1941/J-BR BR


Eingelangt am: 06.06.2002

Anfrage

der vom Vorarlberger Landtag entsandten Bundesräte (Jürgen Weiss, Christoph Hagen und Ilse
Giesinger)

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
betreffend verstärkte Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes in der Agrarpolitik

Der Vorarlberger Landtag hat mit Entschließung vom 5. Juni 2002 die Vorarlberger Landes-
regierung unter anderem ersucht, an die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern und an
Bundesminister Mag. Wilhelm Molterer mit dem Ziel heranzutreten, dass die Ergebnisse der Unter-
suchung ,;Standardarbeitszahlen für die österreichische Landwirtschaft" in die österreichische Land-
wirtschaftspolitik einfließen und in der Kommission nach Paragraph 7 Landwirtschaftsgesetz
(BGBl. Nr. 375/1992) die weitere Umsetzung der Untersuchungsergebnisse geprüft wird.


Der dieser Entschließung zugrunde liegende Antrag war wie folgt begründet:

"Mit der Untersuchung "Standardarbeitszahlen für die österreichische Landwirtschaft" der
Bundesanstalt für alpenländische Landwirtschaft (BAL) Gumpenstein wurde erhoben, wie viel
Arbeitseinsatz die Bauern in Österreich in den verschiedenen Bereichen leisten. Die Untersuchung
stellt eine Bestätigung des Vorarlberger Modells "Arbeitsplatz Bauernhof dar und kann eine
wichtige Grundlage zur Vorbereitung eines gerechten Leistungsabgeltungssystems auf euro-
päischer Ebene sein. Seit Jahren setzt Vorarlberg in Form von Leistungsabgeltungen für die Bauern
ein klares Signal zur Stärkung der bäuerlichen Betriebe. Unterstützungen für Maßnahmen zur
Qualitätssicherung oder zur Förderung der Tiergesundheit sowie Sockelförderungen sind eine
wichtige Voraussetzung zur Sicherung der bäuerlichen Betriebe und der Wahrnehmung der viel-
fältigen Funktionen im ländlichen Raum. Aus unserer Sicht sollte auch die EU-Landwirtschafts-

politik in Zukunft nicht nur die Fläche oder die Anzahl der Vieheinheiten, sondern auch den
Menschen und seine Arbeitskraft berücksichtigen.

In der Agrarpolitik der Europäischen Union wurden in den vergangenen Jahren wichtige Schritte
für die Vorarlberger Landwirtschaft gesetzt, trotzdem können die Bedürfnisse der kleinbäuerlichen
Landwirtschaft im derzeitigen System zu wenig berücksichtigt werden. Gerade vor dem Hinter-
grund der EU-Osterweiterung ist aus landwirtschaftspolitischer Sicht Handlungsbedarf gegeben.
Das Hinzukommen riesiger landwirtschaftlich genutzter Rächen der osteuropäischen Beitritts-
kandidaten wird das Ungleichgewicht zwischen der viehhaltenden, überwiegend kleinstrukturierten
Landwirtschaft mit ca. 90 % Bergbauern und der weit weniger arbeitsintensiven großflächigen
Getreidewirtschaft weiter vergrößern.

Die eingangs erwähnte Studie zeigt zudem deutlich, dass die in Vorarlberg vorherrschende Form
der Viehhaltung inklusive der Grünlandwirtschaft den mit Abstand größten Arbeitsaufwand in der
Landwirtschaft verursacht. Umso wichtiger ist es nun, den skizzierten Vorarlberger Weg konse-
quent weiter zu gehen und entsprechende Schritte zu setzen. Dafür ist es aber auch wichtig, eigenen
politischen Spielraum für eigene regionale Programme zu haben.

Daher richten die unterzeichneten Bundesräte an den Herrn Bundesminister für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft folgende

Anfrage:


1. In welcher Weise werden Sie der Entschließung des Vorarlberger Landtages Rechnung tragen?

2. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dieses Anliegen auch in der Europäischen Union
umzusetzen?


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HTML-Dokument erstellt: Jun 7 09:29