RN/86

16.11

Abgeordnete Mag. Meri Disoski (Grüne): Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Können Sie sich daran erinnern, wie es war, das erste Mal verliebt zu sein, wie es war, als Sie das erste Mal gemerkt haben, dass es diesen einen Menschen gibt, an den Sie immer denken müssen? Und wissen Sie, wie es war, als Sie zum ersten Mal Ihrer Freundin, Ihrem Freund oder Ihren Eltern davon erzählt haben? – Ich sehe lächelnde Gesichter, weil das für die meisten von uns eine schöne Erinnerung war oder ist. Das ist aber nicht für alle Menschen so, weil nicht alle gehört haben: Wow, schön, ich freue mich voll, dass du verliebt bist, toll! Manche haben gehört: Du bist nicht normal, das kann man reparieren! Das kann man heilen!

Genau darüber reden wir heute, genau darüber – nicht über geschlechtsangleichende Operationen, sondern über sogenannte Homoheilungen. Wir reden über – unter Anführungszeichen – „Homoheilungen“. (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Lindner [SPÖ].)

Und bitte schön, schon das Wort alleine ist doch absurd, denn ich kann jemanden nur heilen, wenn er oder sie krank ist – aber seit wann ist Liebe oder Verliebtsein, seit wann ist die eigene Identität eine Krankheit? Seit wann bitte?! – Das ist keine Krankheit, aber trotzdem gibt es in Österreich im Jahr 2026 kein Verbot dieser Therapien. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich finde, das ist eine Schande. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es ist eine Schande – wir haben es von den Vorrednerinnen und Vorrednern gehört –, weil wir schon lange wissen, wie schädlich diese Praktiken sind. Das braucht man nicht zu erheben, wir wissen das. Darum hat sich ja dieses Parlament schon zweimal dafür ausgesprochen, dass es verboten wird, wenn Scharlatane, selbst ernannte Expert:innen, Exorzisten, weiß der Teufel was, Wunderheiler:innen Menschen ihre Identität wegexorzieren wollen. Darüber sprechen wir, darum geht es! Es geht darum, dass dubiose Beraterinnen und Berater queeren Menschen erklären: Dein Gaysein, dein Transsein kann man wegtherapieren! Darüber reden wir heute. Und genau deshalb hat dieses Haus zweimal sehr klar gesagt: Wir wollen das verbieten! Warum aber gibt es dieses Gesetz noch immer nicht? Wieso nicht? Wieso haben wir das nicht beschlossen?

Stellen Sie sich das bitte einmal umgekehrt vor! Stellen Sie sich vor, ich würde hier stehen und behaupten, Heterosexualität ist eine Krankheit, aber, keine Sorge, die gute Nachricht ist: Das kann man behandeln, das kann man heilen, das kann man wegexorzieren! Und stellen Sie sich vor, es gäbe Vereine, die mit diesem Schwachsinn Geld machen. Stellen Sie sich dann noch vor, der Staat würde sagen: Ja, kann eh sein, das ist ein bisschen deppert, das ist ein Problem, aber es ist so schwierig, das zu lösen, wir bemühen uns eh seit Jahren! Würden Sie das akzeptieren? – Keine einzige Sekunde würden Sie das akzeptieren, und das völlig zu Recht. Warum akzeptieren Sie das dann bei queeren Menschen? Das ist die eigentliche Frage in dieser Debatte. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Kollege Lindner, lieber Mario, ich weiß, dass dir dieses Thema sehr wichtig ist, ich weiß, du bist ein echter Kämpfer und ein auch wirklich solider Verbündeter in der Community, aber irgendwann, muss ich ganz ehrlich sagen, reicht es auch nicht mehr, wenn die SPÖ – trotz aller Beteuerungen – die Justizministerin stellt, die für Gleichstellung zuständige Ministerin stellt, aber die Community trotzdem nicht besser geschützt wird. Bitte macht endlich etwas, wegducken hilft nicht! (Beifall bei den Grünen.)

RN/86.1

Und, Herr Klubobmann Shetty, ich habe es in der Debatte – fast hätte ich gesagt – schon vermisst, Sie haben ja zu Beginn, als diese Regierung sich gebildet hat, sehr vollmundig vom größten LGBTIQ-Paket in der Geschichte der Zweiten Republik, das jetzt kommt, weil die NEOS in der Regierung sind (Abg. Voglauer [Grüne]: Enttäuschend! – Abg. Stögmüller [Grüne]: Null!), gesprochen (eine Tafel mit einem Foto von Abg. Shetty und der folgenden Aufschrift auf das Redner- und Rednerinnenpult stellend): „Endlich eine Regierung, die LGBT-Rechte ernst nimmt! Wir halten unser Versprechen und bleiben ein verlässlicher Partner der Community.“ (Abg. Stögmüller [Grüne]: Enttäuschend!)

Wissen Sie, Herr Klubobmann Shetty, was dieses größte Paket bislang gebracht hat? – Content für einen Instagram-Account, Video um Video um Video. Alle in der Community haben wir das gesehen. Wissen Sie aber, was es nicht gebracht hat? – Konkreten Schutz für die Community, und das ist wirklich so enttäuschend, insbesondere von Ihnen. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Tomaselli [Grüne]: Genau, genau! – Ruf bei den Grünen: Genau!)

Und damit bin ich auch bei der ÖVP. Kollegin Bogner-Strauß, du weißt, ich schätze dich persönlich sehr, aber auch du hast wieder betont, seit Jahren bemühe sich die ÖVP, man arbeite daran. Bitte hört doch auf, der Community Sand in die Augen zu streuen! Die Wahrheit ist, in euren Reihen – und ich hoffe, die Richtigen fühlen sich angesprochen – sitzen immer noch ewiggestrige Menschen, die bei den Rechten von queeren Personen auf der Bremse stehen. (Abg. Voglauer [Grüne]: So enttäuschend!) Das ist die Wahrheit! 

Und ich frage mich wirklich: Warum tun Sie das den Betroffenen an, warum verhindern Sie diesen dringenden Schutz? Das ist einfach eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die sofort abgeschafft gehört. Das ist es! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Jede und jeder Einzelne von Ihnen, die Sie heute hier sitzen, jede und jeder Abgeordnete kann unserem Antrag zustimmen, Farbe bekennen, Regenbogenfarbe bekennen und zeigen, ob sie, ob er wirklich für oder gegen den Schutz der Community ist.

Am Samstag bei der Pride in Wien werden Hunderttausende Menschen für Respekt, für ihre Rechte auf die Straße gehen. Da werden ganz viele junge Menschen mit dabei sein, ganz viele junge Menschen, die vielleicht gerade herausfinden, wer sie sind; viele junge Menschen, die sich vielleicht gerade zum ersten Mal verlieben und die sich die Frage stellen, die sich auch viele andere Generationen vor ihnen gestellt haben: Darf ich eigentlich so sein, wie ich bin? Und die Antwort darauf lautet: Ja, ohne Wenn und Aber! An queeren Menschen gibt es nichts zu reparieren, wir sind wunderbar und toll, so wie wir sind! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.16

Präsident Dr. Walter Rosenkranz: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.