19.14

Abgeordnete Stephanie Cox, BA (JETZT): Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister! Ein Hallo auch an die Personen vor den Bildschirmen! Ich zitiere einen Lehrer: „Als Lehrer bist du der Depp der Nation. Man weiß nicht, wie man reagieren soll, man ist verloren. Ich habe 15 Jahre in einer öffentlichen Schule unterrichtet – oder besser dressiert –, den Dompteur gespielt. Körperliche Angriffe an die LehrerInnen, verbale Beschimpfung der LehrerInnen sowieso, gab es täglich. Der Direktor und der Inspektor haben mich nie unterstützt, einige Kollegen hatten jeden Tag Angst, in die Schule zu gehen.“ – Ein Zitat, ein Erfahrungsbericht eines Lehrers, der Opfer von Mobbing geworden ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mobbing und Gewalt sind leider Alltag an Österreichs Schulen, für SchülerInnen und für LehrerInnen. Wir können nun wegschauen, wir können schockierende Handyvideos ansehen, wir können die schwarzen Schafe von der Weide nehmen, aber die Gesamtsituation wird es nicht verändern.

Um Gewalt und Mobbing an Schulen nachhaltig zu bekämpfen, muss ein ganzheitliches Denken her. Die gesamte Schule muss angesehen werden, von der Schulleitung bis hin zu den Eltern. Wie sieht das in der Praxis aus?

Erstens: Natürlich muss man da auch bei den Eltern ansetzen. Die Eltern müssen viel stärker miteinbezogen werden, das heißt, man muss nicht nur mit ihnen sprechen, sie müssen auch zur Verantwortung gezogen werden. Beispiel: Es gab die mobilen Teams, die genau dies auch gemacht haben. – Sie wurden eingespart.

Zweitens: Wir brauchen einen gemeinsamen Ethikunterricht für alle Kinder. (Abg. Taschner: Nein!) Genau das kann nämlich ein Ort sein, wo gemeinsame Werte und Umgangsformen erlernt werden (Abg. Taschner: Nein!), wo Emotionen und Konflikte angesprochen werden und auch damit umgegangen wird.

Drittens, Schulautonomie: Um die passenden Maßnahmen zu finden und zu setzen, muss man auch einfach mal die LehrerInnen und die SchulleiterInnen fragen. Sehr oft wissen sie am besten, was sie brauchen.

Minister Faßmann, Sie haben ja den Neun-Punkte-Plan gegen Gewalt an Schulen präsentiert. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie wollen Sie diesen umsetzen, ohne zusätzliches Personal zu haben? – Neun Punkte, null Verstärkung: Dieser Plan kann nicht aufgehen.

Der Lehrer, den ich vorhin schon zitiert habe, hat auch gemeint: „Als Lehrkraft ist man verloren“. – Es ist sehr schade, das von einer Lehrkraft zu hören, die in einem Klassenraum in Österreich steht. Er bringt aber das Problem auf den Punkt: Österreichs Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich sehr oft überlastet und alleingelassen. Unsere Schulen, unsere Lehrkräfte brauchen deswegen mehr Unterstützungspersonal. (Beifall bei JETZT und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Der Nationale Bildungsbericht, den wir gerade diskutieren, belegt das mit Zahlen, beispielsweise in den Mittelschulen. In dem Bericht steht, man benötigt dringend mehr administratives Personal; das sagen 72 Prozent der SchulleiterInnen. 60 Prozent sagen, dass SchulpsychologInnen fehlen, 56 Prozent sehnen sich nach mehr SchulsozialarbeiterInnen. Bei der AHS ist es ein ähnliches Bild. Das bedeutet, wir haben da Zahlen, die wiederum zeigen: Da braucht es Unterstützung, da braucht es zusätzliches Personal.

Schauen wir einmal über den Tellerrand, über den nationalen Tellerrand: 2008 war Österreich in der Talis-Studie der OECD Schlusslicht bei den Arbeitsbedingungen an Schulen. Was bedeutet das konkret? – In keinem anderen Teilnehmerland mussten sich mehr LehrerInnen eine Unterstützungskraft teilen. Das heißt wiederum, es braucht mehr Unterstützung, vor allem mehr Unterstützungskräfte.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werter Herr Bundesminister! Gewalt und Mobbing sind leider Alltag an unseren Schulen. Spuckattacken, Beleidigungen und Prügeleien werden Alltag bleiben, wenn wir nicht endlich unsere Lehrkräfte gezielt unterstützen und jetzt zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ.)

19.19

Präsidentin Anneliese Kitzmüller: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Kuss-Bergner. – Bitte, Frau Abgeordnete.