BundesratStenographisches Protokoll767. Sitzung / Seite 78

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Ich möchte zum Thema Denkmalpflege Stellung beziehen, zum Denkmal Rotunde, in dem sich das Panorama befindet, von dem heute schon ausgiebig die Rede war. Das Gemälde soll letzten Endes unter Aufgabe des historischen Gebäudes versetzt, verlegt werden.

Ich meine, wir sollten schon genau betrachten, was da tatsächlich geschieht. Ich möch­te keine Unterstellungen machen, also niemandem unterstellen, viele Dinge vielleicht nicht bedacht zu haben. Denkmalpflege ist ein nicht so leicht filetierbarer Begriff. Seit über 100 Jahren besteht in einem historisch gewachsenen Zustand die Rotunde mit dem Panoramabild darinnen.

Um die Bedeutung dieses Gebäudes vielleicht auch in ein internationales Licht zu rü­cken, möchte ich darauf hinweisen, dass in der Herbstsession der UNESCO ein Antrag gestellt wurde, die Rotunde von Waterloo, wo auch an eine Schlacht von europäischer Bedeutung erinnert wird, zum Weltkulturerbe zu erheben und ein entsprechendes Verfahren in Gang zu setzen.

In dieser Herbstsession ist darüber gesprochen worden, dass es auf der ganzen Welt noch vier solche Gebäude gibt, und die Anregung an die Prüfungskommission von ICOMOS International erfolgt, die letzten vier Rotunden insgesamt unter Schutz zu stellen und die Erklärung zum Weltkulturerbe zu betreiben.

Und jetzt geht das Land Tirol daran, eines dieser vier weltweit noch im historisch ge­wachsenen Zustand bestehenden Objekte zu zerstören. Das tut mir leid!

Bei allem Verständnis für die Schaffung eines modernen MuseumsQuartiers, sollte man vielleicht auch einen kleinen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte machen und sich überlegen, wie dieses Verfahren gelaufen ist. Ich glaube, dass in diesem Fall im zuständigen Ministerium eine Fehlentscheidung getroffen wurde. Es gab eindeutige Stellungnahmen aller Fachleute und Fachorganisationen beginnend mit dem Bundes­denkmalamt bis hin zum Historikerverband.

Es hat sich auch eine bekannte Persönlichkeit intensiv mit der Rettung der Rotunde auseinandergesetzt, nämlich Felix Mitterer, der Tirol in der „Piefke-Saga“ verherrlicht hat. Auch Felix Mitterer ist die Bewahrung des historischen Zustands sehr wichtig. (Bundesrat Mitterer: Der ist nicht mit mir verwandt!)

Diese Stellungnahmen, diese Bescheide waren alle eindeutig. Es ist dann eine Ent­scheidung im Ministerium gefallen, die keine Sachentscheidung war, sondern eine politische! Der Vizepräsident von ICOMOS International kommentiert diese als eine „schandbare Einmischung ins Kernfleisch einer Sachentscheidung“.

Man sollte schon auch berücksichtigen, dass es letzten Endes jetzt, nach dieser Ent­scheidung, vermutlich zu spät ist, sie zu revidieren, aber diese Rotunde ist in dem Zu­stand, wenn das Rundgemälde dort entfernt sein wird, natürlich dem Verfall preisgege­ben, zuletzt der Spitzhacke. Man hat den Abbruch nicht beantragt, obwohl auch schon in vielen Stellungnahmen der schlechte Bauzustand bekrittelt worden ist. Man hat den Abbruch deshalb nicht beantragt, weil dann ein anderes Verfahren in Gang gekommen wäre, in dem es vielleicht nicht so einfach gewesen wäre, mit einer einfachen Minister­weisung diesen rechtlichen Zustand herzustellen. Das ist für mich auch eine Form eines Umgehungstatbestands.

Summa summarum tut mir das alles sehr leid. Tirol hätte sich verdient, dass mit dem kulturellen Erbe etwas sorgfältiger umgegangen wird. Es ist natürlich nicht die gesamte Organisation dieses Gedenk- und Jubiläumsjahres, es ist auch nicht der Ausbau am Bergisel zu bekritteln, aber es wäre wohl auch mit der Rotunde und mit dem Rund­gemälde in der Rotunde gegangen. Ausflüchte wie, sie sei an einer verkehrsreichen


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