Bundesrat Stenographisches Protokoll 650. Sitzung / Seite 141

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Gastronomie einfordern, damit in erster Linie regional produzierte Qualitätsprodukte verarbeitet und angeboten werden.

Noch etwas zur Sozial- und Urlaubssituation in den bäuerlichen Betrieben mit Viehhaltung. Wir haben in den letzten Tagen einige  unter Anführungszeichen  "tragische" Bilder von eingeschneiten Urlaubern gesehen, die uns der ORF präsentiert hat. Mein Mitleid hat sich in Grenzen gehalten, denn man wird es schon aushalten, nach 14 Tagen Urlaub noch drei Tage auf das Nach-Hause-Fahren zu warten. Aber es hat noch niemand dargestellt, was es heißt, wenn man Viehhaltung betreibt, bei diesen Witterungsbedingungen, bei diesen Temperaturen täglich frisches Futter zu bereiten, bei diesen Voraussetzungen und diesen Temperaturen täglich dafür zu sorgen, daß die Wasserleitungen nicht zufrieren, daß die Tiere frisches Wasser bekommen, und dann noch die tägliche Arbeit zu leisten  all das nicht fünf Tage in der Woche, sondern sieben Tage in der Woche, und zwar den ganzen Winter lang. Im Sommer ist es bei den umgekehrten Temperaturen dasselbe. (Beifall bei der ÖVP sowie Beifall der Bundesrätin Haunschmid. )

Ich glaube, man müßte auch von seiten der offiziellen Berichterstattung, des ORF, neben dem großen "Urlauberleid" auch manchmal den Blick auf die Realität in der Land- und Forstwirtschaft richten! Für die Schneeräumdienste ist es gemacht worden.

Ich darf noch auf die Punkte der § 7-Kommission hinweisen  erneuerbare Energie, Vorsteuerpauschale, Sockelbetrag , die an und für sich alle schon angesprochen wurden. Sehr interessant ist auch die Empfehlung für das Jahr 1998 betreffend Erfassung und Darstellung des Arbeitseinsatzes in der Land- und Forstwirtschaft. Ich denke, das sind sehr interessante Punkte, die bereits agrarpolitisch eingefordert wurden.

Ganz kurz noch einige Anmerkungen zum Waldbericht. Herr Kollege Liechtenstein hat schon das Wesentliche gesagt. Zu den Umweltschäden, den Verbißschäden ist zu sagen, daß es gerade mit der Festlegung der Abschußpläne durch die regionalen Bezirksjagdausschußkommissionen gelungen ist, eine sehr gute Verbindung zur Praxis herzustellen und damit sehr praxisgerechte Abschußpläne zu erstellen, da mit den Weiserflächen vor Ort die praktische Kontrolle möglich ist. Ich denke, das hat sich in der Praxis sehr gut bewährt. Aber es ist unfair, bei Verbißproblemen, bei Schälproblemen, bei Fegeproblemen stets sofort immer nur von zu hohem Wildbestand und nicht über die Wildbeunruhigung zu sprechen, die durch vermehrte Freizeittätigkeiten immer häufiger verursacht wird.

Eine kurze Anmerkung zur Situation bei den Tannen: Natürlich ist hauptsächlich die Tanne durch die Verbißschäden gefährdet. Es muß aber auch erwähnt werden, daß es ein Riesenproblem bei der Vermarktung der Tanne gibt. Man müßte einmal dafür sorgen, daß der Preis der Tanne mit jenem der Fichte gleichzieht. Sie ist beim Verkauf nach wie vor um zirka 100 bis 150 S billiger als die Fichte. Ich glaube, auch das ist ein großes Handikap.

Außerdem ist noch die Gmundner Resolution zu erwähnen, welche anläßlich einer hervorragenden internationalen Tagung in Gmunden unter der Leitung unseres Landwirtschaftsministers erfreulicherweise beschlossen wurde. In dieser wurde die Förderung der nachwachsenden Energie festgeschrieben und eine 2prozentige Beimischrate von Biosprit vorgeschlagen. Ebenfalls sollte man überlegen, die Durchforstungsrückstände, die in den Wäldern vorhanden sind, über die zusätzliche Errichtung von Hackschnitzelheizungen verstärkt zu vermarkten, sodaß sinnvolle Energiekreisläufe geschlossen werden.

Zuletzt möchte ich noch sagen: Wir sollten, wie heute vom Minister bereits erwähnt wurde, nicht immer vom Ende der Landwirtschaft reden  mir kommt das so vor wie bei einigen "Propheten" im Sektenbereich, die immer wieder vom Weltuntergang sprechen, der regelmäßig oder unregelmäßig alle zehn Jahre stattfindet (Bundesminister Mag. Molterer: Und nie kommt!) und nie kommt , sondern unseren Bauern Mut für die Zukunft machen. Das ist kein Zweckoptimismus, da ich davon überzeugt bin, daß eine funktionierende Landwirtschaft einen wesentlichen Bestandteil einer funktionierenden Volkswirtschaft darstellt. Die österreichischen Bauern decken für


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