übernommen, was ich nicht als negativ bewerten würde, aber: Warum nur von Frauen? Genauso sollte das auch für Männer möglich sein, wie gesagt, in allen Hierarchiestufen. Also dieses Verweben der Lebensbereiche wäre mir ein ganz wichtiges Anliegen.
Ich möchte noch zwei Punkte aufgreifen, nämlich zum einen: Schule. Aus eigener Erfahrung, und statistisch auch belegbar, möchte ich sagen, dass der Eintritt des Kindes in die Schule im Alter von sechs Jahren in Bezug auf Betreuung für eine berufstätige Frau ganz besonders schwierig ist. Im Kindergarten wird man noch verwöhnt mit Öffnungszeiten und vor allem Sommerbetreuungsmöglichkeiten, während der Schulzeit ist das viel, viel schwieriger. 38 Wochen „Öffnungszeit“, wenn man so will, stellen berufstätige Menschen vor besondere Herausforderungen, vor allem wenn man bedenkt, dass noch nicht einmal 20 Prozent der Schulkinder in einem Hort sind. Und Kinder, die in der Schulzeit nicht in einem Hort sind, werden in der Ferienzeit schon gar nicht in einen Hort gehen.
Also hier stehen wir vor besonderen Herausforderungen, die Schulzeit der Kinder für berufstätige Eltern interessanter und angenehmer zu gestalten und natürlich auch für die Kinder für den Sommer Möglichkeiten zu schaffen, die leistbar sind, die für die Kinder auch interessant und förderlich sind und nicht nur Aufbewahrungsstätten oder teure Feriencamps.
Zweiter großer Punkt ist das Thema Pflege. Ich glaube, wie angesprochen, in diese Richtung denken wir auch noch zu kurz. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bezieht sich leider oft nur auf die Kinder von null bis sechs, dann sozusagen rennt das Werk. Das stimmt ja gar nicht. Vor allem wenn die Kinder quasi aus dem Haus sind, wenn die Kinder selbständig sind, fängt das Pflegethema erst so richtig an mit den eigenen Eltern. Wir haben noch viel zu wenig Möglichkeiten der Betreuung, auch der mobilen Betreuung oder der Tagesbetreuung. Die Zuhause-Betreuung ist das angenehmste und schönste, aber bei Berufstätigkeit natürlich auch nicht immer zu bewerkstelligen.
Einen Punkt möchte ich noch zum Thema Adoption und gleichgeschlechtliche Paare anführen. Ich bin gegen jegliche Diskriminierung, das ist hoffentlich schon durchgekommen, aber zu dem Thema Kindeswohl möchte ich eine Studie aus Deutschland zitieren, die mit Familien mit Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gemacht wurde. Das waren Pflegekinder, das waren Stiefkindadoptionen oder sonstige Konstellationen, natürlich keine Fremdkindadoptionen. Wie geht es den Familien und wie geht es den Kindern in diesen Situationen? – Leider muss man sagen – und das ist die Dramatik an sich –, dass 43 Prozent der Eltern und auch der Kinder in diesen Konstellationen über Diskriminierung berichtet haben. (Bundesrat Schreuder: Ja, aber das ist das Problem der Gesellschaft, nicht der Familien!) – Ja, logisch, natürlich. Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit, das anzuerkennen. (Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates Schreuder.)
Ich sage nur, das ist die Situation, in der wir im Moment leben. Ich glaube, wir müssen sehr stark daran arbeiten, Diskriminierungen in der Gesellschaft, im gesellschaftlichen Bild zu beheben, und dann über die Frage betreffend das Kindeswohl nachdenken, und nicht anders herum. Ich denke, wir müssen die Diskriminierung in der Gesellschaft Schritt für Schritt abstellen, wenn wir sagen, ein Adoptionskind soll das beste Lebensverhältnis bekommen. Ich glaube, im Moment krankt es an der Diskriminierung dieser Familienformen in der Gesellschaft, und das gehört meiner Meinung nach bearbeitet und Schritt für Schritt gelöst. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie des Bundesrates Zelina.)
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