Anfrage 84/M 

Abgeordnete Mag. Martina von Künsberg Sarre (NEOS): Frau Ministerin! Wissenschaft und Forschung sind uns selbstverständlich wichtig, und auch eine gelingende Umsetzung der Hochschulstrategie ist für uns NEOS relevant. 

„Welche Aspekte der Analyse der Hochschulstrategie und aus dem internationalen Feedback sind für Sie am relevantesten?“

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Bitte, Frau Bundesministerin. 

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc: Sie haben vollkommen recht, Frau Abgeordnete: Wissenschaft und Forschung sind zentral. Das spüre ich in Ihrer Tätigkeit als Abgeordnete seit vielen Jahren, aber das gilt natürlich auch für viele andere nicht nur in diesem Haus, sondern auch innerhalb der Regierung als ganz klare Stütze und auch als ganz klare Prämisse. 

Das internationale Feedback zur Hochschulstrategie ist insbesondere auch durch das internationale Sounding-Board des Forwits, das ich in seiner Arbeit besonders hervorstreichen möchte, passiert. Der Forwit hat da, denke ich, wirklich ein sehr divers und mit voller Expertise zusammengesetztes Sounding-Board erstellt und selbst auch eine Analyse vorgenommen, in der es einige Punkte gibt, die durchaus relevant für die Strategie und auch für ihr weiteres Fortkommen sind. Es geht einerseits um eine starke soziale Selektion, die dort angesprochen worden ist, die Hochschul-Governance muss neu diskutiert werden – auch das, denke ich, ist ein wichtiger Punkt –, es geht weiters um prekäre Karriereperspektiven für Wissenschafterinnen und Wissenschafter, eine schwache Datenlage im Bereich der Third Mission sowie eben um Koordinationsprobleme zwischen den Hochschulsektoren. 

Von daher, denke ich, sind das wirklich wesentliche Punkte, die als internationales Feedback in der Strategie zu berücksichtigen sind und die wir auch laufend in die Strategie beziehungsweise in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen einarbeiten. Also aktives Personalmanagement, Reform der Leistungsbewertung – in Zeiten von Paper-Mills ist es natürlich auch relevant, dass man vielleicht andere Faktoren wie Lehre oder eben auch die Third Mission stärker miteinbezieht –, auch der Vorschlag, die Option eines Teilzeitstudiums durchzudenken oder anzuregen – auch darüber, finde ich, lässt sich trefflich diskutieren – und eben dass man hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Sektoren neben guter Kooperation auch zum Beispiel eine klare Profilschärfung vornimmt: All das sind wirklich sehr wertvolle Vorschläge, die wir intensiv zu diskutieren haben.

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wird eine Zusatzfrage gewünscht? – Bitte, Frau Abgeordnete.

Abgeordnete Mag. Martina von Künsberg Sarre (NEOS): Und welche der Bereiche, die Sie jetzt genannt haben, sind aus Ihrer Sicht am dringendsten umzusetzen? Was hat für Sie die höchste Priorität?

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Bitte, Frau Bundesminister.

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc: Also ich denke, einerseits ist die Arbeitsteilung zwischen den Sektoren und die Koordinierung zwischen den Sektoren wirklich wesentlich. Die Zusammensetzung der Personen, die an unseren Hochschulen studieren, der quasi künftigen Studierenden, ist, denke ich, auch ein wichtiger Punkt. Gleichsam müssen die internationale Sichtbarkeit und das internationale Standing unserer wirklich sehr großartigen Wissenschafts- und Forschungsleistungen weiter gestärkt werden. Das sehe ich als zentrale Punkte, und natürlich auch – in sozusagen die Inhalte gehend –, darüber zu diskutieren, wie und welche Rolle unsere Hochschulen einnehmen müssen, was auch letzten Endes bei den Absolventinnen und Absolventen ankommen soll. Future-Skills sind da zum Beispiel auch immer wieder so ein Punkt, um Herausforderungen nicht nur der heutigen Zeit zu bewältigen, sondern zukunftsfit zu sein. Ich denke, auch das ist wesentlich, dass man letzten Endes als Absolventin, als Absolvent auch etwas in der Hand hat, was im Hinblick auf das Reüssieren am Arbeitsmarkt oder bei den weiteren Karriereschritten tatsächlich hilft.

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Die nächste Zusatzfrage kommt von Frau Abgeordneter Petra Oberrauner. – Bitte, Frau Abgeordnete.

Abgeordnete Mag.a Dr.in Petra Oberrauner (SPÖ): Vielen Dank. – Geschätzte Frau Ministerin! Ich möchte Sie gerne fragen, welche Schritte unternommen werden müssen, um Österreich zu einem attraktiven Zielort für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu machen.

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner, BSc: Ein ganz wichtiger Punkt: Karrierewege müssen definitiv verlässlich und transparent sein. 

Wir sehen natürlich auch im wissenschaftlichen Bereich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch befristete Kettenverträge, fehlende Laufbahnperspektiven und vieles mehr eine Unsicherheit verspüren, wie ihr Karriereweg verlaufen kann. Da auch zum Beispiel eine Reduktion von befristeten Stellen vorzunehmen, insbesondere im Postdoc-Bereich, ist definitiv ein Ziel. Ich weiß, dass da auch einige Universitäten schon durchaus auch eigenständig nicht nur Initiativen gesetzt haben, sondern in den eigenen Strukturen auch andere Perspektiven schaffen oder auch Karrieremöglichkeiten eröffnen wie zum Beispiel die Universität Salzburg oder auch die Boku, die an manchen Instituten für drittmittelfinanzierte Mitarbeiter:innen zum Beispiel Überbrückungsfonds anbieten. Die Universitäten sind da also sehr innovativ und versuchen, Lücken zu schließen, die es aktuell gibt, um eben auch Karriereperspektiven aufzuzeigen. 

Was wir als Österreich auf jeden Fall auch unterstützen, ist das Credo der Kommissarin Ekaterina Sachariewa, die für Forschung zuständig ist, dass die Europäische Union der attraktivste Ort für Forscher:innen bis 2030 werden soll – global gesehen. Da unterstützen wir mit verschiedenen Maßnahmen auf europäischer Ebene, damit das eben auch in Österreich ankommt und für Österreich auch Nutzen bringt. Ich bin nämlich absolut davon überzeugt: Wir haben einen exzellenten Wissenschafts- und Forschungsstandort. Wir brauchen uns da nicht zu verstecken. Wir müssen international definitiv noch sichtbarer werden, können aber schon auf großartige Infrastruktur und exzellente Personen mit Leidenschaft, Neugier und Kreativität aufbauen und setzen. Das ist wirklich ein irrer Schatz, den wir hier in Österreich haben. 

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Wir gelangen nun zur 5. Anfrage, 90/M, das ist jene von Frau Abgeordneter Meri Disoski. – Bitte, Frau Abgeordnete.