Bundesrat Stenographisches Protokoll 679. Sitzung / Seite 173

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Man hat mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten  was man politisch als Erfolg verkauft hat; Stichwort: frei, ungebunden, Mobilität  natürlich auch vieles, was in jahrelanger Aufbauarbeit geschaffen wurde, in Frage gestellt. Stichwort: Lenzing AG  ich brauche nichts hinzuzufügen. Dort hat man den angenehmen Schichtbus gehabt; das war eine äußerst soziale Einführung, vom Betrieb finanziert. Dieser Bus war durch die Einführung der gleitenden Arbeitszeit nicht mehr zu halten, auch nicht mit Unterstützung der Gemeinden. Das sind Beispiele, für die man nicht diese Regierung verantwortlich machen kann.

Ein Kollege hat heute auch die Handschlagqualität angesprochen.  Jawohl, Bundeskanzler Vranitzky war bei uns in Lenzing vor Ort, als wir im Zuge der Lyocell-Ansiedlung in Heiligenkreuz im Burgenland die Demonstrationen mit den Arbeitnehmern gehabt haben.  Jawohl, es wäre Handschlagqualität gewesen, wenn das, was uns in Vöcklabruck in der Lenzing AG versprochen wurde, auch gehalten worden wäre! Aber bekanntlich haben die Geldgeber im Hintergrund andere Interessen gehabt.

Meine Damen und Herren! Sprechen wir von Handschlagqualität, und reden wir davon, was die Fakten sind, und nicht darüber, wie es zu sein scheint! Eine gewisse Realitätsverweigerung kann ich Ihnen hier in der Diskussion nicht absprechen. Man muss die Entwicklung zur Kenntnis nehmen. So, wie ich bisher nur im landwirtschaftlichen Bereich aufgezeigt habe, welche Auswirkungen das Konsumverhalten auf die betroffenen Gruppen hat, muss man das Konsumverhalten auch in anderen Bereichen ansprechen.

Kollege Schennach ist zu Recht auch um die Greißler, um die kleinen Kaufläden und Geschäfte besorgt. Aber wissen wir auch, was die tägliche Praxis ist?  Man braucht nur zum Beispiel in Linz in der UNO-City vorbeizuschauen und interessehalber zu zählen, wie viele Vöcklabrucker Autonummern man dort findet. Es ist einfach im Familienkreis, im Bekanntenkreis, im Freundeskreis modern geworden, auf Shopping-Tour zu gehen  Stichwort: das Erlebnis "Shoppen".

Wir sind zwar sehr sensibel, wenn der Gendarmerieposten fünf Kilometer weiter aufgelassen wird, aber sonst spielen die Grenzen keine Rolle, die beachtet man gar nicht. Sie brauchen nur einmal zu Pfingsten in Richtung Ungarn zu fahren! Vierspurige Autostraßen sind verstopft.  Daran sieht man, wie differenziert hier über diese Dinge diskutiert wird. (Bundesrat Konecny: Der Bauernbund ...!)   Der Bauernbund hat beim abgestuften Bevölkerungsschlüssel beim Finanzausgleich klare Position bezogen, Herr Kollege! (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich darf ein weiteres Beispiel betreffend die Häuselbauer bringen.  Da wird aus dem Bezirk Vöcklabruck nach Linz zu "Hornbach" gefahren oder zu anderen Einkaufsriesen, die sich dann rühmen, wie viele Arbeitsplätze von ihnen geschaffen wurden, aber nicht dazusagen, wie viele Arbeitsplätze in der kleinen Struktur, im gewerblichen Bereich vernichtet werden, wenn ein solches Riesen-Möbel-Center in ein Ballungszentrum kommt, wie viele Tischler, wie viele Bodenleger, wie viele Tapezierer, wie viele Malermeister ihren Beruf, ihre kleine Firma aufge-ben müssen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Das ist nichts anderes als Zentralisierung! (Bundesrat Gasteiger: Wer ist denn für die Erweiterung der Öffnungszeiten?!  Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Herr Kollege! Ein weiteres Beispiel: Es wurden sogar die Rechtsanwälte angesprochen. Ich darf Ihnen ein Beispiel von voriger Woche bringen. Ein junger Mitarbeiter aus einem Notariat ist im Rahmen meines Sprechtages zu mir gekommen und hat gesagt, er sieht in seinem Beruf keine Zukunft mehr. Wenn nämlich in Zukunft sogar Grundgeschäfte mit notarieller Beglaubigung über das Internet abgewickelt werden können, dann ist natürlich für einen Notar kein Markt mehr gegeben. Man darf an der Realität nicht vorbeigehen: Diese Errungenschaften, derer wir uns so rühmen, haben natürlich, wie jede Medaille, zwei Seiten.

Nächstes Beispiel: Post, Internet-Zugang.  Wenn ich heute über Internet täglich zu jeder Tageszeitung Zugang habe, dann wird die Zustellung der Zeitung bald nicht mehr zur Arbeit des Briefträgers gehören. Ich frage Sie außerdem, ob nicht die Jugend, die jüngere Generation heutzutage lieber ein SMS verschickt oder ein kurzes Telefonat führt, als einen persönlichen


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