BundesratStenographisches Protokoll783. Sitzung / Seite 21

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schon bezeichnend, dass man der Frau Ministerin und auch unserer Fraktion unter­stellt, es ginge um Zugangsbeschränkungen, nur weil der Titel dieser Aktuellen Stunde heute so lautet. Dieser ist aber eigentlich willkürlich festgelegt und spiegelt, wie gesagt, nicht wirklich die Diskussion wider. (Bundesrat Schennach: Der ist aber auch von der ÖVP so festgelegt worden!) Es geht, das hat Herr Kollege Schnider sehr eindeutig aus­geführt, um die Steuerung des Angebotes, um Zugangsregelungen und um Eignungs­festlegungen, um das Studienangebot entsprechend zu regeln.

Herr Kollege Schennach hat behauptet – und da möchte ich jetzt eigentlich ansetzen –, das Pferd werde von der falschen Seite aufgezäumt. Ich halte dem entgegen, dass vielmehr die Frage im Vordergrund stehen sollte, was unsere Gesellschaft, was unser Land in Zukunft braucht, um erfolgreich zu sein. Gerade in diesen Zeiten und ange­sichts der aktuellen Wirtschaftssituation muss man sich genau diese Frage stellen: Was brauchen wir in Zukunft an Qualifikationen, an Professionen, um erfolgreich zu sein?

Ich bin froh darüber, dass sich meine Fraktion und vor allem auch die Frau Ministerin in den letzten Tagen im Rahmen einer Klubklausur ganz wesentlich mit den Punkten aus­einandergesetzt haben, was wir im wissenschaftlichen Bereich und im Forschungsbe­reich brauchen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Es geht nicht nur rein darum, Studien und Studierendenzahlen festzulegen, sondern auch wesentlich darum, was wir schlussendlich an Absolventen, an hoch qualifizierten Leuten in den einzelnen Berei­chen haben. Ich glaube, danach muss man sich richten und nicht nach reinen Studie­rendenzahlen. Es wird auch immer die Akademikerquote angesprochen. Ja wie kom­men wir denn zu einer Akademikerquote? – Nur indem die Leute das Studium auch ab­schließen und dann als qualifizierte MitarbeiterInnen zur Verfügung stehen.

Ich möchte heute einen Bereich beleuchten, in dem es schon Zugangsregelungen und Steuerungen des Angebots gibt – das ist dort sehr wichtig –, nämlich die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner. Dort liegt es ja auf der Hand und ist ganz eindeu­tig – das ist von einigen meiner Vorredner auch schon angesprochen worden –, dass wir da natürlich in Zukunft einen Bedarf haben. Das bringen der demographische Wan­del, der technische Fortschritt und natürlich auch verschiedenste andere Faktoren mit sich. Diesem Bedarf müssen wir uns stellen. Ich darf mich bei der Frau Ministerin dafür bedanken, dass jetzt der Ärztebedarf erhoben wird, damit man das Angebot wirklich ent­sprechend steuern kann. Wenn man das Angebot steuert, wird man das ausgehend von der Frage tun, welchen Absolventenbedarf wir letztlich haben. Erst dann muss man entsprechend ausrichten, wie viele Studierende wir brauchen werden und wie viel an qualitativ hochwertigen Angeboten wir zur Verfügung stellen müssen, um in diesem Bereich etwas weiterzubringen.

Im medizinischen Bereich, das ist schon angesprochen worden, gibt es Möglichkeiten zur Steuerung und zur Zugangsbeschränkung wie zum Beispiel Eignungstests. Ich glau­be, das muss man entsprechend berücksichtigen. Die Frau Ministerin hat das schon ausgeführt: Das ist nicht nur mit einer Beschränkung des Angebotes an Studienplät­zen, sondern auch mit sehr vielen positiven Aspekten verbunden. Es gibt niedrigere Dropout-Raten, es gibt schnellere Studienzeiten, 90 Prozent schließen in der Mindest­zeit plus Toleranz-Semester ab. Ich glaube, für diesen Bereich wird auch anerkannt – das ist ja auch gesagt worden –, dass diese Steuerungsmöglichkeiten positive Aspekte bringen.

Speziell bei der SPÖ habe ich schon ein bisschen den Eindruck, dass man die Situati­on mit Schlagworten wie Zugangsbeschränkungen oder freier Hochschulzugang schon ein bisschen falsch darstellt, denn beim Publizistikstudium wäre eine Zugangsbeschrän­kung ja okay. Mich erinnert das schon ein bisschen an die Steuerdiskussion im Plenum des Nationalrates, in der die Bundesgeschäftsführerin der SPÖ unter dem Gelächter des restlichen Plenums von „guten“ und „bösen“ Steuern spricht.

 


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