Bundesrat Stenographisches Protokoll 653. Sitzung / Seite 141

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Da die Freiheitlichen noch keinen Bundesrat aus dem Burgenland haben, habe ich die Ehre und die Aufgabe, etwas über den Nationalpark Neusiedler See zu erzählen. Das mache ich um so lieber, da ich gerne selbst zu diesem Nationalpark fahre, weil ich auch zu den Surfern gehöre  zwar nicht zu den Weltklassesurfern, aber man bemüht sich trotzdem, daß etwas aus dem Sport wird.

Die Kollegen Linzer und Payer haben schon ausführlich über den Nationalpark gesprochen. Ich möchte nur kurz erwähnen, daß wir hier ein international einmaliges Projekt haben, bei dem es gelungen ist, die verschiedensten Interessen unter einen Hut zu bringen, nämlich die Interessen des Tourismus, die Interessen der Forschung, die Interessen der Landwirtschaft, die Interessen der Jägerei, aber auch die Interessen der Fischerei. Das ist mir um so wichtiger und für mich um so bedeutender, als ich aus einer Gegend komme, wo ein anderer Nationalpark in Diskussion steht, wo es diesen Nationalpark Donau-Auen auch gibt, bei dem es aber leider nicht gelungen ist, all die erwähnten Interessen so gut unter einen Hut zu bringen wie beim Nationalpark Neusiedler See.

Meine Damen und Herren! Herr Kollege Payer hat schon erzählt, wie schwierig es war, diesen Nationalpark einzurichten. Folgendes möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, Herr Kollege Payer: Es gab im Jahre 1972 Pläne des damaligen Landeshauptmannes Kery, eine Brücke, eine Autobrücke über den Neusiedler See zu bauen. Wir können froh und dankbar darüber sein, daß es gelungen ist, dieses Projekt zu verhindern.

Als junger Mensch bin ich sehr froh darüber, daß dieser herrliche Flecken Natur nicht verbaut wurde und uns für die Zukunft erhalten bleibt. Deshalb werden wir Freiheitliche natürlich gerne diesem Gesetz unsere Zustimmung geben. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Bundesräten von ÖVP und SPÖ.)

18.40

Präsident Gottfried Jaud: Nächster Redner ist Herr Bundesrat Engelbert Schaufler.  Bitte. (Bundesrat Hensler: Wie sich die Fischamender am Neusiedler See auskennen!)

18.41

Bundesrat Engelbert Schaufler (ÖVP, Niederösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Verehrte Damen! Geschätzte Herren! Jemand, der den Neusiedler See, den größten Steppensee Europas, auf der Landkarte betrachtet und vielleicht zwischen der Bundeshauptstadt und dem angesprochenen See wohnt, weiß, wovon man nun sprechen wird, nämlich vom liebevoll so genannten "Meer der Wiener". Ich freue mich wirklich darüber, daß bezüglich der Frage um diesen Nationalpark zwischen allen hier vertretenen Fraktionen Konsens besteht. Es ist ein einmaliges Kleinod unseres gemeinsamen Staates Österreich, das wir schätzen müssen und das auch immer geschätzt wurde.

Es wurde natürlich schon in der Zeit nach 1950, als sich Österreich wirtschaftlich enorm entwickelte, die Frage gestellt: Wird dieser See, der  obwohl flächenmäßig sehr groß  nicht zu den tiefsten gehört, alles verkraften können, was man ihm zumutet? Die Möglichkeiten, Urlaub zu machen, waren für die Menschen damals noch nicht so weitreichend wie heute. Heute ist eine Reise auf die Malediven beinahe ein Wochenendausflug! Dazumal war die Situation aber anders, man freute sich, wenn man vielleicht einmal im Monat ein Wochenende am Neusiedler See verbringen konnte, ja verbringen durfte.

Aber der Druck des Tourismus wurde größer und größer! Daß in den Jahren 1970 bis 1972 dieses Naturjuwel noch so vorhanden war, daß es sich lohnte, darüber nachzudenken, ob es grundsätzlich geschützt werden kann  etwas, für das natürlich immer mit viel Aufwand ein Konsens erzielt werden muß, weil verschiedene Interessen aufeinander prallen , und daß das auch gelungen ist, ist großartig! Wir sollten aber in dieser Stunde, in der der Vertrag eigentlich nur verlängert beziehungsweise erweitert wird, die Flächen vergrößert werden, doch eine Minute innehalten und darüber nachdenken, warum es im Jahre 1970 und dann später, 1992, diese Fläche in der schützenswerten Form noch gegeben hat.


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