Norbert
Mößlacher
Auenweg 29/4
A-9900 Lienz
Veröffentlichung auf www.parlament.gv.at
erwünscht!
Liebe Gesetzgeber.
Mit
blankem Schrecken und Entsetzen habe ich mir den Gesetzesentwurf zu Gemüte
geführt, in dem der „Elektronischen Zigarette“
vorsätzlich der Garaus versetzt werden soll.
Im Bewusstsein darüber, dass meine Stellungnahme auf einer öffentlichen
Seite der Regierung angeschlagen werden soll, werde ich mich um Sachlichkeit
bemühen und auch darum, meine Emotionen weitestgehend unter Kontrolle zu
halten, auch wenn ich am liebsten so laut schreien möchte, dass Sie mich
von Osttirol bis nach Wien hören.
Auf
den Punkt gebracht:
Die Regulierungsvorschläge der „E-Zigarette“ in der TPD2...
das kann doch nicht Ihr Ernst sein!
Vornweg,
ich verspüre beim Schreiben dieser Stellungnahme ein großes
persönliches Problem:
Ich habe keine Ahnung, wie ich Ihnen gegenüberstehen soll.
Ich weiß nicht, ob dieser Gesetzesentwurf aus blankem Unwissen heraus
entstanden ist, aus kläglicher Ignoranz oder aus Boshaftigkeit.
Fakt ist: Die Regierung ist gerade dabei, mit einem gewaltigen Bulldozer
über eine der zukunftsträchtigsten Elemtente drüberzurollen, die
in den letzten hundert Jahren erfunden wurden.
Und sie wird dabei grundlos die Lebensgrundlage der Betreiber hunderter
österreichischer Einzelhandelsunternehmen vernichten.
Und sie tritt damit grundlos die demokratische Grundgesinnung unserer Republik
UND die freie Marktwirtschaft mit Füßen.
Und sie dringt damit auf negativste Weise tief in mein privatestes Privatleben
und in meine allerpersönlichste Gesundheit ein.
Also, „wenn ihr mich stecht“... wie könnte ich da nicht
schreien.
Ich, geschätzte Damen und Herren, bin Dampfer.
Also
ein Konsument von „E-Zigaretten“, zum besseren Verständnis.
Zu Weihnachten war es vier Jahre her, seit mich meine Frau mit unserem ersten
Dampfer-Set beglückte, und was soll ich sagen: Ich war vom ersten Moment
an begeistert.
Zwanzig Jahre lang hatte ich Tabakzigaretten gequarzt und habe nicht nur den
Finanzminister ordentlich und reichhaltig beschenkt, sondern auch meine
Gesundheit, wenn nicht gar mein Leben (und nicht nur das, sondern auch die
Gesundheit meiner Mitmenschen) aufs Spiel gesetzt und nicht zuletzt zur
fortschreitenden Verschmutzung meiner Lunge wie meiner Umwelt beigetragen.
Seit
vier Jahren bin ich Dampfer, wie meine Frau, und noch einmal: Ich bin
begeistert. WIR sind begeistert.
Innerhalb von zwei Wochen waren wir beide rauchfrei und haben seitdem nie mehr
eine Tabakzigarette angerührt.
Ich bin begeistert, dass es so etwas überhaupt gibt, ich dampfe
hocherhobenen Hauptes und bin stolz darauf, mittels Technik dem schwarzen Tod
von der Schippe gehüpft zu sein.
Ich fühle mich kerngesund, und ich habe ein strahlend reines Gewissen
dabei, denn ich habe mich in den letzten vier Jahren ausgiebig über
Anwendung, Inhaltsstoffe und eventuelle Schädlichkeit informieren
können.
Und ich möchte wetten, ich habe als einzelner Dampfer - also hier, am
unteren Ende der Nahrungskette - ein um ein Vielfaches umfangreicheres Wissen
über die „E-Zigarette“ erlangt als jeder Einzelne, der an
diesem Gesetzesentwurf mitgebastelt hat.
Ich
darf Sie einmal mehr an folgende FAKTEN erinnern:
Die „E-Zigarette“ ist um ein VIELFACHES weniger schädlicher
als die Tabakzigarette.
Im Vergleich zum Rauchen von Tabakzigaretten ist das „Dampfen“
lächerlich unbedenklich.
Wer sich an ein paar durch Falschanwendung heraus-erpressten Nitrosaminen
aufhängt, möge sanft aber bestimmt daran erinnert werden, dass beim
Kochen von Kartoffeln oder beim Braten von Würstchen bei weitem mehr Gifte
in die Atemluft gelangen als beim Verdampfen eines „Dampfer“-Liquids.
Die „E-Zigarette“ hat weder etwas mit Tabak zu tun, noch hat sie
in irgendeiner Weise etwas in einem „Tabakproduktgesetz“ verloren.
Sie dort einzuordnen, ist in meinen Augen nichts anderes als blanke
Willkür und das Produkt der nackten Angst gewisser Wirtschaftsträger
vor der Konkurrenz.
Die
Bevölkerung ist in den letzten vier, fünf Jahren genug verunsichert
worden mit gezielten Lügen und Halbwahrheiten, allen voran denen jener
gewissen Frau Pötschke-Langer, deren Kreuzzug gegen die
„E-Zigarette“ inzwischen schon mehr als offensichtlich geworden ist
und die sich mit ihren haarsträubenden Aussagen biegt und windet wie das
Schilf im Wind.
Leider hat sie es immer wieder geschafft, bei Bevölkerung wie auch bei
Gesetzgebern genug Misstrauen und Unsicherheit zu stiften, um die
„E-Zigarette“ von vorneweg als ein schädliches Produkt
dastehen zu lassen.
Es existieren offene Briefe an Frau Pötschke-Langer, die sie dazu
befragen, wie sie ihre Handlungsweise vor ihrem offenbar geleisteten
Hippokratischen Eid rechtfertigt – ich habe noch nirgends eine Antwort
von ihr dazu gesehen.
Ich
möchte auch gerne ein wenig Logik einbringen:
Angenommen, die „E-Zigarette“ wäre auch nur vergleichsweise
schädlich wie eine Tabakzigarette. Glauben Sie, wir Dampfer würden
sie dann konsumieren?
Ein Dampfgerät der gehobenen Generation braucht ein gewisses Minimum an
technischem Verständnis. Stets aufgeladene Akkus. Pflege, Wartung,
Reinigung.
Immer ein Liquidfläschchen oder ein Reserverdampfer für unterwegs.
Glauben Sie mir, denn ich bin ein Dampfer.
Wenn das Dampfen nicht erheblich - und ich wiederhole: ERHEBLICH –
unschädlicher wäre als Rauchen, dann wären wir doch beim
Tschicken geblieben, oder?
Packung aus dem Automaten drücken, aufreißen, anzünden, fertig.
Nein, wir Dampfer nehmen allfällige Strapazen mit einem Stolz auf uns,
weil wir wissen, dass wir damit um ein Vielfaches gesünder fahren.
Wir wissen es, weil wir uns tagtäglich damit beschäftigen.
Ich wette, der Gesetzgeber tut das nicht.
Oder
– nächste Frage:
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die wissenschaftlichen (und
pseudowissenschaftlichen) Meinungen über eine eventuelle
Schädlichkeit der „E-Zigarette“ auseinandergehen wie man es
nirgends sonst sieht?
Ist es nicht so, dass man normalerweise, wenn man etwas herausfinden will, einfach
nachschaut und dann weiß man es?
(Beispielsweise wird kein vernunfbegabter Mensch ernsthaft behaupten, dass ein
ungeschützter Sprung aus einem Flugzeug gesund wäre, oder das Trinken
von Benzin.
Manche Dinge sind einfach ZU logisch, um sie in Frage zu stellen.)
Warum geht diese Art der Informationsbeschaffung bitteschön nicht auch bei
der „E-Zigarette“?
Es gibt inzwischen Hunderte von Studien darüber – aber das
Internet und der Volksglauben ist bereits schier irreparabel durchzogen von
Verwässerungen und Verfälschungen durch finanzielle und
wirtschaftliche Interessensvertretungen.
In anderen Worten, es geht schlicht und einfach um die Kohle.
Können Sie es moralisch verantworten, auf dieser Basis ein Gesetz zu
erlassen, das eine der größten Errungenschaften für die
nationale Gesundheit zerstört?
Ich
darf erwähnen, dass ich - wenn ich mich als „Dampfer“
bezeichne - sagen kann, dass ich mittlerweile einer von vielen bin. Dass eine
vor kurzem an die deutsche Regierung adressierte Petition gegen die „Dampfer“-Regulierung
innerhalb weniger Tage über 50.000 Mitzeichner gefunden hat, und das
größtenteils dank sozialer Netzwerke wie Facebook, also die Spitze
des Eisbergs.
Ich darf daran erinnern, dass „die Dampfer“ erst vor einem
halben Jahr vor dem Bundesverwaltunggericht gewonnen haben, als es darum ging,
den freien Handel mit Dampfprodukten zu zerschlagen, um sie ins Tabakmonopol zu
drängen.
Dank der unbezahlbaren und einsatzkräftigen Aufklärungsarbeit von
Univ.-Prof. Dr. Bernd Mayer von der Grazer Universität wurde den
Entscheidungsträgern verdeutlicht, dass die Anschuldigungen über die
angebliche Gesundheitsschädigung der „E-Zigarette“ haltlos
waren.
Wie kann es sein, dass diese Entscheidung auf höchster Ebene
plötzlich nichts mehr wert ist?
Auch
wenn ich einer von vielen bin – zum Schluss werde ich selber von den
Einschränkungen und Verboten der Regierung vor den Kopf gestoßen
werden.
Und ich werde Ihnen sagen, wie es mir dabei geht: Ich habe die Hosen gestrichen
voll.
Ich habe Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Ich habe immerhin nicht zum Spaß zwanzig Jahre lang geraucht.
Wie Millionen und Milliarden Menschen vor mir, bin ich der Tabakindustrie und
der Sucht nach der Tabakzigarette auf den Leim gegangen.
Und es braucht mir jetzt niemand zu kommen und mir zu sagen: „Hör
doch einfach damit auf.“
Wer sich ein wenig mit Süchten befasst – und ich hoffe zutiefst,
dass die Damen und Herren, die darüber Gesetze erlassen, dies tun! -
weiß, dass man eine bestehende Sucht nicht durch Prohibition in den Griff
bekommt.
Nachdem
ich vor vier Jahren den Umstieg auf die „E-Dampfe“ geschafft hatte,
war ich unendlich froh und erleichtert, zwar weiterhin als
„süchtig“ zu gelten, aber im besten Wissen und Gewissen, nicht
mehr mir selber, nicht mehr meinen Kindern und nicht mehr jemanden anderen
damit zu schaden.
Und jetzt kommt der Gesetzgeber und will dafür sorgen, dass ich, wohlfein
eingebettet zwischen den Lienzer Dolomiten, in Zukunft mein Liquid nicht mehr
online bestellen darf, und wenn ich es doch versuche, als Krimineller dastehe.
Grundlos, meine Damen und Herren!
Mit
Süchten spielt man nicht, werte Gesetzgeber.
Und bitte vergessen Sie nicht: Nicht die „E-Zigarette“ hat mich
süchtig gemacht!
Sie hilft mir, nicht rauchen zu müssen.
Mit Ihrem Gesetz zwingen Sie mich und Abertausende andere entweder auf der
Suche nach Ersatzstoffen zurück in die Trafiken, von denen wir endlich
losgekommen sind, oder aber zum eiskalten Entzug.
Und darüber hat, mit Verlaub, der Gesetzgeber aber nun wirklich absolut
nichts zu bestimmen.
Ich
bin vierzig Jahre alt, braver Angestellter im Mediengewerbe und sorgender
Familienvater von drei Jungs, die mir immer wieder sagen, wie froh sie sind,
dass Papa nicht mehr raucht, sondern dampft.
Ich halte mich für einen „gut durchschnittlich“
intellektuellen Menschen mit gesunder Ratio, und glauben Sie mir, wenn ich
Bedenken beim Dampfen hätte, würde ich von selber die Finger davon
lassen.
Aber die Summe meiner eigenen Erfahrungen und das Resümee meiner
gesammelten Informationen, betrachtet mit einer gesunden Portion Hausverstand,
lässt mir keine Wahl als die „E-Zigarette“ als das anzusehen,
was sie ist: die aktuell beste, sauberste, stilvollste und
gesundheitsUNbedenklichste Alternative zur Tabakzigarette überhaupt.
Die „E-Zigarette“ dermaßen einzuschränken anstatt sie
im Gegenteil mit voller Inbrunst zu fördern, ist in meinen Augen weder
verständlich noch in irgendeiner Weise zu verantworten.
Ich
appelliere an die Vernunft und an die Moral, ich beschwöre Sie, und wenn
nötig, bitte ich Sie auch.
Der Gesetzgeber zielt auf das falsche Feindbild.
Und wir Unschuldigen bekommen die volle Breitseite ab.
Lassen Sie uns dampfen! Wir tun niemanden weh.
Außer vielleicht der Brieftasche und dem angekratzten Ego der Tabak- und
Pharmalobbyisten, die aber ohnehin nicht wissen, wohin mit ihren neuen Porsche
zwischen den vielen Mercedes'.
Geben Sie mir und vielen tausend Dampfern das Gefühl zurück, dass
da oben jemand am Steuer sitzt, der auch weiß, in welche Richtung der Weg
geht.
Entbinden Sie die "E-Zigarette" aus der TPD2!
Beste
Grüße
Norbert Mößlacher