BundesratStenographisches Protokoll804. Sitzung / Seite 119

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Ich komme nun zum Grünen Bericht, einem Bericht mit jeder Menge Informationen, Daten, Fakten und Vergleichszahlen, einem Bericht, der die Probleme aufzeigt, mit denen unsere Bauern und Bäuerinnen täglich zu kämpfen haben.

Im Vergleich zu den katastrophalen Ergebnissen 2008/2009 zeigt dieser Bericht für 2010 eine Steigerung der durchschnittlichen land- und forstwirtschaftlichen Einkünfte um 20 Prozent auf. Das klingt natürlich vorerst sehr gut, doch ist bei näherer Betrachtung bestimmt kein Grund zum Feiern, da, wie Sie wissen, die Einkünfte in der Land- und Forstwirtschaft 2009 um bis zu 28 Prozent gefallen sind. Trotz eines Plus von 20 Prozent liegt das Betriebsdurchschnittseinkommen 2010 noch immer unter dem Wert von 2008. Da braucht man sich wirklich nicht zu wundern, dass das Sterben vorwiegend der kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, wenn es uns hier nicht einmal gelingt, die Inflationsrate abzugelten. Seit 1990 haben rund 90 000 Betriebe, das ist zirka ein Drittel der damals mehr als 280 000 land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, ihre Tore für immer geschlossen.

Aus diesem Grünen Bericht geht auch hervor, dass die Bandbreite der jährlichen Einkommen zwischen 6 040 € in den kleineren und 45 648 € in den größeren Betrieben liegt. Diese Zahlen machen deutlich, warum etwa zwei Drittel der Betreiber kleiner und mittlerer bäuerlicher Betriebe, die zirka 70 Prozent der Betriebe repräsentieren, gezwungen sind, eine oder mehrere außerbetriebliche Nebenerwerbstätigkeiten auszuführen, um finanziell überleben zu können.

Ich kann die Existenzängste der Bauern in Österreich sehr gut verstehen. Urlaub, Krankenstand oder Pflegefreistellung sind aufgrund der täglich anfallenden harten körperlichen Arbeiten bei jeder Witterung kaum zu verwirklichen.

Für eine Durchschnittspension von sage und schreibe 754 € müssen unsere Landwirte ein Leben lang auf vieles verzichten. Ständig neue EU-Richtlinien und die damit ver­bundene Bürokratie sorgen für zusätzliche Belastungen. Selbst die Einkünfte eines Asylanten beziehungsweise eines Mindestsicherungsbeziehers werden für eine Null-Leistung wesentlich höher bewertet.

Die Politik muss die Bauern im Kampf gegen die Billigkonkurrenz, globales Bevölke­rungswachstum, Klimawandel und Wirtschaftskrise unterstützen und ist aufgerufen, nachhaltige Maßnahmen zur Zukunftssicherung der Bauern zu setzen.

Die Erzeugung ökologisch wertvoller und gesunder Lebensmittel unter Bedachtnahme auf eine tier- und umweltgerechte Produktionsweise hat Zukunft und muss noch mehr als Marke Österreichs hervorgehoben werden.

Eine Möglichkeit besteht auch in der Umstellung auf erneuerbare Energien in Richtung Biomasse, Solar- und Windenergie.

Im Hinblick auf die Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist es unbedingt erforderlich, eine Renationalisierung der Agrarpolitik voranzutreiben. Um eine größtmögliche Eigenver­sorgung der österreichischen Bevölkerung mit Lebensmitteln zu erreichen, sind folgende Maßnahmen unbedingt erforderlich:

Erstens ist die Versorgungsautarkie in Österreich sicherzustellen. Diese ist bei tieri­schen Produkten wie Rind- und Schweinefleisch weitgehend erreicht. Bei Schweine­fleisch sind es zirka 85 Prozent, aber die Tendenz ist fallend. Der Selbstversor­gungsgrad bei Geflügel und Eiern liegt jedoch nur bei zirka 72 beziehungsweise 74 Prozent. Hier ist die Tendenz aufgrund der Automation steigend.

Zweitens: Im Bereich der Selbstversorgung bei pflanzlichen Ölen und Erdäpfeln ist ebenfalls noch großer Handlungsbedarf. Zudem ist sicherzustellen, dass der heimische


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