RN/198

23. Punkt

Bericht des Gleichbehandlungsausschusses über den Antrag 380/A(E) der Abgeordneten Sabine Schatz, Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß, Henrike Brandstötter, Kolleginnen und Kollegen betreffend „She goes AI“ – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI! (198 d.B.)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wir gelangen nun zum 23. Punkt der Tagesordnung. 

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Ich darf in unserer Mitte auch Frau Bundesministerin Holzleitner herzlich begrüßen. 

Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ecker, ich erteile es ihr. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete, Sie gelangen zu Wort. (Abg. Kassegger [FPÖ]: 5 Minuten!) – Pardon, 5 Minuten. Entschuldigen Sie, 5 Minuten.

RN/199

22.29

Abgeordnete Rosa Ecker, MBA (FPÖ): Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und vielleicht noch vor dem Laptop oder wo immer Sie uns zuhören! Wir diskutieren jetzt über die Initiative She goes AI. Auf den ersten Blick klingt das ja ganz gut: wir Frauen in der KI, weniger Diskriminierung, mehr Chancengleichheit. Ja wer kann denn da dagegen sein?

Das Ganze ist vielleicht gut gemeint, aber mit Sicherheit schlecht gemacht. Warum? – Erstens: Das Projekt stützt sich, ich habe es im Ausschuss ziemlich klar dargelegt, auf Selbsteinschätzungsstudien. Frauen haben weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, so ist die Begründung im Antrag. Aber das sind keine objektiven Messungen von Wissen oder Können, und daraus jetzt ein großes staatliches Förderprojekt abzuleiten, das ist wissenschaftlich mehr als fragwürdig. 

Zweitens: KI ist eine der größten technologischen Umwälzungen – in unserer Zeit befindet sich alles im Wandel –, und sie betrifft uns alle, Frauen, Männer, Junge, Ältere, alle. Doch Sie, Frau Minister, und die Regierung setzen auf ein einseitiges Genderprojekt, anstatt eine sofortige breite Ausbildungsoffensive zu starten, die diejenigen erreicht, die sie brauchen beziehungsweise brauchen werden, denn KI frisst sukzessive viele Arbeitsplätze weg. (Beifall bei der FPÖ.)

Es wird schon lange von Mint-Fächern und von Mint-Ausbildung gesprochen, und es wird auch viel Geld ausgegeben, um Frauen in den Mint-Bereich zu bringen. Sie, Frau Minister, wollen den Mädchen und Frauen den Einstieg und den Umstieg in den KI-Bereich erleichtern – aber Sie kennen schon auch die ganz aktuelle Studie im Auftrag des Fonds LEA? Diese stellt fest, dass Frauen zwar den Weg in die Technik finden, aber dort nicht bleiben, denn weniger als ein Drittel der Frauen bleiben dauerhaft in Mint-Berufen, 69 Prozent steigen wieder aus. Das zeigt ganz klar, es geht nicht um weitere Workshops, sondern darum, endlich die Rahmenbedingungen zu verbessern – von Vereinbarkeit von Familie und Beruf über Karrierechancen bis hin zu echter Wertschätzung von Frauen in technischen Berufen.

Drittens: Vergessen wir nicht die soziale Realität! Wer sich keinen Computer, keine teure Software, keine App-Verträge oder keine entsprechende Ausbildung leisten kann, den interessiert auch kein sogenannter Genderbias. Diese Menschen brauchen Ausbildungschancen sowie Zugang zu Infrastruktur und leistbarer Technik, und keine ideologischen Schlagworte! (Beifall bei der FPÖ.)

Ob nämlich die KI den Begriff Krankenschwester verwendet – der den Grünen anscheinend so ein Dorn im Auge ist, weil er ganz explizit in ihrem Antrag auch noch angeführt wird –, ist den Menschen draußen völlig egal, denn die sind froh, wenn sie im Krankheitsfall von einer Krankenschwester versorgt werden. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Zorba [Grüne]: Haben Sie den Antrag ...?)

Sehr geehrte Damen und Herren, auch die Kosten-Nutzen-Frage bleibt völlig offen. Wie viel Steuergeld fließt da künftig eigentlich hinein? Steigert sich das Budgetdefizit noch weiter? Wird dadurch wirklich ein Mehrwert geschaffen oder ist es, wie wir leider immer wieder feststellen, erneut nur Symbolpolitik, mit der die Regierung Schlagzeilen macht, ohne echte Ergebnisse zu liefern?

Zum Schluss, und das ist der entscheidendste Punkt: Österreich ist kein Land, das maßgeblich Einfluss auf die weltweite KI-Entwicklung nehmen kann. Die Fäden halten internationale Tech-Giganten in der Hand: In den USA sind es Open-AI, Microsoft, Google, Meta und Amazon, in China Baidu, Tencent, Alibaba, Bytedance. Dazu kommen die großen Player bei Infrastruktur und Chips wie TSMC oder Intel.

Die EU versucht jetzt mit Regulierungen wie dem AI-Act Standards zu setzen, aber verbindlich sind diese nur selten. Wer das Geld hat, hat auch großen Einfluss auf die Richtung der Entwicklung – aber mit Geld schaut es in Österreich sowieso mau aus. Abgesehen davon hat Österreich keine eigene technologische Industrie in dieser Größenordnung. Umso wichtiger wäre es, dass wir unsere knappen Mittel nicht in ideologische Einzelprojekte versenken, die nichts an der internationalen Realität ändern, Frau Minister.

Sehr geehrte Damen und Herren, Österreich kann die globale KI-Entwicklung nicht maßgeblich beeinflussen – wer glaubt, Österreich könnte die weltweite KI-Entwicklung bestimmen, der lebt im Wolkenkuckucksheim. (Beifall bei der FPÖ.)

22.33

 Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Schatz. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete. 

RN/200

22.34

Abgeordnete Sabine Schatz (SPÖ): Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor ein paar Jahren war KI, also künstliche Intelligenz, noch eine vage Zukunftsvision, mittlerweile durchdringt sie alle unsere Gesellschafts- und Lebensbereiche. Einmal eine Frage hier in den Saal gerichtet: Ganz ehrlich, wer von Ihnen hat noch nie Chat-GPT oder andere KI-Plattformen genutzt, privat oder auch am Arbeitsplatz – möglicherweise, um Informationen zu sammeln oder zusammenzufassen, um Texte zu formulieren und Bilder zu bearbeiten, ja, vielleicht auch für die Vorbereitung der Redebeiträge in den Sitzungen? Wenn Sie es nicht aktiv genutzt haben, so konsumieren Sie täglich laufend Produkte der KI, sie ist längst in unser aller Alltag angekommen.

Und nein, KI ist eben nicht neutral, gerade deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sich über Jahrhunderte festgesetzte Ungleichheiten nicht auch in der digitalen Welt von heute und der Zukunft fortsetzen. Ja, negative Beispiele dazu gibt es, auch in Österreich. Es geht also auch konkret darum, Problemlösungen für Österreich zu definieren und nicht nur irgendwelche riesengroße internationale Plattformen zu beeinflussen. Kollege Baumann wird später noch genauer darauf eingehen.

Die Daten, mit denen die Systeme heute angelernt und gefüttert werden, bestimmen maßgeblich die Datenbasis der Zukunft. Wir müssen sicherstellen, dass der sogenannte Genderbias, also Vorurteile und Verzerrungen aufgrund des Geschlechts, sich eben nicht in der digitalen Welt fortsetzen. Aktuell stellen wir fest, und das ist keine Selbsteinschätzung, sondern das sind Fakten (Zwischenruf der Abg. Ecker [FPÖ].) – Frau Kollegin Ecker, Sie wissen ja gar nicht, was ich sagen will! –, dass diese Technologie in Europa sowohl in der Nutzung als auch in der Programmierung zu 79 Prozent von Männern gestaltet wird. Das heißt, die Daten, die da gefüttert werden, kommen von Männern. Das ist keine Selbsteinschätzung, sondern das sind Fakten, das ist Realität. Da geht es genau darum, dass da – vielleicht auch unbewusst – Ungleichheiten fortgeschrieben werden, und das müssen wir entsprechend beeinflussen und beenden! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Sie haben die Erhebungen der Statistik Austria zur Nutzung von KI und auch zur Einstellung dieser gegenüber angesprochen: Frauen sehen KI skeptischer und nutzen sie weniger, auch deswegen ist es dringend notwendig, da Maßnahmen zu setzen. Mit diesem Antrag betreffend „She goes AI“ und der Forderung, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, tun wir genau das. Wir wollen Frauen verstärkt in diesem Bereich unterbringen, sowohl als Programmiererinnen auf der einen Seite als auch als Nutzerinnen auf der anderen Seite. Wir wollen mit diesem Antrag eine entsprechende Entwicklung anstoßen. Es ist ohnehin höchst an der Zeit, diese Entwicklung aus frauenpolitischer Sicht nicht zu verschlafen und digitale Verzerrungen zu verhindern, denn eine gerechte Zukunft lässt sich nicht programmieren, wenn die Hälfte der Gesellschaft nicht mitschreibt. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und Grünen.)

22.37

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Schuch-Gubik. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete. 

RN/201

22.37

Abgeordnete Lisa Schuch-Gubik (FPÖ): Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Und in diesem Fall: Liebe Frauen! Wenn Sie sich in der Dämmerung nicht mehr auf die Straße trauen, wenn Sie Angst um Ihre Töchter auf dem Schulweg haben, wenn Sie ein mulmiges Gefühl in der U-Bahn haben, wenn Sie als Mutter vielleicht nicht mehr wissen, wie Sie Ihren Kindern ein warmes Essen auf den Tisch stellen sollen, oder wenn Sie als Pensionistin wieder einmal jeden Cent zweimal umdrehen müssen, dann kann ich Ihnen sagen, Sie können beruhigt sein, die Verliererampel hat genau die richtige Antwort für Ihre Probleme: „‚She goes AI‘ – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!“ Gratulation, liebe Einheitspartei, ihr habt es wieder einmal bewiesen, ihr habt keinerlei Ahnung von den Lebensrealitäten der Menschen da draußen. (Beifall bei der FPÖ.)

Da haben wir es jetzt wieder, das typische Genderblabla: viel Gerede, null Wirkung. Keine einzige Frau in diesem Land erfährt durch diese heutige Initiative mehr Sicherheit, mehr Chancen oder mehr Gerechtigkeit. Es gibt keine Vergewaltigung und keine Belästigung durch einen illegalen Migranten weniger. Es bleibt kein Cent mehr im Börserl unserer Pensionisten und es gibt auch keine Sorge weniger für junge Mütter. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Maurer [Grüne]: Wie ist das mit FPÖ-Funktionären? Wie viele FPÖ-Funktionäre ... verurteilt?)

Frauen in Österreich brauchen keine ideologischen Experimente, sie brauchen klare Maßnahmen! (Abg. Maurer [Grüne]: Wie viele FPÖ-Funktionäre? – Zwischenruf der Abg. Erasim [SPÖ].) Anstatt Frauen mit leeren Phrasen abzuspeisen, legen wir konkrete Lösungen auf den Tisch, ganz ohne Zwang und ganz ohne Genderblabla.

Ich bringe damit hier folgenden Antrag ein:

RN/201.1

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Lisa Schuch-Gubik, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Maßnahmenpaket zur Erhöhung des Mädchenanteils an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL)“

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, das freiheitlichen Maßnahmenpaket zur Förderung der Chancengleichheit von Mädchen im technisch-gewerblichen Bildungswesen umzusetzen.“


Danke. (Beifall bei der FPÖ.)

22.40

Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar:

RN/201.2

Maßnahmenpaket zur Erhöhung des Mädchenanteils an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL (128/UEA)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. 

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Elian. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

RN/202

22.40

Abgeordneter Ing. Thomas Elian (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen an einem Wendepunkt der technologischen Entwicklung. Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr, sie prägt bereits heute unseren Alltag, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft – und sie entscheidet über unsere Wettbewerbsfähigkeit aktiv mit. Darum ist es entscheidend, jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Dieser Antrag, den wir heute diskutieren, ist ein solcher Weichensteller, denn künstliche Intelligenz kann Motor für Fortschritt und Innovation sein, oder – wenn wir nichts tun – unseren jetzigen Standpunkt und unsere bestehenden Ungleichheiten verfestigen. 

Die Fakten sind eindeutig: Künstliche Intelligenz wird vorwiegend von Männern entwickelt. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Frauen künstliche Intelligenz viel seltener nutzen und ihr weit kritischer gegenüberstehen. Das Ergebnis sind verzerrte Systeme, einseitige Perspektiven und das Fehlen jener Stimmen, die wir so dringend brauchen. Wenn Frauen im Entwicklungsprozess fehlen, fehlen auch ihre Ideen und ihre Sichtweisen, und das schwächt Qualität und Akzeptanz der künstlichen Intelligenz. 

Genau da setzt unser Antrag an: Mit Initiativen wie She goes AI bekämpfen wir die geschlechterspezifische Voreingenommenheit aktiv. Wir öffnen Mädchen und Frauen Türen in die Welt der künstlichen Intelligenz, in Forschung und in Unternehmen. Wir schaffen auch Bedingungen, damit Frauen in diesem Zukunftsfeld selbstverständlich dazugehören. 

Es geht aber nicht nur um die Fachkräfte von heute, es geht auch um die nächsten Generationen. Darum müssen wir in den Schulen ansetzen. Junge Menschen brauchen nicht nur die Fähigkeit, künstliche Intelligenz zu bedienen, sondern auch die Fähigkeit, sie zu verstehen. Wo liegen Chancen, wo liegen Risiken? Wie erkenne ich, dass ein Algorithmus nicht neutral ist, sondern von Daten geprägt wird? Genau dieses kritische Denken müssen wir fördern – bei Mädchen und Burschen gleichermaßen. 

Meine geschätzten Damen und Herren, Vielfalt ist kein nettes Extra. Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass künstliche Intelligenz fair, innovativ und vertrauenswürdig ist. KI ist ein Werkzeug, das über Teilhabe, Innovation und Wohlstand entscheidet. Deshalb dürfen wir Frauen nicht nur ermutigen, sich kritisch einzubringen, sondern müssen sie aktiv dabei unterstützen, diese Zukunft mitzugestalten. 

Darum begrüße ich diesen Antrag ausdrücklich, denn er schafft Chancen, öffnet Türen und sendet ein klares Signal. Geschlechtergerechtigkeit in der künstlichen Intelligenz ist keine Randnotiz, sie ist Grundbedingung für Fortschritt, Qualität und Fairness in Österreich und darüber hinaus. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS.) 

22.43

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Ricarda Berger. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten. 

RN/203

22.43

Abgeordnete Ricarda Berger (FPÖ): Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Geschätzte Kollegen! Liebe Österreicher! Heute liegt uns ein Antrag vor, der zeigt, wie weit die Genderideologie mittlerweile getrieben wird. Man will nicht mehr nur im Kindergarten, in der Schule und auf der Uni umerziehen, nein, jetzt sogar in der künstlichen Intelligenz. (Zwischenruf des Abg. Lindner [SPÖ].) Ich frage Sie ernsthaft: Geht’s noch? Spürt ihr euch eigentlich noch? Ich frage Sie ernsthaft! 

Während nämlich Familien ihre Rechnungen nicht zahlen können, die Lehrer fehlen, wie wir heute gehört haben, die Kinder nicht lesen können, beschäftigt man sich hier mit Genderkorrekturen in der KI. Das ist absurd, abgehoben und vor allem weltfremd, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)

Beschönigend nennt man das die Beseitigung des Genderbias. In Wahrheit ist es der nächste linke Angriff auf Sprache, Denken und Freiheit. (Abg. Gewessler [Grüne]: Geh, bitte!) Vorhin ist es auch schon erwähnt worden: KI ist ein Werkzeug. Ja, es ist ein Tool, aber die Linken machen daraus wieder ein Umerziehungsprogramm (Zwischenruf des Abg. Schwarz [Grüne]): Statt Objektivität und Wissenschaft gibt es wieder den linken Dreiklang aus Ideologie, Illusion und Indoktrination. 

Man muss sich das vorstellen. Eine KI schlägt einem jungen Menschen zum Beispiel einen Beruf vor – und wenn dieser dann öfter von Männern ausgeübt wird, dann rufen die Genderideologen: Diskriminierung! Da wird schon auch der Algorithmus verbogen. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist Manipulation. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Gewessler [Grüne]: Ihr wollt gerade einen Antrag ...!)

Das Ganze passiert auch auf einer sehr, sehr schwachen Grundlage, nämlich auf einer bloßen Befragung der Statistik Austria zur Selbsteinschätzung. (Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].) Wir wissen alle, dass sich gerade Frauen – überhaupt was den Mint-Bereich anbelangt – einfach schlechter einschätzen. Da hinkt einfach die Statistik und die Politik hinkt hinterher. 

Natürlich kann ein Arzt auch eine Frau sein und ein Ingenieur auch eine Frau sein, dazu braucht man keine Quoten-KI und schon gar keine staatlichen Bevormundungen. Denn: Soll ich Ihnen etwas sagen? – Menschen sind klug, sie sind klüger, als Sie das glauben, und dazu braucht man auch keine linke Umerziehung. Wir Freiheitliche lehnen dieses ideologische Experiment klar ab. (Abg. Scherak [NEOS]: Sprache ...!) KI muss neutral sein – im Gegensatz zu dem, was Sie gesagt haben, Frau Schatz: nicht links, nicht rechts, nicht schwarz, nicht weiß. Das echte Leben verlangt Leistung, Freiheit, Verantwortung, und genau dafür stehen wir. (Beifall bei der FPÖ.)

22.46

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Brandstötter. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete, Sie gelangen zu Wort. 

RN/204

22.46

Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Ja, da bleibt einem schon die Spucke weg. Puh. (Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie Beifall bei den NEOS und des Abg. Elian [ÖVP].) Bei der FPÖ scheint das Motto zu sein: künstliche Aufregung statt künstlicher Intelligenz. Ich weiß nicht, ob Sie sich vor künstlich oder vor Intelligenz fürchten. (Beifall bei NEOS, SPÖ und Grünen.

Aber es macht mich auch betroffen, als Frauenpolitikerin und als Feministin, dass sich Frauen hierher stellen, die Erbinnen sind, Profiteurinnen sind (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen) von einer Emanzipation, die viele Frauen vor ihnen erkämpft haben, die auch dafür bestraft worden sind. (Abg. Stefan [FPÖ]: Das waren unsere Mütter!) Sie sitzen hier, Sie haben ein Mandat, Sie haben die Möglichkeit, sich zu äußern und zu sprechen, weil sich das Frauen vor Ihnen erkämpft haben. (Beifall bei Abgeordneten der NEOS, bei der SPÖ, bei Abgeordneten der Grünen sowie der Abg. Deckenbacher [ÖVP]. – Abg. Stefan [FPÖ]: Das waren keine Feministinnen!)

Diese Backlash-Haltung, dieses Hinhauen auf Gleichstellungspolitik, das Verunglimpfen dann auch noch als Gender-Bla-bla (Abg. Schartel [FPÖ]: Bla, bla, bla!), das ist wirklich atemberaubend. Es gibt sicher einen Ausdruck dafür, einen Fachbegriff, wenn man ein feministisches Stockholm-Syndrom hat, also wenn man als Frau, um Männern zu gefallen – die über diese Listen offenbar bestimmen, denn die FPÖ ist eine Männerpartei – dann hier den Herren nach dem Mund redet. (Abg. Linder [FPÖ]: Ich lade Sie einmal ein...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was? – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das ist diskriminierend gewesen! – Abg. Stefan [FPÖ]: Das ist Diskriminierung! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist echt frauenfeindlich! Und ihr bezeichnet euch als Feministinnen! – Abg. Schartel [FPÖ]: Gender-Bla-bla-bla!)

Wir kommen zur künstlichen Intelligenz. Einmal mehr zeigt sich: Es braucht sie, aber wir müssen sie auch gemeinsam entwickeln, denn KI ist, genauso wie die FPÖ, ein Männerklub – und das mit ebenso verheerenden Folgen. 73 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, sie hätten wenig bis gar kein Wissen über KI und nur ein Viertel schätzt ihr Verständnis als gut ein. Das basiert auf einer Umfrage von Statistik Austria. 40 Prozent der Männer geben an, ihre Fähigkeiten im Einsatz von KI seien ausreichend ausgeprägt. Ja, wir wissen, dass Männer sich sehr schnell als gut und positiv einschätzen, während Frauen sich da oft ein bisschen schwerer tun: Nur 25 Prozent der Frauen sagen, ihre Fähigkeiten sind ausreichend. 

Fakt ist auch, dass in Österreich nur 16 Prozent der in der IT-Branche Beschäftigten Frauen sind. Das heißt: In den Schlüsselberufen der Digitalisierung fehlen Frauen fast vollständig und das ist nicht nur ein Bildungsproblem, das ist ein Kulturproblem. Viele Frauen, die in Mint-Berufen arbeiten, berichten von männlich geprägten Strukturen, von fehlenden Role-Models, von schlechter Vereinbarkeit mit Familienaufgaben. Wer eine Branche so organisiert, dass Frauen kaum bleiben können, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie dann auch als Fachkräfte fehlen. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Vielleicht schaut ihr sie böse an!) Das wiederum ist ein technologisches Risiko und darum geht es ja gerade in diesem Antrag. 

Studien zeigen, dass Gesichtserkennungssoftware, die auf KI basiert, People of Colour signifikant schlechter erkennt als weiße Männer – und das passiert dann, wenn weiße Männer die Trainingsdaten erstellen. Eine KI ohne Frauen führt zu Bias und Ungerechtigkeit. (Abg. Stefan [FPÖ]: Die SPÖ wird jetzt die Gerechtigkeit da hineinsetzen! Wollen Sie die SPÖ-Gerechtigkeit da drinnen haben?) Diese Zahlen, die ich vorher genannt habe, sind nicht nur deprimierend, sie sind auch gefährlich, denn wenn Frauen fehlen, fehlen Perspektiven; wenn Frauen nicht mitdenken, wird KI verzerrt; wenn Frauen keinen Zugang haben, bleibt KI ein Machtinstrument männlicher Kreise. Ja, das verstehe ich schon, dass das die Herren von der FPÖ total aufregt, wenn man darüber spricht. (Abg. Stefan [FPÖ]: Das regt mich überhaupt nicht total auf!)

Mit She goes AI wollen wir genau diesen Zustand ändern. Wir wollen eine Bewegung. Wir wollen kein Alibi, keine Feigenblätter. Wir wollen Frauen von der Basis bis an die Spitze, Nutzerinnen, Entwicklerinnen und Entscheiderinnen. 

Denn wenn wir heute nicht entschieden handeln, dann kaufen wir morgen Systeme, die ferngesteuert sind. (Beifall bei NEOS, ÖVP und SPÖ. – Abg. Deimek [FPÖ]: Ihr müsstet euch selber einmal zuhören!)

22.50

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tina Angela Berger. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete. 

RN/205

22.50

Abgeordnete Tina Angela Berger (FPÖ): Geschätzter Herr Präsident! Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich muss wirklich sagen: Was man da so hört – ich bin fassungslos, es ist unfassbar. (Abg. Brandstötter [NEOS]: Mindblowing! – Heiterkeit und Zwischenrufe bei SPÖ und Grünen.)

Ich muss auch sagen, dieser Antrag wirkt ja auf den ersten Blick positiv und vermittelt den Eindruck, man würde nur die Chancen für Frauen im technischen Bereich verbessern wollen. Wer könnte da eigentlich etwas dagegen haben? Ich sage Ihnen aber, was ich dagegen habe: Während Frauen in unserem Land noch immer schlechter bezahlt werden als Männer (Abg. Brandstötter [NEOS]: Ja, genau deswegen!), während Mütter keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder finden und während zahlreiche Frauen mit Teilzeitbeschäftigung direkt in die Altersarmut schlittern, diskutieren wir heute allen Ernstes über mehr Geschlechtergerechtigkeit (Abg. Lindner [SPÖ]: Ihr wollt die Herdprämie haben!) in der Künstlichen Intelligenz. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Brandstötter [NEOS]: Got a point!)

Statt die echten Herausforderungen von Frauen und Mädchen anzugehen (Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Dann sezieren wir mal das frauenpolitische Konzept der FPÖ!), flüchtet sich die Verliererampel immer mehr in Showpolitik. Man kümmert sich lieber um theoretische Fragen in der digitalen Welt, statt den Alltag jener Frauen zu verbessern, die jeden Tag schuften, die am Ende des Monats nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen (Abg. Brandstötter [NEOS]: Deswegen sollen sie in die Mint-Berufe!), und die sich auf dem Heimweg im Dunkeln nicht mehr sicher fühlen. Dieser Antrag ist nichts anderes als Alibipolitik, die von den wirklichen Sorgen ablenken will. (Beifall bei der FPÖ.)

Statt Motivation und Anreize für Frauen in Mint-Berufen zu schaffen, fordert man ideologische Eingriffe in Algorithmen. (Abg. Zorba [Grüne]: Was ist daran ein ideologischer Eingriff?) Das ist ein gefährlicher Irrweg. Damit werden Manipulation und politischer Einflussnahme Tür und Tor weit aufgestoßen. Künstliche Intelligenz ist ein technisches Werkzeug und sie muss unabhängig von parteipolitischen Interessen bleiben. 

Meine Damen und Herren, wir Freiheitliche lehnen diesen Antrag aber sowas von ab. Der bringt keiner einzigen Frau in diesem Land konkrete Verbesserungen. (Abg. Brandstötter [NEOS]: ... echt die Amish unter den Parteien!) Er ist ein weiteres Beispiel für die abgehobene, realitätsfremde Frauenpolitik der Einheitspartei, fernab des Alltags, fernab dessen, was Frauen in Österreich wirklich bewegt. (Abg. Lindner [SPÖ]: Herdprämie!)

Zu diesem Gendertheater sagen wir einmal klar: Nein. (Beifall bei der FPÖ.)

22.52

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Zorba. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. – Bitte schön. 

RN/206

22.52

Abgeordneter Süleyman Zorba (Grüne): Sehr geschätzter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin! Als ich heute Vormittag auf die Redner:innenliste geschaut habe, habe ich als Digitalisierungssprecher mich ja eigentlich gefreut. Ich habe mir gedacht, es gibt ein Digitalisierungsthema, wo auch einmal 14, 15 Redner:innen eingemeldet sind. Nachdem ich dann aber gesehen habe, dass acht, neun davon FPÖler sind, hätte ich mir denken können, in welche Richtung es gehen wird. 

Wir diskutieren ja heute über den Antrag She goes AI. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Wenn der Antrag durchgeht, brauchst eh nicht mehr denken, das macht die künstliche Intelligenz dann!) – Herr Kollege, du kannst ja herauskommen, vielleicht gibt es irgendeinen Punkt, den du da jetzt konkret vorbringen kannst, ohne einen Kulturkampf auszulösen (Abg. Lindner [SPÖ]: Nein, gibt es nicht!) oder Bluthochdruck zu bekommen, sobald man das Wort Gender sagt. Eigentlich geht es ja um etwas Technisches, das kann man ja ganz klar kommunizieren, diskutieren und debattieren. 

Aber worüber debattieren wir heute? – Es ist ein Antrag der Regierungsparteien, die darin die Regierung ersuchen, doch endlich etwas in diesem Bereich zu machen. Mit anderen Worten: Die Regierungsparteien beauftragen sich selber damit, etwas zu tun. Anträge dieser Art sind nichts Neues. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das ist sogar schon den Abgeordneten aufgefallen, dass die Regierung nichts ...!) Sie bieten ja auch eine Möglichkeit, Dinge anzukündigen. 

Ich bin aber ehrlich gesagt ein bisschen von dem Antrag enttäuscht, obwohl ich die Stoßrichtung sehr wichtig finde. Wir haben eine sehr engagierte Ministerin. Ich glaube, als selbstbewusstes Parlament könnten wir ihr auch konkrete Forderungen mitgeben, an denen sie arbeiten könnte. 

Die Geschlechterdiskriminierung durch die künstliche Intelligenz ist ja keine Verschwörungstheorie oder irgendeine woke, ideologische Geschichte. Heute ist es schon so, dass Bewerbungstools Frauen systematisch schlechter bewerten. Bei Kreditwürdigkeitsprüfungen bekommen Frauen schlechtere Konditionen. Und die ganzen Chatbots, die wir kennen, funktionieren ja eigentlich auf einer Datenbasis und diese Datenbasis ist nicht unbedingt sehr frauenfreundlich, sie ist sehr männerlastig. 

Ich glaube, damit sich die Probleme der Vergangenheit nicht auch in der Zukunft manifestieren, muss man da entsprechend eingreifen. (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Brandstötter [NEOS].)

Also der Genderbias ist real, der ist problematisch, an dem muss man arbeiten und ich finde, das sollte nicht ein weiterer Sitzkreis sein, in dem man irgendwelche Forderungen vielleicht in Zukunft ausarbeiten möchte, sondern es braucht ganz konkrete Dinge, an denen man arbeiten könnte. 

Es gibt eine Thematik, die ich wirklich sehr problematisch finde: Seit dem 2. August hätte Österreich eine KI-Behörde haben müssen. Leider fehlt diese bis heute. Es gab eine Ankündigung, dass sie im Herbst kommen soll. Man muss dazu sagen, dass die Vorarbeiten für diese KI-Behörde schon längst abgeschlossen waren. Jetzt haben wir den Herbst, es gibt nach wie vor keine KI-Behörde, aber es gibt Entschließungsanträge der Regierungsparteien an die Regierung ohne konkrete Forderungen. 

Aber mit Ankündigungspolitik geht es ja nicht immer gut, man muss ja auch ein bisschen Substanz bieten. Als konstruktive Oppositionspartei haben wir uns etwas überlegt. Wir haben einen Antrag mit 14 konkreten Punkten, die man abarbeiten könnte, eingebracht. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen.)

RN/206.1

Wir bringen deshalb einen Entschließungsantrag ein und ich werde ein paar dieser Punkte aufzählen. Auf der einen Seite behandelt dieser Dinge auf der europäischen Ebene, die die Ministerin ja mitnehmen kann, und auf der anderen Seite haben wir auch auf nationaler Ebene Dinge, die man abarbeiten muss und könnte. 

Zum einen Punkt: Das Gleichbehandlungsgesetz muss modernisiert werden, damit Diskriminierung durch künstliche Intelligenz überhaupt erfasst wird, weil das ja ein Graubereich ist. 

Wir brauchen eine gute Datenbasis, um eben auch gezielter fördern zu können. Ich glaube, da gibt es auch keine ganz guten Zahlen, an denen man arbeiten könnte. 

Auf der europäischen Ebene könnte man sich dafür einsetzen, dass Hersteller von KI-Systemen verpflichtet werden, ihre Algorithmen diskriminierungsfrei zu gestalten und jährlich über ihre Maßnahmen zu berichten. 

Diese und viele weitere Maßnahmen – also 14 Stück – haben wir im Antrag niedergeschrieben. Im Ausschuss wurde er von den Regierungsparteien abgelehnt, weil es zu wenig Zeit gab, sich diese Forderungen anzuschauen. Ich glaube, seither gab es genug Zeit, sich das anzuschauen. 

Wir geben also der engagierten Ministerin konkrete Forderungen mit, damit sie diese abarbeiten kann. Ich freue mich, wenn es Zustimmung zu unserem Antrag gibt. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen.)

22.57

Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar:

RN/206.2

Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen (129/UEA)

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Der gegenständliche Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, wurde in seinen Grundzügen erörtert und ist aufgrund seiner Länge gemäß § 53 Abs. 4 GOG an die Abgeordneten verteilt worden. Er steht sohin mit in Verhandlung. 

Als Nächste hat sich die Frau Bundesministerin zu Wort gemeldet. – Bitte sehr. 

RN/207

22.57

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc: Danke schön, Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Zunächst lassen Sie mich für die Beschlüsse, die Sie heute zuvor schon gefasst haben, einen Dank aussprechen. Sie haben nämlich einen wesentlichen Schritt für mehr Sicherheit in unserem Land gesetzt, insbesondere für die Frauen – durch die klare Verschärfung und die deutlich nachhaltigeren Regeln, was den Zugriff und die Verfügbarkeit von Waffen in unserem Land betrifft. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS.)

Ich denke, da wurde durch Ihr Abstimmungsverhalten heute im Parlament wirklich ein maßgeblicher Schritt zur Sicherheit von Frauen in unserem Land gesetzt. Dafür möchte ich mich als Frauenministerin ausdrücklich bei Ihnen bedanken. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS.)

Der vorliegende Tagesordnungspunkt zum Thema She goes AI ist ehrlicherweise keine kleinere Frage als jene, wie wir gemeinschaftlich unsere Zukunft gestalten wollen. Künstliche Intelligenz ist doch schon seit langer Zeit kein bloßes Thema von Forschungslaboren mehr, wo in der Zukunft daran gearbeitet werden soll. Sie ist auch in unserem Land mitten in der Lebensrealität von vielen Personen angekommen. Künstliche Intelligenz wird in Unternehmen von Personen tagtäglich verwendet. Die Beispiele wurden schon vielfach diskutiert und von Ihnen, sehr geehrte Abgeordnete, angesprochen. 

Ich bekenne mich sehr zu dem Beschluss, der später vermutlich durch Sie gefasst wird. Denn es geht um nichts weniger, als tatsächlich um diskriminierungsfreies Leben. Wollen wir verantworten, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts bewusst in einem Prozess, in einem Bewerbungsverfahren schlechter bewertet werden? Ich möchte das nicht. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten von ÖVP und Grünen sowie der Abg. Brandstötter [NEOS].

Ich möchte, dass Frauen gleichberechtigt Chancen haben, wenn sie ihre Bewerbung an ein Unternehmen schicken, weil ihre Leistungen, ihre Vorqualifikationen als solche anerkannt werden, und dass sie nicht aufgrund ihres Geschlechtes einfach zurückgestellt werden. Das kann aber durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz passieren, vor allem dann, wenn Frauen nicht mitentscheiden, wenn Frauen nicht mitprogrammieren, wenn Frauen hier nicht auch tatsächlich mitentscheiden.

Die künstliche Intelligenz ist nämlich aktuell kein neutrales Werkzeug. Sie reproduziert vielfach Dinge und Effekte, die wir schon kennen, weil sie mit vorhandenen Daten trainiert. Wenn wir zum Beispiel über den Matilda-Effekt sprechen, dass Frauen und ihre Erkenntnisse auch in Wissenschaft und Forschung vielfach nicht gesehen wurden, bei Publikationen nicht berücksichtigt worden sind, dann sind das Effekte, die, wenn sie auch unbearbeitet in KI-Entwicklungen weitergegeben werden, sich vielfach reproduzieren, sich potenzieren. 

Deshalb ist genau diese Initiative extrem wichtig, auch im Hinblick auf die politischen Perspektiven. Ich denke da beispielsweise an Plenarreden aus diesem Haus, die man verarbeiten kann, wobei man berücksichtigen muss, dass in den Abgeordnetenreihen früher keine Frauen waren. Plenarreden kann man verwenden, aber wenn frauenpolitische Perspektiven hier nicht miteinbezogen werden, dann fehlt einfach mehr als die Hälfte der Bevölkerung. (Beifall bei der SPÖ.)

Dasselbe gilt für wissenschaftliche und literarische Leistungen, die in historischen Daten nicht berücksichtigt worden sind. Ja, es braucht hier ganz klar auch die menschliche Perspektive 2025, und die muss Frauen miteinschließen. Deshalb ist diese Initiative so notwendig. 

Es wurde ja schon gesagt: Wenn es derartige Initiativen nicht gibt, dann begeben wir uns willfährig weiterhin in die Abhängigkeit von gewissen Tech-Bros, die sich den großen Männern jenseits des Atlantiks gegenüber sehr kuschelig, ja fast hörig verhalten. 

Diese Abhängigkeit sollten wir, denke ich, nicht nur als Österreich, sondern auch als Europäische Union durchaus in Angriff nehmen. Da geht es nicht nur um Initiativen, Frauen in Branchen wie künstliche Intelligenz oder auch in Mint-Berufe zu bringen. Es geht natürlich auch darum, sie in diesen Bereichen zu halten. Deshalb wird auch ganz intensiv im Rahmen des Nationalen Aktionplans gegen Gewalt an Frauen das Thema Arbeitswelt mitgenommen. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten der ÖVP sowie der Abg. Brandstötter [NEOS].)

Um Frauen in diesen Berufen zu halten, muss ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem Vertrauen aufgebaut worden ist, in dem Frauen und ihre Erkenntnisse, ihre Leistungen wertgeschätzt werden – und nicht ständig hinterfragt werden, sodass sich Frauen fünf-, sechs-, zehnmal mehr beweisen müssen. Es geht auch darum, einen diskriminierungs- und sexismusfreien Arbeitsplatz vorzufinden – genau das sind auch die Themen, die in der vorhin angesprochenen Studie mitgegeben wurden –, einen wirklich diskrimierungs- und sexismusfreien Arbeitsplatz insbesondere für Frauen in Männerberufen zu schaffen, damit sie in diesen Berufsfeldern auch bleiben. Das ist sehr, sehr notwendig. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wird eine Initiative uns retten? Ich denke, es braucht mehr. Wir können aber insbesondere mit unseren sehr gut etablierten Grundlagen in der Grundlagenforschung, in der künstlichen Intelligenz aufbauen. Es gibt hier bereits Expertise in Österreich. Man denke nur an das Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, gemeinsam finanziert durch die Boehringer-Ingelheim-Stiftung Aithyra, wo der klare Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz liegt, oder man denke auch an den klassischen Schwerpunkt im Bereich künstlicher Intelligenz an der Johannes-Kepler-Universität in Kombination mit der medizinischen Fakultät. 

Tun wir nicht so, als hätten wir nicht bereits auch gute Bausteine, gute Grundsteine im Bereich der Grundlagenforschung in der künstlichen Intelligenz auch in Österreich, die wir dann weiter mitnehmen können und, wo wir, ja, besser werden müssen, damit diese Erkenntnisse der Grundlagenforschung sich dann letzten Endes auch in Österreich weiterentwickeln und nicht in andere Länder abwandern. 

Diese Initiative ist also wesentlich, um Gleichberechtigung auch in einem nicht Zukunftsfeld, sondern in einem aktuell relevanten Themenfeld herzustellen. Darüber hinaus gibt es da noch viel Weiteres, wo wir wirklich ansetzen müssen. Deswegen handeln wir hier auch, und deswegen ist es auch sehr zentral, dass wir die Grundlagenforschung auch in den kommenden Jahren mit einem entsprechenden Budget ausstatten. Auch das sei an dieser Stelle gesagt. 

Es ist also eine Frage der Demokratie. Es ist eine Frage der Chancengerechtigkeit und der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, ob wir in aktuellen Entwicklungen auf mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung verzichten oder ob wir sie einbinden und dadurch – wie vielfach durch wissenschaftlich sehr fundierte Studien belegt – erreichen, dass wir produktiver werden, dass wir effizienter werden, dass wir erfolgreicher werden in der Zukunft. Gerade das braucht es jetzt nämlich dringender denn je. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten der ÖVP sowie der Abg. Brandstötter [NEOS].)

23.05 

 Präsident Peter Haubner: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Markus Leinfellner. – Ich stelle die Zeit auf 2 Minuten ein, Herr Abgeordneter. 

RN/208

23.05

Abgeordneter Markus Leinfellner (FPÖ): Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Also wir Freiheitliche freuen uns ja immer, wenn es um eine Verbesserung bei den Problemen der Frauen geht. (Ruf: Wir glauben Ihnen nicht!) Und dieser Tagesordnungspunkt heute zeigt wieder einmal, dass sich diese Bundesregierung um die wirklichen Probleme unserer Frauen kümmert. 

Es geht nämlich in Österreich nicht um eine volle Anrechnung von Kindererziehungszeiten bei der Kinderbetreuung! (Ruf: Was hat das alles mit dem Thema zu tun?) Es geht nicht darum, dass Frauen, die zu Hause die Kinderbetreuung leisten wollen, endlich einmal eine Anerkennung dafür bekommen oder zumindest das bekommen, was jeder Wirtschaftsflüchtling am ersten Tag, wenn er über die Grenze kommt, bekommt! (Ruf bei den Grünen: Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.)

Da würden wir uns freuen. Das wären Verbesserungen für die Frauen: gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Stattdessen beschäftigen wir uns mit einer gendergerechten künstlichen Intelligenz. (Abg. Zorba [Grüne]: Du hast noch kein einziges Wort zum Thema gesagt! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen. – Abg. Brandstötter [NEOS]: ... Ruf zur Sache!)

Kollege Zorba – jetzt schreit er gerade heraus – hat vorhin gesagt, dass die Grünen 14 Punkte eingebracht haben (Abg. Zorba [Grüne]: Ja!), und hat Strafbestimmungen nach dem Gleichbehandlungsgesetz erwähnt. (Abg. Zorba [Grüne]: Ja!) Kollege Zorba! (Abg. Zorba [Grüne]: Ja?) Jetzt würde mich Folgendes interessieren (Abg. Zorba [Grüne]: Bitte!): Elon Musk ist, glaube ich, einer der Hauptbetreiber von Chat-GPT. (Abg. Brandstötter [NEOS] – erheitert –: Nein! – Abg. Zorba [Grüne]: ... nicht wahr! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.) Inwiefern können wir Elon Musk mit 350 Euro für eine Verwaltungsübertretung in Österreich beeindrucken? Meine sehr geehrten Damen und Herren! Irgendwann werden sie einen Schalter umlegen und uns Chat-GPT in Österreich abdrehen (Abg. Zorba [Grüne]: Nein! Sie nehmen die Europäische Union nicht wahr, aber wir sind Teil der Europäischen Union!), und dann kommt wieder ein Erfolgsprojekt dieser Einheitspartei à la Kaufhaus Österreich. Wir alle wissen, was dabei herausgekommen ist. – Gute Nacht, Österreich! (Beifall bei der FPÖ. – Ruf: Das war nicht einmal eine gute Minute ...! – Abg. Lindinger [ÖVP]: Wie wär’s, wenn du dich niederlegst? Gute Nacht!)

23.07 

Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Oberrauner. – Ich stelle die Uhr auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

RN/209

23.07

Abgeordnete Mag.a Dr.in Petra Oberrauner (SPÖ): Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Nur eine KI-Forschung, in der Frauen involviert sind, ist kraftvoll, vielfältig und vollständig. Unterschiedliche Zugänge sind die Voraussetzung für Innovation und Fortschritt. 

Zurzeit liegt der Frauenanteil in der KI zwischen 22 und 30 Prozent. Das heißt aber auch, dass viel zu oft die Stimmen der Frauen fehlen, in einer Technologie, die unsere Zukunft prägen wird – für alle, für Männer und für Frauen. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt: Paritätisch besetzte Teams erzielen 19 Prozent mehr Umsatz über Innovation. Und Fakt ist: Unterschiedliche Blickwinkel führen zu besseren Lösungen und zu besseren Produkten. 

Ein Beispiel möchte ich da nennen, damit wir die künstliche Intelligenz endlich als Intelligenz wahrnehmen: Entwickelt ein rein männliches Team eine KI für Herzkrankheiten, bezieht es seine Informationen meistens aus männlichen Daten, männlichen Erfahrungen und männlichen Bedürfnissen. Typische Symptome, die bei Frauen anders sind und damit andere Bedürfnisse nach sich ziehen, werden übersehen. Ein Team mit Frauen und Männern erkennt solche Lücken besser und schneller. Es erweitert die Daten und den Blickwinkel und entwickelt eine KI, die allen dient. So ist es auch in der Medizin. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Genau darum geht es bei der Maßnahme She goes AI. Es geht darum, mehr Frauen für den KI-Bereich von Forschung und Wirtschaft zu interessieren. Damit entsteht Folgendes: Es entstehen KI-Systeme, die gleichberechtigte Gesellschaften unterstützen. Es werden Produkte geschaffen, die für alle interessant sind. Und es werden vertrauenswürdige Technologen made in Austria und made in Europe entwickelt, die auf der ganzen Welt gefragt sind. So sichern wir Gleichbehandlung auch in neuen Technologien, so gewinnen unsere Unternehmen an Stärke und so wird die Forschung immer innovativer. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die KI darf nicht nur zur Hälfte richtig sein. Sorgen wir mit Programmen wie She goes AI dafür, dass alle Bedürfnisse von Männern und Frauen abgedeckt und in der KI eingebracht sind, um Gleichbehandlung offline und online sicherzustellen!

Ich möchte noch einen Satz zu den Beiträgen der Frauen der Freiheitlichen Partei verlieren: Ich bin wirklich bestürzt darüber, dass Sie Vergleiche bringen, die weder Hand noch Fuß haben, obwohl Sie wirklich intelligente Personen sind. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das glaub ich nicht, dass Sie bestürzt sind!) Frauen in Mint-Berufe zu schicken – wenn Sie schon solche Vergleiche machen –, wird keine einzige Frau auf der Straße retten. Also ich weiß nicht, welche Vergleiche ihr zieht, aber ich weiß, dass ihr gar keine Ahnung von der künstlichen Intelligenz habt. – Danke. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.) 

23.10

Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher. – Ich stelle die Uhr auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete. 

RN/210

23.11

Abgeordnete Mag. Romana Deckenbacher (ÖVP): Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Hohes Haus! Künstliche Intelligenz prägt unseren Alltag, prägt unsere Arbeitswelt und prägt vor allem auch die Art und Weise, wie wir Zukunft gestalten. Bei aller Innovationskraft, die so wichtig ist, müssen wir aber auch teilweise sehr kritisch hinschauen. 

Warum sprechen wir eigentlich von Alexa und nicht von Alex? – Virtuelle Sprachassistenten wie Siri und Alexa haben zu Beginn ausschließlich weibliche Stimmen programmiert. Dahinter steckt ein gesellschaftliches Rollenbild, das bei Weitem nicht mehr zeitgemäß ist und auch in unserer Technologie keinen Platz finden soll. Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant, dabei dürfen wir eines nicht übersehen: erstens einmal die Art und Weise, wer KI entwickelt und für wen sie entwickelt wird. 78 Prozent der Personen in Europa, die künstliche Intelligenz mit ihren Programmen und ihren Algorithmen gestalten, sind Männer – eine klare Unterrepräsentation der Frauen. 

Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen, warum Frauen genau aus diesem Grund vor allem auch diskriminiert werden: Wir haben schon gehört, es gibt KI-gestützte Bewerbungssysteme, die Frauen benachteiligen, weil sie aus Daten der Vergangenheit, in denen viele Branchen auch noch männerdominiert waren, gelernt haben. Auch in der Medizin liefern KI-Systeme oft weniger präzise Diagnosen für Frauen, da sie überwiegend mit Daten männlicher Personen trainiert wurden. Hinzu kommt auch noch der Missbrauch von KI, etwa durch manipulierte Videos, Fotos oder Audios, die täuschend echt wirken und zunehmend für Gewalt gegen Frauen eingesetzt werden. Das zeigt, KI kann bestehende Ungleichheiten verstärken, wenn wir nicht bewusst entgegensteuern. 

Wir müssen KI aber auch als Chance verstehen, denn künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Sie ist heute fester Bestandteil unseres Alltags und wird uns auch in Zukunft noch präsenter erscheinen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.) 

Vielleicht ist es für den einen oder anderen auch überraschend, dass hinter Chat-GPT eine Frau steht, nämlich Emira Murati. Sie ist eine Inspiration für Frauen weltweit, die eine Karriere im Technikbereich anstreben. Wenn Frauen die KI der Zukunft mitgestalten – und es geht um Mitgestaltung –, wird auch Technologie inklusiver, aber vor allem gerechter. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.) 

23.13

Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ines Holzegger. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete. 

RN/211

23.14

Abgeordnete Ines Holzegger (NEOS): Uff, wir haben jetzt viel – nennen wir es – Interessantes zum Thema KI gehört, auch von der FPÖ. Zum Factchecken komme ich dann nachher – kleine Preview. Es ist viel über Frauen im KI-Bereich gesprochen worden, jetzt würde ich gerne als Frau in der Technik einmal meine Geschichte erzählen. 

Eigentlich wäre mein beruflicher Weg ja ganz linear gewesen. Ich habe ein sprachliches Gymnasium gemacht, habe Lehramt studiert und hätte dann bis zur Pension – sollte es sie dann noch geben – unterrichtet. Sprachlich interessiert war ich immer, deswegen war für mich die technische Laufbahn eigentlich relativ schnell vom Tisch. Aber warum? Warum geht nicht beides? (Zwischenruf des Abg. Deimek [FPÖ].) Technik und Sprachen: Warum nicht? 

Wie Sie sehen, stehe ich ja jetzt vor Ihnen und spreche über Frauen in der Technik, weil ich mich spät, aber doch dafür entschieden habe, einen neuen Weg zu gehen, in eine Branche einzutauchen, die mir bis dahin sehr fremd war. Das ist natürlich ein Risiko. Ich habe es gemeistert, aber ich wäre sehr dankbar über Orientierungshilfen und Hilfestellungen gewesen: Wie geht es? Wie komme ich von einer ganz anderen Branche in die Technik? Ich habe es aber – und das kann ich allen sagen, die sich vielleicht überlegen, umzusteigen – keine Sekunde bereut, in die IT zu gehen. 

Ich bin mir nicht so sicher, aber wir sind uns hoffentlich alle einig, dass wir mehr Frauen in technische Berufe bringen wollen, nicht, um Quoten zu erfüllen, sondern weil Frauen wichtige Erfahrungen und Blickwinkel einbringen, die auch wirtschaftlich einen positiven Effekt haben. Dass das offensichtlich kein Selbstläufer ist, sehen wir alleine deswegen, weil wir schon seit Jahrzehnten davon sprechen; es gibt ja auch schon viele Initiativen in diesem Bereich. Darum, Frau Ministerin, habe ich auch sehr hohe Erwartungen an das Maßnahmenpaket – dass es eben nicht zu einem Marketinggag verkommt, sondern tatsächliche nachhaltige Effekte haben wird. Ich bin da aber guter Dinge, dass das was wirklich Gutes und Großartiges für Frauen in der Technik sein wird.

Eines möchte ich aber auch sagen: Die Statistiken, die auf Selbsteinschätzung basieren, sagen rein gar nichts über die Eignung von Frauen für die Technik aus. Vor zehn Jahren hätte ich mich vermutlich selbst noch unterschätzt, heute darf ich hier stehen und zu Ihnen sprechen, dass es – hoffentlich bald – in Zukunft mehr Frauen in die Technik, in die IT oder zur KI zieht.

Ich möchte mir ganz zum Schluss noch erlauben, ein bisschen Facts zu checken, weil mich das wirklich sehr sprachlos gemacht hat, was da teilweise von den Kolleginnen und Kollegen der FPÖ gekommen ist: 

Zu Kollegin Berger: Wir wollen nicht in die Algorithmen eingreifen, die Datenbasis ist das Problem. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ.

Kollege Leinfellner, Sie sollten wirklich einmal googeln, wer da hinter Chat-GPT und anderem steckt. Das wäre sicher ein Bildungsauftrag. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ.) 

Und zur FPÖ: Wenn Sie sich wirklich für die Sicherheit und die Rechte von Frauen einsetzen wollten, dann hätten Sie heute für die Änderung des Waffengesetzes gestimmt. (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].) 

23.18

Präsident Peter Haubner: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Roland Baumann. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Kollege.

 

RN/212

23.18

Abgeordneter Roland Baumann (SPÖ): Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich weiß ja, dass Unbekanntes und Veränderung Angst machen kann, aber mit dem Versuch, aus dieser Angst heraus dieses Thema zu einer Gender- und Migrationsdebatte zu machen, zeigt die Freiheitliche Partei, dass mit ihr in dieser Schockstarre kein Staat zu machen wäre. Das ist der Beweis dafür. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der NEOS.)

Ich bin ganz klar beim Kollegen Elian, der gesagt hat, es sei eine Frage von Wohlstand und Teilhabe. Es geht um die Frage, ob wir in Österreich in Zukunft auch eine funktionierende Wirtschaft und ordentliche, gut bezahlte Arbeitsplätze haben – und das für Männer und Frauen. Warum sage ich das? – Eine schlecht programmierte KI verbraucht bis zu einem Drittel mehr Strom, mehr Energie als eine gut programmierte, und das größte Problem, das die österreichische Wirtschaft gerade hat, sind die Energiepreise. Ihr gefährdet das gerade mit eurer Debatte. 

Gleichzeitig hat man beim AMS gesehen, wozu es führt, wenn ein Chatbot schlecht programmiert ist. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Dieser Chatbot hat strukturell Frauen benachteiligt. (Abg. Schartel [FPÖ]: ... Gender!) Er hat strukturell Männer in die gut bezahlte IT- und Metallindustriebranche geschickt und hat Frauen in die Hotellerie, in das Gastgewerbe und so weiter geschickt – also in Branchen, die strukturell schlechter bezahlt sind. (Abg. Darmann [FPÖ]: KI ... kann eine Kleinstadt mit ...!) Das kann es nicht sein. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Leinfellner [FPÖ].)

Wie funktioniert eine KI? KIs sind Systeme, die mit Daten gefüttert werden. Dann entstehen Muster, und auf Basis dieser Muster werden dann Regeln erstellt und dann werden Vorhersagen und Entscheidungen getroffen. Diese Daten an der Basis kann man beeinflussen, und da ist die Einbindung von Frauen unumgänglich. (Abg. Deimek [FPÖ]: ... auf Trainingsdaten!) Es ist eine rasante Technologieentwicklung, die da gerade passiert, und unsere Organisationen tun sich oft schwer, da mitzukommen. Ja, es wird zu Veränderungen in der Arbeitswelt kommen. Es werden gewisse Tätigkeiten wegfallen, es werden sich welche verändern. Es werden aber auch neue Tätigkeiten hinzukommen. Dazu braucht es auf jeden Fall Maßnahmen, um lebenslanges Lernen und Umschulungen zu ermöglichen. Genau da setzt dieser Antrag auch an. 

Wir haben ja in diesem Haus schon oft diskutiert: Es gibt ein Problem, es gab es in der Vergangenheit. Wir sehen das im Gender-Pay-Gap, wir sehen das in den schlechteren Karrieremöglichkeiten von Frauen und in den Möglichkeiten von medizinischen Behandlungen. Wir dürfen diese Fehler von früher nicht in die Zukunft mitnehmen; und deshalb ist es so notwendig, dass wir diese Technologie, die so irrsinnig viele Möglichkeiten bietet, auch mitgestalten. Da wird es notwendig, dass wir alle zusammenhelfen, dass wir Frauen einbinden, dass wir Frauen diese Möglichkeit geben und somit dafür sorgen, dass wir diese Technologie für eine gleichberechtigte Zukunft (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Wir werden diesen Antrag dem Zuckerberg und dem Elon Musk schicken, damit ...!) nutzen – und für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort Österreich. (Beifall bei der SPÖ.)

23.21

Präsident Peter Haubner: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich glaube, dass ... nächsten UNO-Auftritt Österreich wieder erwähnt wird als ... Ort!)

RN/213

Abstimmung

RN/213.1

Präsident Peter Haubner: Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 198 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „‚She goes AI‘ – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!“ 

Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. (Ruf bei den Grünen: Alle gegen die F! Ruf bei der FPÖ: Das sind die, die der Regierung nicht vertrauen!) – Das ist die Mehrheit, angenommen. (37/E)

RN/213.2

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Lisa Schuch-Gubik, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Maßnahmenpaket zur Erhöhung des Mädchenanteils an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL)“.

Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

RN/213.3

Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen“. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: ... 47 Geschlechter und diese Regierung fixiert sich auf zwei! Das ist so eine Sauerei!)

Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit und damit abgelehnt.