Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 179. Sitzung / 190

vielleicht nicht, wie unheimlich schnell die Haltungsschäden zunehmen. (Zwischenruf des Abg. Öllinger.) Jedes Jahr ist der Gesundheitszustand unserer Schulkinder schlechter. Sie bewegen sich nicht mehr, sie werden dicker, sie sind ungeschickter, besonders Kinder aus dem städtischen Bereich. (Abg. Öllinger: Sie müssen sie motivieren!) Ich bin Turnprofessorin und weiß, wovon ich spreche! Wir Turnlehrer und Turnlehrerinnen haben wohl die Ausbildung, daß wir die Kinder beurteilen können! (Abg. Öllinger: Sie sollen die Kinder nicht beurteilen, sondern motivieren!)

Leibesübungen ist ein Pflichtgegenstand wie jeder andere, und in diesem Gegenstand können, sollen und müssen die Kinder gezwungen werden, sich körperlich zu betätigen. Als Turnlehrer haben wir die Aufgabe, die Kinder so zu motivieren, daß sie später im Leben gerne Sport betreiben, was ihrer Gesundheit letztendlich nützt. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Daher kann man nicht einfach sagen: In Turnen darf es keinen "Vierer" geben! Denn wenn ein dickes, ungeschicktes Kind sich bemüht, dann wird es sicherlich kein Genügend bekommen. (Abg. Öllinger: Genau das war aber das Problem!) Wenn aber zum Beispiel eine geschickte Schülerin jede Woche angeblich die Regel hat und sich immer drücken will, warum soll sie dann in Turnen nicht ein Genügend bekommen? Turnen ist mindestens so wichtig wie viele andere Pflichtgegenstände!  Danke! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

20.35

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist nun Herr Abgeordneter Dr. Höchtl. 5 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung.  Bitte, Herr Abgeordneter.

20.35

Abgeordneter Mag. Dr. Josef Höchtl (ÖVP): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte im Zuge dieser Debatte auf einige Punkte eingehen, die angeschnitten wurden und meines Erachtens durchaus kontroversiell zu sehen sind.

Zunächst möchte ich auf die Ausführungen von Frau Kollegin Haidlmayr eingehen: Nachdem ich etliche Berichte in den Medien verfolgt habe, konnte ich feststellen, daß das Thema Bewegungsmangel in Verbindung mit all den Schwierigkeiten und gesundheitlichen Schäden, die bei Zigtausenden Kindern recht frühzeitig auftreten, ein Schwerpunktthema ist. In Anbetracht dieser Situation wäre das Argument, daß die Kinder sich halt vom Unterricht in Leibesübungen abmelden sollen, gerade das Gegenteil von dem, was ich aus Überzeugung als Notwendigkeit erachte. Daher sage ich: Wir werden zweifellos dafür eintreten, daß der Gegenstand Leibesübungen auch in Hinkunft nicht nur ein Pflichtfach bleibt, sondern jeweils die modernste Ausprägungsform findet, damit der junge Mensch für sein ganzes Leben zur Bewegung gebracht wird. Denn das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß man auch im hohen Alter gesund bleibt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.  Abg. Böhacker: Da hat er sogar recht!)

Zum zweiten. Im Zusammenhang damit, daß manchmal erwähnt wird, daß die ehrenamtlichen Funktionäre da oder dort Urlaube machen, möchte ich jetzt gar nicht auf die fundierten Zahlen des Kollegen Löschnak eingehen, sondern nur feststellen, daß man bedenken muß, daß die Menschen, die in einem dieser 12 500 Vereine tätig sind, wobei jeder dieser Vereine fünf bis zehn ehrenamtliche Funktionäre benötigt, nicht nur enorm viel von ihrer wertvollen Freizeit für andere zur Verfügung stellen, sondern auch ein ganz beträchtliches Quantum an Geld dafür investieren, daß Dutzende andere einer sportlichen Tätigkeit nachgehen können. Daher sage ich: All das ist Ausdruck einer engagierten Gesellschaft. Kollege Khol hat sie als "engagierte Bürgergesellschaft" bezeichnet. Für dieses Engagement sollten wir alle dankbar sein und diesen Menschen anläßlich einer derartigen Debatte sagen: Fahrt nur so fort, denn ihr seid diejenigen, die das Füreinander leben! Von solchen Menschen können wir nicht genug haben! (Beifall bei der ÖVP.)

Drittes Element: Man kann natürlich über die bestehenden Strukturen der Fachverbände und Dachverbände dieser 12 500 Vereine streiten. Einen Aspekt dürfen wir meiner Meinung nach aber keinesfalls in Frage stellen, und zwar den Ausdruck der Freiheit des Sportes, den Ausdruck der Autonomie der einzelnen Einheiten.


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