Bundesrat Stenographisches Protokoll 687. Sitzung / Seite 35

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durch unseren heutigen Beschluss. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Bundesräten der ÖVP.)

13.40

Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesrat Dipl.-Ing. Dr. Lindinger.  Bitte.

13.40

Bundesrat Dipl.-Ing. Dr. Bernd Lindinger (Freiheitliche, Niederösterreich): Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Wir sprechen über die Revitalisierung der Marchfeldschlösser, und diese Revitalisierung betrifft nicht die Schlösser allein  das wäre ein kunsthistorischer Grund, der sehr zu begrüßen ist, dieses Kulturgut zu erhalten , sondern die Revitalisierung betrifft natürlich auch den Fremdenverkehr, insbesondere die Belebung dieser Region, die vor nicht allzu langer Zeit auf zwei Seiten  wenn man es als Viereck betrachtet, das Marchfeld, auch das Weinviertel  von einem Eisernen Vorhang umgeben war. Der mangelnde Tourismus, der mangelnde Verkehr über die March und über die Thaya im Norden haben der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes wohl auch sehr geschadet.

Das ist auch ein Aspekt, unter dem die Revitalisierung gesehen werden muss: den Fremdenverkehr durch Belebung der Region zu fördern.

Ein neuer Aspekt hat sich für mich in den letzten Jahren ergeben, und das hängt mit der Globalisierung zusammen, die immer weiter fortschreitet. Sicher haben viele Landschaften in Europa, auch in Österreich, ein Problem mit der eigenen Identitätsfindung. Eine Landschaft, die zusehends verkümmert  und das waren lange Jahre das Weinviertel und auch das Waldviertel , hat es schwer, eine Identität zu finden. Die jungen Leute wandern ab, sie finden sich in der engeren Heimat dann nicht mehr zurecht. Wenn wir ein solches Gebiet fördern, dann kann das auch die Identität, die Liebe zur eigenen Heimat wiederbringen oder verstärken.

Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Arbeitsplätze. Eine Revitalisierung ist nicht nur ein Willensakt, der in einem Gesetz festgelegt ist, sondern Revitalisierung hat auch entsprechende Arbeiten zur Folge, und das bedeutet Schaffung von Arbeitsplätzen, von qualifizierten Arbeitsplätzen, wie ich meine, und das wird sicherlich der Verankerung der Bevölkerung dienen.

Ein weiterer Punkt ist die Verkehrssituation. Diesbezüglich hätte dieses Gebiet, wie ich glaube, ganz gute Voraussetzungen.

Die Schlösser allein zu revitalisieren  da bin ich etwas skeptisch. Wir hätten dann einige Museen mehr in Österreich, und diese Museen würden sich durch gezielte Bewerbung dann gegenseitig konkurrenzieren  und natürlich andere Museen, wenn ich zu besichtigende Schlösser als Museen bezeichne. Wenn wir eine Revitalisierung anstreben wollen, dann muss diese Revitalisierung auch nachhaltig sein, das heißt, die Struktur muss geändert werden. Der Museumsbesuch, der nur in einem Tagesausflug endet, wird sicher nicht die Struktur in diesem Land ändern, denn dann fährt man hin und nach einigen Stunden Besuch wieder nach Hause. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Museumsbahn errichtet wird. Es ist in den letzten Tagen eine Eisenbahn nach dem Museumsdorf Niedersulz um einige Kilometer verlängert worden. Wir haben unweit von diesen Museen das Eisenbahnmuseum Straßhof. Man muss gesehen haben, was es dort alles gibt! Dort stehen Raritäten an Dampflokomotiven, die zum Großteil auch in Betrieb sind, von Freiwilligen in vielen Stunden auch revitalisiert, also wieder in Gang gesetzt werden. Man weiß, dass aus ganz Europa die Eisenbahnfans dorthin strömen, wenn eine bestimmte Lokomotive unter Dampf steht, nur um einige Kilometer mit der Lokomotive  beziehungsweise im Zug hinten  mitgefahren zu sein und das auch zu fotografieren. Das damit zu verbinden, glaube ich, wäre etwas Gutes.

Es ist vor vielen Jahren ein Marchfeldkanal gebaut worden. Der Marchfeldkanal ist an sich nichts Schlechtes und auch nichts Gutes. Er dient eigentlich nur zur Bewässerung, nützt also der Landwirtschaft. Ob er ihr wirklich in dem Maße nützt, wie man gedacht hat, möchte ich bezweifeln. Einen Boots-Tourismus wie in der Normandie oder in Irland wird es dort sicher nicht geben, weil der Kanal viel zu klein ist; dort können höchstens Paddelboote fahren. Aber man


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