BundesratStenographisches Protokoll751. Sitzung / Seite 220

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rung aller Schülerinnen und Schüler, egal welchen sozialen Background sie haben. – So viel eingangs zu den Worten meines Vorredners.

Die PISA-Studie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ist in aller Munde: Durch die Einsparungen der letzten Jahren, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich, zeigen sich gravierende Defizite. Ein bisschen verbessert im PISA-Ranking, lautete unlängst eine Schlagzeile in einer österreichischen Tageszeitung.

Laut PISA-Test schneidet jeder dritte Schüler in Österreich mit „Nicht genügend“ ab. Gleichfalls alarmierend ist die Leseschwäche der getesteten Schüler, und auch die Dif­ferenz zwischen den Ergebnissen einheimischer Schüler und den Schülern mit Migrati­onshintergrund ist in Österreich überdurchschnittlich groß. – Auch aus diesem Blick­winkel betrachtet ist Handlungsbedarf gegeben.

Der deutsche Bildungsökonom Ludger Wößmann präsentierte in der Fachzeitschrift „Pädagogik“ drei Studien über die Selektion von Schülern und kommt dabei zu folgen­dem Ergebnis – ich darf kurz zitieren –: Je später ausgelesen wird, desto geringer ist die Spanne zwischen guten und schlechten Schülerleistungen und desto geringer ist die Leistung von der sozialen Herkunft des Schülers abhängig – das heißt, je besser die Bildung der Eltern, desto besser die Leistungen der Kinder.

Ich denke, Zweck einer zielgerichteten, humanen Schulpolitik, kann daher – und ich wiederhole mich diesbezüglich bewusst – nur sein, zu mehr Chancengleichheit durch möglichst optimale Frühförderung der Schüler zu kommen. (Demonstrativer Beifall des Bundesrates Breiner.)

Ich glaube, mit dem Modellversuch der Neuen Mittelschule werden nach etlichen Jah­ren des Stillstandes in der Bildungspolitik Reformschritte in die richtige Richtung ge­setzt. Wesentliche Voraussetzungen dazu wurden von SP-Bildungsministerin Schmied und unter SPÖ-Regierungsbeteiligung bereits geschaffen – ich verweise nur auf kleine­re Klassen mit der Richtzahl von 25 Schülern, Einstellung von mehr Lehrerinnen und Lehrern, aber auch mehr Ganztagsbetreuung.

Der nächste Schritt ist eben, die Modellversuche für die Neue Mittelschule, die gemein­same Schule der 10- bis 14-Jährigen, einzuführen, und diese nach entsprechender Erprobungsphase für alle Schüler einzuführen. Das bringt, wie gesagt, entsprechende Vorteile für alle.

Das Burgenland hat entsprechende Tradition, was Schulversuch-Modelle betrifft: Ich verweise auf die Einführung der Fünftagewoche und den Tagesheim- und Ganztags-Schulbetrieb.

In jüngster Zeit waren viele Schulen Pilotschulen bei der Entwicklung der Schulautono­mie unter Berücksichtigung regionaler Schwerpunkte, auch in der Leitbild- und Schul­programm-Entwicklung. Die Schulversuche sind positiv verlaufen, ich durfte Zeuge dieser positiven Entwicklung sein. Schulpartnerschaft wird groß geschrieben und auf innere Differenzierung und individuelle Förderung der Schüler großer Wert gelegt. Mit der Schaffung der Modellregion Burgenland wollen wir diese erfolgreiche Tradition fort­setzen und weiterhin zu einer positiven Schulentwicklung beitragen.

Die Neue Mittelschule wird in einigen Bezirken des Burgenlandes umgesetzt, wobei es bis jetzt in zwei Bezirken nur Hauptschulen gibt, das heißt, dort gibt es keine AHS-Un­terstufe, was auch heißt, dass fast alle Schüler eines Jahrganges die Hauptschulen besuchen. Jene Klassen, die das Burgenland für den Schulversuch der Neuen Mittel­schule gemeldet hat, werden selbstverständlich auch realisiert werden, und die Chance ist gegenwärtig groß, dass noch weitere dazukommen. Wir haben die Möglichkeit, zehn von 100 Klassen in den Schulversuch einbringen zu können.

 


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