RN/98

14.10

Abgeordneter Mario Lindner (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herzlich willkommen zum Lieblingsthema der FPÖ: Gendern! – Und für alle, die Gender nicht interessiert: Das zweite Lieblingsthema der FPÖ kommt heute auch noch, nämlich Impfen. (Rufe bei der FPÖ: Was?) – Impfen. 

Schauen wir uns aber einmal ganz kurz die Genderlogik der FPÖ an, schauen wir uns einige Beispiele an: Meine sehr geehrten Damen und Herren, stellen Sie sich vor, Sie sind 1,80 groß, Sie haben circa 85 Kilo und Sie sind weiß. – Herzliche Gratulation, denn wenn Sie diese Maße haben, dann gehören Sie zu den bestens erforschten Menschen. 

Es gibt nur einen Haken: Das gilt nur, wenn Sie ein Mann sind. Darum reden wir zum Beispiel über Gendermedizin. Frauen sind nämlich keine kleinen Männer (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Frauen sind überhaupt keine Männer!), und darum wissen wir schon lange: Es braucht Gendermedizin (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie bei Abgeordneten der ÖVP), um die medizinischen Auswirkungen, Bedürfnisse für die Frauen und Männer anzuschauen und zu erforschen. Wir wollen nämlich die beste Medizin für Frauen und Männer. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Es geht um Schulen! – Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Es geht um Schulen!)

Aber: Worum geht es der FPÖ wirklich? Worum geht es, wenn Sie sich über Gendermedizin aufregen? (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Frau Präsidentin, können Sie ihn auffordern, dass er zum Thema spricht? Wäre das einmal was?) – Darum, das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem zusammenzuschießen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Das ist der wahre Grund, das ist das, worum es Ihnen wirklich geht (Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Zur Sache!): Jene, die es sich leisten können, sollen die beste medizinische Versorgung bekommen (Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Es geht um Schulen!), die, die es sich nicht leisten können, haben Pech gehabt. (Abg. Steiner [FPÖ]: Zur Sache!) – Regt euch nicht so auf, ich komme schon noch zur Bildung! (Rufe bei der FPÖ: Zur Sache! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Na Sie dürfen da draußen machen, was Sie wollen! – Abg. Steiner [FPÖ]: Hauptsache ein SPÖler darf da draußen machen, was er will! Sehr objektiver Vorsitz, sehr objektiv!) 

Meine Damen und Herren, ich zitiere: „Ich bin keine Gesundheitsexpertin, aber Ökonomin. Als solche will ich das effizienteste Gesundheitssystem mit den bestmöglichen Leistungen. Aber bei uns bekommt jeder volle Leistung auch bei Teilzeit.“ – Wer sagt das? – Barbara Kolm von der FPÖ im „Kurier“. 

Damit sind wir wieder beim bösen Thema Gendern, denn: Wer arbeitet vor allem in Teilzeit? – Richtig, meine Damen und Herren, es sind Frauen. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].) Das heißt, ihr wollt wieder einen Unterschied im Gesundheitssystem verschärfen (Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Reden Sie endlich zur Sache?), nämlich jenen zwischen Frauen und Männern. (Beifall bei der SPÖ.)

Nächstes Beispiel: Gender-Pay-Gap – das nächste böse Wort. Worum geht es? – Die Lohnschere zwischen Frauen und Männern zu schließen. Wer will das nicht? – Richtig: die FPÖ, weil da geht es ja um das böse Gendern. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Einen tollen Vorsitz haben wir da!) 

Nächstes Thema: Gender-Pension-Gap – das nächste böse Wort. Worum geht es? – Die Lohnschere zwischen Pensionistinnen und Pensionisten zu schließen. Wer will das nicht? – Richtig: die FPÖ, weil da geht es ja um das böse Thema Gendern. 

Jetzt kommen wir zum Thema Bildung (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ah, Sie kommen eh schon zum Thema!): Worum geht es der FPÖ in dem Antrag? Um das sogenannte Gendersternchen? – Ich glaube nicht. Ihr wollt schlicht und einfach ein Bildungssystem, das sich ausschließlich am sogenannten starken Mann ausrichtet (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Na die Frau Präsidentin hat ein Problem mit jungen Frauen, nicht wir!); ein Bildungssystem, in dem man nicht mehr über Geschlechtergerechtigkeit reden darf; ein Bildungssystem, in dem der Mann der Hackler ist und die Frau sich daheim um die Kinder kümmert; ein System, das jungen Männern vermittelt, sie können sich alles nehmen, wenn sie nur wollen, weil sie die Stärkeren sind. 

Kurz gesagt: Euch geht es nicht um die Schreibweise in Schulbüchern, ihr wollt einfach das Bildungssystem in die Fünfzigerjahre zurückschrauben, und das wollen wir nicht. Wir wollen die beste Bildung für alle Kinder. (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie der Abg. von Künsberg Sarre [NEOS]. – Abg. Steiner [FPÖ]: Sind Sie bei der „Tagespresse“?) 

Gender – Englisch für Geschlechter –: Wir wollen Gleichberechtigung (Abg. Schartel [FPÖ]: ... für die Frauen verbessern?), wir wollen Geschlechtergerechtigkeit, wir wollen Gleichbehandlung. 

Mit diesen Anträgen macht ihr klar, was ihr wollt: mit allen Mitteln den rechten Kulturkampf befeuern (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wir machen keinen Kulturkampf, Herr Kollege! Wir wollen unsere Sprache verständlich machen!), und das ist euch mit allen unappetitlichen Möglichkeiten, die euch zur Verfügung stehen, gewiss. Es geht euch aber in Wahrheit nicht um Bildung, genauso wenig wie es euch um gute Gesundheit, faire Löhne oder sichere Pensionen geht, ihr wollt nur eines, nämlich Menschen gegeneinander ausspielen, und das ist auch nur eines: grausliche Politik. (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie der Abg. von Künsberg Sarre [NEOS]. – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ]. – Ruf bei der FPÖ: Eine schlechte Rede!

14.14

Präsidentin Doris Bures: Als Nächste: Frau Abgeordnete Meri Disoski

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.