RN/62

13.38

Bundesrätin Mag. Dr. Julia Deutsch (NEOS, Wien): Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher vor den Bildschirmen! Bildung schafft nicht nur Wissen, Bildung eröffnet Möglichkeiten, bringt Menschen zusammen und erweitert den eigenen Blick auf die Welt.

Viele europäische Programme werden eigentlich erst dann wirklich greifbar, wenn sie erlebt werden und wenn dadurch spürbar wird, was sie konkret im Menschen auslösen. Gerade Erasmus plus ist dafür ein gutes Beispiel. Auch ich selbst – wenn auch erst ein bisschen später, nämlich während des Studiums – habe an Erasmus plus teilnehmen dürfen und ich war ein Jahr in Südostengland. Ich bin damals eine Woche vor dem Referendum nach Österreich zurückgekommen. Meine Freundinnen und Freunde vor Ort haben mir damals noch gesagt: Der Brexit ist vollkommen unmöglich, vollkommen unvorstellbar, mach dir da keine Sorgen! – Wie diese Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle. Trotzdem haben mich diese Zeit und auch die Zeit danach natürlich extrem geprägt; ich konnte Großbritannien vor und nach dem Brexit kennenlernen. 

Was mir aus dieser Zeit geblieben ist, sind internationale Freundschaften, wunderbare Erinnerungen, neue Kenntnisse und neue Perspektiven – auch auf Österreich selbst und darauf, wie wir international wahrgenommen werden. Vor allem aber habe ich dort etwas verstanden, was man schwer aus Büchern lernen kann: wie wertvoll europäischer Zusammenhalt ist. 

Deshalb kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Erasmus plus ist ein wahnsinnig wichtiges und wertvolles Programm und eine riesengroße Chance für junge Menschen. Allein 2025 haben über 20 000 Lernende und Lehrende aus Österreich an Mobilitäten im Rahmen von Erasmus plus teilgenommen. Das zeigt, wie stark dieses Programm mittlerweile auch von uns angenommen wird und in unserem Bildungssystem verankert ist – und genau deshalb ist es auch richtig, dass jetzt die Weichen für die nächste Programmgeneration 2028 bis 2034 gestellt werden. 

Besonders positiv finde ich dabei, dass erfolgreiche Mobilitäts- und Kooperationsprogramme fortgeführt werden sollen und gleichzeitig neue Formate entstehen, wie zum Beispiel European Partnerships for School Development, denn Schulen profitieren davon, voneinander zu lernen, Lehrkräfte profitieren davon, neue Ansätze kennenzulernen, und Schülerinnen und Schüler profitieren davon, wenn Bildung europäischer, offener und vernetzter gedacht wird. 

Wir stehen vor massiven Veränderungen durch Digitalisierung, durch künstliche Intelligenz, den Wandel am Arbeitsmarkt und auch durch geopolitische Entwicklungen – und all das verändert natürlich auch Schule und Unterricht. KI wird Bildung verändern – das tut sie bereits –, aber entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Schließlich bringt uns KI einerseits enorme Chancen, aber natürlich bringt sie auch große Unsicherheit mit sich. Sie kann einerseits beim individualisierten Lernen unterstützen oder administrative Aufgaben erleichtern, aber andererseits entstehen natürlich auch Fragen wie: Wie gehen wir mit Desinformation, mit Plagiaten und mit algorithmischen Verzerrungen um?, und: Wie stellen wir sicher, dass kritisches Denken nicht verloren geht? Gerade deshalb ist es wichtig, KI als unterstützendes Werkzeug zu verstehen, aber nicht als Ersatz für Lehrkräfte.

Bildung besteht nicht nur aus Wissensvermittlung, sondern auch aus pädagogischer Begleitung, sozialer Interaktion und individueller Förderung – und diese menschliche Komponente bleibt zentral und muss natürlich erhalten bleiben. 

Wichtig ist deshalb aber auch, dass Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich auf diese Veränderungen vorbereitet werden, durchaus durch Weiterbildung und durch den Ausbau ihrer digitalen Kompetenzen. Genau darin liegt meiner Meinung nach auch der große Mehrwert der europäischen Bildungszusammenarbeit: nicht darin, nationale Bildungssysteme zu vereinheitlichen – denn Bildung bleibt zu Recht Kompetenz der Mitgliedstaaten –, sondern darin, wechselseitig voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Herausforderungen gemeinsam anzugehen. 

Gerade in Zeiten, in denen Europa mit Unsicherheit, mit Polarisierung und mit geopolitischen Spannungen konfrontiert ist, braucht es auch Orte, an denen europäische Zusammenarbeit ganz konkret erlebt wird. Bildung ist solch ein Ort, denn wer gemeinsam lernt, wer gemeinsam arbeitet und andere Perspektiven kennenlernt, der entwickelt oft auch ein stärkeres Verständnis füreinander und für Europa insgesamt – und davon profitieren wir alle. Investitionen in Projekte wie dieses sind Investitionen in die Zukunft Europas und vor allem auch in die Menschen, die diese Zukunft gestalten werden. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ und bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP.)

13.43

Vizepräsident Daniel Schmid: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Bundesrätin Margit Göll und ich erteile ihr dieses.

 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.