Bundesrat Stenographisches Protokoll 621. Sitzung / Seite 42

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beihilfen geben soll, aber der Ausgleich in Form eines Berufsausbildungsfonds ist sicher absolut notwendig.

Ich habe auch schon darauf hingewiesen, daß neben der geringen Ausbildung der Frauen auch der traditionelle Verlauf dieser Ausbildung ein ganz gravierendes Hemmnis ist. Es ist noch immer so, daß sich der Großteil der Frauen auf drei Lehrberufe nämlich Einzelhandel, Büro und Friseurin beschränkt. Ich möchte diese Berufsgruppen keinesfalls abwerten, aber wir wissen, daß es dort schlechte Arbeitsbedingungen gibt und die Bezahlung auch nicht so ist, daß eine Existenz damit bestreitbar ist. Aufstiegschancen gibt es in diesen Bereichen keine. Flexibel sind sie vielleicht, das mag schon stimmen.

Eine ähnliche Situation finden wir auch im Bereich der qualifizierten Ausbildung vor, denn auch im Bereich der universitären Ausbildung gibt es geschlechtsspezifische Konzentrationen, und trotz der steigenden Zahlen weiblicher Studierender konzentrieren sich Frauen noch immer auf die humanwissenschaftlichen Zweige und sind in der technischen Ausbildung kaum anzutreffen.

In Handelsschulen ist der Frauenanteil noch immer, über Jahre hinweg, doppelt so hoch wie jener der Männer, in technischen und gewerblichen Schulen stehen nur rund 9 000 Frauen 36 000 Burschen gegenüber.

Ich habe schon gesagt, daß in diesem Zusammenhang die Schaffung eines Berufsausbildungsfonds die Situation hilfreich beeinflussen kann, vor allem ist aber auch die Beratung und Förderung junger Frauen in die Richtung, nichttraditionelle Berufe zu ergreifen, sehr wichtig.

Ich bitte um Verständnis, daß ich heute doch ein bißchen Ansprüche an Ihre Zeit stellen muß, aber ich denke, daß es, davon ausgehend, daß 53 Prozent der Bevölkerung Frauen sind, gerechtfertigt ist, dieses Ansinnen zu stellen. Ich werde mich jedoch jetzt kurz halten, weil über Einkommen immer wieder diskutiert wird und dieses Thema auch im Bericht sehr ausführlich behandelt wird.

Zum Thema Einkommen nur einige Bereiche: Zunächst der grundsätzliche Hinweis darauf, daß es, teilzeitbereinigt, noch immer so ist, daß Frauen ein Drittel weniger als Männer verdienen.

Zum Thema Mindesteinkommen unter 12 000 S auf der Grundlage der Zahlen von 1994: Es gab im Jahr 1994 195 000 Frauen, die weniger als 12 000 S verdienten, und es sind im Jahr 1995 erfreulicherweise etwas weniger, nämlich 160 000. Hier können wir mit Stolz sagen auch wenn die Zahlen noch nicht unseren Vorstellungen entsprechen , daß bei den Kollektivvertragsabschlüssen doch die Politik der Mindestlöhne zum Tragen kommt. In der Gesamtheit sind es im Jahr 1995 aber noch immer 240 000 Menschen in Österreich davon 160 000 Frauen , die mit weniger als 12 000 S brutto auskommen müssen.

Dem sei jene Zahl der Beschäftigten gegenübergestellt, die über der Höchstbemessungsgrundlage verdienen. Da schaut die Situation dann umgekehrt aus. Es sind 7,2 Prozent der unselbständig Beschäftigten, die über der Höchstbemessungsgrundlage berechnet mit 37 800 S liegen, und zwar 36 000 Frauen und 191 000 Männer. (Bundesrat DDr. Königshofer: Das ist die Bilanz von 26 Jahren SPÖ!)

Sie hätten sicher in diesen Jahren auch Gelegenheit dazu gehabt. Ich möchte mir jetzt wirklich jede subjektive und wahrscheinlich nicht sehr faire Bemerkung verkneifen, denn Ihre Arbeit für Arbeitnehmer hat sich nach meiner Einschätzung auf zugegeben plakative Forderungen beschränkt, aber in der Praxis haben wir von Ihren Arbeitnehmervertretungen noch nie etwas gespürt. (Beifall bei der SPÖ. Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates DDr. Königshofer. Bundesrat Dr. Rockenschaub: Sie haben es uns ja verboten!)

Nun zum unter Anführungszeichen "Einkommen" der Arbeitslosen. Die mittlere Höhe des Arbeitslosengeldbezuges einschließlich Familienzuschlägen liegt für 1995 für Frauen bei 7 500 S, für Männer bei rund 10 000 S. Ich möchte diese Zahlen ganz einfach so im Raum stehen lassen, denn es bleibt jedem selbst überlassen, zu beurteilen, wie man mit solchen


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