BundesratStenographisches Protokoll743. Sitzung / Seite 60

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ten Winters, von dem viele sagen, dass er gar keiner war – und der immer deutlicher sichtbar werdenden Klimaveränderungen evaluierungsbedürftig.

Wir kennen natürlich die These: Es ist nicht eine Frage, ob man sich Schneekanonen leisten kann, sondern ob man es sich leisten kann, keine Schneekanonen zu haben. Aber ob sich mit weißen Bändern in brauner Natur auf die Dauer das Feeling der Win­tergäste ohne winterliches Ambiente erhalten lässt, das darf mit Recht bezweifelt wer­den. (Ruf bei der ÖVP: Was ist die Alternative?) Es wird hier mit Sicherheit zu geopoli­tischen Selektionen kommen müssen, weil der Skitourismus auf Dauer dort stattfindet, wo Winter ist. Das heißt also: Winterlandschaft unterstützend, aber nicht Winterland­schaft erzeugend. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Damit bin ich beim Begriff der Saisonen. Die Tourismus- und Freizeitbranche spricht immer von Wintertourismus und Sommertourismus, von Wintersaison und Sommersai­son. Ich halte das, Kolleginnen und Kollegen, für etwas antiquiert. Ausgehend von der Wirtschaftlichkeit der Beherbergung: Die Sommersaison hat üblicherweise etwa 100 bis 120 Tage, die Wintersaison etwa 90 bis 100 Tage; das heißt, es sind insgesamt maximal 220 Tage. Wenn wir eine hundertprozentige Auslastung in der Saison hätten, wären das 220 Tage. Da sind wir sozusagen genau am Schnittpunkt der Wirtschaftlich­keit der Beherbergungsbetriebe, nämlich dort, wo sich das Ganze zu rentieren beginnt.

Das ist meiner Meinung nach auch die Ursache für die Probleme in den Drei-Stern-Betrieben, in der Drei-Stern-Kategorie, in der wir mit Problemen zu kämpfen haben und in der fast ausschließlich Familienbetriebe überleben. In den so genannten Vier- und Fünf-Stern-Kategorien, insbesondere in der Fünf-Stern-Kategorie, bei den Wellness- und Gesundheits-Tempeln, ist eine wesentlich bessere Auslastung zu erzielen. Das zeigt sich nicht nur deshalb, weil der Komfort ein besserer ist, sondern auch, weil dort ein Ganzjahresangebot vorhanden ist, und das ist der wesentlichere Punkt als der der Dienstleistung.

Dasselbe zeigt sich dann bei den Beschäftigten: immer mehr Saisonniers, immer we­niger Österreicherinnen und Österreicher. Kollegin Fröhlich, du hast bereits erwähnt, dass es immer weniger sind, die in der Tourismusbranche ihre Arbeit suchen. Die Hauptursache ist die Unterbezahlung. Wir haben hier eine Spirale, die in der Dienst­leistung verheerend ist: Wenn wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Bran­che nicht ausreichend entlohnen, werden wir keine adäquate Dienstleistung bekom­men und die Wirtschaftlichkeit wird wieder gedrückt.

Deshalb ist es hier ganz wesentlich – und das ist heute von meinem Kollegen Preiner schon gesagt worden –, den Ganzjahrestourismus zu fördern. Deshalb begrüße ich die Schaffung von Modellregionen, wie sie auf Seite 97 des Regierungsübereinkommens der neuen Bundesregierung angeführt ist, um hier doch eine Antwort zu finden: Natur- und Kulturschönheiten zu zeigen, mit einem mit der Jahreszeit verbundenen Package, das heißt also, nicht nur ganz besonders Sommersaison oder ganz besonders Winter­saison hervorzuheben und explizit darauf zu setzen, sondern die Natur und Schönhei­ten jahreszeitmäßig und das ganze Jahr über anzubieten, um eine kontinuierliche Aus­lastung zu erzielen. (Bundesrätin Roth-Halvax: Das passiert eh!)

Die Bevölkerung ist ebenfalls mit einzubeziehen, damit sie sich mit der Branche identi­fiziert – stärker identifiziert als in vielen Anlassfällen. Ebenso müssen sich die Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer finden.

Wichtig wären meiner Meinung nach auch themenbezogene Interessengemeinschaf­ten. Die älteste mir bekannte themenbezogene Interessengemeinschaft ist der Heil­bäder- und Kurorteverband. Aber es gibt durchaus auch in anderen Themensegmenten Zusammenschlüsse, die förderlich sind, um nicht nur einerseits einen konzentrierten Marktauftritt zu erzielen, sondern andererseits auch Qualitätsmerkmale festzulegen,


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