle ein­bezieht, die ein Einkommen von unter 14 000 € haben, gibt es nur eine ganz kleine Gruppe von Unternehmern, die absahnt. Das hat keine Beschäftigungswirkung!

Auch der Herr Bundeskanzler hat uns diesbezüglich falsch informiert: In der Wifo-Studie, die die Regierung selbst ausgeteilt hat, wird die Wirkung bei 2,5 Milliarden € Entlastung für 2005 mit nur 0,3 Prozent und für 2006 mit 0,4 Prozent – also in der statistischen Fehlerbandbreite – angegeben. (Abg. Scheibner: Das ist falsch!) – Das ist Ihre Studie, das ist ganz einfach! – Und statt einer Wirkung auf die Beschäftigung im Ausmaß von 12 000 werden nur 4 000 angegeben. Also 8 000 Arbeitslose haben von dem Herrn ein Versprechen bekommen, das nicht eingehalten wurde.

Aber was uns viel mehr stört, ist: Es wurde nicht eingespart. Es wurde letztes Jahr in diesem Haus den ASVG- und GSVG-Pensionisten jährlich über 1 Milliarde € an Pen­sionsansprüchen weggenommen, und jetzt wird diese Milliarde als Beute an ganz wenige verteilt, die davon profitieren. (Abg. Scheibner: Wie reden Sie denn?)

Nur ein paar Beispiele, um gleich bei Personen hier im Haus zu bleiben: Die Gruppe Bartenstein – allein Gerot Pharmazeutika und Lannacher – spart sich in Summe 17 Mil­lionen Schilling, umgerechnet in Euro sind das 2,4 Millionen €. (Der Redner stellt eine Tafel mit den unter den Abbildungen von Bundesminister Dr. Bartenstein und Präsi­dent Dipl.-Ing. Prinzhorn angegebenen Steuerersparnisbeträgen auf das Rednerpult.)

Und im Bereich der Hamburger, im Bereich der Gruppe Prinzhorn: 33 Millionen Schil­ling. (Bundesminister Dr. Bartenstein: Das kann nicht stimmen!) Diese Zahlen resultie­ren aus den im Firmenbuch veröffentlichten Daten. 18 600 Lohnsteuerpflichtige bekom­men dieselbe Entlastung wie diese zwei Firmengruppen. Die haben sich die Beute geholt! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Scheibner.)

Sie wollen wissen, warum ich auch von einer nominellen Senkung gesprochen habe, Herr Scheibner? Ich sage es Ihnen: Weil Sie eine Korrektur technisch richtig vorneh­men hätten können, Sie haben das jedoch verabsäumt.

Und nun zum Herrn Finanzminister. Herr Finanzminister, Sie haben nicht nur 352 000 € an den Verein New Economy zahlen lassen. Es wurde heute bestätigt – so schreibt „NEWS“ –, dass es 9 900 € und 5 500 € waren, die auf Ihr privates Konto geflossen sind; „privates Konto“ deshalb, da es bis zur Errichtung des Fonds nur ein Treuhandkonto, nämlich jenes von Karl-Heinz Grasser, gegeben hat. Und das heißt nichts anderes, Herr Minister, als dass Sie die politische Verantwortung wahrzuneh­men haben. In diesem Land sind Minister wegen geringfügigerer Dinge zurückgetreten. Die Zahlung der 9 900 €, die Ihr Pressesprecher und mittlerweile Kabinettschef Winkler bestritten hat, wurde nach dem Bericht der Zeitschrift „NEWS“ von heute von der Justiz bestätigt.


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Herr Finanzminister! Nehmen Sie den Hut, bevor das Restliche hier im Hause in Form einer Untersuchung übernommen werden muss! – Danke, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

12.48

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Steibl. (Abg. Steibl begibt sich zum Rednerpult und platziert dort eine Tafel mit der Aufschrift „Weniger Steuern – Mehr Geld zum Leben“.)

 


12.48

Abgeordnete Ridi Steibl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Eingangs erst einmal zu den Ausführungen des Herrn Kollegen Matznetter. Sehr geehrter Herr Kollege Matznetter! Ich gebe Ihnen etwas mit auf den Weg: Unternehmer und Unternehmerinnen schaffen Arbeitsplätze! – Punkt eins. (Bei­fall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Nun zur Rede des Herrn Kollegen Pilz: Herr Kollege Pilz! Ich bin enttäuscht, ich hätte mir mehr erwartet. Dass Sie nicht einmal das Steuersystem kennen, dass Sie nicht ein­mal wissen, was ein Absetzbetrag ist, das hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Ein Absetz­betrag ist eine Entlastung für die Bürger und Bürgerinnen. Da wundert es mich nicht, dass Sie auch die Maßnahmen für unser Familienpaket nicht verstehen. Und das möchte ich Ihnen daher nun erläutern. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Alleinverdiener – und das möchte ich auch der Opposition mit auf den Weg geben – gehören meist kinderreichen Familien an, in denen ein Elternteil sich überwiegend um die Familienarbeit kümmert. (Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek.) Alleinerziehe­rInnen sind diejenigen, die keinen Partner haben, der zum Einkommen beiträgt. Und gerade diese Gruppe zählt besonders zu den armutsgefährdeten Gruppen. Und derzeit gibt es in Österreich (weitere Zwischenrufe bei der SPÖ) – gibt es eine Aufregung? (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen) – über 1 Million Alleinverdiener, und davon sind an die 100 000 Alleinerzieher. Das ist die Gruppe, auf die sich anscheinend die SPÖ und die Grünen immer stürzen. Und weil wir jetzt tatsächlich etwas für sie tun, sind Sie dagegen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Das erklärte Ziel dieser Bundesregierung mit Bun­deskanzler Schüssel an der Spitze ist, österreichische Familienpolitik an die Weltspitze zu bringen. Und sie ist dabei, mit Kraft, Kompetenz und klugen Schritten dieses Ziel zu erreichen.

Da noch heuer der Anspruch, das Recht auf Elternteilzeit in Kraft tritt, kommt es nun zu einer Einkommensstärkung für Familien mit einem wirksamen Volumen von 250 Millio­nen €. „Weniger Steuern – Mehr Geld zum Leben“ heißt es ab sofort für Familien. Ich möchte das noch einmal wiederholen, weil ich glaube, dass es sehr, sehr wichtig ist, dass man das den Österreicherinnen und Österreichern mit auf den Weg gibt. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Es geht um die Anhebung der Zuverdienstgrenze beim Alleinverdienerabsetzbetrag von derzeit 4 400 € auf 6 000 €. Das ist ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und auch auf Wahlfreiheit bei der eigenen Lebensgestaltung.

Es geht weiters um die Einführung eines Kinderzuschlages: für das erste Kind 130 €, für das zweite Kind 175 € und für jedes weitere 220 €. Ich möchte auch nicht auf die Erhöhung des Pendlerpauschales um 15 Prozent vergessen, sondern dies besonders erwähnen, weil gerade das eine wichtige Maßnahme für die Bevölkerung, für die Fami­lien im ländlichen Raum ist. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Das bedeutet mehr Gerechtigkeit für Familien und Kinder. Allein durch die Entlastung unserer Familien in Höhe von 250 Millionen € stärken wir das wichtigste soziale Funda­ment unserer Gesellschaft. Denken Sie daran, und stimmen Sie mit! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.52

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mag. Weinzin­ger. – Bitte.

 


12.52

Abgeordnete Mag. Brigid Weinzinger (Grüne): Herr Präsident! Geschätzte Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Auf diesem schönen Taferl, das da heute so herumkursiert, findet sich ein wesentlicher Fehler. Da steht: „Weniger Steuern – Mehr Geld zum Leben“. Sie haben nämlich vergessen, draufzuschreiben: Mehr Geld zum Leben für Männer, denn das ist es, was Ihre Steuerreform macht. (Die Rednerin hält die von der Vorrednerin am Rednerpult zurückgelassene Tafel in die Höhe.) Also un­vollständig aus dem Verkehr gezogen. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ. – Abg. Steibl holt sich diese.) – Jetzt nimmt man mir sogar schon Unterlagen vom Rednerpult. Das ist neu in diesem Haus.

Wir haben eine Steuerreform, die im Groben aus drei Bereichen besteht, und alle drei Bereiche sind so strukturiert, dass in Summe gesehen insbesondere die Männer davon profitieren. Stehen Sie von der Regierung doch einfach dazu! Sie haben in der Steuer­politik natürlich Ihre Prioritäten, die ganz eindeutig und klar zum Ausdruck kommen. Sie haben die Priorität Wirtschaftsstandort – darauf werde ich dann noch ganz kurz eingehen, wenn es die Zeit erlaubt –, Sie haben die Priorität – ich würde es einmal so nennen – Klientelpolitik. Da haben wir den Agrardiesel ja schon genannt. Ich glaube, dass das in Wirklichkeit eine verfehlte Klientelpolitik ist. Diese Klientel hätte von ande­ren Maßnahmen sehr viel mehr, aber vielleicht lernen Sie das ja noch.

Eine weitere Priorität ist schließlich ein ganz klar orientiertes konservatives Familien­modell, das Sie begünstigen, denn der große Brocken dessen, was Sie als Familien­paket darstellen, ist der Alleinverdienerabsetzbetrag. Das heißt überspitzt formuliert: Sie geben den Männern in der Familie mehr Geld, damit die Frauen zu Hause bleiben und Haushalt und Kinder versorgen. Das ist Ihr Modell! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Man muss ganz klar sagen, dass auch die anderen Maßnahmen nicht geschlechts­neutral sind. Das Pendlerpauschale wird in überwältigend höherem Maße von Männern in Anspruch genommen als von Frauen. Eine Tarifabsenkung, wie Sie sie im Lohn- und Einkommensteuerbereich machen – da gibt es Berechnungen, übrigens nicht von mir, sondern vom Finanzministerium höchstselbst –, wirkt sich wie folgt aus: Ein Prozent Tarifabsenkung auf die Lohnsummensteuer bringt in Summe in etwa zweieinhalbmal so viel den männlichen Steuerzahlern als den weiblichen Steuerzahlerinnen. – Sie machen ganz genau das.

Wenn wir sagen, eine Steuerreform für alle, dann stelle ich mir vor, dass erstens tatsächlich alle, nämlich auch jene, die jetzt schon keine Steuer zahlen, weil sie derart wenig verdienen, davon profitieren können müssen. Und das heißt: Negativsteuer bitte dringend ausweiten! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Zweitens erwarte ich mir von einer Steuerreform für alle, dass Frauen mindestens in gleichem Maße davon profitieren wie Männer. Das schaffen Sie mit Ihrer Steuerreform nicht einmal im Ansatz. Ganz im Gegenteil: Sie bauen zusätzlich geschlechterpolitisch verzerrende Maßnahmen ein. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)


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Drittens: Wenn Sie Standortpolitik betreiben wollen, dann sollte auch dort sichergestellt werden, dass nicht geschlechterverzerrend gearbeitet und ein Standort devaluiert wird. Denn was Sie in Summe mit Ihren Maßnahmen machen – aber auch da gibt es keine Gegensteuerung –, ist eine sukzessive Potentialvernichtung. Sie vernichten nämlich das ungenutzte Potential der weiblichen Erwerbsfähigen, die nicht erwerbstätig sein können, weil ihnen die Jobs und vor allem die Rahmenbedingungen für Erwerbstätig­keit fehlen. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Und ein Letztes an den Herrn Bundeskanzler gerichtet: Wenn Sie ein derart ...

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte um den Schlusssatz!

 


Abgeordnete Mag. Brigid Weinzinger (fortsetzend): Mein Schlusssatz: Wenn der Herr Bundeskanzler ein derart großes Engagement für Absetzbeträge hat, die seit 15 Jahren oder länger nicht abgeändert worden sind, dann bitte auch für den Behinder­tenfreibetrag. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

12.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dolinschek. – Bitte.

 


12.56

Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Sehr ge­ehrte Damen und Herren! Diese Steuerreform bringt für alle mehr Geld im Geldbörsel, höhere Absetzbeträge, die Familien werden entlastet, die Arbeitsplätze werden ge­sichert, und die Unternehmen werden gestärkt. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Glawischnig: Das ist hier nicht der Villacher Fasching!)

Liebe Kollegen von der SPÖ! Ich habe ja großes Verständnis dafür, dass Sie diese Art der Steuerreform nicht verstehen, denn jeder Steuerreform, die Sie eingeführt haben, folgten Belastungen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Parnigoni: Die Belastung sind Sie!)

Während sich die österreichische Bevölkerung über diese massive Steuerentlastung freut, werden Rot und Grün in Österreich nicht müde, diese Steuerreform schlechtzu­reden. So betreibt die SPÖ Rosstäuschung. Denn bei den Berechnungen, die Sie jetzt dem Finanzminister unterstellen, Herr Kollege Matznetter, vermischen Sie zwei ver­schiedene Paar Schuhe, nämlich die Steuerreform, die mit 1. Jänner 2004 wirksam wird, jene, die mit 1. Jänner 2005 wirksam wird, und jene Teile, die vorgezogen wer­den. Ja, das verwechseln Sie, geschätzte Damen und Herren. Sie vergessen aber eines: dass Sie die Erbschaftssteuer, die Vermögenssteuer und die Grundsteuer an­heben würden, was jede Miete in die Höhe treiben würde. Das vergessen Sie den Leuten ebenfalls zu sagen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Außerdem schauen Sie doch über die Grenze nach Deutschland: Jeder Arztbesuch kostet 10 € für jeden, jedes Medikament zwischen 5 und 10 €. Bei uns beträgt die Rezeptgebühr 4,35 €. Das nur als Vergleich dazu.

Geschätzte Damen und Herren! Ich möchte mich hier an dieser Stelle für diesen großen Wurf der Steuerreform besonders bei jenen Personen bedanken, die diese Steuerreform ausverhandelt haben, in erster Linie beim Kärntner Landeshauptmann Dr. Jörg Haider, der der Chefverhandler der Freiheitlichen war und der mit dem Herrn Finanzminister und dem Herrn Staatssekretär das ganze Paket in dieser Form für die Österreicherinnen und Österreicher ausverhandelt hat (Beifall bei den Freiheitlichen – Rufe bei der SPÖ: Lei, lei!), für die österreichische Wirtschaft genauso wie für die österreichischen Arbeitnehmer und für die Familien. Das betrifft vor allem jene Teile, die für die Familien vorgezogen worden sind. (Lebhafte Zwischenrufe bei der SPÖ. –


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Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) 250 Millionen € sind nämlich zusätz­lich rückwirkend für die österreichischen Familien vorgezogen worden.

900 000 österreichische Alleinverdiener, Kollege Matznetter, davon 100 000 Allein­erzieher, profitieren davon! Sie profitieren von dieser Steuerreform! Denn zum Absetz­betrag von 364 € kommen jetzt zusätzlich mit der Kinderstaffel pro ersten Kind noch einmal 130 € dazu, für das zweite noch einmal 175 € und für das dritte und jedes weitere noch einmal 220 €. Herr Kollege Matznetter, lesen Sie sich das einmal durch, dann werden Sie sehen, dass für die Familien Wesentliches geleistet wurde!

Die Zuverdienstgrenze wurde für diese Personen von 4 400 auf 6 000 € angehoben. Auch das Pendlerpauschale ist angehoben worden – eine Forderung auch von den Arbeiterkammern. Um 15 Prozent ist das Pendlerpauschale angehoben worden. Und das Tarifsystem, Herr Kollege Matznetter, ist jetzt endlich einmal transparent.

Jeder Arbeitnehmer in Österreich hat sich maßlos darüber geärgert, wenn er eine Lohnerhöhung erhalten hat und in die nächste Steuerstufe gefallen ist.

Jetzt sind einmal die niedrigen Einkommen steuerfrei, und dann gibt es ein lineares Anwachsen des Steuersystems und keine Grenzsteuersätze mehr, sondern Durch­schnittssteuersätze. – Das ist ein wesentlicher Vorteil, Herr Kollege Matznetter! Diese Entlastung bringt jedem einzelnen Lohnsteuerzahler Steuerersparnisse zwischen 165 € und 670 € im Jahr.

Frau Weinzinger hat gesagt, die Frauen seien dabei schlechter dran. – Frau Weinzin­ger! Besonders die Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen – und das sind vor allem Frauen – profitieren davon, bei diesen wird es zusätzlich zu einer Entlastung von 440 € pro Jahr kommen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Zur Sicherung des österreichischen Wirtschafts­standortes ist es aber auch wichtig, dass die Körperschaftssteuer abgesenkt wird, denn immerhin arbeiten 1,4 Millionen Arbeitnehmer in Kapitalgesellschaften. – Das sind über 60 Prozent der österreichischen Betriebe. Für den Wirtschaftsstandort Österreich und für die Sicherung der Arbeitsplätze in Österreich ist das immens wichtig, und darauf bin ich besonders stolz. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Silhavy: Lei, lei!)

13.01

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Kollege Dolinschek! Für „Rosstäuscherei“ ist in der XIX. GP ein Ordnungsruf erteilt worden, aber ich nehme an, Sie haben es nicht so ge­meint, oder? – Sagen wir es einmal so.

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Gartlehner. Redezeit: 5 Minuten. Kollege Prinzhorn übernimmt dann den Vorsitz. – Bitte.

 


13.01

Abgeordneter Ing. Kurt Gartlehner (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Ge­schätzte Herren auf der Regierungsbank! Dem Sigi Dolinschek sei ins Stammbuch geschrieben: Ich kenne dich als redlichen Makler, aber der Kärntner Wahlkampf hat auch hier deine Emotionen zu sehr nach oben getrieben. Die Unterstellung, dass Jörg Haider diese Steuerreform gemacht hätte, hat sogar dem Herrn Bundeskanzler ein Lachen abgezwungen. (Präsident Dipl.-Ing. Prinzhorn übernimmt den Vorsitz.)

Lieber Kollege Dolinschek! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es wurde heute angesprochen, die Börse Wien entwickle sich auf Grund der wirtschaftlichen Aktivitäten dieser Bundesregierung so toll. Ich glaube, die Börse Wien profitiert in erster Linie davon, dass in den letzten Jahren staatliches Eigentum, staatliche Top-Betriebe ver­schleudert und unter ihrem Wert verkauft wurden. Diese Performance nimmt momen-


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tan die Börse Wien mit. Das ist ja nicht nur mein Standpunkt, sondern viele Experten sind ebenfalls dieser Meinung.

Abgesehen davon, dass natürlich an der Börse Wien ein „Lüfterl“ ganz positiv ist, bleibt doch zu befürchten, dass durch überhitzte Aktivitäten wieder große Mitnahmeeffekte entstehen werden. Auch der Abverkauf von Aktien wird oft angereizt, wenn die Ge­winne zu schnell eingefahren werden, und genau das passiert momentan an der Börse Wien. Ich glaube also, auch hier wären mehr Sorgfalt und mehr Sensibilität nutzbrin­gender und insgesamt besser.

Zur „größten Steuerreform“: Wenn man die absoluten Beträge hernimmt – wie der Bun­deskanzler sie erwähnt hat: 550 € Grasser-Finz und 350 € Edlinger vor sieben Jah­ren –, dann stimmt das natürlich nur ohne Gegenrechnungen, ohne Abgabenerhöhun­gen. Meine Damen und Herren! In Summe ist aus dieser „größten Steuerreform“ netto gerechnet natürlich nur eine bescheidene und von der Verteilung her – wie ich meine – sehr problematische Steuerreform übrig geblieben.

Die Freude darüber, dass zwei Millionen österreichische Arbeitnehmer keine Steuern mehr bezahlen, stellt sich letztendlich als sehr problematische Position heraus (Abg. Heinisch-Hosek: Bedauerlich!), denn diese Steuerfreiheit wird im Endeffekt dadurch erzielt, dass die Einkommen von sehr vielen Leuten sehr gering sind, dass die Einkom­men von immer mehr Menschen in Österreich immer geringer werden und daher eben immer mehr Leute keine Steuern zahlen. Ich glaube, es ist der falsche Anreiz, das hier so zu bewerben.

Man muss, gesamt gesehen, wirklich danach trachten, dass die Steuerpolitik ähnlich wie die Förderpolitik auf europäischer Ebene harmonisiert wird, um dadurch diesem Druck auf die Steuersätze und auf die Steuerquoten zu entkommen und so einem gerade jetzt in Zusammenhang mit der Erweiterung der Europäischen Union eigentlich sehr unfairen Wettbewerb entgegenwirken zu können. Eine Harmonisierung der Steu­ersysteme in der Europäischen Union wäre tatsächlich angebracht, damit Produktivität und Performance, die absoluten und echten Leistungsdaten von Volkswirtschaften, wieder wirklich den Standortvorteil bestimmen können und nicht irgendwelche staats­politischen Eingriffe durch der Flat-Tax ähnliche Steuerquoten in der Slowakei oder in anderen Ländern.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist auch festzuhalten, dass die Staats­schulden des Bundes nach wie vor weiter ansteigen und dass die Einsparungen aus­schließlich von den Ländern und Gemeinden kommen. Das ist natürlich auch eine sehr problematische Entwicklung, weil man jetzt schon sieht, dass die finanzielle Gebarung der meisten Gemeinden instabil wird und diese Einnahmenentfälle für die Gemeinden natürlich sehr negative Entwicklungen im ländlichen Raum nach sich ziehen.

Wenn man schon hier groß von Infrastruktur spricht, dann soll man auch schauen, dass der ländliche Raum stärker mit besserer Infrastruktur versorgt wird. Infrastruktur in Ballungsräumen zu entwickeln ist kein Problem. – Dort finanziert sie sich selbst. Wir brauchen jedoch Infrastrukturentwicklungen im ländlichen Raum – dort, wo es wirklich etwas kostet. Das muss finanziert werden – ob von den Gemeinden, von den Ländern oder vom Bund, ist letztlich egal –, sonst wird es in den nächsten Jahren zu großen Abwanderungen kommen.

Zum Thema Jobs und Infrastruktur kann ich nur sagen: Die Sockelarbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren unter dieser Bundesregierung um 70 000 Menschen angestiegen. – Das ist keine kleine Zahl, sondern eine sehr problematische Entwicklung. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten hat sich dramatisch erhöht, und der positive Beschäftigtenzu­wachs generiert sich im Wesentlichen aus diesen Entwicklungen im Niedrigeinkom­mensbereich.


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In Summe ist Österreich sehr wohl noch ein guter Platz zum Leben und auch zum Arbeiten, aber die Bundesregierung wird gut daran tun, die Politik zu ändern, damit es auch so bleibt. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

13.07

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Felzmann zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


13.07

Abgeordnete Carina Felzmann (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staats­sekretär! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Diese Steuerreform ist ein Paukenschlag. Sie haben die definitiven Zahlen gehört. Mit diesen drei Bereichen – Familie, Tarifentlastung und Wirtschaft – ergibt sich das genannte Volumen von 3 Mil­liarden €. Das hatten wir noch nie in Österreich!

Wenn ich Ihrer Erinnerung ein bisschen nachhelfen darf: 1989 hat Herr Finanzminister Lacina eine Steuerreform in der Höhe von 0,8 Milliarden € zustande gebracht. Es folgte Finanzminister Edlinger mit einem Steuerreformvolumen von 1,2 Milliarden €. Jetzt haben wir durch Finanzminister Grasser und unseren Herrn Staatssekretär Finz für die Jahre 2004 und 2005 ein Volumen von 3 Milliarden €.

Sehr geehrte Damen und auch Herren von der Opposition! Vielleicht ist ja das Einzige, was Ihnen nicht gefällt, dass Sie diese Reform nicht selber umsetzen können. Gerade als Unternehmerin freue ich mich sehr, dass es uns gelungen ist, die Körperschafts­steuer von 34 auf 25 Prozent zu senken. – Das ist wirklich ein großer Wurf! Das hilft uns, international wettbewerbsfähiger zu sein, es dient zur Standort- und Arbeitsplatz­sicherung und stärkt natürlich auch die Finanzkraft unserer Wirtschaft. Denken Sie an Basel II, denken Sie daran, wie notwendig es ist, dass die Eigenkapitaldeckung unserer Unternehmen gestärkt wird! (Beifall bei der ÖVP.)

Als Unternehmerin gratuliere ich auch unserer Kollegin Frau Dr. Bleckmann, die die Wirtschaftsspiele „DKT“ verteilt hat. Die einzige Bitte: Vielleicht nehmen Sie das nächste Mal ein paar mehr von dieser Sorte mit!

Ich bitte Sie von der Opposition in diesem Zusammenhang auch, sich von jenen ver­zerrten alten Bildern zu lösen, in denen die Unternehmer und Unternehmerinnen primär Geld scheffeln und sich bei der nächsten Gelegenheit womöglich von den Mit­arbeitern und Mitarbeiterinnen verabschieden. Das ist einfach nicht mehr Realität! Wir – der Großteil der KMUs, die zehn Mitarbeiter haben – investieren, wenn wir Ge­winne machen. (Abg. Sburny: Schauen Sie sich einmal die Statistiken von Vermögen und Einnahmen an! Vielleicht lesen Sie einmal die Statistiken!) Wir schaffen neue EDV-Systeme und Maschinen an, und selbstverständlich schaffen wir neue Arbeits­plätze, um unsere eigenen Ressourcen zu verbreitern.

Lösen Sie sich bitte von diesen alten Diktionen und Bildern, die überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben!

In diesem Zusammenhang möchte ich jetzt den Entschließungsantrag der Abgeord­neten Mag. Molterer, Scheibner, Felzmann, Buchner, Kolleginnen und Kollegen betref­fend die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik einbringen.

Gemäß § 55 Abs. 3 GOG in Verbindung mit § 53 Abs. 4 GOG möchte ich die Kern­punkte kurz erläutern. Diese sind:

Große Reform des Einkommensteuer- und Lohnsteuertarifs;

Einkommensstärkung für die Familien;

Anhebung der Pendlerpauschale;


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die Senkung des Körperschaftssteuersatzes auf 25 Prozent;

anstelle der bestehenden Organschaftsregelung tritt eine moderne, internationale, attraktive Gruppenbesteuerung;

die steuerliche Abzugsfähigkeit bestimmter versicherungstechnischer Rückstellungen wird verbessert;

die Schaumweinsteuer wird abgeschafft, die Biersteuer wird gesenkt;

für die Landwirtschaft benötigter Treibstoff – der Diesel – wird steuerlich entlastet;

Anhebung der Absetzbarkeit des Kirchenbeitrages, Einführung einer allgemeinen Pau­schalierung für Kleinunternehmer;

Setzung von Schwerpunkten in der Bekämpfung des Steuerbetrugs.

Schließlich noch einige Zahlen: Sie wissen wahrscheinlich, dass es in Österreich 300 000 Unternehmer gibt. 100 000 sind Kapitalgesellschaften, 200 000 sind Einzelge­sellschaften, Personengesellschaften. Die Kapitalgesellschaften erreichen wir mit der Senkung der Körperschaftssteuer auf 25 Prozent. Die andere Gruppe haben wir bereits mit der Definition des halben Steuersatzes auf nicht entnommene Gewinne erreicht. (Abg. Öllinger: Nein! Das stimmt doch nicht! – Abg. Sburny: Aber nur, wenn sie Ge­winne haben! Sie werden doch nicht behaupten, dass alle Gewinne haben! 47 Prozent haben keinen!) Unterm Strich sind es 90 Prozent der Unternehmer.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Wir erreichen das! Und ich würde gerne mit Ihnen auf diese Steuerreform anstoßen – passenderweise mit einem Gläschen Sekt, weil auch dieses wird uns ja in Zukunft durch die Abschaffung der Schaumweinsteuer noch besser schmecken. (Beifall bei der ÖVP.)

13.12

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Der von Frau Abgeordneter Felzmann in seinen Kernpunkten erläuterte Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Molterer, Scheibner, Felzmann, Bucher, Kolleginnen und Kollegen ist gemäß der Geschäftsord­nung verteilt worden, wird dem Stenographischen Protokoll beigedruckt und ist somit eingebracht.

Der Antrag hat folgenden Wortlaut:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Mag. Molterer, Scheibner, Felzmann, Bucher, Kolleginnen und Kol­legen betreffend die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik

eingebracht im Zuge der Debatte zu TOP 1, Erklärungen des Bundes- u. des Vizekanz­lers zum Thema „Die Steuerentlastung bringt Aufschwung für Wirtschaft und Arbeit“

Die zentralen Anliegen dieser Regierungskoalition im Bereich der Budget- und Finanz­politik sind ein ausgeglichener Haushalt über einen Konjunkturzyklus hinweg sowie die Senkung der Steuern- und Abgabenquote auf unter 40% bis zum Jahre 2010.

Im Regierungsübereinkommen wurde daher die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik mit einem Volumen von 3 Mrd. Euro vereinbart, wodurch die Steuern- und Abgabenquote bis zum Jahre 2005 auf unter 42,5% gesenkt werden soll.

Für diese Steuerreform hat sich die Regierungskoalition folgende Ziele gesetzt:

Stärkung des Wachstumspotentials

Verbesserung der Standortattraktivität


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Entlastung des Faktors Arbeit

Setzung umweltschonender Maßnahmen

Verbesserung der Eigenkapitalbasis insb. bei KMU

Erhöhung der Kaufkraft

Erhöhung der Steuergerechtigkeit

Vereinfachung des Steuersystems (u.a. Abschaffung Bagatellsteuern, einfacherer Steuertarif, Pauschalierung von Abgaben)

Wenige Monate nach Antritt der neuen der neuen Regierung im Februar 2003 – wurde bereits die erste Etappe der Steuerreform mit einem Nettoentlastungsvolumen von 500 Mio. Euro vom Parlament beschlossen. Die wesentlichen Schwerpunkte dieser Etappe, welche mit 1.1.2004 in Kraft getreten ist, sind:

Entlastung unterer und mittlerer Einkommen durch Erhöhung der Steuerfreigrenze im Bereich der Einkommensteuer und Lohnsteuer (Bruttojahreseinkommen bei Arbeitneh­mern von 14.500 €, bei Pensionisten von 12.500 € und bei Selbständigen 8.888 € steuerfrei); damit sind von ca. 5,9 Mio. Steuerpflichtigen insgesamt 2,4 Mio. steuerfrei gestellt.

Förderung der Eigenkapitalbildung im Unternehmen durch Einführung einer Begünsti­gung nicht entnommener Gewinne für Einzelunternehmer und Personengesellschaften

Verstärkung der ökologischen Komponenten im österreichischen Steuersystem im europäischen Gleichklang (Energiesteuern und Mineralölsteuern)

Entlastung im Bereich der Lohnnebenkostensenkung für ältere Arbeitnehmer, wodurch gemeinsam mit früheren Maßnahmen eine deutliche Kostensenkung des Faktors Arbeit erreicht wurde (Summe seit 2000 648 Mio. €)

Abschaffung der 13. Umsatzsteuer – Sondervorauszahlung ab 2003

Für die im Regierungsprogramm vorgesehene zweite Etappe der Steuerreform hat die Bundesregierung nunmehr folgende konkrete Steuerentlastungsmaßnahmen verein­bart, durch die sichergestellt werden soll, dass das eingangs erwähnte Entlastungs­volumen erreicht wird. Einige dieser Maßnahmen sollen bereits für das Jahr 2004 wirk­sam werden. Darüber hinaus sollen wichtige Schritte zur Vereinfachung des Steuer­systems gesetzt werden.

1. Große Reform des Einkommensteuer-/Lohnsteuertarifes

Der Einkommensteuertarif soll ab dem 1. Jänner 2005 einer grundlegenden Struktur­reform unterzogen werden. Es sollen an Stelle von Grenzsteuersätzen Durchschnitts­steuersätze eingeführt werden, was eine enorme Vereinfachung und Transparenz des Tarifs nach sich ziehen würde. Dadurch soll es dem Durchschnittsbürger ermöglicht werden, die Lohn- oder Einkommensteuer selbst zu berechnen. Da vor allem das Ein­schleifen des allgemeinen Absetzbetrages bisher ein beachtliches Hindernis darstellte, soll dieser in den neuen Tarif 2005 integriert werden, damit über eine sehr einfache Formelberechnung die zutreffende Steuer sehr rasch ermittelt werden kann.

Aus dem neuen Tarif 2005 wird sich ein mit der Einkommenshöhe stetig steigender Grenzsteuersatzverlauf ergeben. Bislang haben hingegen die Grenzsteuersätze stark nach oben und nach unten geschwankt. Das heißt, dass sie teilweise bei niedrigeren Einkommen höher waren, als in darüber liegenden Einkommensstufen. Durch den neuen Tarif ergibt sich der Effekt, dass die neuen Grenzsteuersätze über weite Be­reiche geringer sind als die alten. Neben einer Steuerentlastung für alle wird der Tarif 2005 eine dauerhaft leistungsfreundliche und leistungssteigernde Wirkung garantieren.


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Die in zwei Etappen angelegte große Tarifreform soll garantieren, dass alle Steuer­pflichtigen im Verhältnis 2003 zu 2005 zwischen 679 Euro und 144 Euro pro Jahr entlastet werden. Der Schwerpunkt der Entlastung soll bei kleineren und mittleren Ein­kommen gesetzt werden.

Mit der ersten Etappe 2004 wurden bereits 200.000 Personen zusätzlich steuerfrei gestellt, durch die zweite Etappe werden weitere 150.000 Personen steuerfrei gestellt werden, sodass von 5,9 Millionen Steuerpflichtigen daher ab 1.1.2005 2,550.000 Per­sonen keine Steuer zahlen werden.

Durch diese Maßnahme wird sich eine Steuerentlastung von 1.100 Mio. € ergeben.

2. Einkommensstärkung für Familien

Kinderzuschlag zum Alleinverdiener(erzieher)absetzbetrag

Alleinverdienerhaushalte zählen nach einer Vielzahl von Studien zu den besonders ar­mutsgefährdeten Gruppierungen. In Österreich gibt es derzeit 900.000 Alleinverdiene­rInnen, davon 100.000 AlleinerzieherInnen. Es ist dieser Koalition ein großes Anliegen, diese Gruppierung zu entlasten. Dazu kommt ein Weiteres: Doppelverdienerhaushalte profitieren zweimal von der Tarifentlastung, während dies bei einem vergleichbaren Alleinverdienerhaushalt nur einmal der Fall ist. Verbesserungen im Bereich der Allein­verdienerInnen würden diesen Nachteil teilweise ausgleichen.

In diesem Sinne sollen Kinderzuschläge zum Alleinverdiener- und Alleinerzieher­absetzbetrag eingeführt werden. Da der Alleinverdiener(erzieher)absetzbetrag zu einer Negativsteuer – nunmehr einschließlich der Kinderzuschläge – führen kann, würde sich für diese Zielgruppe auch die Negativsteuer erhöhen. Die Kinderzuschläge sollen für das erste Kind 130 €, für das zweite Kind 175 € und für das dritte und jedes weitere Kind 220 € betragen.

Anhebung der Zuverdienstgrenze beim Alleinverdienerabsetzbetrag

Um das Familienpaket abzurunden, soll die Zuverdienstgrenze beim Alleinverdiener­absetzbetrag mit Kind, und zwar von 4.400 € auf 6.000 €, deutlich angehoben werden. Sowohl die neuen Kinderzuschläge beim Alleinverdiener(erzieher)absetzbetrag als auch die Anhebung der Zuverdienstgrenze würden vor allem den Frauen zu Gute kommen , da sie im Durchschnitt weniger verdienen und insbesondere Frauen unter die Gruppe der AlleinerzieherInnen fallen.

Alle diese Maßnahmen im Familienbereich sollen bereits für das gesamte Jahr 2004 gelten. Die Berücksichtigung soll zum Teil über die laufende Lohnverrechnung durch den Arbeitgeber (ab Gesetzesbeschluss), zum anderen Teil (vor Gesetzesbeschluss) durch eine Aufrollung noch im Jahr 2004 erfolgen.

Durch die beiden Maßnahmen wird sich eine Steuerentlastung von 230 Mio. € erge­ben.

3. Anhebung Pendlerpauschale

Das Pendlerpauschale soll generell um etwa 15% angehoben werden, womit die Kostenerhöhungen für die Wegstrecke Wohnung – Arbeitsstätte pauschal abgegolten werden.

Die Anhebung des Pendlerpauschales wird zu einer Entlastung von 20. Mio. € führen und soll bereits für das gesamte Jahr 2004 gelten.

4. Körperschaftsteuersatz

Um auch den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Österreich weiter abzusichern und zu stärken, soll der Körperschaftsteuertarif ab 2005 von derzeit 34% auf 25% gesenkt


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werden. Die Bemessungsgrundlage soll durch die Abschaffung der Eigenkapitalzu­wachsverzinsung sowie der Abschaffung der steuerfreien Übertragung stiller Reserven verbreitert werden.

Nach Berechnungen des WIFO und des IHS liegt die effektive Körperschaftsteuer­belastung in Österreich derzeit zwischen 27% und 29%, währenddessen eine Reihe von europäischen Staaten Nominalsätze von 20% oder darunter aufweisen. Auf Grund des neuen Tarifes 2005 soll die effektive Körperschaftsteuerbelastung in etwa bei 21% liegen.

Zur Sicherung und Attraktivierung des Arbeits- und Wirtschaftsstandortes Österreich ist es wirtschaftspolitisch erforderlich, den Körperschaftsteuersatz abzusenken. Diese Maßnahme kommt selbstverständlich in einem beachtlichen Umfang den Arbeitneh­mern zu Gute. Sie verhindert Betriebsabwanderungen und dient damit der Sicherung österreichischer Arbeitsplätze.

Bereits in der ersten Steuerreformetappe kam den Einzelunternehmern und Personen­gesellschaften durch die Steuersatzbegünstigung für nicht entnommene Gewinne eine Steuerentlastung von 400 Mio. Euro zu Gute.

Ziel ist es, mit den Maßnahmen der ersten und zweiten Steuerreformetappe die breite Masse der Klein- und Mittelbetriebe – die ein Steuervolumen von 7 Mrd. € aufbringt – zu entlasten. Gerade die Wirtschaftskraft der Klein- und Mittelunternehmen Österreichs ist eine wesentliche Stütze für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungssicherheit. Überdies „produzieren“ sie einen Großteil der Wertschöpfung.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet, soll durch die geplante Körperschaftsteuersenkung einerseits und die Steuerentlastung über die Begünstigung nicht entnommener Ge­winne bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften eine gewichtige Stärkung der österreichischen Wirtschaft und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen erfolgen.

Die Senkung des Körperschaftssteuertarifes wird eine Entlastung von 975 Mio. € nach sich ziehen.

5. Gruppenbesteuerung

An Stelle der bestehenden Organschaftsregelung soll eine moderne und international attraktive Gruppenbesteuerung treten. Dies aus folgenden Gründen:

Die heutige Organschaft ist antiquiert und entspricht nicht den heutigen Unternehmens­strukturen.

Andere Länder bieten deutlich attraktivere Systeme.

Es bestehen EU-rechtliche Bedenken.

Ziele einer neuen Gruppenbesteuerung sind:

Erhöhung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreichs

Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft

Verlagerung von Headquarters sowie von Forschungs- und Entwicklungszentren nach Österreich

Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen

Mit folgenden Eckwerten der Neukonzeption einer Gruppenbesteuerung sollen diese Zielsetzungen erreicht werden:

Ab 51% Kapitalbeteiligung können die Ergebnisse von Mutter- und Tochterunterneh­mung wahlweise zusammengefasst besteuert werden (damit insbesondere Verlustaus­gleich möglich).


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Gruppenbildung über die Grenze zulässig

Mehrmütterorganschaft möglich mit Erfordernis eines Kerngesellschafters (40%) – Joint Ventures

Dies wird zu einer Entlastung von 100 Mio. € führen.

6. Versicherungstechnische Rückstellungen

Die steuerliche Abzugsfähigkeit bestimmter versicherungstechnischer Rückstellungen soll ab 2005 verbessert werden. Bisher waren 14% der Rückstellungsdotierungen zur Schadensreserve nicht abzugsfähig. In Hinkunft sollen es nur noch 8% sein.

Die Entlastung wird 25 Mio. € betragen.

7. Abschaffung von Bagatellsteuern bzw. Senkung von Steuern

Die Schaumweinsteuer soll "abgeschafft" (Nullsatz) und die Biersteuer abgesenkt werden (von 2,08 € auf 2 € pro Liter). Einem nominellen Minderaufkommen stehen die fiskalischen Erträge aus einer höheren Wertschöpfung gegenüber.

8. Agrardiesel

Für die Landwirtschaft benötigter Treibstoff (Diesel) soll ab 2005 von der Mineralöl­steuer teilweise entlastet werden. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Landwirtschaft, um die Wettbewerbsfähigkeit auf Grund ständig steigender Produktionskosten zu ge­währleisten.

Die Nettoentlastung wird 50 Mio. € betragen

9. Pauschalierung

Es gibt derzeit sechs Pauschalierungsverordnungen, die wegen ihrer Unübersichtlich­keit nur in geringem Umfang in Anspruch genommen. Diese sollen in einer Verordnung gestrafft, zusammengeführt und damit eine allgemeine Vereinfachung der Pauschalie­rungsregelungen erreicht werden.

Gebrauch machen können nur Unternehmer, die

keine Handelsbilanz erstellen müssen,

steuerlich nicht bilanzierungspflichtig sind,

steuerlich nicht freiwillig bilanzieren.

Die Pauschalierung wird damit für 200.000 bis 300.000 Unternehmer bzw. Freiberufler möglich werden.

Pauschaliert wird der Gewinn als solcher. Die Einnahmen müssen aber in tatsäch­lichem Ausmaß erfasst werden (wegen der Umsatzsteuer).

Die Pauschalierung leitet sich von steuerlichen Vergangenheitsergebnissen – also den vergangenen Gewinnen – ab. Der Pauschalierungsgewinn ergibt sich aus dem Durch­schnitt der Gewinne der letzten Jahre. Als Referenzjahre (Beobachtungszeitraum) wer­den die Jahre 2001, 2002 und 2003 festgelegt.

Die Pauschalierung soll für die Jahre 2005, 2006, 2007 und 2008 gelten. Der sich nach der Durchschnittsermittlung ergebende Gewinn soll jeweils pro Jahr um 5% angehoben werden. Für 2005 ist jedenfalls ein Mindestgewinn von 15.000 € anzusetzen.

10. Betrugsbekämpfung

Die substantielle Unternehmenssteuerreform soll mit einer verstärkten Bekämpfung des Steuerbetrugs verknüpft werden, um der steuerlichen Illegalität entgegenzuwirken. Dazu wird ein Bündel von Maßnahmen in Aussicht genommen, u.a.:


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Verschärfung des Finanzstrafrechts

Aktion scharf bei den Prüfungshandlungen

Ausweitung des "normalen" Prüfungszeitraumes von 3 auf 5 Jahre

Verstärkung der personellen Ressourcen im Prüfungsbereich

Strafbefreiende pauschale Steuernachzahlungsmöglichkeit für das Jahr 2001 und die Vorjahre

Diese größte Steuerentlastung der Zweiten Republik ist dazu geeignet, den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig abzusichern und eine positive Entwick­lung unseres Landes auch in den nächsten Jahren sicherzustellen. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass sich das BIP durch ein Ansteigen der Binnennachfrage um bis zu 0,4% im Jahr 2005 und um bis zu 0,5% im Jahr 2006 erhöhen wird. Dadurch wer­den tausende neue Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten. Aus diesen Gründen treten die Abgeordneten dafür ein, dass eine für die Umsetzung der zweiten Etappe der Steu­erreform notwendige Regierungsvorlage möglichst rasch dem Nationalrat zugeleitet wird, damit dieser jedenfalls noch im Mai 2004 den entsprechenden Gesetzesbe­schluss fassen kann.

Die unterzeichneten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag:

Der Nationalrat wolle beschließen:

Der Nationalrat begrüßt daher die von der Bundesregierung in Aussicht genommene Steuerreform und ersucht den Bundesminister für Finanzen , eine für die Umsetzung der zweiten Etappe der Steuerreform notwendige Regierungsvorlage mit folgenden Schwerpunkten bis spätestens Ende April 2004 dem Nationalrat zuzuleiten:

Große Reform des Einkommensteuer-/Lohnsteuertarifes (Bruttojahreseinkommen bei Arbeitnehmern von 15.770 €, bei Selbständigen von 10.000 € und bei Pensionisten von 13 500 € steuerfrei; Durchschnittssatztarif bei gleichzeitiger Senkung der Steuerlast)

Einkommensstärkung für Familien: Neue Kinderzuschlagsstaffel zum Alleinverdie­ner(erzieher)absetzbetrag, Anhebung Zuverdienstgrenze beim Alleinverdienerabsetz­betrag

Anhebung Pendlerpauschale generell um ca. 15%

Körperschaftsteuersatz wird auf 25% abgesenkt. Die Bemessungsgrundlage wird durch Abschaffung der Eigenkapitalzuwachsverzinsung sowie der Abschaffung der steuerfreien Übertragung stiller Reserven verbreitert.

An Stelle der bestehenden Organschaftsregelung tritt eine moderne, international attraktive Gruppenbesteuerung.

Die steuerliche Abzugsfähigkeit bestimmter versicherungstechnischer Rückstellungen wird verbessert.

Die Schaumweinsteuer wird "abgeschafft" (Nullsatz) und die Biersteuer wird abgesenkt (auf einen runden Satz).

Für die Landwirtschaft benötigter Treibstoff (Diesel) wird entlastet.

Einführung einer allgemeinen Pauschalierung für Kleinunternehmer (ersetzt sechs nebeneinander bestehende Regelungen)


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Setzung von Schwerpunkten in der Bekämpfung des Steuerbetrugs

Anhebung der Absetzbarkeit des Kirchenbeitrages (von derzeit 75 € auf 100 €)

*****

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Sburny zu Wort gemeldet. – Bitte. (Abg. Steibl – in Richtung der sich zum Rednerpult begebenden Abg. Sburny –: Sie sind vorher verdrängt worden, vom Kollegen Pilz! So ist das bei den Grünen! Da verdrängen die Männer die Frauen!)

 


13.13

Abgeordnete Michaela Sburny (Grüne): Nein, nein! Bei uns gibt es ein anderes System als bei Ihnen! – Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Sehr ge­ehrte Damen und Herren! Ich finde es bemerkenswert, mit welcher Unverfrorenheit der Sonderklasse die Mitglieder der Regierungsfraktionen hier behaupten, dass alle von dieser Steuerreform profitieren. (Staatssekretär Dr. Finz: Alle Steuerzahler!) – Alle Steuerzahler und Steuerzahlerinnen, das behaupten Sie ja auch immer.

Sie können uns da wirklich viel erzählen. Es ist immer schwierig, wenn das Fernseh­publikum solche Zahlen hört, denn man kann das ja so schnell nicht überprüfen. Manche können das jedoch: Was, glauben Sie, denken sich diejenigen, die jetzt gerade ihre Pension oder ihr Gehalt bekommen haben und sehen, dass sie im Jän­ner 2004 definitiv weniger haben als im Dezember 2003? Was, glauben Sie, denken sich die, wenn Sie hier behaupten, alle bekommen mehr? (Staatssekretär Dr. Finz: 2005! – Zwischenruf des Abg. Mag. Tancsits.) – Ja, nur Sie reden die ganze Zeit davon, dass alle davon profitieren. Die Leute glauben das ja! (Staatssekretär Dr. Finz: 2005!) – Ja, irgendwann. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Ich rede noch überhaupt nicht davon, dass die Leute über die Abgaben sowieso schon viel mehr zahlen, als sie bekommen, selbst jene, die vielleicht definitiv von der Reform profitieren werden, sondern ich rede davon, dass es wirklich dazu kommt, dass Leute definitiv weniger bekommen als vorher.

Dasselbe passiert mit den Unternehmen – sei es nun mit den kleinen Unternehmen, mit Personengesellschaften oder zum Beispiel auch mit Freiberuflern und Freiberufle­rinnen, denn von denen redet zum Beispiel überhaupt niemand mehr.

Bei der KöSt – bei der Körperschaftssteuer – erfassen Sie die großen Kapitalgesell­schaften und einen Teil der Personengesellschaften. Mit den nicht entnommenen Ge­winnen erfassen Sie – so behaupten Sie – alle Personengesellschaften, Einzelunter­nehmen, was nicht wahr ist, weil 47 Prozent keinen Gewinn machen, also von dieser steuerlichen Begünstigung nicht entnommener Gewinne überhaupt nicht profitieren können. Wovon Sie überhaupt nicht reden, sind die Freiberufler und Freiberuflerinnen, die nämlich weder von der Senkung der KöSt profitieren, noch von den nicht entnom­menen Gewinnen, weil sie dort ausgenommen sind. (Beifall bei den Grünen. – Staats­sekretär Dr. Finz: ... Einkommensteuer ...!)

Das heißt, Sie stellen halt einfach einmal Zahlen in den Raum. – Ob die richtig sind oder nicht, werden die Leute daran ermessen können, was sie herausbekommen. (Abg. Dr. Sonnberger: Gott sei Dank!) – Ja, Gott sei Dank – für wen, wird sich noch zeigen.

Ich möchte noch einmal auf die Gegenfinanzierung zurückkommen, weil Sie so stolz sind, dass Sie keine Gegenfinanzierung für Ihre Steuerreform vorgelegt haben. – Das ist ja der größte Schwindel! Es wird ja wohl wirklich niemand glauben, dass Sie keine Gegenfinanzierung brauchen, sondern die Frage ist nur, wo Sie das Geld hernehmen.


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Das haben wir in der letzten Regierungsperiode schon gesehen: Sie nehmen es von den Universitäten, wo es auf einmal Gebühren gibt, Sie nehmen es vom Gesundheits­system, wo Sie Selbstbehalte planen, Sie nehmen es von den Pensionen, wo Sie die Leute zur privaten Vorsorge zwingen.

Es ist also nicht so, dass Sie keine Gegenfinanzierung planen. Sie sagen es nur ein­fach nicht, und die Leute werden es beim nächsten Sparpaket dann wieder zu spüren bekommen. Ich finde es ehrlicher, jetzt zu sagen, wie so eine Steuerreform gegen­finanziert werden könnte – wenn man sie schon macht –, als zu sagen, wir brauchen keine Gegenfinanzierung. Verwaltungsreform, sagt der Herr Staatssekretär: Ich bin neugierig darauf, wie Sie mit einer Verwaltungsreform diese Summen einsparen wer­den.

Uns können Sie, wie gesagt, viel erzählen. Wir können hier eine Diskussion führen. Die Leute werden sich jedoch selbst ein Bild darüber machen, was für sie herauskommt. (Beifall bei den Grünen.)

13.16

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Hofmann zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


13.17

Abgeordneter Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses! Mit dieser Steuerreform ist der große Wurf gelungen. Es wurden seitens der Regierungs­parteien Fakten genannt, die zwar seitens der Opposition versuchsweise widerlegt worden sind, aber ich denke, der Zuhörer kann sich trotzdem ein Bild darüber machen, was tatsächlich zum Wohle Österreichs und seiner Bürger passiert ist.

Es geht um eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, um die Sicherung des Wirt­schaftsstandortes, um die Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze, und es geht vor allen Dingen auch darum, Investitionsentscheidungen zugunsten des Standortes Österreich zu treffen, was, wie wir sowohl vom Bundeskanzler als auch vom Vize­kanzler vernommen haben, ja mittlerweile mehrfach geschehen ist.

Wie äußert sich die Opposition – Sozialdemokratie und Grüne – dazu? – Durch Krank­jammern! Der Vorsitzende der Sozialdemokraten Gusenbauer bezeichnet diese Steu­erreform als eine zu spät kommende, eine, die zu wenig bringt, als vertane Chance. Richtig ist vielmehr: Die Steuerreform kommt nicht zu spät, sondern zum richtigen Zeitpunkt. Der Staatshaushalt mit dem Schuldenberg, den Sie als Regierungspartei hinterlassen haben – ich richte mich da an die Sozialdemokratie –, musste erst kon­solidiert werden. – Das war der erste Schritt.

Dann gab es den ersten Schritt der Steuerreform, der bereits vollzogen ist und seit 1 Jänner 2004 gilt. Geschätzte Damen und Herren! Der zweite Schritt der Steuerre­form – Sie sollten das alles im Paket sehen – wird mit 1. Jänner 2005 wirksam werden. Es ist eine richtige Signalwirkung zum richtigen Zeitpunkt, um ein Anziehen der Kon­junktur – und das sagen uns die Wirtschaftswissenschafter voraus – zu verstärken.

Es erfolgt eine Entlastung der Familien, es wird dadurch zur Arbeitsplatzsicherung bei­getragen und es werden vor allen Dingen auch durch Investitionsentscheidungen neue Arbeitsplätze in Österreich geschaffen.

Geflissentlich verschweigen Sie immer das, was bereits vorher stattgefunden hat, welche Maßnahmen seitens der Bundesregierung erfolgt sind. Ich meine damit die Konjunkturpakete I und II und das Wachstumspaket. Hier wurde in Forschung und Ent­wicklung investiert, hier wurde ein Schwerpunkt auf Bildung, auf Ausbildung gelegt, hier wurde die Infrastruktur entsprechend gefördert und berücksichtig – also Dinge, die


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sich durchaus auch positiv auf ein Wirtschaftswachstum in dieser schwierigen weltwirt­schaftlichen Situation auswirken.

Zur Aussage, diese Steuerreform bringt zu wenig: Wenn ich an die letzte Steuerreform in der sozialistischen Ära unter Finanzminister Edlinger denke, so war dies eine Steu­erreform, die vom Volumen her nur ein Teil dessen war, was dieses Paket im Umfang von drei Milliarden € ausmacht.

Und wie wurde diese Steuerreform umgesetzt? – Es war dies ein Wahlzuckerl noch schnell vor der Wahl, ein Steuergeschenk, ohne vorher eine Konsolidierung des Staatshaushaltes einzuleiten. Nach der Wahl wurde dann die Rechnung bezahlt, aller­dings nicht von jenem, der diese Steuerreform eingeleitet hat, nämlich von Finanz­minister Edlinger – vulgo „Rudi Ratlos“, wie manche sagen –, diese Rechnung wurde von der nachfolgenden Regierung und von den Steuerzahlern bezahlt, und zwar ohne Vorbereitung auf diese Steuerreform. Ich vergleiche das mit einer Runde im Wirtshaus, die jemand ausgibt, der sich dann aber mehr oder weniger durch das Toilettenfenster verkrümelt. Genau das ist passiert. (Abg. Dr. Puswald: Ein geschmackloser Ver­gleich!) Aber zutreffend, wie ich meine. Das ist sozusagen die Steuerreformtaktik der SPÖ.

Nun zur vertanen Chance: Die SPÖ hat im Jänner dieses Jahres eine Sondersitzung verlangt. Dem Vernehmen nach sind bei der Klubsitzung vor dieser Sondersitzung ein Drittel der Abgeordneten anwesend gewesen (Abg. Neudeck: So viele?); also noch weniger als die möglicherweise sonst übliche Hälfte der Abgeordneten. Jetzt frage ich mich natürlich: Wie ernst nehmen die sozialdemokratischen Abgeordneten die angeb­lichen Anliegen der SPÖ selbst? (Zwischenruf des Abg. Dr. Puswald.)

Und wem ist dieses eine Drittel zuzuordnen? Da gibt es ja eine Gusenbauersche Klas­sifikation, die Sie kennen. Er hat am 30. Mai des Jahres 2000 vor einem Unternehmen behauptet, er hätte eine Dritteleinteilung seiner Abgeordneten: Ein Drittel der Abgeord­neten könnte dem Leistungsprinzip gerecht werden, ein Drittel der Abgeordneten würde dies nicht schaffen, ein Drittel sei resozialisierbar. Ich frage mich: Welches Drittel war bei dieser Klubsitzung? (Abg. Neudeck: Das vierte!) Ich weiß es nicht. So wie ich überhaupt nicht weiß, wer von Ihnen für Ihre Aussagen zur Steuerreform zu­ständig ist. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Geschätzte Damen und Herren! Die Zeit der Belastungen hat ein Ende. Es ist ein großer Wurf gelungen, der international Beachtung findet. Auch dies wurde bereits erwähnt. Ich bin froh darüber, dass es eine Politik gibt, die verantwortungsvoll ist, die zukunftsorientiert ist, die arbeitsmarktfördernd ist und die den Wirtschaftsstandort sichert, eine, wie ich meine, starke Politik für Österreich und seine Bürger. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

13.23

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mag. Trunk zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


13.24

Abgeordnete Mag. Melitta Trunk (SPÖ): Herr Präsident! Kollegen und Kolleginnen! Kollege Hofmann, wer so schlecht beim Zählen von einzelnen Abgeordnetenköpfen ist, sollte nicht mit Milliarden und Budgets jonglieren und schon gar nicht dafür verant­wortlich sein. Es tut mir Leid, Herr Kollege Hofmann! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Neu­deck: Sie haben nicht zugehört!)

Aber nun ein paar Impressionen zur heutigen Debatte: Der Bundeskanzler, der Vize­kanzler – beide melden sich gleich zwei Mal während der Fernsehzeit zu Wort, aber das ist ja logisch – reden eine knappe Stunde zu ihrer angekündigten angeblichen


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Steuerreform und beide verschweigen sich sträflich zur Frage der Steuermoral, des Finanzskandals, des Steuerhinterziehungsskandals, der Spendenaffäre des Finanz­ministers. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.) Das ist ein sträfliches Verschweigen. Ich halte mich da an den Spruch: Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu verschweigen. Mittlerweile haben sich beide vertschüsst.

Interessanterweise hat sich der Herr Finanzminister – wahrscheinlich aus Sicherheits­gründen – zur Steuerreform heute ganz verschwiegen; so nach dem Motto: Sicher ist sicher, denn es könnte ihm ja etwas herausrutschen. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Sburny.)

Nur ein kleines Faktum, warum es wirklich verwerflich, sträflich, ignorant und arrogant ist, dass beide sich hier der Debatte zu ihrer Erklärung entziehen: Nehmen Sie allein die Tatsache, dass zwischen den spät zugegebenen Millionen €, die geflossen sind, und den letztlich durch die Industriellenvereinigung selbst geouteten Millionen, die ge­flossen sind (Abg. Neudeck: Was heißt Millionen? Jetzt sollen es schon Millionen sein!), ein Differenzbetrag von 108 000 €, das sind 1,5 Millionen Schilling, liegt! (Staatssekretär Dr. Finz: Reden wir von Schilling oder von Euro?) Wissen Sie, wie hoch der Differenzbetrag ist? Das ist ein Betrag, für den ein durchschnittlicher Arbeit­nehmer oder eine Arbeitnehmerin mit einem Nettobezug von 1 000 € neun Jahre arbeiten muss. Und Sie reden von Kleinigkeit? Sie reden von Beschmutzung? Das ist die Tatsache! Neun Jahre muss ein Arbeitnehmer für diesen Differenzbetrag arbeiten. (Zwischenbemerkung von Staatssekretär Dr. Finz.) – Herr Kollege Finz, Sie waren ja der einzige Aktive. Sie haben sich hin und wieder den Schweiß von der Stirne ge­wischt. (Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ und den Grünen.) Aber Sie wissen mittler­weile, dass es sich in Wirklichkeit um 352 000 handelt. Das ist die Wahrheit.

Und dann sind Sie so mutig und bringen einen Entschließungsantrag ein – die neue Kollegin hat ihn verlesen (Abg. Neudeck: Neue Kollegin?) –, in dem es eine Passage zur Betrugsbekämpfung gibt. Sehr spannend! Nicht ich behaupte das – aber ich be­haupte es auch und sage es –, sondern eigenartigerweise ist mein Kronzeuge der Herr Justizminister mit seiner gestrigen Aussage. Sie schreiben da von einer Verbesserung der Betrugsbekämpfung, doch in Wirklichkeit ziehen Sie die Beamten ab, Sie behin­dern Verfahren und Erhebungen und machen den Vollzug dieser Betrugsbekämpfung unmöglich. Das ist Fahrlässigkeit, das ist Vorsätzlichkeit! Das sagen nicht Trunk und die Opposition, sondern selbst Justizminister Böhmdorfer in der Causa des Finanz­ministers. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Da der Herr Bundeskanzler von erfolgreichem Privatisieren parliert: Was ist die Wahr­heit? – Die Wahrheit ist, dass heute in Klagenfurt als Konsequenz der Voest-Privatisie­rung die voestalpine Stahl GmbH mit 25 Beschäftigten geschlossen wurde, zugemacht wurde. Das sind ja nur 25 betroffene Menschen, die arbeitslos geworden sind mit dem heutigen Tag. Die interessieren Sie nicht, uns aber sehr wohl!

Zweiter Punkt: Worüber haben wir denn heute eigentlich debattiert? – Über eine Punk­tation, jetzt über einen Entschließungsantrag, über eine Presseunterlage – die Werbe­kampagne mit Infotelefon ist schon fertig; mir tun die Menschen Leid, die an diesem Infotelefon sitzen werden, denn ich weiß nicht genau, was sie dort ankündigen werden außer dem, was der Herr Bundeskanzler vermeint hat –, aber es gibt keinen Gesetz­entwurf! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.) Sie selbst erklären in Ihrer Presseaus­sendung von gestern, dass dieser Mitte Februar oder so vorliegen wird.

Wissen Sie, was das ist? – Das ist wiederum ein vorsätzlicher untauglicher Versuch des Bundeskanzlers und seiner Mannschaft und Frauschaft, abzulenken und verges­sen zu machen, was sie versprochen haben, nämlich bis Ende 2003 eine Harmonisie­rung der Pensionssysteme vorzulegen.


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Herr Bundeskanzlers! Mannschaft und Frauschaft! Nichts wird vergessen! Nichts wird in Vergessenheit geraten. Dieses Versprechen haben Sie gegeben und gebrochen.

Letzter Punkt ist die Frage: Warum hat sich eigentlich dieser Robin Hood aus Kärnten vor den Karren dieser Steuerreform spannen lassen? (Abg. Neudeck: Weil sie gut ist!) Warum? War es jetzt nur der Schüssel-Haider-Pakt – da geht es, wie wir wissen, um den Landeshauptmann-Sessel – oder war es doch ein bisschen mehr mit Abfangjäger und anderem? In Wirklichkeit muss sich dieser Herr Haider nämlich der Tatsache stel­len, dass er Kärnten drei Mal verraten hat: einmal, weil dem Budget des Landes Kärn­ten 20,5 Millionen € fehlen werden, zweitens, weil den Kärntner Gemeinden 20,8 Millio­nen € fehlen werden und drittens, weil jene Menschen, von denen er ununterbrochen spricht – ich nenne sie nicht so, er schon –, nämlich der kleine Mann, die kleine Frau, null € bekommen, wohl aber maximale Belastung.

Dagegen haben sich alle Bürgermeister in Kärnten ausgesprochen, allen voran der Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Klagenfurt – Kollegin Scheucher ist auch nicht da –, Finanzstadtrat Zwick. Alle haben sich gegen diese Belastungs-, Steuer- und Bud­getpolitik der Bundesregierung ausgesprochen.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich zitiere kurz – die Zeit ist knapp – Karl Klein, kein SPÖler, kein Gewerkschafter, nicht uns zuzurechnen. Er meint: Die, die die Zeche zahlen, werden nicht entlastet.

Auch Dirnberger von der ÖVP Niederösterreich sagt treffend, und dem ist wenig hinzu­zufügen: „Diese angekündigte Steuerreform ist eine weitere Ungerechtigkeit zu Lasten der ArbeitnehmerInnen und bringt weitere Privilegien für die Freunderl dieser Regie­rung.“

Das ist die Wahrheit, eine brutale Wahrheit zum Schaden Österreichs und seiner Men­schen! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

13.30

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner ist Herr Abgeordnete Eßl zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


13.30

Abgeordneter Franz Eßl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine geschätzten Damen und Herren des Hohen Hauses! Das Thema heißt Steuer­entlastung und Standortsicherung, und ich darf mich beim Kollegen Prähauser recht herzlich bedanken, dass er die positiven Daten des Bundeslandes Salzburg entspre­chend herausgestrichen hat. Es ist in der Tat so, dass die Wirtschaftsregion Salzburg, was Kaufkraft und Regionalprodukt pro Einwohner betrifft und auch was die niedrige Arbeitslosenrate betrifft, jeweils auf dem zweiten Platz im Ranking der Bundesländer in Österreich liegt. Was Kollege Prähauser natürlich nicht dazugesagt hat, ist, dass die Wirtschaftspolitik in Salzburg von der ÖVP gemacht wird und dass – offensichtlich auch mangels Wirtschaftskompetenz in den Reihen der sozialistischen Regierungsmit­glieder – heute jener Umweltlandesrat gelobt wurde, der eigentlich schon gesagt hat, er wird nicht mehr kandidieren für die Zukunft. (Rufe und Gegenrufe zwischen Abge­ordneten von SPÖ und ÖVP.)

Aber es ist so, dass man in Salzburg durchaus auch von den Erfolgen der ÖVP leben kann. (Abg. Öllinger: Ja, ja! Das glaubst du ja selber nicht!) Salzburg ist auch, was die Anzahl der unselbständig Erwerbstätigen betrifft, ein Musterland, das im Jahre 2003 gegenüber 1999 ein Plus von 9 280 Beschäftigten aufweist; im Gegensatz zu Wien mit minus 13 800 Beschäftigten.

Kollege Cap hat erwähnt, man sollte Wien nicht schlecht machen: Ich betone: Die Wie­ner sind nicht schlecht, und Wien ist auch nicht schlecht (Ruf bei der SPÖ: Schlecht ist


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die Bundesregierung!), schlecht ist die rote Regierung in Wien: Und hier sollte man Änderungen vornehmen. (Beifall bei der ÖVP)

Wenn nun diese SPÖ hier im Hohen Haus, im Parlament gegen die Steuerreform und damit gegen die vielen positiv betroffenen Menschen in Österreich auftritt, dann zeigt das wieder einmal, dass man einfach nicht gewillt ist, Reformen umzusetzen und Reformen zu tragen.

Schauen wir vielleicht auch in unser Nachbarland, nach Deutschland, wo Rot-Grün regiert. Da bastelt man immer noch an einer Steuerreform (Abg. Mag. Kogler: Sie haben keine Ahnung!), und vermutlich wird man sich dann in einiger Zeit abschauen, was in Österreich gemacht worden ist, um das vielleicht, eventuell nachzuvollziehen.

Die ÖVP mit Bundeskanzler Schüssel an der Spitze, diese unsere Bundesregierung sorgt zum richtigen Zeitpunkt für eine umfassende Reform, die jedem Steuerzahler und indirekt jedem Bürger in unserem Land Vorteile verschafft. (Ang. Mag. Kogler: Erst rechnen, dann sprechen!) Und sie schafft es – im Gegensatz zu den Vorschlägen der Sozialisten – ohne Gegenfinanzierung. Wir kennen die Vorschläge der Sozialisten, die da gelautet hätten: Erhöhung der Grundsteuer um etwa 1,3 Milliarden €, was jeden Grundbesitzer, jeden Häuselbauer und jeden Mieter treffen würde.

Abgesehen davon, dass mit dem Agrardiesel natürlich ein Wettbewerbsnachteil, den die Bauern bis jetzt gehabt haben, ausgeglichen wird – sie haben nämlich bis jetzt 40 Prozent höhere Kosten als die Mitbewerber zu tragen gehabt –, sind auch noch andere wesentliche Dinge in diesem Paket enthalten, die den Bürgern zugute kommen.

Ich darf noch darauf hinweisen, dass das kein Geschenk an die Bauern ist, sondern dass das eben den Wettbewerbsnachteil ausgleicht, und die Bauern werden es dan­ken, indem sie investieren. Die Bauern investieren insgesamt 6,82 Milliarden € pro Jahr.

Die Pendlerpauschaleerhöhung um 15 Prozent ist eine wichtige Angelegenheit, die noch zu berichten ist.

Zum Abschluss darf ich noch einmal darauf hinweisen und unseren Bundeskanzler unterstützen, der richtig und treffend gesagt hat: Österreich ist ein guter Platz zum Arbeiten, Österreich ist ein guter Platz zum Leben. Und ich füge hinzu: Diese Steuer­reform trägt dazu bei, dass dies so bleiben wird. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

13.35

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag. Hoscher. (Abg. Bucher: §1: Finanzminister! – Abg. Mag. Ho­scher – auf dem Weg zum Rednerpult –: § 2: Er hat immer Recht!)

 


13.35

Abgeordneter Mag. Dietmar Hoscher (SPÖ): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Ich weiß nicht, was uns Frau Kollegin Felzmann, die den Entschließungsantrag eingebracht hat, der offensichtlich das dürftige Steuerreform­konzept darstellen soll, das vorgelegt wird, mit dem Sekt sagen wollte. Ich weiß nicht, Frau Kollegin Felzmann, was wollen Sie den 2,2 Millionen Einkommensbeziehern in diesem Land sagen, die jetzt schon keine Steuer zahlen, weil ihr Einkommen zu gering ist? Sagen Sie denen: Trinkt ein Glaserl Sekt, denn darauf gibt es jetzt keine Steuer mehr. (Abg. Wittauer: Das ist keine Sozialleistung, sondern eine Steuerreform!)

Aber zurück zur Wirtschaft, wiewohl zumindest die FPÖ offensichtlich die Wirtschaft mit „DKT“ verwechselt. Das haben sie offensichtlich im Klub liegen, denn das teilen sie aus. Ich glaube, die Wirtschaft ist etwas komplizierter als „DKT“, aber möglicherweise wird sich das bis zur FPÖ auch noch herumsprechen.


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Schauen wir uns einmal an, wie die Wirtschaft tatsächlich entlastet wird, und gehen wir einmal von der Körperschaftssteuer weg. Es werden rund 2 000 bis maximal 3 000 Un­ternehmen sein, die davon profitieren. Davon haben wir schon gesprochen. (Abg. Wittauer: Das ist schon falsch!) Ja, das sagen Sie. Sprechen wir noch von der Halb­satzbesteuerung der nicht entnommenen Gewinne. – § 2: Der Finanzminister hat immer Recht. Genau.

Da Kollege Stummvoll meint, der Vergleich macht uns sicher, ziehen wir einmal Zahlen heran, die aus der Wirtschaftskammer kommen, also nicht von der bösen Opposition, sondern aus der Wirtschaftskammer. Die Wirtschaftskammer geht von rund 320 000 Betrieben aus. Davon sind rund 65 000 Betriebe Kapitalgesellschaften. Die fallen einmal weg. Bleiben also noch 255 000 Personengesellschaften und Einzelunter­nehmen. (Abg. Neudeck: Die Kapitalgesellschaften haben den KöSt-Vorteil!) Wir be­schäftigen uns jetzt mit der Halbsatzbesteuerung, die gilt für die Kapitalgesellschaften nicht, wie Sie wissen. 60 Prozent dieser Personengesellschaften haben keine Ge­winne. Bleiben 102 000 Betriebe übrig. 80 Prozent davon – Zahlen von der Wirtschafts­kammer, nicht von uns – können zur Existenzerhaltung, weil sie das Geld nämlich brauchen, damit sie leben können, keine Gewinne stehen lassen. Es bleiben also sage und schreibe 20 400 Betriebe übrig, von denen wiederum 80 Prozent – wieder entspre­chend den Zahlen der Wirtschaftskammer – die Gewinne nicht sieben Jahre stehen lassen können, damit sie in den Genuss der Halbsatzbesteuerung kommen. Somit bleiben 4 080 KMU, die in den Genuss der Halbsatzbesteuerung kommen werden. Das sind 1,6 Prozent der 255 000 in der Kammer organisierten Personengesellschaften und Einzelunternehmen.

Wenn Sie also sagen, das ist eine breite Entlastung der Wirtschaft, dann sollten wir uns semantisch unterhalten, wie Sie „breit“ definieren. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Wittauer: Reden Sie einmal von den zusätzlichen Arbeitskräften, die dadurch be­schäftigt werden können!)

Betrachten wir einen der wichtigsten Wirtschaftszweige dieses Landes, nämlich – das wird Sie nicht verwundern – den Tourismus. Der Herr Bundeskanzler und der Herr Vizekanzler haben es in rund 35 Minuten zusammengebracht, zwar angeblich viel über die Wirtschaft zu reden, den Tourismus aber mit keinem Wort zu erwähnen. Er trägt ja auch nur 18 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Er ist ein international anerkannter Wachstumsbereich und einer der wenigen Bereiche im Dienstleistungsbereich, der auch noch Beschäftigung schaffen kann. Gleichzeitig ist der Tourismus nach wie vor einer der Hochsteuerbereiche in diesem Land.

Jetzt schaut man sich das angebliche Reformkonzept an. Gibt es da wirklich eine Ent­lastung? – Nein, weit gefehlt. Kein Wort von einer Umsatzsteuersenkung und davon, dass beabsichtigt wäre, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, kein Wort zur not­wendigen Erhöhung des Abschreibungssatzes, obwohl das gerade für den Tourismus notwendig wäre und auch verfassungsrechtlich argumentierbar ist, kein Wort zu einer möglichen Vollpauschalierung und kein Wort – und vor allem kein Wort – zu einer Lohnnebenkostensenkung, die gerade in dem Bereich eklatant notwendig wäre. So haben wir beispielsweise eine Senkung des Beitragssatzes zum Familienlastenaus­gleich von 4,5 auf 3 Prozent vorgeschlagen. Das würde etwas bringen für den Touris­mus. Alles andere bringt in Wirklichkeit nicht viel. Was bleibt, ist dann – zugegebener­maßen – der Wegfall der Schaumweinsteuer und die Senkung der Biersteuer.

Es ist keine Rede mehr zum Beispiel von dem, was Minister Bartenstein bei den zwei­ten Schönbrunner Tourismusgesprächen noch im Oktober letzten Jahres vollmundig angekündigt hat, nämlich von einer Senkung – Abschaffung hat er sogar gesagt – der Gesellschaftssteuer und einer Abschaffung der Kreditvertragsgebühr. Wo steht das drinnen bei den Bagatellsteuern? Nichts! Kein Wort davon. Also offensichtlich kommu-


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nizieren der Finanzminister und der Staatssekretär auch nicht mit dem eigenen Wirt­schaftsminister.

Das heißt, in vielen Bereichen – um das abschließend zu bemerken – ist dieses „Steu­erreformkonzept“ – unter Anführungszeichen – ein reines Placebokonzept, aber im Tourismusbereich ist es eine völlige tourismuspolitische Bankrotterklärung. (Beifall bei der SPÖ.)

13.39

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner gelangt Herr Abgeord­neter Wittauer zu Wort. – Bitte.

 


13.39

Abgeordneter Klaus Wittauer (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Der vorliegende Entwurf wurde von der „Frankfurter Allge­meinen Zeitung“ – und man nicht kann sagen, dass die „Frankfurter Allgemeine Zei­tung“ ein freiheitliches Blatt ist – folgendermaßen beurteilt.

„Österreichs ... Regierung ist mit ihrem Entwurf zur Steuerreform ein großer Wurf ge­lungen.“ Ein großer Wurf gelungen!

Und weiters: Die vorgelegten Eckpunkte bringen dem Mittelstand deutliche Entlastung, die Senkung der Körperschaftsteuer macht Österreich auch für deutsche Unternehmen deutlich attraktiver. Diese Signale sind vier Monate vor der EU-Erweiterung enorm wichtig für die Unternehmen, die immer mehr den Wettbewerbsdruck durch die be­nachbarten Ostländer spüren. – Zitatende.

Der Wunsch der Opposition, diese Steuerreform mies zu machen, wird sicher nicht in Erfüllung gehen. Es ist zynisch, wenn die Opposition von uns eine Gegenfinanzierung verlangt. Hätten wir eine Gegenfinanzierung, dann würde die Opposition sagen, das ist Wählertäuschung.

Wenn Abgeordneter Kogler immer wieder diese Gegenfinanzierung in den Raum stellt, weil seiner Meinung nach sonst die Budgetdisziplin nicht zu halten sei, dann muss ich ihm eines sagen: Ausgabenseitig hat diese Regierung bewiesen, welche Einsparungen möglich sind. Dieses Jahr wird das Budgetdefizit wiederum unter einem Prozent liegen.

Machen Sie, meine Damen und Herren der Opposition, einmal Ihre Hausaufgaben, und verunsichern Sie nicht immer mit diesen Ihren Aussagen die Bevölkerung! (Abg. Sbur­ny: Wer wird es zahlen?) Die Steuerentlastung trägt freiheitliche Handschrift und wurde im Wesentlichen vom Landeshauptmann von Kärnten, Jörg Haider, verhandelt. Kärnten kann stolz sein, dass es solch einen Landeshauptmann hat.

Ziel war es, die Konjunktur zu stärken, den Standort Österreich attraktiv zu gestalten, Arbeit zu entlasten, umweltschonende Maßnahmen zu setzen, Klein- und Mittelbe­triebe an der Eigenkapitalbasis zu stärken, die Kaufkraft zu erhöhen, damit jeder mehr in seiner Geldtasche hat, die Steuergerechtigkeit zu erhöhen und zwecks Vereinfa­chung viele Bagatellsteuern abzuschaffen.

Das Wifo hat in einer Studie belegt, dass durch die Steuersenkung im Jahre 2005 7 000 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Langfristig wird diese sich diese Zahl verdoppeln, das heißt fast 14 000 neue Arbeitsplätze. Der Standort Österreich wurde gegenüber den Ostländern gestärkt, und jeder weiß, wie die Slowakei mit ihrem Steuersatz die Autoindustrie zu Finanzierungen angeregt hat und dass dort Hunderte Millionen Euro investiert werden. Spanien hat es jetzt vor kurzem mit Seat erlebt, dort gibt es um 3 000 Arbeitsplätze weniger. Wir wollen das verhindern!

Das Wichtigste für uns Freiheitliche war und ist die Familie und die kleinen und mittleren Einkommen. Durch die erste Etappe der Steuerreform im Jahre 2004 wurden


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bereits 200 000 Personen zusätzlich steuerfrei gestellt. Nach der zweiten Etappe, also 2005, werden weitere 150 000 Menschen dies in Anspruch nehmen können. Das heißt, von 5,9 Millionen Erwerbstätige werden 2 550 000 keine Steuern mehr zahlen.

Ich danke dieser Regierung dafür, und viele werden das Gleiche tun.

Zusätzlich wird der Kinderzuschlag zum Alleinerzieherabsetzbetrag erhöht, die Zuver­dienstgrenze beim Alleinverdienerabsetzbetrag wird von 4 000 € auf 6 000 € ange­hoben. 15 Prozent mehr macht die Pendlerpauschale aus. Das Ziel der freiheitlichen Politik war es immer, die Familien zu stärken und die mittleren und kleinen Einkommen zu entlasten. Wir können stolz darauf sein.

Auch die Landwirtschaft wird durch die Senkung der Mineralölsteuer endlich entlastet. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft stärken, und die klein strukturier­ten Landwirtschaften wird es freuen, dass wir diese Maßnahme, die schon so lange gefordert wird, endlich umsetzen.

Die Opposition ist aufgefordert, einmal über ihren Schatten zu springen und die Regie­rung für diese außergewöhnlichen Leistungen zu loben. Wir sind die Garantie, dass es den Menschen in diesem Land weiterhin gut geht und sie eine gesicherte Zukunft haben. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

13.43

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Tamandl. – Bitte.

 


13.44

Abgeordnete Gabriele Tamandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Die Bundesregie­rung unter Bundeskanzler Schüssel hat die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik versprochen und dieses Versprechen auch gehalten (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wenn wir heute vom Kollegen Gusenbauer wieder gehört haben, diese Steuerreform bringe zu wenig und sei zu teuer, dann muss ich sagen, dass er sich jedes Mal erneut in einen Widerspruch verstrickt. Seit 1. Jänner 2004 werden bereits mit der gänzlichen Steuerfreistellung der kleinen Einkommen und der begünstigten Besteuerung der nicht entnommenen Gewinne für Einzelunternehmer und Personengesellschaften wesent­liche Schritte gesetzt.

Von der zweiten Etappe ab 2005, deren Volumen nicht weniger als 2,5 Milliarden € beträgt, profitiert jeder Steuerpflichtige in dieser Republik. (Beifall bei der ÖVP und des Abg. Neudeck.) Entweder kommt ihm unmittelbar die Tarifsenkung in der Lohn- und Einkommensteuer oder die Senkung des Körperschaftssteuersatzes zugute, was ein wesentlicher Standortfaktor zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ist.

Für Kleinstunternehmer wird die Pauschalierung wesentlich vereinfacht, und zwar wird sie von derzeit sechs Pauschalierungsverordnungen auf eine einzige verständliche Pauschalierungsverordnung gestrafft. Was früher nicht möglich war, ist nun in Zukunft für 200 000 bis 300 000 Unternehmer beziehungsweise Freiberufler einfach durchführ­bar. Es gibt also ein für alle verständliches vereinfachtes und faires Steuersystem. (Beifall bei der ÖVP.)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist in diesem Zusammenhang aber beson­ders wichtig, diese substanzielle Unternehmenssteuerreform mit einer verstärkten Bekämpfung des Steuerbetruges zu verknüpfen. Der Steuerhinterziehung muss der Kampf angesagt werden. Was bedeutet das? – Das bedeutet, dass auch wesentlich niedrigere Steuern entrichtet werden müssen.


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Bei der Mehrwertsteuer ist die Finanzbehörde gut unterwegs. Das für die Bauwirtschaft eingeführte Reverse-charge-System – Österreich nimmt damit in der EU die Pionier­rolle ein – führt zur Eindämmung des Vorsteuerbetruges durch Subunternehmer in der Höhe von zirka 200 Millionen €. Für den Ertragssteuerbetrug sind bereits Maßnahmen im Gange, die aber noch verstärkt werden müssen.

Diese Maßnahmen sind zum Beispiel: branchenbezogene Schwerpunktaktionen etwa gegen Schwarzarbeit, illegale Ausländerbeschäftigung und Schattenwirtschaft, eine Aktion scharf bei Prüfungen, der Einsatz von über tausend ehemaligen Zollwachebe­amten zur Verstärkung des Prüfbereiches und die Ausweitung des normalen Prüfungs­zeitraumes von drei auf fünf Jahre.

Eine vielleicht gute Maßnahme in diesem Zusammenhang ist die strafbefreiende pauschale Steuernachzahlung für 2001 und Vorjahre als Chance für jene, die zwar Steuern hinterzogen haben, aber wieder zu verantwortungsvollen und ordentlichen Steuerzahlern werden wollen.

Kolleginnen und Kollegen! Wir müssen – das ist wohl im Interesse aller braven Steuer­zahler in Österreich – den Steuerhinterziehern den Kampf ansagen. Mit den bereits eingesetzten Mitteln und den geplanten Maßnahmen dieser Bundesregierung sind wir auf dem richtigen Weg! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen)

13.47

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Neudeck. – Bitte. (Abg. Dr. Lichtenberger: Aber die Frächter lässt man in Ruhe!)

 


13.47

Abgeordneter Detlev Neudeck (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Es war wieder einmal faszinierend zu sehen, wie die Opposition in den letzten Stunden mit großer Mühe und viel Aufwand versucht hat, ein Haar in dieser Steuerreform-Suppe zu finden. Aber dort, wo sauber gearbeitet wird (Abg. Dr. Lichtenberger:Suppe“ ist gut!) – es ist Mittagszeit, Frau Kollegin –, gibt es dieses Haar nicht und daher auch nicht in dieser Steuersenkungsreform.

Zu kritisieren gibt es im Grunde nur eines, nämlich dass sie zu spät, viel zu spät kommt. Sie hätte damals gemacht werden sollen, als noch SPÖ-Finanzminister das Sagen hatten, aber damals war so viel Phantasie und so viel Weitblick für die öster­reichische Wirtschaft nicht vorhanden. Ihr Motto war „heute ausgeben, morgen bezah­len, heute den Geldhahn öffnen und die Jugend von morgen belasten“.

Ich finde keine Kritikpunkte daran, dass von dieser Steuerreform alle Unternehmer in Österreich profitieren, dass Frauen und Familien entlastet werden und ihnen am Ende des Monats definitiv mehr Geld bleibt, dass dadurch Kaufkraft erhöht wird und der Wirt­schaftsstandort Österreich gestärkt wird.

Wie es in unserem Land mit einer roten Regierung war, das haben wir viel zu lang erleben müssen. Wie es mit Rot-Grün gehen würde, zeigt das deutsche Beispiel. Alles, was Rot-Grün zu Stande bringen, ist in Bezug darauf, was in Österreich auf den Weg gebracht wurde, ein Reförmchen. Deutschland hat zehn Mal so viele Einwohner wie Österreich. (Abg. Dr. Lichtenberger: Fragen Sie einmal die deutschen Steuerzahler, die sind da anderer Ansicht!) – Das ist für die deutschen Steuerzahler keine wirkliche Entlastung – verglichen mit dem, was sich bei uns tut.

Deutschland mit zehn Mal so viel Einwohnern bringt der Bevölkerung 7,5 Milliarden, und Österreich mit einem Zehntel der Einwohner erreicht 3 Milliarden.


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Meine Damen und Herren! Als ich heute in das Parlament gefahren bin, habe ich einen Spot in „Ö3“ gehört, mit dem „Trend“ für die nächste Nummer wirbt: ÖVP-Funktionäre kritisieren diese Steuerreform. Die zweite Geschichte ist: Österreichs Manager gehen zu Schönheitschirurgen. Umgekehrt wäre es wesentlich schlechter bestellt um diese Steuerreform, denn wenn man die Kritik in diesem Artikel liest, dann kommt man drauf, dass einige Ansätze vom Kollegen Stummvoll enthalten sind, in denen er die Kritiker und nicht diese Steuerreform kritisiert.

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Es ist noch Zeit genug, bis diese Steuerreform beschlossen wird. Bringen Sie sich positiv ein, hören Sie mit der Skandalisierung und mit dem Schlechtmachen des österreichischen Systems auf! (Beifall bei den Freiheit­lichen und der ÖVP.)

13.50

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Mikesch. – Bitte.

 


13.50

Abgeordnete Herta Mikesch (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssek­retär! Meine Damen und Herren von der Opposition, vor allem von der SPÖ: Ihr poli­tisches Kredo scheint die Churchillsche Prämisse zu sein: Jede Niederlage beginnt da­mit, dass man den Standpunkt des Gegners anerkennt. Nach dieser Prämisse müssen Sie alles schlecht machen, sogar die größte Steuerreform der Zweiten Republik, die eine Entlastung für die österreichische Bevölkerung im Gesamtausmaß von 3 Milliar­den € bringt.

Frau Kollegin Bures, wenn Sie in den Medien behaupten, von der Steuerreform würden nur die Reichen profitieren, dann muss ich Ihnen sagen, ist das eine Beleidigung – eine Beleidigung für viele tausend Menschen, die sich tagtäglich mit großem persönlichen Engagement in ihren Betrieben oder an ihrem Arbeitsplatz einbringen, die jeden Euro dringend brauchen und die die großen Gewinner dieser Steuerreform sind. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Wirtschaftswachstum, Lebensqualität und die Bereitschaft, Investoren nach Österreich zu bekommen, hängen nicht nur von den steuerlichen Rah­menbedingungen ab, sondern auch von einer Stimmungslage und haben sehr viel mit Vertrauen zu tun. Darum verstehe ich als Unternehmerin überhaupt nicht, warum diese Steuerentlastung, die für uns alle so wichtig ist, nicht von allen hier im Hause positiv gesehen wird. Sie ist die richtige Antwort zum richtigen Zeitpunkt auf die bevorste­hende Erweiterung der Europäischen Union. (Beifall bei der ÖVP.)

Lassen Sie mich als Unternehmerin auf diese Steuerentlastung eingehen! Österreich ist ein Land der Klein- und Mittelbetriebe. Diese Betriebe sind es auch, die außerhalb der Ballungszentren die Regionen stärken, beleben und erhalten und hohe Lebens­qualität für uns alle bieten. Aber genau diese Betriebe kämpfen oft mit mangelnder Eigenkapitalausstattung und mit steuerlichen Hürden. Und genau für diese Betriebe haben diese Bundesregierung (Abg. Mag. Kogler: Wie viele Betriebe machen denn überhaupt so einen Gewinn? Wie viele Betriebe sind es denn?) und die Regierungs­parteien die steuerliche Entlastung der nicht entnommenen Gewinne und den Wegfall der 13. Umsatzsteuer-Vorauszahlung erreicht. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Hören Sie endlich auf zu behaupten, nur Großkonzerne profitieren von der KöSt-Senkung. Wir leben nicht mehr in den siebziger Jahren, wo man mit Aktiengesellschaften und GesmbHs nur multinationale Konzerne verbindet. 83 Prozent aller GesmbHs in Österreich haben weniger als 20 Mitarbeiter. Von den Aktiengesellschaften sind 50 Prozent Kleinbetriebe mit bis zu neun Mitarbei-


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tern, und 70 Prozent der Steuerentlastung auf Grund der KöSt-Senkung kommen Kapi­talgesellschaften mit weniger als zehn Mitarbeitern zugute. Sagen Sie den Menschen die Wahrheit! (Abg. Mag. Kogler: Sagen Sie die Wahrheit!) Die KöSt-Senkung sichert die Arbeits- und Ausbildungsplätze vor allem in Klein- und Mittelbetrieben. (Beifall bei der ÖVP.)

Gerade in Niederösterreich ist es sehr notwendig gewesen, zu diesem Zeitpunkt diese Maßnahmen zu setzen. Der 1. Mai wird heuer auf Grund der Erweiterung eine andere neue Bedeutung erhalten. Die Erweiterung bringt für uns sehr viele Vorteile, aber natürlich auch Risiken, für die Österreich gerüstet ist. Wir setzen mit dieser Steuerent­lastung Signale für Investoren, und im Land selbst sorgen wir für ein unternehmer­freundliches Klima. (Abg. Mag. Kogler: Sagen Sie die Gewinnstruktur der Unterneh­men!) Arbeitsplätze werden von Unternehmerinnen und Unternehmern geschaffen und nicht durch Worthülsen. Deshalb brauchen wir diese Senkung der Körperschaftssteuer als starkes Signal für unseren Wirtschaftsstandort Österreich wie einen Bissen Brot. (Beifall bei der ÖVP.)

Noch etwas: Es gibt keinen Klassenkampf mehr. Wird die Wirtschaft in unserem Land entlastet, profitieren davon alle Österreicher, denn gesunde Betriebe mit einem gesunden Geist zur Selbständigkeit schaffen neue und dauerhafte Arbeitsplätze. (Abg. Mag. Kogler: Wie viele Betriebe zahlen denn? Sagen Sie das einmal!)

Bauen Sie also keine Neidgenossenschaften auf! Freuen wir uns, dass alle von dieser Steuerreform profitieren! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Kogler: Sagen Sie einmal die Wahrheit!) Machen Sie also von der Opposition diese Reform nicht schlecht. Sor­gen Sie wenigstens für eine gute Stimmung! Für die Daten sorgen wir und diese Bundesregierung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

13.55

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Auer. – Bitte. (Abg. Mag. Kogler: In der ÖVP haben sie jetzt sogar die falschen Zettel ausgeteilt! Die Gewinnstruktur gibt es überhaupt nicht!)

 


13.55

Abgeordneter Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer (ÖVP): Herr Präsident! Herr Staatssekre­tär! Werte Damen und Herren des Hohen Hauses! Es ist richtig, sämtliche Reformmaß­nahmen dieser ÖVP/FPÖ-Bundesregierung haben bisher positive Auswirkungen gezei­tigt – und das trotz schlechter Konjunkturdaten und obwohl die Weltwirtschaft eher eine Flaute erlebte. Unsere Daten, unsere Wirtschaftsdaten liegen im sehr guten Mittelfeld, wenn nicht sogar im Spitzenfeld Europas. Daher war und ist die ÖVP auch hauptver­antwortlich für die künftigen Reformmaßnahmen, für die künftigen Steuerentlastungs­maßnahmen. (Beifall bei der ÖVP.)

Für mich als Abgeordneten aus dem ländlichen Raum ist es aber ganz wichtig, dass mit der Steuerentlastung neue Impulse gesetzt werden. Vieles ist heute schon erwähnt worden, ich darf das noch einmal kurz zusammenfassen.

Für die Arbeitnehmer erfolgt eine Entlastung der niedrigen und mittleren Einkommen. Gerade im ländlichen Raum haben wir diese leider zuhauf. Die Kaufkraft ist relativ ge­ring im ländlichen Raum, daher ist das besonders wichtig. Die 15-prozentige Anhebung der Pendlerpauschale ist wichtig für die Personen, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die täglich von ihrem Wohnort zum Arbeitsplatz und wieder zurück pendeln. Das ist eine ganz entscheidende Maßnahme für die Zukunft.

Unsere Unternehmer, unsere Klein- und Mittelunternehmer, unsere Industrie, schaffen und sichern Arbeitsplätze! Gott sei Dank haben wir auch im ländlichen Raum da und dort noch Industriebetriebe, denn nicht die SPÖ-Gewerkschafter, die auf die Straße


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gehen, schaffen Arbeitsplätze, sondern unsere Unternehmer. Das sei einmal auch ganz definitiv festgehalten. (Beifall bei der ÖVP.)

Wichtig ist auch für mich, dass die Bauern über die Betriebsmittel endlich zu einer Ent­lastung kommen. Da gibt es nur eine Möglichkeit: Kostensenkung. Über die Preise können wir nicht agieren, denn die Preise sind im Großen und Ganzen einem starken Wettbewerb ausgesetzt, und Sie alle wollen nicht mehr für die gesunden Lebensmittel bezahlen. Daher ist meiner Meinung nach diese 20-, 25-, 30-prozentige Senkung, die zu erwarten ist, eine wunderbare Entlastung für unsere Bauern.

Diese Steuerreform ist gut für ganz Österreich, aber insbesondere für unser Bundes­land Kärnten. Wir haben wirtschaftlich aufzuholen. Wir liegen bestenfalls im Mittelfeld, das wissen wir. Die letzten Jahre waren nicht die einträglichsten für Kärnten. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: 10 Jahre ÖVP-Landeshauptmann! So schnell können wir nicht auf­holen!) Mit unseren minus 10 Prozent Kaufkraft liegen wir unter dem Durchschnitt, Herr Kollege Scheuch, das ist leider so. Wir sind am Schluss, was die Kaufkraft anlangt. Das ist schade. Im ländlichen Raum liegen wir sogar um 40 Prozent unter dem Öster­reichdurchschnitt. Das ist leider so, und das gehört verbessert. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Alle drei Parteien in der Regierung!) Natürlich habe ich auch immer das Ganze im Auge. Auf der einen Seite gibt es den privaten und unternehmerischen Haushalt und auf der anderen Seite den öffentlichen Haushalt. (Neuerlicher Zwischen­ruf des Abg. Dipl.-Ing. Scheuch.)

Es ist richtig, dass das Land Einnahmeneinbussen hat, am stärksten natürlich der Bund. Kollegin Trunk hat es auch schon gesagt: in etwa minus 20 Millionen € für das Land Kärnten plus 20 Millionen € für die Gemeinden. Das ist sehr viel. Da hat dieser selbst ernannte Steuerverhandler sicherlich auf das Bundesland Kärnten und auf die Gemeinden vergessen. Das ist leider kein sehr gutes Ergebnis für ihn. Da haben wir sicher nachzubessern. Die Gemeinden sind zu Bittstellern geworden, und das muss sich zukünftig ändern. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Der Gemeindereferent ist aber von der ÖVP oder nicht!

Ich glaube, es ist auch wichtig, dass die Gemeinden ihre Aufgaben künftighin erfüllen und ihren Haushalt ausgleichen können. (Beifall bei der ÖVP.)

Da fordere ich auch die Solidarität vor allem der SPÖ ein. Wir werden sehen, wie weit die Wiener bereit sind, einen solidarischen Ausgleich mit den schwachen Landgemein­den zu unterstützen. Ich glaube, wir sollten den Finanzausgleich jetzt durchaus mit in das Boot nehmen, denn es geht darum, dass die Gemeinden draußen überleben. Würde ein Kärntner Einwohner mit einem Wiener gleichgesetzt werden, dann wären das immerhin plus 200 Millionen € im Jahr für die Kärntner Gemeinden. Da ist es ein gewaltiger Betrag. (Beifall bei der ÖVP.)

Das werden auch wieder wir schaffen. Wer, wenn nicht die ÖVP, wird diesen fairen Ausgleich zwischen den schwachen und den stärkeren Gemeinden schaffen. Es geht dabei um einen größeren Sockelbetrag. Es geht um die Gleichbehandlung der Ge­meinden mit unter 20 000 Einwohnern, und es geht auch um einen erhöhten Kosten­beitrag zum Beispiel für das ländliche Wegenetz oder für die Wasser- und Abwasser­anlagen. All das muss mit ins Boot. Und das wäre dann wirklich ein Doppelschlag: Steuerreform und Finanzausgleich.

Ich glaube, wir von der ÖVP werden das sicherlich schaffen, und dann wird die Entlas­tung auch im entlegensten Bergdorf Kärntens und in ganz Österreich zu spüren sein. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)

 


14.00


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Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wöginger. – Bitte.

 


14.00

Abgeordneter August Wöginger (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staats­sekretär! Hohes Haus! Wir diskutieren heute über die größte Steuerentlastung, die diese Republik je gesehen hat. Diese Steuerreform ist und bleibt der viel zitierte große Wurf, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Opposition, ob Ihnen das passt oder nicht.

Sie wollen wie immer alles schlecht reden, was überhaupt nicht zu verstehen ist. Die Daten und Fakten sind eindeutig und überzeugen. Es wird durch diese Reform eine nachhaltige Entlastung für die Österreicherinnen und Österreicher geben. Es ist nach­weisbar – und das freut mich als Vertreter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders –, dass alle Steuerzahler, vor allem die Bezieher kleiner und mittlerer Ein­kommen, entlastet werden. Insgesamt bleiben den Steuerzahlern 1,1 Milliarden € mehr, und das bedeutet: weniger Steuern, mehr Geld fürs Leben, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Verzetnitsch: Das stimmt nicht!)

Dazu einige Beispiele – auch für Sie, Herr Präsident Verzetnitsch –: Einer Angestellten mit einem Bruttomonatslohn von 1 505 € bleiben durch diese Entlastung 444 € mehr. Ich rechne Ihnen das auch in Schilling um, weil viele Menschen noch in Schilling denken (Abg. Verzetnitsch: Durchschnittsverdiener!): Das sind umgerechnet 6 100 S. Einem Arbeiter mit einem Bruttomonatslohn von 1 755 € bleiben 364 € oder umge­rechnet 5 000 S mehr im Jahr. (Abg. Nürnberger: Wer hat Ihnen denn das aufge­schrieben?)

Da sich Herr Gusenbauer und Frau Bures um die Pensionisten sorgen, nämlich dass sie nichts bekommen, widerlege ich das mit einem Beispiel aus meiner Familie.

Die Mutter meiner Freundin hatte bis zum 1. Jänner dieses Jahres eine Nettopension von 777 €. Jetzt bekommt sie eine Nettopension von 803 €, das sind 26 € mehr im Mo­nat, 364 € mehr im Jahr. (Abg. Mag. Kogler: Über 1 Million von den Pensionisten be­kommt nichts dazu!) Umgerechnet, Kollege Kogler, 5 000 S mehr für eine Pensionistin mit einem kleinen Einkommen. Es gibt Tausende gleichartige Beispiele in Österreich. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Mag. Kogler: Und 1 Million, die nichts bekommen!)

Dies soll verdeutlichen, dass den Menschen mehr Geld zum Leben bleibt. Die Leute spüren diese Entlastung in ihren Geldtaschen, weil sie mehr bekommen (Abg. Mag. Kogler: Welche Leute?), und das ist uns wichtig, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Durch diese Entlastung profitieren im Speziellen auch die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es ist dies neben den bereits beschlossenen Wachstums- und Kon­junkturbelebungspaketen eine Maßnahme gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Durch die Senkung der Körperschaftsteuer wird nicht nur der Wirtschaftsstandort Österreich ab­gesichert, sondern es werden vor allem die Arbeitsplätze gesichert und Tausende neu geschaffen. Und das ist die richtige Politik gegen die Arbeitslosigkeit, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Ein weiterer wichtiger Punkt bei dieser Steuerentlastung ist die Erhöhung des Pendler­pauschales. Diese Bundesregierung erhöht das Pendlerpauschale um 15 Prozent, das sind insgesamt 20 Millionen €. In meinem Heimatbezirk Schärding gibt es viele Pend­ler – es sind heute einige unter den Zuhörern –, und die freuen sich riesig über diese Erhöhung, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)


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Zum Teil ist es ja verständlich, dass manche in diesem Haus mit diesem großen Wurf Probleme haben. (Abg. Mag. Kogler: Ein mittlerer Murks ist das!) Unter Ihrer Zustän­digkeit, meine lieben Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, gab es immer nur Steuer­reformen mit gleichzeitiger Einführung von Belastungen. Diese Steuerentlastung mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 3 Milliarden € wird ohne Gegenfinanzierung gemacht.

Wir haben heute auch schon einiges über das Einsparen gehört (Abg. Mag. Kogler: Sparpakete!), und da hätte ich abschließend noch einen Vorschlag für die SPÖ, wie man einsparen beziehungsweise korrekter mit Abgaben und Beiträgen umgehen könnte. Es gäbe eine sinnvollere Verwendung der Arbeiterkammerbeiträge in Oberös­terreich, die ja bekanntlich alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen, als damit die pompösen Plakataktionen des oberösterreichischen Arbeiterkammer-Präsidenten im Zuge des Wahlkampfes zur Arbeiterkammerwahl zu finanzieren: Plakatieren Sie die Steuerentlastung dieser Bundesregierung. Dies ist die größte Entlastung für die Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer in der Zweiten Republik. Das wäre sinnvoller und ge­rechter, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Der erfolgreiche Weg dieser Bundesregierung wird fortgesetzt: Steuerentlastung für alle! Die christlich-soziale Volkspartei ist der Garant dafür! (Beifall bei der ÖVP.)

14.05

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Eine weitere Wortmeldung kommt von Herrn Abgeordnetem Mag. Kogler. – Bitte.

 


14.05

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Unter 2 Minuten Rede­zeit. In Wirklichkeit wäre das eine Angelegenheit für eine serielle tatsächliche Berichti­gung. Da dieses Institut aber in der Geschäftsordnung nicht existiert, muss ich auf eine normale 2-Minuten-Wortmeldung zurückgreifen. Vieles von dem, was gesagt wurde, ist einfach falsch. Es ist so. Es ist hier kein großer Wurf gelungen, es ist ein mittlerer Murks passiert. Das wird nicht besser.

Der Punkt ist – das möchte ich Ihnen noch einmal erklären –, dass mich der Herr Bundeskanzler hier bezichtigt hat, ich hätte gegen den – wortwörtlich – Kirchenbeitrag polemisiert. Wahr ist vielmehr, dass ich zum Kirchenbeitrag überhaupt nicht Stellung genommen habe, sondern über die Privilegierung des Kirchensteuerbeitrags in steuer­licher Hinsicht gesprochen und mich ausdrücklich dagegen gewandt habe, dass ein Steuerprivileg ein noch größeres Steuerprivileg wird. Das war meine Aussage, und dazu bekenne ich mich auch.

Vorher habe ich § 1 des ungeschriebenen Steuergesetzes, das hier offensichtlich zur Anwendung gebracht wird, zitiert, der lautet: Der Finanzminister zahlt keine Steuern. – Dem muss noch § 2 hinzugefügt werden: Sollten daran Zweifel aufkommen, ist mit der Beseitigung und Vollziehung der Herr Finanzstaatssekretär beauftragt und mit der Wie­derherstellung des Zustandes, dass der Finanzminister wirklich auf ewig keine Steuern zahlt. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

14.06

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Böhm. – Bitte.

 


14.07

Abgeordneter Franz Xaver Böhm (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Staatssekretär! Danke für diese Steuerreform. Als Unternehmer dritter Genera­tion aus der Stadt Salzburg kann ich nur danke schön dafür sagen, dass es endlich gelungen ist, dass vor allem die klein- und mittelständische Unternehmerschaft in den


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einzelnen Sparten und Gewerben wieder etwas Luft zum Atmen bekommt. Danke an die Bundesregierung, vor allem an den Bundeskanzler und auch an Bundesminister Karl-Heinz Grasser, der sich so sehr für die klein- und mittelständische Unternehmer­schaft eingesetzt hat. (Beifall bei der ÖVP.)

Gerade wir in Salzburg, die Salzburger Wirtschaft – Kollege Prähauser hat vorhin ent­sprechende Zahlen gebracht –, leben zu mehr als 85 Prozent von klein- und mittelstän­dischen Unternehmungen, die durchschnittlich zehn Mitarbeiter beschäftigen. Wir Salz­burger Unternehmer sind die Arbeitgeber der Region, wir besorgen die Aufträge. Und jetzt haben wir wieder die Möglichkeit zu investieren, verbunden mit den neuen Investi­tionsanreizen, die wir bekommen haben, bedingt durch den Freibetrag, bedingt da­durch, dass wir nur mehr 25 Prozent Steuer für nicht entnommene Gewinne zu bezah­len haben.

Die Menschen in unserem Land leisten gute Arbeit, meine sehr verehrten Damen und Herren. Größere wirtschaftliche Freiheit und verlässlichere finanzielle Sicherheit sind möglich. Unsere wichtigsten politischen Ziele sind Arbeit und Wohlstand für alle. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verlangen neue Antworten.

In unübersichtlichem Gelände findet nur der einen Weg, der sich zu orientieren weiß. Unsere Politik folgt einem bewährten Kompass: Die soziale Marktwirtschaft als ord­nungspolitische Leitidee weist auch im 21. Jahrhundert den humansten, effizientesten und besten Weg.

Die lähmende Wirkung übermäßiger Bürokratie, Steuer- und Abgabenlast müssen be­seitigt werden. Freiheit und Eigentum, Eigenverantwortung und Privatinitiative sollen die dominierenden Triebfedern der wirtschaftlichen Entwicklung werden. (Beifall bei der ÖVP.)

Österreich braucht eine Steuerpolitik, die Anreize für Leistung setzt. Wir wollen die Menschen motivieren, ihre Leistungskraft zu entfalten. Die Bürger sollen wieder das Gefühl haben, dass es bei der Steuer gerecht zugeht. Österreich braucht deshalb eine Steuerpolitik, die auf Einfachheit und Transparenz setzt – und dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken, und das lobe ich mir. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen.)

14.09

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Weiters zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dr. Cap. – Bitte.

 


14.10

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Der Herr Staatssekretär döst auf der Regie­rungsbank so beschaulich vor sich hin (Abg. Murauer: Der hat geschrieben!), als hätte er mit der ganzen Causa nichts zu tun. Immerhin, ein Tagesordnungspunkt lautete heute: Erklärungen des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers. Es hat Fragen gege­ben, die ihn unmittelbar betreffen und betroffen haben, denn Staatssekretär Finz war doch derjenige, der sich hier im Parlament, aber auch in der Öffentlichkeit hingestellt und quasi seine Hand ins Feuer gelegt hat für seinen Chef, den Finanzminister, der – für ihn günstigerweise – einen Staatssekretär gefunden hat, der bereit ist, in Steuer­angelegenheiten für seinen Chef Persilscheine auszustellen.

Jetzt tippt der Herr Staatssekretär auf seinem Handy herum und vertreibt sich irgend­wie die Zeit, denn er muss da sitzen bleiben – so quasi: Den Letzten beißen die Hunde! Der Finanzminister ist nicht mehr da, alle anderen sind weg, und das ist der Schlusspunkt dieser so wichtigen Erklärung, die in der Öffentlichkeit so groß angekün­digt wurde mit den Worten „Wirtschaftsstandort“, „Steuerreform“ und „Beschäftigung“.


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Ich weiß nicht, womit sich der Finanzminister gerade auseinander setzt, der ja Herrn Winkler jetzt „in die Medien geschickt hat“, der wieder die „NEWS“-Meldung demen­tiert. Dazu muss man sagen: eine Konstruktion, dass jetzt quasi Matthias Winkler mit dem Verein hilft, aus Finanzminister Grasser einen völlig unbeteiligten Dritten zu machen. Es ist eine ganz üble Komödie, die hier veranstaltet wird. Daher kann man das, glaube ich, jetzt nicht einfach auf sich beruhen lassen und ist es notwendig, noch einmal kurz darauf einzugehen, denn zu Mittag hat „News“ diese neuen Geldflüsse aufgedeckt. Und das, was hier steht, steht im Raum. Und der Finanzminister wäre eigentlich dazu berufen, dazu Stellung zu nehmen – das macht er aber nicht. Er ist jetzt nicht einmal mehr anwesend, sondern lässt quasi den Persilschein-Aussteller allein hier sitzen.

Herr Staatssekretär, wenn Sie schon hier sitzen, dann können wir vielleicht einen Dialog führen. Haben Sie von der Differenz von 174 000 auf 283 000 gewusst? Haben Sie von der neuen Differenz der Überweisungen gewusst? – Angeblich haben Sie es gewusst. (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.) Die Frage ist: Warum lassen Sie sich nicht vom so genannten Steuergeheimnis entbinden und nehmen endlich einmal offen hier Stellung, sonst erwecken Sie den Eindruck eines Mitwissenden, der loyal gegen­über dem Finanzminister ist, sich hinter dem Steuergeheimnis verschanzt und in die­sem ganzen Bereich alles macht, nur nicht die Voraussetzungen für die Kandidatur zum Rechnungshofpräsidenten schafft?! Das kann ich Ihnen schon sagen, Herr Staats­sekretär, denn Sie sind jetzt mit involviert in das Ganze. Und wenn der Finanzminister den Hut nehmen muss, dann sollten Sie in Wirklichkeit mitgehen, Herr Staatssekretär, das sei einmal in aller Deutlichkeit gesagt, denn Sie spielen hier mit. (Beifall bei der SPÖ.)

Das Zweite, das man in diesem Zusammenhang erwähnen sollte: Die berühmte Über­weisung der 9 900 € auf das Treuhandkonto des Karl-Heinz Grasser, eigentlich aufge­fettet um noch einmal 5 500 € auf mittlerweile 15 400 € (Abg. Dr. Matznetter: Mehr als 200 000 S!), wird auch von Herrn Winkler nicht dementiert. Er geht darauf nicht ein. Man muss das einmal in aller Deutlichkeit sehen. Hier gibt es offensichtlich einen Punkt, auf den hinzuweisen es sich lohnt, denn wir können bei öffentlichen Stellung­nahmen sehr genau unterscheiden, worauf man eingeht und worauf nicht.

Herr Staatssekretär, jetzt frage ich Sie – Sie sind jetzt der Einzige hier und sozusagen der Rest vom Schützenfest –: Was ist mit diesen 9 900 €? Was ist mit den 5 500 €? Was ist mit den 15 400 €? Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen und Kritikpunkten, die, glaube ich, sehr deutlich sind? Wenn sich der Leiter der Staatsanwaltschaft Matousek sogar in der Öffentlichkeit als Staatsanwalt dazu äußert ... (Staatssekretär Dr. Finz: Ja, das wundert mich!) Wollen Sie jetzt auch Druck ausüben auf den Herrn Staatsanwalt, weil Sie sagen, dass Sie das wundert. Entschuldigung, Herr Staatssekretär, immerhin: Der Leiter der Staatsanwaltschaft sagt, da scheint offensichtlich etwas dran zu sein. Da muss ich sagen: Sie als Staatssekretär sind jetzt gefordert, dazu eine Stellungnahme abzugeben. Melden Sie sich bitte zu Wort, ein Mikrophon haben Sie, Sie brauchen es sich nur rüberschieben zu lassen. Sie bekommen sicher das Wort dazu. Schweigen Sie nicht! Sie können hier nicht schweigen, Sie sind der Einzige auf der Regierungs­bank und sollten dazu jetzt endlich Position beziehen.

Das heißt, es ist berechtigt, dass wir diesen Misstrauensantrag hier auch wirklich ein­gebracht haben. Und ich möchte an die einzelnen Abgeordneten der beiden Regie­rungsfraktionen wirklich appellieren, sich noch einmal gut zu überlegen, wie sie sich jetzt hinsichtlich des Stimmverhaltens entscheiden, denn ich glaube, dass die Fakten­lage erdrückend ist, sowohl was die politische Verantwortlichkeit als auch den Vorwurf zumindest der Schenkungssteuerpflicht betrifft, da sich ein Leiter einer Staatsanwalt-


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schaft ebenfalls öffentlich dazu geäußert hat. Herr Staatssekretär, Ihre Äußerung fehlt uns noch, Sie sollten diese jetzt endgültig nachholen.

Daher mein Appell, hier diesem Misstrauensantrag gegen den Finanzminister beizutre­ten, ihn zu unterstützen, auch im Sinne der politischen Hygiene und der politischen Sauberkeit.

Herr Staatssekretär, ich glaube, Sie haben die letzte Chance, sich aus diesem Verant­wortungszusammenhang auszukoppeln, sich sozusagen frei zu machen. Stellen Sie sich hier her und erzählen Sie endlich einmal, was Sie wissen!

Die nächste Frage ist ja: Ist da noch mehr? Sind die 356 000 € auch nur eine Zwi­schenstation? Wer ist es noch? Ist es Magna? Ist es die Industriellenvereinigung? Was ist da wieder die Gegenleistung gegenüber der Leistung, welche Magna zu erbringen hat – wäre das vielleicht Minerva gewesen? Wir haben ja in dieser Indizienkette lauter so Klassiker. Was ist das Nächste, welche Überweisungen von wem mit welcher Gegenleistung? Und da müssen wir uns langsam fragen: Welche Leistungen sind von dieser Regierung erbracht worden, und was waren die Gegenleistungen, damit diese Leistungen erbracht wurden? Da muss man ja schön langsam fast kriminalistische Strategien entwickeln.

Herr Staatssekretär, nützen Sie Ihre letzte Chance, melden Sie sich zu Wort! (Beifall bei der SPÖ.)

14.17

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Sonnberger. – Bitte.

 


14.17

Abgeordneter Dr. Peter Sonnberger (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Herr Abge­ordneter Cap, der Vergleich macht uns sicher. Sie haben sich nämlich in Ihren letzten Ausführungen wieder mit keinem einzigen Wort inhaltlich zur Steuerreform geäußert, sondern nur nach außen Patzen abgegeben, schlecht gemacht und kriminalisiert. Das ist nicht der richtige Stil, und das spricht für uns. Ich glaube, dass diese Steuerreform eine gelungene ist. (Beifall bei der ÖVP.)

Da dies meine erste Rede hier im Nationalrat ist, möchte ich mich Ihnen kurz vorstel­len. Mein Name ist Peter Sonnberger. Ich bin seit 25 Jahren mit Christa verheiratet, und wir beide freuen uns über eine Tochter und einen Sohn. Ich habe Rechtswissen­schaften studiert und bin seit dem 22. Lebensjahr Verwaltungsjurist. Als ehemaliger Student bin ich aber über die Vorgänge – das sei nur dazwischen bemerkt – entsetzt, die sich an der Universität Wien ereignet haben. Torten-Werfen, Ohrfeigen-Geben – das ist ungeheuerlich und einer international beachteten Universitätsreform keinesfalls würdig. Der VSStÖ hat sich von solchen Maßnahmen nicht einmal distanziert! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Scheibner.)

Aber zurück zu meiner Person. Seit 18 Jahren bin ich im Linzer Gemeinderat tätig, davon acht Jahre als Mitglied des Linzer Stadtsenates, die letzten beiden Jahre war ich zuständig und verantwortlich für Wirtschaft, Tourismus, Märkte, Wohnen und Fach­hochschulen. (Abg. Dr. Wittmann: Welche Schuhgröße haben Sie?)

Sie können mir glauben, ich kenne mich auch im Steuerrecht ein bisschen aus. Mehr Geld zum Leben, weniger Steuern – das ist eine der Kernbotschaften der großen Steu­erreform dieser Bundesregierung, der größten in der Zweiten Republik, mit einem Gesamtvolumen von über 3 Milliarden €. (Abg. Dr. Wittmann: Bitte, sagen Sie mir Ihre Schuhgröße!) Um 350 000 Steuerpflichtige mehr – dazu habe ich heute überhaupt nichts gehört von Ihnen –, also insgesamt 2 550 000 Menschen werden ab 1. Jänner


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2005 keine Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer mehr zahlen. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Scheibner.)

Insgesamt werden im Rahmen der Vereinfachung des Tarifsystems – es wird nur mehr drei Tarifstufen geben – und der Entlastung den Menschen 1,1 Milliarden € zur Verfü­gung gestellt. Das sind satte 15 Milliarden Schilling – eine gewaltige Summe, die vor allem die Kaufkraft wesentlich stärkt. Vor allem kleinere und mittlere Verdiener werden die Gewinner dieser Steuerreform sein. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Als zweite Säule und familienpolitische Maßnahme wurde ein Kinderzuschlag zum Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag eingeführt. 900 000 Familien sind in Österreich betroffen! Für das erste Kind gibt es 130 €, für das zweite 175 und für jedes weitere 220 €. Insgesamt bedeutet das eine Entlastung von über 200 Millionen €! Eine Alleinverdiener-Familie mit drei Kindern wird mit 525 € entlastet. Geht man von einer durchschnittlichen Tarifentlastung von 300 bis 500 € aus, dann sieht man, dass diese Familien zirka 800 bis 1 000 € pro Jahr mehr zum Leben haben.

Da viele Familien von Alleinerziehern und Alleinverdienern armutsgefährdet sind und wir derzeit das System der Individualbesteuerung und nicht der Familienbesteuerung haben, ist diese familienpolitische Maßnahme sozial gerecht und treffsicher. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Die dritte Säule der Steuerentlastung – aber genauso wichtig – ist die Reduzierung der KöSt von 34 auf 25 Prozent. Die Voest, die in Zukunft 2 Milliarden € investieren wird, hat erklärt, sie werde auch die zweite Milliarde Euro in Linz investieren, und es wurde die Reduzierung der KöSt als wesentliches Argument genannt.

Ich darf mit zwei Zitaten schließen. Beständig ist nur der Wandel, meinte einst Heraklit, und die Bundesregierung lebte diesen Satz. Im „Semesterzeugnis“ für die Bundes­regierung, für den Finanzminister und den Finanzstaatssekretär gibt es ein Sehr gut für die größte Steuerreform der Zweiten Republik, die sozial gerecht ist, die kleinere und mittlere Einkommen entlastet, die Familien entlastet, die das Tarifsystem vereinfacht, die die Kaufkraft stärkt, den Wirtschaftsstandort Österreich absichert und damit beste­hende Arbeitsplätze sichert und darüber hinaus zusätzliche Arbeitsplätze schaffen wird. – Nehmen Sie von der Opposition das einmal zur Kenntnis!

Sie von der Opposition haben inhaltlich nichts anzubieten, sondern patzen nur den Finanzminister an, der gemeinsam mit dem Staatssekretär die Finanzen der Republik wieder in Ordnung bringen wird. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

Für die Sozialdemokratie noch eine chinesische Weisheit zum Schluss: Man ist nicht nur verantwortlich für das, was man tut, sondern vor allem auch für das, was man nicht tut – oder in Ihrem Fall nicht getan hat. Sie hätten die Steuerreform durch Steuerbelas­tungen wie Grundsteuererhöhung gegenfinanziert. Sie haben keine Pensionsreform gemacht, und Sie haben vor allem nicht Ihre Verschuldungspolitik gestoppt. Und darum sitzen Sie auf der Oppositionsbank – und das wird noch viele Jahre so bleiben.

Der Vergleich macht uns sicher: Die SPÖ hat inhaltlich zur Steuerreform heute eigent­lich nichts beigetragen. Sie bekommt im „Semesterzeugnis“ nicht ein Nicht genügend, sondern mangels Beschäftigung mit dem Thema „keine Beurteilung“.

Ich darf schließen mit einem Zitat aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: Öster­reichs konservativer Regierung ist mit ihrem Entwurf zur Steuerreform ein großer Wurf gelungen. – Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


14.23


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Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Amon. – Bitte.

 


14.24

Abgeordneter Werner Amon, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staats­sekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der heutige Vormittag hat es eigentlich eindrucksvoll gezeigt: Die Bundesregierung hat eine Steuerreform, und die Oppositionsparteien haben ein Problem. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Jarolim.)

Es ist Ihnen in der gesamten Debatte nicht gelungen – auch Ihnen nicht, Herr Kollege Jarolim, aber das sind wir von Ihnen ja gewohnt –, zu entkräften, dass sich tatsächlich gute und sozial ausgewogene Maßnahmen in den Vorschlägen der Bundesregierung befinden.

Meine Damen und Herren! Diese Steuerreform, die wir nun nach den Erklärungen des Herrn Bundeskanzlers und des Herrn Vizekanzlers debattieren, ist eine, die ein faireres und gerechteres Steuersystem garantiert. Sie stellt eine fairere und gerechtere Steuer­systematik dar, weil sie kleinere und mittlere Einkommen überproportional stark entlas­tet. Für eine Arbeiterin mit einem Durchschnittseinkommen von etwas mehr als 1 000 € brutto im Monat bedeutet diese Steuerreform eine Entlastung von 679 € im Jahr – 679 € im Jahr! Meine Damen und Herren, das ist nicht nichts, sondern das ist eine treffsichere, gute Unterstützung mit christlich-sozialer Handschrift. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir wissen, dass die größte Armutsgefährdung in Österreich bei den Mehrkinderfami­lien liegt. Daher bedeutet diese Steuerreform mehr Gerechtigkeit und mehr Chancen für Familien mit mehreren Kindern, deshalb entlastet diese Steuerreform insbesondere die Familien. Sie bedeutet eine Entlastung für den Mittelstand. Diese Steuerreform bedeutet eine Entlastung für die Pendlerinnen und Pendler: Die Pendlerpauschale wird um nicht weniger als 15 Prozent erhöht!

Aber Sie machen nichts anderes, als in destruktiver Art und Weise diese Steuerreform zu kritisieren.

Eines ist auch interessant, weil Sie das immer wieder hier ins Treffen führen: Wenn kritisiert wird, dass die höchste Arbeitslosenquote und mittlerweile vor allem der höchste Zuwachs bei den Arbeitslosen, nämlich fast 100 Prozent, in der Bundeshaupt­stadt Wien, in der die Sozialdemokraten mit absoluter Mehrheit regieren, zu verzeich­nen sind, kommen Sie oft mit dem Argument, dass viele Menschen aus den Bundes­ländern in Wien ihre Arbeit finden. Da stelle ich schon die Frage: Gibt es keine Wiener, die in den Bundesländern arbeiten? Und ist Ihnen eigentlich bewusst, dass die Anzahl der Arbeitsplätze, die Sie heute in Wien haben, auf dem gleichen Niveau liegt wie die Anzahl der Arbeitsplätze, die es in Wien in den sechziger Jahren gab, während wir in den anderen Bundesländern im Durchschnitt um 30 Prozent mehr Arbeitsplätze haben? – Das ist die Wahrheit! Nehmen Sie die Verantwortung wahr, und schaffen Sie Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Diese Steuerreform entlastet AlleinverdienerInnen und AlleinerzieherInnen in einem überproportionalen Ausmaß. Dort, wo Armutsgefährdung besteht, treten wir ihr ent­gegen und schaffen die Kaufkraft, die es auch möglich macht, ein entsprechendes Wirtschaftswachstum fortzuschreiben.

Es ist nicht so – das möchte ich sehr deutlich sagen, und ich sage das auch als Vertre­ter einer großen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerorganisation –, dass, wenn es um Entlastung geht, Wirtschaft und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegeneinan­der auszuspielen sind, wenn etwa die Körperschaftsteuer gesenkt wird, denn das


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sichert und schafft Arbeitsplätze und ist damit die beste Arbeitnehmerpolitik, die denk­bar ist! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Der heutige Vormittag hat es gezeigt: Wir bieten eine Steuerreform, und Sie haben ein Problem. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

14.28

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Scheuch. – Bitte. (Abg. Dr. Jarolim – in Richtung des sich zu seinem Platz begebenden Abg. Amon –: Die Rede war nicht gut! – Gegenrufe bei der ÖVP.)

 


14.29

Abgeordneter Dipl.-Ing. Uwe Scheuch (Freiheitliche): Herr Bundeskanzler! Herr Staatssekretär! Herr Präsident! Meine geschätzten Damen und Herren! Sich so kurz vor Schluss dieser Debatte noch zu Wort zu melden, hat einen einfachen Grund: Es ist am heutigen Vormittag mehrmals über den Agrardiesel für die Landwirtschaft debattiert worden, und als freiheitlicher Agrarsprecher und als Bundesobmann der Bauernschaft möchte und muss ich mich hier zu Wort melden, weil ich es nicht für fair halte und es auch für sehr gefährlich halte, hier eine Ständediskussion zu führen.

Wenn hier in den Reihen geunkt wird, dass Bauern sich jetzt dadurch den dritten, vier­ten oder fünften Traktor leisten können, dann möchte ich Ihnen schon einmal sagen: Über 300 000 Arbeitsplätze sind nach wie vor im Bereich der österreichischen Land­wirtschaft – über 300 000! –, mehr als 200 000 Betriebe werden bewirtschaftet. Jeden Tag, meine geschätzten Damen und Herren – jeden Tag! –, sperren 22 Bauern zu! Jeden Tag werden 22 Stalltüren zugenagelt und nicht mehr aufgesperrt! Und ich glaube und bin davon überzeugt, dass der Agrardiesel ein wichtiger Bestandteil für eine funktionierende Landwirtschaft ist. Es ist wichtig, dass diese Wettbewerbsver­schlechterung aus der Welt geschafft wird.

Lieber Heinz Gradwohl, ich bin sehr gespannt darauf, ob du in Bezug auf den Agrar­diesel für oder gegen die österreichischen Bauern stimmen wirst. Ich werde schauen, ob du aufstehst oder sitzen bleibst. Du kannst versichert sein: Auch die SPÖ-Bauern und, Herr Kollege Pirklhuber, auch die grünen Bauern würden sich sehr freuen, wenn sie künftig den Agrardiesel billiger bekommen würden, denn das ist mitunter auch ein wichtiger Bestandteil dafür, dass wir die Landwirtschaft in Österreich flächendeckend in familiären Betriebsstrukturen absichern. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

14.30

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Pirklhuber. – Bitte.

 


14.31

Abgeordneter Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber (Grüne): Herr Bundesminister! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Kollege Scheuch hat hier zum Schluss noch einmal gemeint, dass die Landwirtschaft tatsächlich vom Agrardiesel profitieren würde und die Krise der Landwirtschaft damit behoben wäre. Das ist völlig unverständlich, was Sie hier sagen. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Ein wichtiger Bestandteil!)

Genau das Gegenteil wird der Fall sein! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Gerade die Zukunftsstrategien für die Landwirtschaft, nämlich die erneuer­bare Energie, die Bio-Treibstoffe, die die Landwirte erzeugen und die wir erzeugen müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen, behindern Sie mit Ihrer Politik! (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Der wird ja auch billiger!) Also nicht einmal für die „Zukunfts-


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bauern“ tun Sie etwas, ganz im Gegenteil! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordne­ten der SPÖ. – Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Das ist an den Haaren herbeigezogen!)

14.31

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Zum Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Dr. Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Versagen des Ver­trauens gegenüber dem Bundesminister für Finanzen gemäß Artikel 74 Abs. 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes.

Da zu einem solchen Beschluss des Nationalrates gemäß Abs. 2 der zitierten Verfas­sungsbestimmung die Anwesenheit der Hälfte der Abgeordneten erforderlich ist, stelle ich diese ausdrücklich fest.

Ich bitte jene Damen und Herren, die sich für den gegenständlichen Misstrauensantrag aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Es ist das die Minderheit, und damit ist der Antrag abgelehnt.

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abge­ordneten Mag. Molterer, Scheibner, Kolleginnen und Kollegen betreffend die größte Steuerentlastung der Zweiten Republik.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Es ist dies die Mehrheit, und der Antrag ist damit ange­nommen. (E 35.)

2. Punkt

Bericht des Rechnungshofausschusses über den Bericht des Ständigen Unter­ausschusses des Rechnungshofausschusses gemäß § 32e Abs. 4 GOG betref­fend Prüfung der Gebarung des Bundesministeriums für Finanzen hinsichtlich Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnahmen seit 1.1.2002, insbesondere Verkaufsvorbereitungen für Unternehmen der ÖIAG sowie Vergaben an externe Berater im Zusammenhang mit legistischen Vorhaben (Verwaltungsreform, Organisationsstruktur des Ressorts, Bundesstaatsreform, Privatisierungsgesetz­gebung) und Öffentlichkeitsarbeit (356 d.B.)

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Wir gelangen zum 2. Punkt der Tagesord­nung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Erster Debattenredner ist Herr Abgeordneter Dr. Kräuter. Seine freiwillige Redezeitbe­schränkung beträgt 6 Minuten. – Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

 


14.34

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Herr Staats­sekretär! Meine Damen und Herren! Es hat ja schon einige Misstrauensanträge gegen den Herrn Finanzminister gegeben, und das zu Recht, aber eines hat es noch nicht gegeben: dass sich der Herr Finanzminister nicht einmal zu Wort meldet. Das ist ein­malig und erstmalig, meine Damen und Herren, und, Herr Minister, das ist erbärmlich! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Nach eigenen Angaben hat sich der Herr Minister auf diesen Tagesordnungspunkt ge­freut. Ich hoffe sehr, Herr Minister, diese Freude wird sich zur Auskunftsfreude entwi-


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ckeln und dass Sie sich nicht nur klammheimlich hier freuen, denn in einer ganzen Reihe von Fragen sind nämlich dringend Auskünfte notwendig.

Weniger für die Freude, mehr für den Spaß zuständig ist Herr Staatssekretär Finz. Wir alle, meine Damen und Herren, erinnern uns an das schallende Gelächter der innen­politischen Journalisten Österreichs bei der missglückten Weißwaschaktion des Herrn Staatssekretärs.

Aber, Herr Staatssekretär, Sie haben am 26. Jänner wieder gesagt, dass hier ein ord­nungsgemäßes Verfahren durchgeführt wurde, dass nur die Industriellenvereinigung gespendet hat. Daher, Herr Staatssekretär: Schluss mit lustig. Ich fordere Sie auf: Treten Sie zurück, und zwar sofort! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Jetzt, meine Damen und Herren von der FPÖ und der ÖVP, wird es für Sie ein biss­chen brenzlig, denn der Herr Staatssekretär hat klipp und klar festgestellt – ich zitiere Finz aus der APA –:

„Nach Ansicht der Finanzbeamten diente die Homepage Karl-Heinz Grasser aus­schließlich in seiner Funktion als Minister ,und nicht als Privatperson’.“ Also: „Funktion als Minister“.

Meine Damen und Herren! Wir haben jetzt im Ständigen Unterausschuss des Rech­nungshofes die Gebarung des Finanzministers untersucht, und zwar auch Öffentlich­keitsarbeit. „Funktion als Minister“, hat der Herr Staatssekretär gesagt. Und was schrei­ben Sie in Ihrem Bericht, meine Damen und Herren von FPÖ und ÖVP? – Das war nicht Untersuchungsgegenstand. Alles ist bis ins letzte Detail offen gelegt. Keine Fragen sind unbeantwortet geblieben.

Meine Damen und Herren! Lassen Sie sich nicht auslachen wie Finz!

Der Finanzminister – und das wird auch vergessen – behauptet immer, er wisse von nichts, habe überhaupt nichts zu tun mit dieser Homepage. Mitte des letzten Jahres war das ein bisschen anders. Damals sagte er „NEWS“ gegenüber:

„Ich will keine falsche Optik haben. Daher habe ich vom Verein auch eine Umstellung der Finanzierung verlangt.“

Herr Minister, sagen Sie dazu etwas! Sie haben Mitte letzten Jahres eine Umstellung der Finanzierung verlangt. Und auf die Frage von „NEWS“: „Wer zahlt künftig?“, ant­wortet Grasser:

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich dieses Projekt aus meinem Gehalt selber zahlen.“

Also, Herr Minister, zahlen Sie das jetzt selber?

Christoph Neumayer, der Sprecher der Industriellenvereinigung, sagt: „Der Finanz­minister ist an uns herangetreten und hat um Spenden ... ersucht.“

Grasser sagt der „Kronen Zeitung“ gegenüber: Ich stelle noch einmal klar, dass ich nie jemanden um Geld gefragt habe!, sagt im ORF aber unverdrossen: Ich habe mich um Spenden bemüht, für soziale Projekte in unserem Land.

Herr Minister! Klären Sie das alles auf, denn das ist doch wirklich unglaublich!

Sie liegen deswegen bei der Bevölkerung so schlecht ... (Ironische Heiterkeit bei der ÖVP. – Abg. Großruck: Traummännlein! – Weiterer Ruf bei der ÖVP: Witzbold!) Die Hälfte der Österreicher ist gegen ihn! „Vorwürfe gegen Grasser berechtigt“: 49 Prozent sagen „teilweise“, 20 Prozent „voll und ganz“. Und ganz aktuell im „profil“ nachzulesen, meine Damen und Herren von ÖVP und FPÖ, die Sympathiewerte, worauf der Herr


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Minister immer besonders stolz war: von 75 Prozent „gute Meinung“ auf jetzt nur noch 47 Prozent gefallen. – Das spricht Bände, das spricht für sich. (Abg. Hornek: Sagen Sie Ihre auch dazu, Herr Kollege!)

Wissen Sie, Kollege Vorsitzender dieses Kontrollgremiums, was die Leute am meisten stört? – Wenn sie für dumm verkauft werden. Sie wollen wissen, wie viel Geld diese Homepage gekostet und wer gespendet hat. Eine Homepage kostet, wenn es eine Luxusausführung ist, maximal 25 000 €. An diesen Verein ist aber schon das Fünf­zehnfache gespendet worden. Also, Herr Minister, was ist mit dem Geld geschehen? Sie haben heute Gelegenheit, das hier zu beantworten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! In diesem Bericht, den Sie offensichtlich – und ich habe keine anderen Signale – allen Ernstes heute beschließen wollen, sagen Sie, dass alles im Zusammenhang mit Grasser bis ins letzte Detail offen gelegt und geklärt wäre und somit auch keine Fragen unbeantwortet blieben.

Abgeordneter Scheuch hat einmal gemeint – und das ist nicht lange her, das war im letzten Oktober –: Im Endeffekt wird er, nämlich Grasser, gut daran tun, diese Sache zu bereinigen. Ansonsten muss womöglich der Staatssekretär Finz wieder Persil kaufen gehen, um die Weste des Herrn Ministers wieder reinzuwaschen.

Meine Damen und Herren von FPÖ und ÖVP! Sie sind heute drauf und dran und offen­bar bereit, hier einen Bericht zu beschließen, der diesen Nationalrat zu einer Wäsche­rei degradiert. Und ich muss Ihnen sagen, bei einem ehrenwerten Waschvorgang würden die Dinge sauberer. Sie aber machen mit Ihrem Weißwaschversuch heute die Sache noch schmutziger! (Beifall bei der SPÖ.)

14.39

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Hornek. – Bitte.

 


14.39

Abgeordneter Erwin Hornek (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminis­ter! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Der Ständige Unterausschuss des Rechnungs­hofausschusses hat auf Grund eines Verlangens der SPÖ eine umfassende Prüfung der Gebarung des Bundesministeriums für Finanzen hinsichtlich Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnahmen seit 1. Jänner 2002, insbesondere Verkaufsvorbereitun­gen für Unternehmen der ÖIAG sowie Vergaben an externe Berater im Zusammen­hang mit legistischen Vorhaben, wie zum Beispiel Verwaltungsreform, Organisations­struktur des Ressorts, Bundesstaatsreform, und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt.

Begründet wurde dieser Antrag unter anderem damit, dass der geplante Abverkauf von Volksvermögen zu einem schlechten Zeitpunkt erfolgt und dass dies dazu führen wird, dass die zur Disposition stehenden staatlichen Unternehmen zu Schleuderpreisen ver­kauft würden. Bemängelt wurden die Beiziehung von externen Beratern und die daraus resultierenden Kosten sowie der Ablauf der Vergabeverfahren. Weiters wurde kritisiert, dass der Herr Finanzminister angeblich Ausschreibungen für Werbeaufträge getätigt habe.

Geschätzte Damen und Herren! Ich habe vom Kollegen Kräuter zu seinem Antrag beinahe nichts gehört. Der Ständige Unterausschuss des Rechnungshofes hat sich im Zuge von insgesamt neun Ausschusssitzungen intensivst und umfassend mit den ver­schiedensten Thematiken auseinander gesetzt und dazu eine beachtliche Zahl an Aus­kunftspersonen geladen. Entgegen der üblichen Praxis, dass der zuständige Minister nur einmal im Ausschuss erscheint, war Herr Bundesminister Grasser am 11. Juli 2003 und am 10. Dezember 2003 jeweils mehrere Stunden anwesend (Zwischenruf des Abg. Mag. Kogler) und hat umfassend und kompetent die an ihn gerichteten Fragen


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beantwortet. (Abg. Öllinger: Wahnsinn!) Als weitere Auskunftspersonen standen zur Verfügung: der Herr Präsident des Rechnungshofes Dr. Fiedler, Herr Dipl.-Bw. Heinzel, Dr. Michaelis und Dipl.-Ing. Wieltsch, Dr. Schramm, Dipl.-Ing. Ramprecht, Karl Plech, die Universitätsprofessoren Kletecka und Dr. Bogner. In Bezug auf die Beraterverträge muss festgestellt werden, dass es auf Grund der umfassenden Vorhaben sinnvoll und notwendig war, externe Berater mit internationaler Erfahrung für diese Großvorhaben ergänzend zu den Experten des Finanzministeriums beizuziehen.

Es ist weiters festzuhalten, dass kein einziger Auftrag und keine einzige Ausgabe des Bundesministeriums für Finanzen ohne rechtliche Grundlage vorgenommen wurde. Die Vergabeverfahren erfolgten nach internationalen Standards und wurden von einer Vergabekommission, die sich aus mehr als zehn Personen zusammensetzte, unter anderem zwei Universitätsprofessoren sowie hoch qualifizierten Spezialisten aus den jeweiligen Fachgebieten sowie auf dem Gebiet des Vertrags- und Vergaberechts, vor­genommen – ein aufwendiges Verfahren, um größtmögliche Objektivität und Transpa­renz gewährleisten zu können.

Die Beraterkosten orientieren sich am Transaktionswert und an der erbrachten Leis­tung und bewegen sich in einem international üblichen Rahmen zwischen einem und eineinhalb Prozent des Transaktionsvolumens.

Die Bundesbeschaffungs GmbH ist ein markantes Beispiel für effiziente Beraterleis­tung. Bei einem Beschaffungsvolumen von 290 Millionen € wurde ein Einsparpotential von 29 Millionen € im ersten Jahr erreicht. Die Beraterkosten beliefen sich auf 3,3 Mil­lionen €.

Als weiteres Beispiel sei die Restrukturierung der Finanzverwaltung erwähnt, wobei Beraterkosten von 452 000 € auf der einen Seite einem Einsparpotential von 250 Mil­lionen € auf der anderen Seite in den nächsten Jahren gegenüberstehen.

Im Zuge der Befragung des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der ÖIAG, Dipl.-Bw. Heinzel, und des Vorstandes, Michaelis und Wieltsch, kamen die konträren Stand­punkte zur österreichischen Wirtschaftspolitik klar zum Ausdruck: Auf der einen Seite die Opposition, die weiterhin den Staatseinfluss bewahren möchte, und auf der ande­ren Seite die Regierung, die ein effizientes Privatisierungsprogramm vorsieht, um die Marktchancen der Unternehmen zu erhöhen und die Konkurrenzfähigkeit der Unter­nehmen zu verbessern.

Dies ist eine besondere Leistung, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass in der Ver­gangenheit verstaatlichte Unternehmen jahrelang mit Steuermitteln in Millionenhöhe bezuschusst und in der Folge um einen symbolischen Schilling verkauft wurden. Diese Tatsachen widerlegen markant die Behauptung, dass verschleudert und verscherbelt würde. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

In Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für Finanzen ist festzu­halten, dass zielgruppenorientierte Übermittlung von Informationen aus dem Ressort ein wichtiges Anliegen ist. Die finanziellen Aufwendungen dafür liegen im Rahmen des­sen, was auch in der Vergangenheit üblich war. Im Gegenzug dazu darf ich Ihnen zur Kenntnis bringen, dass die Stadt Wien für derartige Vorgaben und Maßnahmen, näm­lich Öffentlichkeitsinformation, jährlich zig Millionen Schilling aufwendet. (Abg. Groß­ruck: 40 Millionen €!) – Zig Millionen €, ich danke für die Korrektur. (Abg. Großruck: 40 Millionen!) Im Vergleich dazu sind diese Aufwendungen geradezu bescheiden.

Unser Bundesminister für Finanzen steht für ein Nulldefizit 2001 und 2002, Senkung der Zinsaufwände für die entsprechenden Staatsschulden (Abg. Mag. Kogler: Das ... Untersuchungsgegenstand, Herr Kollege! Das hat mit dem Ausschuss exakt nichts zu tun!) und Einsparung durch Verwaltungsreform und hat maßgeblichen Anteil daran,


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dass sich Österreich im europäischen Ranking auf dem exzellenten dritten Platz befin­det.

Die „Krone“ titelte am 27. Januar 2004: 

„Weniger Budgetdefizit als erwartet. Grasser wird ,EU-Musterschüler’“.

Dem ist nichts hinzuzufügen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheit­lichen.)

14.46

 


Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. Ich erteile es ihm.

 


14.46

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Meine Herren auf der Regierungsbank! Kolleginnen und Kollegen! Das war nicht irgendein Ausschuss, Herr Kollege Hornek, das war doch ein Ausschuss, der den bezeichnenden Namen „Ständi­ger Unterausschuss des Rechnungshofausschusses“ hat, und ich weiß überhaupt nicht, wie Sie hier dazu kommen, es als eine in diesem Ausschuss gängige Praxis zu verkünden, dass ein Minister nur genau einmal anwesend sein muss. Sie verwechseln das vielleicht mit anderen Ausschüssen! – Wir werden da jetzt nicht vor Ehrfurcht er­zittern, weil der Herr Bundesminister für Finanzen uns die Gnade erwiesen hat, dort zweimal zu erscheinen. (Ruf bei der ÖVP: Zur Sache!) Wir werden auch gleich dazu kommen, wie diese Befragung im Procedere angelegt war.

Ich möchte aber auf eines zurückkommen, wenn wir das jetzt chronologisch betrach­ten: Ein ständiger Unterausschuss wird ja in der Regel halbjährlich mit einem Prüfauf­trag versorgt. Diesfalls erfolgte das durch die SPÖ-Fraktion. Sie war es alleine, und ich stehe nicht an, zuzugeben, dass ich persönlich das Thema anfänglich, was seine Dramatik und Dynamik betrifft, anders eingeschätzt habe.

Ein starkes Gewicht lag auf den so genannten externen Beraterverträgen. Ich kann mich erinnern in den ersten Tagen gesagt zu haben, dass ich da nicht ein derartiges Aufdeckungsbedürfnis wie die Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ habe, weil ich der Meinung war, externe Beraterverträge an sich sind nicht schlecht. Dies ist auch – und jetzt erst recht – eine Frage der Abwägung: Kann das im Haus geleistet werden? Kann es nicht im Haus geleistet werden? Bringt der Vorgang der externen Beratung entsprechende Benefits, sodass das insgesamt sogar gut wäre?

Ich sage das deshalb, weil ich damit uns zugute halten will, dass wir uns dieser Sache in dieser Art und Weise angenähert haben. Das ist ja auch Ihre Argumentation, Herr Bundesminister, bis zum Schluss gewesen, und Sie werden ja vermutlich auch heute wieder – wenn Sie sich endlich doch zu Wort melden – diese Vergleiche anstellen.

Ich muss nur sagen, um ein Resümee in der Sache vorwegzunehmen: Ich bin eines wesentlich Schlechteren belehrt worden! Es war für mich erschütternd, und die Ver­dachtsmomente, die diesem Prüfauftrag zugrunde gelegt waren, haben sich mehr als bestätigt. Ich komme nicht umhin, das auch als Vorsitzender des Vollausschusses, der diesen Bericht dann entgegengenommen hat, letztlich zu bestätigen. Es kam sogar noch schlimmer, als es sich wahrscheinlich die Antragsteller damals selbst erwartet hatten. – Das ist ein erstes Zwischenresümee in der Sache. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Jetzt streiten wir uns bei diesen Ausschüssen im Kontrollbereich ständig auch um das Procedere. Eine kurze Anmerkung dazu: Es ist tatsächlich so, dass diese Diskrepanz – Minderheitsrecht zur Einsetzung, aber Bedienung des Instrumentariums im Ausschuss durch Mehrheitsbeschlüsse – immer wieder zu den kuriosesten Erscheinungen führt.


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Ich halte das deshalb für erwähnenswert, weil das einer der reparaturbedürftigen Punkte ist – im Hinblick auf die nächste Geschäftsordnungsreform, wer immer sich da­mit beschäftigt –, wenn man diese Untersuchungsausschüsse ernst nehmen will. Es braucht auch in der Abwicklung einer Untersuchung bestimmte Minderheitsrechte, sonst haben wir dort immer ein Patt, das zu nichts führt. Und seien wir uns doch ehr­lich: Machen wir lieber vielleicht ein paar Untersuchungen weniger, die aber anständig, sodass auch eine Minderheit damit etwas anfangen kann! Man könnte sich ja auch auf einen Kompromiss einigen, wenn die Angst besteht, dass dann alle paar Monate irgendein anderes Thema mit „Gewalt“ – unter Anführungszeichen – dahergezerrt wird.

Das Problem, das wir hier wieder vorgefunden haben, ist nur – ich komme nicht umhin, es festzustellen, Kollege Hornek, ich kann Ihnen überhaupt nicht beipflichten –: Wir haben es mit Obstruktion zu tun gehabt. Wir haben es damit zu tun gehabt! Die Mehr­heit im Ausschuss hat etwa verhindert, dass beispielsweise bestimmte Fragen vom Finanzminister zu Ende beantwortet wurden. (Abg. Hornek: Aber nicht von der Oppo­sition, Herr Kollege!)

Es ist sogar so weit gegangen, dass vorgefertigte Fragen an den Finanzminister verle­sen wurden, die ganz offensichtlich dem Finanzministerium vorher bekannt waren, weil der Herr Bundesminister für Finanzen dann elendslange Zeit dafür verwendet hat, um auf diese vorgefertigten Fragen etwas zu verlesen.

Damals ist es ihm in dieser politischen Auseinandersetzung nicht so gut gegangen wie heute. Da hat er sich – sonst tut er es ja selten – an ein ganz langes Kommuniqué gehalten und wortwörtlich vorgelesen. Wen es interessiert: Schauen Sie in den Proto­kollen Ihrer Kollegen nach! – Ich halte das für einen Tiefpunkt in einem Aufklärungs­ausschuss. So kann man nicht arbeiten! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Das tut letztlich auch Ihnen nicht gut.

Trotzdem ist es gelungen, ein paar Dinge ans Licht zu bringen. Ich werde gleich darauf eingehen, darf aber zuvor noch einen Aspekt, der gerade heute wieder so besonders relevant geworden ist, hervorheben: Viele Auskunftspersonen, die sich eigentlich prak­tisch von sich aus aufgedrängt haben befragt zu werden, haben Sie mit Ihrer Mehrheit daran gehindert, dort auszusagen – sagen wir es einmal zurückhaltend –, unter ande­rem – ich nenne jetzt nur einen von ihnen – den Kabinettchef des Herrn Finanzminis­ters, Herrn Matthias Winkler, und das, obwohl der Untersuchungsgegenstand dieses Ausschusses ja das Finanzministerium selbst war, mithin der Finanzminister, wie Sie sehen können, wenn Sie den Prüfauftrag lesen. Trotzdem wurde mit Mehrheit verhin­dert, dass dieser Kabinettchef dort aussagen musste – und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Herr Bundesminister bei wesentlichen Teilen des Prüfgegen­standes immer gesagt hat: Ja ich nicht!

Herr Bundesminister, Sie sind der unbeteiligte Dritte. Beteiligt ist Herr Matthias Winkler. Diesen dürfen wir aber nicht befragen, weil Sie das verhindert haben. – Einigen Sie sich einmal auf irgendetwas! Das nenne ich Obstruktion! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Damit gehe ich auf die Resümees zu den inhaltlichen Punkten ein. Eines passt genau dazu: Herr Bundesminister, Sie haben sich, was die Nichtbeantwortung – wiederum die Nichtbeantwortung – zur so genannten Homepage-Affäre im Ausschuss betrifft, damit verantwortet (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Geh Kogler! Du hast schon bei der Steuerre­form nichts Gescheites gesagt!), das gehe – ich kürze jetzt ab – den Ausschuss nichts an, und zwar mit der Begründung, dass das ja kein Akt der Vollziehung sei, dass das im Wesentlichen mit dem Öffentlichen nichts zu tun habe, dass das irgendwo in der privateren Sphäre angesiedelt sei und sich deshalb nicht nur nicht als Untersuchungs­gegenstand eigne, sondern sich geradezu der Befragung entziehe. – Wieder ist offen-


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sichtlich praktisch ein Beratervertrag in Auftrag gegeben worden, um das zu unter­mauern. Zumindest aber wurde das Bundeskanzleramt bemüht, um diese Meinung zu rechtfertigen. Dazu sage ich: Gut.

Am gleichen Tag hat aber Herr Staatssekretär Finz zur so genannten Weißwaschung, wie das hier immer genannt wird, ausgeholt. Am selben Tag und zur selben Stunde – auch ein Tiefpunkt von Kontrolldemokratie –, als der Herr Finanzminister befragt wurde – unter dem schallenden Gelächter der Anwesenden, wie gesagt –, wurde ver­kündet, es bestehe keine Steuerpflicht, und zwar mit der Begründung, dass das im öffentlichen Bereich des Finanzministers läge, nicht im privaten!

Ja haben Sie sich jetzt endlich geeinigt? Nehmen Sie doch beide dazu Stellung! Beides kann nicht richtig sein! – Das nenne ich Tiefpunkt! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Gaál: So ist es!)

Die Sphäre der Beraterverträge: Schauen Sie, Herr Bundesminister, wir sind jetzt bei dem Problem, dass Sie gesagt haben, dass durch derartige Beraterverträge Milliarden­beträge eingespart werden würden. Wissen Sie, was Sie gemacht haben? – Sie haben einfach die potentiellen Privatisierungserlöse in diesem Bereich, die ja auch Unter­suchungsgegenstand waren, zusammengezählt und das dem Beraterhonorar gegen­übergestellt. Ja bitte, das ist doch nicht die Rendite einer Beratung! Die Rendite einer Beratung ist doch das, um das man etwa sein Zeug – so muss man das ja nennen, wie Sie das angegangen sind – teurer verkaufen kann (Abg. Neudeck: Das hat er ja ge­macht! Früher hat es einen Schilling gekostet!), oder wenn man sich sonst etwas einspart. Von dieser Rendite haben Sie nie gesprochen!

Ich bringe ein Beispiel, wo das fürchterlich schief gegangen ist: Die KPMG, die uns auch sonst noch interessieren wird, hat für den Verkauf – nur die Beratungs- und Abwicklungsleistung – des Bundesverlages sage und schreibe beinahe 800 000 € be­kommen – beinahe 800 000 €, das muss man sich einmal vorstellen! –, und dies bei geplanten 24 Millionen an Privatisierungserlös. – Wissen Sie, da sind Sie um ein Viel­faches über dem ohnehin hohen Prozentsatz von einem Prozent für Beraterhonorare bei derartigen Privatisierungen. Ich halte das für einen Skandal! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Und dann kommen Sie hierher und erklären, das Verhältnis der 24 Millionen € zu den 800 000 €, das sei die Rendite! – Das ist eine Milchmädchenrechnung! Die ist ja nicht einmal mehr der Himmelpfortgasse würdig, selbst seit Sie dort eingezogen sind. Das ist wirklich unter jeder Kritik! Und das wollten Sie der Öffentlichkeit weismachen. Damit sind Sie aber nicht durchgekommen.

Wir haben serienweise Beraterverträge gefunden, wo es auch im Zusammenhang mit der Ausschreibung nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. (Abg. Hornek: Wo? Herr Kollege, wo?) – Unter anderem bei den Beauftragungen des Bankhauses Leh­man & Brothers. Sie sind bis heute die Aufklärung darüber schuldig, welch nützliche Dienste etwa Herr Muhr in diesem Zusammenhang geleistet hat. Das haben Sie auch dort nicht gemacht. Vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit hier und heute.

Eines noch zum Abschluss (Ruf bei den Freiheitlichen: Gott sei Dank!): Der Ausschuss hat auch – das soll man nicht unerwähnt lassen, vielleicht auch zur kleinen Versöh­nung – etwas bewegt – und da haben wir nicht einmal einen Disput mit Ihnen gehabt, Herr Finanzminister –: Die Privatisierung der Voest und anderer Unternehmen – die BUWOG werden wir gleich wieder als Diskussionsthema haben – war ein zentraler Ge­genstand. Die Sache mit dem Herrn Siegi Wolf war ein Thema, aber auch jene mit dem Herrn Veit Schalle, weil das gerade parallel gelaufen ist.


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Herr Heinzel, der Aufsichtsratsvorsitzende der ÖIAG, hat im Ausschuss zu dankens­wert offenen Worten gefunden. Diese haben sich irgendwie auch nach außen durchge­sprochen, und es hat von diesem Tag an einen enormen Druck auch auf Veit Schalle gegeben, sodass er in dieser unhaltbaren Situation – völlig unvereinbar: Kaufinteresse und Mitgliedschaft im Aufsichtsrat; das haben aber Sie schon zu verantworten, dass diese Leute sich dort selbst erneuern, wie sie sagen – am nächsten Tag um 14 Uhr – er hat jede Stellungnahme dazu verweigert – diese Funktion endlich zurücklegte. Ich glaube, das war gut für Veit Schalle, das war gut für die ÖIAG und im Sinne einer Rest­reputation des so genannten Wirtschaftsstandortes. (Präsident Dr. Khol übernimmt wieder den Vorsitz.)

Ich füge noch hinzu, dass wir in diesem Punkt – das war aber der allereinzige – keinen Dissens gehabt haben, weil auch der Herr Bundesminister für Finanzen bei dieser Gelegenheit dort, aber auch bei anderen, betont hat, dass das auch nicht mehr seinem Geschmack entspricht, und nachweisen konnte, dass er immerhin einmal in der Öffentlichkeit gesagt hat: Ja, das ist unvereinbar!

Sehen Sie, Herr Bundesminister: Wenn man sich stundenlang befragen lässt, kann man doch noch auf ein Körnchen Gutes kommen! (Beifall bei den Grünen und bei Ab­geordneten der SPÖ.)

14.57

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bevor wir um 15 Uhr zur kurzen Debatte über die An­fragebeantwortung des Bundesministers für Finanzen kommen, nütze ich diese Ge­legenheit, um Herrn Abgeordnetem Dr. Gusenbauer einen Ordnungsruf zu erteilen. Er hat in der letzten Debatte, in der ich gerade am Vorsitz war, und zwar um 10.51 Uhr gesagt:

„Auf Grund Ihrer Körperschaftsteuersenkung wird in Linz kein einziger Euro mehr in­vestiert werden. – Lügen Sie die Leute nicht dauernd an, Herr Bundeskanzler!“

Ich habe dann dem Herrn Abgeordneten Gusenbauer die Möglichkeit gegeben, den Vorwurf der Lüge zurückzunehmen. In der Hitze der Debatte hat er das aber offensicht­lich übersehen oder nicht tun wollen. Jedenfalls – sei dem wie auch immer –, Herr Abgeordneter: Ich muss Ihnen einen Ordnungsruf erteilen. – Er ist hiemit erteilt. (Abg. Prinz: Hochmut kommt vor dem Fall, Herr Kollege Gusenbauer!)

*****

Wir gelangen nunmehr entweder zu Ausführungen von 2 Minuten des Abgeordneten Neudeck oder unterbrechen kurz die Sitzung. – Herr Kollege Neudeck, wollen Sie jetzt anfangen und dann weiterreden? (Abg. Neudeck: Warten wir!) – Dann unterbreche ich die Sitzung für eine Minute, um dann mit der Anfragebesprechung zu beginnen.

Die Sitzung wird unterbrochen.

(Die Sitzung wird um 14.59 Uhr unterbrochen und um 15 Uhr wieder aufgenom­men.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf.

Kurze Debatte über die Anfragebeantwortung 1006/AB

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nunmehr zur kurzen Debatte über die An­fragebeantwortung des Bundesministers für Finanzen mit der Ordnungszahl 1006/AB.


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Die erwähnte Anfragebeantwortung ist bereits verteilt worden, sodass sich eine Verle­sung durch den Schriftführer erübrigt.

Wir gehen in die Debatte ein.

Gemäß § 57a der Geschäftsordnung spricht in dieser Debatte kein Redner länger als 5 Minuten. Die erste Rednerin hat eine Redezeit von 10 Minuten. Das Mitglied der Bun­desregierung – in diesem Fall der Herr Bundesminister für Finanzen – soll nicht länger als 10 Minuten Stellung nehmen.

Wir gehen jetzt so vor.

Ich bitte Frau Abgeordnete Moser, die Debatte zu eröffnen. Sie hat das Verlangen unterzeichnet. Ihre Redezeit beträgt 10 Minuten. – Sie sind am Wort, Frau Kollegin.

 


15.01

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr ge­ehrter Herr Finanzminister! Meine Damen und Herren! Diese Anfragebesprechung bietet höchstwahrscheinlich die einzige Möglichkeit, unseren heute sehr schweigsamen Finanzminister doch zu einer Äußerung zu bewegen.

Heute Vormittag stand – nach seiner Diktion – sein Meisterwerk zur Diskussion: die so genannte Steuerreform. Wer nicht sprach, war der Herr Finanzminister. Jetzt soll er sprechen!

Heute Vormittag haben wir in der Debatte um die so genannte Steuerreform auch neue Informationen über die Steuermoral des Herrn Finanzministers erhalten. Es ging dar­um, inwieweit er nicht doch für Millionenbeträge – in Schilling gerechnet – schenkungs­steuerpflichtig ist. Wer geschwiegen hat, war der Herr Finanzminister. Jetzt soll er Ge­legenheit haben, vielleicht auch dazu Stellung zu nehmen! (Zwischenruf des Abg. Faul.)

Meine Damen und Herren! Wir haben heute Vormittag auch gehört, dass es immer ein Anliegen dieser Bundesregierung ist, die Privatisierung voranzutreiben und die Staats­schulden zu senken. Jetzt am Nachmittag diskutieren wir den Unterausschussbericht des Rechnungshofausschusses, in welchem es massiv und zentral um Privatisierungs­fragen ging und die Privatisierung der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften ein wesentlicher Punkt war.

Im Rahmen der Thematik betreffend staatliche Wohnbaugesellschaften – 62 000 Woh­nungen stehen im Besitz des Bundes! – hat sich herausgestellt, dass diese Privatisie­rungsaktion größtenteils nicht umsichtig beziehungsweise schlecht vorbereitet wurde und höchstwahrscheinlich nicht den Ertrag bringen wird, von dem man ausging und welcher der Grund dafür war, dass man die politische Entscheidung getroffen hat, diesen Schritt in Richtung Privatisierung zu unternehmen.

Herr Minister! Sie haben dankenswerterweise wieder eine Anfrage beantwortet, aber leider nicht ganz vollständig. (Zwischenruf des Abg. Öllinger.) Ich möchte jetzt gleich in medias res gehen:

Punkt eins: Herr Minister, Sie haben hier wiederholt gesagt, die Veräußerung dieser 62 000 Wohnungen sei dringend notwendig, um die Staatsschulden zu senken. Des­wegen wurde ja auch die Gemeinnützigkeit dieser Gesellschaften aufgelöst, und zwar schon durch die Budgetbegleitgesetze im Jahr 2000.

Herr Minister! Was Sie nicht wissen und was Sie mir auch niemals beantworten hätten können, ist die Tatsache, dass seit der Auflösung der Gemeinnützigkeit bei diesen Wohnbaugesellschaften die Wohnungen, die zum Wiedervermieten frei werden, nicht mehr in der Sorgfältigkeit instand gehalten werden wie vorher, weil zum Beispiel Sie,


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Herr Finanzminister, und in Zukunft höchstwahrscheinlich auch die Investoren die Ge­winne laufend entnehmen. Sie bedienen ja mit Vorliebe Großinvestoren, sei es bei der Steuerreform, bei den Kapitalgesellschaften, sei es bei der Industriellenvereinigung, zu der Sie enge Kontakte pflegen, und sei es auch im Bereich der Großinvestoren beim Verkauf der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften. Sie bedienen diese Klientel ja sehr gerne!

Auf wessen Kosten geschieht das? – Auch auf Kosten zukünftiger MieterInnen, die dann in Wohnungen einziehen, die nicht mehr optimal renoviert worden sind! – Das weiß ich aus erster Hand von einem Mitarbeiter der WAG aus Linz, der gesagt hat, dass am Bindermichl laufend Wohnungen übergeben werden, die nicht mehr den Stan­dard haben, den sie früher hatten: Es wird nicht mehr alles ausgemalt, und die sanitä­ren Anlagen werden nicht mehr im vollen Umfang repariert, weil entweder Gewinne bereits entzogen wurden oder weil man bereits jetzt Vorsorge dafür treffen will, dass Investoren dann einen entsprechend großen Kapitalstock übernehmen können. Das ist die Tatsache! Das ist schon eine Frühfolge Ihrer Privatisierungspolitik im Wohnungsbe­reich!

Herr Minister Grasser, Sie waren im Unterausschuss zwei Mal zu diesem Thema anwesend und sind uns Rede und Antwort gestanden und mussten auch Stellung zur Kritik des Rechnungshofs nehmen. Es geht dabei um unser Grundproblem betreffend die mittelfristige Finanzplanung und die mittelfristige Einnahmensituation der Republik. Es wurde Ihnen dort vom Herrn Rechnungshofpräsidenten Dr. Fiedler mitgeteilt, dass sich ein Verkauf erst lohnt, wenn allein für die WAG und die BUWOG ein Verkaufserlös von 600 Millionen € erzielt wird, weil es erst ab dieser Summe günstiger ist, auf Ge­winne aus diesen Gesellschaften zu verzichten, um durch Reduzierung der Staats­schuld auch da auf Zinszahlungen verzichten zu können.

Problematisch dabei war für mich, dass ich auf Grund dieser Kalkulation von vorn­herein annehmen musste, dass diese Privatisierung nicht in die Richtung geht, die Sie erhoffen, sondern mittelfristig budgetpolitisch sogar ein Unsinn beziehungsweise kont­raproduktiv ist und sicherlich auch in weiteren Rechnungshofberichten kritisiert werden wird.

Ich will gar nicht weiter über die Konsequenzen sprechen, welche die MieterInnen zu erwarten haben, wenn zum Beispiel die Verbriefungsvariante eingegangen wird. Für mich ist somit jetzt der Zeitpunkt gekommen – und deswegen auch diese Anfragebe­sprechung –, zu dem Sie uns mitteilen könnten, wie weit Sie in Ihren Entscheidungen intern bereits fortgeschritten sind.

Sie haben die von mir gestellte Frage nicht beantwortet, Herr Minister, welcher Perso­nenkreis jetzt genau die Entscheidung trifft ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin, das Licht leuchtet nicht, aber die 10 Minu­ten sind um!

 


Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (fortsetzend): Schauen Sie auf die Uhr! Es ist 15.06 Uhr! Entschuldigung, Herr Präsident!

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin, Sie haben Recht! Meine Uhr hier hat einen Fehler. – Sie sind am Wort.

 


Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (fortsetzend): Danke schön. – Das ist ja wirklich die neueste Methode! Man darf sich immer wieder auf Einfälle des Herrn Präsidenten freuen! (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Entschuldigung, aber das war ja überhaupt noch nie da!


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Ich setze fort: Herr Minister, der Zeitpunkt für diese Anfragebesprechung ist für uns auch deshalb jetzt gekommen, weil Sie uns durch Ihre Mitarbeiter mitteilen ließen, dass Sie Mitte Jänner endgültig entscheiden werden, in welche Richtung gegangen wird, ob und an wen verkauft wird oder ob verbrieft wird.

Jetzt haben wir Ende Jänner. Mich würde interessieren, Herr Minister, wie jetzt diese interne Entscheidung gelaufen ist und welche Personen vor allem daran beteiligt waren. In Ihrer Anfragebeantwortung haben Sie mir diese Frage nicht beantwortet, da­her wäre es jetzt sehr wohl angebracht, dass Sie das nun nachholen!

Wenn man ein bisschen hinter die Kulissen horcht beziehungsweise sich in informier­ten Kreisen umtut, dann hört man, dass die Verbriefungsvariante bevorzugt wird, denn das sei jetzt international so üblich. Dabei haben natürlich, auch laut Ihrer Auskunft im Unterausschuss, Lehman Brothers gewisse Vorteile. Diese bestehen erstens in einem höheren Honorar und zweitens in laufenden Einnahmen über die Abwicklung der Verbriefung und der Anteile. Drittens – und das ist eigenartig, Herr Minister – hört man hinter den Kulissen auch, dass eine gewisse Bank namens Credit Suisse First Bos­ton von Lehman Brothers beauftragt werden soll, die Verbriefung jetzt konkret abzu­wickeln.

Ist da etwas dran oder nicht? Es heißt nämlich hinter den Kulissen auch, dass Ihr Freund Muhr engere Beziehungen mit dieser Credit Suisse First Boston Bank pflegt. Hier schließt sich jetzt irgendwie ein Freundschaftsnetz, und es gibt Grund zu der Ver­mutung, dass sich schon am Beginn der Überlegung, ob die Bundeswohnungen ver­kauft und welche großen internationalen Investmentbanker zur Abwicklung herange­zogen werden sollen, etwas auszuspinnen begonnen hat.

Jetzt kommt es praktisch zu einer Abrundung dieser ganzen freundschaftlichen Ge­spräche und Beratungen, die dann eben zu einem Ergebnis führen werden, das für die MieterInnen doppelt nachteilig ist. (Zwischenruf des Abg. Öllinger.) Sie können ja das WAG-Beispiel auch in die Zukunft fortsetzen: Wenn laufend Mieteinnahmen verbrieft und dann an Investoren über Fondsanteile ausgeschüttet werden, dann bleibt unter dem Strich weniger oder nichts, um die Wohnungen zu erhalten, außer – entschuldigen Sie! – der Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag.

Das schlägt sich dann wieder in der Qualität der Wohnungen nieder. ExpertInnen aus dem Bereich dieser bundeseigenen Wohnbaugesellschaften haben mir gegenüber im­mer wieder geäußert, dass die Verbriefung die schlechteste Variante ist, weil man sich mehr oder weniger ausrechnen kann, dass diese Gebäude nach 30 Jahren herunterge­wirtschaftet sind. Und es geht immerhin um den nicht kleinen Stock von 62 000 Woh­nungen. (Beifall bei den Grünen.)

Im Zusammenhang mit diesen Wohnbaugesellschaften gilt es auch noch, eine Klärung auch im Hinblick auf die Kärntner Landtagswahl vorzunehmen. Herr Minister! Wie schaut es denn jetzt aus mit dem Vorkaufsrecht des Landeshauptmannes von Kärnten für die „Villacher“? Schließlich ist ja die „Villacher“ mit über 12 000 Wohnungen ein relativ großes Paket, welches das Land Kärnten wieder erwerben will. – Das ist ja klar, denn im Land Kärnten gibt es Freiheitliche, die das soziale Herz immer sozusagen recht intensiv pochen lassen. Das Land Kärnten hat nach wie vor zumindest auf den Lippen eine sozialere Wohnungspolitik und deswegen das Vorkaufsrecht. – Wie schaut es damit jetzt konkret aus? Noch dazu unter dem Aspekt, dass es geschehen kann, dass die „Villacher“ wieder gemeinnützig wird, wenn die „Wiener Eisenbahner“ jetzt endgültig die Gemeinnützigkeit zurückerobert. Da läuft ja noch ein Verfahren. – Viel­leicht können Sie uns darüber etwas sagen, denn dann reduziert sich der Stock der Wohnungen, die Sie verkaufen wollen, von 62 000 um ungefähr 17 000, das sind die „Wiener“ und die „Villacher“ gemeinsam. In Anbetracht dessen frage ich mich wirklich:


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Welches Verkaufsergebnis können Sie einfahren, das über dem liegt, was Fiedler als Minimalerlös ansieht, nämlich 600 Millionen?

Vor diesem Hintergrund ist – ich kann dies nur wiederholen – die gesamte Vorgangs­weise und die gesamte Abwicklung der Privatisierung eines sozialen Wohnungsbestan­des in Österreich sowohl wohnungssozialpolitisch als auch budgetpolitisch kontrapro­duktiv. Es ist dies ein rein ideologischer Akt: Sie wollen privatisieren. Sie wollen das Kapital bedienen. Das wissen wir von Ihrer Steuerreform, und das wissen wir auch von Ihrer privaten Steuermoral. Hier schließt sich ein Kreis. Herr Minister! Bitte beantworten Sie die offenen Fragen! – Danke. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Öllinger: Es geht nicht nur um Ideologie, sondern auch um Provisionen.)

15.12

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer Stellungnahme hat sich Herr Bundesminister Mag. Grasser zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


15.12

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Sehr geehrte Frau Abge­ordnete Moser, ich freue mich sehr, dass ich Ihnen in der Debatte heute am Vormittag abgegangen bin! Offensichtlich haben Sie auf meine bahnbrechenden Ausführungen zur größten Steuerreform in der Geschichte der Zweiten Republik und zu den nach­haltigen Entlastungen gewartet.

Ich darf Ihnen aber versichern: Der Bundeskanzler, der Vizekanzler und die Damen und Herren von den Regierungsfraktionen haben diese Steuerreform so vortrefflich beschrieben, dass die Verhandler dieser Steuerreform hier nichts hinzuzufügen hatten. Sie steht für sich selbst. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP und der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Zu den Wohnungen: Frau Abgeordnete Moser und ich sind ja spezialisiert auf diese Frage, denn es wurden mittlerweile, wenn ich das richtig sehe, mehr als 22 Anfragen in dieser Sache gestellt. (Abg. Dr. Gabriela Moser: Es sind schon 24!) Es sind also schon 24. Danke vielmals, Frau Abgeordnete! Es liegt ein Rechnungshofbericht zu dieser Frage vor, außerdem gab es in diesem Zusammen­hang vier Ministerratsvorträge und zwei Gesetzesänderungen. Vier Rechnungshofaus­schüsse werden zu diesem Thema abgehalten, von denen ein guter Teil schon statt­gefunden hat, es gab das letzte Mal eine Kurzdebatte, und es gibt heute eine Kurz­debatte.

Frau Abgeordnete, Sie haben gesagt, dass das eine ideologische Frage ist. – Ich gebe Ihnen durchaus Recht, dass das auch eine ideologische Frage ist, denn diese Bundes­regierung ist aus tiefer Überzeugung angetreten und hat gesagt: Privat ist sicherlich besser als der Staat! – Und es wundert mich sehr, dass Sie immer wieder dagegen argumentieren, denn Österreich ist das Land, in welchem wirklich hinreichend bewie­sen wurde, dass der Privatbereich viel, viel besser funktioniert als der Staat. (Zwi­schenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.)

Meine Damen und Herren! Denken Sie zurück an die Zeit sozialdemokratischer Verant­wortung in den siebziger und achtziger Jahren. Mit der verstaatlichten Industrie sind leider Gottes zig Milliarden € und Zigtausende Arbeitsplätze in den Betrieben verloren gegangen! Das war die Politik, die damals gemacht wurde. Und deswegen, meine Damen und Herren, ist es gut, wenn man sagt: Private können das besser. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir sind Fans der Marktwirtschaft. Wir sind überzeugte Marktwirtschafter, Frau Abge­ordnete, überhaupt wenn wir damit auch noch sicherstellen können, dass wir mit Einnahmen aus dem Verkauf durch diese Privatisierung Staatsschulden zurückzahlen


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können! Ich bin bei Ihnen – das habe ich auch das letzte Mal schon gesagt –, dass natürlich ein Zusammenhang zwischen der Summe, die wir tatsächlich durch die Priva­tisierung hereinbekommen, und dem Prozentsatz, zu dem die Staatsschuld finanziert ist, besteht. Hiebei geht es heute um eine Größenordnung von 4,8 Prozent, oder nehmen wir der Einfachheit halber fünf Prozent. Wir wissen, dass wir 25 Millionen € nachhaltig Dividende aus den einzelnen Wohnbaugesellschaften zu erwarten haben. Daraus ergibt sich dann aber nicht der Betrag von 600 Millionen €, den der Rech­nungshofpräsident in nicht genauer Kenntnis der Dividendenzahlungen einmal genannt hat, sondern ein Betrag von 500 Millionen €, den wir bekommen müssen.

Das haben wir das letzte Mal festgestellt. Ich gehe daher davon aus, dass wir, wenn wir diesen Betrag überschreiten, gemeinsam sagen können, dass das eine erfolgreiche Privatisierung war, weil wir mehr Staatsschulden zurückzahlen können und uns daher etwas sparen im Vergleich zu einem permanenten Dividendenfluss, den wir für die Republik lukrieren können. Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns beiden gelingt, einen Konsens in dieser Frage zustande zu bringen! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP und der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Ich möchte natürlich auch darauf hinweisen, dass ein ganz, ganz wichtiger Punkt bei dieser Privatisierung ist, dass wir den Mietern erstmals die Möglichkeit angeboten haben, diese Wohnungen zu kaufen. Das hat keine Bundes­regierung davor gemacht! Wir haben gesagt: Wir sind für das Eigentum, wir treten für Eigentumsschaffung ein, wenn es möglich ist. Wir haben keine Angst vor dem Eigen­tum, sondern wir sind für das Eigentum! Und wenn Sie sich die Entwicklung ... (Abg. Eder: Wie viele haben gekauft?) Wie viele gekauft haben? – Es haben bei der BUWOG mehr als 1 000 ihr Kaufinteresse angegeben, und es wurden bereits mehr als 430 Verträge abgeschlossen, und bei der WAG wurden bereits mehr als 180 Verträge abgeschlossen.

Meine Damen und Herren! Jeder Einzelne entscheidet, ob er diese Möglichkeit, zu kaufen, nutzt oder nicht. Wenn Sie sich ansehen, wie niedrig die Sozialmieten in diesem Zusammenhang sind, dann wissen Sie, warum diese Möglichkeit zu kaufen nur von einem gewissen Teil in Anspruch genommen wurde. (Zwischenruf des Abg. Eder.) Aber in Ihrer Zeit, Herr Abgeordneter, hat es nie die Möglichkeit für die Mieter gegeben, diese Wohnungen zu kaufen! Wir haben uns gefreut, diese Möglichkeit schaffen zu können. Wir haben gesagt: Wir eröffnen euch diese Chance, wir geben euch die Per­spektive: Kauft euch diese Wohnungen! Und wir haben gleichzeitig versichert – und das ist mir wichtig –, dass sich nichts im Verhältnis zwischen den heutigen Mietern und deren vertraglichen Rechten und nichts in den Mieterschutzbestimmungen ändert, wenn es einen neuen Eigentümer geben sollte.

Das heißt, ich darf Ihnen versichern: Auch nach dem Verkauf gelten selbstverständlich die strengen Vorschriften des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes für die Mieter. Das war uns immer wichtig. Es kann keine Schlechterstellung der Mieter durch diesen Ver­kauf der Gesellschaften geben. Daher gibt es nur Chancen, und zwar Chancen für die Mieter und Chancen für die Steuerzahler und damit Chancen für die Republik Öster­reich, meine Damen und Herren! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP und der Freiheit­lichen. – Zwischenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.)

Frau Abgeordnete, Sie haben gefragt: Wer entscheidet danach über die tatsächliche Privatisierung? – Ich glaube, Sie kennen die gesetzlichen Grundlagen. Wir haben mehrere Ministerratsvorträge gemacht, und Sie werden wissen, dass im Parlament ein Verwertungs-Ermächtigungsgesetz beschlossen wurde. Mit diesem Gesetz wurde der Finanzminister beauftragt, die Geschäftsanteile bestmöglich zu verwerten, und genau so werden wir vorgehen.


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Wir haben danach natürlich dem Ministerrat diesen Vorschlag zu präsentieren. Es wird eine entsprechende Regierungsvorlage geben, und es wird eine Entscheidung des Ministerrates geben, und es wird dann, so wie es gesetzlich vorgesehen ist, selbst­verständlich einen Bericht geben, der im Hauptausschuss des Nationalrates auch zur Diskussion gestellt werden wird.

Sie haben gefragt, wie es mit Verkauf versus Verbriefung aussieht. Frau Abgeordnete! Ich sage Ihnen dazu: Wir wollen die Entscheidung, ob wir die Geschäftsanteile ver­kaufen oder das Sekurisationsverfahren, also die Verbriefung zukünftiger Einnahmen, wählen, nicht zu früh treffen, sondern wir bleiben in einer Parallelvorgangsweise, mit welcher wir uns beide Möglichkeiten offen halten, um möglichst kompetitiv zu bleiben, also einen möglichst starken Wettbewerb zu haben, um den bestmöglichen Preis zu erzielen, was die Angebote für den Verkauf der Geschäftsanteile betrifft.

Die ersten indikativen Angebote sind, wie Sie wissen, gemacht worden. Lehman Brothers wurde als Investmentbank beauftragt. Sie haben es angesprochen, und ich möchte nur in einem Nebensatz eine Bemerkung dazu machen, denn der Abgeordnete Kogler hat mir in der anderen Debatte vorgeworfen, dass ich hier eine Reihe von Din­gen vorgelesen habe. Frau Abgeordnete! Sie wissen, dass wir Ihnen kein Verfahren so ausführlich dargestellt haben wie dieses Vergabeverfahren an Lehman. Wir hatten eine Vergabekommission von elf Mitgliedern eingerichtet, von unabhängigen Experten, von Rechtsprofessoren, von Betriebswirtschaftsprofessoren, von Leuten des Finanzminis­teriums, Ministerialräten, welche die Verantwortung dafür übernommen haben. Eine Kommission von elf Mitgliedern hat diese Frage in einem sehr transparenten und objektiven Verfahren entschieden, und zwar nach Punkten, die bis ins Detail herunter­gebrochen waren. Ich habe Ihnen in der Anfragebeantwortung selbst noch einmal bestätigt, dass das Lehman-Angebot im Alternativangebot 1 83,26 Punkte, im Alterna­tivangebot 2 82,14 Punkte und im Hauptangebot 81,64 Punkte aufwies. Der Zweitge­reihte hatte 79,05 Punkte.

Ich betone nochmals: Es war dies ein sehr transparentes und objektives Verfahren, das wirklich über jeden Zweifel und über jede Kritik erhaben ist, weil wir es sehr gut und professionell vorbereitet haben. Frau Abgeordnete! Uns war wichtig, dass wir uns für eine Transaktion, die bei 500 bis 600 Millionen € aufwärts vom Privatisierungserlös her liegt, international anerkannter Berater bedienen.

Ich habe Ihnen den Track Record von Lehman Brothers geschildert. Ich habe Ihnen gesagt, dass sie Nummer eins oder Nummer zwei in der Verwertung von Immobilien­besitz in den letzten Jahren waren, also eine wirklich erfahrene Investmentbank in die­sem Bereich sind. Ich wiederhole nochmals: Karlheinz Muhr spielt in dieser gesamten Privatisierung überhaupt keine Rolle, genauso wenig wie Kommerzialrat Plech, der sonst oft von Ihnen erwähnt wird, eine Rolle in der Frage dieser Privatisierung spielt. Das heißt, wir fahren parallel: mit Securitization einerseits und mit Share Deal anderer­seits.

Sie haben noch die Frage betreffend das Vorkaufsrecht von Kärnten gestellt. Diesbe­züglich kann ich Ihnen nur sagen, dass ich vor nicht allzu langer Zeit ein Gespräch mit dem Landeshauptmann von Kärnten hatte. Er hat mir vermittelt: Dann, wenn die letzt­gültigen Angebote am Ende des Verfahrens auf dem Tisch liegen, wird sich das Land Kärnten entscheiden, ob man dieses Vorkaufsrecht wahrnimmt, es nutzt oder nicht nutzt.

Ich denke, das waren alle Fragen, die Sie gestellt haben, Frau Abgeordnete.

Die Instandhaltung haben Sie noch angesprochen. Ich möchte Ihnen versichern: Es waren letzte Woche Herr Geschäftsführer Schuster von der BUWOG und Herr Ge­schäftsführer Schön von der WAG bei mir. Beide haben mir versichert, dass die


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Instandhaltung, wie sie sie in den letzten Jahren vorbildlich gemacht haben, auch jetzt natürlich ganz genauso weiter passiert. Das heißt, wir tun das Bestmögliche im Sinne einer Kundschaftsbeziehung, einer Serviceorientierung für die Mieter und versuchen, ihnen das beste Produkt – selbstverständlich auch in Zukunft – zur Verfügung zu stellen.

Daher darf ich Ihnen in Summe auch diesmal Folgendes sagen: Erstens, meine Damen und Herren, wurde völlig korrekt, einwandfrei und vorbildlich vorgegangen, was die Vergabe betrifft. Zweitens haben wir den Mietern eine ganz wichtige Chance ge­geben, Eigentum zu erwerben. Und drittens haben wir penibel Wert darauf gelegt, dass es zu keiner Schlechterstellung der Mieter kommen kann.

Wir handeln im österreichischen Interesse, im Interesse der Steuerzahler. Wir versu­chen, möglichst viel Geld hereinzubekommen und Staatsschulden zurückzuzahlen, um damit das Erbe, das wir übernommen haben, schön langsam zu bewältigen. Ich darf Ihnen versichern: Wir sind auf einem guten und richtigen Weg für unser Land. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

15.22

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Vielen Dank, Herr Bundesminister.

Wir gehen nunmehr in die Debatte ein. Es kommt jede Fraktion mit einem/einer Abge­ordneten zu Wort. Die Redezeit beträgt jeweils 5 Minuten.

Zu Wort gemeldet ist als Erster Herr Abgeordneter Großruck. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


15.22

Abgeordneter Wolfgang Großruck (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bun­desminister! Hohes Haus! Die Opposition dreht seit einigen Monaten beziehungsweise seit fast einem Jahr einen Film mit dem Titel „Grasser-Jagd“. Heute haben wir die x-te Klappe – ich weiß nicht, die wie vielte es ist, jedenfalls: „Grasser-Jagd“, die x-te. Am Vormittag gab es einen Misstrauensantrag, jetzt haben wir die Besprechung einer Anfragebeantwortung, es gibt auch einen Unterausschuss dazu. Sie ändern permanent den Titel, aber nicht den Inhalt, weil Sie wissen, dass der Inhalt fad ist, dass er nichts hergibt, dass er niemanden interessiert. (Abg. Mandak: Gibt Ihnen das nicht zu den­ken?) Sie drehen einen schlechten Politkrimi. Wissen Sie, warum? – Weil Ihnen der Täter fehlt! (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen.)

Jetzt erfinden Sie einen Täter, so nach dem Motto „Die linke Jagdgesellschaft denkt nach und sagt, wir müssen einen erfinden“, nämlich einen erfolgreichen – das ist das Täterprofil –, einen kompetenten, einen beliebten und einen weitblickenden. Und da fällt Ihnen Karl-Heinz Grasser ein. Er ist jetzt der Täter, den Sie für Ihren Politkrimi wollen, meine Damen und Herren. Grasser Karl-Heinz soll von Ihnen zum Täter ge­macht werden. (Zwischenruf des Abg. Brosz.)

Dass die SPÖ das macht, weiß man. Das hat sie ja bereits vor ungefähr eineinhalb Jahren in Auftrag gegeben. Ich darf Ihnen das noch einmal zur Kenntnis bringen. Vor zirka eineinhalb Jahren hat die SPÖ eine Studie mit dem Titel „Netzwerk Rot:Weiß:Rot“ um 2 Millionen Schilling in Auftrag gegeben. Darin ist es darum gegangen zu analysie­ren, wer gefährlich werden könnte. Die Ergebnisse dieser Studie waren – ich lese wört­lich vor – folgende:

Besonders Karl-Heinz Grasser gelingt es, unter den zentralen WählerInnengruppen der SPÖ eine sehr positive Rolle zu spielen. Daher empfehlen die Autoren, Finanzminister Karl-Heinz Grasser nachhaltig zu desavouieren. – So der Originaltext in dieser Studie.


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Auf Deutsch heißt das: Schlecht machen, wo es geht, „annadern“, wo es geht, Unwahr­heiten verzapfen, wo es geht – ein bisschen wird schon hängen bleiben. Das ist Ihre Methode, meine Damen und Herren von der Linken! Und Herr Matznetter zeichnet sich im Fernsehen auch ganz besonders aus. Sie müssen nur aufpassen, dass Sie Ihrem Parteivorsitzenden nicht gefährlich werden, was die Sympathiewerte anbelangt. (Abg. Neudeck: Die negativen!) Da sind Sie drauf und dran, ihm den Rang abzulaufen.

Dass aber Sie, Frau Kollegin Moser, die ich Sie als seriöse Kollegin schätze, hier in dieser Jagdgesellschaft mittun, verwundert mich schon. Sie kennen die ganze Ge­schichte, Sie kennen all die Berichte des Unterausschusses, Sie kennen die Anfrage­beantwortungen. Karl-Heinz Grasser hat minutiös, mit Akribie und sorgfältig alles be­antwortet. Sie haben ihn x-mal zu den Sitzungen des Unterausschusses vorgeladen. Sie wissen, worum es geht. (Abg. Dr. Lichtenberger: Das stimmt nicht!)

Gehen Sie heraus und sagen Sie, wir sind ideologisch nicht mit dem einverstanden, was bezüglich Privatisierung passiert! Kämpfen Sie dagegen an, aber stilisieren Sie nicht ihn zum Täter, weil Ihnen etwas politisch nicht in den Kram passt! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Zeigen Sie Profil, sagen Sie, wir sind damit nicht einverstanden, wir haben einen ande­ren Zugang zur Politik, wir wollen die Privatisierung nicht, wir wollen nach wie vor den zentral verwalteten Staatsmonopolismus! Dann wissen die Wähler, wie das einzuschät­zen ist.

Aber Sie wissen genau: Beim Wähler kommt das nicht an. Der Wähler, der Bürger ist selbständig, er möchte selbst entscheiden. (Abg. Dr. Gusenbauer: Nur Korruption kommt nicht gut an! Das will der Wähler auch nicht!) Er möchte Privatinitiative, er möchte auch Eigentum haben. Und genau deshalb gehen Sie nicht auf den Inhalt ein, sondern schießen sich auf die Person Karl-Heinz Grasser ein! Es ist, glaube ich, nicht seriös, dass Sie sich hier als Jägerin vom Mosertal oder vom grünen Wald zusammen mit der SPÖ-Jagdgesellschaft deklarieren.

Ich darf, meine Damen und Herren, da es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt (Abg. Scheibner: Vierzeiler!), weil inhaltlich schon alles vom Finanzminister gesagt worden und alles andere in den Unterlagen nachzulesen ist, wie immer mit einem Vierzeiler enden; diesmal ist es ein Sechszeiler.

Zum x-ten Mal ist angesagt:

Genossen, es ist Grasser-Jagd!

Aus allen Rohren wird geschossen

von den Grünen und Genossen.

Statt Treffer sind’s nur Rohrkrepierer

und die Jäger die Verlierer.

(Anhaltender Beifall bei der ÖVP und Beifall bei den Freiheitlichen.)

15.27

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin mit einer Redezeit von 5 Minuten ist Frau Abgeordnete Bures. – Bitte.

 


15.27

Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wissen Sie, Herr Großruck, das mag vielleicht für Sie ein fades Thema sein. Ich kann Ihnen sagen: Für 60 000 Familien, die vom Verkauf der Bundeswohnungen betroffen sind, die heute nicht wissen, wer morgen ihr Eigentümer


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sein wird und wie sich ihre Mieten weiterentwickeln werden, ist dieses Thema nicht fad, sondern das ist ein brennendes Thema, sodass es gut ist, dass wir heute hier darüber reden. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Großruck: Sie verunsichern sie!)

Es handelt sich beim Verkauf der Bundeswohnungen um die größte Vermögensver­schiebung der Zweiten Republik. Es sind 60 000 Wohnungen, 4,5 Millionen Quadrat­meter Wohnfläche, 27 000 Parkplätze und über 500 Geschäftsimmobilien, die ver­schleudert werden sollen.

Herr Finanzminister! Es ist völlig unglaubwürdig, wenn Sie heute hier noch immer sagen: Wir wollten die Mieter zu Wohnungseigentümern machen. (Abg. Mag. Donner­bauer: Sie haben es verhindert mit Ihrer Kampagne!) Nennen Sie die Zahlen! Einem Prozent der WAG-Mieter in Oberösterreich ist es gelungen, sich zu den überhöhten Preisen, die Sie angeboten haben, die Wohnungen überhaupt leisten zu können. 99 Prozent der Mieter konnten die Wohnungen nicht kaufen, weil Sie sie zu teuer an­geboten haben. (Bundesminister Mag. Grasser: Sie wollten sie nicht kaufen!) Aber jetzt verscherbeln Sie sie an Immobilieninvestoren! (Beifall bei der SPÖ und bei Abge­ordneten der Grünen.)

Das ist nicht nur die Kritik von mir an Ihnen, sondern das ist auch die Kritik im Rech­nungshof-Wahrnehmungsbericht, in dem bezüglich der Preise für die Mieter eindeutig davon gesprochen wird, dass den Mietern die Wohnungen zu höheren Preisen als für Dritte angeboten wurden.

Herr Bundesminister, es stellt sich die Frage: Wer schneidet mit? Wer ist sozusagen der Profiteur dieser Immobilienverschiebung, die Sie hier planen? – Sie haben vor zwei Jahren noch von einem Erlös von 2 Milliarden € gesprochen. Dann haben Sie eine sündteure, befreundete Gesellschaft, nämlich Lehman Brothers, engagiert. Diese haben plötzlich nur mehr von einem Erlös von 600 Millionen € bis maximal 1 Milliarde € gesprochen. Dann haben Sie noch einen berühmten Freund, Herrn Plech, der mittler­weile überall drinnen sitzt, wo es um Bundesimmobilien geht. Er sprach im Ausschuss auf einmal nur mehr von einem Erlös von 400 Millionen € durch den Verkauf.

Es gibt, glaube ich, keinen besseren Beleg dafür, dass es sich hiebei um eine Ver­scherbelungsaktion von Ihnen handelt, als die Aussage des Rechnungshofpräsidenten Fiedler, der davon spricht, dass allein als Erlös durch den Verkauf der WAG und der BUWOG 600 Millionen € erzielt werden müssten, damit sich das überhaupt budgetär lohnt.

Also: Ihre Aktion lohnt sich nicht für die Mieter, Ihre Aktion lohnt sich nicht für das Budget. Ihre Aktion lohnt sich aber für Ihre Freunde, für Herrn Plech, der der Profiteur sein wird, und lohnt sich für die Beratungsfirma, die bereits 10 Millionen € vom Steuer­zahler für eigentlich recht dubiose Beratungskosten abkassiert hat. Das sind die Herr­schaften, die von Ihrer Politik profitieren! Die Mieter und Mieterinnen in diesen Woh­nungen, diese 60 000 Familien bleiben leider auf der Strecke und konnten kein Woh­nungseigentum begründen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen. – Abg. Dr. Gusenbauer: Vielleicht schneidet er auch mit! Vielleicht gibt es Rückflüsse!)

Die Frage ist überhaupt, ob man Schadenersatzforderungen an den Bundesminister stellen kann, da dem Budget und damit den Steuerzahlern wirklich Millionen verloren gehen. (Abg. Mag. Molterer: Das ist falsch!)

Herr Finanzminister! In Ihrem Privatisierungswahn verscherbeln Sie offensichtlich alles, was in diesem Land nicht niet- und nagelfest ist, das Vermögen der Österreicherinnen und Österreicher. Ihr Verscherbelungswahn geht so weit, dass Sie Dinge verkaufen, die Ihnen nicht gehören. Sie schreiben den Verkauf von fünf Wohnbaugesellschaften


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aus, bezüglich derer Sie gesagt haben: Diese sind nicht mehr gemeinnützig. Wir brauchen keine geschützten Mieter mehr, die sollen sich teure Wohnungen kaufen.

Bei Ihrer Politik werden die Menschen in diesem Land leider immer nur noch ärmer und eben ein paar wenige wie Sie immer reicher und reicher.

Sie, Herr Finanzminister, sagen: Diese fünf Gesellschaften verkaufe ich. – Eine davon gehört Ihnen jetzt aber mittels Bescheid nicht. Sie ist gemeinnützig, daher können Sie diese nicht verscherbeln – und eine weitere mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht. Aber 10 Millionen € wurden für ein Gutachten für Dinge ausgegeben, die Ihnen nicht gehören und wofür Sie auch keine gesetzliche Grundlage haben.

Unter dem Strich ist die Bilanz klar: Es ist ausschließlich Schaden entstanden! Die Mieter haben keine Chance auf einen Wohnungskauf bekommen. Die Mieter stehen heute da und wissen nicht, wie sich morgen ihre Miete gestalten und wer Hauseigen­tümer sein wird. Und Sie verschleudern öffentliches Eigentum nur deshalb, damit Freunde von Ihnen reicher werden und profitieren. Ich denke wirklich, es wäre es wert, dass man eine Schadenersatzforderung im Interesse der Republik einleitet. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Mandak. – Abg. Mag. Molterer: Die SPÖ verkraftet nicht das neue ...!)

15.32

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Neudeck. 5 Mi­nuten Redezeit. – Bitte. (Abg. Dr. Gusenbauer: Der Herr Kollege erzählt uns jetzt über die Rückflüsse ...! Wie fließt das Geld von Plech zu Grasser?)

 


15.33

Abgeordneter Detlev Neudeck (Freiheitliche): Herr Klubobmann Gusenbauer, das kann ich Ihnen nicht erzählen, weil es diese Flüsse nicht geben wird. (Abg. Dr. Gusen­bauer: Net?) Aber Sie sind es gewohnt, denn ihr habt über Jahrzehnte in der BUWOG herumgeschustert. Das war eine Vorfeldorganisation der SPÖ. (Abg. Lentsch: Des­wegen jammern sie so!) Fragen Sie die Mitarbeiter dort! Da muss ich Ihnen sagen: Es ist nicht nur Ideologie, dass Sie diese Privatisierung der Wohnbaugesellschaften nicht wollen, sondern es geht bei Ihnen ans Eingemachte, weil damit die Parteikasse etwas maroder wird. (Abg. Eder: ... Rosenstingl!) Das ist eine Tatsache. (Beifall bei den Frei­heitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Ein Anfragewust stürzt laufend auf den Finanzminister herein. Ich frage mich, warum die Kollegen von der SPÖ vor allen Dingen den Um­stand so kritisieren, dass niemand gekauft hat. Entschuldigung, wenn ich ein Mieter in einem BUWOG-, in einem BIG- oder in einem WAG-Objekt bin, dann erhoffe ich mir ja von der Partei, die mir wahrscheinlich diese Wohnung besorgt hat, dass sie mich auch gut berät, und nicht, dass sie mich als politisches Faustpfand in einer Diskussion ver­wendet. Eigentlich wäre es eine positive Politik gewesen, wenn die Arbeiterkammer, die Gewerkschaft, die SPÖ und die Mietervereinigung den Mietern Folgendes aus­gerechnet hätten: Was habt ihr für einen Vorteil, wenn ihr die Wohnungen erwerbt? Kann man noch über den Preis reden und vielleicht in Verhandlungen eintreten, wie die Preisgestaltung ausschauen soll?

Was ist passiert? – Es ist skandalisiert worden, es wurde den Mietern ausgeredet. Natürlich ist es dann nicht möglich, ein Konzept der vorrangigen Veräußerung an die Mieter durchzuziehen. Gegen den Wind der Sozialdemokratie ist gerade im sozialen Wohnbau und im genossenschaftlichen Wohnbau schlecht Klavier spielen. Da kann der Finanzminister am allerwenigsten dafür.

So, wie Sie es bei der Steuerreform verabsäumen, zuzustimmen, haben Sie auch in diesem Fall eine Gelegenheit verabsäumt, wo Sie wirklich sozialdemokratisch für die


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Mieter agieren hätten können und Eigentum ... (Abg. Dr. Gusenbauer: Was verdienen Sie dabei?) – Ich verdiene dabei gar nichts, weil ich andere Kategorien in der Politik setze als Sie. Für mich sind nicht das Verdienen in der Politik und der gute Rotwein das Kriterium (Abg. Dr. Gusenbauer: Sondern?), sondern das Wohl der Leute, Herr Klubobmann Gusenbauer – oder Herr Zweit-Klubobmann; ich weiß nicht, was Sie jetzt in Ihrer Fraktion sind. (Abg. Mag. Molterer: Reserve-Klubobmann!)

Meine Damen und Herren! (Abg. Heinzl: Das glauben Sie nicht einmal selbst!) Wenn die Zwangsbeglückung der Mieter in den Genossenschaften, dass man jede Wohnung weiß ausmalt und dafür der richtige sozialdemokratische Handwerker wahrscheinlich eine Provision bekommt (Abg. Dr. Gusenbauer: Grasser teilt mit Ihnen nicht?), jetzt wirklich aufgehört hat und man dem Mieter die Wohnung übergibt und sagt, du kannst sie selbst so ausmalen, wie du möchtest, dann fände ich das positiv, denn dass Stan­dardwohnungen schlechter vergeben werden, das kann nicht sein. Das würde dem jetzigen oder dem nächsten Eigentümer wesentlich schaden, weil dann der Ertrag nicht gesichert wäre.

Meine Damen und Herren! Es ist festzuhalten, es ist egal ... (Abg. Dr. Gusenbauer: Stimmt das, dass Grasser nicht mit Ihnen teilt? Grasser teilt mit Ihnen nicht?) – Herr Klubobmann Gusenbauer! Es ist Wurscht, ob Grasser mit mir teilt, denn wenn man nichts daraus erzielt und wenn wir nichts nicht teilen, dann hat er das Gleiche wie ich. Also Sie brauchen jetzt nicht zu versuchen, irgendetwas ... (Abg. Dr. Gusenbauer: Wie bei der Homepage!?) – Die Homepage-Diskussion kommt nachher noch, denn da habt ihr wesentlich mehr Dreck am – das darf man nicht sagen –, also Schmutz am Ste­cken. (Abg. Eder: Stock!) Sie brauchen nicht abzulenken, weil Sie ein schlechtes Gewissen haben, dass Sie die Mieter sehr schlecht beraten haben. (Abg. Dr. Gusen­bauer: Also gut, er hat nicht geteilt!)

Was ist gesichert? – Wer immer der Eigentümer ist, ob diese Gesellschaften jetzt ge­meinnützig sind oder nicht, die Mieter bleiben auch in Zukunft geschützt. Es wäre nur für die Mieter wesentlich besser gewesen, wenn die Sozialdemokratie die Vertretung der Mieter übernommen und sie zu Käufern gemacht hätte. Eines ist schon klar: Es gibt keine Täter und keine Opfer in dieser Diskussion. Kollege Großruck hat gesagt, es gibt keinen Täter, aber er wird in Grasser gesucht. Es gibt keine Opfer. Aber wenn es Opfer gäbe, dann machen Sie auf dem Rücken dieser Opfer Politik! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Eder: Aber Gewinner! Nur Gewinner!)

15.37

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Letzter Redner dazu ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. 5 Minuten Redezeit. – Bitte. (Abg. Dr. Gusenbauer – in Richtung des sich zu seinem Platz begebenden Abg. Neudeck –: Diese Rede hat mich nicht überzeugt! – Abg. Gril­litsch: Das wird ihn kränken! – Abg. Dr. Gusenbauer – auf den auf der Regierungs­bank sitzenden Bundesminister Mag. Grasser weisend –: Er liest seine Kontoauszüge im „NEWS“!)

 


15.37

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Frau Kollegin Moser konnte es vorher nicht sehen, aber ich sah es von meinem Sitzplatz aus: Sie, Herr Präsident, haben in der Tat keine Schuld an diesen „Malversationen“ mit der Redezeit­einstellung. Es ist mir wichtig, dies anzumerken, weil ich oft denke, dass das Geschäft oben am Präsidium grundsätzlich gar nicht so einfach ist – bei aller Unterschiedlichkeit, die wir hinsichtlich der Ordnungsrufwürdigkeit verschiedener Debattenbeiträge hier haben. Das war jedenfalls ein Anlass, bei dem Sie, so glaube ich, eher einmal vertei­digt werden sollten.


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Aber in der Sache selbst ist nichts zu verteidigen. Herr Bundesminister, natürlich kann man darüber reden: mehr privat oder mehr Staat? Das ist in der Vorfrage durchaus eine ideologische Angelegenheit. Ich bin persönlich gar nicht so sehr fixiert, nur könnte man natürlich auch meinen, dass ein bestimmtes Reservoir an Wohnungen, die, was die Eigentumsverhältnisse betrifft, der öffentlichen Hand nahe sind, für bestimmte Zwe­cke möglicherweise einen Sinn haben. Aber wenn wir – oder Sie, die Sie das wirklich wollen – diese tatsächlich verkaufen wollten, bleibt ja sofort die nächste Frage offen; damit haben sich die heute schon erwähnten Kontrollausschüsse auch beschäftigt. Das sollte bitte zum größtmöglichen Nutzen der SteuerzahlerInnen und zum größtmög­lichen Erlös erfolgen.

Wo haben wir nun das Problem? – Sie sagen, wir sind bei 500 Millionen € Verkaufs­schätzwert angelangt beziehungsweise dass sich irgendwo dort die kritische Grenze zur Verbriefungsvariante auftut. Wenn wir uns daran erinnern, dass wir irgendwann einmal – umgerechnet auf Euro – bei über 2 Milliarden € gestanden sind, was diese Wertschätzung betrifft, dann frage ich mich schon, was das bringt, wenn immer mehr Berater beauftragt werden und am Schluss herauskommt, dass das angeblich immer weniger wert ist.

Woran liegt das eigentlich? Widersprechen sich diese Berater so sehr? Ist da eine gewisse Taktik dahinter, das Ganze möglichst tief anzusetzen, damit man nachher ge­ringpreisig verkauft, damit sich die neuen Eigentümer ihrerseits dann wieder ganz gut durch Weiterverkäufe weiter versorgen können? – Die Antworten auf diese grundlegen­den Fragen bleiben bis heute im Wesentlichen offen.

Es ist nämlich insofern besonders interessant, als diese ersten Zahlen, wo von 2 Mil­liarden Gesamtverkaufswert die Rede ist, unter anderem von einem gewissen Herrn Ramprecht gekommen sind.

Nun, was ist mit diesem Herrn Ramprecht? – Herr Ramprecht wurde dann Vorsitzen­der der Vergabekommission, die – siehe da! – Lehman Brothers ausgewählt hat und nicht etwa eine andere Bank. Also, da ist ein gewisser Aufklärungsbedarf gegeben.

Da drängt sich mir schon die Frage auf: Welche Qualität haben eigentlich diese Berater, mit denen Sie sich da umgeben und die eine gewisse Summe Geldes kosten, wie wir festgestellt haben? Da passt etwas nicht zusammen! Wir landen plötzlich bei 500 Millionen €, und siehe da, die Verbriefungsvariante ist dann im Spiel! Auch im Untersuchungsausschuss konnte dies nicht endgültig aufgeklärt werden.

Bis heute ist nicht klar – auch nach Ihrer Antwort nicht –, wie es bei der Ausschreibung beziehungsweise beim Zuschlag nach dieser Ausschreibung genau war. Es waren zwar Alternativangebote grundsätzlich erlaubt, das ist richtig, das wollen wir nicht mehr vorwerfen, aber es bleibt die Frage offen: Haben alle Anbieter gewusst, dass die Ver­briefungsvariante einen derartigen Stellenwert bekommen wird? Mit anderen Worten: Wie schaut denn das Bewertungsmengengerüst aus?

Herr Bundesminister für Finanzen, Sie lesen immer vor – das war auch im Ausschuss so –: Hauptangebot: Lehman Brothers: 81,64 Punkte, Zweitgereihter: 79,05 Punkte. – Ja so eine Megadifferenz ist das nicht! Da sind wir ja im Rechnungshofausschuss schon geschult, was alles das bedeuten kann! – Geringfügige Veränderungen von be­stimmten qualitativen Kriterien in der Bewertung ... (Abg. Dr. Kräuter – in Bezug auf Bundesminister Mag. Grasser und Staatssekretär Dr. Finz, beide Schriftstücke lesend –: Die lesen beide „NEWS“, die haben keine Zeit!) – Ja, die morgige Ausgabe von „NEWS“ ist wichtiger, das gestehe ich ihm ja zu.

Geringfügige Veränderungen können das ganze Vergabeergebnis auf den Kopf stel­len! – Dazu wird nicht Stellung genommen. Das ist im Übrigen das gleiche Phänomen


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wie bei den Abfangjägern. (Zwischenruf des Abg. Großruck.) Das alles werden wir immer wieder hier haben, Kollege Großruck. Nur deswegen, weil Sie das nicht ver­stehen, ist das noch immer keine Nichtmaterie, sondern das sagt nur, dass Sie von der ÖVP in diesen Dingen den Kopf in den Sand stecken wollen und dann mit mittlerweile Sechszeilern über selbigen Sand darüberrudern wollen. Das geht halt nicht! Sie bleiben immer noch im Trockenen damit. Nur: Sie müssen sich einmal eine gescheite Unterlage besorgen, damit Ihre Füße wieder einen gescheiten Boden bei Ihrer Argu­mentation haben.

Wenn jetzt in jedem Bereich ein großes Problem dieser Vergabe besteht, dann frage ich mich am Schluss: Was ist diese ganze Kette, die Sie uns hier immer wieder erklä­ren, wert, wenn die wirklichen Fragen offen bleiben, wie zum Beispiel jene, die den Herrn Muhr betrifft? Das ist ein guter Bekannter von Ihnen, milde ausgedrückt.

Wird Muhr mit der Bank, die jetzt diese Sache abwickeln soll, wenn es zur Verbriefung kommt, in Verbindung gebracht: ja oder nein? Was hat dieser Muhr mit der Credit Suisse First Boston am Hut? Sagen Sie das, denn Sie wissen es sicher! – Das tun Sie aber nicht.

Unsere Verdachtsmomente sind nicht nur nicht ausgeräumt, sondern sie verhärten sich im Wesentlichen. Sie sind nicht in der Lage oder nicht willens, das zu klären, und des­halb vermute ich, dass Frau Kollegin Moser weitere Anfragen stellen wird. Zu Recht! (Beifall bei den Grünen.)

15.43

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zum Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Anträge wurden keine gestellt.

Die Debatte ist geschlossen.

Fortsetzung der Tagesordnung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich nehme nun die Verhandlungen über den 2. Punkt der Tagesordnung wieder auf.

Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Neudeck. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Herr Kollege, Sie sind am Wort.

 


15.44

Abgeordneter Detlev Neudeck (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vor lauter Grasser jagen wissen Sie vielleicht jetzt nicht, bei welchem Tagesordnungspunkt wir uns gerade befinden: Es geht um den Bericht des Rechnungshof-Unterausschusses. (Abg. Mandak: Das ist aber nichts wesentlich anderes!) In diesem Unterausschuss haben die Abgeordneten von der SPÖ und von den Grünen sich mehrmals über die Geschäftsordnung des Nationalrates hin­weggesetzt. (Abg. Brosz: Na geh, wirklich?!) Der Fraktionsvorsitzende der SPÖ im Rechnungshofausschuss veröffentlicht auf seiner Homepage – wie immer diese finan­ziert wird – vertrauliche Informationen und Protokolle einer Unterausschusssitzung, ob­wohl diese, wie schon erwähnt, vertraulich sind, und dies tat er wider besseres Wissen.

Es wurde eine Präsidialkonferenz einberufen, und erst danach hat sich Kollege Kräuter dazu bereit erklärt, diese Veröffentlichungen der vertraulichen Protokolle wieder aus dem Internet zu nehmen. Für den Kollegen Kräuter ist ja diese Vorgangsweise etwas Typisches, denn entweder gibt er vertrauliche Informationen weiter oder er schmückt sich mit fremden Federn. Er macht nämlich zurzeit Eigenwerbung mit einem Plakat – das ist eine große Kampagne –, wo es heißt: „Er deckt auf.“ Da listet er auf, wo er der „große“ Aufdecker sein soll. Es heißt da auf dem Plakat: „ESTAG, K.H. Grasser Home-


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page, Grazer Messe, Landwirtschaftsmilliarden.“ Dann sieht sich die „Kronen Zeitung“ veranlasst, Folgendes dazu zu schreiben – ich zitiere –:

„Dass er an mangelndem Selbstbewusstsein leide, konnte dem SPÖ Nationalratsab­geordneten Günther Kräuter noch niemand nachsagen. Ob Kräuter-Limonade oder Kräuter-Mischung – mehr oder minder originell hat der Mandatar für sich die Trommeln geschlagen. Mit seiner neuen Plakatkampagne schießt der Abgeordnete aber ein wenig über das Ziel. Er ist zwar bei allen Themenbereichen ... als Aufdecker mit dabei gewesen, an vorderster Front haben aber stets andere agiert. In Sachen ESTAG und Messe etwa die ‚Steirerkrone’.“

So weit zum Aufdecker beziehungsweise Nachdecker Kräuter. (Abg. Dr. Gusenbauer: Das war jetzt nicht überzeugend!)

Festzustellen ist, dass die SPÖ-Mitglieder des Rechnungshofausschusses kein In­teresse an der sachlichen Arbeit gezeigt haben. Wie ein roter Faden zieht es sich durch, dass sie Grasser jagen wollen und dass ihnen die Inhalte dort nicht wichtig sind. (Abg. Dr. Gusenbauer: Sagen Sie doch etwas zum Inhalt!) Das hat sich an den von ihnen gestellten Fragen gezeigt. Sie haben Fragen gestellt, die in keiner Weise mit dem Untersuchungsthema zu tun hatten. (Abg. Dr. Gusenbauer: Sagen Sie etwas zum Inhalt!) Sie haben versucht, Tagesthemen einzubringen, die sie aus den Medien hatten, die aber in keiner Weise dort Platz gegriffen haben. (Abg. Dr. Gusenbauer: Jetzt reden Sie schon so lange, haben aber noch nichts zum Inhalt gesagt!)

Meine Damen und Herren! Die Privatisierungswelle ist natürlich etwas, was der SPÖ ideologisch nicht in den Kram passt, und daher muss diese gleich mit dem Finanz­minister mit skandalisiert werden. Es ist, wie Kollege Kogler gesagt hat, vielleicht nicht ganz richtig, wenn ich einen Privatisierungserlös als Einsparung annehme und so zu einem hohen Betrag komme, aber wenn ich mir anschaue, wie die SPÖ in den Jahren davor privatisiert hat, indem sie nämlich AMAG oder andere Firmen verschenkt oder um einen Schilling verkauft und dann Milliarden noch nachgeschossen hat, dann muss ich sagen: So gesehen ist die Argumentation, dass der Verkaufserlös eigentlich der Ertrag ist, durchaus zu rechtfertigen. Dabei ist aber noch anzuführen, dass es wirkliche Einsparungen auf Grund der Beratungsverträge gegeben hat. Diese sind jedenfalls un­bestritten.

Wenn ich zum Beispiel beim Bundesverlag davon ausgehe, dass es sich um einen kleinen Markt für ein großes Unternehmen in Österreich handelt, dann halte ich einen Kaufpreis von 24 Millionen € für durchaus respektabel. In diesem Verhältnis sind die Beratungskosten zu sehen. Sie sind durchaus im internationalen Vergleich zu betrach­ten.

Meine Damen und Herren! Abschließend ist festzuhalten, dass es Ihnen in diesem Unterausschuss des Rechnungshofausschusses lediglich um Skandalisierung gegan­gen ist und nicht um Inhalte, da Sie keine Fehler finden konnten, weil es keine gibt. Anscheinend steht jetzt im Parteiprogramm der SPÖ drinnen: Grasser jagen ist fein! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Gusenbauer: Das war sehr schwach!)

15.48

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Bures. Wunsch­gemäße Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Kollegin.

 


15.48

Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staats­sekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Arbeit im so genannten kleinen Untersuchungsausschuss, in deren Mittelpunkt der Herr Finanzminister gestanden ist,


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war eigentlich davon gekennzeichnet, dass die beiden Regierungsparteien alles unter­nommen haben, um den wahren Sachverhalt zu vertuschen. Sie haben versucht, dann, wenn es darum ging, Auskunftspersonen zu laden, die notwendig waren, um Licht in diese dunkle Angelegenheit zu bringen (Abg. Mag. Donnerbauer: Sie waren gar nicht dabei!), genau dies zu verhindern, indem sie deren Ladung abgelehnt haben. Daher kann man sagen, dass Sie offensichtlich sechs Monate lang nur daran ein Interesse hatten, die skandalösen Vorgänge im Finanzministerium, in die der Herr Minister per­sönlich massiv involviert ist, zu vertuschen.

Das gilt sowohl für die Finanzierung der Homepage des Herrn Finanzministers als auch für die dubiose Auftragsvergabe beim Verkauf der Bundeswohnungen, über die wir uns vorhin unterhalten haben, wo klar geworden ist, dass es keine Begründung da­für gibt, 10,9 Millionen € für Beratungen, die eigentlich das Finanzministerium selbst hätte durchführen können, verschwendet zu haben. Es steht auch im Wahrnehmungs­bericht des Rechnungshofes klar drinnen, dass das Finanzministerium diese Beratun­gen wesentlich konstengünstiger hätte machen können und daher diese Ausgaben überhaupt nicht notwendig gewesen wären.

Wenn ich mir in Erinnerung rufe, was ÖVP und FPÖ zu vertuschen versucht haben, dann muss ich sagen: Das war im ganzen Bereich rund um die Homepage wirklich abenteuerlich!

Tatsache ist, dass der Herr Finanzminister – und das gerade der Finanzminister! – seiner Steuerpflicht nicht nachgekommen ist. Wir haben in unserem Minderheitsbe­richt, der deshalb notwendig war, weil Ihr Bericht in einem derartigen Ausmaß leere Worte enthält und inhaltslos ist, den tatsächlichen Sachverhalt dargestellt. Wir haben deutlich nachgewiesen, dass es keinen namhaften Steuerexperten in Österreich gibt, der die Rechtsmeinung des Herrn Staatssekretärs vertritt (Ruf bei der ÖVP: Völlig falsch!), der da sozusagen dem Finanzminister einen Persilschein ausgestellt hat. Alle namhaften Steuerexperten sagen, dass da eindeutig eine Steuerpflicht vorliegt. (Beifall bei der SPÖ.)

Wenn Sie sagen, dies stimme nicht, Herr Staatssekretär, dann muss ich Ihnen sagen: Der Finanzexperte Werner Doralt hat im ORF-„Abendjournal“ gesagt, da wurde für den Einzelfall Grasser ein Sonderrecht geschaffen (Abg. Dr. Gusenbauer: Genau so ist es!), dies sei einmalig in der Zweiten Republik. – Ich ergänze: Es ist in Wirklichkeit skandalös! (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Staatssekretär, wenn Sie sagen, dies sei nicht so, dann muss ich Ihnen sagen: Das ist Nichtkenntnisnahme von Realitäten!

Verwaltungsgerichtshof-Richter Karl Werner Fellner, ein Experte des österreichischen Steuersystems, hat in der APA gesagt, dass Zuwendungen von Lobbyisten an poli­tische Funktionäre der Schenkungssteuer unterliegen. – Also es besteht, Herr Finanz­minister, der Verdacht, dass Sie Ihrer Steuerpflicht nicht nachgekommen sind, und das ist skandalös! Das Einzige, das Sie haben, ist ein so genannter Persilschein von Ihrem weisungsgebundenen Staatssekretär Finz, und das ist peinlich.

Herr Finanzminister! In den Verhandlungen des so genannten kleinen Untersuchungs­ausschusses ist eines klar geworden: Ihre blütenweiße Weste, von der Sie recht gerne reden, ist ordentlich verschmutzt! Sie haben schwere Verfehlungen begangen. Sie wollen sich dessen, was Sie vom Staatsbürger fordern, nämlich seiner Steuerleistung nachzukommen, entledigen. Ich hatte den Eindruck, vor allem, als ich mir die Bilder Ihrer Tätigkeit in den letzten Tagen, die sich mehr in der „Seitenblicke“-Gesellschaft ab­gespielt hat, angesehen habe, dass Ihr Leben in dieser Schickimicki-Gesellschaft (Abg. Dr. Partik-Pablè: ... Privatleben! Dafür hat er ein tolles Budget hingelegt! Es zählt für Sie offensichtlich gar nicht, welches Budget der Finanzminister vollzogen hat! Sie in-


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teressieren die „Seitenblicke“, aber nicht das Budget!), in dieser Scheinwelt, in die Sie sich begeben, offensichtlich dazu geführt hat, dass Sie glauben, dass die Gesetze für alle Österreicher zu gelten haben – mit Ausnahme des Herrn Finanzministers Grasser.

Für Sie, Herr Finanzminister, gelten offensichtlich keine Gesetze, für Sie gelten offen­sichtlich keine Regeln des Anstandes, und für Sie gibt es offensichtlich keine politische Moral, und daher, Herr Finanzminister, sind Sie rücktrittsreif! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Gusenbauer: Genau so ist es!)

15.53

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Mag. Regler. Wunschredezeit: 4 Minuten. – Bitte.

 


15.54

Abgeordneter Dipl.-Ing. Mag. Roderich Regler (ÖVP): Herr Präsident! Hohes Haus! Zuerst einmal muss ich ganz entschieden die Äußerung von Frau Abgeordneter Doris Bures zurückweisen, dass die ÖVP und die FPÖ im Ausschuss versucht hätten, alles zu vertuschen. – Wir haben gerade vorhin vom Herrn Kollegen Kogler, den ich hier als Zeugen aufrufen möchte, gehört, dass im Ausschuss besonders intensiv aufgedeckt und besonders intensiv beraten wurde. Also von Obstruktion oder von Vertuschen kann sicher keine Rede sein.

Ein ganz besonders intensiv diskutierter Punkt in den Ausschussverhandlungen waren die Beratungskosten, die seitens des Finanzministeriums entstanden sind. Dass die Oppositionsparteien in dieser Sache mit ganz bestimmten Vorstellungen in die Aus­schussverhandlungen hineingegangen sind, sieht man schon daran, dass es in der Begründung der SPÖ heißt, dass die Beratungsaufträge bei diversen Staatsgeschäften an dem Finanzminister nahe stehende Firmen vergeben wurden, obwohl andere Ange­bote besser waren, oder daran, dass festgestellt wird, dass die Kostendifferenz zum Billigstbieter laut „NEWS“ in die Taschen von Grasser-Mitarbeitern geflossen sei, oder auch daran, dass Kollege Kogler hier meinte, dass „mit den Mitteln des Steuerzahlers Schindluder getrieben“ worden sei.

Davon, meine Damen und Herren, kann überhaupt keine Rede sein! Wir haben schon im Ausschuss festgestellt, dass zwar die Beamten im Finanzministerium über eine sehr hohe Kompetenz verfügen, dass es aber trotzdem bei diesen großen Verkäufen, die da erfolgen, unbedingt notwendig ist, Leistungen zuzukaufen. Das ist auch viel besser, als noch und nöcher Beamte im Finanzministerium anzustellen, die dann nur teilweise ausgelastet sind, die aber außerdem ganz einfach nicht die hohe Kompetenz von inter­nationalen Beratern haben können. Wenn man keine entsprechende Beratung vorge­nommen hätte, dann hätte den Finanzminister, wenn das Ergebnis schlechter gewesen wäre, als es dann tatsächlich geworden ist, der Vorwurf der Fahrlässigkeit treffen können.

Welche Ergebnisse haben nun die Beratungen des Ausschusses gebracht?

Erstens: Alle Beraterverträge basieren auf dem Bundesministeriengesetz. Es sind die Fakten über die Auftragnehmer und über die Höhe der Aufträge klar offengelegt wor­den.

Zweitens: Die Beratungskosten bewegen sich im international üblichen Bereich. (Abg. Öllinger: Nein!)

Drittens: Bei Immobilientransaktionen dieser Größenordnung ist es international üblich und sinnvoll und verantwortungsbewusst, entsprechende Beratungsleistungen zuzu­kaufen. (Abg. Mandak: Aber nicht zu diesem Preis!)


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Viertens: Bei den Veräußerungen dieser Wohnbaugesellschaften ist man ganz beson­ders verantwortungsbewusst vorgegangen, indem man eine Kommission gebildet und ein zweistufiges Verhandlungsverfahren gewählt hat, und bei diesem ist eine internatio­nal erfahrene Firma zum Zuge gekommen.

Fünftens: Diese Vergabekommission wies höchste Kompetenz auf, es gab darin zum Beispiel einen Rechtsanwalt, zwei Universitätsprofessoren und weitere in dieser Causa kompetente Personen.

Sechstens: Es wurde ein objektives Bewertungssystem gewählt, bei dem 60 Prozent der Bewertung der Qualität zukamen und 40 Prozent dem Preis. Das ist sicher sinnvoll, denn man hat nichts davon, wenn es jemand billiger macht und wenn dann das Ergeb­nis schlechter ist.

Siebentens: Die Einbeziehung eines Immobilienfachmannes bedeutete keine Unverein­barkeit, sondern es war sogar gut, dass man jemanden, der im Immobiliengeschäft be­wandert ist, dabei hatte.

Achtens: Alle Verhandlungserträge übertrafen in allen Fällen die Expertenkosten. Das heißt, es hat überall ein positives Ergebnis gegeben. (Abg. Mandak: Das wäre ja noch schöner, wenn dem nicht so wäre!)

Doch was wird in den Minderheitsberichten behauptet? – Es wird etwa gesagt, es hätte zwar eine Kostenbelastung durch die Berater gegeben, aber keine Einsparungen. Da muss man doch den Einwand erheben, dass die Kosten für die Berater dem Ergebnis, das dann tatsächlich erzielt wurde, gegenüberzustellen sind, wobei das erzielte Ergeb­nis mit dem erwarteten zu vergleichen ist. Dann sieht man nämlich, dass wesentlich bessere Ergebnisse erzielt wurden. (Abg. Mandak: Stimmt nicht!)

Weiters wurde behauptet, dass es bei Kommissionsmitgliedern eine potentielle Unver­einbarkeit gegeben habe – ich muss sagen: ein Begriff, der überhaupt sehr interessant ist –, denn es könnte sein, dass nachher durch eine Beteiligung an den Käufen die Mit­gliedschaft in der Kommission potentiell unvereinbar würde.

Ferner wurde sogar behauptet, dass Anbieter Phantasiepreise gelegt hätten.

Aus all dem kann man nur eines schließen: entweder Sie wollen nicht privatisieren, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Opposition, oder Sie wollen den Pri­vatisierungsvorgang skandalisieren. Beides ist keine zukunftsträchtige Politik! (Beifall bei der ÖVP.)

15.59

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Pilz. Frei­willige Redezeitbeschränkung: 7 Minuten. – Bitte.

 


15.59

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das ist eine seltsame politische Kultur, in welcher ein Finanzminister, der sich überall sonst in einem EU-Mitgliedstaat auf dem Weg zur Anklagebank befinden würde, hier nach wie vor auf der Regierungsbank sitzt. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Gahr: Der Chef­ankläger Pilz! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Es ist schon ein Problem, dass es in Österreich immer noch – zwar nur in kleinen Tei­len der Bevölkerung, aber in großen Teilen der Regierungsparteien – die Vorstellung gibt, dass einer erst dann, wenn er hinter Schloss und Riegel sitzt, als Regierungsmit­glied untragbar ist.

Das stimmt eben nicht, weil es eines vergisst: dass es noch lange vor der strafrecht­lichen Verantwortung eine politische Verantwortung gibt.


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Dass Sie das nicht verstehen, Herr Finanzminister, das wäre allein schon ein Grund, dieses Amt zur Verfügung zu stellen und jemandem Platz zu machen, der weiß, was Rechtsstaat ist, der weiß, was parlamentarische Kontrolle ist, der weiß, was Sauberkeit ist, der weiß, was Korrektheit ist, und der weiß, in welcher Art und Weise ein Finanz­minister mit öffentlichen Geldern, mit Steuergeldern umzugehen hat. (Beifall bei den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Der Rechnungshofausschuss und der Rechnungshofunter­ausschuss konnten am wenigsten dafür, dass ihr Untersuchungsgegenstand und ihre Untersuchungsmöglichkeiten so beschränkt geblieben sind. Gerne hätten die Kollegin­nen und Kollegen von SPÖ und Grünen – aber ich denke, im Geheimen auch manche der Regierungsparteien – viel genauer gefragt, viel tiefer befragt und auch zu anderen, verbundenen Komplexen Fragen gestellt, aber dazu gehört natürlich auch das entspre­chende parlamentarische Instrumentarium, die Rechte und auch die Bereitschaft der Regierungsparteien, den Nationalrat in seiner Kontrollfunktion arbeiten zu lassen.

Und das Schlimme, das ich nicht nur rund um den Rechnungshofausschuss erlebe, sondern auch um andere Ausschüsse, sind Regierungsmitglieder, die uns durch ihr tägliches Verhalten und ihre Antwortverweigerung in einer unglaublichen Art und Weise zu verstehen geben, wie wenig sie von diesem Nationalrat halten. Und das Problem, das damit verbunden ist, ist, dass Sie, meine Damen und Herren von den Regierungs­parteien, das einfach hinnehmen und sagen: Ja, das tun wir, wir lassen uns zu reinen Empfängern von Hinweisen für richtiges Regierungsverhalten degradieren, weil das ein „Unsriger“ ist.

Jetzt frage ich Sie: Ist Herr Mag. Grasser wirklich ein „Ihriger“? (Ruf bei der SPÖ: Ein Irriger!) Stehen Sie wirklich für dieses Geflecht aus Privatinteressen, aus Freunderlwirt­schaft, aus dem Verdacht auf Steuerhinterziehung, aus dem Verdacht auf Amtsmiss­brauch, aus dem Verdacht auf Schiebung bei öffentlichen Vergaben, aus dem Ver­dacht von Geschenkannahme und aus vielen anderen Dingen, wovon jedes für sich allein ein Grund dafür wäre, den jeweiligen Amtsinhaber von jedem öffentlichen Amt auszuschließen, nicht nur von einer Mitgliedschaft in einer Bundesregierung? (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Das ist auch der Grund, warum wir als Abgeordnete – obwohl wir es nicht wollen und obwohl wir immer wieder sagen, wir können selbst kontrollieren, wenn man uns lässt, wenn Sie von den Regierungsparteien uns lassen – immer hoffen müssen, dass zu­mindest die Justiz von Regierungsmehrheiten unbeeinflusst ihrer Arbeit nachgehen kann.

Deswegen, Herr Finanzminister – weil das nach wie vor möglich ist, wenn Staatsan­wälte und wenn Untersuchungsrichter nicht hinschauen: Wo sitzt die Regierung und was will sie?, sondern: Was steht im Strafgesetzbuch und was steht in der Bundesver­fassung? –, gibt es immer wieder Situationen, in denen Sie zu Recht nervös werden und plötzlich aufstehen und sagen: Der Staatsanwalt soll schneller werden! Husch!, ein schnelles Verfahren! – ein Grasser-Husch-Verfahren, damit eines nicht passiert, näm­lich die Öffnung des entscheidenden Kontos. (Abg. Hornek: Was ist mit Ihrem Konto bei der Schoellerbank, Herr Pilz?)

Wichtig ist, in diesem Haus einmal zu sagen: Ja, das Konto des sattsam bekannten und zwielichtigen „Vereins der Freunde der New Economy“ ist geöffnet, und das hat schon vieles an Überraschungen gebracht, aber das entscheidende Konto ist nicht dort. Das entscheidende Konto ist das Treuhandkonto, das Karl-Heinz Grasser persön­lich eingerichtet hat, um auf steuerschonende Art öffentlich wohltätig zu sein. Und dieses Konto, Herr Finanzminister, das werden Sie auf niemand anderen abschieben können – das ist Ihr Konto, das ist Ihr Eigentum, das sind Ihre Gelder, das ist das, was


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Sie persönlich genommen haben und einem Notar in die Hand gedrückt und gesagt haben: Sei mein Treuhänder und lege es für mich auf dieses Konto! – Und auf dieses Konto sind plötzlich zwei Überweisungen des „Vereins New Economy“ geflossen: einmal 9 500 € und einmal 5 500 €. (Abg. Hornek: Was ist mit Ihrem dubiosen Konto bei der Schoellerbank? Das klären Sie nie auf!)

Mit Sicherheit steht fest: Die Gelder der Industriellenvereinigung hätten niemals auf dem persönlichen Konto des Finanzministers landen dürfen! Da haben alle Interventio­nen nichts genützt, da haben alle Versuche von Kabinettsmitgliedern, Beamte zu be­einflussen – in der Finanzprokuratur und anderswo –, nichts genützt. Ihr Herr Simhandl hat mich geklagt wegen der unzulässigen Intervention, die er für Sie in der Finanz­prokuratur durchgeführt hat.

Ich darf Ihnen mitteilen, dass das Wiener Gericht entschieden hat: Die einstweilige Ver­fügung, die Herr Simhandl begehrt hat, wird mit heutigem Tag abgewiesen – Sie verlie­ren auch dieses Verfahren. Ich weiß nicht, wie das Hauptverfahren ausgeht, aber es ist Ihnen nicht gelungen, die österreichischen Gerichte zu beeinflussen.

Eine Regierungsmehrheit hält Ihnen nach wie vor die Stange – oder vielleicht noch ein „Stangerl“; viel mehr ist das nicht mehr. (Ruf bei der SPÖ: Bis März!) Dieses „Stangerl“ wird am 7. März brüchig werden. Am 7. März wird Ihnen Jörg Haider wieder einmal nicht um den Hals fallen, sondern wird wissen, bei wem er sich zu bedanken hat, wenn er für einen vielleicht nicht übermäßig Fähigeren oder eine nicht übermäßig Fähigere, aber jedenfalls für jemand viel, viel Anständigeren Platz machen muss. – Und wenn Sie, Herr Finanzminister, dazu beigetragen haben, dann war das vielleicht unabsicht­lich das Vernünftigste, was Ihnen in den letzten Jahren gelungen ist.

So bleibt uns nur eines: Sie darauf hinzuweisen, dass Sie der Kontrolle nicht entgehen. Die Konten werden geöffnet, die Zahlungsflüsse werden nachvollzogen, und Sie wer­den, ob Sie wollen oder nicht, Ihre privaten Taschen der Öffentlichkeit zeigen müssen. Wir stehen knapp vor diesem Punkt, und Sie haben zwei Möglichkeiten: Sie können Ihren Hut nehmen und sich damit zumindest der politischen Öffentlichkeit teilweise ent­ziehen, oder Sie können uns durch Ihr Verbleiben im Amt die Möglichkeit geben, das vielleicht noch eine Spur intensiver aufzuklären.

Trotzdem steht für mich das Interesse der Republik im Mittelpunkt und damit das Interesse, die Steuerzahlerinnen und die Steuerzahler nach Eurofighter, Voest-Ver­schleuderung, Immobilienverschleuderung (Abg. Hornek: Pilz-Chaos, ...!) vor diesem Finanzminister, vor Ihnen, endlich in Sicherheit zu bringen. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

16.07

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Mag. Dr. Bleck­mann. 5 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte, Sie sind am Wort.

 


16.07

Abgeordnete Mag. Dr. Magda Bleckmann (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Herr Kollege Pilz, Sie waren nur einmal anwesend in dem Ständigen Unterausschuss und haben da auch probiert, die Homepage zu skandalisieren, die eben nun einmal nicht Thema dieses Unteraus­schusses war, und haben dann, auch nur mit Müh’ und Not, Ihrer Kollegin Moser Platz gemacht – nachdem diese sich bezüglich Ihrer Wohnungsangelegenheiten eingehend informiert hat – und haben sie dort auch noch als „blöde Dudel“ bezeichnet, weil Sie sich nicht gleich von ihr des Platzes verweisen lassen wollten. Und ich bin froh, dass so jemand ... (Abg. Mag. Kogler: So ein Blödsinn!) Ich bin daneben gesessen, ich habe es gehört.


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Ich bin froh, dass so jemand nicht entscheiden kann, wer hier politische Verantwortung trägt und wer nicht. Darüber bin ich sehr froh. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich bin auch froh, dass die Wähler am 7. März entscheiden werden, wer Landeshaupt­mann wird, und nicht Herr Abgeordneter Pilz. Darüber bin ich auch sehr froh, denn Sie haben keinerlei Legitimation, irgendeine politische Verantwortung oder was auch immer einzufordern, und Sie haben auch kein Recht, sich jetzt schon zu freuen, denn wer sich am 7. März freuen wird, das werden wir dann sehen, Herr Kollege Pilz.

Es geht in diesem Bericht, wie Sie ja auch wissen – Sie probieren es zwar immer wieder zu skandalisieren –, eben nicht um irgendwelche privaten Homepages, sondern es geht um die Gebarung des Bundesministeriums hinsichtlich der Privatisierungs- und Ausgliederungsmaßnahmen, es geht um die Verkaufsvorbereitungen für die Unterneh­men der ÖIAG, und es geht um Vergaben an externe Berater im Zusammenhang mit legistischen Vorhaben und Öffentlichkeitsarbeit. Es geht aber nicht um die Vollzie­hung – das ist eben nicht Bereich der Vollziehung und auch nicht Angelegenheit der Privatwirtschaftsverwaltung des Bundes –, wenn Sie über die Homepage reden wollen. Das ist nun einmal so!

In neun Sitzungen vom 30. April bis zum 8. Jänner haben wir die Dinge umfassend geprüft, und auch wenn die Antworten nicht so ausfallen, wie es sich die Opposition wünscht, sind es nun einmal die Antworten, die gegeben werden – man muss eben richtig nachfragen, um vielleicht bessere Antworten zu bekommen –, und insofern hat sich dort alles, was Sie bezüglich dieser Dinge hätten hören wollen, in Luft aufgelöst.

Wir hatten ja auch genug Möglichkeit, hier viele Stellungnahmen zu hören, und zwar von Herrn Heinzel, Herrn Dr. Michaelis, Herrn Rechnungshofpräsidenten Fiedler, Herrn Plech, Herrn Ramprecht, Herrn Bogner und Herrn Schramm – alle haben ausführlich Auskunft gegeben, und Sie hätten sehr viel erfahren können, wenn Sie die richtigen Fragen gestellt hätten. (Abg. Mag. Kogler: Der Ramprecht war es, der gesagt hat: 2 Milliarden! Das ist ein Nicht-Experte!) Ich weiß, Sie hören es nicht gerne, aber von Ihren Anschuldigungen, von den Anschuldigungen, die wir in diesem Ausschuss be­sprochen haben, ist eben nichts übrig geblieben!

Da Sie von der Opposition immer wieder gewisse Ausgaben sozusagen in den Mittel­punkt rücken wollen, erinnert sich vielleicht auch einmal die SPÖ daran, welche Ausga­ben unter Finanzminister Edlinger getätigt wurden. Allein im Jahre 1998 waren dessen Repräsentationsausgaben so hoch wie jene des Bundesministeriums für Finanzen in den Jahren 2000, 2001 und 2002 zusammen. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) – Ich weiß, Sie hören das nicht gerne. Sie hören gerne weg, weil das eben Dinge sind, die Sie nicht hören wollen. (Abg. Dr. Matznetter: Nein, aber die Schallplatte ist schon alt, Frau Kollegin! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Auch diese „Schallplatte“ werden Sie immer wieder hören (Abg. Dr. Matznetter: Die ist kaputt!), denn das alles zeigt, wie Sie von der SPÖ gewirtschaftet haben. Nochmals: Repräsentationsausgaben im Finanzministerium 2000, 2001, 2002 zusammen genau­so viel wie alleine im Jahr 1998 unter Ihrem Finanzminister Edlinger. (Widerspruch bei der SPÖ.)

Die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit seitens des Bundesministeriums für Finanzen waren im Jahr 2002 etwa gleich hoch wie im Jahr 1999. – Also: Worüber regen Sie von der SPÖ sich auf?! Sie müssen mit gleichem und nicht mit unterschiedlichem Maß messen. Und Sie dürfen auch nicht immer wieder vergessen, was Sie früher unter Ihren eigenen Finanzministern gemacht haben, denn: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)


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Noch ein Wort zur Privatisierungs-Skandalisierung, die Sie von der SPÖ hier ver­suchen. Auch da erinnere ich Sie daran, was in unserer Regierungszeit bewerkstelligt werden konnte: Wir konnten nämlich allein in den Jahren 2000 bis 2003 Schulden in Höhe von 4,3 Milliarden € abbauen.

Sie, Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, haben uns 6,3 Milliarden € an Schulden bei der ÖIAG übergeben. – Dieser Ihr Schuldenstand wurde um 4,3 Milliarden € abge­baut und beträgt jetzt nur noch 2 Milliarden €, eben infolge der guten und erfolgreichen Privatisierungspolitik der jetzigen Regierung. (Abg. Dr. Matznetter: Aktiva-Passiva-Tausch! Wenn Sie keine Ahnung haben, sollten Sie nicht darüber reden!)

Meine Damen und Herren von der SPÖ, ich darf Sie an einige Ihrer Debakel erinnern: AMAG, DDSG, EURATOM – und all die weiteren Dinge, die Sie verbrochen haben und wo Sie nichts weitergebracht, sondern nur Schulden aufgebaut haben. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Da sollten Sie sich einmal den Spiegel vorhalten, auf alle Fälle aber mit gleichem Maß messen – und hier nicht immer über Dinge reden, die es gar nicht gibt.

Unsere Privatisierungspolitik war und ist erfolgreich – und wird von uns auch fortgeführt werden. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Matznetter: Nichts ist gemacht worden! Nichts ist erfolgreich!)

16.12

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Matznetter. Selbst gewählte freiwillige Redezeitbeschränkung: 6 Minuten. – Herr Kollege, Sie sind am Wort.

 


16.12

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Meiner Vorrednerin wird – auch wenn sie damals in der Steiermark politisch tätig war; auch dort berichten Zeitungen – folgende „Kleinigkeit“ doch nicht aus der Erinnerung entfallen sein: Es gab eine EU-Präsident­schaft von einem halben Jahr, und zwar hatte Österreich im Jahre 1998 diesen Vor­sitz. Also, Frau Kollegin Bleckmann: Äpfel mit Birnen vergleichen, das sollten Sie nicht noch einmal hier im Plenum machen!

Aber nun zu einem viel kritischeren Punkt, zu etwas, worum es nämlich wirklich geht: um das Sittenbild einer Republik, die unter dieser Regierung leider sehr, sehr gelitten hat. (Ironische Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP und Freiheitlichen.)

In unserem Lande haben wir heute die Situation, dass Herr Minister Grasser durch einen Bundeskanzler und durch eine treu ergebene ÖVP-Fraktion gehalten werden muss, ein Finanzminister also, der längst alle Grenzen dessen überschritten hat, was in einem demokratischen Land normalerweise aus Anstand und Moral ausreichend Grund genug wäre, sein Amt zur Verfügung zu stellen. (Rufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen: Euroteam!)

Kommen wir zum Vorhaben eines Rechnungshof-Unterausschusses unter Behinde­rung einer Mehrheitsfraktion. Allein das, was in den letzten Tagen offenbar geworden ist, macht klar, wieso die Regierungsfraktionen insbesondere abgelehnt haben, eine Befragung des Herrn Winkler sowie der Herren Pfander und Krieger von Leh­man & Brothers, Frank Stronach, Siegfried Wolf sowie von Lorenz Fritz von der Indust­riellenvereinigung zuzulassen. – Heute wissen wir warum. – Ebenso abgelehnt wurde die Befragung von Christoph Neumayer, des Pressesprechers der Industriellenvereini­gung.

Sie von ÖVP und FPÖ wussten genau, warum Sie das ablehnen: Weil Sie eben nicht wollten, dass offenbar wird, dass es nicht nur 175 000 € waren, dass es nicht nur 2,4 Millionen Schilling waren, sondern dass dieser Betrag längst in der Gegend von


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4 Millionen Schilling gelegen ist! – Heute wissen wir, nach der Berichterstattung des aktuellen „NEWS“, dass es dabei schon um über 5 Millionen Schilling geht.

Wenden wir uns aber noch einmal jenen Teilen zu, die die Beratungsaufträge be­treffen, da ja hier vorher über „Nützlichkeit“ geredet wurde. Ein paar Details daraus. Schauen wir uns einmal an, welche Kanzleien da überhaupt befasst worden sind! – Da lesen wir in den Unterlagen: Lehman & Brothers – auch keine Unbekannten in Öster­reich. Waren das nicht jene Analysten – Sie von den Regierungsparteien haben ja das Thema YLine angeschnitten –, die bis April 2001 – heute steht auf Grund des Gut­achtens im Konkursverfahren fest, dass YLine längst, genauer: seit Dezember 2000, pleite war – bei YLine-Aktien Thornton „strongbuy“ empfohlen haben, als er (auf Bun­desminister Mag. Grasser weisend) noch gut seine Aktien verkauft hat, und dieselben Lehman & Brothers haben nach dem Bericht hier 10,2 Millionen € bekommen?! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Aber wir finden hier auch noch die Europa-Treuhand Ernst & Young als mehrfachen Auftragnehmer, dieselbe Kanzlei, die einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk ausgestellt hat für den Abschluss in eben jener Firma YLine zum 31. Dezember 2000, als diese längst pleite war. (Abg. Schöls: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!)

Das sind die Kanzleien, die hier beschäftigt worden sind. Und genau das war der Sach­verhalt, nach dem Sie uns nicht fragen ließen. Warum eigentlich nicht? – Die Antwort liegt auf der Hand: weil überall dort, wo man nachstochert in diesem Bereich, ein neuer Zipfel einer Art Gefälligkeitsrepublik offenbar wird.

Ich möchte Sie heute an dieser Stelle auffordern, Herr Minister Grasser: Legen Sie die Konten des „Vereines New Economy“ offen, denn 352 000 € – selbst wenn Sie diese Summe bestreiten; 283 000 € hat Herr Lorenz Fritz schon zugegeben – können nicht für die Homepage ausgegeben worden sein, können nicht ausgegeben worden sein für ein paar Essensrechnungen im besseren Restaurants.

Was wurde damit bezahlt? – War es vielleicht so, dass Herr Bill Gates, als er da war, sich nicht stolz mit dem erfolgreichen Finanzminister fotografieren ließ, sondern dass dafür bezahlt werden musste?

War es vielleicht so, dass die erste Überweisung vor dem 20. April 2001 erfolgen musste? Ist es vielleicht purer Zufall, dass sich der Herr Minister Ende April bis Anfang Mai desselben Jahres in Hawaii aufgehalten hat, wo wir gefragt haben und als Antwort bekamen, es war eine Privatreise? Als damals die Journalisten angerufen haben, hat sich am Handy des Herrn Winkler die Freundin des Herrn Bundesministers gemeldet! War das jene Reise? Gab es Kosten, die dafür getragen worden sind? Und: Was ist mit Monaco und den anderen Dingen?

All das muss offen gelegt werden, denn eines ist heute schon klar: Die Justiz hat heute bestätigt, dass 9 900 und 5 500 € auf ein privates Konto geflossen sind, nämlich das Treuhandkonto für den Sozialfonds. Damit ist klar: Der Herr Bundesminister steht am Ende einer Zahlungskette, mit einem privaten Konto, wo die Gelder der IV gelandet sind. Und das ist in diesem Land hoffentlich Grund genug, dass Sie (in Richtung ÖVP und Freiheitliche) sich einen neuen Kandidaten für dieses Amt suchen müssen, weil derjenige, der es jetzt bekleidet, die sorgfältige Trennung zwischen Inhalt des Amtes und Privatleben nicht ausreichend ziehen konnte.

Ich gebe Ihnen nur teilweise Schuld, Herr Mag. Grasser, und das sage ich auch an dieser Stelle, denn Sie haben eine Sozialisation erlebt unter einem Landeshauptmann Haider, einem Parteichef Haider, bei dem wir bis heute nicht wissen: Wer hat die Hub­schrauber gezahlt? Wer hat die Gelage bezahlt? Wer hat all das bezahlt? (Zwischen-


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rufe bei den Freiheitlichen.) Das wissen wir bis heute nicht, auch dort ist keine Auf­klärung gegeben. Und das Land Kärnten hat bis heute nicht klären können, wie es eigentlich mit den Reisen in arabische Länder war. (Beifall bei der SPÖ. – Neuerliche Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)

In diesem Sinne ist das System ein „System Haider“, dem Sie unterlegen sind. In die­sem Sinne hat der jetzige Finanzminister keine Schuld, und ich wünsche ihm für sein weiteres Leben, dass er an einer anderen Stelle etwas anderes lernt. Ich glaube, Magna wäre da besser gewesen als der Herr Haider. – Danke, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

16.19

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Ab­geordneter Dr. Pilz zu Wort gemeldet. Maximal 2 Minuten Redezeit. – Herr Kollege, Sie kennen die Geschäftsordnung. Sie beginnen mit der zu berichtigenden Sachverhalts­darstellung und stellen dieser den richtigen Sachverhalt gegenüber. – Bitte, Sie sind am Wort.

 


16.19

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Herr Präsident! Frau Abgeordnete Bleckmann hat hier behauptet, es sei von meiner Seite zu einer Beschimpfung einer Kollegin ge­kommen. – Das stimmt nicht, und das weise ich auch schärfstens zurück!

Ich weise darauf hin, dass es im grünen Klub und unter Grünen völlig unüblich ist, sich freiheitlichen Benehmens zu bedienen. – Danke. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

16.20

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr hat sich Herr Bundesminister Mag. Grasser zu Wort gemeldet. – Herr Minister, Sie sind am Wort.

 


16.20

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Herr Staats­sekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich sage Ihnen, schön langsam nehme ich es geradezu als Kompliment, ich fühle mich fast geehrt und geschmeichelt, dass ich Angriffsziel Nummer eins der vereinigten Opposition bin. (Abg. Mandak: So toll ist das nicht!) Aber, meine Damen und Herren, jeder, der die politische Welt versteht, weiß es, und Werner Amon hat es heute für mich auf den Punkt ge­bracht, indem er gesagt hat: Die Regierung hat eine Steuerreform, und Sie haben ein Problem. (Beifall bei der ÖVP.)

Offensichtlich haben Sie wirklich ein Problem, meine Damen und Herren, nämlich: die Leistungsbilanz dieser Bundesregierung. Offensichtlich bringt Sie die erfolgreiche Poli­tik dieser Bundesregierung so in Bedrängnis, dass Sie jetzt nicht davor zurückscheuen, ganz tief in die Schublade, unter die Gürtellinie zu greifen und anzugreifen und zu kriminalisieren, zu überlegen: Wie können wir eine politische Hetzkampagne machen? (Abg. Parnigoni: Nehmen Sie endlich Stellung zum Bericht!)

Meine Damen und Herren! Ich weise daher Ihre heutigen unhaltbaren Vorwürfe einmal mehr auf das Deutlichste zurück. Es fehlt Ihnen einfach jede Basis für Ihre Kritik. (Abg. Dr. Kräuter: Antworten!) Ich darf Ihnen versichern, meine Damen und Herren: Ich nehme das mittlerweile sportlich. Ich werde Ihren Angriffen keinen Millimeter weichen. Meine Amtsführung ist völlig korrekt, meine Amtsführung ist vorbildlich, und am Ende des Tages werden die persönliche Integrität und die Wahrheit siegen. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Kogler: Was ist das für ein Sport? Sesselkleben?)


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Sportlich deswegen, weil es ein politischer Diskurs ist, Herr Abgeordneter Kogler, und sportlich deswegen, weil ich der Überzeugung bin, dass die Bevölkerung jedes ein­zelne Regierungsmitglied und diese Bundesregierung in ihrer Gesamtheit an den Leis­tungen messen wird. Und diese Leistungen, meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen sich wirklich sehen!

Wenn Sie jetzt relativ viel dreinreden, dann wissen Sie auf der anderen Seite schon, dass Sie uns im Jahr 1999 133 Milliarden € an Schulden übergeben haben, dann wissen Sie, dass Sie uns außerbudgetär weitere 19,5 Milliarden € an Schulden über­geben haben, und dann wissen Sie, dass die jährlichen Zinszahlungen damals 6,6 Mil­liarden € ausgemacht haben.

Meine Damen und Herren! Ich bin damals, im Jahr 2000, als Finanzminister nach Brüssel gefahren, und der EcofiN-Rat, der Rat der Finanzminister, hat mir dort ge­sagt: Eure Finanzpolitik ist völlig inakzeptabel. Fahren Sie zurück nach Österreich und machen Sie eine gescheite Finanzpolitik! – So viel zu dem, was Sie übergeben haben. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Vor zwei Wochen, meine Damen und Herren – vielleicht können wir uns kurz gemein­sam über etwas freuen –, ist es Alfred Finz und mir erstmals gelungen, mit einer kon­sequenten Finanzpolitik zu erreichen, dass wir unter den Top-vier-Stabilitätsprogram­men in Europa gehandelt worden sind. Schweden, Dänemark, Finnland und Österreich sind in Brüssel als die besten vier in der Finanzpolitik in Europa dargestellt worden. Das ist unsere Politik – eine Finanzpolitik mit Hausverstand, eine Politik mit Ergeb­nissen, die Sie in 25 Jahren nicht zustande gebracht haben. (Beifall bei der ÖVP.)

Wir haben vier Budgets zu verantworten, zweimal einen ausgeglichenen Haushalt, ein Nulldefizit, und das das erste Mal seit mehr als 30 Jahren. Beim jetzigen Tagesord­nungspunkt geht es (Abg. Mandak: Um den Verwaltungsreformbericht!) auch um die Verwaltungsreform, und wenn ich jetzt über Finanzpolitik spreche, sehr geehrte Frau Abgeordnete, dann deswegen, weil ich im Ausschuss versucht habe, Ihnen darzu­legen, dass wir durch sehr klare, konsequente 70 Verwaltungsreformprojekte, die wir gemeinsam mit Alfred Finz auf Bundesebene vorangetrieben haben, bis jetzt mehr als 6 Milliarden € eingespart haben.

Wenn es uns gelungen ist, mehr als 6 Milliarden € auf der Ausgabenseite einzusparen, dann ist das mit ein ganz, ganz wesentlicher Punkt dafür, dass wir eben zweimal einen ausgeglichenen Haushalt zustande gebracht haben und dass wir auch gerade diese Woche am Montag die Bilanz über das Jahr 2003 legen konnten; eine Bilanz, meine Damen und Herren, die zeigt, dass wir nicht 1,3 Prozent Defizit gemacht haben, son­dern auch im Jahr 2003 unter 1 Prozent Defizit liegen. Das sind Ergebnisse, die Sie in 25 Jahren Ihrer Finanzpolitik nicht zustande gebracht haben. – Wir sind stolz auf diese Leistungen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Denken Sie an unsere Ausschussdebatten, meine Damen und Herren! Wir haben über die ÖIAG diskutiert, wir haben über den Kapitalmarkt diskutiert. Ich erinnere mich noch sehr gut daran zurück, dass wir im Bereich der ÖIAG 6,3 Milliarden € an Schulden übernehmen mussten, und wir haben hier eine konsequente Privatisierungspolitik gemacht, eben in der Überzeugung: Privat ist besser als der Staat. Wir wissen, dass das Industriepolitik im österreichischen Interesse ist, Industriepolitik für Headquarters in Österreich, Industriepolitik für mehr Beschäftigung in Österreich und Industriepolitik, die wir so eingesetzt haben, dass wir Schulden zurückzahlen, die Sie uns hinterlassen ha­ben. Wir stehen heute bei etwa 1,7 Milliarden € Schulden. Das heißt, wir haben in der ÖIAG bereits mehr als 4,6 Milliarden € an Schulden, die Sie uns hinterlassen haben, zurückgezahlt.


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Meine Damen und Herren! Wir haben auf dem Kapitalmarkt – der Bundeskanzler hat das heute angesprochen – seit dem 1. Jänner 2003 eine Performance, die ungefähr 50 Prozent ausmacht. 50 Prozent Steigerung unseres Kapitalmarktes seit 2003, mehr als 60 Prozent seit dem Jahr 2000! Sie haben uns einen kaputten Kapitalmarkt hinter­lassen. Sie haben uns die Situation hinterlassen, dass Unternehmen eine massiv un­terdurchschnittliche Eigenkapitalausstattung haben, und das war für uns der Punkt, dass wir in aussichtsloser Situation eine Drehung erreicht haben – deswegen, weil wir wissen, wie wichtig Eigenkapital für unsere Unternehmen, für mehr Wachstum, für mehr Beschäftigung der Betriebe ist.

Das war ein konkreter Punkt im Unterausschuss. Es war mir wichtig – und das haben die Herren Abgeordneten Kräuter und Kogler heute meines Erachtens nicht ganz den Tatsachen entsprechend dargestellt –, alle Fragen, die Sie dort gestellt haben – ich habe mir viele Stunden Zeit dafür genommen –, alle Fragen, die auf der Grundlage der Geschäftsordnung des österreichischen Nationalrates gestellt wurden, zu beantworten, und das ist geschehen. Keine Ihrer Fragen ist unbeantwortet geblieben – mit Aus­nahme in Bezug auf die Leistungsbilanz der österreichischen Bundesregierung.

Sie haben uns Berateraufträge vorgeworfen, meine Damen und Herren, die breite Mas­se der Abgeordneten tat das, und wir haben hier Dringliche Anfragen wegen Berater­aufträgen diskutiert. – Wir haben Neuland betreten, und ich habe Ihnen im Ausschuss präsentieren können, dass über diese spezielle Fachexpertise, die wir uns eingekauft haben für dieses Neuland, das wir betreten haben, für diese innovative Politik, die wir umgesetzt haben, zwar Beraterkosten angefallen sind, aber auf der anderen Seite mittelfristige Einsparungen beziehungsweise Erlöse in Summe von 637 Millionen €, Einsparungen von 1 263 Millionen € zustande gekommen sind.

Das heißt, jeder Euro, den wir dort eingesetzt haben, war gut investiertes Geld des Steuerzahlers. Es hat sich mehrfach ausgezahlt, es hat sich in vielen Fällen bereits im ersten Jahr der Beraterleistung durch größere Einsparungen, die wir erreichen konn­ten, rentiert. – Insofern eine gute Bilanz, eine gute Politik, wir sind auf dem richtigen Weg. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich darf daher auch zu den verschiedenen Vorwürfen aus meiner Sicht schon Folgen­des sagen: Es gibt auf der einen Seite eine erfolgreiche Bundesregierung, eine Bun­desregierung, die das Notwendige macht, die sich in die Sacharbeit vertieft, eine Bun­desregierung, die Probleme aufgreift und Entscheidungen trifft, die damit Kompetenz beweist und die die Zukunft dieses Landes sichert. Auf der anderen Seite haben wir eine Opposition, die sagt: Nein zur Sacharbeit!, eine Opposition, die sagt: Nein zum Wettbewerb der Ideen! – es ist weder vom Herrn Gusenbauer noch vom Herrn Cap, noch vom Herrn Professor Van der Bellen nur irgendeine Alternative zu dieser größten Steuerreform der Geschichte der Zweiten Republik heute präsentiert worden –, aber eine Opposition, die dafür ja sagt zur Parteipolitik, ja zur Polemik, ja zu einer politi­schen Jagd, die sie veranstaltet. (Abg. Öllinger: Das stimmt ja überhaupt nicht!)

Meine Damen und Herren! Ich sage durchaus dazu, ich rede deswegen darüber, Herr Abgeordneter Öllinger, weil es ausgerechnet Herr Abgeordneter Pilz war, der über politische Kultur gesprochen hat. Wenn über politische Kultur gesprochen wird, so sage ich, es steht Ihnen selbstverständlich jederzeit frei, zur Staatsanwaltschaft zu gehen (Abg. Öllinger: Sie sind ja gegangen!), nach dem Motto: Wenn unsere politi­schen Argumente nicht mehr ausreichen, wenn der politische Arm nicht stark genug ist, dann machen wir die Politik halt bei Gericht, dann sind wir die Europameister beim Einbringen von Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich sage Ihnen nur, es würde gleichzeitig uns allen auch gut anstehen – und das ist mein einziges Ersuchen an Sie, nachdem Sie fünf, sechs, sieben, acht An­zeigen bei der Staatsanwaltschaft eingebracht haben (Abg. Öllinger: Wer? Wir?), ob


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das Herr Abgeordneter Pilz war, ob das Herr Abgeordneter Matznetter war, Abgeord­nete dieses Hohen Hauses haben Anzeigen ... (Abg. Öllinger: Sie!)

Also ich habe gegen mich selbst keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht (Abg. Öllinger: Aber gegen uns!), und ich habe auch gegen Sie keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. (Abg. Öllinger: Was?) Lieber Abgeordneter Öllinger! Wenn ich mit den gleichen Instrumenten begegnen würde (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter) und Herr Abgeordneter Matznetter mir das Wort gibt, wenn ich mir anschaue, wie Sie, Herr Abgeordneter Matznetter, für die Firma YLine tätig waren, und wenn ich mir ansehe, wie Sie mit Ihrer Kanzlei für „Euroteam“ tätig waren, wie Sie im Rahmen der „Euroteam“-Lehrlingsoffensive – etwas, das heute gerichtsanhängig ist – nicht einmal davor zurückgescheut sind, sich ganzseitige Inserate für Ihr Unternehmen auf Kosten des Steuerzahlers schalten zu lassen (Zwischenrufe bei der SPÖ), wenn Sie offensichtlich beteiligt sein sollen, Herr Abgeordneter Matznetter, an einer Glücks­spielfirma, „Joy & Fun“ genannt, die es mit den Vergnügungssteuern nicht so genau nehmen soll, wo man rund 60 000 € Strafe gezahlt haben soll, dann muss ich Ihnen sagen, das würde ausreichend Raum dafür geben, dass man auch Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft einbringt.

Ich sage Ihnen ganz klar dazu: Ich würde das nie tun, weil das nicht mein politischer Stil, nicht meine politische Kultur ist. Ich stehe Ihnen immer zur Verfügung, wenn es darum geht, eine Auseinandersetzung in der Sache zu führen, wenn es darum geht, einen Wettbewerb der Ideen hier im Parlament zur Diskussion zu bringen, wenn wir uns darüber unterhalten, wer die bessere Finanzpolitik hat, wer die besseren Konzepte hat, wenn es um eine Steuerreform geht. Das ist das, worum ich Sie ersuche und wozu ich Sie einlade: hier nicht vor der politischen Verantwortung zu kapitulieren, wenn es um Verantwortung, um Konzepte, um den Wettbewerb der Ideen geht, sondern im Interesse des Wettbewerbs und der besten inhaltlichen Lösungen für Österreich zu sagen, wir widmen uns auch wieder der Sacharbeit, und Alternativen darzustellen.

Ich lade Sie dazu ein, ich hoffe, dass wir wieder einen konstruktiven Weg finden und diese tiefe Ebene des persönlichen Kriminalisierens und Angreifens hinter uns lassen können. Wie auch immer Sie es halten, ich sage Ihnen: Ich werde mich nicht beirren lassen, wir werden diesen sehr erfolgreichen Weg für Österreich, für die Beschäfti­gung, für die Wirtschaft weiter fortsetzen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

16.32

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Ab­geordneter Dr. Matznetter zu Wort gemeldet. 2 Minuten Redezeit. – Herr Kollege, die Behauptung, die Sie berichtigen, zuerst erwähnen, und dem dann das, was Sie für richtig halten, entgegensetzen. (Rufe bei der ÖVP: Die Wahrheit!)

 


16.32

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Bundesminister Grasser hat in seiner Stellungnahme behauptet, ich sei mittelbar oder unmittelbar an einer Firma „Joy & Fun“ beteiligt. Zweitens hat er behauptet, ich beziehungsweise die Firma „Euro­team“ hätte halbseitige Inserate zugunsten meiner Kanzlei geschaltet. – Beide Aus­sagen sind unrichtig!

Ich bin weder mittelbar noch unmittelbar wirtschaftlich an der Firma „Joy & Fun“ be­teiligt; es war ein Treuhandauftrag einer Kollegin. (Abg. Rädler: Wer hat die Inserate bezahlt?)

Punkt zwei: Die Inserate waren Inserate der österreichischen Bundesregierung (Oh-Rufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen), in denen Freiberufler, die damals neu die


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Möglichkeit von diesem Parlament bekommen haben, Lehrlinge anzustellen, geworben haben, dass das andere auch tun. Und damals gab es mit Ausnahme meiner Kanzlei keinen Steuerberater, der Lehrlinge beschäftigt hat. Es waren halt bessere Zeiten als heute. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

16.33

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist nunmehr Herr Abgeordneter Prinz. 4 Minuten Redezeit. – Herr Kollege, Sie haben das Wort.

 


16.34

Abgeordneter Nikolaus Prinz (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Eigentlich ist es bemerkens­wert, wenn Herr Kollege Matznetter hierher ans Rednerpult tritt, sich künstlich erregt und dann noch das Wort „Sittenbild“ in den Mund nimmt. Vielleicht sollte er einmal über „Euroteam“ und „YLine“ ein bisschen nachdenken. (Beifall bei der ÖVP und bei Abge­ordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Im Prüfauftrag an den Ständigen Unterausschuss des Rechnungshofausschusses ging es auch um die Privatisierung von Unternehmen in der ÖIAG, und dezidiert erwähnt in der Begründung wurden die Unternehmen voest­alpine AG und Böhler-Uddeholm. Aus diesem Anlass darf ich mich auch sachlich damit beschäftigen. Wie hat doch der SPÖ-Vorsitzende Gusenbauer vor der letzten Wahl so treffend bemerkt? Es gibt keinen Grund dafür, dass der Staat einen Industriebetrieb führen sollte. Selbstverständlich – daher Privatisierung.

Konkret zur Voest. Die Voest-Aktie hatte im März 2003 einen Kurswert von 22 €. Nach dem Auftrag der Bundesregierung zur Vollprivatisierung stieg der Wert der Aktien bis zum Juli 2003 auf 37 €. (Abg. Dr. Matznetter: Und um wie viel haben wir verkauft?)

Im August und September 2003 wurde diese Voest-Privatisierung allerdings von der SPÖ im oberösterreichischen Landtagswahlkampf auf sehr populistische und primitive Art und Weise dazu benutzt, gegen die Privatisierung Stimmung zu machen, obwohl die Voest zu diesem Zeitpunkt bereits zu zwei Drittel von sozialistischen Bundeskanz­lern und Finanzministern privatisiert wurde und genau mit dieser Privatisierung eigent­lich die Erfolgsgeschichte der voestalpine begann.

Durch die Negativkampagne der SPÖ in Oberösterreich ist allerdings der Kurswert gesunken. Der Verkaufserlös betrug dann nur mehr 32,5 € je Aktie, das bedeutet einen Verlust beziehungsweise Mindererlös von 30 Millionen € oder 420 Millionen Schilling, den ausschließlich die SPÖ gegenüber der Bevölkerung zu verantworten hat. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Murauer: So ist es!)

Der SPÖ Oberösterreich war Stimmenfang wichtiger als die Sicherung von Arbeits­plätzen. Wer allerdings nur auf Populismus setzt, läuft Gefahr, das offensichtlich ge­wonnene Gewicht an Stimmen in Regierungsverhandlungen rasch wieder zu verpokern oder zu verlieren, wenn man offensichtlich zu spät vom hohen Ross wieder herunter findet.

Nach dem 28. September 2003 gab es von der SPÖ in Oberösterreich zur Voest keinerlei Meldungen mehr, nicht einmal dann, nachdem in den letzten Wochen fest­stand, dass die Voest in den nächsten Jahren in den Standort Linz 2 Milliarden € inves­tieren wird. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Worin liegt der Unterschied zwischen der Voest-Privatisie­rung und der restlichen Privatisierung von Böhler-Uddeholm? Ganz einfach: Die Priva­tisierung von Böhler-Uddeholm erfolgte nach dem 28. September 2003. Diese Privati­sierung ging dann eigentlich sehr ruhig und vernünftig über die Bühne, sodass auch der tatsächliche Wert der Aktie von 48,5 € erlöst werden konnte.


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Privatisierungen erfolgen nicht zum Selbstzweck, sondern um Schulden in der ÖIAG, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, abzubauen; Schulden, für die letztend­lich der Steuerzahler geradestehen muss beziehungsweise – wenn wir sie nicht weg­bringen – die Zeche zahlen muss.

Die Schuldenlast der ÖIAG betrug zum Beispiel im Jänner 2000 6,2 Milliarden €. Durch die Privatisierungen wurden die Schulden um 4,5 Milliarden € auf unter 1,7 Milliarden € reduziert.

Erfolgreiche Privatisierungen sind allerdings erst seit dem Jänner 2000 üblich. Die Pri­vatisierungen vorher liefen eher nach dem Beispiel AMAG in Oberösterreich. Vor der Privatisierung – um einen symbolischen Schilling, also um 0,07 € wurde die AMAG ver­kauft – wurden noch schnell 87 Millionen € oder 1,2 Milliarden Schilling an Zuschuss aus der ÖIAG hineingeschossen, und als die AMAG dann privat geführt wurde, konnte sie im zweiten Jahr bereits einen Gewinn von rund 30 Millionen € erzielen.

Vergleicht man Privatisierungen vor dem Jahr 2000 mit jenen nach dem 4. Februar 2000, kommt man zu dem Resümee: Gott sei Dank haben im Sinne eines vernünftigen Umgangs mit dem Geld der Steuerzahler jetzt Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, Finanzminister Grasser und eine ÖVP-FPÖ-Regierung die Verantwortung für unser Steuergeld. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

16.38

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Moser. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


16.38

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minis­ter Grasser! Ihre Sportlichkeit in Ehren, aber unser Problem ist, dass Sie dadurch, dass Sie auf die Geldverschiebungen zwischen einerseits Ihrem Verein und andererseits Ihrem Konto nicht eingehen, unseres Erachtens nicht eine sportliche Leistung vollbrin­gen, sondern eine höchst unmoralische – Steuerhinterziehungsleistung darf ich nicht sagen – Steuerhinterziehungsaktion, denn die Schenkungssteuer steht an!

Das sagen Experten, und sogar die deutschen Experten, die von Herrn Staatssekretär Finz einmal zu einem Gutachten herangezogen worden sind, sagen das. Die haben das inzwischen ja richtig gestellt, dass im Falle dieser Friends-of-new-economy-Geschichte und dieser Grasser-Privatsozialfondskonten-Geschichte die Schenkungs­steuer sehr wohl fällig wäre. – Das nur zum einen, und das, Herr Minister, hat nichts mit Sportlichkeit zu tun, die jetzt gefordert ist, sondern das hat mit Moral, mit Ernst­haftigkeit und politischer Correctness zu tun (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ) und auch – und das ist mir sehr wichtig – mit dem Einhalten von Gesetzen, an die sich jede Steuerzahlerin und jeder Steuerzahler halten muss. – Das also zum Ersten.

Zum Zweiten: Gegenstand des Unterausschusses des Rechnungshofausschusses waren insgesamt die Privatisierung und die damit verbundenen Beraterverträge. Mein Vorredner hat ja das Beispiel Voest herangezogen und diese September-Aktion als erfolgreiche Privatisierung hier in den Raum gestellt.

Herr Kollege Prinz, denken Sie daran, dass das schlechthin eine Flucht nach vorne gewesen ist, die gerade Ihr Parteiobmann in Oberösterreich, Herr Landeshauptmann Pühringer, zutiefst abgelehnt hat. Ihm war das höchst zuwider, kam das politisch völlig ungelegen, dass im September die große Voest-Verkaufsdebatte stattfindet.

Und warum ist das passiert? – Herr Minister Grasser, Ihre „Sportlichkeit“ beim Projekt „Minerva“ war der Hintergrund. Sie wollten an sich eine Transferierung von Voest-Mehrheitsanteilen an den Magna-Konzern von Frank Stronach, mit dem Sie ja durch-


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aus gute Beziehungen hatten, fein einfädeln. Das ist dann an die Öffentlichkeit geraten, und es ist Ihnen nichts anderes übrig geblieben, als im Herbst schnell an die Börse zu gehen, damit diese Magna-Sache nicht noch höhere Wellen schlägt. – Das dann hier als „erfolgreiche Privatisierung“ zu verkaufen, das nimmt Ihnen wirklich niemand ab – am allerwenigsten die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher.

Nun zu einem anderen Aspekt, der auch Linzer, der auch Oberösterreicher betrifft: die Privatisierung bundeseigener Wohnbaugesellschaften. Darüber haben wir im Aus­schuss ausgiebig diskutiert – und auch jetzt vor rund einer Stunde hier im Plenum.

Herr Minister Grasser, da haben Sie auch noch einen gewissen Widerspruch in den Raum gestellt, und zwar haben Sie ganz konkret im Juli 2003 im RH-Unterausschuss behauptet, die Entscheidung, das an Lehman & Brothers zu vergeben, sei am 27. Sep­tember erfolgt. – Entschuldigen Sie, das war die Entscheidung, dass man den Verkauf vollzieht! – Ihr ehemaliger Mitarbeiter, Herr Dipl.-Ing. Ramprecht, hat im Ausschuss wiederholt zum Besten gegeben, wiederholt klargestellt, dass das ein anderes Datum gewesen sei, dass das nicht der 21. September war – ich muss mich korrigieren! –, sondern bereits der 6. September.

Dazu gibt es Hintergrundinformationen, die darauf hinweisen, dass diese Entscheidung sehr wohl in einem Zusammenhang mit Weisungen aus Ihrem Kabinett steht. – Das wäre noch ein Kapitel, über das wir uns näher unterhalten müssen; dazu hatten wir im Unterausschuss nämlich keine Möglichkeit.

Einen weiteren Widerspruch, der sich im Ausschuss gezeigt hat, darf ich auch noch nennen: Herr Dipl.-Ing. Ramprecht, der „Vorsitzende“ dieser ganzen Verkaufs- bezie­hungsweise Vergabeaktion an Lehman & Brothers, hat festgehalten, dass Sie, Herr Minister Grasser, über das Abstimmungsergebnis, wer den Zuschlag erhalten soll, durch Herrn Dr. Traumüller direkt informiert wurden und dass Ihnen das schriftlich be­kannt gegeben wurde.

Mir, Herr Minister, haben Sie schriftlich auf meine Anfrage hin geantwortet: „Hinsicht­lich des Stimmverhaltens der einzelnen Kommissionsmitglieder kann ich keine konkre­ten Aussagen treffen, da mir dieses nicht bekannt ist.“

Was stimmt jetzt eigentlich, Herr Minister: Sind Sie schriftlich informiert worden über die Details, oder sind Sie nicht informiert worden? Dann hat entweder Herr Ramprecht Unrecht, oder Sie, Herr Minister, haben eine falsche Aussage mir gegenüber in einer Anfragebeantwortung gemacht.

Das wären noch einige Details aus diesem Unterausschuss, die zeigen, dass der Untersuchungsgegenstand bei weitem noch nicht voll erschöpft ist und noch näher unter die Lupe genommen werden muss. Und außerdem zeigt das sehr wohl, dass ins­gesamt Ihre Herangehensweise an die Privatisierung in verschiedenen Fällen fehler­haft war, auf falschen Voraussetzungen beruhte und teilweise auch mangelhaft durch­geführt wurde.

Herr Minister, es geht nicht um Sportlichkeit, sondern es geht um seriöse Politik, und es geht um eine Privatisierung, aus der Sie und Ihre Freunde mehr oder minder Nutzen ziehen, nicht jedoch in erster Linie die Republik, wie Sie, Herr Minister, immer vor­geben. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.44

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Öllinger zu Wort gemeldet. Sie kennen ja die Geschäftsordnung. – Bitte, Herr Kollege.

 



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16.44

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Danke, Herr Präsident! – Herr Bundesminister, Sie haben in Ihren Ausführungen behauptet, nicht Sie, sondern die Opposition ginge immer zum Staatsanwalt.

Ich stelle tatsächlich richtig, Herr Bundesminister Grasser: Sie sind zum Staatsanwalt gegangen, um gegen den grünen Klub ein medienrechtliches Verfahren wegen „Verlet­zung der Unschuldsvermutung“ anzustrengen, weil Sie der Meinung waren, dass ich in einer Pressekonferenz etwas gesagt hätte, was Ihre Unschuld sozusagen beeinträch­tigt hätte.

Das Strafgericht, vor dem ein Mediendelikt abgehandelt wird, hat in erster Instanz fest­gestellt, dass es keine Verletzung der Unschuldsvermutung ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Das geht jetzt aber bereits über die tatsächliche Berich­tigung hinaus!

 


Abgeordneter Karl Öllinger (fortsetzend): Sie, Herr Bundesminster Grasser, sind zum Strafrichter gegangen, nicht wir!

Außerdem sind Sie in der Causa Pilz – als Kollege Pilz den Vorwurf der Schiebung an Sie gerichtet hat – zum Handelsgericht gegangen und haben Kollegen Pilz ebenfalls wegen des „Verdachtes der Verletzung der Unschuldsvermutung“ beziehungsweise wegen „übler Nachrede“ geklagt. – Auch in diesem Verfahren ist Kollege Pilz in erster Instanz freigesprochen worden.

Herr Bundesminister Grasser, Sie müssen sich schon fragen lassen, wenn Sie schon Anfragen nicht beantworten: Was sollen denn Abgeordnete sonst tun, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen?! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

16.46

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Das ist eine Wortmeldung, Herr Kollege Öllinger. Mel­den Sie sich erneut zu Wort!

Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Lentsch. Redezeit: 4 Minuten. – Bitte.

 


16.46

Abgeordnete Edeltraud Lentsch (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Dass es in dieser Causa verschiedene Berichte aus dem Unterausschuss des Rechnungshofes gibt, das liegt wohl in der Natur der Sache. Sie hätten mit unserem Bericht gar nicht mitgehen können – wir haben es ja auch nicht erwartet –, sonst hätten Sie zugeben müssen, dass Sie diese Causa nur aus parteipolitischen Gründen hochgezogen haben. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wenn man Ihnen zuhört, geschätzte Damen und Herren von den Oppositionsparteien, dann hat man wirklich das Gefühl, dass Sie in einem anderen Unterausschuss des Rechnungshofes waren.

Herr Kollege Matznetter hat im Ausschuss das Wort ergriffen – er hat in der Zwischen­zeit seine Wortspende abgegeben und den Saal verlassen. Ich zitiere auch nur einen Satz im Gegensatz zu Herrn Kräuter, der gleich das ganze Protokoll ins Internet gestellt hat, für jedermann abrufbar, obwohl dieser Unterausschuss vertraulich ist. Das sollten auch Sie wissen, Herr Kollege Kräuter.

Ich bin eigentlich sehr verwundert, dass sich der Zweite Nationalratspräsident zum Bruch der Geschäftsordnung nicht geäußert hat, obwohl der Erste Präsident Dr. And­reas Khol sehr klare Worte dazu gefunden hat. (Abg. Prinz: Eine berechtigte Frage!)


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Herr Kollege Matznetter hat gemeint, Minister Grasser habe der Republik Schaden zu­gefügt. – Das ist Anschauungssache, geschätzte Damen und Herren von der Opposi­tionspartei. Jetzt, nachdem alle Fakten auf dem Tisch liegen, ist uns klar, dem ist nicht so. Minister Karl-Heinz Grasser hat der Republik keinen Schaden zugefügt! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Aber wenn wir schon von Schaden sprechen, geschätzte Damen und Herren von den Oppositionsparteien, dann, muss ich sagen, fallen mir einige SPÖ-Finanzminister ein, die der Republik wirklich Schaden zugefügt haben. Sie haben Firmen, die Hunderte Millionen Schilling wert waren, um einen Schilling quasi verschenkt beziehungsweise verkauft. (Abg. Prinz: 0,07 €!)

Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn diese Minister so wie Karl-Heinz Grasser gute Berater gehabt hätten. Und wären diese Berater noch so teuer gewesen, sie wären der Republik wesentlich billiger gekommen als diese großzügigen Geschenke Ihrer Minis­ter. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Mir fällt auch noch die „Euroteam“-Affäre ein. Da gab es wirklich Prozesse. Da gab es wirklich Verurteilungen. Herr Klima hat sich vorsichtshalber gleich nach Argentinien ab­gesetzt oder einen Job in Argentinien gesucht. Er wird schon gewusst haben, warum.

Wenn wir schon von Schaden sprechen, geschätzte Damen und Herren, dann fällt mir noch einer ein. Speziell als Burgenländerin fällt mir einer ein, ein ehemaliger Finanz­minister – Sie wissen schon, das war der mit den Schweinchen-Krawatten. Er hat bei der Bank Burgenland einen Schaden in Milliardenhöhe verursacht. So viel hat es uns gekostet, nämlich 3,5 Milliarden Schilling, dass Herr Edlinger die Bankenaufsicht – na sagen wir einmal – nicht angehört hat. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Gaál: Das ist uner­hört!)

Das sollten Sie nicht vergessen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Oppositions­parteien, wenn Sie von Schaden sprechen.

Aber es gibt noch einen ganz anderen Schaden, den Sie angerichtet haben, ge­schätzte Damen und Herren, denn durch Ihre Verleumdungen haben Sie versucht, einen Minister ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin! Das Wort „Verleumdung“ verwenden wir hier nicht! Ich würde Sie bitten, das anders zu umschreiben.

 


Abgeordnete Edeltraud Lentsch (fortsetzend): Durch Ihre Anschuldigungen haben Sie versucht, einen Minister fertig zu machen, ganz nach dem Motto: Fest anschütten, es wird schon etwas hängen bleiben. Das haben Sie zunächst mit unserem Bundes­kanzler versucht, da haben Sie sich die Zähne ausgebissen. Jetzt versuchen Sie es mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser, aber ich prohezeie Ihnen, da wird unter dem Strich auch nichts übrig bleiben. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheit­lichen.)

Und jetzt versuchen Sie es mit unserer Außenministerin Benita Ferrero-Waldner. Wir haben es alle erwartet, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sie die einzige Frau ist, die die Chance hat, in die Hofburg einzuziehen, weil sie die einzige Frau ist, die die Chance hat, die erste Bundespräsidentin Österreichs zu werden. (Beifall bei der ÖVP.) Und es ist Ihnen nichts zu tief. Sie schrecken auch nicht vor dem Privatleben dieser Dame zurück.

Hören Sie doch endlich auf, unsere Leute zu skandalisieren! (Abg. Mag. Kogler: Kom­men Sie wenigstens am Schluss zur Sache!) Damit gewinnen Sie überhaupt nichts, auch wenn Ihnen das Ihre Agentur einredet. (Beifall bei der ÖVP.) Glauben Sie mir, die Menschen draußen machen sich selbst ein Bild. Daher mein Appell an Sie: Nehmen


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45. Sitzung / Seite 152

Sie sich eine neue Agentur und kehren Sie zur Sacharbeit zurück! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

16.52

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Keck. Wunsch­redezeit: 3 Minuten. – Herr Kollege, Sie sind am Wort.

 


16.52

Abgeordneter Dietmar Keck (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Finanzminis­ter! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Mit dem Bericht des Rechnungshofausschusses über den Bericht des Ständigen Unterausschusses des Rechnungshofausschusses, vor allem aber auch durch den Minderheitsbericht meiner Fraktion, der SPÖ, könnte dieses Hohe Haus belegen, dass es wertvolle Arbeit leistet und dass es neben dem Recht sehr wohl auch die Kompetenz besitzt, der Wahrheit (Abg. Hornek: Der SPÖ-Wahrheit!) und so mancher Unregelmäßigkeit auf den Grund zu gehen. Wäre dem nämlich nicht so, also hätten wir nicht die Möglichkeit der Kontrollausschüsse, meine Damen und Herren, müssten wir uns mit dem zufrieden geben, was uns ein Herr Winkler oder sonst irgendwer über irgendeine gesponserte Homepage auftischt, und die Transparenz würde wirklich bald auf „Seitenblicke“-Niveau degradiert werden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin froh, dass das Parlament über solche Rechte verfügt. Mir wäre sogar lieber gewesen, wenn wir unsere Möglichkeiten im Unterausschuss noch intensiver und beharrlicher nutzen hätten können, aber leider hat dies Schwarz-Blau oftmals verhindert oder auch torpediert. (Abg. Hornek: Sie waren ja nie da!)

Ich denke zum Beispiel daran, wie viele Personen und vor allem wie oft wir so man­chen Herrn laden wollten. Wir haben nur wenig Entgegenkommen von Schwarz-Blau erlebt, denn alle unsere Anträge wurden abgelehnt. (Abg. Hornek: Das ist unrichtig!) Ihre Parteien haben damit offensive Diskussionsverweigerung betrieben. Natürlich ist uns allen klar, wem und vor allem warum Sie hier die Mauer machen: Sie wollen doch nur den Finanzminister schützen. (Abg. Dipl.-Ing. Regler: Er war zweimal da!) Aus Ihrer Sicht richtig, aber ich möchte den Damen und Herren der ÖVP eines sagen: Bedenken Sie dabei, Ziehsöhne, noch dazu wenn sie nur geliehen sind, erweisen sich auch bei noch so gutem Marketing des Öfteren als Schuss ins eigene Knie.

Meine Damen und Herren! Ein Thema dieses Kontrollausschusses war auch der wirt­schaftspolitisch wenig sinnvolle Abverkauf von Seiten der ÖIAG. Es ist schon viel darüber gesprochen worden. Auch hier wurde mit vielen unsinnigen Fragen von Ihrer Seite sehr viel Zeit vertan, sodass die wirklich brennenden und wichtigen Fragen nicht mehr ausreichend behandelt werden konnten oder auch durften. (Abg. Hornek: War­um haben Sie sie nicht gestellt?) Was sich tatsächlich in den Hinterzimmern des Finanzministeriums oder der ÖIAG abgespielt hat, ist bis heute ungeklärt. Ich kann nur hoffen, dass Ihr Unwille zur Aufklärung kein Hinweis auf mögliche spätere Aufdeckun­gen ist. Da Sie an der Wahrheit nicht interessiert sind, wird uns dieses Thema sicher­lich noch längere Zeit beschäftigen.

Meine Damen und Herren! Bei dieser Politik des Vertuschens, des Mauerns, des Ab­streitens und des Schönredens wird die Bevölkerung sicherlich nicht mehr länger mit­spielen. Sie leiten mit dieser Politik Ihre eigene Abwahl ein.

Herr Finanzminister! Sie tragen die Verantwortung dafür, das Fass ist auf Grund der zahlreichen Affären, die wir im Rechnungshof-Unterausschuss behandeln mussten, bereits übergelaufen. Deswegen, Herr Finanzminister, verhalten Sie sich zum ersten Mal in Ihrer Regierungszeit verantwortungsvoll und zukunftsweisend, kommen Sie dem Staatsanwalt zuvor und treten Sie zurück! (Beifall bei der SPÖ.)

 


16.56


Nationalrat, XXII.GP
Stenographisches Protokoll
45. Sitzung / Seite 153

Präsident Dr. Andreas Khol: Zum Wort gemeldet hat sich nunmehr Herr Staatssekre­tär Dr. Finz. – Bitte.

 


16.56

Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen Dr. Alfred Finz: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Hohes Haus! Im Juni 2003 hat sich Herr Finanzminister Grasser beziehungsweise der Verein „New Economy“ an die zuständi­gen Finanzämter mit einem Auskunftsersuchen gewandt. Also sie selbst waren die Ersten, die diese steuerrechtliche Frage geklärt haben wollten. Das stelle ich hiermit einmal fest. (Abg. Dr. Jarolim: Wer?) – Der Finanzminister und der Verein. Zwei Aus­kunftsersuchen.

Der Finanzminister hat mir zur gleichen Zeit den Fall total abgetreten, und zwar schrift­lich, mit einem Aktenvermerk. Dieser Aktenvermerk wurde der Steuersektion bekannt gegeben. Es war ab diesem Zeitpunkt der Steuersektion klar, dass nur ich in dieser Sache weisungsberechtigt bin.

Ich habe noch am gleichen Tag mit dem Präsidenten der Finanzlandesdirektion Wien Kontakt aufgenommen, habe ihm mitgeteilt, dass ich da weisungsbefugt bin, habe die personelle Situation mit ihm erhoben, weil ja Sommerbeginn war, und habe mit ihm Folgendes vereinbart: Ich möchte keinen Zwischenbericht von dieser Erledigung, ich möchte zu keinen Besprechungen hiezu eingeladen werden. Das fertige Ergebnis ist mir ohne jeglichen Vorbericht vorzulegen, und dann werde ich verfügen, wie weiter zu verfahren ist beziehungsweise ob gleich zugestellt werden kann.

Dem wurde voll nachgekommen. Die beiden zuständigen Finanzämter, einerseits das Finanzamt für Gebühren und Verkehrsteuern, anderseits das Finanzamt für den 4., 5. und 10. Bezirk, haben mit Experten Kontakt aufgenommen. Das ist in unserer Finanz­verwaltung so vorgesehen; da gibt es die Einrichtung des Fachbereiches, wo für jeden Steuerbereich den Finanzämtern Experten zur Verfügung stehen. Man kann auch – und das ist in diesem Fall auch geschehen, was völlig regulär ist – auf Experten des Ministeriums zurückgreifen, um sich in diesem Fall zu beraten. Diese beiden Aus­kunftsersuchen wurden nach folgenden steuerrechtlichen Grundlagen geprüft: nach dem Schenkungssteuergesetz, nach der Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Ein­kommensteuer.

Bei der Schenkungssteuer wurde ausdrücklich festgestellt, dass da keine Schenkungs­absicht vorgelegen ist, und das ist das Wesentliche, der Animus donandi, also die Ab­sicht, jemandem ein Geschenk zu geben, jemanden zu bereichern. Nach den Statuten war eine Zuwendung möglich und ausdrücklich vorgesehen. Wenn das Finanzamt von dieser Absicht abgewichen wäre, hätten wir einen Bruch in der ganzen Vereinsbe­steuerung gehabt. Wir hätten die finanzielle Grundlage für sämtliche Kulturvereine, für den Tierschutzverein und alle anderen Vereine zunichte gemacht, denn für diese Ver­eine gibt es wiederholt derartige statutenmäßige Zuwendungen.

Ein Beispiel, damit Sie das sehen: Ein Katastrophenopfer erhält von einem Verein, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Katastrophenopfer finanziell zu unterstützen, und das in den Statuten auch vorgesehen hat, eine Zuwendung. (Zwischenruf des Abg. Mag. Gaßner.) Wenn das, so wie Sie immer sagen, steuerpflichtig wäre, dann müsste das Katastrophenopfer Schenkungssteuer zahlen. Das ist doch eine abstruse An­nahme, dass das in diesem Fall gerechtfertigt wäre. Das wäre ein Bruch der bisherigen Rechtspraxis gewesen.

Da Sie immer wieder sagen, es gibt keinen Experten, der die Meinung der Finanzämter geteilt hätte, verweise ich auf die APA vom 11. Juli 2003: Professor Michael Lang, bestens bekannt als Professor für Steuerrecht an der Wirtschaftsuniversität in Wien, schließt sich der Meinung der Finanzämter an. Ich kann Ihnen ein Gutachten von Ernst